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Kundenrezensionen

4,4 von 5 Sternen
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4,4 von 5 Sternen
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am 17. März 2004
Das Erdbeben von Kobe ist Lichtjahre entfernt, fragmenthaft taucht es in Gesprächen oder Fernsehbildern im Hintergrund auf. Es bildet nicht die Kulisse, es setzt nur den zeitlichen Rahmen für die sechs Kurzgeschichten in Haruki Murakamis Erzählband "Nach dem Beben".
Merkwürdige Dinge passieren in diesen hinreißend eigenwilligen Geschichten, aber auch ganz gewöhnliche, stinknormale. Komische Käuze, skurrile Eigenbrötler, innerlich leere Menschen, deren einzige Sehnsüchte Schlaf und der Tod sind, wandeln durch befremdend unwirkliche Szenerien und nehmen diese wie selbstverständlich, ohne die kleinste Verwunderung, als etwas Alltägliches wahr.
Aber es gibt auch viele berührende, herzerwärmende Momente in diesem Buch. In der wunderschönen Liebesgeschichte "Honigkuchen" erfindet ein junger Mann Märchen über Honigbären für ein kleines Mädchen, damit es endlich einschlafen kann. Oder in "Thailand", wo eine Ärztin ihre traumatische Vergangenheit abzuschütteln versucht, indem sie ihrem Geliebten von einst den Tod in einem einstürzenden Gebäude wünscht.
Um Schlaf und die Sehnsucht nach tiefem Schlaf geht es oft in Murakamis Geschichten, manchmal scheinen Realität und (Tag)träume ineinander überzugehen und zu verschmelzen.
In der Erzählung "Alle Kinder Gottes tanzen" verfolgt ein junger Verlagsangestellter seinen vermeintlichen Vater, den er an seinem abgebissenen Ohrläppchen zu erkennen glaubt, durch das nachtschwarze Tokio und findet sich irgendwann auf einem riesigen menschenleeren Sportplatz wieder - alleine in einer trostlosen, surrealen Umgebung. Doch anstatt seine Gefühle und Gedankengänge dem Leser zu offenbaren, beginnt er zu tanzen, und er tanzt und tanzt in der Dunkelheit bis zum Ende der Geschichte.
Und so wie dem Protagonisten ergeht es auch Haruki Murakamis Leser manchmal: in dessen brillanter Erzählkunst gefangen wird er durch abenteuerliche Begegnungen, haarsträubende Handlungen und absonderliche Begebenheiten geschleust, immer tiefer wird er in den Sog seiner fantastischen Geschichten gezogen - und dann, ohne Vorwarnung, plötzlich ohne Erklärung im Nichts verstört stehen gelassen.
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Die Erzählung "Honigkuchen" macht aus einem mittelmäßigen Erzählungsband einen großartigen. Eine Rezensentin erwähnt, daß der Protagonist dieser aufwühlenden Geschichte derselbe sei wie der in "Der nierenförmige Stein, der jeden Tag wanderte", und das diese ihre absolute Lieblingsgeschichte von Murakami sei. Sie befindet sich in dem Band "Blinde Weide, schlafende Frau", bei dessen Lektüre ich mich mittelschwer gelangweilt hatte. Mich rissen mehr solche Geschichten vom Hocker wie die, die in "Der Elefant verschwindet" versammelt waren, aber die neuen sind entweder belanglos und langweilig, oder sie haben eine Tiefe, die den früheren Werken fehlte. Daß der Mann erzählen kann, versteht sich ja von selbst. Jedenfalls werde ich wohl jetzt gleich noch einmal "Der nierenförmige Stein, der jeden Tag wanderte" lesen müssen. Und ich empfehle jedem Skeptiker, sich einmal "Honigkuchen" vorzunehmen, eine wunderbare, verstörende und herzwärmende Erzählung.
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am 17. Juli 2011
Murakami ist ein Meister der Kurzgeschichte. Alle Eigenschaften, die seine Romane so lesenswert und wertvoll machen, kommen auch in der kurzen Form, seinen Erzählungen, zur Entfaltung.

