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am 12. August 2016
„Der Gott der kleinen Dinge“ zeichnet das Porträt einer kleinen gutbürgerlichen Familie im Indien der späten 60er Jahre. Im Mittelpunkt steht das zweieiige Zwillingspaar Estha und Rahel. Zusammen mit ihrer schönen Mutter Ammu, ihrem Onkel Chacko und weiteren Mitgliedern der Familie leben sie in einer ländlichen Region, sind Besitzer einer Mixed-Pickles-Fabrik und gehören einer oberen Kaste an. Als eines Tages ihre Cousine Sophie aus England zu Besuch kommt, ändert sich das Leben der Kinder auf dramatische Art und Weise von einem Moment auf den anderen.
Roys Roman zeichnet sich aus durch eine enorme Detailverliebtheit, sprachliche Macht und einer ständig im Hintergrund arbeitenden Spannung aus. Ganz wie der Titel es verspricht, werden den kleinen Dingen große Bedeutungen zugemessen, werden kurze Momente das Schicksal ganzer Leben beeinflussen. Der Leser erhält Einblick in die sozialen und politischen Umstände Indiens, in die Spannungen zwischen den Kasten, den Ideologien, den Geschlechtern.
Mit einer Reinheit und Brutalität, die einem die Tränen in die Augen treibt, führt Roy ihre Figuren durch die Handlung des Romans, die schließlich in eine Katastrophe mündet. In den Beschreibungen alltäglicher Gegenstände und Geschehnisse offenbart sich das ganze Können der Autorin, ihre Gewandheit, ihre Gabe zur Beobachtung und Antizipation.
„Der Gott der kleinen Dinge“ ist ein außergewöhnlicher Roman, der durch seine Exotik und Tragik besticht. Eine unbedingte Leseempfehlung!
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VINE-PRODUKTTESTERam 22. Juli 2013
Ich muss gestehen, dass ich meine Mühe hatte, in das Buch reinzufinden und auch zwischendurch verlor ich gedanklich manchmal den Faden. Ich denke, es lag vor allem an den Namen der Charaktere, die ich bis zum Ende immer wieder einordnen musste. Eigentlich kommen gar nicht soviele Personen vor, aber die doch sehr ungewöhnlichen Namen und das anfangs schnell abgehandelte Beziehungsgeflecht machten mir zu schaffen. Ich musste immer wieder nachschlagen, wer jetzt eigentlich wer ist. Aber vielleicht ergeht dies einem Leser anders, der das Buch in einem Rutsch weg liest.

Wunderschön hingegen ist die Sprache, sind die Umschreibungen, die die Autorin verwendet und damit den Leser verzaubert. Alles scheint irgendwie zu schweben, obwohl wirklich viel Leid in der Geschichte ist.

Eine Familie in Indien scheitert an einer verbotenen Liebe, die Unglück über alle bringt. Ammu, Mutter der Zwillinge Rahel und Estha verhält sich so gar nicht, wie es das Kastensystem in Indien vorschreibt. Sie läßt sich scheiden und verliebt sich in einen Unberührbaren, den diese Liebe am Ende das Leben kostet. Und nicht nur er ist Opfer dieses verkrusteten Systems.

Im Mittelpunkt stehen aber die Geschwister, die in Folge dieser verbotenen Liebe auseinander gerissen werden: die Tochter bleibt bei der Mutter, der Sohn geht zum geschiedenen Vater und erst viele Jahre später treffen sich die Zwillinge wieder.

Diese Geschichte wird in zahlreichen Rückblenden und immer vor dem Hintergrund der indischen Geschichte, ihrer Abhängigkeit von Großbritannien und den aufkommenden Unruhen gewerkschaftlicher, kommunistisch geprägter Einflüsse.

Und obwohl Indien für uns soweit weg und das Leben dort fremd für uns ist, so erkennen wir uns wieder - als Kinder. Wie die beiden Geschwister miteinander spielen oder um die Liebe ihrer Mutter kämpfen, all dies ist vertraut und wir staunen, wie nah uns Indien plötzlich ist.

