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Kundenrezensionen

4,4 von 5 Sternen
63
4,4 von 5 Sternen
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am 25. Dezember 2010
Das Buch beschreibt wirklich, wie eine Handvoll Trader die Welt verzockte. Die Wall-Street Investmentbanken hatten die Ratingagenturen Standard & Poors und Moody's irgendwie dazu gebracht, haufenweise faule Anleihen mit AAA, also als risikolos, zu bewerten. Damit war es möglich geworden, mittellosen Amerikanern Kredite in Billionenhöhe zu verhökern. Immer wieder werden die Beispiele des Erdbeerpflückers mit dem 750'000 $ Kredit oder der Stripperin in Las Vegas mit ihren 5 Eigenheimen genannt. Die mittellosen Amerikaner hatten das Spielchen nur zu gern mitgemacht und auf Aufforderung der vergebenden Kreditinstitute falsche Angaben über ihre Bonität gemacht, um die Kredite zu erhalten. Die Maschinerie der Wall Street Banken, die diese Kredite dann in angeblich risikolose Wertpapiere verwandelte, war so kompliziert, dass Investoren aufgehört hatten, die Risiken einzuschätzen. Das Problem hatte solche Ausmasse angenommen, dass es ein verheerendes Ende nehmen und beträchtliche soziale und politische Folgen haben musste. Reihenweise gingen die Investmentbanken der Wall Street wie auch die Anleger der faulen Anleihen in der ganzen Welt pleite bzw. fuhren verheerende Verluste ein. So entstand die Finanzkrise. Weltweit mussten die Staaten Billionen investieren, um das Finanzsystem und die Firmen am Leben zu halten - die Zeche zahlten die Steuerzahler.

Obwohl viel kriminelle Energie in die Entwicklung dieses Geschäfts mit sogenannten Subprime-hypothenkenunterlegten Anleihen gelegt wurde, erkennt man auch, dass die ganze Maschinerie den Wall Street Banken letztendlich selbst um die Ohren flog. Es gab zahlreiche Beispiele, die belegen, dass die einflussreichsten Investmentbanker der Wall Street das Geschäft überhaupt nicht verstanden und somit die Katastrophe auch nicht verhindern konnten. Alle waren nur getrieben von der eigenen Gier. Interessant ist aber hier die Erkenntnis, dass die meisten Verlierer in diesen Wetten trotzdem reich wurden! Es gab auch eine kleine Zahl Gewinner in diesem Geschäft, nämlich diejenigen Analysten der Hedge Fonds, die den Betrug früh durchschauten und dagegen spekulierten. Aber das waren erstaunlich wenige. Michael Lewis erzählt die ganze Geschichte anhand der Erlebnisse dieser Hedge Fonds Manager. Das Buch bekommt dadurch einen persönlichen und sehr zugänglichen Stil. Die Geschichte wird dadurch auch gut nachvollziehbar. Einer dieser Manager berichtet über seine Recherchen, um das anrüchige Geschäft zu durchschauen. "Wir haben wochenlang gebraucht, um dieses System zu durchschauen, weil es so bizarr ist. Verdammte Scheisse, das ist der blanke Wahn. Das ist Betrug ! Vielleicht lässt sich das nicht vor Gericht beweisen, aber es ist und bleibt Betrug ! " Und noch ein unglaubliches Zitat: "Es gab einfach nicht genug Amerikaner mit mangelhafter Bonität, die einen Eigenheimkredit aufnahmen, um den Hunger der Investoren auf das Endprodukt zu stillen. Sie haben einfach welche erfunden - hundert mal soviele wie es gab ! Und das war der Grund, warum die Verluste des Finanzsystems so viel höher waren als die Summe der minderwertigen Anleihen."

