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Kundenrezensionen

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am 1. August 2006
Carl Streator ist Journalist und wird damit beauftragt, eine Serie von Artikeln zum Thema Krippentod zu schreiben. Dabei stösst er auf die Seite 27 des Buches "Gedichte und Lieder aus aller Welt", wo ein sogenanntes Merzlied abgedruckt ist, ein Lied, dass Menschen töten kann. Zusammen mit einer verrückten Immobilienmaklerin, die nichtsahnenden reichen Leuten Geistervillen verkauft und selbst als Mutter vom Tod ihres Kindes durch das Merzlied betroffen war, macht sich Carl auf die Suche nach dem Ursprung des Merzlieds, dem Buch aus dem es entnommen worden ist, einem sogenannten "Buch der Schatten". Auch die junge Sekretärin der Immobilienmaklerin und ihr Freund, zwei Hippiegestalten, sind mit von der Partie. Zwar setzt sich das Quartett zum Ziel, das Buch der Schatten zu verbrennen, sobald sie es finden würden, doch jeder spielt in Wahrheit mit seinen eigenen Gedanken, die Macht die ihnen geboten wäre zu nutzen.

Gleich vorweg: Es ist mein erstes Buch von Palahniuk, habe bisher nur den Film zu Fight Club gesehn, welcher mich allerdings sehr begeistern konnte.

Die Inhaltsangabe, die auf dem Buchrücken genauso wie meine eigene, hört sich beinahe nach einem spannenden Mystery-Thriller an. Was allerdings nicht der Fall ist, allein der Schreibstil des Autors trotzt allen Thrillerklischees. Stellenweise war es auch schwer zu lesen, man kämpft sich durch brilliante Farbvergleiche die hintergründig eine beissende Kritik an der Wohlstandsgesellschaft beinhalten. Beispiel: Das Kostüm ist rot, aber nicht erdbeerrot, es ist eher das rot einer Erdbeermousse mit einem Schlag Creme Fraiche, serviert in einem Kompottschälchen mit Stiel.

Der Roman wirkt eher nur wie ein Auszug einer Gesamthandlung, gebettet in ein Maximum an Gesellschaftkritik. Sogar Gesellschaftskritiker selbst, in diesem Fall das Hippiepärchen, bekommen ihr Fett weg. Wer dieses Maximum an Gesellschaftskritik will, der kommt denke ich allgemein an Palahniuks Büchern nicht vorbei, jedenfalls nicht, wenn seine anderen Bücher mit diesem hier oder mit dem Film zu Fight Club vergleichbar sind, was ich vermute.

