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Kundenrezensionen

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am 9. November 2011
1939, Nazideutschland: Der Krieg hat begonnen und viele Menschen müssen ihre Heimat verlassen. So auch Liesel Memminger. Zusammen mit ihrem Bruder Werner und ihrer Mutter soll sie ab sofort bei Pflegeeltern in der Nähe von München wohnen. Doch während der langen und beschwerlichen Reise verstirbt Werner.
An seinem Grab schlägt der Bücherdieb zum ersten Mal zu. Liesel klaut ein kleines schwarzes Büchlein, was einem der Totengräber heruntergefallen sein muss.
Bei ihren Pflegeeltern angekommen, kümmert sich ihr Pflegevater Hans rührend um sie und bringt ihr das Lesen bei. Zusammen mit ihm taucht sie immer öfter ab in die Welt der Bücher ein um die harte und rau Welt um sich herum zu vergessen. Doch als das erste Buch ausgelesen ist, braucht Liesel Nachschub. Allzu bald lernt sie die Biblothek im Haus des Bürgermeisters kennen und kommt von den Schätzen, die diese beinhaltet nicht mehr los.
Eine Liebe zu Büchern und den Worten ist von nun an geweckt, die sie nie wieder verlassen wird. Nicht, als sich alle Einwohner Münchens in Kellern verschanzen müssen, da Bomben über Deutschland niedergehen, nicht, als sie die Juden nach Dachau ziehen sieht und auch nicht, als die ganze Welt in Schutt und Asche liegt. Ihre Liebe zu Wörtern geht so weit, dass sie beginnt ihre eigene Geschichte nieder zuschreiben. Über einen toten Bruder, eine raue aber dennoch liebende Mutter, einen Juden mit Haaren wie Federn, einen Jungen, der bald ihr bester Freund werden wird und vor allem über einen Vater, der ihr wichtiger ist, als alles andere auf der Welt. Was Liesel nicht weiß, ist dass dieses Buch gefunden wird - vom Tod höchstpersönlich. Und dieser beginnt nun, uns die Geschichte der Liesel Memminger zu erzählen.

"Tragisch und witzig, wütend und zutiefst lebensbejahend, vom dunkelsten und doch brillantesten aller Erzähler dem Tod."

Es fällt mir wirklich schwer, meine Gedanken zu diesem Roman in Worte zu fassen. Daher möchte ich dieses Buch auch nicht "totreden". Ich kann euch nur sagen, dass "Die Bücherdiebin" zurecht ein internationaler Bestseller ist! Die Geschichte ist so voller Leben, dass man alles um sich herum vergisst, wenn man erst einmal mit dem Lesen begonnen hat.

Der Aufbau des Romans ist ganz außergewöhnlich. Er ist in mehrer Kapitel unterteilt, von dem jedes nochmals viele kleine Unterkapitel hat. Das alleine ist ja nicht sehr außergewöhnlich, die kleinen Anmerkungen, die immer wieder auf den Seiten verstreut vorzufinden sind, sind es allerdings schon. Hierbei handelt es sich um Anmerkungen des Erzählers, des Todes höchstpersönlich, oder um Fakten und Hintergrundwissen zu einzelnen Charakteren der Geschichte, die dem Leser so näher gebracht werden. Außerdem finden sich auch immer wieder Vorausdeutungen in diesen kleinen Anmerkungen, die die Geschichte noch lebhafter erscheinen lassen und das Ganze noch spannender gestalten.

Die Protagonisten wahren mir alle sehr sympathisch. Jede einzelne Figur hat so ihre Eigenarten, die sie ganz besonders liebeswert machen. Der kleine Rudy beispielsweise, der Liesel immerwieder versucht, einen Kuss abzuringen, Tommy, der ein schweres Ohrenleiden hat und daher Befehle oft zuspät hört, die der Anführer der Hitlerjugend schreit, Rosa Hubermann, die es sich zur Gewohnheit gemacht hat, alle geliebten Menschen mit "Saumensch" oder "Saukerl" anzusprechen und allen voran Papa Hans. Hans Hubermann ist wohl das Beste, was Liesel hätte passieren können. Er schläft jede Nacht in einem Sessel neben ihrem Bett, wenn sie, wie so oft, von schrecklichen Alpträumen geweckt wird, er bringt ihr das Lesen bei, er spiel für sie auf dem Akkordion und, was wohl am entscheidensten ist, er beschützt sie, wo er nur kann. Hans ist so eine liebenswerte Person, dass ich als Leser nich anders konnte, als ihn von Anfang an ins Herz zu schließen!

