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Kundenrezensionen

4,7 von 5 Sternen
53
4,7 von 5 Sternen
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Über die Exilanten in Frankreich während der Nazizeit wurden viele Romane geschrieben. Irene Nemirovsky nähert sich dem Thema aus anderer Perspektive, indem sie in ihrer Suite francaise die Sicht der Franzosen einnimmt, die 1940, mit der Besetzung Frankreichs durch Hitlers Armee, die Flucht Richtung Süden in die unbesetzte Zone ergreifen. Panisch verlassen viele Pariser mitsamt eines Teils ihrer Besitztümer die Stadt. Dieser Massenexodus führt zu Chaos auf den Straßen und Bahnhöfen, so dass bald kein Durchkommen mehr möglich ist und viele der Flüchtenden nie ihr Ziel erreichen. Dies ist das Thema des ersten Teils, der als Episodenroman angelegt ist. Viele Personen ganz unterschiedlichen Charakters werden eingeführt, die sich in dieser äußerst angespannten Situation sehr unterschiedlich verhalten und ihr wahres Wesen offenbaren.

Der zweite Teil des von der Autorin auf fünf Teile angelegten Romans spielt ein Jahr später in einem besetzten Dorf. Dort wird jeder Familie ein deutscher Soldat zum Wohnen zugewiesen. Nachdem viele Franzosen erkannt haben, dass die Mehrheit der Deutschen den Krieg genauso wenig will wie sie, macht in vielen Familien die anfängliche Reserviertheit nach und nach einem zaghaften Miteinander Platz. In Einzelfällen kommt man sich sogar näher. Andernorts beschwört Eifersucht Tragödien herauf. Dieser Teil und damit das Buch endet mit dem Abzug der deutschen Soldaten und deren Verlegung nach Russland. Der Roman bleibt unvollendet.

Im umfangreichen Anhang folgen Notizen der Autorin zum weiteren geplanten Verlauf des Romans, den sie auf fünf Teile anlegen wollte. Der letzte Teil sollte das Ende des Krieges beschreiben. Damit sollte es ein Buch ganz dicht am Zeitgeschehen werden. Weder das Ende noch der Zeitpunkt desselben waren absehbar. Dies zu lesen hat etwas Gruseliges, es verursacht Gänsehaut.

Dieses Gefühl von Beklemmung geht auch nicht mehr weg, denn als Nächstes folgt ein Briefwechsel, den Michel Epstein, Irene Nemirovskys Ehemann, nach deren Verhaftung durch die Gestapo mit Freunden, Verlegern und Bekannten von Freunden bis zum Zeitpunkt seiner eigenen Verhaftung wenige Monate später geführt hat. Diese Briefe zeigen den Versuch Epsteins, den Verbleib seiner Frau zu erforschen und geben zugleich detailliert Auskunft über die Zuspitzung der Situation für ihn und die Töchter.

Schließlich endet das Buch mit einem Nachwort. Die Entdeckungs- und Entstehungsgeschichte dieses Buches ist sehr interessant, denn das Manuskript wurde erst 2004 in den wenigen Überbleibseln des Nachlasses Irene Nemirovskys gefunden. Eine kurze Biografie der Autorin vervollständigt das Nachwort.

