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Kundenrezensionen

3,6 von 5 Sternen
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am 2. Oktober 2016
Es ist Nacht in Tokyo. Die Menschen entfliehen der Einsamkeit und tun Dinge, bei denen sie sich ob der Tageszeit unbeobachtet fühlen. Mari sitzt alleine in einem Restaurant, Takahashi probt mit seiner Band, Maris Schwester Eri liegt beständig in einem unnatürlich tiefen Schlaf, und in einem Love Hotel ganz in der Nähe wird eine chinesische Prostituierte von einem Freier geschlagen. Ihre Wege kreuzen sich im Laufe der Nacht und ihre Leben werden sich verändern.

"In der Zeit zwischen Mitternacht und den ersten hellen Streifen am Himmel tut sich die geheime, dunkle Pforte dieses Ortes auf, an dem unser rationales Denken außer Kraft gesetzt ist. Niemand kann voraussehen, wann und wo sein Abgrund einen Menschen verschlingen und wann und wo er ihn wieder ausspucken wird."

Ich hatte bisher von vielen Leuten gehört, dass sie Afterdark nicht mögen, dass es mit diesem Roman bergab ginge und alles danach sowieso nicht mehr so gut sei. Ich war auf das Schlimmste gefasst und muss sagen, dass ich leider enttäuscht wurde. Die Warnungen konnten mich überhaupt nicht davon abhalten, diesen doch recht ungewöhnlichen Murakami zu mögen. Murakami hat nicht das Rad neu erfunden, auch nicht das seines eigenen Wagens: die Charaktere sind ähnlich schrullig-liebenswert wie in seinen anderen Romanen und glücklicherweise fehlt auch nicht das Verschwimmen der Realität. Trotzdem hat er etwas gewagt.

Neu ist die Erzählweise und -perspektive, die Murakami anwendet. Es ist sehr spannend, was der Autor hier mit dem Leser macht: durch den nullfokalisierten Erzähler, welcher keinerlei Einblick in die Gefühls- und Gedankenwelt der Protagonisten hat, werden Erzähler und Leser gemeinsam zu Beobachtern. Der Erzähler betrachtet und beschreibt lediglich als Außenstehender, was er wahrnimmt – die Absichten der Charaktere kann er nur erraten. Somit ist er auf genau demselben Wissensstand wie wir. Oftmals vergleicht er sich selbst mit einer Kamera, die über allem schwebt, heran- und herauszoomt. Es wirkt also weniger wie ein Roman, sondern vielmehr wie ein Film oder vielleicht auch ein Beschattungsprotokoll eines Detektivs. Insgesamt ist der Schreibstil so natürlich extrem deskriptiv und nüchtern-sachlich, was anfangs gewöhnungsbedürftig ist. Nach einiger Zeit kommt man jedoch gut rein und kann sich darüber freuen, dass auch ein Haruki Murakami irgendwann noch einmal etwas neues ausprobiert und herumexperimentiert.

"Wir sind unsichtbare, namenlose Eindringlinge. Wir sehen. Wir lauschen. Wir riechen. Ohne indes physisch anwesend zu sein und Spuren zu hinterlassen."

Durch die Art des Erzählens bzw. Beschreibens fühlte ich mich als Leser doch recht voyeuristisch. Dies wird verstärkt durch die Tatsache, dass Menschen nachts beobachtet werden, wenn sie sich unentdeckt fühlen. In der Regel schlafen wir nachts, wir können nur erraten, was andere Leute währenddessen treiben. In Afterdark werden wir jedoch Zeugen ihrer geheimnisvollen Aktivitäten und haben so das Gefühl, in ihre Privatsphäre einzudringen. Die herrschende Dunkelheit und Nacht, welche den Leser von Anfang bis Ende des Romans begleiten, verkörpern die Einsamkeit der in ihr agierenden Personen, aber auch gleichzeitig die Abgründe ihrer Seelen. Mari und Eri haben sich voneinander entfernt und Eri scheint ernsthafte Probleme zu haben, die Mari nicht einmal ansatzweise erahnen kann. Der Freier, der die Prostituierte schlug, hat anscheinend auch eine sonderbare Verbindung zu Eri.

