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Kundenrezensionen

3,7 von 5 Sternen
69
3,7 von 5 Sternen
Perlmanns Schweigen: Roman
Format: Taschenbuch|Ändern
Preis:13,99 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime


am 15. April 2017
Wer kennt das Gefühl nicht, seine eigene Leistung nicht mehr ein schätzen zu können, Ängste zu entwickeln nicht mehr gut zu sein und viel zu viel in Andere und Umwelt hinein zu interpretieren. Bis man sich selbst am meisten im Wege steht.
Trefflich geschrieben. Regt zur Selbstschau an.
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am 22. Februar 2014
Man merkt den Philosophen Bieri hinter Mercier - fein gemacht, schön geschrieben, treffend eingefangen, tief beobachtet. Was für ein Antiheld, der Professor Perlmann. Irgendwo in der Mitte hebt das ganze absonderlich ab und doch wird der Leser quasi mitgesogen im Wechselbad zwischen Sympathie und Kopfschütteln. Dabei ist die ganze Rahmenhandlung kaum mehr als Hintergrund, und der Blick in die Seele der Hauptfigur raumeinnehmend.
Ich habe das Buch auf einer Insel gelesen (zwar nicht in Italien) und habe mich gefreut über das Gewicht: Beim Lesen war mir die Geschichte richtig wichtig, ich habe gefiebert und mich entsetzt und gefreut.
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am 29. Juli 2017
Der Roman hat mich richtig gepackt. Es entsteht Spannung ohne Effekthascherrei (plumper Einsatz von Sex, Drugs, Rock'n'Roll oder billige Action). Ich wollte ihn kaum weglegen.
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am 18. Dezember 2012
Inhalt:
Die eigentliche Handlung ist schnell erklärt. Philip Perlmann, ein renomierter Linguist und Professor, wird dazu eingeladen, an der Küste Liguriens ein Forschungs-Symposium zu leiten, auf welchem Wissenschaftler unterschiedlichster Sprachgebiete ihre neuesten Resultate aus der Sprachforschung vorstellen und diskutieren. Dazu werden Philipp Perlmann vier Wochen eingeräumt. Die Kosten trägt die Stiftung, die Struktur über die vier Wochen hinweg soll aber er festlegen.
Das Problem dabei: Perlmann hat rein gar nichts mehr zu sagen. Denn der emeritierte Wissenschaftler lebt seit geraumer Zeit in absoluter Gedankenleere und reagiert panisch, neurotisch und nervös ob der Aufgabe, die ihm zuteil wird. Plötzlich fühlt er sich der Aufgabe nicht mehr gewachsen, er bekommt kalte Füsse und steckt sich ein neues Ziel: Die Flucht nach vorne. Das Problem dabei: Seine schillernden, teilweise aber auch etwas eigensinnigen und nicht zuletzt neidischen Forscherkollegen erwarten beste Ergebnisse von Perlmann. Nicht nur, was den Leading-Part des Symposiums betrifft, sondern auch, was die Ergebnisse seiner neusten Forschungsergebnisse anbelangt. Perlmann entschliesst sich daher zu einer fatalen Kurzschlussreaktion: Er veräussert ein Skript, das ihm ein verhinderter Kollege vor dem Symposium hat zukommen lassen und verkauft es als sein eigenes Gedankengut. Und als ob die eigenen Schuld- und Versagensgefühle eines ehemals grossen Wissenschaftlers seines Fachs nicht schon genug wären, kündigt sich - nachdem Perlmann den Kollegen das Schriftstück bereits ausgehändigt hat - unerwartet besagter Kollege an, der es plötzlich doch noch auf's Symposium schafft. Perlmann bleibt nur eine Möglichkeit: Er muss diesen Kollegen mit allen (!) ihm zur Verfügung stehenden Mittel daran hindern, auf dem Symposium zu erscheinen ...