Arundhati Roy hat sich in diesem großartigen Roman an eine Vielzahl von Themen gewagt und sie wunderbar miteinander verflochten zu einem Familienroman, der noch lange in mir nachhallen wird.
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am 8. Juli 2008
Die Geschichte selbst ist schnell erzählt. Jedoch bemüht sich die Autorin aus der so eigentlich unspannenden Geschichte etwas zu schaffen, was die Spannung im Buch erzeugt. Teilweise gelingt es ihr auch. Jedoch nervt die größte Zeit immer wieder wiederkommenden Andeutungen der großen Auflösung, die dann doch eher vorhersagbar ist.

Aber das richtig bedeutende ist die innere Welt der Protagonisten. Und sie ist auf jeden Fall voll mit tiefen Einblicken. An vielen Stellen war ich überrascht, wie gut sich die Autorin in die Psyche der Menschen versetzen konnte und wie gut sie die psychischen Ursachen versteht.

Einen Pukt Abzug gibt es allerdings für eine Darstellungsart, die Vieles über die Verhältnisse, über die sie berichtete, verdeckt lässt. Es entsteht ein Gefühl, dass die Autorin nur das subtil anspricht, was alle sowieso wissen. Allerdings steht man als Europäer eher ratlos vor dieser Art der Darstellung. Es werden zudem viele indische Begriffe benutzt, deren Bedeutung nicht erkärt wird.

Auch die Sprache ist SEHR gewöhnungsbedürftig. Liest man sich rein, trägt sie einen fort in einer Poesie, die kaum ein Buch schafft. Legt man das Buch allerdings für eine Weile in die Tasche und packt es am nächsten Tag wieder aus, ist man aus der Sprachart wieder herausgeschleudert worden. Die Einarbeitung nimmt wieder Zeit, währenddessen man sich über den oft metaphorischen Erzählstil ärgert... Daher auch ein Punkt Minus.

Alles zusammen: Ein an sich beeindruckendes Buch, das aber besser dargestellt werden konnte.
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am 10. Februar 2013
Ich liebe dieses Buch. Die Poesie der Sprache, bildhaft, leise, berührend, ist überwältigend. Ein philosophisches Werk über die kleinen Dinge" im Leben und ihre existentielle Auswirkung auf unser Leben.

"Das frische Grün des Tages war von den Bäumen getropft. Dunkle Palmwedel spreizten sich wie herabhängende Kämme vor dem Monsunhimmel. Die orangefarbene Sonne glitt durch die gebogenen, spitzen Zinken.
Ein Schwadron Flederhunde flitzte durch die Dämmerung. In dem aufgegebenen Ziergarten setzte sich Rahel, beobachtet von den herumlümmelnden Zwergen und einem einsamen Cherub, an den Teich und sah den Kröten zu, die von einem Stein zum nächsten hüpften. Schöne hässliche Kröten. Schleimig. Warzig. Quakend.
Sehnsuchtsvolle, ungeküsste Prinzen waren in ihnen gefangen. Fressen für Schlangen, die im langen Junigras lauerten. Raschelten. Zuschnappten."

