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Kundenrezensionen

4,1 von 5 Sternen
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am 6. August 2003
Die sieben Jahre, die Donna Tartt für dieses Debut verwendet hat, waren mit Sicherheit eine gute Investition. Es ist nicht die Geschichte, die dieses Buch außergewöhnlich macht: Arrogant-dekadente, vom Leben gelangweilte und dabei absurd sympathische Griechischstudenten begehen in vermeintlich dyonisos'schem Wahn einen versehentlichen Mord und daraufhin einen beabsichtigten, woran sie nach und nach zerbrechen. Das ist nicht unbedingt neu und in gewisser Hinsicht auch nicht wirklich überraschend. Der Autorin gelingt es dennoch mühelos, ein nervenzerreißendes Szenario aufzubauen, in dem man nägelkauend und mit feuchten Fingern die Seiten umschlägt. Wann werden die gräßlichen Verbrechen offenbar? Wer begeht den entscheidenden Fehler? Wie weit stürzen die Protagonisten ab für ihr Verbrechen?

Wunderbar und leider viel zu selten in dererlei Romanen ist die detailierte und originelle Sprache (ein Dank an den Übersetzer!). Aus der Sicht des Mitstudenten Richard in der Ich-Form erzählt, gewinnt die Geschichte an Authentität und läßt den Leser am Geschehen teilhaben.

Die Charakterisierung der fünf Hauptfiguren erscheint zuerst etwas stereotyp: der kluge, schweigsame und mysteriöse Henry, der neurotische Exzentriker Francis, die lebenslustigen, aber geheimnisumwitterten Zwillinge Camilla und Charles, der unbeschwerte, aufgeblasene Habenichts Bunny, die allesamt wahlweise ketterauchend, migränegeplagt, betrunken oder bekokst durchs College hasten. Doch durch das Klischeehafte werden sie erstaunlicherweise äußerst plastisch und glaubwürdig. Extrem treffend beobachtet ist die unheimliche, subtile Macht, die der kühl kalkulierende Henry auf die weniger nervenstarken Mittäter ausübt. Es erklärt sich von selbst, wie Charles zum haltlosen Trinker wird, Francis vom amüsanten Hypochonder zum hysterischen Nervenbündel mutiert, Camilla sich plötzlich unnahbar und geheimnisvoll gibt und weshalb unser Erzähler sich verstärkt mit diversen Suchtproblemen herumschlagen muß. Beim Lesen hatte ich stets Gesichter vor Augen, "Kino im Kopf" also, wie es mir als mittlerweile erwachsenen Leser nicht mehr allzu häufig passiert. Allein schon darum ist dieses Buch zu einem meiner Lieblingsbücher geworden.

