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am 19. Juni 2017
Richard Ford schreibt eine Kette von Dialogen, unterbrochen durch viele Autofahrten voller Gedanken und Rückblenden.

Ford bringt viele subtile, feinnervige Dialoge voller Zwischentöne. Nur ganz gelegentlich klingen die Gespräche zu smart geschriftstellert – dies gilt vor allem, aber nicht nur, beim Teenager-Sohn des Ich-Erzählers. Häufig klingen die Sätze des Erzählers wie elegante, kluge Sprichwörter, doch sie stammen direkt aus Richard Fords Feder.

Die Dialoge auf öffentlichen Flächen werden öfter unterbrochen durch Gesprächsfetzen Unbekannter, die der Erzähler aufschnappt; das klingt zunächst reizvoll, wirkt indes auf Dauer etwas kalkuliert. Einige der Gesprächspartner sind zu extrem, so die prolligen, entscheidungsunfähigen Hausinteressenten Markham und der bizarr verhaltensauffällige Ich-Erzähler-Sohn Paul.

Die vielen Autofahrten südlich, westlich und nördlich von New York haben etwas Magisches. Der Ich-Erzähler scheint nicht zur Ruhe zu kommen, registriert jedes Merkmal seiner Umwelt. Die Landkarte der Region brennt sich fast ins Bewusstsein des Lesers ein.

Souverän knüpft Richard Ford Verbindungen zwischen weit auseinanderliegenden Details, die Sprache ist jederzeit kultiviert zurückgenommen – gelegentlich einen Tick zu männlich, aber das ist der Ton des Ich-Erzählers. Gleichzeitig streut er immer wieder Hochgebildetes ein. Insgesamt wirkt das etwas besser als der erste Bascombe-Roman, Der Sportreporter. Darum erhielt Unabhängigkeitstag sowohl einen Pulitzer- als auch einen Pen/Faulkner-Preis – das schaffte sonst kein Roman – und glühende Besprechungen von Berufskritikern.

Wie der Vorgängerband Der Sportreporter spielt auch Unabhängigkeitstag an einem einzigen langen Feiertagswochenende, das aber voller Unternehmungen steckt – und voller Rückblenden. Nach vier Fünfteln kippt der Roman jedoch etwas. Ich-Erzähler Frank Bascombe verbringt Zeit mit seinem Sohn und berichtet zu ausführlich von kleinen Unternehmungen und Sportmuseen. Auch wenn er dem faden Teen explizit erwachsene Sprüche andichtet, sackt das Interesse hier etwas ab.

Von Anfang an erinnert Richard Fords vierteilige Romanreihe mit Frank Bascombe (erster Band 1986) an John Updikes vierteilige Romanreihe mit Harry "Rabbit" Angstrom (erster Band 1960). Die Parallelen mehren sich hier im zweiten Bascombe-Buch: Rabbit ist Autohändler und Bascombe ist nicht mehr Sportreporter, sondern Immobilienmakler – zwei nicht unähnliche Berufe. So wie Rabbit mit fast religiöser Inbrunst Markennamen herunterrattert, so repetiert Ich-Erzähler Bascombe Highway-Bezeichnungen, Ortsnamen, Autotypen und Immobilienmerkmale.

Links, Kritiken und eine Übersicht zur gesamten Serie i.m. Blog.
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am 23. Februar 2008
Manchmal liest man Bücher mit dem Gefühl, ihnen nicht gerecht zu werden. Man fühlt sich gelangweilt, die Sätze erreichen einen nicht, man verliert dauernd den Faden. Und das, obwohl ein verlässlicher Freund einem in den Ohren liegt, wie großartig das nicht alles ist. "Independence Day" von Richard Ford ist so ein Buch für mich. Erzählt werden drei oder so Tage aus dem Leben des Frank Bascombe, ehemaliger Sportreporter, nun Immobilienmakler. Es ist der ganz normale, schreckliche Alltag, der geschildert wird, mit allen seinen Verkehrsstaus, kleinen Missgeschicken und mittelgroßen Katastrophen. All der Ärger und die Frustrationen, die einen an manchen Tagen begleiten, erhalten hier ihr Wort. Und alles wird durchlebt und reflektiert von Frank. Es ist ein Reflexionsroman. Sehr viel Zeitgeschichtliches. Auch das legt sich wie ein undurchdringlicher Schleier über das Lesevergnügen. Oder interessiert sich heute etwa noch jemand für eine Präsidentschaftsvorwahl aus den 80er Jahren.
Freilich gibt es bei soviel Reflexion viele tiefe Gedanken und außerordentliche Beschreibungen. Da hat Richard Ford schon mächtig was zu bieten. Aber diese Brillianten werden mitgeschleppt in einer großen Moräne aus Geröll und Alltagsschutt. Da kann man es dem artigen Leser nicht verdenken, wenn ihm der eigene tägliche Verkehrsstau reicht.
Aber wie gesagt - manchmal beschleicht einen das Gefühl, einem Buch nicht gerecht geworden zu sein. Man weiß nicht woher es kommt, aber es ist da. Dann gibt es nur eins: Beherzt zu einem neuen Buch greifen. Man wird's überleben.