Das Buch & Ich:
Eine ganz prominente Frage hat sich bei mir und Perlmann gestellt: Wie ist es nur möglich, die an und für sich sehr überschaubare Handlung auf unglaubliche 630 klein geschriebene Seiten auszuweiten? Und noch dazu in einer solch verdichteten und philosophischen Sprache?
Ich bin für mich zu keinem schlüssigen Ergebnis gekommen. Pros und Kontras wiegen sich auf, worauf ich im weiteren etwas genauer eingehen möchte.
Zu den Pros zählen definitiv die sehr authentischen und realen Beschreibungen des masslos überforderten Professoren Perlmann. Ich dachte mir immer wieder: Um eine Panikattacke, das Gedankenkreisen, die Suche nach Auswegen und das Verfallen in eine tiefe Depression derart überwältigend und ergreifend beschreiben zu können, muss der Autor solche Erlebnisse zwangsläufig selber einmal erlebt haben. Selbstverständlich ist das lediglich (m)eine mögliche Erklärung für den schlicht brillianten sprachlichen Ausdruck von Mercier. Denn es läge mir fern, dem Autoren etwas derartiges unterstellen zu wollen. Vielmehr geht es mir um das Verständnis, wie solch verblüffende, packende und mitreissende Gedanken derart gebannt in Sprache gefasst werden können. Das ist, ohne Umschweife, ganz grosse Klasse! Der Sprachliche Ausdruck ist also definitiv das Steckenpferd von Perlmanns Schweigen." Mit dem Protagonisten, der sich als Sprachwissenschaftler gezwungenermassen mit dem Medium Sprache" befasst, weicht Mercier zudem die Grenzen zum Metaphysischen und Philosophischen hin auf und trägt den Leser damit in die wirre, gedankenversunkene und tragische Welt eines verzweifelten Protagonisten, der, mit der Frage nach Raum und Zeit, allmählich seinen Verstand verliert. Mercier geht gar noch einen Schritt weiter. Denn das Thema von Perlmanns wissenschaftlicher Arbeit ist "Der Einfluss der Sprache auf die Verbalisation von Erinnerungen." Die zentrale Frage dabei ist, ob Erinnerungen, Empfindungen und ferner die Vergangenheit im Nachhinein aktiv verändert werden können, wenn sie in Gedanken unterschiedlich durchgespielt und formuliert werden. Handlung, Protagonist und sprachlicher Ausdruck verschmelzen bei Mercier also vollends. Das halte ich definitiv für sehr gelungen!

Meiner Ansicht nach birgt das aber auch seinen zugleich grössten Nachteil. Denn es macht den Roman einseitig, sehr spezifisch und angreifbar: Entweder, man weiss etwas damit anzufangen, oder aber man lässt es sein. Das trifft auf die Sprache" im übertragenen Sinne in vielerlei Hinsicht zu: Entweder Handlung, Schreibweise, Inhalt und Ausdruck gefallen, oder aber man legt das Buch blitzartig beiseite. Und ist man nach den ersten 150 Seiten noch nicht begeistert, wird man es auch nach weiteren 150 nicht sein. Denn viel verändern tut sich nicht. Es dreht sich alles um Perlmann, während sich die Nebenschauplätze an einer Hand abzählen lassen. Bei mir war es so, dass die packende Erzählweise Merciers schlussendlich über die an sich etwas träge und redundante Handlung hinweg getröstet hat. Eigentlich schade. Aber ich leugne es nicht, dass Perlmanns Schweigen" für mich ein Buch geworden ist, das mich über Wochen hinweg in der Tasche zur Uni begleitet hat, was mir redlich selten passiert. Währenddessen habe ich bereits mit weiteren Büchern begonnen, was mir ebenfalls redlich selten passiert. Das Gute daran aber war, dass ich (auch nach längeren Pausen) nach jeweils zwei Sätzen sofort wieder in die Geschichte einsteigen konnte. Denn es passiert ja - mit Verlaub - eigentlich redlich wenig.

