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Kundenrezensionen

3,9 von 5 Sternen
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am 8. August 2009
Der Beginn des Debütromans "Vienna" von Eva Menasse ist einfach großartig. "Mein Vater war eine Sturzgeburt. Er und ein Pelzmantel wurden Opfer der Bridgeleidenschaft meiner Großmutter, die obwohl die Wehen einsetzten, unbedingt noch die Partie fertigspielen mußte." Und nicht nur der Beginn. Denn die Geburt des Großvaters ist nur der Anfang einer Fülle von Anekdoten und Pointen, die die wortgewaltige und wunderbar erzählende Enkelin in dieser fulminaten Familiengeschichte zum Besten gibt. Eine höchst schicksalträchtige Familie zudem, denn der Großvater ist ein Wiener Jude und die Großmutter einer mährische Katholikin. Weiter gab es in dieser Familie Nazis und Kommunisten. Eine Mischung also, die (es) zu (be-)denken gibt.

Allerdings ist "Vienna" kein Schlüsselroman, so Eva Menasse, die 1970 in Wien geborene, gelernte Journalistin und Autorin ("Der Holocaust vor Gericht") hat sich mit diesem Debüt nicht nur in die Herzen der Leser, sondern auch in die Bestellerlisten geschrieben. Ein Ruhm also, der nichts damit zu tun hat, dass der Vater österreichischer Fußballnationalspieler war und der große Bruder Robert ein berühmter Schriftsteller ist. Beide finden im Roman übrigens ihren angemessenen Platz.

Das 20. Jahrhundert mit seiner schicksalhaften Geschichte bildet den Hintergrund dieses Romans, der nicht weniger schicksalhaft Ereignisse aufzuweisen hat. Die drei Kinder werden auf der Flucht vor den Nazis in die Welt verschlagen, die Jungen nach England, das Mädchen nach Kanada, wo es sich still aus der Geschichte verabschiedet. Einer der Jungen wird wie schon erwähnt Fußballer, der andere zieht auf englischer Seite in den Dschungel von Burma. Nach dem Krieg kehren beide, jetzt nur noch Vater und Onkel genannt, nach Wien zurück. Sie sind wie die gesamte Familie ausführlicher Gesprächsstoff, vor allem aber Tante Gustl mit dem Kreuz auf dem Busen und der angetraute katholische Bankdirektor Adolf Könisgberger, genannt Dolly Königsbee. Er ist Lieferant prägnanter Versprecher und unvergesslicher Anekdoten. Und manche sind einfach lebensrettend.

Sie alle und viele andere herrliche Figuren reden permanent miteinander und gegeneinander und vor allem durcheinander. Und jede Geschichte gebiert eine neue - meist tragisch-komische, einschließlich der großen und kleinen Katastrophen des Lebens. Dieser Geschichtenfundus zerrinnt dieser Familie zwischen den Fingern, als die Enkelgeneration beginnt, verschiedene Fragen zu stellen. Denn "eines Tages erschien mein Bruder mit sensationsheischendem Gesichtsausdruck und verkündete, daß wir gar keine Juden seien". Denn Jude ist nur, dessen Mutter Jüdin ist. Damit stehen plötzlich alle Sicherheiten und die Identität auf dem Spiel. Die "verminten" Familiengeschichten bewegen sich jetzt auf sehr dünnem Eis. Es hilft nur noch das Sich-Erinnern, das Erzählen als Vergewisserung. Denn von der Vergangenheit bleibt nur, was erzählt wird.