Dieses Buch verdient es unbedingt, gelesen zu werden. Es nimmt, wie schon erwähnt, eine ungewöhnliche Sichtweise ein. Die verschiedenen Charaktere und Schicksale sind anrührend und erschüttern teilweise bis in Mark. Der auch handwerklich perfekte Roman berührt sehr nachhaltig und gehört zum Besten, was über den Zweiten Weltkrieg geschrieben wurde.
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am 4. Februar 2006
Irène Némirowsky Suite française Knaus
ISBN 3813502600
Ein bedrückendes, dramatisches und beklemmendes Werk ist dieses Buch der 1942 in Auschwitz ermordeten Schriftstellerin Irène Némirowsky.
Wie eine musikalische Fuge ist der Roman angelegt, von dem, ursprünglich fünf Teile vorgesehen, nur zwei Teile fertig gestellt werden konnten. I.N. wurde in Auschwitz ermordet. Ihre Töchter hatten das Manuskript über die Jahre gerettet.
Im ersten Teil wird die bevorstehende Besetzung von Paris durch die Nazis Mitte des Jahres 1940 erzählt.
In einem ganz eigenen Erzählstil gibt es zuerst kaum Protagonisten, an denen man Schicksale festmachen könnte.
Wie eine wabernde, dumpfe Menschenmenge rafft jeder an sich, was er nur kann, sucht zu retten, was möglich ist. Charaktere unterschiedlichster Couleur werden beschrieben: rücksichtslose, verbitterte, egoistische, mitfühlende, traurige, verzweifelte und hilfsbereite. Die ganze Palette menschlicher Eigenschaften wird zum Leben erweckt und vermittelt eine Stimmung ratloser und rastloser Hast, mit dem man dem Untergang zu entrinnen versucht.
Ich fühlte eine dumpfe Bedrückung beim Lesen, die mir fast den Atem nahm.
Im zweiten Teil wird ein Dorf in Frankreich beschrieben. Man hat sich mit der Besetzung durch die deutschen Soldaten einzurichten.
In jedem Haus ist einer von ihnen stationiert.
Es ist der Sommer 1941 und wunderbare Stimmungsbilder der Natur, der Gerüche und der Jahreszeit auf einem herrlichen Fleckchen Erde wechseln ab mit der einen grausamen Tatsache: es ist Krieg, man kann nichts machen. Es gibt Soldaten, die im Netzwerk des Kriegsablaufes stecken und Franzosen, die den Feinden Abneigung und zuweilen zögerliches Wohlwollen entgegen bringen
Ein adliges Haus, ein Bürgerhaus und eine Bauernfamilie bieten nähere Einblicke in die Lage.
Im Gegensatz zum ersten Teil kann man an der Gefühlswelt einzelner Personen teilhaben.
Es gibt u.a. die totale Ablehnung und den Hass der Dorfbewohner auf die Besatzer. Es gibt aber auch den einzelnen, der als Rädchen eines Ganzen beschrieben wird: Menschen, deren Empfindsamkeiten sich gleichen, die Glück, Liebe, Zuneigung und Eifersucht empfinden, unabhängig von ihrer Zugehörigkeit zur einen oder anderen Seite. Letzteres wird dargestellt in der Person von Lucile, einer unglücklich verheirateten jungen Französin, die sich zu einem liebenswerten und attraktiven deutschen Offizier durch zarte Bande hingezogen fühlt. Hier begegnen sich zwei Menschen, die zu einer anderen Zeit ihrer Liebe Ausdruck geben dürften. Unter den gegebenen Umständen bleibt dieses Fühlen für Lucile sträflich, sowohl in den Augen ihrer Mitbewohner als auch vor dem eigenen Gewissen.
I. Némirowsky beschreibt nüchtern und doch mit Empathie, klar und unparteiisch, wie es Menschen ergeht, die in unmenschlicher Zeit in ihrem Denken und Fühlen blockiert bleiben, weil Krieg die Völker entzweit.
Beim Leser bleibt der Gedanke an eine irrationale, irrwitzige und unmenschliche Kategorie von Leben, das eigentlich von niemandem mit rationalem Verstand begriffen werden kann.
Das scheint für mich die Größe dieser Kriegserzählung auszumachen: dass vieles aus der Sicht des Individuums nicht zu verstehen und im Ablauf der Geschichte nur als Wahnsinn zu betrachten ist, ---was es im Kern ja wohl auch war.
Wahrlich ein großartiger Roman von hohem inhaltlichen und literarischem Wert.
Cl.B.
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am 4. Juni 2007
Ein bedrückendes, dramatisches und beklemmendes Werk ist dieses Buch der 1942 in Auschwitz ermordeten Schriftstellerin Irène Némirowsky.

Wie eine musikalische Fuge ist der Roman angelegt, von dem, ursprünglich fünf Teile vorgesehen, nur zwei Teile fertig gestellt werden konnten. I.N. wurde in Auschwitz ermordet. Ihre Töchter hatten das Manuskript über die Jahre gerettet.

Im ersten Teil wird die bevorstehende Besetzung von Paris durch die Nazis Mitte des Jahres 1940 erzählt.

In einem ganz eigenen Erzählstil gibt es zuerst kaum Protagonisten, an denen man Schicksale festmachen könnte.

Wie eine wabernde, dumpfe Menschenmenge rafft jeder an sich, was er nur kann, sucht zu retten, was möglich ist. Charaktere unterschiedlichster Couleur werden beschrieben: rücksichtslose, verbitterte, egoistische, mitfühlende, traurige, verzweifelte und hilfsbereite. Die ganze Palette menschlicher Eigenschaften wird zum Leben erweckt und vermittelt eine Stimmung ratloser und rastloser Hast, mit dem man dem Untergang zu entrinnen versucht.