Trotz seiner sprachlichen Genialität und der bei mir hervorgerufenen Empathie für den Protagonisten von mir nur drei Sterne!
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am 7. März 2008
Zunächst dauert es etwas bis die Geschichte in Fahrt kommt - doch dann entwickelt sie eine Dynamik, der man sich nicht mehr entziehen kann. Perlmann macht sich eigentlich Sorgen um ein Scheinproblem. Der Tod seiner Frau wäre Grund genug, um sich zu rechtfertigen, dass er für das mehrwöchige wissenschaftliche Arbeitstreffen keinen eigenen Beitrag entwickelt hat. Doch Perlmann steigert sich derartig in die Sache hinein, zieht sich völlig von der Gruppe zurück, verstrickt sich in ein Netz aus Lügen und begeht fast einen Mord. So führt das irreale Problem schließlich zu massiven realen Nöten und Konflikten.
Als Leser ist man hin- und hergerissen zwischen Verachtung, Entsetzen, Mitleid und Hoffnung. Man erleidet mit Perlmann die ganze Wucht seiner Verzweiflung und Einsamkeit, schämt sich für seine Peinlichkeiten, fühlt sich hilflos angesichts seiner Tablettensucht und atmet auf, wenn es ihm mal wieder geling den schönen Schein zu wahren.
Mercier gewährt hier einen erschreckenden Einblick in die Abgründe menschlicher Existenz, der manchmal kaum zu ertragen ist.
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am 22. März 2009
Der weltweit hoch angesehene Sprachwissenschaftler Professor Philipp Perlmann ist beauftragt worden, eine Arbeitskonferenz mit weiteren internationalen Sprachwissenschaftlern in einem ligurischen Küstenort abzuhalten. Es soll eine wissenschaftliche Arbeit erstellt und diskutiert werden. Doch mit dem Eintreffen jeder weiteren Kollegin und jedes weiteren Kollegen fühlt sich Perlmann immer mehr überfordert. Er versteht nicht mehr, warum er überhaupt mit diesem Treffen beauftragt worden ist. Er ist der Meinung, er könne den Kollegen nicht das Wasser reichen, er hätte ihnen und der Welt nichts mehr zu sagen. Grund genug, sich von ihnen abzukapseln und zurückzuziehen. So lässt er sich unter Angabe fadenscheiniger Gründe ein anderes Hotelzimmer weitab von den Kollegen in der obersten Etage geben, nimmt nur ganz selten an den gemeinsamen Mahlzeiten und den Beratungen und Diskussionen teil. Seinen amerikanischen Kollegen sieht er zunehmend als Konkurrenten. Die Arbeit an seinem eigenen wissenschaftlichen Beitrag schiebt er immer weiter hinaus, setzt sich stattdessen in seinem Hotelzimmer an einen wissenschaftlichen Beitrag seines russischen Kollegen, der leider nicht an diesem Arbeitstreffen teilnehmen kann, weil dieser trotz der Öffnung Russlands gen Westen keine Ausreisegenehmigung erhalten hatte.
Obwohl Perlmann nicht der russischen Sprache mächtig ist, bemüht er sich um Wörterbücher und beginnt die Übersetzung des Textes, teilweise auch über Umwege in Form der italienischen und englischen Sprache. Seine Versagensangst hat ihn mittlerweile wieder zur Zigarette greifen lassen und im Wettbewerb mit seinem amerikanischen Kollegen nimmt er Kontakt zu einer alten Freundin auf, um seine musikalischen Kenntnisse aufzufrischen und bestätigen zu lassen. Woche um Woche vergeht, seinen wissenschaftlichen Text schiebt er nachwievor, die Übersetzung des russischen Textes bringt er zur Perfektion. Als sich schließlich sein russischer Kollege per Telegramm doch noch zur Konferenz meldet, schmiedet er einen teuflischen Plan. Noch bis vor kurzem hätte Perlmann es nicht für möglich gehalten, solch eine Handlung zu begehen.

