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am 24. August 2017
Julie Otsuka lässt viele Schicksale und Stimmen zusammenfliessen in ihrem Roman. Kapitelweise folgen wir den japanischen Frauen, die unter falschen Versprechungen zu japanischen Ehemännern in die USA gelockt wurden, von der Überfahrt (Wie wird es wohl sein mit ihm?) zur Ankunft, zur Hochzeitsnacht, zum Leben als Schwerstarbeiterin auf den Feldern (und dabei wollten viele doch der harten Arbeit auf den Reisfeldern daheim entfliehen). Sie werden geschätzt als gute Arbeitskräfte, die sich nie beschweren - aber nie als gleichwertige Menschen akzeptiert, mit denen man sich befreunden könnte. Wie es ihnen und ihren Kindern ergeht, wie sie sich langsam eingewöhnen, das erzählt die Autorin sehr spannend und stilistisch grossartig. Und dann passiert 1941 der Angriff auf Pearl Harbor.... - für die japanischen Einwanderer eine Tragödie.
Und kein Einheimischer steht auf und versucht auch nur, sich für sie einzusetzen.

Was Martin Niemöller schrieb über die Deportationen im "3. Reich" passt auch hier:
„Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.
Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat.
Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Gewerkschafter.
Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“

Das ist für mich die "Moral von der Geschicht'" : Die scheinbar so fremden Menschen sind uns in allen wichtigen Belangen gleich.
Wenn wir uns für sie interessieren und den ersten Schritt auf sie zu machen, dann können wir Freunde werden.
Gleichgültigkeit hingegen ist der Anfang vom Ende.
3 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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am 25. Dezember 2016
Das rosa Cover in Pastelllfarben lässt wahrscheinlich eine eher seichte Unterhaltung vermuten, stattdessen handelt es sich bei Julie Otsukas »Wovon wir träumten« um ein schmales, aber gewichtiges Werk, das sich sowohl inhaltlich als auch stilistisch eher neben literarische als neben moderne ChickLit-Werke stellt.

Zur Handlung. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts überqueren junge Japanerinnen jeglicher Coleur den atlantischen Ozean, um in Amerika neu zu beginnen. Sie reisen als Vermählte, da sie zuvor per Heiratsvermittler zumeist japanischen Männern in Amerika anvertraut wurden. Mit sich führen sie außer einer großen Portion Hoffnung und Träumen nicht viel. In Amerika angekommen, weichen alle schönen Gedanken aber schnell bitterer Ernüchterung und Enttäuschung. Ihre Männer sind in der Regel weder die Männer, die sie von den Fotos kannten (oder zumindest waren sie auf den Fotos zwanzig Jahre jünger), noch führen sie den Beruf aus, den sie auszuüben vorgegeben haben. Aus einem Firmenbesitzer wird in der Realität ein Bauer ... und so müssen sie sich ihrem neuen Leben in Amerika stellen.

Inhaltlich ist der kleine Roman von Beginn an fesselnd. Anders als der Klappentext suggeriert, spielt nicht der Großteil der Geschichte auf dem Boot - die Überfahrt dauert lediglich das erste Kapitel. Danach geht es um mehrere Stationen im Leben der - zuerst - jungen Frauen. Eingebunden werden aber neben den persönlichen Vorstellungen und Interessen der Protagonistinnen auch viele Elemente der Zeitgeschichte. Und diese sind, was den Roman inhaltlich etwas ernster werden lässt, nicht immer angenehme Ausschnitte.

Allerdings muss sich »Wovon wir träumten« auch stilistisch nicht verstecken. Im Gegenteil. Die Autorin geht hier einen Weg, den ich so selten gelesen habe. Den ganzen völlig unterschiedlichen Japanerinnen gibt sie eine Stimme. Und die hält sie nahezu das ganze Buch durch: »Wir«. Der Roman ist also aus der ungewöhnlichen Wir-Form geschrieben und umfasst damit die Stimme aller Beteiligten. Kann das funktionieren? Ja, sehr gut und eindringlich sogar. Dieses »Wir« wird dann häufig zu einem thematischen Punkt aufgeteilt in »Viele von uns« oder »Einige von uns«. Anhand dieser vielen Einzelschicksale, die durch die Erzählform eher wie ein einziges großes Schicksal wirken, schildert die Autorin ein sehr eindringliches, aufwühlendes und berührendes (nicht: anrührendes) Szenario. Und was sie da für einzelne Sätze abliefert ... stark und wunderbar. Auf dem Buchrücken steht, die Autorin habe die Gabe, in einem einzigen Satz eine ganze Geschichte zu entfalten. Da kann ich absolut zustimmen. Teilweise reiht sie über Seiten mehr wundervolle Sätze aneinandern als andere in einem ihrer ganzen Bücher.

