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am 5. Oktober 2008
Necla Kelek Bittersüße Heimat Kiepenheuer & Witsch
ISBN 3462040421

Bittersüß sind die Erfahrungen, die Necla Kelek auf einer Reise in ihre Heimat macht, in eine von gesellschaftlichen Gegensätzen beherrschte Türkei. Es gibt dort eine alte Kultur, liebenswerte Menschen, gutes Essen, aufgeklärte und gebildete Bürger und herrliche Landstriche, und es gibt daneben barbarische archaische Gesellschaftsstrukturen.
Die politische Vergangenheit zeigt äußerst komplizierte Entwicklungen hin zum heutigen Staat Türkei!

In einem Eingangskapitel philosophiert Necla Kelek über den Begriff von Heimat, den sie dahingehend definiert, dass Heimat da sei, wo man sich verantwortlich fühle. Ein Satz für ihren Neubeginn in Deutschland gipfelt in der Einsicht, dass
< Respekt kein Gehorsam, sondern Achtung vor dem anderen ist, dass Zurückhaltung keine Kälte, sondern Höflichkeit ist >. Um in Deutschland nicht fremd zu bleiben, hat sie sich mit diesen Begriffen auseinander gesetzt. Sie bilden eine der Grundlagen ihres Demokratieverständnisses.

Ihr Bericht beginnt mit dem Tod ihres sehr geliebten Onkels, der in Ankara beerdigt wird. Der Rahmen seiner Bestattung bietet Einblicke in eine von Traditionen und starkem Familienzusammenhalt geprägte Gesellschaft.

Kelek steigt in ihrem Buch tief in die jüngste türkische Geschichte ein, in der Atatürk als Nationalheld gefeiert wird. Sie kritisiert den heute waltenden türkischen Nationalismus, den unterschiedliche politische Richtungen auf ihre Fahnen geschrieben haben. Diesen Nationalismus mit seinem chauvinistischen Anspruch bezeichnet sie als sinnentleert und überholt. Er passt < besser zu den noch existierenden Diktaturen in der Welt als in ein demokratisches Europa. > Argwöhnisch betrachtet sie die Trennung von Staat und Religion, da in der Realität der Islam in der Türkei stark in den Staat hineinwirkt.
Bei ihrer Suche nach einer nach Anatolien entführten Deutsch-Türkin geht Kelek auf den Begriff der Ehre in diesen abgelegenen Landstrichen ein. Die harten Auslegungen des Ehrbegriffs in den östlichen Landesteilen erfahren harsche Kritik. Positives weiß sie über die Arbeit einer Frauenhilfsorganisation Kamer zu berichten, die Frauen bei der Suche nach Recht und Befreiung zur Seite steht.