Besonders interessant wird es dann, wenn die Grenzen der Realität gedehnt werden. In der einen Wirklichkeit hat unser Erzähler immer noch keinen Einblick in seine Charaktere. In der anderen Wirklichkeit jedoch weiß er, was Eri denkt, fühlt und plant. Wir, die Leser und der Erzähler, beobachten sie in der anderen Wirklichkeit wie durch eine Barriere, wir bekommen mit, dass sie spricht, doch ihre Worte erreichen uns nicht und unsere erreichen sie nicht. Ich glaube, dass genau hier tiefere Bedeutungen versteckt sind und einiges an Interpretationen zulassen.

"So etwas wie eine Mauer, die verschiedene Welten trennt, existiert in Wirklichkeit gar nicht. Und wenn doch, dann ist sie wahrscheinlich aus dünnem Papiermaché. Wenn man sich plötzlich dagegenlehnt, bricht man möglicherweise durch und landet auf der anderen Seite. Vielleicht merken wir bloß nicht, dass sich die andere Seite schon in unser Inneres hineingestohlen hat…"

Murakami sagte einmal, dass das Schreiben für ihn wie Träumen sei. Seine Werke zu lesen ist auch immer ein bisschen wie träumen, aber meistens kein leichtfüßiger, angenehmer Traum, sondern ein verwirrender, überwältigender, der einen nach dem Aufwachen nicht loslässt. Sobald man das Buch zuklappt, erwacht man und ist durcheinander, aber auch immer noch euphorisiert. Gerade bei den Romanen, in welchen Realität und Traum ineinander übergleiten, ist dies der Fall. Auch hier. Nachdem in der fiktiven Welt von Afterdark der neue Tag beginnt, beginnt ebenfalls in der Realität des Lesers mit dem Umblättern der letzten Seite ein neuer Tag. Viele Fragen bleiben zurück, ein wenig Benommenheit, Desorientiertheit. Und dann beginnt das Gehirn zu arbeiten.

Haruki Murakamis Afterdark ist wirklich schwer mit seinen anderen Romanen wie z.B. Hardboiled Wonderland und das Ende der Welt oder Kafka am Strand zu vergleichen, schon alleine auf Grund der Länge und des Stils. Für mich haben sich vielmehr Parallelen zu seiner Erzählung Schlaf gezeigt. Auf den sehr deskriptiven und sachlichen Stil muss man sich einlassen, dann belohnt der Autor einen allerdings mit einem gekonnten Porträt der nächtlichen Großstadt und ihren einsamen, sich am Abgrund bewegenden Bewohnern. Ein durchaus spezieller Roman, der mich aber einen wunderbaren Traum träumen ließ.
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am 12. April 2011
Ich war mit einem namenlosen Helden auf wilder Schafsjagd, bin zusammen mit Toru - "Mr. Aufziehvogel" - Okada in Brunnen gestiegen, habe Urlaub im Hard-boiled Wonderland gemacht und bin vor kurzem zusammen mit Kafka Tamura am Strand gewesen. Bei all diesen Büchern hatte ich wirklich das Gefühl, dabei zu sein. Bei Afterdark war es das erste Mal so, dass ich mich lediglich als Beobachter gefühlt habe. Das war von Murakami offensichtlich beabsichtigt, immerhin hat er uns Leser ja quasi ganz direkt als Beobachter angesprochen und uns durch diese eine Nacht in Tokyo geführt.

Und diese eine Nacht, in der sich Afterdark abspielt, ist glücklicherweise auch wieder typisch Murakami-magisch. Die Charaktere stimmen, die Ereignisse sind interessant und machen Spaß, und es gibt herrlich abstruse und surreale Momente und Anspielungen. Allerdings habe ich mich diesmal nicht in dem Buch verloren. Dazu war es zu offensichtilch nur ein Buch. Beim Aufziehvogel, der Schafsjagd, dem Wonderland und Kafka am Strand habe ich stellenweise vergessen, dass ich nur eine Geschichte lese (was ich mir auch jetzt, im Nachhinein, noch nicht wirklich eingestehen will) so einnehmend waren sie. Selbst, wenn ich die Bücher kurz geschlossen habe (was teilweise nötig war, um lebenswichtigen anderen Tätigkeiten nachzugehen), haben sich meine Gedanken weitergesponnen, ich habe versucht, Symbole zu entschlüsseln, Andeutungen zu verstehen oder einfach alles nochmal und nochmal Revue passieren zu lassen.