Die Übersetzung lässt zu wünschen übrig. Der Text ist häufig nur schwer nachvollziehbar zu lesen. Ich empfehle, das Buch im Originaltext in Englisch zu lesen.
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Michael Lewis hat in dem Buch 'The Big Short' die kriminellen Manipulationen nachgezeichnet, die zu großen Finanzkrise von 2007/08 führten, und ein unterhaltsamer Hollywoodfilm mit Chris Bale, Ryan Gosling und Brad Pitt versucht derzeit, diese Inhalte einem Millionenpublikum zu vermitteln. Grund genug, sich die das Buch noch einmal zur Hand zu nehmen und das, was im Film nur angerissen werden kann, etwas genauer nachzulesen. Aktuell ist dieses Thema, weil sich das Kasino-Verhalten der Banken nicht wirklich geändert hat. Eine neue Blase, gefeuert durch das aberwitzige Staatsanleihenankaufprogramm der EZB, ist bereits im Entstehen.

The Big Short' erzählt im Grunde zwei Geschichten, eine allgemeine und eine spezielle. Die allgemeine Geschichte ist die interessantere, die Geschichte von der großen Abzocke, mit der amerikanische Investmentbanker ihr Land und fast die ganze Welt an den Rand des finanziellen Ruins brachten. Ungehindert durch staatliche Regulierungen und inspiriert durch die Politik der Geldmengenausweitung durch die Federal Reserve kamen die Spezialisten der amerikanischen Großbanken Meryll Lynch, Goldmann Sachs, Morgan Stanley Lehman Brothers und Bear Stearns auf die Idee, jedermann, auch dem absolut zahlungsunfähigsten Amerikaner, einen Immobilienkredit aufzuschwatzen. Das Geschäftsmodell der insolventen Kreditnehmer war klar: Sie hofften, dass die Häuserpreise infolge der Geldmengenschwemme weiter steigen und sie bei einem späteren Verkauf ihres kreditfinanzierten Hauses einen schönen Reibach machen würden. Natürlich wussten sie, dass diese Blase einmal platzen würden, weswegen sie vorsorgten und das Risiko einfahch verschoben. Sie wandelten IMG_6438einfach die Hochrisikokredite in sogenannte 'hypothekengesicherte Anleihen' mit hochtrabenden Namen (subprime credits)um und verkauften sie mit kräftigen Provisionsaufschlägen und Gewinnmargen so schnell wie möglich weiter. Erleichtert wurde dieses betrügerische Finanzgebahren durch zweierlei: (1) die Korruptionsanfälligkeit der Ratingagenturen Standard & Poors und Moodys, die diese Schrottpapiere mit einem AAA Rating ausstatten und (2) durch die Dummheit vornehmlich ausländischer Kapitalanleger, die diese Papiere ohne ausreichende Prüfung kauften. Immer wieder werden im Buch die 'Dummköpfe' oder die 'Blödmänner' aus 'Düsseldorf' erwähnt, die besonders scharf auf diese Papiere waren, allerdings waren auch japanische Pensionsfonds und Kleinanleger auf der ganzen Welt mit von der Partie.

Was es dabei im Hinblick auf die Kreditvergabe an mittellose Amerikaner zu lesen gibt, verschlägt einem den Atem. Es wurden sogar Immobilienkredite mit negativer Amortisation vergeben (das heißt, es wurden überhaupt keine Zinsen gezahlt, diese wurden einfach auf die Kreditsumme aufgeschlagen) ' Hauptsache, man konnte Anleihen generieren und mit Gewinn verkaufen. 2005 betrug die Summe der Subprime-Kredite schon 625 Milliarden Dollar, von denen 507 Milliarden Dollar in Anleihen umgewandelt und verkauft wurden

New York 1993 (13)Aber das war noch nicht alles, Die anrollende Katastrophe wurde noch einmal verstärkt durch eine weitere Finanzinnovation: die sogenannten Credit Default Swaps, d. h. durch Ausfallversicherungen, die für den Fall abgeschlossen wurden, dass die Subprime-Anleihen notleidend werden würden. Und hier kommt die zweite Geschichte ins Spiel, die das ganze Desaster noch einmal aus der Sichtweise handelnder Personen widerspiegelt. Vor allem zwei Tradern, Steve Eisman und Michale Burry, war aufgefallen, dass die Einzelhypotheken aus denen sich die Anleihepapiere tausendfach zusammensetzten, praktisch wertlos waren oder zu extrem hohen Verlusten führen würden. Von heute aus gesehen, wundert man sich natürlich darüber, dass das zunächst nur so wenigen auffiel. Steve Eismann formuliert in dem vorliegenden Buch dazu eine einfache Erklärung: 'Die Triebfeder war nicht nur New York 1993 (23)Gier sondern Dummheit', was bedeutete, dass die meisten, namentlich die CEOs der großen Banken, gar nicht überblickten, was sich da zusammenbraute. Das betrügerische AAA Ratings der großen Bewertungsagenturen wirkte wie eine Binde vor den Augen.