Was das Buch zu etwas ganz Besonderm macht, ist die Tatsache, dass es Markus Zusak gelungen ist, ein Mittelmaß zwischen Unterhaltung und Witz und Tod, Gewalt, und Meschenverachtung zu finden. Das heikle Thema wird nicht ins lächerliche gezogen oder verharmlost, was ich bei solchen Büchern persönlich immer sehr wichtig finde, sondern gut herausgearbeitet und veranschaulicht. Das Grauen, was zu dieser Zeit in Deutschland und Umgebung Einzug hielt, wird genauso auch dargestellt - nämlich grauenhaft!
Dennoch macht es Spaß, das Buch zu lesen. Zwischendrin lassen sich immer wieder humorvolle und amüsante Passagen finden, so dass das Buch nicht allzu trist ist und das Lesen nicht zur Qual wird. Außerdem wird der Leser zwischendrin von einzelnen Gesten oder Aussagen der Charaktere sehr bewegt und mitgenommen, dass er sich wirklich fragen muss, wie stark und lebensbejahend, mutig und selbstlos ein Mensch eigentlich sein kann.

"Die Bücherdiebin" hat mich nicht nur einmal zu Tränen gerührt. Es handelt sich hier um ein extrem bewegendes Buch, dass seine Leser noch mehrer Tage, wenn nicht sogar Wochen, nach dem Lesen beschäftigen wird. Hat man es einmal angefangen, wird man total in den Bann des Romans gezogen.
Das Thema ist so interessant und liebevoll und dennoch authentisch aufgearbeitet, dass ich sagen muss, dass das Buch auf jeden Fall einen Weg in mein Herz gefunden hat. Was kann ich da noch anderes tun, als dem Buch die höchstmögliche Bewertung geben?
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am 1. August 2013
Die Geschichte beschreibt die Kindheit von Liesel während des 2. Weltkriegs in Bayern. Der Tod persönlich führt durch die Geschichte und man begleitet die kleine Liesel durch den harten Alltag.

Liesel lebt bei ihren Pflegeeltern und erlebt trotz der Schrecken des Krieges Jahre voller Vertrauen, Hoffnung und Neugierde. Ihre Neugierde auf Bücher treibt sie so weit, dass sie zu stehlen beginnt und sogar ein Buch vor dem Feuer bewahrt.

Der Tod als Erzähler ist doch eine ungewöhnliche Herangehensweise an eine Geschichte und hat mich als Leserin zuerst sehr irritiert und ich habe mich anfangs dabei nicht so richtig wohlgefühlt. Wer möchte schon vom Tod persönlich eine Geschichte hören?
Allerdings freundet man sich schnell mit ihm an, lernt ihn näher kennen und entwickelt nach und nach unbestreitbar eine gewisse Sympathie.

Die Geschichte ist sehr berührend, man sieht die Figuren richtig vor Augen und zweifelt keinen Moment.

Dieses Buch hat mich lange nicht losgelassen. Wochen nach dieser Lektüre ist es mir immer wieder passiert, dass ich im Gedanken bei Liesel in der Himmelstraße in Bayern war.

Ein Meisterwerk sondergleichen.

(c) NiWa
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am 11. April 2013
In dieser Geschichte geht es um ein neunjähriges Mädchen mit dem Namen Liesel Meminger, um ihre Pflegeeltern Rosa und Hans Hubermann, um die Himmelstraße 33 in Molching, um viele Diebstähle und um noch mehr Worte. All diese Begebenheiten geschehen von Januar 1939 bis Oktober 1943 und der Erzähler, inmitten der Wirren und des Leids des 2. Weltkrieges, ist niemand anderes als der Tod.