Jemand der mit Okkultismus wenig anfangen kann und lieber Unterhaltungsromane liest, sollte wahrscheinlich lieber die Finger davon lassen. Ansonsten liegt hier meiner Meinung nach ein kleines unscheinbares Meisterwerk vor.
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am 2. November 2002
Nach den ersten drei Romanen von Chuck Palahniuk - INVISIBLE MONSTERS, SURVIVOR, FIGHT CLUB - fragte ich mich, warum ich diesen Autor eigentlich immer weiter lese. Ich hatte das Gefühl, mir wäre alles zu viel und ich würde nur die Hälfte verstehen. Dann bekam ich sein viertes Buch CHOKE in die Finger und begriff es. Plötzlich sah ich, was der Autor tat und die anderen Romane öffneten sich mir von Neuem.
Es gibt keinen Schriftsteller, der so gnadenlos und entblößend mit unserer Gesellschaft umgeht. Niemand legt den Finger so direkt auf die Wunden und pult darin herum. Nicht nur ist Palahniuk dabei klinisch präzise, er eröffnet dem Leser einen Blickwinkel, der bis dahin scheinbar überhaupt nicht existiert hat. Mit seinem horrenden Wissen von Fakten unterstreicht er dabei seine Story, macht sie realer und fieser, als jede Dokumentation sein könnte.
Und dann kommt seiner neuer Roman heraus und führt die bisherige Arbeit nahlos weiter.
Es ist nicht nur unheimlich, was hier geschrieben ist, es ist nicht nur beängstigend - es ist sowas von düster und ironisch zugleich und steckt voller Ideen, die für zehn Bücher gereicht hätten. Man liest atemlos, man grinst und greift sich gleichzeitig vor Schreck an den Kopf. Denn hier schreibt jemand nicht nur über Amerika, er redet über die gesamte Weltlage und das Chaos um uns herum. Dabei gelingt es ihm dennoch einen postiven Ton anzuschlagen, so daß man sich immer wieder fragt: Wie schlimm ist es wirklich? Wie schlimm kann es noch werden? und: Was tue ich dagegen?
LULLABY ist eine Parabel, die viele zur Seite legen werden, weil sie nicht wissen wollen, was in der Absurdität dieses Lebens möglich ist. Niemand schaut gerne in den Spiegel, um zu checken, wie gemein oder häßlich er seit gestern geworden ist. Niemand will wissen, was die eigenen Gedanken verbergen. Palahniuk kann das. Er bedeckt einen mit Häßlichkei und Schönheit, mit Hoffnung und Ausweglosigkeit und mischt die Phantasie mit der Realität, bis man beide nicht mehr voneinander unterscheiden kann.
Chuck Palahniuk geht mit seinem neuen Roman diesen besonderen Schritt weiter, den man sich von der großen, neuen Literatur wünscht. Ein leuchtendes Buch mehr im Regal.
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am 11. Januar 2003
The only other exposure I have had to the work of this writer, Chuck Palahniuk, was the cinema version of his work, "Fight Club". If you have seen the film you already know how original a thinker he is, and while I don't know how much the story changed from book to screen, I had no trouble recognizing, "Lullaby", as the work of the same writer. I even found myself placing the same actors in the primary roles in this book that appeared in the previous film.
"Lullaby", is thought provoking at a minimum, and will take you to areas of conduct that are still among some subjects that virtually all will consider taboo. An example is Necrophilia which I think will make most people feel they are reading material that will cause varying degrees of discomfort. The entire book is meant to press the darkest buttons inside of readers, Mr. Palahniuk will venture wherever he decides his story needs to go, he offers no respite, no safe haven. Whether you like this style or not I think it is refreshing to find an author that will go in to the darkest areas of human nature, not to be puerile or exploitative, rather to utilize material that is a valid piece of his tale. He is not afraid of offending, or perhaps he is just completely honest, he writes what he needs to write, if some are put off and he sells less books, so be it. The man is not commercial.
Placing topic aside for a moment and turning to style, I find this writer's work to be original in how he presents detail. Colors play a large part in this book, so when he needs to use green it becomes much more than simply green. He describes the green that appears on the felt of a pool table, but only when the red number 3 ball is upon the felt, as opposed to the yellow number 1. Or green is not lime but rather like the color of key lime pie, not avocado but avocado bisque topped with a thin sliver of lemon. This level of description is not meant as sleight of hand or an effort to fill space; it makes the reading incredibly rich, or perhaps lush
Mr. Palahniuk is not for everyone but if you like stepping away from what you usually read, and take a bit of a risk, you may be pleasantly surprised and appropriately rewarded. This writer follows only his own path.
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am 11. Oktober 2005