Nur bedingt zu empfehlen ist die Lektüre klassischen Krimifreunden. Hier wird kein Verbrechen in mühsamer Puzzlearbeit aufgeklärt, und wir gehen auch nicht mit irgendwelchen schnieken Inspektoren in feinem Zwirn auf Mörderjagd. Es ist eine flüssig und amüsant erzählte Geschichte über Dekadenz und die Verkettung von Schuld und Sühne, und das Sahnehäubchen ist der großartige Schreibstil dieses Erstlings. Schade, daß es ein kleines Juwel bleiben wird - eine sorgfältige, im besten Sinne detailversessene, liebevoll erzählte Geschichte, an der sich der Leser festbeißt und nicht mehr losläßt bis zum bitteren Finale.
33 Kommentare| 102 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 26. September 2000
Eigentlich eher durch Zufall stieß ich in der "Bibliothek" meiner Eltern auf eine schon ewtas verlesene Ausgabe eines Buches, das mich immer wieder aufs Neue unheimlich fesselt und alles schon Gelesene in den Schatten stellt. Das Buch die geheime Geschichte stellt alle Standpunkte der Moral und Ethik in Frage. Die vielleicht sogar unbewusste Manipulation eines neuen Mitstudenten im engen Kreis der Griechischklasse eines verschrobenen Professors in einer malerischen Universität in Vermont spielt dabei eine wichtige Rolle. Ein Buch über Freundschaft und über die Verbindung von 5 Collegestudenten in der heutigen Zeit, geprägt durch die gemeinsamen Rituale und schließlich auch durch den Mord an Bunny, auch ein junger Mann der eingeschworenen Truppe. Das Buch zieht den Leser völlig in den Bann, man identifiziert sich mit der Gruppe, eigentlich fühlt man sich sogar als 6. (oder 7.) Mitglied dieser verschworenen Gemeinschaft. Es ist erstaunlich und vor allem erschreckend, wie offensichtlich dem Leser im Verlauf des Buches wird, dass Bunny "beseitigt" werden muss, wie man sich in die Lage der Studenten versetzt und Teil von diesem grausigen Spiel wird, und sich dessen so bewusst ist, wie der Tatsache, dass Mord eigentlich nicht die richtige Bezeichnung für diese Handlung ist. Viel passender wäre Notwehr oder einziger Ausweg aus der verzwickten Situation, in der Bunny den Drahtzieher spielt. Schade, dass man von der so jungen und begabten autorin seit ihrem Debütroman nichts mehr gehört hat. Weiß jemand etwas von kurzgeschichten oder anderen büchern/Texten von Donna Tarrt?
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am 9. Dezember 2013
Als Richard Papen die Chance bekommt, an ein New England - College zu wechseln, ergreift er nur zu gerne die Chance, die sich ihm bietet und entflieht der sonnigen, öden Wärme Kaliforniens, seinen lieblosen Eltern und dem schrecklichen Medizinstudium.
Über einige Umwege erlangt er schließlich Zutritt zu einem illustren, kleinen Kreis, der in den schneebedeckten Bergen der Catskill-Mountains bei einem skurrilen Professor Altgriechisch studiert. Doch seine Kommilitonen hüten ein gefährliches Geheimnis.

Richard Papen ist jedermann und niemand zugleich. Vor seinen Augen, manchmal mit und oft ohne sein Zutun, breitet Donna Tartt alles aus, was Menschen bewegt, was sie ausmacht, was sie antreibt, was sie verzweifeln und was sie morden lässt. Kein Krimi, kein whodunit - wer das erwartet, wird enttäuscht sein - eher ein Psychogramm, ein Kammerspiel, dass den Leser in der Gestalt von Richard Papen hilflos ausliefert, Moral hinterfragt und vor allem Beweggründe darstellt. Vielschichtig, tiefgründig, abgründig.

Ich kann auch die negativen Rezensionen verstehen. Ich glaube, dies ist eines der Bücher, das einen auf dem richtigen "Fuß" erwischen muss, in der richtigen Stimmung, in dem Willen sich ganz und gar auf die Geschichte einzulassen, denn die Welt, die Donna Tartt erschafft, nimmt den Leser ganz und gar gefangen. Die Atmosphäre am New England-College hat etwas von Bret Easton Ellis' "Rules of Attraction".