Thomas Reuter
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am 14. Juli 1999
Richard Ford erzählt die "Unabhängigkeitstag" die Geschichte eines Vaters, der mit seinem Problemkind das Wochenende um den 4. Juli, den Unabhängigkeitstag der Vereinigten Staaten, verbringt. Das alles geschieht in sehr unspektakulärer Art und Weise, vielmehr beschreibt Ford auf eine sanfte, sympathische Art. Er nimmt sich genügend Zeit, auf die Charaktere und ihr oftmals sehr alltägliche Leben einzugehen und sie werden einem sympathisch: der Vater Frank Bascomb, der nicht weiß, wie er mit den Problemen seines Sohnes zurechtkommen soll und deshalb dieses Wochenende plant, um ihrer Beziehung eine Chance zu geben; der Sohn und seine Nullbock-Einstellung mit der er es Frank schwer macht; die Sehnsucht nach Liebe; das Leben Franks; all das wird vor dem Leser ausgebreitet und man verfolgt die Leben der Akteure. Allzuviel Handlung entspinnt sich nicht, viel hängt von den geschilderten Gedanken und Dialogen ab. Der Autor geht einfach sehr sensibel mit dem Älterwerden des Vaters um und das macht ihn dem Leser sehr sympathisch und man kann mit Frank fühlen, der nicht weiß, ob er sein Leben gemeistert hat und eigentlich noch seiner Exfrau hinterhertrauert. Die Geschichte rührt an und gerade die Sorgfalt, mit der Ford schildert und beschreibt macht das Buch lesenswert. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 11. April 2005
"Unabhängigkeitstag" erschien 1995 und behandelt das Leben der Hauptfigur Frank Bascombe um den vierten Juli 1988 herum. Die zweite Amtszeit Reagans war gerade zu Ende und Bush senior stand zur Wahl bereit.
Frank Bascombe ist Immobilienmakler, geschieden, zwei Kinder. Er meint, seine Frau (die wieder verheiratet ist) immer noch zu lieben. Am vierten Juli, dem amerikanischen Unabhängigkeitstag, macht er einen Ausflug mit seinem schwierigen Sohn (der tötet Vögel aus Spaß, zumindest vermutet das Frank). Ihr Hauptreiseziel ist die Basketball "Hall of Fame". Zwischendurch telefoniert Frank ausgiebig mit seiner Freundin, wobei diese Gespräche sich immer um Fragen drehen wie: Liebst du mich? - Ich weiß nicht - Könntest du dir vorstellen, dass es möglich ist - du fehlst mir - Ja du mir auch.
Das ist die Haupthandlung. Sie plätschert über die sechshundert Seiten dahin wie ein Tag, den man auf dem Sofa verbringt. Ohne große Höhepunkte, auch nicht unangenehm.
Es ist nichts Verwerfliches daran, eine solche Geschichte zu erzählen, vermutlich ist es sogar das, was Richard Ford zum Ausdruck bringen wollte. Der Unabhängigkeitstag garantiert einem die Freiheit, die Dinge zu tun, die einem wichtig erscheinen, und gerade die Tatsache, dass es normale, alltägliche Dinge sind, zeigt, dass die Freiheit funktioniert.
Dennoch wird die Sache ab Seite vierhundert langweilig. Dies liegt vor allem daran, dass die Haupthandlung (Reise mit dem Sohn) sehr schwach ist. Sie hat kein Spannungspotential. Gleiches gilt für die Beziehung Franks zu seiner Freundin.
Die starken Szenen liegen am Anfang: im Bemühen Franks, dem Ehepaar Markham ein Haus zu verkaufen, die Markhams sich aber unseins sind, ob sie denn ein Haus kaufen wollen und überhaupt, wie ihr weiteres Leben aussehen soll. Oder die Szene mit dem mysteriösen Mr. Tanks, den Frank in einem Motel trifft, in dem zuvor ein Verbrechen stattfand. In diesen Erzähleinheiten zeigt Ford seine schriftstellerische Klasse.
Ford gewann für "Unabhängigkeitstag" 1996 den Pulitzer-Preis. Ein eher mäßiges Jahr für die amerikanische Literatur.
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TOP 500 REZENSENTam 8. Januar 2007
Frank Bascombe, Richard Fords Mister Amerika", den wir schon aus Der Sportreporter" kennen, ist inzwischen Mitte Vierzig geworden und befindet sich seit seiner Scheidung noch immer in der "Existenzperiode", d.h. einer Phase, in der er erst einmal versuchen muss, nach dem Bankrott seines bisherigen Lebens wieder festen Boden unter den Füßen zu bekommen. Seine Frau Ann hat ihn nicht nur mit den beiden gemeinsamen Kindern verlassen sondern zu allem Unglück auch noch einen steinreichen älteren Architekten geheiratet. Frank selbst arbeitet mittlerweile in Haddam/ New Jersey als Grundstücksmakler, ist (obwohl er seine Ex Frau noch immer liebt) mit der langbeinigen und schwierigen Sally zusammen und von Sorgen über seinen Sohn Paul zerfressen, der immer öfter mit seiner Umwelt in Konflikt gerät.