Ich persönlich hatte nicht damit gerechnet, mit diesem Buch so ein starkes und ernstes Werk zu lesen. Stilistisch flüssig, unterhaltsam und dennoch sehr ansprechend und verspielt, inhaltlich aufschlussreich, interessant, voller Zeitgeschichte. Meinerseits eine absolute Empfehlung!
2 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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am 1. September 2012
"Wovon wir träumten" ist eins meiner Jahreshighlights, nicht nur des Inhalts wegen, sondern weil es durch seinen besonderen Schreibstil das Erzählte noch intensiviert.

Erzählt wird ohne Pathos, in einem sehr sachlichen Schreibstil, der um so eindrucksvoller wirkt, die Geschichte von jungen Japanerinnen, die auf dem Seeweg nach Amerika einreisen. Jede ist mit einem Gepäck an Wünschen versehen, die in diesem so wunderbaren, verheißungsvollen Land Amerika ihre Erfüllung finden sollen . Was bleibt ist die Ernüchterung. Vielfach als Arbeitskräfte missbraucht, ausgegrenzt und desillusioniert und ihren Kindern fremd, die versuchen sich in dem fremden Land zurecht zu finden, bleiben den Frauen, die mit vielen Wünschen einreisten, nur die Sehnsucht nach ihrer Kultur und die Fremdheit in ihrem neuen Leben.

Juli Otsuka überzeugt mit ihrer Art zu erzählen, zeigt dem Leser, dass Geschichten auch ohne große Ausschmückung wirken können, im Gegenteil, die Intensität der Gefühle sogar noch unterstreichen.

Volle Lesempfehlung.
5 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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am 5. Juni 2017
Die Geschichte von Japanerinnen, die in der Hoffnung auf ein besseres Leben zu unbekannten Ehemänern in die USA ziehen, ihr Leben dort mit Arbeit, Kindern, Ausgrenzung und kulturellen Ubterschieden ist historisch und zeitlos zugleich. Es zeigt realistisch wie nah die eigene Ausgrenzung und das Ausgrenzen anderer ('die Chinesen') beieinander liegen; und dass man sich manchmal erst heimisch fühlt, wenn man wieder gegen muss.
Der Schreibstil ist ungewöhnlich, indem die Schicksale vieler Personen parallel erzählt werden. Dadurch wird aber das breite Spektrum an unterschiedlichen Erfahrungen und Lebenswegen lebendig dargestellt.
Fesselndes und durchaus zeitloses Buch.
Eine Person fand diese Informationen hilfreich
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am 18. März 2016
Erlebtes kommt in unendlich vielen Stimmen japanischer Einwanderinnen zu Wort. Ein bißchen Gutes - aber die vielen schweren Schicksale überwiegen. Das Buch - eine Aufzählung der verschiedenen Erfahrungen im Land der Emigration.
Was für die einen Leser ein eindrucksvoller Stil ist, kann für andere auch wie eine ermüdende Aneinanderreihung wirken, die den Lesenden zwar betroffen macht aber durch die Fülle an Eindrücken nicht in der Erinnerung haften bleibt... Was jedoch bleibt ist ein Gefühl der Trostlosigkeit.
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TOP 500 REZENSENTam 10. August 2012
Julie Otsukas 2. Roman "Wovon wir träumten" ist für mich ein wirkliches Highlight in diesem Lesesommer, von unglaublicher sprachlicher Gewalt geschrieben, von atemberaubender Betroffenheit gezeichnet (es meine es wirklich so!) und nicht zuletzt von solch anrührender Qualität, wie man sie lange suchen muss. Jetzt legt die Autorin einen schmalen Roman vor, der von seiner Strahlkraft und seinem sprachlichen Ausdruck eine Ausnahmeerscheinung sondergleichen ist. Die 1962 geborene Amerikanerin mit japanischen Wurzeln, hat für Ihren Zweitling den PEN/Faulkner Award 2012 erhalten. Ihr Erstling When the Emperor Was Divine ist bis dato nicht übersetzt.