Es ist eines der wenigen Bücher, die ich immer mal wieder heraus krame und noch einmal lese und jedes mal finde ich etwas Neues. Eine neue Facette, die mir vorher nicht aufgefallen ist, die ich erst verstehe, nachdem ich selbst etwas gereift bin.
Und es ist eines der Bücher, bei denen ich dankbar bin, dass noch niemand eine Verfilmung (aus welchen Gründen auch immer) gewagt hat.
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am 11. Juli 2015
Seit 20 Jahren begleitet mich dieses Buch, das ich für einmalig und genial halte. Ich glaube, es hat mir das intensivste Leseerlebnis beschert, das ich jemals hatte. Gleichzeitig erlebe ich über die Jahre, dass viele mit dem Buch überhaupt nichts anfangen können. Ich habe deshalb mittlerweile Abstand davon genommen, es zu empfehlen oder zu verschenken.
Es gibt ja bestimmt viele Bücher, die die Leserschaft spalten, deswegen ist es ein bisschen müßig darüber zu sprechen. Bei diesem Buch finde ich es aber doch interessant, weil ich nicht verstehen kann, warum das so ist. Das Buch ist leicht zugänglich durch einen einfachen Einstieg, eingängig geschrieben, die Personen werden sehr plastisch, es hat eine spannende Handlung und es ist komplex und tiefgründig. Man könnte höchstens sagen, es interessiert mich überhaupt nicht, warum jemand ermordet wird oder ich will nichts darüber hören, warum sich in einer Gruppe Spannungen aufbauen...Naja, ok. Schade trotzdem, wenn man es sich entgehen lässt, denn solche Bücher sind extrem selten. Und dass Die Geheime Geschichte ein weltweiter Sensationserfolg war und nach 20 Jahren immer noch gelesen wird sollte einem, wenn man ein bisschen schlau ist, schon zu denken geben.
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am 4. Juni 2003
Als Richard als Stipendant an das College von Hampton/Vermont gelangt ist er augenblicklich fasziniert von einer Gruppe Griechischstudenten um den verschrobenen Lehrer Julian. Trotz der Warnung, sich damit vom restlichen Collegeleben abzuschotten, schließt er sich der Elitetruppe an, deren einzelne Charaktere nicht unterschiedlicher sein könnten:
Da sind die androgynen Zwillinge Charles und Carmilla die wie Kletten nicht voneinander lassen können; der nervöse, aus adeligem Haus stammende Francis; der kumpelhafte Bunny mit seinem derben Humor und ewigen Geldsorgen sowie der heimliche Kopf der Clique, der lakonische, finaziell unabhängige Henry mit seiner außergewöhnlichen Gelehrsamkeit. Für Richard beginnt eine seltsame Zeit der Dekadenz und der Ausschweifung, die ein plötzliches Ende findet, als er hinter ein schreckliches Geheimnis kommt, das seine fünf Freunde miteinander teilen. Als einer von ihnen es auszuplaudern droht, sehen die anderen sich gezwungen zu handeln ...
Bereits auf der ersten Seite des umfangreichen Romans erfährt der Leser, wer aus der Clique von den anderen ermordet wird - doch der Spannung tut dies nicht den geringsten Abruch. Viel wichtiger als die Frage wer von ihnen stirbt, ist die, wie es zu diesem Vorfall kommen konnte und vor allem - wie dieses Ereignis ihre Welt verändern wird.
Die außergewöhnliche Mischung des Buches aus Psychothriller, Krimi und Charakterstudie, untermalt von einer mythischen Atmosphäre, fesselt von der ersten bis zur letzten Seite. Eines der Werke, die ich immer wieder gerne zur Hand nehme, um mich aufs Neue in seine Welt entführen zu lassen.
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am 24. Februar 2014
Die geheime Geschichte ist ein großartiges, spannendes und kluges Buch, das man glatt ein zweites Mal lesen könnte, so vielfältig sind die Bilder, die sich beim Lesen eröffnen.
Nur: bis zur Hälfte waren in der Kindle-Ausgabe mehr als 40! Rechtschreibfehler (ich lese trotzdem weiter, so gut ist der Inhalt).
Jedoch: Für die Autorin, den Übersetzer und die Leser elektronischer Bücher ist die Schlampigkeit der Umsetzung eine Beleidigung - für 8,99 Euro!!!
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am 25. Oktober 2015
Das Buch ist jung geblieben. 1992 erstveröffentlicht liefert es auch heute noch aktuell gebliebene Thematiken in Fülle rund um Elitebildungen und die in ihnen schlummernden Dynamiken der Arroganz, der Rücksichtslosigkeit, des Hierarchiedenkens und der Ausgrenzung. Da sich diese Geschichte an einer Universität abspielt, ist es naheliegend, dass im Mittelpunkt eine akademische Elitegruppe steht. Zum Elitären gehört das Außergewöhnliche des gewählten Fachs, in diesem Fall der Alten Sprachen Griechisch und Latein, ebenso wie das Qualitätsbewusstsein, das die Gruppe extrem gute akademische Ergebnisse erzielen lässt.

