Jeans Store Hier klicken Strandspielzeug Neuerscheinungen Cloud Drive Photos OLED TVs Learn More designshop Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic festival 16

Kundenrezensionen

4,1 von 5 Sternen
22
4,1 von 5 Sternen
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 16. Januar 2004
Ob der Titel "Darwin des 20.Jahrhunderts" für Ernst Mayr zutreffend ist, vermag ich nicht zu beurteilen, faszinierend ist es allerdings, das Buch eines Mannes zu lesen, der seit rund 80 Jahren als Biologe wissenschaftlich tätig ist, eine Zeit, die normalerweise 3 bis 4 Wissenschaftlergenerationen umfaßt. Ernst Mayr beschreibt in seinem Buch den neuesten Stand der Evolutionslehre, wobei er eigene, teilweise über 50 Jahre, alte Arbeiten zitieren kann. Man spürt beim Lesen, dass dieser Mann die Entwicklungen der Biologie im 20. Jahrhundert aus eigener Anschauung beschreibt, eine Entwicklung, die er selbst zu großen Teilen mit vorangetrieben hat.
Wer sich als Laie schon längere Zeit mit der Evolutionsbiologie beschäftigt hat und zum Beispiel Bücher von Diamond, Dawkins, Quammen oder Gould kennt, wird anfangs etwas frustriert sein, da Mayr teilweise beim "Urschleim" anfängt, was andererseits für ein Buch über Evolution natürlich ok ist :-). Dann allerdings erhält der Leser einen dichten, verständlichen Überblick über das, was der derzeitige Stand des Wissens zur Evolution der Organismen ist.
Leider sind die Abbildungen des Buches teilweise schlecht und wirken zum Teil lieblos eingescannt, inwieweit das dem Autor oder dem Verlag anzulasten ist, sei dahingestellt. Das Glossar ist leider auch nicht ganz vollständig, so taucht der Begriff "Allospezies" im Teil über die Evolution des Menschen plötzlich auf, ohne so ohne weiteres über Register etc. noch mal nachlesbar zu sein. Interessant ist, dass sich der Autor genötigt fühlt, auf die vielfältigen (Schein)Argumente der Kreationisten einzugehen und diese zumindest im Anhang zu diskutieren, hier ist zu erkennen, dass das Buch ursprünglich für den amerikanischen Leser geschrieben wurde. Alles in allem kleinere Schönheitsfehler, aber trotzdem ein sehr, sehr empfehlenswertes Buch für Leser, die sich dafür interessieren, wie Arten entstehen, sich weiterentwickeln oder verschwinden.
0Kommentar| 36 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 28. Februar 2004
In der Tat hat der „bedeutendste lebende Evolutionsbiologe" ein Buch vorgelegt, das nicht nur umfassend das aktuelle Wissen referiert, sondern das dies auch in einer für den interessierten Laien verständlichen, teilweise sogar kurzweiligen Form tut. Ernst Mayrs Forschungsleistung und sein Beitrag zu unserem Wissen über die Welt ist enorm. Den Nobelpreis hat er wohl nur deshalb nicht, weil es immer noch keinen solchen für das Fach Biologie gibt. Dennoch ist der Leser enttäuscht, wenn er auf offenkundige Schwächen stößt, die umso unverständlicher sind, als das Buch sicherlich doch abgestuft vier „Autoren" mit der Möglichkeit zur Korrektur hatte: Ernst Mayr in der Originalsprache, seinen Lektor bei Basic Books, den Übersetzer und schließlich (hoffentlich!) dessen Lektor. Der Originalausgabe ist wohl zuzuschreiben, dass das Buch innerhalb seiner kurzen Kapitel manche Redundanzen aufweist, die den Eindruck vermitteln, als habe der Autor „Textbausteine" herangezogen und aneinandergereiht, ohne dann noch einmal auf den Gesamtzusammenhang des Geschriebenen zu achten. Ärgerlicher sind die (zugegeben wenigen) sachlichen Fehler: Kaninchen sind keine Nagetiere (S. 43), Vögel sind gleichwarm, nicht wechselwarm (S. 193). die Lunge leitet sich von der Schwimmblase ab, nicht umgekehrt (S. 189). Insbesondere der letzte Fehler ist vielleicht der Fehlübersetzung eines langen Schachtelsatzes zuzuschreiben. Vielleicht liegt es auch an der Übersetzung, dass mancher Absatz auch nach mehrmaligem Lesen kryptisch bleibt. Schade auch, dass das Glossar unvollständig und teilweise nicht dem Text entsprechend abgefasst ist (z. B. Text „phänetische Diskontinuität", Glossar „phänotypische Diskontinuität"). Zu kritisieren, dass manche, vom Autor wohl nicht uneingeschränkt geteilten Hypothesen von Evolutionsbiologen, z. B. der Senckenberg-Schule zur Bedeutung der Funktionsfähigkeit aller Evolutionsschritte, unerwähnt bleiben, soll kompetenteren Rezensenten vorbehalten bleiben. Bei allen Schwächen trotzdem: auf jeden Fall empfehlenswert!
11 Kommentar| 42 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 12. Juni 2007
Jared M. Diamond, der Evolutionsbiologe und Autor des Bestsellers "Der dritte Schimpanse", der das Vorwort geschrieben hat (J. Diamond, nicht ein Schimpanse), muss es wissen. Das Buch ist einen Meilenstein in der Beschreibung der Evolution.