Es ist das Konzentrat, das Otsuka dem Leser verabreicht. Nur wenige Sätze gelesen, hält man den Atem an und denkt, mein Gott, was schreibt die da? Nur ein paar Seiten gelesen und man ist von solch starker berührender Ausdruckskraft im Leserherz getroffen, dass man das Buch für Momente auf die Seite legen muss. Otsuka berührt nicht nur, nein sie erschüttert den Leser in den Grundfesten, konfrontiert mit Schicksal, mit Wahrheit, mit Unausgesprochenem, mit Authentischem, mit Leid das Menschen tatsächlich erlebten, dass man zu schlucken beginnt, weil man auf soviel Kraft des Erzählens nicht vorbereitet ist, schon gar nicht auf die geschilderten Einzelschicksale.

Julie Otsuka schildert das Schicksal auswandernder Japaner Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts nach Amerika, bis hin zum Ausbruch des Krieges 1941, nach dem Angriff auf Pearl Harbour werden alle damals lebenden Japaner umgesiedelt, interniert oder sind selbst geflohen. Otsuka macht den Bogen von anfänglichen Träumen und Hoffnungen, bis hin zum stillen Verschwinden der zurückhaltenden und stillen Japaner. Die Autorin erzählt von Frauen, denen man versprochen hat, dort einen Mann heiraten zu können, mit der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Sie tut dies in der Wir-Form, als eine Stimme, die die damaligen Frauen vertreten soll. Doch mündet so manches Einzelschicksal, in Tragik und Leid, weil die damaligen Frauen oft andere Männer antrafen, auf zwanzigjährige Fotos eingestellt waren, ohne dass sie es wussten und oftmals nur als Arbeitskraft und Prostituierte angesehen wurden. Insofern ist dieser Roman sicherlich ein Frauenroman, der sich mit der Verletzung des Weiblichen zur damaligen Zeit beschäftigt, aber nicht nur.

Otsuka erzählt von der damaligen Naivität oder besser Nichtwissen: "Gab es immer noch wilder Indianerstämme, die durch die Prärie zogen?", erzählt von der Ernüchterung, die Frauen damals erlebten: "Dass die Fotos die man uns geschickt hatte, zwanzig Jahre alt waren. Dass die Briefe, die man uns geschrieben hatte, von Menschen geschrieben wurden, die nicht unsere Männer waren, sondern professionelle Leute mit schöner Handschrift, deren Beruf es war, Lügen zu erzählen und Herzen zu erobern." Sie erzählt von der sexuellen Ausbeutung:" In jener Nacht nahmen unsere neuen Ehemänner uns schnell. Sie nahmen uns ruhig. Sie nahmen uns sanft, aber fest, und ohne eine Wort zu sagen. Sie glaubten, wir seien die Jungfrauen, die die Heiratsvermittler ihnen versprochen hatten, und sie nahmen uns mit grösster Behutsamkeit. (..) Sie waren sich unserer sicher und glaubten, wir würden alles für sie tun, was von uns verlangt wurde. (..) Sie nahmen uns schnell und immer wieder und die ganze Nacht hindurch, als wir aufwachten, gehörten wir ihnen."

Und sie erzählt von der Ausbeutung als Arbeitskraft:" Wir hörten auf, unseren Müttern zuhause zu schreiben. Wir nahmen ab und wurden dünn. Wir hatten keine Regel mehr. Wir hörten auf zu träumen. Wir hörten auf, uns etwas zu wünschen. Wir arbeiteten einfach, das war alles. Wir schlangen dreimal am Tag unsere Mahlzeiten hinunter, ohne ein Wort mit unseren Männern zu wechseln, sodass wir schnell zurück auf die Felder konnten. (..) Wir machten jeden Abend für sie unsere Beine breit, aber wir waren erschöpft, dass wir oft einschliefen, bevor sie fertig waren. (..) Aber es waren nicht wir, die kochen und putzten und Holz hackten, es war jemand anders. Und oft fiel unseren Männern nicht einmal auf, dass wir verschwunden waren."