Michal Burry, der als erfolgreicher Fondsmanager, über beachtliche Geldmittel verfügt, beginnt deswegen gegen diese hypothekengesicherten Subprime-Anleihen zu wetten, d. h. er kauft Ausfallversicherungen deren Konstruktionsprinzip so aufgebaut ist, dass sie erst ins Geld kommen, wenn die Anleihen ausfallen. Bis dahin muss er kräftig Versicherungsgebühren zahlen, die zwischen 0,5 bis 2 % der Versicherungssumme betragen. Weil man ein risikoloses Geschäft wittert steigen die Banken gerne darauf ein, allen voran die AIG, die sich zwei Jahre für Abermilliarden Ausfallversicherungen verkauft und sich zunächst mit den Prämien eine goldene Nase verdient (und sich damit letztendlich ihr Grab gräbt)

Ab 2006, als die meisten Lockzinsangebote auslaufen und die Kreditnehmer unter den variabel ansteigenden Zinsen zusammenbrechen, gehen die weltweit verkauften Anleihen reiseweise pleite. 2007/08 brechen die ersten Bankhäuser zusammen, und der Wert der Ausfallversicherungen, die Murray, Eismann New York 1993 (72)(inzwischen aber auch viele andere ) gekauft haben steigt ins Unermessliche. Aber noch viel unermesslicher ist der gesamtwirtschaftliche Verlust ' hundertausende halbfertiger, unverkäuflicher Immobilien stehen im ganzen Land zum Verkauf, hunderte von Milliarden Dollar waren buchstäblich in den Sand gesetzt worden, Wahrscheinlich wäre weltweite Bankensystem zusammengebrochen, hätte die amerikanische Regierung nicht in einem bis dahin unvorstellbaren Ausmaß eingegriffen. Die großen Wallstreethäuser, AIG, Fanny Mae und fast alle anderen, die das große Rad gedreht hatten, werden mit über 1000 Milliarden US Dollar auf Kosten des Steuerzahlers gerettet. Die US Federal Reserve warf die Notenpresse an, und die Verschuldung Amerikas erreichte ungeahnte Höhen. (Das wird die nächste, die letzte und finale Krise werden)

Was ist die Moral von der Geschicht'? Die große Krise hat die Anfälligkeit des Marktes für zwei große Übel ' für Gier und Gewissenlosigkeit auf der einen und für die Dummheit auf der anderen Seite ' zweifelsfrei erwiesen. In dieser Allgemeinheit hört sich das banal an, doch angereichert mit den Fakten des vorliegenden Buches gewinnt dieser Befund eine erschütternde Plausibilität. Auf der Strecke geblieben ist das 'Vertrauen', das diffuse Grundkapital aller Gesellschaften ' wie vollständig und total, das hat der amerikanische Autor George Packer in seiner Bestandaufnahme 'Die Abwicklung' in schmerzhafter Klarheit herausgearbeitet.