Necla Kelek gibt mit ihrem fundierten Wissen über den Staat und seine Geschichte und den aus eigenen Erfahrungen bei Reisen ins Landesinnere gewonnenen Eindrücken beredt Auskunft über ihr Land. Es ist von diversen ethnischen Bevölkerungsgruppen mit unterschiedlichen Religionszugehörigkeiten geprägt. Das Übergewicht der muslimischen Bevölkerung bestimmt den Alltag und Familienclans herrschen auch heute noch über ganze Regionen.
Ausführlich sind ihre Studien, genau ihre Beobachtungen und wissenswert ihre Schlussfolgerungen.
Sie ist eine streitbare Frau, der das Land ihrer Herkunft am Herzen liegt. Mit ihrem Buch leistet sie einen gelungenen, nachdenklich stimmenden und kritischen Beitrag zur Aufklärung über die Lage in der heutigen türkischen Gesellschaft.
Necla Kelek ist Türkin von Geburt lebt jedoch seit vierzig Jahren in Deutschland. Hier gehört sie einer emanzipatorischen Bewegung an, die sich der Unterdrückung türkischer Frauen annimmt. Sie ist eine mit vielen Ehrungen ausgezeichnet Sozialwissenschaftlerin und lebt als freie Publizistin in Berlin.
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am 23. Dezember 2010
Necla Kelek, in Istanbul und Anatolien aufgewachsen, aber von ihrer Herkunft her Tscherkessin, kam mit 10 Jahren nach Deutschland, hat hier Soziologie und Volkswirtschaft studiert und einen Deutschen geheiratet. Sie hat sich als eine der ersten Autorinnen mit Insider-Kenntnissen mit Bestseller-Sachbüchern, Aufsätzen und TV-Auftritten in Talkshows in der sog. Migrationsdebatte engagiert und einen Namen gemacht. Da sie Fehler und Versäumnisse bei der Intergration nicht einseitig den Deutschen anlastete, unterlag sie scharfen und häufigen Anfechtungen aus dem Lager der Multi-Kulti-Anhänger und der fundamentalistischen Moslems.
In ihrem Buch "Bittersüße Heimat" erzählt Kelek von Ihren Beobachtungen und Erlebnissen, die sie bei Ihrem Besuch in ihrer Heimat Anatolien gemacht hat, 40 Jahre nachdem sie die Türkei verlassen hat.
Einen Schwerpunkt des Buches bildet die - unterhaltsame - Darstellung der geschichtlichen Grundlagen der Türkei und der "Erfindung des Türkentums". Sie geißelt die Leugnung des Genozids an den Armeniern und die Vertreibung der Griechen aus der Türkei. Wenn die Türkei sich heute gern als Teil Europas darstellt, solle sie auch anerkennen, dass Selbstkritik und Wahrhaftigkeit zu den europäischen Werten der Aufklärung gehören. Das einseitige Bekenntnis zum Türkentum und die zunehmende Islamisierung verhindern einen wirklichen Demokratisierungs prozess. Kelek berichtet anschaulich, mit welcher Strategie die AKP Edogans die Islamisierung der Türkei erfolgreich vorantreibt. Sie beschäftigt sich ausführlich mit der Lage der Frauen in der Türkei und bezeichnet das Kopftuch als die "voranflatternde Fahne einer ganzen Ideologie, den Ausdruck eines kollektivistischen und patriachialischen Gesellschaftsbildes". Sie teilt daher ausdrücklich nicht die Meinung westlicher Intellektueller zur Gelassenheit in solchen Kleiderfragen.
Mutig und mit hohem Engagement berichtet Kelek, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Mir hat das Buch imponiert und in vielen die Türkei und den Isalm betreffenden Punkten mehr Durchblick verschafft.
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am 19. Mai 2016
Werr könnte kompetenter über die Türkei, die türkische Gesellschaft und Politik berichten als Necla Kelek. Dieses Buch sollte Pflichtlektüre sein für alle, die sich mit dem Islam, den EU-Beitrittsbemühungen der Türkei und der Flüchtlingsproblematik befassen. Ich habe es schon einigen Menschen empfohlen.
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am 28. November 2008
Necla Kelek stellt der Türkei kein besonders gutes Zeugnis aus. In Sachen Demokratie, Menschenrechte und Frauenemanzipation hat das Land am Bosporus, das sich auf den Weg nach Europa machen will, noch erheblichen Nachholbedarf. In der ihr eigenen Art legt die Autorin die Finger in die vielen Wunden, zeigt eindrucksvoll die Defizite auf. Sie würzt "den Bericht aus dem Inneren der Türkei" mit eigene Erlebnissen, vermittelt Einsichten in die geschichtliche Entwicklung des Landes und eröffnet Aussichten auf eine Türkei, wie sie sein oder werden sollte. All dem steht das andere gegenüber: die Liebe zu diesem Land, in dem Necla Kelek geboren ist, zu seiner Kultur, den Gedichten, den Speisen, den Landschaften. In diesem vermeintlichen Widerspruch, diesem bittersüßen Gegeneinander von Kritik und Zuneigung, von Zorn und Liebe liegt der Reiz diess Buches.
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am 14. Mai 2016
Unbedingt lesen! Es gibt so viel ueber die Tuerkei das wir nicht wissen aber sollten - gerade jetzt wo dieses Land ein EU Mitglied werden will.
Frau Kelek, vielen dank dass sie mich aufklaerten!
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am 6. Februar 2009
Die Türkei ist eine der bedeutendsten Großmächte im Orient von eminent geostrategischer Bedeutung für den Westen. Türkische Minderheiten, die einst als Gastarbeiter vor allem in die Bundesrepublik kamen, sind inzwischen zu einem Machtfaktor angewachsen, den die türkische Regierung gerne als Lobby für nationale Interessen missbraucht. Die Bande zwischen den Auslandstürken und ihrem Mutterland sind durch familiäre Verbindungen, Medien und staatliche Institutionen wie der undurchsichtigen Religionsbehörde Diyanet eng verflochten. Was in der Türkei geschieht, beeinflusst unweigerlich auch die Auslandstürken. Deutsche Innenpolitiker werden notgedrungen auch diese Parallelgesellschaften verstärkt im Blick haben müssen. Sie sollten von daher auch über die Verhältnisse in der Türkei im Bilde sein. Eine aktuelle, vorzügliche Quelle stellt "Bittersüße Heimat" von Necla Kelek dar.