Bereits im Prolog berichtet der Tod, dass er Liesel drei Mal begegnen wird und erzählt noch vor der eigentlichen Geschichte von diesen drei Begegnungen. Das fand ich sehr irreführend, weil ich mitten im Buch dachte: "Das hast du doch schon mal gelesen." Ja, hatte ich auch. Im Prolog. Diese Erzählweise scheint dem Tod zu gefallen, denn er nimmt im Laufe der Geschichte immer wieder die Ereignisse vorweg. Wenn es sich dabei um Vorausdeutungen handeln würde, die die Neugierde des Lesers wecken sollen, wäre nichts dagegen einzuwenden, aber konkrete zukünftige Begebenheiten im Voraus auszuplaudern hielt ich für unangebracht. Der Tod selbst findet es wohl auch nicht richtig, denn an einer Stelle sagt er: "Wieder gestatte ich euch einen Blick auf das Ende. Vielleicht um den Schlag zu mindern, vielleicht um mir selbst das Erzählen leichter zu machen." Wie auch immer: Ich mochte diese Vorwegnahme nicht und fragte mich, was der Autor damit bezweckt hat.

Die Struktur der Geschichte ist ebenfalls ungewöhnlich, denn die Geschichte wird alle zwei Seiten durch fettgedruckte Bemerkungen, Zusammenfassungen oder Feststellungen unterbrochen. Am Anfang tat ich mich mit diesen regelmäßigen Einschüben schwer, aber irgendwann arrangierte ich mich mit ihnen und sie störten mich nicht mehr.

Sehr beeindruckend finde ich Zusaks Umgang mit Worten. Er bevorzugt die originelle Ausdrucksweise und da seine auffallende Wortgewalt fast immer die entsprechende Stimmung in der Szene trifft, wirkt die Form seiner Beschreibung oft harmonisch. Hin und wieder erscheinen seine Worte zwar ein wenig aufgesetzt, aber trotzdem vermögen sie es, den Leser zu verzaubern, Gefühle in ihm zu wecken oder sein Gemüt zu erhellen.

Dass Markus Zusak grundsätzlich den besonderen Ausdruck wählt, beweis er an vielen Stellen in seinem Buch. Wo andere Autoren die Stimme versagen lassen, so begeht die Stimme bei Zusak Selbstmord. Wenn ein Flugzeug im Wald hockt und noch hustet, hat es einen Absturz hinter sich. Und wenn die Juden zu Fuß auf dem Weg ins Konzentrationslager Dachau sind, dann konzentrieren sie sich. Um nur einige Beispiele zu nennen.

Auch die Namen seines Romanpersonals, typische bayerische Namen aus der Zeit der Weltkriege, hat sich Zusak reiflich überlegt. Sie passen hervorragend in die Geschichte, weil sie ihr etwas Reales verleihen und unterschwellig zum Feinschliff beitragen.

Alles in allem ist "Die Bücherdiebin" ein wirklich außergewöhnliches Buch. Für Leser, die Trivialliteratur to go bevorzugen, könnte dieses Buch allerdings ein Reinfall sein, aber wer Freude am Umgang mit Sprache hat, sollte dieses Buch unbedingt lesen, denn einige Textstellen sind ein sprachlicher Hochgenuss und machen Lust auf mehr. Viel Spaß!
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am 17. Dezember 2009
Dieses Buch ist außergewöhnlich. In allen Belangen. Zuerst ist es der Stil des Buches, die vielen Einschübe, Anmerkungen und Vorgriffe. Dies hat mich so lange gestört, bis mich die Geschichte in ihren Bann gezogen hat.

Die Geschichte ist mit das eindringlichste was ich je über das dritte Reich gelesen habe. Eine Geschichte so schön, wie sie häßlich ist, so lustig wie sie traurig ist. Ihre Besonderheit liegt vor allem daran, dass einem hier nicht die Millionen von ermordeten Juden vorgeführt werden, sondern nur ein paar Personen und Alltäglichkeiten, die jeder nachvollziehen kann. Jeder kann sich leicht selbst in die Jungs und Mädels hineinversetzen und in eine Kindheit wie sei im dritten Reich wohl gang und gäbe war. Genau dadurch und wird einem der Irrsinn dieses Krieges besonders bewußt. Ein großer Verdienst dieses Buches ist auch, dass man sich immer wieder dabei ertappt darüber nachzudenken, wie man selbst gehandelt hätte und nicht selten kommt man mindestens zum Schluß, dass man es nicht wirklich weiß. Dass dies alles ohne moralischen Zeigefinger und in eine fesselnde Geschichte eingebettet wird, macht es nur um so beeindruckender. Und gegen Ende dürfte es schwer sein, sich Tränen zu verkneifen. Tränen für die ermordeten Deutschen, Tränen für die ermordeten und überlebenden Juden.