Lullaby ist ein 260-seitiger Roman, veröffentlicht 2002 von Chuck Palahniuk, dem Autor von Fight Club. Es ist, für Palahniuk-Verhältnisse, ein ganz normales Buch, was es, im Vergleich zum Normalen, zu einem vollkommen abgedrehten, ausgeflipptem Buch macht.
Protagonist ist der Reporter Carl Streator, der für einen Artikel das Phänomen des plötzlichen Kindstodes untersuchen soll. Er selbst hat vor zwanzig Jahren seine Frau und sein Kind verloren und ist seitdem ein zerstörter Mensch, der sich selbst Schmerzen zufügt, um zu vergessen, um zu büßen, denn seine Ermittlungen bringen einen absurden Zusammenhang ans Licht zwischen den Fällen von Kindstod, die er untersucht, und dem Tod seiner Familie: alle Verstorbenen schieden im Schlaf dahin, keiner weist irgendwelche Hinweise auf irgendeine Todesursache auf, und es scheint ihnen am Abend zuvor stets das gleiche Gedicht aus dem gleichen Buch vorgelesen worden zu sein.
Streator findet schließlich ein Exemplar und probiert das Gedicht an seinem Editor aus, welcher auch prompt aus dem Leben scheidet und Streator so zum Mörder macht. In der Folge beschließt Streator, alle Exemplare dieses Buches ausfindig zu machen und zu vernichten, denn er fürchtet den Untergang der Zivilisation, falls das es bekannt würde und in die Massenmedien gelangte. Seine Vision zeigt eine Welt, in der Sprache und alle künstlichen, vom Menschen erzeugten Geräusche gemieden würden, ein neues Dunkles Zeitalter, in dem die Kommunikation zusammenbräche, in der aus Menschen Eremiten würden aus der Furcht heraus, das Gedicht in Gesprächen verborgen aufzuschnappen. Streator, der den Lärm seiner Stadt und seiner Nachbarn verabscheut, wird in der Folge unfreiwillig zum Serienmörder, denn immer, wenn jemand ihn verärgert oder nervt, geht Streator das Gedicht durch den Kopf, das bei ihm nun sogar durch bloßes Denken töten kann.
Bald trifft Streator Helen Hoover Boyle, eine Immobilienmaklerin, die ihr Geld damit verdient, Häuser zu vermieten, in denen es spukt, und deren Familie auf gleiche Weise verstarb. Streator, Boyle, deren Sekretärin und ihr Freund machen sich gemeinsam auf, um die verbleibenden Bücher, verstreut in Bibliotheken über ganz Amerika, zu zerstören.
Palahniuk benutzt, wie in seinen anderen Büchern, sehr eigenwillige Mittel, um seine Geschichte zu erzählen. Lullaby strotzt von absurden, durchgeknallten Ideen, von denen den meisten eine schonungslose Gesellschaftskritik innewohnt: so finden sich die obskursten Auswüchse des Kapitalismus, die absonderlichsten kleinen Geschichten und Anekdoten zu den abwegigsten Bereichen im Buch wieder, die fiktiv erscheinen, aber von Palahniuk, laut eigener Aussage, minutiös recherchiert wurden. Weiterhin ist Lullaby randvoll mit Details, wie sie Streator in seiner Pflicht als Reporter ständig beachten muss: die Namen von Gerichten, Möbeln, Massenmörderpaaren, die sich aneinander reihen, bis sie ihren Sinn, ihre Kohärenz einbüßen. Durch ständiges Wiederholen und Variieren von Satzschnipseln erschafft Palahniuk eine ihm eigene Melodie, die sich durchs gesamte Buch zieht. Wer diesen Stil noch nicht kennt, wird zumindest verblüfft sein.
Inhaltlich webt Palahniuk Kritik an der heutigen Gesellschaft, dem Kapitalismus, Umweltzerstörung, der Hörigkeit der Menschen gegenüber den Massenmedien in seine Handlung mit ein (wenn eben diese Kritik nicht gar sein eigentliches Anliegen ist), so dass beim Lesen viel bewusster wird, in welch einer kranken Welt Carl Streator und vielleicht auch der Leser lebt. Somit hinterlässt Lullaby einen schalen Geschmack auf der Zunge, der durchaus von Chuck Palahniuk so gewollt ist. Wen diese Beschreibung eher anzieht als abschreckt, dem sei Lullaby wärmstens empfohlen. Selbst ohne Handlung, nur für seine absurden Ideen, ist dieses Buch bereits lesenswert.
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am 15. Mai 2004
Lullaby, zu deutsch Wiegenlied, gehört wohl zu den besten Büchern des Chucksters. Dabei ist die Geschichte ganz und gar nicht als Ausflug ins Horror Genre zu verstehen. Es gibt kleinere Ansätze, doch im Prinzip ist das Lied, das Leute tötet nur ein Mittel zum Zweck um wieder einmal auf geniale Art und Weise die Gesellschaft auf die Schippe zu nehmen.
Palahniuk-typisch gibt es wieder einmal mehrere Kapitel in denen einfach nur irgendetwas ausschweifend und sehr humorvoll, gleichzeitig aber abstossend, beschrieben wird.
Nehmen wir da das Kapitel in dem beschrieben wird, wie sich eine Kuh fühlt wenn sie zur Schlachtbank geführt wird. Dannach will man am Liebsten Vegetarier werden.
Fazit: Gut geschrieben, viel schwarzer Humor und wahrscheinlich existiert kaum ein Buch in dem so dermaßen viele Leute sterben, ohne dass man es ernsthaft zur Kenntnis nimmt.
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am 4. Oktober 2007
Haben Sie sich bei der Lektüre von Lullaby das chronische Bedürfnis zugezogen, immer mehr Palahniuk zu lesen? Wenn ja, könne Sie sich an einer Sammelklage beteiligen ;-)