Ich fühlte eine dumpfe Bedrückung beim Lesen, die mir fast den Atem nahm.

Im zweiten Teil wird ein Dorf in Frankreich beschrieben. Man hat sich mit der Besetzung durch die deutschen Soldaten einzurichten.

In jedem Haus ist einer von ihnen stationiert.

Es ist der Sommer 1941 und wunderbare Stimmungsbilder der Natur, der Gerüche und der Jahreszeit auf einem herrlichen Fleckchen Erde wechseln ab mit der einen grausamen Tatsache: es ist Krieg, man kann nichts machen. Es gibt Soldaten, die im Netzwerk des Kriegsablaufes stecken und Franzosen, die den Feinden Abneigung und zuweilen zögerliches Wohlwollen entgegen bringen

Ein adliges Haus, ein Bürgerhaus und eine Bauernfamilie bieten nähere Einblicke in die Lage.

Im Gegensatz zum ersten Teil kann man an der Gefühlswelt einzelner Personen teilhaben.

Es gibt u.a. die totale Ablehnung und den Hass der Dorfbewohner auf die Besatzer. Es gibt aber auch den einzelnen, der als Rädchen eines Ganzen beschrieben wird: Menschen, deren Empfindsamkeiten sich gleichen, die Glück, Liebe, Zuneigung und Eifersucht empfinden, unabhängig von ihrer Zugehörigkeit zur einen oder anderen Seite. Letzteres wird dargestellt in der Person von Lucile, einer unglücklich verheirateten jungen Französin, die sich zu einem liebenswerten und attraktiven deutschen Offizier durch zarte Bande hingezogen fühlt. Hier begegnen sich zwei Menschen, die zu einer anderen Zeit ihrer Liebe Ausdruck geben dürften. Unter den gegebenen Umständen bleibt dieses Fühlen für Lucile sträflich, sowohl in den Augen ihrer Mitbewohner als auch vor dem eigenen Gewissen.

I. Némirowsky beschreibt nüchtern und doch mit Empathie, klar und unparteiisch, wie es Menschen ergeht, die in unmenschlicher Zeit in ihrem Denken und Fühlen blockiert bleiben, weil Krieg die Völker entzweit.

Beim Leser bleibt der Gedanke an eine irrationale, irrwitzige und unmenschliche Kategorie von Leben, das eigentlich von niemandem mit rationalem Verstand begriffen werden kann.

Das scheint für mich die Größe dieser Kriegserzählung auszumachen: dass vieles aus der Sicht des Individuums nicht zu verstehen und im Ablauf der Geschichte nur als Wahnsinn zu betrachten ist, ---was es im Kern ja wohl auch war.

Wahrlich ein großartiger Roman von hohem inhaltlichen und literarischem Wert.
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am 10. August 2009
Bemerkenswert ist an diesem Buch allein schon die Entstehungsgeschichte: als die Autorin 1942 aufgrund ihrer jüdischen Abstammung ins KZ verschleppt wurde, blieb das Manuskript in einem Koffer zurück, in dem es ihre beiden Töchter auf ihrer Odyssee durch Pflegefamilien und Pensionate begleitete und erst vor wenigen Jahren entdeckt und verlegt wurde.

Paris 1940: Menschen aller sozialen Schichten sind auf der Flucht aus der Stadt, die von den Deutschen bombardiert wird. Beim eiligen Aufbruch in vollgepackten Autos, unterwegs auf überfüllten Straßen, in den Notquartieren spielen sich erschütternde, aber auch ganz banale Szenen ab. Eine vielköpfige Familie ist samt Kater und senilem Großvater unterwegs, ein reicher Bourgeois versucht verzweifelt sein wertvolles Geschirr zu retten, ein Schriftsteller seine Manuskripte, ein älteres Ehepaar soll der Bank folgen, bei der es arbeitet und die nun umsiedelt, weil es in Paris zu gefährlich geworden ist.

In präzise beobachteten Szenen berichtet der erste Teil des Buches über diese Menschen, in denen Benzin- und Nahrungsmittelknappheit, die drangvolle Enge der Notunterkünfte und die Angst um Angehörige an der Front oder in Gefangenschaft zu extremen menschlichen Regungen führen.

Im zweiten Teil schildert Irène Némirovsky die Besetzung eines Dorfes durch die Deutschen und wie die Bevölkerung mit der Besatzungsmacht umgeht - durchaus nicht nur voller Hass und Abneigung, viele versuchen sich zu arrangieren, man geht Tauschgeschäfte ein, versucht, miteinander auszukommen, andere lassen sich gar auf Liebeleien ein ...