Dieses Buch sollte eine Pflichtlektüre in der Schule werden, es bringt einem die Schrecken des dritten Reiches näher als viele Geschichtsbücher. Bewegend!
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am 23. Oktober 2009
'Die Bücherdiebin' spielt im 2. Weltkrieg und erzählt die Geschichte des Mädchens Liesel Meminger, die zuerst ihre Familie verliert und von dem Ehepaar Hans und Rosa Hubermann als Pflegetochter aufgenommen wird. Das Besondere daran: nicht Liesel selbst erzählt ihre Geschichte, sondern der Tod, der in dieser Zeit allgegenwärtig ist. Doch auch er hat eine menschliche Seite durch sein Interesse an und seinem Mitgefühl für die Menschen.
Es ist 1939. Als die neunjährige Liesel vor dem Haus der Hubermanns ankommt, weigert sie sich, aus dem Auto zu steigen. Sie wurde für immer von ihren Eltern, angeblich Kommunisten, getrennt und musste den Tod ihres kleinen Bruders miterleben. Für Liesel beginnt jedoch in der Himmelstraße in Molching bei München eine glückliche Zeit, so glücklich wie sie im Krieg nur sein kann. Sie findet in Hans Hubermann einen liebevollen neuen Vater, der ihr das Lesen beibringt und in Rosa Hubermann eine ruppige, aber nicht herzlose, neue Mutter. Sie findet einen Freund in Gestalt von Rudi Steiner, der besessen ist von dem schwarzen Leichtathleten Jesse Owens, aber auch in der psychisch labilen Frau des Bürgermeisters findet sie eine Freundin.

Liesel kommt durch Zufall zu einem etwas speziellen Hobby: sie wird Bücherdiebin. Zuerst ist es ein Buch, das herrenlos im Schnee liegt, ein weiteres rettet sie vor dem Feuer, bis sie schließlich auch Äpfel und andere Lebensmittel stiehlt. Ein besonderes Anliegen sind ihr dabei aber trotz aller Not immer die Bücher.

Rudi und Liesel gehen gemeinsam auf Beutezug, sie teilen alles, nur ein Geheimnis hat Liesel vor ihm: den Juden Max, der von ihren Pflegeeltern in deren Keller versteckt wird und der für sie eine Geschichte schreibt. Jahre vergehen, ab 1943 fallen die Bomben der Alliierten auch auf Molching. Liesel liest den Menschen im Luftschutzbunker vor und trägt alle damit wenigstens für kurze Zeit in eine andere Welt.
Mit seinem Roman 'Die Bücherdiebin' ist Markus Zusak eine Hommage an Bücher und die Kraft der Worte gelungen. Er schreibt in einer Sprache voller Facetten: zum einen gibt es die naturgemäß distanzierte Sprache des Erzählers, des Todes, aber auch eine bildhafte und bunte Sprache, wenn Liesel in ihren Notizen zu Wort kommt und nicht zuletzt die knapp gehaltene Sprache der Nazipropaganda.
Sein Werk hat zwar Romancharakter, ist aber von Erzählungen seiner Mutter beeinflusst, die einige Gemeinsamkeiten mit der Hauptperson Liesel hat. So liegt der Szene, als ein Zug jüdischer Häftlinge durch Molching geführt wird und ein Gefangener ein Stück Brot zugesteckt bekommt, was entdeckt und hart bestraft wird, ein wahres Ereignis zugrunde.
Wer bei dem Stichwort 2. Weltkrieg an eine trockene Zeitzeugengeschichte denkt, wird eines Besseren belehrt werden. Trotz der manchmal schonungslosen Darstellung von Krieg und Tod wird der Leser in den Bann dieser Geschichte mit ihrer anschaulichen Sprache gezogen. Für Jugendliche ab 12 Jahren ist der Roman trotz seines großen Umfangs sehr zu empfehlen, ist aber genauso für Erwachsene äußerst lesenswert.
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am 2. Juni 2012
Eines der außergewöhnlichsten Bücher, die ich bisher gelesen habe. Wo hat man schon einmal etwas von einem englischsprachigen Autor gelesen, der Deutsche im Nazi-Deutschland zu einem großen Teil als sympatische Opfer ihrer Zeit darstellt? Bezogen auf die Familie des Autors hat das Werk zweifellos auch einen biografischen Hintergrund.