Wer Keleks bisheriges Schrifttum kennt, wird nicht enttäuscht werden, während die türkische Gemeinschaft wieder einen Anlass erhält, ihr Bild von der "Nestbeschmutzerin" bestätigt zu finden. Auch in diesem Fall hält sie sich nicht zurück, türkische Missstände schonungslos aufzudecken. In der Mischung aus Reisereportage und Hintergrundbericht untersucht die türkischstämmige Soziologin die Rolle der Frau, die Situation der Minderheiten und die repressiv verteidigte, offizielle Geschichtsdoktrin des türkischen Staates. Mit kritischem Scharfblick ordnet Kelek ihre Beobachtungen in die Islamisierung der türkischen Gesellschaft ein. Die kollektivistischen, patriarchalischen Familienstrukturen blieben von den Reformen Atatürks unberührt. Somit musste die von den Kemalisten den Türken aufoktroyierte Moderne unvollständig bleiben, weil sich so die Kräfte des Individuums nicht entfalten konnten. Hinzu kommt das Versagen der kemalistischen Elite, die "jahrzehntelang ausschließlich Wert darauf gelegt hat, Menschen zu 'Türken' statt zu Demokraten zu erziehen". Für Samuel P. Huntington war die Türkei noch eine "schizophrene Nation", weil sie sich nicht entscheiden könne zwischen dem Weg der Moderne und dem der islamischen Tradition. Mit Necla Kelek ahnt der Leser, zu wessen Gunsten der anatolische Bevölkerungsüberschuss mit seinen archaischen Sitten diese Identitätskrise entscheiden wird.

Beispielhaft dafür sei das Kapitel "Die Republik und die Frauen" vorgestellt, in denen Kelek die deprimierenden Rückschritte für die Frauen in der Türkei thematisiert. Schon die durchweg verhaltenen Reaktionen türkischer Männer auf das offene und selbstbewusste Auftreten der in der Bundesrepublik sozialisierten Akademikerin Kelek deuten an, wie weit die türkische Lebenswelt hier von europäischen Standards entfernt ist. Atatürks Reformen zum Trotz gehören Zwangsheirat, Importbräute, Kinder- und Verwandtenehe sowie inzwischen als Suizide getarnte "Ehrenmorde" wieder - oder immer noch - zum türkischen Alltag. Die Unterordnung der Frau unter dem Mann läuft praktisch auf Sklaverei hinaus. Kelek zitiert das resignierende Urteil einer türkischen Frauenrechtlerin: "Das Problem ist, dass es in der ganzen Türkei nicht eine einzige Partei gibt, die auf Seiten der Frauen ist. Sie sind alle gegen die Frauen und verteidigen ihre Verfügungsgewalt über uns. Es gibt keine Frauenbewegung in der Türkei."

Bis zum Schluss hebt sich Kelek die spannende Frage nach dem EU-Beitritt der Türkei auf, für den sie den passenden ironischen Vergleich mit einer "Zwangsheirat" bemüht. Wie sich in einer derart abstrusen Paarbeziehung die Rollen verteilen, bleibt der Fantasie der Leser überlassen. Ihre Antwort ist ausweichend: "Man muss gar nicht für oder gegen einen Beitritt der Türkei in die Europäische Union sein. Es würde genügen, sich zu einem Entschluss durchzuringen: Die Heirat wird verschoben - zum Nutzen beider Parteien." Doch das Urteil ihrer Leser dürfte bis dahin eindeutiger ausfallen.
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am 19. November 2010
Frau Necla Kelek beschreibt den sozialpolitischen Werdegang der Türkei mit Schwerpunkt auf die letzten Jahrzehnte sehr offen und sachlich. Der Buchtitel gibt treffend ihr persönliches Verhältnis zu ihrer Heimat, der Türkei wieder. Das Buch ist ein MUSS für alle, die bei der augenblicklichen Migrationdebatte mitreden möchten.
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Nach ihrer Beschäftigung mit dem Leben der Türkinnen und Türken in Deutschland hat sich Necla Kelek im Jahr 2008 zusammen mit ihrem Mann in die Türkei begeben um dort vor Ort zu erkunden, wie es um die EU-Tauglichkeit ihres Herkunftslandes bestellt ist.

Sie hat so einiges Positives gesehen, was auch begeisterte Türkei-Urlauber immer wieder berichten, aber sie hat im Zusammenhang mit der Islamisierung, der Wirtschaftsentwicklung und dem Umgang der Geschlechter untereinander - sowie bei der Beachtung von Menschen- und Bürgerechten - und der Vergangenheitsbewältigung eine Menge Dinge, die sie die Türkei für - noch - nicht EU-tauglich befinden lassen.

In der heutigen Debatte ein wichtiger - und oft erschreckender - Beitrag zur Diskussion, den man unbedingt wahrnehmen sollte.
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am 17. Oktober 2013
Necla Kelek gibt Einblicke, die man als Tourist nicht bekommt. Das Buch regt zum Nachdenken an, ist zum Teil sehr aufwühlend und irritierend und sorgt gleichzeitig für ein Verstehen bestimmter kultureller Eigenarten. Sehr empfehlenswert.
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am 10. Mai 2009
Ein sehr authentischer Bericht aus dem "Inneren" der Türkei und den Familienstrukturen der kurdisch-türkischen Gesellschaft.
Das Buch macht deutlich, warum die Integration von Migranten aus der Türkei so schwierig ist. Die Familienstrukturen sind das Haupthindernis auf dem Weg in eine westliche, offene Gesellschaft.
Ein sehr spannendes aufschlussreiches Buch einer Insiderin.

Sehr lesenswert und informativ.
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