Ein sprachliches Meisterwerk!
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am 11. September 2016
Arundhati Roy erzählt die Geschichte eines tragischen Ereignisses in einer aus dem indischen Kerala stammenden Familie aus der Sicht der 7jährigen Zwillinge Rahel und Estha. Der Tod zweier Menschen reißt die Familie endgültig auseinander und traumatisiert die Kinder. In der dritten Person, aber mit den Augen der Kinder erzählt Roy die Familiengeschichte, berichtet über alles, was sie zu zerreißen droht, die zahlreichen Konfliktlinien, zwischen Mann und Frau,Traditionen und Moderne, verschiedenen Glaubensrichtungen, Hautfarben, Kasten, zwischen Englandsympathisanten und -kritikern, zwischen Grundbesitzern und Marxisten/Gewerkschaftlern. In diesem Minenfeld an Konflikten und Verboten kann man früher oder später nur Fehler machen.
Roy erzählt davon nicht chronologisch, sondern impressionistisch, sie schildert Schlaglichter aus dem Leben der verschiedenen Familienangehörigen, derer jede/r Einzelne Träume und Begehrlichkeiten hat, die allesamt enttäuscht werden. Aus illustren Persönlichkeiten in einem traumhaften Haus mit einer gut anlaufenden Konserven- und Picklesfabrik wird eine Ansammlung verbitterter, desillusionierter, mit sich selbst beschäftigter Menschen und ein ruiniertes Geschäft. In diesem desinteressierten Umfeld sind die Zwillinge einerseits vogelfrei, andererseits durch die fehlende Fürsorge leichtes Ziel für jede Art von Gefahr.
Immer wieder kehrt Roy zu dem Unglück zurück, das schließlich passiert. Sie tastet sich an das Ungeheuerliche heran und erzählt immer ein bißchen mehr. Erst auf den letzten Seiten erfahren wir den ganzen Hergang. Diese Erzählchronologie ist charakteristisch, auch konsequent und logisch, aber ganz schön fordernd. Prägnant ist außerdem die Sprache Roys: üppig, fett, metaphernsüchtig. Beides ist besonders, gekonnt eingesetzt und sehr sprechend, aber auch manches Mal an der Grenze zum Zuviel.
Sehr berührt hat mich das Schicksal der Kinder, das seelische Grausamkeit und Missbrauch auf mehreren Ebenen einschließt. Eindrücklich sind die Verherrlichung der hellhäutigen Cousine Sophie und alles, was das an Botschaften an Rahel und Estha impliziert, oder auch der ständig drohende Liebesentzug durch ihre Mutter.
Sehr kraftvoll!
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am 20. Dezember 2012
Über den Gott der kleinen Dinge spricht man nicht. Sein Werkzeug sind die kleinen Widersprüche, die größer werden und zu den großen Dramen des Seins sich entwickeln.

Da ist der indische Kommunismus, der das Kastensystem nicht infrage stellt. Da ist der kommunistische Bürokrat, der den ortsansässigen Fabrikanten, auch Parteimitglied, aus weltanschaulichen Gründen zugrunde richtet. Dabei opfert er einen Parteigenossen, und, weil er auch Lieferant seines Opfers ist, sägt er sich den Ast ab, auf dem er sitzt. Da ist der Unberührbare, der seinen Tod in Kauf nimmt, als Preis für ein Techtelmechtel mit einer Berührbaren. Oder die Tante des Hauses, die hinter den Rücken der Familienmitglieder ihre klebrigen Fäden spinnt und Gutes bewirken will, aber die Sippe ins Verderben stürzt.

Die Charaktere sind so wahnsinnig gut getroffen, dass es beim Lesen fast schon unheimlich wird. Und die bildreiche Sprache ist fast schon göttlich. Wer den Magischen Realismus mag, das Buch noch nicht kennt, der ist hier gut aufgehoben. Sofort lesen - 5 Punkte!
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am 11. Januar 2018
„Der Gott der kleinen Dinge“ ist einer meiner absoluten Lieblingsromane. Und nicht aus einer einfachen Laune heraus. Das Buch kommt so schlicht daher, so einfach, doch mit formvollendeter Virtuosität wird die soziale Struktur eines Landes reflektiert, ja auf die Weltgeschichte von der Warte eines einstigen Kolonialstaates geblickt. Das geschieht praktisch ohne „predigende“ Passagen, in denen politische Philosophie, Sozialkritik und Ähnliches ausformuliert würden, das geschieht sogar ohne weitreichende historisch-kritische Passagen. „Der Gott der kleinen Dinge“ ist ein hocheleganter Roman an erster Stelle und bis in die letzte Formulierung. Und obwohl „Der Gott der kleinen Dinge“ im Wesentlichen eine Erzählung des Scheiterns ist, gelingt die perfekte Ballance zwischen einer immer wieder optimistischen erzählerischen Grundhaltung und den Schocks, die die Handlung bereithält. Gerade weil Roy kein Jammerbuch geschrieben ha,t berührt die Tragik, ohne den Leser abzustumpfen.