Aber vorsicht: Es ist keine Strandkorblektüre zum "mal-eben-so-weglesen". Man muss sich darauf einlassen. Auf den Erzählstil, bei dem auf große Literatur auch mal Kinderbuchprosa folgt. Auf den Versuch, den Wahnsinn dieser Jahre in Worte zu fassen. Und auf den Tod als sympatischen Erzähler mit viel Empathie. Man versteht am Ende der Geschichte, dass er sich von den Menschen verfolgt fühlt, weil er sie nicht versteht.

Sicher, das Werk wurde überwiegend positiv bewertet. Aber man kann auch die ablehnenden Beurteilungen nachvollziehen. Wer liest, um sich zu entspannen oder den Kopf frei zu bekommen (was in keiner Weise negativ gemeint ist), sollte sich nicht vom sehr guten Gesamturteil blenden lassen. Für diese Leser ist das Buch nicht gedacht.

Für alle anderen eine klare Empfehlung.
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Auf den ersten Seiten dachte ich: Unglaublich. Was für eine Wucht! Hingerissen begann ich zu lesen und war überzeugt, ein neues Lieblingsbuch in der Hand zu halten. Der Tod selbst erzählt eine Geschichte, er will uns etwas zeigen, das hat etwas von Märchenerzähler, poetisch, schön, anrührend. Das ging etwa zwanzig Seiten lang gut und ich folgte der Geschichte, einer guten Geschichte über ein früh traumatisiertes Waisenkind in düsteren Kriegsjahren zunächst begeistert. Alles gemalt in den braunstichigen Bildern der Dreißiger und Vierziger - Jahre in deutscher Provinz, eine vermeintlich böse Pflegemutter, ein warmherziger, kluger Pflegevater, ein guter Freund und viele Charkterköpfe, alles eingebettet in Pogrom, Krieg und Bombenterror, eine Mischung aus Oliver Twist, Roter Zora und Schindlers Liste und - vergesssen wir es nicht!- erzählt vom Tod selbst. Ich sage es ausdrücklich: Die Geschichte ist gut. Aber ich persönlich kam schon nach wenigen Seiten überhaupt nicht mehr klar mit der Erzählweise. Unsentimental - okay. Ohne Kitsch, ohne Pathos? Ja, gerne. Aber dieses Buch enthält eben auch: reichlichst Vorschauen und Rückblenden, Zwischenbemerkungen, Einschübe, Fußnoten. Nach kurzer Zeit war mir, als hätte das Buch Schluckauf und ich war schlicht überfordert von den Unterbrechungen, Gedankenstrichen, Zeitsprüngen, der spröden, emotionsarmen Sprache, den kurzen, telegrammartigen Sätzen, dem Labyrinth der Handlung und der tobenden, fluchenden, prügelnden Pflegemutter mit ihrem Tourette - Syndrom vor dem großen Herzen.
Ich möchte das Buch nicht schlecht machen, es ist ohne Zweifel große Kunst, aber leider nicht für mich geschaffen. Da ich hier subjektiv urteilen darf, tue ich es, denn manchmal erkennt man aus Rezensionen auch, welches Buch man mögen wird und welches eher nicht.Ich bin ein Fan der Wortakrobaten wie Michael Chabon. Ich habe es gern opulent, Zusak schriebt aber einerseits sehr asketisch, andererseits durch all die bereits erwähnten Sprünge auch recht eigenwillig.
Ich würde insgesamt sagen: Wer den Kopf frei hat und sich auf die sprachliche und erzälerische Besonderheit einlassen kann, wer keine barocke Sinnlichkeit, keine Nähe zu den Figuren braucht beim Lesen, wer Experimente mag, ohne Extremes zu brauchen, wird das Buch mögen. Es ist durchaus bildhaft und interessant und sicher auch ein richtungsweisendes Werk. Aber es ist keine leichte Kost, kein Buch zum Entspannen und- das sei zu Beginn der Urlaubssaison betont!- definitiv kein Gute - Laune- Strandkorbbuch zum schnell mal weglesen für den Durchschnittsleser und dazu zähle ich auch mich.
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am 18. März 2009
Wie schreibt man eine Rezension über ein derartig beeindruckendes Buch?