Die in diesem Band versammelten Kurzgeschichten sind unter dem Eindruck des verherenden Erdbebens im japanischen Kobe entstanden. Sie alle habe eigentlich ein ganz anderes Thema, doch das Erdbeben taucht in allen Geschichten auf und verändert z. T. den Lauf der Dinge.

Murakami zeigt sich wieder in Bestform. Zieht den Leser in den Bann, phasziniert, sorgt für Spannung und weckt Neugier, schürt Erwartungen und erfüllt sie mal wieder nicht - ohne den Leser dabei enttäuscht zurückzulassen!

Eine absolute Leseempfehlung.
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am 5. März 2013
Dieses Buch enthält 6 Erzählungen. Jede einzelne Geschichte bzw. Erzählung spielt in einer Zeit nach oder vor einem Erdbeben, welches Japan erschütterte. Jede dieser Geschichten, bis auf die sechste, scheinen eine Frage im Raum stehen zu lassen, was jedoch nicht weiter schlimm ist. Ich denke, es ist der Fantasie jedes einzelnen Lesers überlassen, wie diese Antwort/Information dazu lauten könnte. Dennoch hätte ich gerne durch das Buch selbst die Antwort darauf erfahren. An sich ein tolles Buch und jede der Geschichten wurden toll geschrieben. Bei Kapitel 2 und 5 musste ich sogar hin und wieder schmunzeln. Andere wiederum regen einen zum Denken an. Die letzte Geschichte hat mir dann wieder ein Lächeln auf die Lippen gezaubert.