Vielleicht lag es an der geringen Seitenzahl oder an der damit verbundenen "zeitlichen Begrenzung" der Geschichte, vielmehr jedoch glaube ich, dass es an dem fehlenden Ich-Erzähl-Protagonisten lag. In allen Büchern, die ich bis jetzt von Murakami gelesen habe, wurde die Geschichte aus der Sicht der Protagonisten erzählt. Dadurch hatte man natürlich direkten Zugriff auf ihre Gedanken und Gefühle und das war immer etwas ganz besonderes. Unzählige kleine Weisheiten ließen sich so spielend einfach und unaufdringlich verstecken. Anspielungen, Gedankenanregungen, Standpunkte, Meinungen etc. haben einen ganz natürlich dadurch erreicht, dass der Protagonist einfach nur dasaß und nachdachte. So simpel und unrevolutionär das ist, so genial ist es bei Murakami auch immer. Wie gesagt, bei Afterdark fehlte mir das. Natürlich denken die Charaktere auch hier nach und geben ununterbrochen interessante Gedankennahrung von sich, jedoch erreichte es mich diesmal auf unpersönlicherer Ebene. Die Botschaft, die zweifellos irgendwo zwischen den Zeilen versteckt liegt, hat mich nicht wirklich erreicht.

Die Erzählweise ist selbst für Murakami-Verhältnisse einfach zu sachlich. Es wird quasi einfach nur geschildert,was gerade passiert. Mir kam die gesamte Lektüre vor, wie eine Art Drehbuch. Sollte irgendwer das Buch jemals verfilmen wollen, kann er es sich sparen, ein extra Drehbuch zu schreiben.

Das alles liest sich sehr negativ. Im Endeffekt ist Afterdark für sich allein in meinen Augen jedoch nach wie vor ein toller Roman. Und jeder, der Murakami mag, sollte ihn definitiv lesen. Im direkten Vergleich zu anderen Werken von ihm war es jedoch das erste Mal, dass zumindest bei mir der Wow-Effekt quasi vollkommen ausblieb; es hat mir gefallen, mich aber nicht vom Hocker gehauen, wie bisher jedes andere seiner Bücher. Es hat diesmal einfach nicht so schön klick gemacht.

Vielleicht verstehen Murakami-Fans in etwa, was ich sagen will. Bei allen anderen entschuldige ich mich für das Gedankenfetzen-Textwirrwarr (und empfehle ihnen, Murakami mal zu lesen! Meiner Meinung nach eignet sich die Wilde Schafsjagd übrigens als klasse Einstieg!).

Freudig blicke ich nun der Gefährlichen Geliebten entgegen, die ich heute bestellt, und Ende der Woche zu lesen beginnen werde.

- Hendrik
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am 5. Juli 2010
Ein Fastfood-Lokal... knapp vor Mitternacht... das lesende Kameraauge sieht ein Mädchen... ein lesendes Mädchen... was macht sie zu so später Stunde alleine hier?
Ein junger Mann mit Posaune setzt sich zu ihr... ein Gespräch beginnt...
Eine junge Frau schläft... ist es eine Art Winterschlaf... ein Flimmern verrät einen Fernseher... auf welcher Ebene der Wahrnehmung befindet man sich?
In einem Lovehotel wird eine junge Frau zusammengeschlagen...
Ein Mann arbeitet nachts im Büro... Stunden später legt er das Mobiltelefon der zusammengeschlagenen Frau in einem Supermarkt in der Käseabteilung ab...

Am Ende doch schlüssig verbindet Haruki Murakami diese verschiedenen Ideen und schafft somit ein poetisches Stimmungsbild einer Nacht in einer der Großstädte Japans.
Sein Großstadtdschungel ist bevölkert von einsamen, guten, schlechten und glücklichen Menschen, von Prostituierten, von Arbeitslosen, von Studenten und von Workoholics.
Er erzählt von Menschen, deren Wege sich manchmal kreuzen, oder auch nicht, von Begegnungen, die ohne Nachwirkung bleiben, oder auch nicht.