Ergänzt ist dieses detailreiche Tableau Frankreichs im 2. Weltkrieg durch Auszüge aus den Notizen der Autorin zur Entstehung des Buches, Korrespondenz von und über Irène Némirovsky (insbesondere während der verzweifelten Suche ihres Mannes nach ihrem Verbleib) und ein aufschlussreiches Nachwort zu ihrer Biographie und der Entstehungsgeschichte des Buches.

Angelegt war das Werk auf fünf Teile, von denen leider nur der erste ganz und der zweite teilweise vollendet wurde. Es macht mich betroffen und gleichzeitig wütend, dass diese begabte Frau ihr großartiges Werk nicht beenden durfte und in Auschwitz ermordet wurde.

Aus diesem Buch spricht jedoch kein Hass auf die Deutschen, auf die Nazis, die jungen deutschen Soldaten im zweiten Teil werden im Gegenteil sehr menschlich geschildert, nicht als gesichtslose Horde von Barbaren. Ebensowenig sind die Franzosen durch die Bank die Guten, die Opfer. Überhaupt versteht es die Autorin unglaublich gut, Menschen mit aller Ambivalenz in ihrem Verhalten, ihren Gefühlen, ihren Beweggründen zu beschreiben, ohne pathetisch zu werden, ohne mit erhobenem Zeigefinger zu werten.

In wunderschöner Sprache und mit stilistischer Leichtigkeit trotz des ernsten Themas hat mich dieses Buch völlig in seinen Bann gezogen. Ein eindrucksvolles Werk. Unglaublich schade, dass es unvollendet bleiben musste.
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am 9. August 2015
1940: Der Blitzkrieg tobt und innerhalb von Wochen besiegt die Wehrmacht die französische Armee und besetzt fortan große Teile Frankreichs.
Wer jenseits der Fakten einen realistischen Blick davon bekommen möchte, welche Folgen dies für die "normale" Bevölkerung Frankreichs hatte, der kommt an Suite Francaise keineswegs vorbei! Detailreich und mit sprachlicher Finesse berichtet die Autorin vom Schicksal mehrerer Familien aus allen gesellschaftlichen Schichten, die sich von jetzt auf gleich auf der Flucht befinden, ohne große Habseligkeiten, ohne viel Nahrung, getrieben von Angst und Verzweiflung. Auch der alltägliche Umgang mit den deutschen Besatzern wird thematisiert, was von purem Hass über stillschweigendes Dulden bis hin zu amourösen Abenteuern reicht.