Wir schreiben den 1. Juli und befinden uns im Vorfeld des amerikanischen Unabhängigkeitstages, dem höchsten weltlichen Feiertag der USA, an dem alle Welt aufbricht, sich zu amüsieren und zu entspannen. Nur Frank nicht - seine Bemühungen um einen Hausverkauf scheitern an den Launen der unmöglichen Markhams aus Vermont, und als er abends zu Sally fährt, um wenigstens dort ein wenig abzuhängen, erhält er von der ungemein launischen und kapriziösen Dame den Fangschuss. Dass er in der Nacht, in der er durch unendliche Verkehrsstaus noch heimfahren muss, auch noch Zeuge eines Mordes in einem Motel wird, gehört offenbar zur gewalttätigen amerikanischen Alltagswelt, denn auch Frank Bascombe selbst war kurz vorher von Jugendlichen niedergeschlagen worden, eine Ex Geliebte wurde Opfer eines bestialischen Raubmordes, und rund um das Geschäft seines Kompagnons Carl schleichen schräge Gestalten mit eindeutigen Absichten herum.

Unausgeschlafen erreicht Frank am nächsten Morgen den Nobelort Deep River wo seine Ex-Frau mit den gemeinsamen Kindern in dem prachtvollen Haus ihres Ehemannes residiert. Was sich die beiden Ex-Partner dabei erzählen, ist schon traurig genug, aber was dann folgt, ist an Tristesse kaum zu überbieten: Franks Sohn Paul ist ein kleiner Mistkerl, fett, unsportlich und aggressiv, ein sozial auffälliger und müffelnder Problemjugendlicher, der die Bemühungen des Vaters, ihm auf einer zweitägigen Reise durch die Höhepunkte der Ostküsten Sportgeschichte ein wenig näher zu kommen, wie eine Pflichtübung mürrisch hinnimmt. Als er sich nolens volens ein wenig sportlich betätigen will, wird er von einer Baseballwurfmaschine schachmatt gesetzt, so dass er zu einer Notoperation ins Krankenhaus muss. Noch einmal kommt es zu einem Zusammentreffen mit der Ex-Frau, als Ann an der Seite einer Augenarztkoryphäe den Sohn per Hubschrauber zur besseren Versorgung nach Yale verlegen lässt. Inzwischen hat sich aber - wenn auch nur telefonisch - das Verhältnis zur problematischen Sally wieder eingerenkt, und man beschließt, wenigstens den Abend des 4. Julis gemeinsam zu verbringen.

All das mag sich banal anhören wie eine Allerweltsgeschichte, doch in der Art, wie Ford diese Handlung und die darin involvierten Personen präsentiert, wird diese Allerweltgeschichte zu großer Literatur. Erzählt wird konsequent aus der Sichtweise von Frank Bascombe, wobei Innen- und Außenperspektiven und die Zeitebenen so gekonnt, ineinander verflochten sind, dass man sich schon nach kurzer Zeit die Welt mit Bascombes Augen sehen lernt.