Die Stoßrichtung ist klar. Was Ernst Mayr im biblischen Alter von 97 Jahren und mit achtzig(!)jähriger Berufserfahrung veröffentlicht hat, hat er für drei Lesergruppen geschrieben: für Biologen und eine gebildete Öffentlichkeit, die "mehr" über Evolution erfahren wollen; für solche, die anerkennen, dass es eine Evolution gibt, aber sich nicht sicher sind, ob Darwins Erklärungen richtig sind; schließlich für diejenigen, die den biblischen Schöpfungsbericht wörtlich nehmen.

Was? Wie? Warum? Woher?

Die Didaktik des Buchs folgt jenen Fragen, die der Mensch so hat. Dadurch wirkt es nicht wie ein Lehrbuch, obwohl der Autor an der Richtigkeit seiner Sichtweise wenig Zweifel lässt. Schon der Titel statuiert das selbstbewusste "Das ist Evolution". "Basta" - liegt mir auf der Zunge. Die ersten drei Kapitel beantworten die Fragen "Was ist Evolution?" (und welche Belege sprechen dafür?), "Wie ist die Evolution zu erklären?" und "Warum entstehen die Arten?" (und neue Gruppen von Lebewesen und neue Körperbaupläne?). Er erläutert die Frage, welche Rolle Zufall und Selektion spielen und warum die Evolution nicht zielgerichtet ist. Das letzte Kapitel beschreibt in groben Zügen, woher der Mensch kommt.

Ernst Mayr stellt auch frühere Theorien vor und erklärt, warum die Umdenkungsprozesse stattgefunden haben. Für die auf Schnelligkeit getrimmten Zeitgenossen ist das Buch mit einem Anhang ausgestattet, in dem häufig gestellte Fragen prägnante Antworten finden. Ein Glossar mit kurzen Begriffserklärungen schließen das Werk ab (Evolution: "Der Vorgang, durch den sich die Welt des Lebendigen nach der Entstehung des Lebens nach und nach entwickelt hat und weiterhin entwickelt").

Ernst Mayr hat maßgeblich Anteil and der fruchtbaren Zusammenführung der Theorien Darwins mit den anderer Forschungsrichtungen, wie Genetik und Paläontologie. Er war bekannt dafür, dass er Biologie auf eine Weise begreiflich machen konnte, die weit in Wissenschaftstheorie und Philosophie hineinreicht. So weist er beispielsweise auf die Bedeutung der Entzauberung der Typenlehre Platons und der Pythagoräer durch Darwin hin. Denn erst die Überwindung der Vorstellung, die Vielfalt der Welt ließe sich aus einer Anzahl unveränderbarer Typen erklären, machte den Weg frei zu einer neuen Betrachtungsweise. Die Vielfalt der Lebewesen lässt sich nicht auf Variationen unveränderlicher Typen (oder Klassen) zurückführen, sondern auf sich stetig ändernde Populationen.

Der Dozent.

Das Buch trägt den Stil "das musste jetzt mal gesagt werden". Da doziert bisweilen ein Herr Professor (von lat. profiteri, "öffentlich bekennen"), aber auch ein Gelehrter - auf Ernst Mayr trifft der altehrwürdige Begriff bestens zu. Obwohl dem Leser allzu detailliert vorgetragenes Spezialistenwissen erspart bleibt, so kann man doch nicht sagen, dass das Buch leichte Kost wäre. Die grauen Zellen werden durchaus gefordert. Holzschnittartig geht es um das Wesentliche. Seine Sprache ist klar und verständlich, manchmal provozierend ("Kein gebildeter Mensch zweifelt heute noch daran, dass wir von Primaten und insbesondere von Menschenaffen abstammen").