Dieses Sich-Erinnern aus der Distanz, die die Enkelgeneration hat, macht Eva Menasses Roman - "ich habe versucht, meine Familie neu zu erfinden" - so aufregend und spannend. Sie entwirft mit dieser Geschichte nicht nur ein herrliches Panoramabild einer Wiener Familie mit jüdischen Wurzeln. Sie zeigt sich zugleich als hervorragende Chronistin einer Epoche. Und sie macht dies auf faszinierende Art.
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am 2. Mai 2005
Im erinnernden Erzählen bleibt die Vergangenheit und bleiben Menschen lebendig. Eva Menasse bleibt dieser jüdischen Weisheit ihrer Vorfahren treu und erzählt die Familiengeschichte der väterlichen und der mütterlichen Linie.
Wie in allen jüdischen Familiengeschichten des 20. Jahrhunderts kreist auch in diesem Buch alles um den Holocaust, und wie die Überlebenden und ihre Nachkommen mit diesem unbegreiflichen Verbrechen umgehen. Es kreist aber auch um jüdische Identität, um die politischen und kulturellen Debatten der siebziger und achtziger Jahre in Österreich. All dies ist mit so viel Humor und einer nur in Wien ansässigen Mischung aus jüdischem Humor und Wiener Schmäh erzählt, dass die Lektüre eine wahre Freude ist.
Die Erzählung schreitet nicht linear voran, sondern springt zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her, was die Lektüre auflockert.
Der von der Kritik immer wieder aufgeführte Hinweis auf den berühmten Vater von Eva Menasse ( er war österreichischer Fußballnationalspieler) und ihren noch berühmteren Bruder, den Wiener Schriftsteller Robert Menasse, schadet der Rezeption des Buches eher als es ihm nützt. Denn dieses Buch ist gut nicht wegen der berühmten Familienmitglieder.
Es lebt aus sich selbst. So wie Eva Menasse die Charakteristik ihrer Familie und deren Mitglieder schildert, können das nicht viele. Bei aller Kritik, bei allem zum Teil beißenden Spott, bleibt sie allen geschilderten Menschen in Zuneigung, zum Teil inniger Liebe und Solidarität verbunden.
Ich bin auf das zweite Buch von Eva Menasse gespannt. An ihm wird man ihr wahres schriftstellerisches Profil messen können.
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Manchmal ist es gar nicht schlecht, zwischen dem Erscheinen eines Buches und dem Lesen desselben eine gewisse Zeit verstreichen zu lassen (aus welchen Gründen auch immer). Liest man - wie in diesem Fall - so manche (professionelle) Kritiken aus dem Jahre 2005, wundert man sich etwas. Nicht nur ein (österreichischer) Kritiker hat diesen Erstling von Eva Menasse - mehr oder weniger - als eine Sammlung von jüdischen Anekdoten im Stile von Friedrich Torbergs "Tante Jolesch" bezeichnet.
Liest man das Buch allerdings genau, merkt man schnell, dass diese Anekdoten zwar nicht unwichtig (und äußerst amüsant) sind, ihre Bedeutung für das Buch aber ganz offensichtlich überschätzt wurde.
Der "große Bogen" sieht ganz anders aus: Er reicht vom jüdischen Großvater, der sich seine nichtjüdische Großmutter aus Mähren holt (diese Ehe bewahrt ihn vor der Deportation), über die 3 Kinder aus dieser Ehe (ein Sohn wurde ein bekannter Fußballer, der zum Probetraining bei Arsenal LOndon eingeladen war) bis herauf in die 3. Generation. Verbunden ist dies mit Geschichte Österreichs im 20. Jahrhundert, vor allem mit den Jahren 1938 bis 1945. Dass diese Jahre auch noch die 3. Generation überschatten, verwundert nicht.
Eva Menasses Erstling (erst im August 2009 erschien ein weiteres Werk der Autorin) ist eine berührende Familiengeschichte (fiktional verbrämt) mit viel Humor, aber auch viel Tiefgang. Dass dieses Buch - neben aller Tragik, die immer wieder durchschimmert - eine äußerst vergnügliche Lektüre ist, muss ebenfalls angemerkt werden.
Jedenfalls ein toller Erstling!
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am 16. März 2016
fiel mir dieses brillant geschriebene, witzige Buch in die Hände und
ich habe mich über die Schilderung dieses jüdischen "savoir vivre"
köstlich amüsiert. Der Autorin gelingt es mit leichter Hand zu zeigen, mit welch
innerer Kraft und Chuzpe die einzelnen Personen ihr schweres
Schicksal gemeistert haben. Es wird erzählt und nicht gepredigt oder angeklagt,
das ist faszinierend und mit viel Situationskomik wiedergegeben.
Einfach nur empfehlenswert!!!
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am 10. November 2007
Nun ja, viel wurde über Frau Menasses Erstling geschrieben, damit ist also sicherlich ein Ziel erreicht. "Vienna" ist bekannt.
So widersprüchlich wie die Buchbesprechungen ist auch der Roman selbst. Einerseits eine charmante Begleitung der Wiener Gesellschaft über mehrere Generationen, andererseits der Versuch der Holocaust Aufarbeitung, der jedoch sehr zahm und ohne Biss rüberkommt.
Unehrlich mutet daher an, dass die Dinge teilweise nicht beim Namen genannt werden, warum die Kronen Zeitung als solche nicht benannt wird ist ebenso unverständlich wie der konstruierte Kriegsverbrecherskandal um einen gewissen Popelnik. Da hatten wir doch wesentlich mehr Diskussionsstoff, Affäre Reder, die selbst einen Minister zu Fall gebracht hat und, ob berechtigt oder nicht, die Waldheimjagd.
Alles in allem wurde mir das Buch mit der Fortdauer immer langweiliger.
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TOP 500 REZENSENTam 9. August 2011
"Vienna" ist Eva Menasses erster Roman. Die Journalistin veröffentlichte bisher weiterhin eine Prozessreportage und den Kurzgeschichtenband "Lässliche Todsünden". Sie ist die Halbschwester des österreichischen Schriftstellers Robert Menasse ("Phänomenologie der Entgeisterung: Geschichte des verschwindenden Wissens") und die Tochter des zweimaligen Fußballnationalspielers Hans Menasse.