Für geschichtsinteressierte Leser, die ein authentisches Bild des Zweiten Weltkriegs erfahren möchten, ist dieses Buch definitiv ein Muss°
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am 6. November 2010
Um es direkt zu sagen: ich mag keine Kriegsromane, keine Kriegsfilme und keine Kriegsreportagen. Ich bin dankbar, diese Zeit nicht erlebt zu haben. Vielleicht ist das der Grund, warum ich zuerst andere Bücher der Autorin gelesen habe als ihr vermeintliches Hauptwerk. Nach der Lektüre von "Suite Francaise" muss ich allerdings zugeben, dass dieses Buch weit besser ist als die anderen Bücher. Der Krieg spielt natürlich eine Rolle, aber nur als Auslöser für menschliche Schicksale und Verstrickungen. Nemirowsky begleitet einige Pariser Bürger auf ihrer Flucht vor den deutschen Besatzern in den Süden Frankreichs und schildert ihre Ängste und Hoffnungen, aber auch ihre Grausamkeit und Gleichgültigkeit dem Nächsten gegenüber. Die Deutschen sind eher eine abstrakte Gefahr, Frankreich ist besiegt, und man arrangiert sich mit den Verhältnissen (und auch mit den Deutschen!). Die Autorin hütet sich davor, Gut-Böse-Klischees auszubreiten. Ihre Sprache ist dezent und genau, die Psychologisierung der Personen viel komplexer als in ihren anderen Werken. Die Deutschen sind keine Monster, sondern im Gegenteil meistens bemüht, die Besiegten fair zu behandeln. Ich kann mir vorstellen, dass das Buch in Frankreich zwiespältig aufgenommen wurde; die Autorin fühlte sich von ihrem Land im Stich gelassen, und sie rechnet in diesem Werk weniger mit ihren deutschen Mördern als mit ihren französischen Landsleuten ab. Die französische Gesellschaft (wie die englische) war und ist viel stärker eine Klassengesellschaft als unsere, und die Autorin zeigt gnadenlos, dass diese soziologische Konstellation auch angesichts extremer äußerer Bedrohung (Krieg) besonders evident und vital war. Ein großes, bewegendes Werk. Daran, dass die von ihr so vorurteilsfrei beschriebenen Deutschen sie wenig später umgebracht haben - daran denkt man vor allem als Deutscher besser nicht. Und auch nicht daran, was sie der Welt noch an großer Literatur hätte schenken können, denn sie hatte noch zwei oder drei weitere Teile der Suite Francaise geplant. Das ist nicht nur "schade", nein, da fehlen einem die Worte.
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Ein tolles Werk. Figuren, die aus den Seiten heraussteigen, eine Dynamik im ersten Teil, die einen trotz des großen Kaleidoskop an Charakteren packt und begeistert. Der Blick auf den Krieg, die Verwirrung, das Elend, die Angst und Unsicherheit ist so genau, dass es schmerzt, die Details brechen einem das Herz, vor allem die kleinen Nebengeschichten Leider hat Irene Memirovsky es nicht geschafft das Buch zuende zu schreiben, weil sie von den Deutschen im KZ ermordet wurde. Leider fehlt dadurch auch eine Überarbeitung von ihr und vielleicht von ihrem Verlag, denn der zweite Teil ist manchmal sehr weitschweifig und leider nicht so dynamisch und auf dne Punkt wie der erste. Aber es bleibt ein tolles Buch und eine ganz große Tragödie, dass dieses Talent, wie soviele andere ob Talente oder nicht, durch den Krieg und seine Verbrechen ausgelöscht wurde. Wie sehr Europa und jeder Einzelen vom Krieg erschüttert wird, kann man hier lesen, wie er den Alltag zerschmettert und alles Untere nach Oben krempelt, bei vielen Menschen das Schlimmste in Ihnen, ihren Hass, Ehrgeiz, ihren Neid ihre Aggressionen hervorbringt, bei anderen ihr Bestes, ihren Mut, ihre Nächstenliebe, ihre Toleranz und Hilfsbereitschaft. Wer das hier mochte, sollte auch mal Uwe Johnsons Jahrestage lesen, ein noch dickeres, nicht so französich -opulentes Werk, aber eben so scharfsinnig und detailbesessen, ebenso klare Figuren und ein Blick in den Abgrund und auf die Höhen der menschlichen Charaktereigenschaften...
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TOP 500 REZENSENTam 15. August 2014
Sommer 1940: Die deutsche Armee steht vor Paris. Voller Panik packen die Menschen ihre letzten Habseligkeiten zusammen und fliehen. Angesichts der existentiellen Bedrohung zeigen sie ihren wahren Charakter …
Irene Nemirovsky nimmt in Suite francaise die Sicht der Franzosen ein, die 1940, mit der Besetzung Frankreichs durch Hitlers Armee, die Flucht Richtung Süden in die unbesetzte Zone ergreifen. Panisch verlassen viele Pariser mitsamt eines Teils ihrer Besitztümer die Stadt. Dieser Massenexodus führt zu Chaos auf den Straßen und Bahnhöfen, so dass bald kein Durchkommen mehr möglich ist und viele der Flüchtenden nie ihr Ziel erreichen. Dies ist das Thema des ersten Teils, der als Episodenroman angelegt ist. Viele Personen ganz unterschiedlichen Charakters werden eingeführt, die sich in dieser äußerst angespannten Situation sehr unterschiedlich verhalten und ihr wahres Wesen offenbaren.