Der Roman erzählt (unter anderem) die Geschichte von Rahel Kochamma, die aus den Vereinigten Staaten zu ihrem indischen Geburtsort in der Stadt Ayemenem zurückkehrt, und von ihrem Zwillingsbruder Esthahapen, der von ihrem Vater "zurück-zurückgegeben" wurde. In Vor und Rückgriffen werden Ereignisse aus Vergangenheit und Zukunft erzählt, der Tod der Engländerin Sophie Moll, des Pariah-Arbeiters Velutha und des langsamen Verfalls von Rahels Mutter Ammu Kochamma. Die Charaktere sind überzeugend, lebendig gestaltet, eine Seltenheit bei Figuren, die gleichzeitig immer auch symbolisch für bestimmte Momente und Strömungen in indischer Geschichte und Gesellschaft stehen können. Diesbezüglich dreht sich der Roman hauptsächlich um zwei miteinander verflochtene Themen: Es wird untersucht, wie den ehemals Kolonisierten "ein Ort und eine Beziehung zu jenen anerkannten und linearen Arrangements von Ereignissen in dem, was wir konventionell 'Geschichte` nennen, verweigert wird“ (Mullaney) – bzw., wie man auch selbst diese Ausschlüsse immer wieder reproduziert, und es werden andererseits jene Orte, die vermeintlich außerhalb eines historischen Kontextes stehen, Orte der Stagnation, des Verfalls, immer noch als Orte aufgedeckt, „an denen ALLES passiert" (ebd). Das Leben nämlich, die kleinen menschlichen Geschichten, persönliche Tragödien, die Geschichte der Kleinen Dinge.

Zentraler Kristalisationspunkt all dessen ist das „History House“, "Kari Saipu's Haus. Der Schwarze Sahib. Der gebürtige Engländer... Aymenem's eigener Kurtz". Es ist der Mittelpunkt aller Sehnsüchte und Träume der Charaktere. Es ist auch der Ort, um den sich große Teile der Geschichte drehen, und "der Hauptort der... Transgressionen[]" (Mongia 91). Ein Ort, an dem mehr als nur ein unsäglicher Verstoß gegen kulturelle Werte oder gesellschaftliche Grenzen stattfindet. Von den Zwillingen Esthahapen und Rahel Kochamma, aus deren Perspektive die Geschichte weitgehend erzählt wird, wird das Geschichtshaus wird als "Heart of Darkness/Herz der Finsternis" bezeichnet. Hierhin versuchen sie sich abzusetzen, als jene schreckliche Katastrophe passiert, deren Folgen, dem Leser noch nicht bewusst, bereits auf den ersten Seiten des Romanes abgehandelt werden. Hier trifft auch Ammu ihren Liebhaber, hier werden die „Gesetze der Liebe“ gebrochen.