Einen abschließenden 'aktuellen' Gedanken aber kann ich mir nicht verkneifen. Wer heute diese Abläufe und insbesondere die Rolle von 'Dummheit' und 'Vertrauen' während der Finanzkrise von 2007/08 studiert, kann nicht umhin, sie mit der gegenwärtigen 'Flüchtlingskrise' zu vergleichen. Bei der derzeit ablaufenden Politik der Masseneinwanderung von Geringqualifizierten aus einem ganz anderen Kulturkreis wird ebenfalls 'Vertrauen' in unglaublichem Ausmaß missbraucht, und zwar das Vertrauen der einheimischen Bevölkerung in die Weisheit ihrer Regierung. Ein kindlich anmutendes, geradezu naives, über Jahrzehnte hinweg gewachsenes Vertrauen der Bürger in ihren Staat wird benutzt, um eine Politik zu exekutieren, von der abzusehen ist, dass sie über kurz oder lang genauso sicher zur Katastrophe führen wird wie die Blase auf dem amerikanischen Häusermarkt. Man könnte die Parallele in aller Vorsicht noch einen Schritt weiter treiben: So wie dem amerikanischen Publikum suggeriert wurde, die Subprime-Papiere repräsentierten echte Werte, so erzählt man den Deutschen allen Ernstes, die 1,3 Millionen Zuwanderer, die 2015 zu einem großen Teil unregistriert und gegen geltendes Recht nach Deutschland gekommen sind, seien eine lohnende Investition unseres Gemeinwesens in seine Zukunft.

Meiner Ansicht nach befinden wir uns nun, was den Stand der Einwanderungskrise im Vergleich zur Finanzkrise betrifft, etwa im Sommer 2007. Die Ausfallraten der Hypothekenkredite steigen bereits an, doch die Banken versuchen diese Informationen durch Kursmanipulationen und Diskursverbote zu unterdrücken. Im übertragenen Sinne: Seit den Massenübergriffen von Köln, die ein Umdenken beim grenzenlos vertrauensseligen Publikum eingeleitet haben, werden von den öffentlich-rechtlichen Medien, der Linkspresse und der Regierung die wahren Ausmaße des Problems durch gezieltes Herunterspielen in einer Weise geleugnet, die jeder demokratischen Transparenz Hohn sprechen. Aber es ist zu spät. Der 'Minsky Moment', der 'Moment der Klarheit' ist angebrochen, und von nun an kann alles sehr schnell gehen. Retten wird uns das nicht. Ich befürchte, der Schaden ist bereits angerichtet und wird noch viel größer sein als 2007/08.
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am 9. Juli 2011
Wer ein nüchternes Sachbuch erwartet, wird enttäuscht sein. Das Buch ist im amerikanischen Stil wie ein spannender Roman im Genre der Historienromane geschrieben und beschreibt anhand von einer Handvoll Charaktere das grosse Pokerspiel an der Wallstreet und Umgebung. Der deutsche Untertitel des Buches ist irreführend, weil im Buch genauso wie in der Realität nicht bloss eine Handvoll die Finanzwelt verzockte, sondern Hunderte, wenn nicht gar Tausende von Investmentbankern beteiligt waren. Insgesamt spannende Urlaubslektüre.
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HALL OF FAMEam 11. Februar 2011
Ein einäugiger Neurochirurg, ein Harvard-Absolvent ohne Manieren und ein dubioser Investmentbanker haben den Zusammenbruch des Marktes für minderwertige Hypotheken vorhergesehen - und mit einem big short", einem großen Shortselling, sowie anderen Tricks Milliarden verdient. Der Autor Michael Lewis verurteilt sie nicht; er erzählt ihre Geschichten und den Ausbruch der Finanzkrise aus ihrer Perspektive. Erfrischende Charakterstudien nehmen dabei ebenso viel Platz ein wie anschauliche Erläuterungen der Finanzprodukte, die manche reich und andere arm gemacht haben. Lewis analysiert Begegnungen, Fehlurteile und Investmententscheidungen, deren Zusammenwirken letztlich zur Finanzkrise 2008 führte. Damit bleibt der Autor der Linie treu, die er bereits 1989 mit seinem Bestseller Liar's Poker eingeschlagen hat, einer Analyse des Anleihemarktes aus Insiderperspektive. getAbstract empfiehlt den Knüller zur Krise insbesondere Kapital- und Aktienmarktexperten - und allen, die es werden wollen.
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am 22. Oktober 2010
Um es kurz zu machen: Das Buch ist einfach Megaklasse. Es liest sich wie ein Roman, an manchen Stellen bildhaft wie ein Comic und der Erkenntnisgewinn ist riesig. Michael Lewis beschreibt seine Protagonisten sehr anschaulich. Ihre Handlungen, ihre Wandlungen, ihre Erkenntnisse und ihre Urteile. Und diese fallen mehr als eindeutig aus. Was auffällt ist, dass in dem Buch an mehreren Stellen von "den dummen Deutschen in Düsseldorf" die Rede ist. Und das Urteil über die Händler, die Rating Agenturen, die Investmentbanken fällt dazu wirklich nicht besser aus. Aber was noch mehr auffällt ist, dass selbst die handelnden Akteure offenbar selbst das herannahende Unheil nicht gesehen haben, oder vielmehr nicht sehen wollten. Zum Beispiel beschreibt Lewis sehr anschaulich ein Treffen von 7.000 Händlern und Akteuren in Bezug auf den Handel mit den "Schrottanleihen", die alle nur in eine Richtung dachten: Aufwärts! Das es auch mal abwärts gehen könnte, entsprach offenbar nicht ihrer Gedankenwelt. Nur mehr eine Handvoll von Beteiligten hat "schon" im Januar 2007 in die andere Richtung gedacht. Von der großen Mehrheit verachtet, verspottet und im wahrsten Sinne des Wortes für verrückt erklärt, haben sie sich trotzdem in Ihren Ansichten und Handlungen nicht beirren lassen. Dass sie an der Krise auch noch prächtig verdienen würden, hat damals noch niemand geahnt.