"Permanns Schweigen" ist ein packender Roman um die Sinnkrise eines renommierten Mannes in seinen Wechseljahren. Mit detailgenauer Akribie beschreibt Pascal Mercier ("Nachtzug nach Lissabon") die Gedankenwelt dieses Mannes und das Geschehen in dem ligurischen Küstenort. Während der über 600 Seiten der Taschenbuchausgabe meint man, sich selbst im Hotel zu befinden und das Geschehen aus unmittelbarer Nähe zu betrachten. Die gedanklichen Monologe verlieren sich nicht in ihrer Länge, sondern werden immer wieder vom aktuellen Tagesgeschehen im Hotel und um die Wissenschaftlergruppe herum unterbrochen. Dies geschieht in einem ausgewogenen Wechsel, der keine Langeweile zulässt. Die Welt um Perlmann scheint zu einem Mikrokosmos zu werden, er wird zu einem Vertrauten, den man mehr und mehr zu verstehen meint. Obwohl es für viele Leser durchaus andere Möglichkeiten als die geplante Tat zur Lösung von Perlmanns Konflikt geben wird, kann man die Gründe, die ihn dorthin führen, klar und deutlich nachvollziehen. Der Autor komponiert dabei ein "Abenteuer" nach dem anderen in einer ausgewogenen Reihenfolge, so dass das Geschehen zwangsläufig in eine ausweglose Situation führen muss. Es sind natürlich keine Abenteuer, die ein Westernheld bestreiten würde. Es sind alltägliche Dinge, wie das Klavierspielen, das Lesen einer Weltchronik, die Gespräche mit den Kolleginnen und Kollegen, oder der Nachhilfeunterricht für ein kleines Schulmädchen, die in diesem psychologischen Roman für eine außerordentliche Spannung sorgen. Die Frage, wie Perlmann aus dieser Situation herauskommt, stellt sich immer wieder aufs Neue und facht den Wunsch zum schnellen Weiterlesen erneut an.
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am 22. April 1999
Für mich der beste deutschsprachige Roman seit Jahren. Die Geschichte um Perlmanns Schaffenskrise entwickelt einen unheimlichen Sog: Es ist kein Buch, bei dem sich der Leser genüßlich zurücklehnt und die Geschehnisse von außen betrachtet, nein, er selbst wird zu Perlmann, im Innersten betroffen von den immer tiefern Verstrickungen des "Helden". Sprachlich und psychologisch ein Meisterstück - und eine glänzende Widerlegung von Marcel Reich-Ranickis Diktum, es gäbe heutzutage keine bedeutenden Romane mit mehr als 500 Seiten Umfang.
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am 9. November 2014
Dieses Buch schildert sehr eindringlich und meiner Meinung nach mit viel psychologischem Einfühlungsvermögen einen kritischen Wendepunkt im Leben eines bis dato anerkannten Professors. Der Sprachwissenschaftler Perlmann gilt als Koryphäe in seiner Disziplin. Doch zu einem Zeitpunkt, wo sich die internationalen akademischen Ehren für ihn häufen, stellt er selbst fest, dass er fachlich nichts mehr zu sagen hat. Da er dies aber öffentlich noch nicht eingestehen kann, übernimmt er (quasi gegen besseres Wissen) die Leitung einer mehrwöchigen Arbeitstagung von handverlesenen internationalen Fachkolleg(inn)en. Nach dem Beginn der Veranstaltung kann er das ansprechende meditarrane Flair immer weniger genießen und steigert sich in Angstzustände, weil er noch immer keinen tragfähigen Text für seinen eigenen Vortrag vorweisen kann. Er zieht sich immer weiter aus der Gruppe zurück, nutzt keine der Brücken, die einzelne andere ihm noch bauen wollen und nimmt am Ende Zuflucht zu einem Plagiat, indem er ein noch unveröffentlichtes Manuskript eines russischen Kollegen, der selbst nicht teilnehmen kann, übersetzt und als seinen eigenen Beitrag zur Vervielfältigung gibt. Als der Russe wider Erwarten doch noch reisen kann und seine Ankunft in Aussicht stellt, fühlt sich Perlmann noch weiter an den Rand gedrängt und entwickelt sogar einen Mordplan. Mercier schildert die Nöte eines dem Konkurrenzdruck nicht mehr gewachsenen Akademikers quasi hautnah und versteht es bis zu einem gewissen Grad, einen gewaltigen Spannungsbogen zu erzeugen. Zudem macht er (wohl aus eigener Kenntnis) ziemlich deutlich, dass die wichtigsten Dinge bei wissenschaftlichen Zusammenkünften aller Art sich außerhalb des offiziellen Programms abspielen und wohl kaum in die Tagungsbände oder Proceedings Eingang finden. Ich gebe dieser durchaus fesselnden Lektüre den fünften Stern nicht, weil Mercier nach dem offensichtlichen Höhe- und Wendepunkt dieses Psychodramas noch zu lange braucht, um seine Personen (vor allem Perlmann) aus der Inselsituation wieder in den Alltag zu entlassen.
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am 4. November 2007
...seine Leser zu faszinieren, sie zu berühren, sie hineinzuziehen in das Denken und Fühlen seiner Protagonisten?

Die Geschichte als solche ist wenig spektakulär. Eine erlesene Auswahl von Linguisten kommen zum wissenschaftlichen Disput in einem Hotel an der ligurischen Küste zusammen. Doch ausgerechnet der Hauptverantwortliche, seinen Vortrag als Höhepunkt fest im Terminplan...hat nichts zu sagen, ist fertig mit seinem Fach, mit dem Forschen, Vorträgen, seiner wissenschaftlichen Vita.
Stattdessen gibt er sich ganz in die Übersetzung eines Fachtextes aus dem Russischen hin. Statt sich auf seinen Vortrag vorzubereiten kann er nicht ruhen, bis das Essay in all seinen Wendungen übersetzt ist. Doch...ihm läuft die Zeit davon und sein Inneres wehrt sich gegen sein Schweigen als Linguisten, der eigentlich nichts mehr zu sagen hat und nichts mehr sagen will"
Er fasst einen folgereichen Entschluss....