Die metaphysische Ebene in Afterdark" nimmt gegen Ende in der Erzählung um die schlafende Schwester zu, während sich zwischen der ursprünglich in "Denny's" sitzenden Mari und dem Hobbymusiker eine zaghafte Romanze anzubahnen beginnt.

Wie ein jazz-verliebter Marionettenspieler führt der Autor seine Figuren und den Leser wie einen bereitwillig lesenden Voyeur durch die knapp 280 Seiten, um am Ende alles, quasi wie im Märchen, mit dem Sonnenaufgang verschwinden zu lassen.

"Afterdark" fällt zwar als Roman durch; als stimmungsvolles, kurzes, musikalisches und poetisches Nocturne funktioniert "Afterdark" aber sehr gut.
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am 20. November 2008
Ich hab mir dieses Buch spontan gekauft, ich stand in der Buchhandlung und wollte mir vor Ladenschluß noch ein neues Buch kaufen.
Murakami war mir schon bekannt durch "NaokoŽs Lächeln" und "Der Elefant verschwindet".
Ich mochte zwar bei den Büchern die Art und Weise wie er Dinge beschreibt aber warum jetzt sooo der Hype um ihn gemacht wurde, hab ich nicht so ganz kapiert..
Auf jeden Fall hab ich mir nur schnell den Klappentext von "Afterdark" durchgelesen und da ist die Rede von vielen Leuten, Geschichten zwischen Mitternacht und Morgengrauen und auf den ersten Blick machte es den Anschein als wären es Kurzgeschichten. Wie dem auch sei, zuhause habe ich noch die ersten 30 Seiten gelesen und war direkt-ACHTUNG, schlimmes Wort-gefesselt!
Die Atmosphäre die Murakami in dem Buch beschreibt, kommt so gut rüber, so verständlich und klar...Es ist zwar ein Roman aber drei Geschichten die parallel laufen und irgendwie doch zusammenhängen-erinnerte mich sehr an die Filme L.A. CRASH und BABEL.
Die 19-jährige Mari verbringt die Nacht alleine in Cafés und liest, ein junger Kerl setzt sich zu ihr, eine Prostituierte wird von einem Freier brutal vermöbelt, die Schwester von Mari schläft seit 2 Monaten und selbst das wird zu lebendig erzählt, dass man das Gefühl hat, dabei zu sein...
Beim Lesen musste ich immer wieder an das Bild "Nighthawks" von Edward Hopper denken...

Die Menschen die in dem Roman mitspielen sind zwar mit anderen Menschen zusammen aber jeder wird für sich mit seinen kleinen und großen Problemen dargestellt und beschrieben wird und jeder hat seinen Grund für das nächtliche Aufbleiben...
Das Buch hatte ich in 3 Zügen durch und war nicht eine Sekunde gelangweilt. Man bekommt direkt Lust selber alleine durch die Nacht zu streifen und Jazz zu hören
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am 7. Oktober 2006
Eigentlich mochte ich Murakami immer sehr. Er hat 2 sehr geniale und ein paar sehr gute Bücher geschrieben. Aber in letzter Zeit wird mir das alles immer skurriler. Auch "Afterdark" ist wieder so ein Fall. Man liest es recht schnell durch und denkt sich dann: "Aha?". Und nun? Keine großartige "Sprachmagie". Murakamis Ton eine Geschichte interressant und spannend zu machen ist ihm hier völlig abhanden gekommen. Alles trocken und knapp, als hätte der Autor ein Filmskript schreiben wollen. Dialoge die auch bei einer grenzenlosen Interpretationsgabe nicht viel hergeben. Ebenso die Figuren, die nicht wirklich interessante Geschichten zu erzählen haben. Natürlich ist klar, dass alle in diesem Buch vor etwas fliehen, sei es nun Mari vor ihrer Familie, ihre Schwester Eri vor ihrem oberflächlichen Leben, ein Musiker von dem unsicheren ins sichere Leben oder eine Angestellte eines Lovehotels vor irgendwem. Aber der Funke ist bei mir einfach nicht übergesprungen. Ich will das was hier passiert gar nicht wissen. Denn was weiss ich nach dem Lesen dieses Buches? Das die Japaner auch nur Menschen sind, mit den gleichen Problemen wie andere auch?