Der Roman ist stark biographisch und autobiographisch geprägt. Vielleicht sollte man eher sagen, dass die fiktiven Elemente das Biographische ergänzen. Die Familie Menasse hat teilweise jüdische Wurzeln, um die es insbesondere im vorliegenden Buch geht. Eva Menasse stellt vor allem ihre Großeltern väterlicherseits, ihren Vater, ihren Onkel und dessen Frau, sowie ihren Bruder Robert und die beiden Vettern in den Mittelpunkt der Erzählung. Dass sie weitestgehend auf Namen verzichtet und ihren Großvater "mein Großvater", ihren Vater "mein Vater" oder ihren Bruder "mein Bruder" nennt, machte mir die Orientierung nicht schwerer, sondern eher leichter. Außerdem unterstützt dieser Kniff eine gewisse Distanz zu den realen Personen. Vor allem wohl für die Autorin, die in Ich-Form schreibt.

Die eigentliche Hauptperson ist Menasses Vater, dessen Geburt, eine Sturzgeburt, den Roman einleitet und beendet. Seine Zeit in England, wohin er im Alter von acht Jahren im Jahre 1938 verschickt wurde und erst sieben Jahre später, zwischenzeitlich seiner Muttersprache verlustig, wieder von dort nach Wien zurückkehrte, wird genauso eindrücklich geschildert wie seine eigene Variante, das in den 30er Jahren Geschehene zu verdrängen oder zu verharmlosen. Sein Gegenspieler ist der eigene Sohn aus erster Ehe, Robert, der als Heranwachsender und junger Erwachsener aufbegehrt und beispielsweise das latent Antijüdische speziell in seiner Umgebung, aber auch generell kritisiert.

Eva Menasse kommt in dem 600 Seiten starken Roman ins Erzählen, springt zeitlich ständig hin und her, aber in einer so nachvollziehbaren, fast schon logisch-konsequenten Art und Weise, dass das Lesen nicht schwierig, sondern die Lektüre dadurch spannend wird. Dieses Familienpanorama einer jüdischen Familie im 20. Jahrhundert in Wien ist zeitweise herrlich geschrieben, mit viel Humor und Liebe zum Detail, aber auch nicht ohne Längen. Vielleicht gehören diese Längen aber gerade zu einem solchen Roman. Qed: Die letzten drei Kapitel heißen "Rückblick", "Ende" und "Nachruf" und nehmen zusammen rund 120 Seiten ein, ohne jedoch langweilig zu werden.
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am 15. Dezember 2010
Eine jüdischstämmige Familie in Wien im 20. Jahrhundert steht im Mittelpunkt des Romans. Die Großmutter bringt in den 30er Jahren ihren Jüngsten auf einem Persianermantel zur Welt, weil sie nicht rechtzeitig mit dem Kartenturnier aufhören konnte, der Großvater ist in dubiose Geschäfte und Frauengeschichten verwickelt, und allmählich wird das Leben für Juden schwieriger.