Es braucht auch noch eine Führerfigur, hier also einen Professor, der durch Auftreten und Anspruch, Entrücktheit und geheimnisvolle Aura sich von allen anderen abhebt. Er ist mehr als nur ein Vorbild, er ist ein Guru, der Gefolgschaft verlangt und erhält. Er selbst lebt wie ein griechischer Philosoph, der mit seinen Schülern Dialoge führt, wie sie aus der griechischen Agora-Tradition überliefert sind. Er sorgt dabei für eine helle, freundliche Atmosphäre in einem Studio, das lichtdurchflutet und blumengeschmückt ist und entsprechend duftet.

In so eine Elitegruppe aufgenommen zu werden, wie es dem Ich-Erzähler Richard mit viel Glück passiert, stärkt sein Selbstbewusstsein und gefährdet es zugleich, denn im Innern der Gruppe muss er sich noch eine Position erobern – und es stellt sich ziemich schnell heraus, dass es in dieser nach außen so geschlossenen, zusammengeschweißten Gruppe sehr wohl eine Hierarchie auch unter den Studenten gibt – mit einem führenden intellektuellen Kopf an ihrer Spitze und einem Außenseiter ganz unten. Wie letzterer überhaupt in die Gruppe hineingekommen ist, bleibt ein Rätsel (er scheint in jeder Hinsicht inkompatibel mit ihrem Anspruch zu sein) und eine Schwäche des Buches, denn die Handlungsdynamik speist sich gerade aus diesem Außenseitertum.

Das Studium ist für diese Studenten ein idealistisches Unternehmen. Sie wollen nichts weniger als den Geist der griechischen Philosophie im Heute leben. Im Umkreis des Professors, d.h. in seinen Seminaren und sonstigen Veranstaltungen gelingt ihnen das auch. Allerdings wird ihnen allmählich klar, dass sich das antike griechische Leben nicht in Diskussion und Kontemplation erschöpft hat, sondern dass die Mythen voll sind von Episoden der Grausamkeit und des Exzesses und dass die Schönheit gerade dort voll zur Geltung kommt, wo sie in die Nähe von Leiden und Tod gerückt wird. Bestimmte Richtungen des griechischen Kultwesens suchen den Kontrollverlust in sexuellem oder gewalttätigen Exzess, z.B. der Dionysoskult in den Bacchanalien. In ihrer konsequenten, neugierigen, elitären Radikalität setzt sich die Studentengruppe in den Kopf – ohne Wissen des Gurus – ihr Griechentum in dieser Richtung auszuloten.

Man kann aus dem Verlauf der Geschichte gut ablesen, wie eine Gruppe, die von idealistischen Gedanken geleitet wird, aus dem Ruder läuft, weil sie in ihrem radikalen Elitarismus keine Schranken von Moral und Vernunft respektiert. Aus den Jägern eines anderen, intensiveren, tieferen Lebens werden Gejagte, die solidarische Gemeinschaft bricht auf und zeigt die hässlichen Züge der Abhängigkeit von einem Führer einerseits und von den schwächsten Mitgliedern, die alle anderen in Gefahr bringen, andererseits.

Welche Verantwortung hat ein geistiger Führer wie der Professor, der selbst elitär denkt und lebt und um sich herum eine elitäre Studentengruppe aufbaut, die den antiken griechischen Geist im Heute leben möchte und sich um die herrschende Moral wenig schert? Welche Verantwortung übernimmt er, wenn er die Nähe des Schönheitskults der Griechen zu Opfer- und Sühnetod betont? Wie schnell passiert der Übergang von der anarchischen Freiheit des Sich-selbst-die-Regeln-Gebens hin zum Einreißen jeglicher Schranken der Mitmenschlichkeit und des Selbsterhalts?