Fazit:
Ein nettes Schmankerl für zwischendurch, welches gut und schnell zu lesen ist und ebenfalls nicht langweilig wird. Japan-Verrückte sollten es auf jeden Fall einmal gelesen haben :)
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„Nach dem Beben“ enthält sechs Kurzgeschichten von Haruki Murakami. Fünf der Geschichten haben einen mal größeren, oft aber nur geringen Bezug zu dem Erdbeben von 1995 in Kobe. Die letzte Geschichte „Honigkuchen“ hat gar keine Berührungspunkte zur Umweltkatastrophe. Sie handelt von der Dreiecksbeziehung einer Gruppe Literaturstudenten. Die Hauptfigur müht sich jahrelang ab, um Erfolge als Schriftsteller feiern zu können, aber es gelingt ihm nicht, über durchschnittliche Werke hinauszukommen. Das gilt auch für dieses Buch! Alle Geschichten sind gekonnt geschrieben, Murakami schafft es die aufgebaute Spannung bis zum Schluß aufrechtzuerhalten. Die Lektüre ist kurzweilig und die Pointen, etwa von „Ufo in Kushiro“, sind überraschend und regen zum Nachdenken an. Enttäuschend ist, daß die Geschichten nichts typisch japanisches haben. Sicherlich, sie spielen fast alle in Japan (außer „Thailand“) und sie handeln von Japanern, aber es könnten genau so gut US-Amerikaner oder Europäer sein. Murakami hat längere Zeit in den USA und Europa gelebt, er beschäftigt sich intensiv mit westlicher Literatur, übersetzte Irving und Capote ins Japanische und zitiert in diesem Buch gerne Hemingway, Dostojewski und andere. Die jugendliche Heldin in „Alle Kinder Gottes tanzen“, für mich der schönste Text des Buchs, lebt mit einem Möchtegern-Rockstar, der seiner Lieblingsband Pearl Jam nacheifert. Es ist sehr leicht, einen Bezug zu diesen Figuren herzustellen, weil sie eben so gänzlich westlich sind: gelangweilt vom Reichtum und als sie die Katastrophe aus ihrem geordneten Alltag herausreißt, stehen sie vor einer schweren Sinnkrise. Das Erbeben ist in diesem Buch offensichtlich eine Metapher für eine unerwartete Katastrophe, nach der sich das bisherige Leben schlagartig ändern kann. Ein universelles Thema, deshalb ist dieses Buch wohl auch nicht die richtige Wahl für Leser, die etwas typisch japanisches suchen. Obgleich die, an Kafkas „Verwandlung“ erinnernde Story „Frosch rettet Tokyo“ auch aus einem Manga stammen könnte.
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am 11. September 2004
„Aber die Kurzgeschichte gerät immer mehr aus der Mode, wie der bedauernswerte Rechenschieber." Das jedenfalls fürchtet einer der Helden in Murakamis Kurzgeschichten, wir können nur hoffen, dass er damit nicht recht behält - wer bedauert schon einen Rechenschieber? Doch wie auch immer: ‚Nach dem Beben' halte ich für eines der besten Bücher von Murakami - und für eines der besten auf dem Gebiet der Kurzgeschichte! Hier wird in erstaunlichen Nachwirkungen und in großer Entfernung vom Zentrum dem Nachbeben in den Gefühlen unterschiedlicher Menschen nachgespürt. Das eigentliche Beben in Kobe (von dem vergleichsweise wenig die Rede ist) hält als Auslöser die langen Fäden zusammen und fasst so die Sammlung kurzer Geschichten zu einer großartigen neuen Form zusammen! Das Beben hat nicht nachgelassen. Es hat nicht nur Bauwerke zerstört - auch Übereinkünfte, Zusammenhänge, Sinngebungen. Es wirkte sich bis weit in die Peripherie aus und zielte direkt auf das Innerste der Menschen. Hier eine kleine Kostprobe, die ein wenig von der Einsamkeit der Kreaturen erzählt. Und wie so oft geht es auch hier in einfachen Sätzen um tiefe Fragen des Lebens. Hier erzählt also der thailändische Chauffeur namens Mimit der japanischen Ärztin Satsuki von seinem ehemaligen Chef, der ursprünglich aus dem Norden - aus Norwegen nämlich - kam: „Einmal hat er mir von den Eisbären erzählt - was für einzelgängerische Tiere sie sind. Einmal im Jahr paaren sie sich. Nur einmal im Jahr. So etwas wie eheliche Bindungen existieren bei ihnen nicht. Ein Eisbär und eine Eisbärin begegnen sich zufällig in der Weite des gefrorenen Landes und paaren sich. Das dauert nicht lange. Nach dem Akt rennt das Männchen vor dem Weibchen davon, als hätte es vor etwas Angst. Es ergreift regelrecht die Flucht. Es rennt davon, wortwörtlich ohne sich noch einmal umzuschauen. Den Rest des Jahres lebt es in tiefer Einsamkeit. Eisbären kennen keine Verständigung, keine Herzensbildung. Jedenfalls hat mir das mein Chef erzählt."/ „Wie sonderbar", sagte Satsuki./ „Ja", sagte Nimit mit ernstem Gesicht. „Sehr sonderbar. Ich weiß noch, dass ich ihn gefragt habe, wofür denn die Eisbären dann eigentlich leben. Und er antwortete mir mit einem wissenden Lächeln: „Und wir, Nimit, wofür leben wir?'"
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TOP 1000 REZENSENTam 16. März 2010
Dieses Hörbuch umfasst 6 Kurzgeschichten von Haruki Murakami, die er kurz nach dem Erdbeben im japanischen Kobe geschrieben hat. Jede Geschichte nimmt Bezug auf das Beben. Nichts ist mehr so, wie es war.
1. Alle Kinder Gottes
Ein junger Mann erzählt, wie er Gott verloren hat und ihn nach dem Beben wiederfindet, als er auf der Suche nach seinem leiblichen Vater ist. Gut.
2. Frosch rettet Tokyo
Nachdem schon Kobe von einem Erdbeben erschüttert wurde, soll als nächstes Tokyo dran sein. Das erfährt ein durchschnittlicher Bankangestellter von einem Riesenfrosch. Zusammen sollen sie in die Erde absteigen und gegen Wurm kämpfen, der dieses neue Beben auslösen wird. Doch der Mann wird kurz vorher niedergeschossen und wacht erst nach dem Termin im Krankemhaus wieder auf. Und es gab kein Erdbeben. Sehr mysteriös.
3. Thailand
Eine Frau findet im Urlaub durch ihren Chauffeur zu ihrer eigenen Vergangenheit zurück und schließt Frieden mit sich selbst. Gut.
4. Stilleben mit Bügeleisen
Ein junges Mädchen und ein älterer Mann treffen sich immer am Strand, um stundenlang vor einem Feuer zu sitzen. Dabei sprechen sie über die Ausweglosigkeit und Sinnlosigkeit des Lebens. Traurig.
5. Ufo in Kushiro
Ein Mann wird nach dem Beben von seiner Frau verlassen und muss sich neu orientieren. Dabei hilft ihm sein Chef, als er ihn mit einem geheimnisvollen Päckchen auf die Reise schickt. Ok.
6. Honigkuchen
Diese Geschichte hat mir mit Abstand am besten gefallen. Die scheinbare Hoffnungslosigkeit und Melancholie der vorhergehenden Geschichten wendet sich hier langsam zu neuer Hoffnung und neuen Lebensplänen um. Nach ca. 15 Jahren der unerwiderten Liebe, aber der festen Freundschaft, findet ein Mann doch noch Zugang zum Herz seiner geliebten Freundin. Und beide wissen, dass es so schon immer hätte sein sollen.
Das Hörbuch ist hervorragend von Joachim Krol gelesen.
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am 1. Oktober 2016
Murakami ist der einzige (fleißige) Autor, von dem ich alles gelesen habe, auch sämtliche Kurzgeschichten und sonstigen Texte, die es in deutscher oder englischer Übersetzung gibt. Die Wartezeit auf neuen Stoff überbrücke ich daher immer wieder mal mit verschiedenen Formaten. So lese ich den ein oder anderen Roman mal in englischer Übersetzung oder höre mir zusätzlich zum gelesenen Buch auch das Audiobook an (ein idealer Murakami-Vorleser ist hier immer David Nathan).
So auch im vorliegenden Fall, wo ich das Hörbuch und das Taschenbuch auf Englisch habe.
Joachim Krol als Vorleser ist Ok.
Die Geschichten unterscheiden sich in ihrer Klasse nicht von den anderen Erzählbänden.
Alle top, jede einzelne Geschichte eine Kostbarkeit.