Es gibt wahrlich nicht viele Bücher, die mich bis zur Sprachlosigkeit beeindrucken. Gut, anfangs musste ich mich ein wenig an den Sprachstil gewöhnen. Aber diese Eingewöhnungszeit dauerte nicht lange und schon bald hatte mich dieses Buch gefesselt. Die knapp 600 Seiten waren schnell, zu schnell verschlungen. 'Der Name der Rose', 'Das Parfum' oder etwa 'Schatten des Windes' können noch in diese Kategorie einsortiert werden. Im Grunde müsste ich alle bisherigen Kritiken um einen Punkt abstufen, um diesem Buch gerecht zu werden. Ich kann leider nicht mehr als 5 Punkte vergeben. Und die reichen überhaupt nicht aus.
Für alle Leser und Leserinnen, die nahe am Wasser gebaut sind, stellt 'Die Bücherdiebin' eine Herausforderung dar. Ohne Tränen wird es bei ihnen nicht abgehen. Zusak verwendet eine Sprache, die einfach ist und doch nicht plump und naiv wirkt. Er schafft eine Bildlichkeit und Eindringlichkeit, wie ich sie nur selten beim Lesen entdecken kann. Hier gibt es kein Zuviel oder Zuwenig. Nichts wirkt gestellt oder gespreizt. Das ist Literatur für die Massen und doch wieder für den Einzelnen.
Das Schicksal der Protagonistin Liesel wie auch ihrer Pflegeeltern, ihres Freundes Rudi oder des Juden Max bewegen und lassen einen beim Lesen nicht mehr los. Wo noch bei Litell und seinen Wohlgesinnten ein homosexueller SS-Mann berichtet mit einer Kühle und einem intellektuellen Einschlag, erzählt hier der Tod die Geschichte der Liesel Memminger. Ein vielleicht ungewöhnlicher Schachzug des Autoren, aber ein sehr wirksamer. Der Tod hat ein Herz und er erweicht das des Lesers dazu. Bei der Bücherdiebin geht es nicht um Effekthascherei, hier wird das gemacht, was in der Literatur meines Erachtens nach gemacht werden sollte. Es wird erzählt, gezeigt, dargestellt. Alles andere liegt beim Leser selbst.
Ich kann dieses Buch nur empfehlen. Schon sehr sehr lange hat mich ein Buch derart beeindruckt. Es wirkt immer noch nach. Und ich weiß, dass meine Worte es nicht ausreichend zu würdigen wissen. Aber ich habe es versucht. Und werde nicht müde werden, es weiterzuempfehlen.
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am 5. August 2008
Eine bewegende Geschichte, die es grade durch ihre naive, teils kindliche, Erzählweise versteht zu erschüttern und mitzureißen. Ob die Kinder den Krieg wirklich gesehen haben, wie er hier dargestellt war, ist dabei nicht die entscheidende Frage - wichtiger ist, daß man selbst nachvollziehen kann, wie sich die schreckliche Wahrheit mit zunehmendem Alter und steigender Brutalität der Nazi-Realität vor den Kindern ausgebreitet haben muß. Das dies in kindlichen Worten geschieht verstärkte für mich dabei das Entsetzen und gibt der Geschichte weit mehr, als es ihr nehmen könnte.
Dazu ist die Erzählperpektive des Todes abstrakt für menschliche Verhältnisse und bildet einen klinischen Gegenpol zur emotionaleren Erzählsicht der Bücherdiebin. Lediglich die teilweise Vorwegnahme der Geschichte störte mich - besonders bei der Vorwegnahme von Rudi's Schicksal mußte ich mich ein wenig zwingen weiter zu lesen - ich wollte wohl nicht wahr haben, was kommen sollte.
Die kleinen Nebengeschichten, die mal als Hintergrund und mal als Abschluß einer Nebenhandlung dienen, geben einen kurzen Einblick in das Leben außerhalb der Himmelstraße, kamen mir manchmal aber unnötig und ablenkend vor.
Ein schönes Buch, daß durch seine letztendliche Traurigkeit, durchbrochen von den Lichtblicken von Freundschaft, Liebe und kindlichem Glück, etwas besonderes für mich darstellte.
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am 27. März 2014
„Die Bücherdiebin“ von Markus Zusak

