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Kundenrezensionen

5,0 von 5 Sternen
2

am 18. Oktober 2009
Hanna Kralls dialogische Erzählung, weg von der Erzählerebene, dem Abstand, geht unter die Haut. Sie collagiert die Zeiten, das Jetzt mit dem Damals, dessen Feinheiten nicht von Bedeutung erscheinen.
Mit wenigen Redewendungen charakterisiert sich der Held, Marek Edelmann, dem leider das Pathos fehlt.
Profan lässt er den Aufstand der 220 im Warschauer Ghetto erscheinen und ihren voraussehbaren und unabwendbaren Tod.
Eine "Erzähler" greift erst etwas später ein, um "Hunger" per Zitaten aus zeitgenössischen Forschungsberichten zu erläutern.
Die fehlende Hungererfahrung macht uns vieles unverständlich, was damals geschah (oder nicht geschah).
Und Hanna Kroll lässt Bilder entstehen, die wie aus einem Film in unser Gedächtnis eingebrannt werden: Frauen und Kinder marschieren in Viererreihen, erhalten ein Kastenbrot, das sie sich unter den Arm klemmen, und besteigen sogleich die Viehwagons nach Treblinka - schweigend, demütig, teilnahmslos.
Edelmann und seine Widerständler hatten da schon herausgefunden, dass diese Transporte mit Menschen in ein Lager führten, in das niemals Transporte mit Lebensmitteln gelangten und nie Transporte mit Menschen aus diesen Lagern kamen.
Der 68er Zeigefinger, der Flachgeist der Banalrevolution, fehlt allerdings, was dem Halbbildungsideal des deutschen Gutmenschen sicher moralinsauer aufstoßen wird. Insbesondere, weil Edelmann die Faschisten wie auch die Stalinisten bekämpfte und die feinen Unterschiede in deren Terror- und Vernichtungsmaschinen nicht so recht reflektieren wollte oder konnte. Eben ein Naturwissenschaftler, dieser Edelmann, kein philologischer Tiefsinnbastler westlicher Wohlstandsstammtische.
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am 21. Oktober 2003
Vom 22. Juli bis zum 8. September 1942 findet im Warschauer Getto die „Große Aktion" statt. Täglich werden zwischen 6.000 und 10.000 Juden durch ein enges Tor auf den ummauerten Umschlagplatz getrieben und in Viehwaggons verladen, die sie in ein angeblich weiter östlich gelegenes Arbeitslager bringen sollen. Viele klammern sich an diese Illusion. Vergebens. Der tatsächliche Zielort sind die Gaskammern von Treblinka. Der Transport geht pünktlich um 16 Uhr ab. Danach herrscht auf dem Umschlagplatz wieder Ruhe. Bis zum nächsten Tag. In den Nachkriegsjahren verlor der Ort viel von seinem einstigen Schrecken. Das Tor verschwand, die alte Mauer auch, es wurde ein neues Wohngebiet mit dem Namen „Inflancka" gebaut. „Heute stehen hier hohe graue Blöcke - genau in einer Reihe an der Verladerampe entlang". Wären da nicht das Mahnmal und diverse Gedenktafeln, so würde nichts mehr an die Geschehnisse jenes Sommers erinnern. Und dennoch wirken eben jene Geschehnisse eigentümlich nach - so z.B. bei der polnischen Autorin Hanna Krall, die sich in der Nachkriegszeit auf Spurensuche begab. Einige Überlebende ließen sich doch noch finden, einige sogar mit sich sprechen. Unter ihnen Marek Edelman. In unmittelbarer Nähe des Umschlagplatzes hatte ein Krankenhaus für die Illusion zu sorgen, die Reise ginge nicht in ein Todes-, sondern in ein Arbeitslager. Wer nicht arbeitsfähig oder irgendwie krank war, hatte demnach Anspruch darauf, in dieses Krankenhaus eingewiesen zu werden. Als Angestellter des Krankenhauses stand Marek