Verstehen Sie nicht?! Kein Problem, einfach Lullaby lesen und Sie werden verstehen!

Bis Seite 245 dieses 255 Seiten umfassenden Werkes, hatte ich das Gefühl meine Zeit mit einem Aufguss aus Altbekanntem vergeudet zu haben. Lineare Erzählweise, eine nicht gerade weltbewegende Geschichte über ein afrikanisches Wiegenlied, das töten kann. Durch zahlreiche vermeintliche Lücken und Ungereimtheiten, hätte ich dem Autor der mich (wie schon so viele Andere) mit Fight Club faszinierte, ein gewisses "Schwächeln" attestiert. Hätte ich die letzten zehn Seiten nicht gelesen, dann hätte ich das Ding in die nächste verfügbare Ecke gepfeffert und mich über die vergeudete Zeit geärgert.

Aber Vorsicht! Wer nicht bis zum Schluss durchhält verpasst etwas! Erst gegen Schluss gehen einem eine ganze Armada von Lichtern auf, was da auf den vorherigen Seiten eigentlich so alles steht! Man muss es einfach ein zweites Mal lesen! Und wieder gehen Lichter auf! Usw. und so fort....

Palahniuk hat auch hier aufs zynischste Missstände der Gesellschaft aufgezeigt ohne dabei jemals platt oder lehrerhaft zu wirken. Dies gelang ihm in erster Linie durch seine Erzählweise die niemals Partei ergreift oder ein schwarz/weißes Bild der Charaktere zeichnet.

Sehr zu empfehlen!

Den fünften Stern gibts deshalb nicht, weil beim ertsen Mal lesen über weite Strecken der Unterhaltungswert eher mau ausfällt.
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am 14. Juni 2008
Chuck Palahniuk schrieb einmal, dass die Verfilmung von 'Fight Club' alles geändert habe – so auch zu beobachten bei den meisten Rezensionen seiner anderen Bücher, denn diese werden meist daran bemessen, wie ähnlich sie 'Fight Club' sind. Ich werde versuchen, den Vergleich auf genau diese Vorbemerkung zu beschränken.

'Lullaby' erzählt die Geschichte des Journalisten Carl Streators, der an einer Story arbeitet, die vom sog. Merzlied handeln soll, einem Lied, das schon durch gedankliches Aufsagen töten kann.
Dieser Ausgangspunkt wird nicht eben phantastisch oder mysteriös in Szene gesetzt und ist, mehr oder weniger, auch nur ein merkwürdiger Anlass für noch wesentlich merkwürdigere Figuren sich in eine ebenso merkwürdige Handlung zu verstricken.
Da wäre Helen Boyle, die Immobilienmaklerin, die immer und immer wieder dieselben Spukhäuser vermittelt. Ihre Assistentin Mona Sabbat, die okkulte Treffen in ihrer Wohnung veranstaltet und mit einem selbsternannten Ökoterroristen namens Oyster liiert ist. Und gelegentlich mit einer Pinzette Reste von Modellbausätzen aus Streators Füßen pflückt, da er regelmäßig seine zusammengeklebten Werke wieder zerstört.
Alle zusammen werden sich nach einigem Hin und Her zusammen auf einem Roadtrip wiederfinden, auf der Suche nach dem gedruckten Merzlied. Eine unheilige und vorübergehende Allianz, denn jeder hat seine eigenen Pläne mit dem Lied.