Das Buch ist auch für den "Laien" durchaus verständlich. Es ist in der deutschen Übersetzung sehr anschaulich geschrieben. Der zum Teil ironische, manchmal auch etwas sarkastische Witz verleitet wirklich zum Lachen. Wenn der Hintergrund und die folgenden Ereignisse nicht so traurig wären. Und an anderen Stellen liest man die Ausführungen mit großen Augen und offenem Mund. So offen wird hier von sprichwörtlichem "Betrug" geschrieben, dass einem die Spucke wegbleibt. Insgesamt also auch zu dem Lehrmaterial noch eine Spitzenlektüre mit hohem Unterhaltungsgewinn.
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am 12. November 2010
Michael Lewis erzählt in seinem neuen Buch von den Menschen, die früh erkannten, dass das Finanzsystem gefährdet ist - auch wenn sie das zuweilen gar nicht im Blick hatten. Charlie Ledley zum Beispiel. Sein erstes Semester am Amherst College lag gerade hinter ihm, da unterbrach er sein Studium, um als ehrenamtlicher Helfer den Präsidentschaftswahlkampf von Bill Clinton zu unterstützen. Mit der Börse, Finanzmärkten im Allgemeinen oder dem amerikanischen Hypothekenmarkt im Besonderen hatte er damals noch nichts zu tun. Auf dieses Terrain verschlug es ihn eher durch Zufall als durch Planung.
Mit einem Freund gründete Ledley eine kleine Anlagegesellschaft und interessierte sich vor allem für eines: Ereignisse, die von der erdrückenden Mehrheit aller Anleger, vulgo: dem "Markt", für so unwahrscheinlich gehalten werden, dass es vernachlässigbar wenig kostet, auf ihren Eintritt Geld zu setzen, um trotzdem einen satten Gewinn zu machen, wenn doch geschieht, womit zuvor niemand gerechnet hatte. Mit diesem Prinzip vor Augen - der amerikanische Risikoforscher Nicholas Nassim Taleb paraphrasierte es mit der Mahnung, dass mit der Entdeckung schwarzer Schwäne gerechnet werden muss - begann Ledley sich im Jahr 2006 für den amerikanischen Hypothekenmarkt zu interessieren.
In einer Präsentation las er, wie abenteuerlich viele Häuserkredite von amerikanischen Banken vergeben worden waren. Und wie die Kredite hernach von anderen, meist größeren Banken zu neuen Wertpapiergebilden zusammengebaut und weiterverkauft wurden. Die Börsenkurse an der Wall Street stiegen parallel dazu unbeirrt weiter, was so viel hieß wie: Der Markt glaubte, da werde schon nichts passieren. Ledley wählte ein anderes Szenarium. Er investierte in das Eintreten des großen Knalls, den Zusammenbruch. Nicht aus böser Absicht und natürlich auch nicht aufgrund einer seherischen Gabe, sondern schlicht und einfach, weil es sein Geschäftsmodell war, auf solche Szenarien zu setzen. So wurde Ledley zu einem derjenigen, die an der Krise verdienten, weil sie auf sie setzten.
Michael Lewis erzählt an Beispielen wie diesem, wie es zur bisher schlimmsten Finanz- und Wirtschaftskrise seit den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts kam - und davon, dass sich einige wenige durchaus gegen sie gewappnet hatten. Lewis liefert damit einen Einblick bis in den Lebensalltag, in die Mikroebene der ökonomischen Weltanschauung in einem Bereich, mit dem sich sogar - oder vor allem? - viele Wirtschaftswissenschaftler schwertun. Das gelingt ihm hervorragend. Weil er die Geschichten von Investoren, die Namen tragen wie Michael Burry oder Steve Eisman, nachvollziehbar nachzeichnet. Und weil er die Akteure überdies nicht auf das Handeln in einem speziellen Bereich des riesigen amerikanischen Finanzmarktes reduziert.