Der Zeitgeist der 80er Jahre hat sich in den Roman eingeprägt: Die Suche nach alternativen, egalitären, anarchischen Formen des Zusammenlebens ebenso wie die nach Bewusstseinserweiterung durch Drogen ist kennzeichnend für eine breite Strömung unter den jungen Leuten von damals.

Der Kitt, der die Studentengruppe zunächst so zusammengehalten hat, war die Wärme und Akzeptanz, die sie in der Gruppe erfahren haben und die ihnen allen in der Jugend in ihren Familien so fürchterlich gefehlt hat. Sie stammen zum Teil aus reichen Familien, die als Ort der Geborgenheit für ein Kind und einen Jugendlichen völlig versagt haben. Die Entfernung zwischen den Generationen könnte größer nicht sein - Richard betrachtet sich als Waisen, obwohl seine Eltern leben! Umso verständlicher ist es, dass er einen Ersatzvater und eine Ersatzfamilie sucht.

Und klar ist dann auch, dass die Mitgliedschaft in dieser Studentengruppe existenzielle Bedeutung annimmt – und ein Ausschluss aus dieser Gruppe eine Katastrophe bedeuten würde. Der Roman nimmt hier Züge einer griechischen Tragödie an, wenn er die rücksichtslose Entschlossenheit schildert, mit der einzelne Mitglieder um den Verbleib in der Gruppe kämpfen.

Die Wahl eines Ich-Erzählers, der der Gruppe angehört und dann doch auch wieder nicht und deshalb das ganze Register von freudigem Aufgehen in der Gruppe bis zum Aus- und Abgestossensein erlebt, erweist sich als geschickter erzählerischer Schachzug. Es vermischt auf produktive Weise Innen- und Außenansicht (auf die Gruppe).

Erstaunlich blass bleibt die Rolle der einzigen Frau in der Gruppe und die Erotik im Allgemeinen.

Die Griechenland-Inszenierung des Professors, die Repräsentation einer warmen, hellen, sinnlichen und körperfreundlichen Welt ist in schroffen Kontrast gesetzt zum harten, gnadenlosen, graunassen bis eiskalten Klima Vermonts. Der Versuch der Verschränkung dieser beiden Welten ist idealistisch und hält der Realität nicht stand. Der Rückzug der Gruppe in eine Villa im Wald – ein Märchenschloss! – hilft ebenso wenig wie der Einsatz von Drogen, um das Naturerlebnis einer makellosen Schneelandschaft oder der strahlenden Farben des herbstlichen Waldes ins Wunderbare zu übersteigern. Der Rückfall in die graue Realität ist danach umso gnadenloser!