Der zweite Teil des von der Autorin auf fünf Teile angelegten Romans spielt ein Jahr später in einem besetzten Dorf. Dort wird jeder Familie ein deutscher Soldat zum Wohnen zugewiesen. Nachdem viele Franzosen erkannt haben, dass die Mehrheit der Deutschen den Krieg genauso wenig will wie sie, macht in vielen Familien die anfängliche Reserviertheit nach und nach einem zaghaften Miteinander Platz. In Einzelfällen kommt man sich sogar näher. Andernorts beschwört Eifersucht Tragödien herauf. Dieser Teil und damit das Buch endet mit dem Abzug der deutschen Soldaten und deren Verlegung nach Russland. Der Roman bleibt unvollendet.
Angelegt war das Werk auf fünf Teile, von denen leider nur der erste ganz und der zweite teilweise vollendet wurde. Es macht mich betroffen und gleichzeitig wütend, dass diese begabte Frau ihr großartiges Werk nicht beenden durfte und in Auschwitz ermordet wurde.
Aus diesem Buch spricht jedoch kein Hass auf die Deutschen, auf die Nazis, die jungen deutschen Soldaten im zweiten Teil werden im Gegenteil sehr menschlich geschildert, nicht als gesichtslose Horde von Barbaren. Ebenso wenig sind die Franzosen durch die Bank die Guten, die Opfer. Überhaupt versteht es die Autorin unglaublich gut, Menschen mit aller Ambivalenz in ihrem Verhalten, ihren Gefühlen, ihren Beweggründen zu beschreiben, ohne pathetisch zu werden, ohne mit erhobenem Zeigefinger zu werten.
Irène Némirovsky erzählt multiperspektivisch, schnörkellos, sprachlich reich, voller Zartgefühl und ganz unsentimental. Sie hat mit "Suite Francaise" ein Werk geschaffen, das vor bildlichen Darstellungen nur so blüht und dem Leser von heutzutage einen intimen und detailgetreuen Einblick in die Welt des besetzten Frankreichs von 1940/1941 gewährt. Verständlichkeit der Sprache und der Handlung
In wunderschöner Sprache und mit stilistischer Leichtigkeit trotz des ernsten Themas hat mich dieses Buch völlig in seinen Bann gezogen. Ein eindrucksvolles Werk. Unglaublich schade, dass es unvollendet bleiben musste.
Dieses Buch verdient es unbedingt, gelesen zu werden. Vor allem auch wegen des Anhanges, den Notizen zum Weitergang des Romans. Für jeden Leser, der bereit ist, sich darauf offen einzulassen
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am 9. Dezember 2007
Das Erstaunliche an Suite francaise liegt in zwei Bereichen: zum Einen ist da diese Art der Beschreibung der Charaktere, mit klaren und einfachen Worten zeichnet uns die Autorin ganz lebendige und uns nahe Personen, pointiert diese aber gleichzeitig so, dass wir die unterschiedlichsten Geisteshaltungen und Eigenarten vorfinden. Zum Anderen beeindruckt, dass der Gegenstand des Werkes keineswegs eine einzige Heldenhuldigung des französischen Volkes während der Nazibesatzung ist und die Deutschen nicht in der fantasielosen Art als armselige, dumme und brutale Mörder oder Nazis gezeichnet werden; im Vordergrund steht auch hier der einzelne Mensch mit all seinen Fehlern, Hoffnungen, Egoismen. Gerade weil hier die Menschenschicksale einzeln beschrieben werden und nicht so sehr das Epos des Weltkrieges, gelingt eine so klare Zeichnung der Zeit. Es steht endlich mal nicht die Versuchung im Vordergrund, unsere vorgefertigte Meinung über die Geschehnisse des Zweiten Weltkrieges selektiv bestätigt zu bekommen, sondern es eröffnen sich neue und mitunter aufregende Erkenntnisse über uns Menschen.
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am 24. Oktober 2014
Leider ist meine, bereits aus dem Jahr 2009 stammende, 5-Sterne-Empfehlung hier verloren gegangen. Es war auch keine Rezi im eigentlichen Sinne, denn damals war ich hier noch ungeübt. Dennoch war ich damals eine der ersten, die sich so positiv über Irene Nemirovski geäußert hat, und ich habe danach all ihre, bis dato verschollenen, Bücher gelesen und besprochen. Hier der alte Text.

"5.0 von 5 Sternen Weihnachts- und Geburtstagsgeschenk...., 28. Dezember 2009
Von mbh53 ("tutz!") (Starnberg) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Suite française (Taschenbuch)
Erhielt diesen Roman als Geburtstagsgeschenk. Mein Geburtstag ist im Oktober, ich las, konnte das Buch kaum mehr aus der Hand legen und "schaffte" dann bis Weihnachten nahezu alle anderen "Nemirovskys"....Ich selbst verschenkte schließlich einige Titel zu Weihnachten. Was ich damit sagen möchte: ein Werk, das tiefe innere Widersprüche und durch unbarmherzige Lebensumstände erzwungene äußere Risse und biografische Erdbeben im eigenen Leben durch die Anschaulichkeit, mit der das Schicksal anderer beschrieben wird, verallgemeinern, relativieren und damit erträglicher machen kann: für mich der höchste Sinn der Literatur überhaupt."

Nun kommt der Film zum Roman in die Kinos! Ich bin sehr gespannt, zumal bereits ein Oskar zu winken scheint....lassen wir uns überraschen!
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