Inhaltlich wurde an anderer Stelle schon viel gesagt.
Stil und Art wie der Inhalt entwickelt wird, mit den sanften Realitätsverschiebungen, haben ihre Murakami-eigene Ausprägung.
Wer das einmal gelesen und gemocht hat, braucht eigentlich keine Erklärung mehr.
Fazit: ich habe schon vielen Leuten Bücher (meist Romane) von Murakami ans Herz gelegt. Nicht alle mögen den Stil. Nach dem Beben würde ich zum Einstieg niemandem empfehlen. Man kann ihn besser genießen, wenn man Murakami bereits liebgewonnen hat.
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TOP 1000 REZENSENTam 16. März 2010
Dieses Buch umfasst 6 Kurzgeschichten von Haruki Murakami, die er kurz nach dem Erdbeben im japanischen Kobe geschrieben hat. Jede Geschichte nimmt Bezug auf das Beben. Nichts ist mehr so, wie es war.
1. Alle Kinder Gottes
Ein junger Mann erzählt, wie er Gott verloren hat und ihn nach dem Beben wiederfindet, als er auf der Suche nach seinem leiblichen Vater ist. Gut.
2. Frosch rettet Tokyo
Nachdem schon Kobe von einem Erdbeben erschüttert wurde, soll als nächstes Tokyo dran sein. Das erfährt ein durchschnittlicher Bankangestellter von einem Riesenfrosch. Zusammen sollen sie in die Erde absteigen und gegen Wurm kämpfen, der dieses neue Beben auslösen wird. Doch der Mann wird kurz vorher niedergeschossen und wacht erst nach dem Termin im Krankemhaus wieder auf. Und es gab kein Erdbeben. Sehr mysteriös.
3. Thailand
Eine Frau findet im Urlaub durch ihren Chauffeur zu ihrer eigenen Vergangenheit zurück und schließt Frieden mit sich selbst. Gut.
4. Stilleben mit Bügeleisen
Ein junges Mädchen und ein älterer Mann treffen sich immer am Strand, um stundenlang vor einem Feuer zu sitzen. Dabei sprechen sie über die Ausweglosigkeit und Sinnlosigkeit des Lebens. Traurig.
5. Ufo in Kushiro
Ein Mann wird nach dem Beben von seiner Frau verlassen und muss sich neu orientieren. Dabei hilft ihm sein Chef, als er ihn mit einem geheimnisvollen Päckchen auf die Reise schickt. Ok.
6. Honigkuchen
Diese Geschichte hat mir mit Abstand am besten gefallen. Die scheinbare Hoffnungslosigkeit und Melancholie der vorhergehenden Geschichten wendet sich hier langsam zu neuer Hoffnung und neuen Lebensplänen um. Nach ca. 15 Jahren der unerwiderten Liebe, aber der festen Freundschaft, findet ein Mann doch noch Zugang zum Herz seiner geliebten Freundin. Und beide wissen, dass es so schon immer hätte sein sollen.
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am 21. August 2007
Haruki Murakami ist der japanische Schriftsteller, der in Deutschland mit seinem Werk 'Eine gefährliche Geliebte' das Literarische Quartett sprengte. Er hatte sein Heimatland für längere Zeit verlassen, um in den USA und Europa zu leben. Ein Erdbeben in Kobe und ein Giftgasanschlag in der U-Bahn von Tokyo hatten ihn 1995 zur Rückkehr nach Japan bewogen. Diese fundamentalen Ereignisse hat er verarbeitet in dem Buch 'Untergrundkrieg' und dem 140 seitigen Erzählungsband 'Nach dem Beben'. In sechs Kurzgeschichten wirft er Schlaglichter auf die erschütterte und verunsicherte japanische Gesellschaft der 90er Jahre.