Bei dieser abstrusen Geschichte handelt es sich, jedem ersten Eindruck zum Trotz, allerdings nicht um ein seltsames Genrewerk; keinen Sci-Fi oder Mystery-Thriller. Die surreale Handlung schafft den Rahmen für das, was in irgendeiner Weise bei allen Werken Palahniuks im Hintergrund schwebt, nämlich eine bitterböse Abrechnung mit der Menschheit, der Gesellschaft, der degenerierten Kultur. Nicht nur zwischen den Zeilen sind Ekel und Abscheu die dominierenden Gefühle.
Und so handelt also auch dieses Werk von Menschen, die irgendwie damit überfordert sind, sich in der Welt zurecht zu finden. Es geht um Schnelllebigkeit, Haltlosigkeit, Konsum von Information und Konsumiertwerden von der Welt.
Denn so irreal das ganze Konstrukt auf den ersten Blick anmutet, so näher kommt es dem Leser doch, wenn sich die Charaktere zu erklären versuchen – oder eben genau darauf verzichten. Sie handel auf eine Art und Weise irrational, die sie menschlich macht, glaubwürdig. Palahniuk wirft authentische Figuren in eine so derart unsinnige Situation, dass sie zum einzigen Fixpunkt werden. Im Endeffekt sind sie und ihr Scheitern mit dem Leben das, worin sich der Leser wiederfindet. Eine kranke, traurige Welt, bevölkert von kranken, traurigen Figuren.

In diesem Moment wird der unrealistische Plot zum Strohalm, an dem sich der Leser aus eben dieser Welt zu ziehen versucht.
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am 1. Mai 2016
"Lullaby" von Chuck Palahniuk reiht sich mühelos in die Reihe der stets genialen und extrem gesellschaftskritischen Romane des Kult-Autors ein. Es ist wieder ein typischer Palahniuk, der meiner Meinung nach, noch ein wenig fragmentarischer erscheint, als seine bisherigen Werke. Die Figuren, die eigentlich nicht der Handlung oder der Spannung dienen, sondern vielmehr der Kritik, wirkten auf mich eher wie Typen und nicht wie Charaktere. Jede Figur stand eigentlich für nicht mehr, als eine bestimmte Kritik an z.B. Gier, Machtmissbrauch, Vorliebe für Irrationalitäten und krassen Pragmatismus, weshalb hier betont werden muss, dass Lullaby kein normaler Roman ist, der mit Identifikationsfiguren ausgestattet ist. Nein, alle Figuren stehen lediglich für etwas, haben eigentlich keinerlei Charakterzüge und zeigen in jeder Aktion den unverwechselbaren Duktus des Autors. Das wird viele Leser, für die Lullaby der Einsteiger-Roman sein wird, schnell irritieren und abstoßen. Ich persönlich liebe das an diesem Autor, weshalb gerade Lullaby, meiner Meinung nach ein weiteres Meisterwerk ist.

Grundsätzlich geht es in Lullaby, um die Unart des Menschen, sich in natürliche Prozesse einzumischen, sprich Gott zu spielen. Macht und Geld werden, wie auch in vielen historischen Beispielen von Palahniuk aufgezeigt, missbraucht, um Dinge so zu verändern, dass sie lediglich dem Eigennutz dienen. Die Figuren handeln fast ausschließlich unreflektiert und aus dem Affekt heraus. Hier tritt die Metapher des Wiegenliedes, das alle Menschen tötet, die es hören, ein. Der Mensch entscheidet nun über Leben und Tod, verfügt über eine neuartige Massenvernichtungswaffe und weiß diese auch zu eigenen Zwecken auszunutzen. Palahniuk betont hiermit, die bestehende Gefahr, zu hoher Macht in der Hand eines Einzelnen und zeigt auch durch den "Helden" in Lullaby, der natürlich keiner ist, wie unreif der Mensch ist, wenn er mit solch einer Macht konfrontiert wird. Anstatt das Wiegenlied für gute Dinge einzusetzen, sind die Figuren lediglich auf den eigenen Fortschritt, dem Kampf gegen die eigene Vergänglichkeit und der Lösung eigener Probleme aus. Es existiert kein Charakter, der nicht ein dunkles Geheimnis besitzt oder für einen Wendepunkt der Handlung sorgt.
Das Ohr des Menschen, verkommt zu einem großen Nachteil und das Hören zur großen Gefahr. Die Indoktrination der Massen, wird zum gefährlichen Machtinstrument, was der Autor als Tarnung für seine Medienkritik nutzt, denn auch diese darf bei Palahniuk in keinem Roman fehlen. So heißt es an einer Stelle: "Heute hören die Leute eine Werbesendung für Sourcream-Kartoffelchips und rennen los, um das Zeug zu kaufen. Aber sie nennen das freien Willen." Es geht hier nicht vordergründig um ein tödliches Wiegenlied, sondern vielmehr um die Gefahr einer Aufnahme von destruktiven Informationen, was tagtäglich durch das Fernsehen, das Internet und anderen Medien geschieht. Das Wiegenlied ist dabei nicht mehr, als eine Metapher für diese "Massenindoktrination".