Edelman während der „Großen Aktion" Tag für Tag am Tor zum Umschlagplatz und hatte die Aufgabe, wenigstens ein paar derjenigen herauszufischen, die für den Widerstand nützlich sein konnten. So kommt es, dass alle, die ins Gas gingen, an ihm vorbeikamen - 400.000 gab er das Geleit. Als die „Große Aktion" beendet war, blieben im Getto nur noch etwa 60.000 Juden. Die meisten, recht unterschiedlichen Untergrundorganisationen schlossen sich zur ZOB (Zydowska Organizacja Bojowa bzw. Jüdischen Kampforganisation) zusammen und waren entschlossen, lieber kämpfend zu sterben, als einen Zug nach Treblinka zu besteigen. Zum Kommandeur der ZOB wurde Mordechaj Anielewicz gewählt, Marek Edelman wurde sein Stellvertreter. Am 19. April 1943, als die deutsche Besatzungsmacht sich daran machte, das Getto endgültig zu räumen, brach der Aufstand los. Er dauerte bis zum 16. Mai. Die meisten Widerständler kamen um. Unter ihnen Mordechaj Anielewicz, der lieber Selbstmord beging, als den Deutschen lebend in die Hände zu fallen. Marek Edelman und eine Handvoll anderer konnten durch die Kanalisation entkommen. Nach dem Krieg wurde Marek Edelman Herzchirurg und war an der Entwicklung so bahnbrechender Verfahren wie der Umkehrung des Blutkreislaufes bei laufendem Infarkt maßgebend beteiligt. Irgendwie - und sicherlich nicht ohne Zusammenhang mit den Erlebnissen im Warschauer Getto - ging der Lebenskampf weiter. So einige Grundzüge des Buches, das vielfach auf die Methoden der Montage und Kollage zurückgreift. Und dabei von der ersten bis zur letzten Seite fesselnd bleibt. Sicherlich liefert es interessante Informationen über die Lebensbedingungen im Warschauer Getto sowie darüber, wie dessen Insassen zugrunde gerichtet wurden bzw. wie sie versuchten, sich dagegen zur Wehr zu setzen. Neben Marek Edelman wurden eine Reihe anderer Zeitzeugen herangezogen. In dieser Hinsicht bietet das Buch eine nützliche Ergänzung zum Bericht „Getto walczy" (deutsch : „Das Getto kämpft"), den Marek Edelman gleich 1945 verfasst hatte. Indes liegt das Interesse nicht so sehr auf der Vermittlung des Faktischen als auf der Gemütsverfassung derjenigen, die sich nicht darein schicken mochten, kampflos zu sterben. Und es bietet auch einige Anhaltspunkte, wieso Marek Edelman derart ohne Hass und Pathos von den damaligen Geschehnissen zu erzählen vermag. Ging es für ihn darum, es mit dem Tod aufzunehmen ? Kaum. Für ihn ist der Tod ein übermächtiger Gegner, im Angesicht dessen es sich kaum lohnt, sich aufzuregen. Deshalb rückte er, allem zum Trotz, das schlichte und nackte Leben in den Mittelpunkt des Handelns, deshalb zog er dem Todeskampf den Lebenskampf vor - sowohl im eigentlichen als auch im übertragenen Sinne. Eigentlich hatte er somit schon damals eine radikale Umkehrung der gewohnten Sichtweise vollzogen. Ein anscheinend nur kleiner Wechsel, der aber tatsächlich viel bewirkte. So gesehen lohnte es sich z.B. sehr, dass die Tochter der Frau Tenenbaum im Getto nur drei Monate länger lebte, als es eigentlich hätte passieren dürfen. „Denn in diesen drei Monaten war es ihr vergönnt zu erfahren, was Liebe ist". An dieser Einstellung, die auf dem Glauben an die mögliche Umkehrung der vorgegebenen Verhältnisse fußt, sollte sich in Marek Edelmans späterer Laufbahn nichts mehr ändern. Wahrlich keine schlechte Lehre.
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