Von den sechs teilweise nur lose mit der Thematik des Erdbebens verbundenen Erzählungen sind drei in dem vorliegenden knapp zweieinhalbstündigen Hörbuch wiedergegeben.
Ein Junge wächst ohne Vater allein mit seiner Mutter auf. Eines Tages verfolgt er einen Mann, in dem er aufgrund eines fehlenden Ohrläppchens seinen Vater zu erkennen glaubt, durch das nachtschwarze Tokyo. Unversehens findet er sich auf einem riesigen leeren Baseballplatz wieder, alleine in einer trostlosen unwirklichen Umgebung. Getreu des Titels 'Alle Kinder Gottes tanzen' beginnt er, ohne die Gefühle preiszugeben, die ihn wirklich bewegen, auf schwankender bebender Erde zu tanzen.
In der an Franz Kafkas 'Die Verwandlung' erinnernden surrealen Erzählung 'Frosch rettet Tokyo' erhält der so unauffällige wie aufrechte Bankangestellte Katagiri in seiner Wohnung Besuch von einem Riesenfrosch, der Tokyo vor der Zerstörung durch das unterirdische Ungeheuer ,Wurm` retten will. Doch Frosch braucht einen Mitstreiter.
'Thailand' ist die wohl schönste Kurzgeschichte. Eine japanische Ärztin sucht ihre traumatische Liebesvergangenheit während eines Thailandurlaubes zu verarbeiten. Unbeabsichtigt nimmt der thailändische Chauffeur Mimit die Rolle eines Therapeuten ein. Das von ihm vorgetragene Gleichnis des sich zufällig in der Weite des gefrorenen Landes mit einer Eisbärin treffenden, paarenden und alsbald das Weite suchenden Eisbären gerät zur philosophischen Parabel auf den Sinn des Lebens.

Als Sprecher konnte erneut der 1957 in Herne geborene, heute in Köln lebende Charakterdarsteller der deutschen Filmszene Joachim Król gewonnen werden. Króls einfühlsame und wandlungsfähige Stimme paßt sehr gut zu den psychologisierenden eigenwilligen Texten des japanischen Starautoren voller skurriler Eigenbrötler, innerlich leerer, aber auch gänzlich normaler Menschen inmitten befremdlich unwirklicher Umgebungen.

Fazit: Höchst unterschiedliche, von Joachim Król bestens vorgetragene Texte des 1949 in Kyoto geborenen überaus erfolgreichen japanischen Schriftstellers. Mal surreal, mal philosophisch existenzialistisch, mal ganz gewöhnlich, aber immer mit der Note des Besonderen versehen. Das aus 2 CDs bestehende Hörbuch ist für Murakami - Anhänger wohl ein Muß, für alle anderen auch entbehrlich.
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