Während des Krieges werden die beiden Söhne sicherheitshalber nach England geschickt, wo der Jüngste sich als begabter Fußballer erweist und später entsprechend Karriere machen wird bis in die österreichische Nationalmannschaft hinein. Beide heiraten, lassen sich scheiden, heiraten erneut, Kinder kommen zur Welt, das Leben geht weiter nach dem Krieg in Österreich ...

Schwer zusammenzufassen, diese Familiengeschichte, nicht zuletzt, weil Eva Menasse fast gänzlich ohne Namen auskommt. Die diversen Geschwister, Onkel, Tanten, Großeltern und Cousins zuzuordnen ist deshalb nicht immer ganz einfach, zumal die Zeitebenen ein wenig ineinander verschwimmen.

Die Atmosphäre der beschriebenen Zeiten ist dafür wunderbar eingefangen, seien es die Kaffeehäuser in Wien vor dem Krieg, die Arbeitersiedlungen in England oder das moderne Leben der Enkelgeneration. Man setzt sich quer durch die Generationen immer wieder auf die eine oder andere Weise damit auseinander, was es nun eigentlich bedeutet, Jude zu sein, insbesondere nach dem Holocaust. Von völliger Integration ins "christliche" gesellschaftliche Leben bis zu intensiver Auseinandersetzung mit den politischen und religiösen Facetten ist alles vertreten.

Nicht nur aufgrund der häufig auftauchenden (und in einem Glossar erläuterten) österreichischen bzw. Wiener Dialektbegriffe, sondern auch durch einen besonderen Humor hat das Buch viel (sympathisches) Österreich-Flair und hat mit zahlreichen skurril-witzigen Szenen schon manchmal beinahe etwas Irvinghaftes. Die Charakterzeichnungen, die sich aus oft absurd anmutenden Handlungen ergeben, haben mir auch gut gefallen, und ich hätte gerne noch etwas mehr über diese namenlos bleibende Großfamilie gelesen, die ich über 60 Jahre begleitet habe.
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am 5. August 2014
... und nicht mehr sein wird. Leider. Die Geschichte der Familie Menasse in all seinen Facetten zu lesen ist sehr interessant und der Schreibstil der Autorin leicht und unterhaltsam. Sehr empfehlenswert.
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am 2. Oktober 2013
Familiengeschichte: Wienerisch, jüdisch, mit jeder Menge Betrachtungen über "die anderen" Familienmitglieder, durchaus auch noch in deren Gegenwart. Dieses Buch ist eine Freude für Liebhaber ironisch-trockenen Witzes! Sehr zu empfehlen!
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am 2. Januar 2006
Eva Menasse kann schreiben, kein Zweifel. Vom ersten Satz an war ich fasziniert. Und Eva Menasse kann köstliche Kabinettstückchen verfertigen, ein, zwei, drei Seiten lang.. Bloß - für einen ganzen Roman reicht der Atem nicht aus. Ich stelle mir vor, wie sie vorgegangen ist: Sie schrieb so um die 200 kurze Stücke, machte einen Papierstapel daraus, warf ihn hoch in die Luft, sammelte die Zettel so auf, wie sie heruntergefallen waren, heftete sie zusammen und nannte das Ganze dann Romanmanuskript.
Es gibt Literaten, die meinen, wenn sie Langeweile beschreiben, dann müßten sie langweilig schreiben. Das ist wie wenn ein Maler einen dicken Mann darstellen will und deshalb ein dickes Holzbrett statt eine dünne Leinwand als Malgrund wählt. Eva Menasse will (möglicherweise) eine chaotische Familie in chaotischer Zeit beschreiben - und meint (möglicherweise), deshalb müsse die Beschreibung chaotisch sein. Und so springt sie kurzatmig von Person zu Person, von Ort zu Ort , von Zeit zu Zeit.
So macht Lesen einfach keinen Spaß.
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