2 Sterne bekommt das Buch wegen den tollen nächtlichen Bilder und dem Ende, das zwar, wie in allen Murakami Büchern recht vage ausfällt, dafür aber die Figuren etwas erleichtert in den nächsten Tag entlässt.
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am 2. April 2010
Zuerst muss ich anmerken, dass ich das Buch im Original gelesen habe und damit nichts zur deutschen Übersetzung und deren Auswüchsen sagen kann.
Murakami lässt typischerweise wieder ganz alltägliche Charaktere auftreten und zeigt, wie eng jeder mit jedem in seinen Handlungen, Erlebnissen (eigentlich im ganzen Leben) verzahnt ist, obwohl sie auf den ersten Blick komplett verschiedene Leben führen. Eingepackt in eine spannende und schöne Geschichte, die sich in einer Nacht abspielt, versuchen die unterschiedlichen Personen mit ihrem eigenen Leben ins reine zu kommen. Drehen sich in ihrer Einsamkeit und suchen ihre Freiheit; stoßen dabei aber auf Grenzen und finden sich in (teils gezwungenen, teils unerwünschten, teils notwendigen) gegenseitigen Abhängigkeiten/Zwängen wieder.
Auch wenn es wie bei allen Murakami Werken zunächst schwer ist die Bezüge zu finden, ist es doch das erste, was mir in jeder Hinsicht schlüssig und vor allem am realistischsten und somit tiefgründig erscheint. Zwar wird nicht alles aufgeklärt, aber m.E. sind die eigentlichen Ereignisse zweitrangig, im Vordergrund stehen die Beziehungen der Personen zu sich selbst und untereinander.
...Mir blieb also nicht wie bei Kafka on the shore dieses "Aha, und nun?" Erlebnis. Zudem bin ich kein Freund langwieriger Detailbeschreibung (Schafsjagd), daher spricht mich Afterdark noch mehr an. Für mich auch das erste Buch wo ich von "Happy-End" sprechen würde, wenn auch nur im Murakami-Stil. Ebenso nicht ganz so dunkel wie Naokos Lächeln und lieber zu kurz als zu lang (ging mir stellenweise bei Mister Aufziehvogel so). Vielleicht auch einfach gut verständlich, weil ich mich an Murakami gewöhnt habe.

Kurz, prägnant, abwechslungsreich, tiefgreifend, sozialkritisch - macht bei mir fünf Sterne.