Die eben genannten Themen sind die fundamentalen Kritikpunkte des Autors, die wunderbar dargestellt werden. Die einzelnen Figuren, dienen nur der Darstellung dieser Kritikpunkte. Eine wirkliche "klassische" Handlung gibt es eigentlich in Lullaby nicht. Palahniuk erzählt zwar eine Geschichte, jedoch ist meistens das Geschriebene nicht das Gemeinte! Die Stilmittel und das gesamte "Chaos", wie ich das Buch jetzt einmal nennen möchte, muss vom Leser interpretiert werden und darf nicht so einfach als solches akzeptiert werden. Deshalb wird der Roman, wie oben schon genannt, für viele sehr anstregend zu lesen sein, gerade dann, wenn man die ganzen Metaphern und Symbole nicht entschlüsselt. Auch das Ende wird für viele höchst unbefriedigend sein, da es keine wirkliche Auflösung gibt und es, so viel sei vorweg genommen, extrem schräg wird. Für Leser, die sich auf all das einstellen, wird Lullaby ein Lesegenuss darstellen, das sei versprochen.
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am 12. Juni 2004
Um es vorwegzunehmen: Das hier ist m.E. Palahniuks stärkstes Buch seit "Fight Club", vielleicht sogar sein bestes überhaupt, auf jeden Fall aber sein zornigstes. Das manche es schwächer bewerten, mag daran liegen, dass sie es in der deutschen Version gelesen haben. Im englischen Original funktionieren Palahniuks verknappte Sprache und der Roman auf jeden Fall perfekt, wie ein schweizer Uhrwerk. Dabei verpackt er in teilweise sehr kurzen Sätzen eine ganze Menge Information und schafft es so, Bilder im Kopf des Lesers entstehen zu lassen, die dann wieder Stoff bieten für eigene Assoziationen, Hintergedanken, mögliche Plotlines, Erinnerungen, Gefühle, Ängste... Insofern lässt sich Palahniuks virtuos-sarkastische Schreibe ganz gut mit der Kurt Vonneguts vergleichen. Mit anderen Worten: Chuck Palahniuk ist ein Meister in der Kunst des Weglassens, der Andeutung, des Rätsels - und der Zeitsprünge. Oft liest man bei ihm ganze Passagen, die zunächst keinen Sinn zu machen oder aus dem Zusammenhang gerissen zu sein scheinen, aber immer noch interessant genug sind, um Spannungsbögen aufzubauen, die oft erst ganz am Schluss aufgelöst werden (in "Lullaby" z.B. die Passagen über den "Sarge" und den "Roadkill Jesus").
Ganz nebenbei, ja fast schleichend bekommt man beim Lesen einen "neuen" Blick für die "reale" Welt, und zwar erstaunlicherweise gerade durch die surrealen Elemente des Buchs. Und obwohl es in "Lullaby" u.a. um die Kraft von Zaubersprüchen geht, hat man nie den Eindruck, dass es sich hier um irgendein manichäisches Simsalabim-Fantasy-Geschwurbel à la "HP" oder "TLOTR" dreht. Dazu ist der Tonfall des Buches auch zu lakonisch, der Humor zu abgrundtief-schwarz, die Sprache zu konzentriert. Denn mit der Magie in "Lullaby" ist es ähnlich wie mit der - von vielen Kritikern nur zu bereitwillig missverstandenen - Gewalt in "Fight Club": Sie dient eigentlich nur als Medium oder Vor-Bild, um einen Subtext zu transportieren, in dem es um ganz andere Dinge geht. Welche Dinge das sind, kann man aber nur selbst herausfinden. Denn gedankliche Steilvorlagen bietet "Lullaby" jede Menge. Und das macht den Roman zu einem wirklich diebischen Vergnügen. Aber man sollte ihn vielleicht nur auf Deutsch lesen, wenn's garnicht anders geht.
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am 1. Dezember 2016
I read the book years ago in German and could still remember the most important plot elements.
In the original I found the style of writing very unusual. It took some getting used to for me. At times I found it downright annoying.
Nevertheless, the plot is still interesting enough to have kept me reading. Although, admittedly, it is full of holes and does not bear close examination.
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