Wie sehr habe ich dieses Buch genossen. Mercier lässt den Leser von Anfang an in die Gedanken und Gefühlswelt Perlmanns einsteigen. Schon auf den ersten Seiten erfährt er wie es um den großen und bedeuten Linguisten steht. Wie ausgebrannt er ist, wie sehr er nur noch die Kraft besitzt die Fassade als renommierter Wissenschaftler aufrechtzuerhalten. Sei es an der Universität, sei es seiner geliebten Tochter gegenüber, die ihn als Vater liebt und als Wissenschaftler bewundert und vergöttert.
Schon früh wird klar, dass sich Perlmann in eine Sackgasse begibt. Der Leser sympathisiert von Anbeginn mit ihm, sind doch seine Gedankengänge für jeden, der sich leer fühlte aber Volles zu leisten hatte, absolut nachvollziehbar.
Erschreckend auch die Plausibilität der Gedanken, die ihn zu der Entscheidung, die er trifft, führt. Als Leser sucht man mit nach Möglichkeiten, wie Perlmann sich aus der Verantwortung für diesen von seinen Kollegen so sehr erwarteten Vortrag ziehen kann.

Sehr gelungen fand ich die Beschreibung der anderen Tagungsteilnehmer aus der Sicht Perlmanns. Wie die Einzelnen auf ihn wirken, was sie durch ihre Art des Sprechens, der Kleidung, der Eigendarstellung in Perlmann bewirken, war absolut nachvollziehbar. Besonders beachtlich dann jedoch die Wendung! Reflektiert und seine bisher gewonnen Eindrücke relativierend, verändert sich, da er sich verändert hat, der Blick auf seine Kollegen. Und auch hier, zieht der Leser wieder mit, in seinem Erleben. Ein Glanzstück, dass Mercier damit gelungen ist!

Ein Thema, das auch bei Der Klavierstimmer" und Der Nachtzug von Lissabon" immer wieder auftauchte, war der Umgang mit Sprache, insbesondere Fremdsprachen. Das Erleben eines Lernenden. Das Eintauchen in eine fremde Sprache, schrittweise zu erlernen, sie zu ergründen. Wie in den obengenannten Büchern ist es hilfreich, die ein oder anderen Kenntnisse des Englischen, speziell in diesem Buch des Italienischen, zu haben. Für Leute, die des Russischen mächtig sind, ist dieses Buch sicher ein ganz besonderer Genuss.

Sehr genossen habe ich die Passagen des Klavierspielens. Die Schilderung von Millars Spiel und letztendlich des eigenen. Als eher mittelmäßige Klavierspielerin ;) waren die Schilderung der verschiedenen Techniken grandios. Für alle die auch ein Instrument spielen sicher auch sehr eindrucksvoll das Umgehen und Denke Perlmanns mit den sogenannten Angststellen"

Perlmanns Schweigen" war für mich ein einziges Atemanhalten, trotz der sehr eindrücklich geschilderten Ausweglosigkeit der Titelfigur, ist es kein trostloses oder trübes Buch. Im Gegenteil, es macht Mut. sich Konventionen zu widersetzten und den Augenblick zu sehen - die Gegenwart zu fühlen und zu erleben als das Wichtigste.

Ein wunderbares Buch - absolut lesenswert!
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am 29. Dezember 2002
Ich stöbere gerade wieder bei amazon und schaue nach, ob Pascal Mercier endlich einmal wieder einen neuen Roman geschrieben hat. Ich rufe erneut "Perlmanns Schweigen" auf. Es sind bestimmt vier Jahre her, seit ich diesen Wahnsinnsroman gelesen habe, und ich habe seitdem viele, viele Bücher gelesen. Aber immer noch ist mir Perlmanns Schweigen ganz nah. Immer noch erinnere ich mich an meine Fassungslosikgeit über sein Handeln oder besser Nichthandeln auf diesem Kongress. Das war Spannung vom feinsten und dazu in einer wunderbaren Ausdruckweise geschrieben. Es ist bis heute für mich eines der besten deutschen Bücher!
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