Ich sagte es breits: „Der Gott der kleinen Dinge“ wird nicht linearer zitiert. Die Art und Weise, wie die einzelnen Zeitebenen miteinander verwoben werden um am Ende ein rundes Ganzes zu erzielen, das immer wieder zu überraschen vermag, sind neben der zugänglichen, doch so schönen wie anspruchsvollen Sprache Roys die Kunstgriffe, die diesen Roman so besonders machen. Wie Form die Rezeption des Inhalts transformieren kann zeigt vielleicht kein Text besser als „Der Gott der kleinen Dinge“. Denn den einen Moment des großen Glücks Ammus montiert Roy an den Schluss des Romans, erst als alles schon zu Ende ist und die Familie am Boden liegt wird von dem letzten Ausbruch erzählt, dem Versuch auf die Freiheit, der nachklingt, mag er auch in der Chronologie des Romanes längst vergangen und gescheitert sein.
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am 25. Dezember 1999
Mit beständiger Regelmäßigkeit erweisen sich die Bücher, die auf den englischen Bookerpreis Thron gehievt werden, immer wieder als fantastische Lektüre. A. Roy gewann diesen Preis für ihr Erstlingswerk "Der Gott der kleinen Dinge" 1997 -- zu Recht! Schon auf den ersten Seiten, die den Leser in das Buch hineinsaugen, wird klar, daß der Leser es hier mit einer gleichsam virtouosen wie sicheren und prägnanten Sprachschöpferin zu tun hat. Die (äußert tragische) Handlung, die sich (wie so häufig schon) um die Liebe zwischen Standesgrenzen hinweg dreht und äußerst tragisch ist, spielt in einem entfernten Dschungelgebiet Indiens und wird von A. Roy wunderbar in kraftvolle, sehr organische andschaftsbeschreibungen eingebettet. Bemerkenswert ist, wie es die Autorin schafft, allein durch geschickte Wortkonstruktionen, die Handlung aus der Perspektive zweier vorpubertärer Kinder zu beschreiben, ohne dabei naiv oder aufgesetzt zu wirken. Dazu kommt eine sehr reiche Fantasie, so daß das Buch nicht nur von der Sprachgewalt, sondern auch von der großen Ausmalungsraft der Autorin lebt. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 27. Februar 2008
"Der Gott der kleinen Dinge" ist ein wundervoller Roman, der von seiner außergewöhnlichen Sprache lebt. Mit fantasievollen Metaphern und wortgewandten Beschreibungen führt Arundhati Roy den Leser in ein Indien der Kontraste und politischen Umwälzungen - ein Land, das hin- und hergerissen ist zwischen traditionellem Denken und Moderne.
In diese Rahmenbedingungen ist die faszinierende und bewegende Geschichte einer indischen Familie eingebettet. Eine Familie, in der es Spannungen und verletzte Gefühle gibt, eine Familie mit ihren Menschen und vielen großen und kleinen Verletzungen. Der Leser erfährt schnell, dass diese Familie - allen voran Ammu mit ihren beiden zweieiigen Zwillingen Rahel und Estha - auf eine Tragödie zusteuert. Arundhati Roy geht bei der Erzählung so geschickt und intensiv vor, dass man unwillkürlich in den Bann der Geschichte gezogen wird. Viele Erzählsprünge finden in der Erzählung statt, Roy springt mal hierhin, mal dorthin. Man folgt ihr bereitwillig und erfährt so Stück für Stück die Hintergründe für manche zunächst unverständlich erscheinenden Handlungsweisen der Charaktere. Die poetische Sprache der Autorin steht oft im Widerspruch zum ungeschönten, bisweilen grausamen und tragischen Inhalt des Romans. Es entstehen beim Lesen Bilder im Kopf, die auch nach dem Lesen noch vorhanden sind. Dies ist unter anderem der Grund, warum mich das Buch so gefesselt hat. Und so liest man begierig Seite für Seite, wohlwissend, dass diese Familie auf ihr Unglück zusteuert und inhaliert Wort für Wort, taucht ein in die Handlung und leidet, lacht, trauert, zürnt, zweifelt unweigerlich mit dieser Familie mit. Wundervoll und tragisch, ein mehr als lesenswertes Buch.
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am 23. Juli 1999
Der Gott der kleinen Dinge ist ein fesselndes und mitunter nicht ganz leicht verdauliches Leseerlebnis, denn die Autorin scheut sich nicht, sich mit unbequemen Themen auseinanderzusetzen.
Die Geschichte dreht sich um eine indische Familie, die hin und her gerissen ist zwischen Klassen- und Kasten-Unterschieden, einer Scheidung, größeren und kleineren Eifersüchteleien und Rivalitäten. Unter dem Druck dieser Umstände zerbricht die Familie schließlich. Im Mittelpunkt des Geschehens stehen die Zwillinge Rahel und Estha, deren Mutter es wagte, sich gegen die herrschenden Konventionen zu stellen, sich scheiden ließ und einen Unberührbaren liebte.
Die Handlung ist stilistisch wunderschön verpackt. Zahlreiche Rückblenden, Erinnerungen und Hinweise auf wichtige Ereignisse im Leben der Protagonisten werden unter den Händen von Arundhati Roy zu einem schillernden Teppich, der von Haß, Liebe, Vergeltung und Vergebung erzählt. Besonders faszinierend ist der Einblick in das uns fremde indische Kastensystem, den die Autorin uns gewährt. Viele kleine und doch so aussagekräftige Szenen, die in einer sehr aussagekräftigen und malerischen Prosa geschildert werden, zeigen dem Leser, daß es die kleinen Dinge sind, die das Leben lebenswert machen.
Ich machte im Laufe des Buches alle Stationen von Wut, Freude, Glück und Trauer durch, und doch schloß ich das Buch mit einem Lächeln und der Gewißheit, das das Leben trotz allen Härten doch schön ist. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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