Aber des ist nur das eine: das andere ist, dass Richard Ford mit Frank Bascombe eine repräsentative Figur unserer Zeit geschaffen hat, einen komplexen Charakter, der vor den Augen des Lesers nach allen literarischen und psychologischen Regeln der Kunst durchleuchtet wird. Jeder Leser, der das vorliegen das auch mit der ihm zustehenden Ernsthaftigkeit liest, wird nicht umhin können, sich bei den verschiedensten Gelegenheiten in diesem monumentalen literarischen Spiegel zu erkennen. Mir ist es jedenfalls auf von Kapitel zu Kapitel so gegangen. Etwas Besseres kann man über einen großen Roman nicht sagen.
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am 17. August 2015
Richard Ford ist einer der großen US amerikanischen Autoren. Richard Ford hat für den Unabhängigkeitstag den Pulitzer Preis gewonnen.
Um was geht es in dem Buch? Das Buch ist Teil einer Trilogie (aktuell -08/2015- ist es eine Trilogie). Richard Ford hat die Figur des Frank Bascombe geschaffen. Frank Bascombe war mal Sportreporter und ist nun sehr erfolgreicher Immobilienverkäufer.

Es geht vordergründig um eine Vater - Sohn bzw. geschiedener Ehemann - EX Frau - neue Freundin Geschichte. Und dabei geht es darum, wie diese drei Personen den amerikanischen Unabhängigkeitstag begehen.

Der Unabhängigkeitstag ist so was wie ein Spiegel. In diesen Spiegel (läßt sogar Platos Höhlengleichnis grüßen? Da muss ich glatt noch mal drüber nachdenken) blickt der Protagonist Frank Bascombe und liefert eine Betrachtung der modernen Gesellschaft. Nicht unbedingt nur der amerikanischen Gesellschaft. Es passt alles auch sehr sehr gut zur europäischen Gesellschaft. Der Tag der Unabhängigkeit Amerikas ist der Tag der Freiheit. Und das ist es, um was es im Hintergrund immer geht. Die Freiheit.

Wie findet man die Freiheit? Als Sohn eines Vaters? Als Ex Mann? Als Freund der neuen Lebensgefährtin? Als Kunde des Immobilienmaklers?

Richard Ford schaut sehr genau hin und bringt hier sehr viele grundlegende Muster und Gesetzmäßigkeiten zum Vorschein.

Damit gehört dieser Roman zu den Romanen, die nicht nur irgendeine beliebige (fiktive) Geschichte zum Besten geben und nur der Untehaltung dienen, sondern es handelt sich um einen Roman, der dem Leser / der Leserin etwas mitgeben kann. Etwas zur Orientierung.

Der einzige kleine Wermutstropfen? Das Buch ist schon in den 1990 iger Jahren entstanden und zeichnet daher vieles, VOR 9/11 ab. 9/11 hat die Welt und auch die europäische und amerikanische Gesellschaft nachhaltig verändert. Und daher findet diese Änderung hier noch keinen Niederschlag.
Das Buch ist dessen ungeachtet lesenswert. Ein must have read Buch aus "meinem" Kanon.

Was wird von vielen anderen kritisiert? Die Handlung ist ganz langsam. Richard Ford geht ganz bedächtig voran. Er schaut sehr tief in alles hinein. Das muss man sicher mögen. Wer Action und Spannung haben will, der ist mit diesem Buch nicht gut bedient.

Muss man den ersten Band gelesen haben? Nein. Ich habe den ersten Band nicht gelesen. Und trotzdem versteht man alles. Man versteht die gesamte Handlung und die Motive. Das wird, s.o., alles sehr sehr ausführlich ausgebreitet, daher fehlt nichts, wenn man den ersten Band nicht gelesen hat.

Es gibt ja noch den dritten Band. Dieser ist nach 9/11 entstanden.Der dritte Band lautet: Die Lage des Landes.