Lewis geht ein auf seine Protagonisten, schildert bisweilen Szenen ihrer Kindheit, zeigt, wie sie oftmals als Außenseiter aufwuchsen. Das Buch wirkt dadurch mitunter wie ein Roman, in dem durch die Interaktion der Helden mit ihrer Umwelt an vielen Stellen Porträtausschnitte der Gesellschaft entstehen, in der sie leben, und der Werte, die in ihr (nicht) gelten. Beinahe nebenbei erläutert Lewis die Konstruktion und Funktionsweise der im Nachhinein häufig wertlos gewordenen Wertpapiere und die Logik der Infrastruktur, auf der sie gehandelt worden waren.

Lewis knüpft mit diesem Buch überzeugend an seinen im Jahr 1989 erschienenen Bestseller "Liar's Poker" an, in dem er seine Leser bereits an die Wall Street mitgenommen hatte - in den mitunter absurden Alltag einer amerikanischen Investmentbank. Sein Vorteil war und ist, dass er selbst als Anleihehändler für eine Bank arbeitete. Er weiß deshalb, wovon er schreibt. Dass er sich auch dieses Mal nicht mit der Anprangerung des "Systems" zufriedengibt, sondern konkrete Geschichten erzählt und seinen Figuren oft das Wort erteilt, ist essentiell. Es macht dieses Buch, das sicher einmal zu den wichtigsten über die jüngste Finanzkrise gezählt werden wird, lebendig, und es erleichtert den Einblick in das Innenleben und die Antriebe seiner Hauptdarsteller.

Ob es eine bürgergesellschaftliche Pflicht all der Ledleys, Eismans und Burrys gewesen wäre, ihre Meinung über die Wirtschaftswirklichkeit (auch) anders kundzutun als bloß über ihre entsprechende Geldanlage, das ist eine Frage, die dem Leser bleibt. Und es ist offen, ob sie sich mit Rückgriff auf ethische Prinzipien beantworten lässt oder ob ein solcher Anspruch schlicht und einfach an der Finanzmarktrealität scheitert. Lewis lässt die letztere Einschätzung ansatzweise durchschimmern. "Es ist wirklich schwer zu erkennen, wann man Glück hat und wann man wirklich clever ist", sagt Charlie Ledley mitten im Buch einmal über sich selbst und über sein Geschäft. Der Satz ist wichtig, auch wenn er wie eine Binsenweisheit klingt und beinahe kindlich anmutet. Von der mit ihr getroffenen Unterscheidung hängt tatsächlich eine Menge ab. Nicht zuletzt auch an den Finanzmärkten.