Für mich das bisher beste Murakami Werk. Meiner Meinung nach ein Muss. Für Einsteiger vielleicht aber zu undurchdringlich. Aber das muss jeder selber wissen. Viel Spass beim Lesen!
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am 4. Januar 2008
Das Buch Afterdark behandelt den Abschnitt einer Nacht von 3 verschiedenen Protagonisten.
Hierbei agiert der Erzähler wie ein Regisseur und beschreibt genau, was der Leser durch eine Art Kamera gerade sehen kann. Der Leser fühlt sich, als wenn er einen Film sehen würde.
Das Buch ist in Kapitel unterteilt , welche getrennt voneinander die Nacht der jeweiligen Person beschreiben.
Nach und nach erkennt der Leser aber Parallelen zwischen den einzelnen Geschichten und aus den 3 zuerst unzusammenhängend erscheinenden Geschichten wird ein Erzählstrang.
Inhaltlich springt das Buch dabei zwischen normalen Alltagssituationen, Gangster und Zuhälter Passagen bis hin zu liebevoll beschriebenen para-normal Erscheinenden Ereignissen.
Meiner Meinung nach, hat Haruki Murakami dabei etwas zu tief in die Trickkiste gegriffen. Der Anfangs sehr interessante Stil, die Handlung aus Sicht einer Art Kamera zu beschrieben, wird zum Ende hin eher lästig. Ebenso wie die para-normalen wirkenden Scenen, welche ein Mädchen beschreiben, das scheinbar nichtmehr aufwachen kann.
Trotz dieser Mängel kann ich das Buch Afterdark empfehlen. Es ist im gewohnt liebevollen und verträumten Schreibstil Murakami's gehalten und verzaubert somit die Leser erneut. Ebenso ist der Großteil der Handlung interessant und mit 237 Seiten meiner Meinung in eine gute Länge verpackt. Ebenso zufrieden bin ich mit dem offenen Ende, was dem Leser verdeutlicht, das es sich eben nur um eine Nacht handelt.
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am 13. Juli 2013
Das Buch war ein Spontankauf, da ich ja Murakami bereits schon kannte und mitunter etwas das schnell durchgelesen ist suchte griff ich zu, es war auch keinesfalls ein Fehlgriff. Es besitzt vielleicht nicht ganz diese Magie wie andere Bücher des japanischen Autors. Trotzdem gefiel mir auch hier wieder die gesamte Erzählweise (z.B. wird das charakterlich stark unterschiedliche Geschwisterpaar Eri und Mari, auch durch unterschiedliche Erzählstile dem Leser nähergebracht) und das die einzelnen Geschichten der sehr individuellen Charaktere in gewisser Weise mit einander Verbunden oder sozusagen sich auch überschneiden fand ich auch nett. Einiges läuft parallel zueinander und manche Ereignisse werden aus unterschiedlichen Perspektiven weitergeführt. Ja es erinnert mich teilweise an die Art von manchen asiatischen Filmen wo der Zuschauer in eine Geschichte einsteigt, die sich ohne auf einen nennenswerten Höhepunkt zusteuert entwickelt und man am Ende ausgeklinkt wird und man das Gefühl hat es hätte endlos weiterlaufen können. Das Buch strahlt eine gewisse Melancholie aus wie es teilweise auch im Jazz üblich ist und für so etwas bin ich eben sehr empfänglich, zu dem ja noch ein Charakter ohnehin ein Jazz-Posaunist ist.

Fazit: Kurzes eintauchen für eine Nacht in die Ereignisse mehrerer Personen die in gewisser Weise miteinander verknüpft sind. Afterdark umkreist etwas leicht Geheimnisvolles, die Geschichten sind insgesamt unterhaltsam, mit netten Dialogen und man ist stets interessiert sie weiterzuverfolgen. Muss man das Buch nun gelesen haben? Sicherlich nicht unbedingt. Als Murakami-Fan ist es denke ich sicher lesenswert, wer z. B. schon gefallen an „Der Elefant verschwindet“ hatte, kann eigentlich zugreifen. Ansonsten wer mit meiner kurzen Beschreibung etwas anfangen kann und diese ihm/ihr zusagt so wünsche ich viel Spaß beim Lesen.

P.S. Wer mit Jazz, wenn auch nur wenig, etwas anzufangen weiß und das Musikstück welches im Buch vorkommt nicht kennt, sollte mal reinhören, wunderschön.
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am 6. Juli 2009
Als eingefleischter Murakamifan, darf ich mich den Vorrezensenten insofern anschließen als dass es sich hier eher um eine längere Erzählung handelt, dennoch mochte ich auch dieses Buch wieder sehr. Die poetische Kraft ist immerhin eine Murakamische auch wenn sich - zugegebenermaßen - die Themenfelder sehr ähneln...Dennoch mich hat er auch mit diesem Bändchen eingefangen, deshalb noch immer 4 Sterne!
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am 23. Juni 2009
Nachdem mich "Hard-boilded Wonderland..." gefesselt, "Wilde Schafsjagd" und "Wie ich eines schönen Morgens.." umso mehr enttäuscht haben, bin ich froh wieder ein gutes Buch von Murakami gelesen zu haben.

Der Roman ist wirklich wie eine Nacht. Finster startet sie und mit jeder Stunde gen Sonnenaufgang ändert sich die Stimmung. Murakami zeigt in diesem flotten Roman die Anonymität und Tragik, sowie auch die Vertrautheit zwischen fremden Menschen in einer großen Stadt, indem er einzelne Geschichten geschickt miteinander verbindet. Entgegen "Wilde Schafsjagd" und "Wie ich eines..." wird endlich wieder ein roter Faden durch die ganze Geschichte gezogen und lässt kein unbefriedigendes Gefühl zurück.
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