Das Kartenhaus der gemachten Einbildungen muss irgendwann zusammenstürzen: Die sich isolierenden und radikalisierenden Gruppen, die die Utopie im Hier und Jetzt verwirklichen wollen, scheitern an ihrem eigenen Anspruch, der zu hoch gegriffen ist. Sie sterben, wenn ihr Guru stirbt oder verlieren all ihren ursprünglichen Glanz und ihr Sendungsbewusstsein und normalisieren und trivialisieren sich zwecks Überleben.
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TOP 500 REZENSENTam 15. August 2014
Richard gehört zu dem illustren Kreis von nur sechs Studenten, die von Julian Morrow unterrichtet werden. Sie werden eine verschworene Gemeinschaft, versinken in tiefe philosophische Gespräche über Platon, Dante und die Welt und genießen ausschweifende Zechgelage.
Die fünf Mitstudenten, Henry Winter, Edmund Corcoran, Francis Abernathy und die Zwillinge Charles und Camilla Macaulay beeindrucken Richard, kommen sie anscheinend aus einer elitär anderen Schicht, dessen Lebensstandard er nie kennengelernt hat. Zugleich umgibt diese Personen ein geheimnisvolles Flair, das er nicht zu deuten weiß. Bis sich Henry eines Tages offenbart.
Arrogant-dekadente, vom Leben gelangweilte und dabei absurd sympathische Griechischstudenten begehen in vermeintlich dionysischem Wahn einen versehentlichen Mord und daraufhin einen beabsichtigten, woran sie nach und nach zerbrechen.
Es ist eine flüssig und amüsant erzählte Geschichte über Dekadenz und die Verkettung von Schuld, Verfehlungen und Sühne, Tod und Versagen, Reue und Buße, die ganz großen Themen werden hier verhandelt. Der Mord und alle Handlungen werden zur Nebensache: Es sind die menschlichen Reaktionen auf das was passiert ist. Das was diese Sache aus jedem einzelnen macht. Es wird sehr persönlich geschrieben was Neid, Missgunst, Angst, Hoffnungslosigkeit in extremen Situationen aus einem Menschen machen können. Das Sahnehäubchen ist der großartige Schreibstil dieses Erstlings.
Ein Roman voller Tiefe und poetischen Passagen gelungen. Feinsinnig und einfühlsam, dramatisch und geheimnisvoll spannend bringt sie das Geheimnis der sechs Studenten an die Oberfläche und bindet ihren Protagonisten Richard in ein schreckliches Geschehen ein.
Donna Tartt ist eine Sprachkünstlerin, und die Charakterentwicklung ist meisterhaft gestaltet. Sie versteht es durch die Struktur, Dynamik und atmosphärische Dichte der Wortwahl zu fesseln. Es ist ein Vergnügen, ein solches Können Seite für Seite zu verfolgen. Man liest automatisch langsamer, um einzelne Satz- und Gedankenkonstruktionen zu genießen. Die Handlung drängt einen also nicht zum schnellen Lesen. Ein Buch, das man rasch lesen könnte, das aber auch bei sorgfältigem Lesen durch viele Feinheiten und Kleinigkeiten beglückt.
Weniger geeignet für die, die selten lesen oder einen Krimi suchen. Wer ein Buch mit Gefühl, Atmosphäre und auch eigenem Charakter lesen will, dem ist Die Geheime Geschichte sehr zu empfehlen.
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am 9. Juni 2016
Als Kriminalroman ist "Die geheime Geschichte" schon außerordentlich spannend, aber der Roman ist darüber hinaus auch eine ebenso beklemmende wie fesselnde Studie über das Verhalten einer Gruppe von Außenseitern an einem amerikanischen College: Er zeigt - in sehr subtiler Weise und ohne die Leserschaft zu drängen - wie eine Gruppenidentität so stark werden kann, dass ein "Austritt" aus der Gruppe nur noch über den (gewaltsam herbeigeführten) Tod möglich ist. Verdrängte Machtmechanismen und Hierarchien, Manipulation (und die Bereitschaft, sich manipulieren zu lassen) sowie als Altruismus getarnter Eigennutz kennzeichnen das Verhalten der Studenten untereinander - ohne dass die beteiligten Figuren viel davon wahrnehmen. Diese permanente Selbsttäuschung ist auch im Erzählduktus des Ich-Erzählers von der ersten bis zur letzten Seite enthalten. Lesenswert.
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am 20. Januar 2016
Mein erster Roman von Donna Tartt, aufmerksam geworden bei einer Rezension von Tana French, die in ihrem Roman "Geheimer Ort" eine ähnliche Geschichte erzählt, die von einer verschworenen Gemeinschaft in einem traditionsreichen Mädcheninternat in Irland handelt. Donna Tartt ist anspruchsvoller in ihrer Erzählung, wünschenswert wären Sprachkenntnisse in Altgriechisch und Latein. Die Handlung ist manchmal langwierig, die Charaktäre werden sehr ausführlich beschrieben und wer psychologische Abhandlungen mag, wird bestens bedient. Insgesamt ein anspruchsvoller aber durchaus spannender Roman.
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