Ein Ausnahmeroman, der sehr gut recherchiert ist, auf authentische Vergangenheit zurückgreift und somit zusätzlich diese Neuerscheinung zu etwas ganz Besonderem macht. Julie Otsuka, erzählt von Träumen die platzen, von Realität die ernüchtert, von Erniedrigung und Leid und gleichzeitig ist es keine Anklage, sondern eine Schilderung dessen, wie damals die Menschen versucht haben, ihr Leben mit Würde zu ertragen und zu leben, mit all seinen oftmals unerträglichen entwürdigenden Lebensverläufen. Es ist dieser stille Umgang, mit vielem das als ungerecht empfunden werden kann und auch ist. Es ist das Erschütternde aber auch das sprachlich zum Ausdruck gekommene, dass einen zutiefst treffen kann. Dass, dieses Buch bereits preisgekrönt ist verwundert bei weitem nicht, Julie Otsuka erzählt uns hier eine Geschichte, die so unerhört ist, dass man es kaum glauben kann. Man ist fassungslos und gleichzeitig sehr berührt davon. Die Wertschätzung für solch eine Literatur ist kaum mehr auszudrücken, nur soviel: Unglaublich, wie eine Autorin nur so schreiben kann!

Empfehlung.
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am 26. August 2012
Die Geschichte junger Japanerinnen, die Anfang des 20. Jahrhunderts in die USA verschifft werden, um dort die ihnen versprochenen Japaner zu heiraten. Verbunden damit sind Enttäuschungen und nicht gehaltene Versprechen. Es zeigt sich aber auch, dass es schon damals ausreichend Affären und Skandale gab. Beschrieben wird auch das Leben der japanischen Familien dann in den USA, bis hin zu ihrer Umsiedlung im zweiten Weltkrieg.

Der Roman hat eine sehr besondere Erzählweise, die es schafft, nicht nur eine Hauptperson zu begleiten, sondern viele Japanerinnen, ihre Familien und ihre Leben. Zwar eine ungewohnte Form, die aber leicht zu lesen ist, man stellt sich schnell darauf ein. Oft werden ganze Geschichten in einen einzige Satz gepackt.

Ein sehr tragisches, aber auch poetisches Buch, dessen schönes Cover allein schon verdient, einen Platz im Bücherregal zu bekommen.
Eine Person fand diese Informationen hilfreich
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am 17. Juli 2013
Zum Inhalt des Buches wurde hier ja schon genug geschrieben. Darum will ich mich damit nicht weiter befassen. Ich habe das Buch auf eine Buchempfehlung in einer Zeitschrift gekauft und war eigentlich skeptisch im Hinblick auf fehlende Spannung und Geschichte. - Aber dann war ich von der ersten Zeile weg gefangen in diesem wunderschönen Erzählstil von Julie Otsuka. Sie hat ganz wunderbar und mit einer selbstverständlichen Leichtigkeit die Empfindungen dieser jungen japanischen Frauen vermittelt. Als ich am Ende die letzte Zeile des Buches gelesen hatte, war ich traurig, weil ich weiterlesen wollte, wissen wollte, was aus diesen Frauen nun geworden war. Ich war auch wütend, weil sie ihr Schicksal einfach so angenommen haben und nicht dagegen angekämpft haben. Da war keine Wut zu spüren und kein Zorn! Mich hat das Buch unglaublich berührt!
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am 6. Januar 2018
Das Buch wäre wohl mindestens 100 Seiten kürzer geworden, wenn die Autorin einen "normaleren", weniger nervtötenden Schreibstil hätte. In einem Aufsatz, der so verfasst worden wäre, hätte wohl ständig "Wiederholung" oder "bitte nutze unterschiedliche Satzanfänge" am Rand gestanden. Aber vielleicht bin ich ja auch nur zu dumm für den sooo neuen Schreibstil? Schade, so übergeht man beim Lesen immer zwei, drei Seiten, um zu den wirklich inhaltlich wichtigeren Sätzen zu gelangen. Die Dramatik des Buches geht so leider unter.
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am 25. Juni 2013
Da ich sehr gerne japanische Schriftsteller mag war dieses Buch schon länger auf meiner Wunschliste. Zugegeben, es ist kein
ganz leichtes Lesefutter aber es hat mich sehr berührt. Anhand vieler Einzelschicksale entsteht ein Bild der japanischstämmigen Bevölkerung in den USA, insbesondere der Frauen in der schwierigen Zeit um den 2. Weltkrieg- besonders nach Pearl Harbour.
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