Kommt als übernächstes dran. (aktuell lese ich von Richard Ford Kanada - Rezension kommt bald)

Von mir: Kaufempfehlung - Lesetipp - 5 Sterne.
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am 23. April 2008
In diesem zweiten Buch, der bislang auf drei umfangreiche Romane angewachsenen Reihe über das Leben Frank Bascombes ist aus dem Sportjournalisten ein Immobilienmakler geworden. Immer noch lebt er in seiner Heimat, immer noch weiß er um seine Wurzeln und zerbricht sich den Kopf über sein Land. Die Geschichte spielt an einem Wochenende, in das der amerikanische Nationalfeiertag fällt. Zeit mit Freunden etwas zu unternehmen, sich der Familie zu widmen. Doch Bascombe ist wie im ersten Band aus dem Leben gefallen. Scheinbar hält er die bürgerliche Fassade aufrecht, doch Richard Ford widmet sich ihm mit einer Akribie, die nichts undurchleuchtet lässt, und zeigt ihn als einen Helden, den eines ausmacht: Er ist da und unterscheidet sich kaum von anderen. Ford zeichnet in ihm das Bild, das wir von uns allen haben, wir sind was Besonderes. Glauben wir zumeist. Von der ersten Frau geschieden, die er noch liebt, obwohl sie längst woanders verheiratet ist, neu liiert mit all den Fragen nach mehr Gemeinsamkeit behaftet, erhofft er sich, von einem Ausflug zur Hall of Fame des Baseballs seinen Sohn für sich zurückzugewinnen, den er nur noch selten sieht, er will ihn zumindest besser verstehen. Bascombe jedoch ist unfähig, Brücken einzureißen. Nicht umsonst wohnt er noch im alten Haus seiner Frau. Er überschätzt sich, denkt, dass ein gutes Gespräch die Dinge schon richten wird. Er begibt sich zusammen mit seinem Sohn Paul auf eine Odyssee, über den Highway, entlang der Diner, der endlosen Weite Amerikas, kämpft gegen die Verschlossenheit Pauls an und wirkt selber verloren. Da tasten sich zwei Menschen aneinander heran, die nicht imstande sind, dem anderen das mitzuteilen, was sie selber ausmacht. Bei einem Sohn spricht mal schnell von der Pubertät, aber wie bezeichnet man das bei einem Vater? Ford sagt Existenzperiode dazu. Und wenn es etwas an diesem Roman aussetzen gibt, dann sicher, dass er überhaupt ein Etikett hervorzaubert. Je weiter die Fahrt geht, desto mehr gleichen Frank und Paul schwer beweglichen Tankern. Sie haben eine Richtung eingeschlagen, die behalten sie bei. Bascombe der große Grübler der amerikanischen Gegenwartsliteratur kennt auf all die Fragen, die sich ihm auftun die Antworten nicht mehr, hat womöglich nie welche besessen. Das macht ihn so sympathisch und den Roman zu einem Genuss. Der Unabhängigkeitstag ist sicher der beste bislang von Richard Ford veröffentlichte Roman, in dem der Schluss versöhnt und zugleich überrascht.
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am 15. Juni 2015
Die drei Romane in Ich-Form fand ich alle drei exzellent: Ford's Trilogie des Lebens von Frank Bascombe, im ersten der Drei ("Sportreporter") noch als Journalist, später nach seiner Scheidung als Immobilienmakler sind absolut lesenswert, denn sie geben ein sehr treffendes Bild unseres Lebens in den 80-er und 90-er-Jahren. Obwohl es natürlich auch eine kritische Bestandsaufnahme des amerikanischen Lebens ist, passt es genauso für uns Europäer. Nach den mehr als 600 Seiten ist man froh, dass es dann noch "Die Lage des Landes" von Ford gibt, meiner Meinung nach der Beste dieser Trilogie.
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am 27. März 2006
Unabhängigkeitstag von Richard Ford ist ein wichtiges Buch, denn es ist ein Vater-Sohn-Buch der besonderen Art. Dabei ist es auch für Mütter geeignet. Leider arbeitet es 315 Seiten auf den Kern der Geschichte und damit auf die letzten 285 Seiten hin. Es ist ein Buch im Lichte der Busch-Dynastie Amerikas. Und damit wird das Gemisch Vater-Sohn auf besondere Weise erzählt.
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am 12. Juli 2000
Ich bin gerade noch am Lesen und bin sehr glücklich mit dem Buch, es passiert zwar nicht viel, aber es ist wegen seiner wirklich ungewöhnlichen sprachlichen und psychologischen Präzision dennoch sehr spannend. Auf jeder zweiten Seite wirklich tiefe Erkenntnisse, Einblicke in die menschliche Psyche - und das alles sehr ruhig und unspektakulär dargeboten...Beeindruckend auch die gewaltige Fülle an Details, alles wird sehr genau beschrieben und dadurch hervorragend vorstellbar. Inhaltlich ein sehr menschliches, sympathisches Buch, Bascomb wächst einem so richtig ans Herz... gut, daß das Buch so dick ist, kann ich noch ein bißchen hinlesen!
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