FAZIT: Toller Kauf! 5 Sterne!
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am 7. Januar 2011
Dass die Finanzwelt sich in eine tickende Bombe verwandelt, wenn Zehntausende "Finanzberater" über Jahre Millionen (U.S.-)Bürger/inne/n Kredite aufschwatzen, die deren Einkommensverhältnisse bei weitem sprengen und die als Wertgrundlage für Anleihen gelten, die wiederum von Pensionsfonds, Firmen und anderen Anlegern auf der ganzen Welt gekauft werden: Soweit hatte ich die Dynamik der jüngsten Mega-Krise schon als Zeitungsleser erfasst. Mit seiner rasanten Wall Street-Doku gibt Michael Lewis aber Antworten auf die viel spannenderen Fragen dahinter: Wie kann es passieren, dass die hellsten Köpfe von den renommiertesten Universitäten der USA eine Katastrophe nicht rechtzeitig erfassen, die heute jeder Wirtschaftskunde-Fachlehrer seinen Schülern zu erklären weiß? Oder: Warum fuhren viele, die die Katastrophe kommen sahen, die XL Stretch-Limousine der Wall Street-Finanzwelt unbeeindruckt an die Wand? Ein Lehrbuch über die Macht systemimmanenter Kräfte, die am Ende hochbegabte Talente als hoch wirksame Destruktoren dastehen lassen. Alles ein bissl sehr personalisiert - sprich: sehr amerikanisch - auf den Punkt hin erzählt. Aber wie es scheint kompetent. Und jedenfalls erhellend.
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am 18. Mai 2011
... das ich gelesen habe (Die Unfehlbaren, Fool's gold, Die Woche in der Jerome Kervil...). Teilweise etwas reisserrisch, aber mit den meisten Informationen über CDO und wie sie (nicht) funktioniert haben. Das Buch läßt sich leicht und flüssig lesen. Ein paar Finanzmarktkenntnisse können allerdigs nicht schaden. Der Abschuss von Lehman kommt etwas kurz im Buch; dass wird detaillierter in "die Unfehlbaren" geschildert.
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am 2. Januar 2017
Nach ein paar Seiten dachte ich: 'Dieses Buch liest du niemals zu Ende.` - Als Laie, der sich mit dem Immobilien-, Aktien-, Kredit-, und Rentenmarkt usw. wenig bis gar nicht auskennt, war es anfangs schwierig in das Buch hineinzukommen. Gerade so Begriffe wie "CDO-Spreads" oder "Subprime-Hypothekenanleihen" oder "Credit Default Swaps"...etc. waren für mich unbekannt. Der Autor versucht jedoch, all diese Begriffe zu klären und zu erklären. Das eine oder andere habe ich dann noch gegoogelt, um es besser zu verstehen. Und warum habe ich das gemacht ? Warum habe ich das Buch doch zu Ende gelesen ? WEIL ES FASZINIEREND IST ! Es ist nicht nur interessant, nein, es ist mitreißend und mit einer Prise einzigartiger Dramatik geschrieben. Dieses Buch ist die spannende und doch erschreckend-reale Geschichte von der Entstehung der Immobilienkrise. Genial erzählt.
Am Ende...versteht man alles. Und was bleibt, ist die Unverständnis - nicht über die Begriffe und Fremdwörter (die hat man irgendwann verinnerlicht), sondern über die Geldgier einiger Weniger zu Lasten ganz Vieler.
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am 11. März 2016
Man muss sich schon für dieses Thema interessieren. Für alle, auf die das zutrifft, ist dieses Buch eine wirkliche Erhellung! Wer verstehen möchte, wie Finanzderivate gestrickt werden, wie man um ein Paket mit mehr als zweifelhaften Inhalt mit Hilfe einer amerikanischen Ratingagentur ein hübsches rosa Schleifchen macht und es dem deutschen Pensionsverwalter als risikofreie Top-Anlage verkauft, wer wissen möchte, warum Schulden viel wertvoller sind als Guthaben und warum ohne Schulden unser Geldsystem zusammenbrechen würde oder warum uns "Normalos" niemals eine Versicherung gestatten würde, eine Feuerversicherung auf das Haus unseres Nachbarn abzuschliessen, genau dieses aber durch die Veräußerung von Credit Default Swaps an anderer Stelle im grossen Stil möglich ist...der muss dieses Buch einfach gelesen haben!
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