Handlung
Kurz vor Beginn des 2. Weltkriegs beschließt Liesels Mutter, sie und ihren Bruder bei Pflegeeltern unterzubringen.
Auf dem Weg nach Molching, in der Nähe von München, verstirbt Liesels Bruder im Zug an Keuchhusten. Das ist die allererste Begegnung, die Liesel mit dem Tod hat. Nach der Beerdigung findet Liesel auch ihr erstes Buch auf dem Friedhof, welches sie einfach kurzerhand einsteckt, weil es sie immer an ihren Bruder erinnern wird. Erst später stellt sich heraus, dass dieses“ Buch für Totengräber“ ihre Karriere als Bücherdiebin einläutet.
Bei ihren Pflegeeltern fühlt sich Liesel zuerst gar nicht wohl und das Einleben unter dem ruppigen Ton von Rosa Hubermann fällt ihr sehr schwer. Aber Ziehvater Hans Hubermann wickelt die Kleine schnell um den Finger mit seiner herzlichen Art und bricht das Eis. Er ist es auch, der Nachts für Liesel da ist, wenn die Albträume kommen und er bringt ihr auch das Lesen mit dem „Buch für Totengräber“ bei. Liesel merkt schnell, dass neben ihren neuen Freunden und ihren Zieheltern vor allem die Bücher ihr die Kraft geben, durch diese schweren Zeiten des Naziregimes zu kommen. Sie muss nur an Lesestoff ran kommen, egal was es ist, Hauptsache die Wörter nehmen sie mit.

Layout
Ich hab das Buch zum Film vor mir liegen. Die Schauspielerin der Liesel steht im Vordergrund, sie schaut ernst und hält ein Buch fest an ihren Körper gedrückt.
Im Hintergrund sieht man eine Truppe von Nazisoldaten, die Bücher verbrennen. Alles ist in Sepiatöne gehalten. Ich finde das Cover sehr stimmig und es zeigt, wohin mich das Buch mitnehmen möchte.
Das Buch selber ist in verschiedenen Abschnitte unterteilt, diese wiederrum in Kapitel und immer mal wieder gibt es so etwas wie Fußnoten oder auch Anmerkungen des Erzählers, also vom Tod, um die Geschichte und Einzelheiten genauer zu beleuchten.

Fazit
Das war ein schwerverdauliches 5-Sterne-Menü.
Die Geschichte, die mir vom Tod selbst erzählt wird, hat es emotional und gedanklich echt in sich. Eins vorweg, dieses Buch ist nicht an einem Tag einfach weggelesen, es regt zum Nachdenken an und beschäftigt mich sehr. Auch jetzt, einen Tag danach lässt Liesels Geschichte mich nicht los. Ich bin beeindruckt wie Liesel mit ihrem Schicksal umgeht und trotz Niederschläge und schweren Zeiten nicht aufgibt. Sie berührt mich, tief in meiner Seele und ich finde mich selbst in ihr wieder.
Der Erzählstil ist für mich gewöhnungsbedürftig. Das liegt nicht an der Tatsache, dass der Tod es erzählt. Diesen Punkt konnte ich immer sehr schnell ausblenden, denn lange Abschnitte war der Tod halt einfach nur ein alleswissender Erzähler für mich, mehr nicht.
Es lag eher an der Sprache, an die ich mich erst gewöhnen musste. Nach einigen Seiten, war ich jedoch eingelesen, und die Geschichte wurde zum wahren Hochgenuss.
So ein Buch schreibt und liest man sicherlich nur einmal im Leben. Zwei lange Wochen durfte ich Liesel begleiten und das Ende machte es mir doch ein wenig leichter, denn alles war gut. Nur der Weg dorthin war tränenreich. Aber Tod ist halt der Tod, und der berichtet nüchtern von seinem Job.
Trotz Schwermut vergebe ich für ein einmaliges Buch und eine Schwester im Geiste 5 Eselsöhrchen!
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