Als populares Sachbuch ist es etwas trocken geraten. Ernst Mayrs Argumentationsketten hätten sich sicherlich durch ausführlichere Illustrationen noch nachvollziehbarer machen lassen (wie das geht, kann man am Beispiel Carl Zimmers "Woher kommen wir? ' Die Ursprünge des Menschen" sehen).

Fünf Punkte für einen herausragenden Überblick.

Die Schwächen in der Illustration sind ein kleines Minus. Der doch gehobene Anspruch an die Leser schränkt den Leserkreis etwas ein. Ich gebe trotzdem die volle Punktzahl, denn jeder, der die Natur aus dem heutigen Stand der Wissenschaft heraus verstehen will, muss Evolution verstehen. Und: "Bildung ist der Anspruch auf angemessenes Verstehen" (Konrad P. Liessmann). Dieses kämpferisch geschriebene Buch bildet.
0Kommentar| 19 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 8. Juni 2004
Nach meiner Ansicht das beste Buch über biologische Evolution, von einem Meister seines Faches. Erörtert werden insbesondere die philosophischen Hintergründe der Evolutionsforschung, und zwar mit einer unvergleichlichen Genauigkeit und Klarheit. Dieses Buch vermittelt einen ausgezeichneten Einblick nicht nur in den Ablauf der biologischen Evolution, sondern auch in den Ablauf der Theoriebildung in der biologischen Evolutionsforschung.
0Kommentar| 23 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 1000 REZENSENTam 26. Februar 2013
Ernst Mayr, einst von der New York Times als "Darwin des 20. Jahrhunderts" betitelt, galt neben seinem Kollegen Theodosius Dobzhansky als einer der Väter der Synthetischen Evolutionstheorie. Im vorliegenden Buch fasste er gewissermaßen sein Lebenswerk zusammen - allgemeinverständlich aber nichts desto trotz äußerst detailreich. Was Mayr auszeichnet, ist die Redlichkeit, mit der er auch offene Fragen und Kontroversen darstellt.

Mayr schildert die historische Entstehung der Evolutionstheorie sowie die grundlegenden Mechanismen des Darwinismus: Bei den hochkomplexen Kopiervorgängen der DNA kommt es mit mathematischer Sicherheit immer wieder zu Fehlern. Einige wenige dieser - i.d.R. schädlichen - Mutationen bilden einen Selektionsvorteil. Die betroffenen Lebewesen erweisen sich als besser an die Umwelt angepasst als andere Artgenossen und haben dadurch bessere Überlebens- und Fortpflanzungschancen. So entwickelt sich Leben - nicht zwangsläufig und nicht immer, aber da der Anpassung dienlich oft - zu größerer Komplexität. Wie Leben überhaupt entstanden sein könnte, ist dabei nach wie vor unklar. Laut Mayr gibt es dazu 6-7 aus seiner Sicht ernstzunehmende Theorien.

Mayr nimmt den Leser des Weiteren mit auf eine Reise durch die Welt der Paläontologie. Immer noch gibt die sogenannte Kambrische Explosion den Forschern Rätsel auf. Das Kambrium beginnt vor 543 Mio. Jahren, die Zeit davor rechnet man dem Präkambrium zu (Erde ist 4,6 Mrd., Universums 13,75 Mrd. Jahre alt). In 550 Mio. Jahre alten Sedimenten tauchen relativ plötzlich sämtliche 35 Tierstämme auf. Es erscheinen 70-80 grundlegende Körperbaupläne auf der Bildfläche, danach kamen keine neuen mehr dazu. Zwar bleibt hier immer noch ein Entwicklungszeitraum von ca. 20 Mio. Jahren. Dieser ist jedoch aus evolutionsgeschichtlicher Sicht sehr kurz.

Eine Erklärung dafür, so Mayr, könnte sein, dass die Vorfahren der Skelett-Tierstämme des Kambrium Weichtiere waren, die keinen Fossilabdruck hinterlassen konnten. Mögliche Gründe für die relativ rasche Ausbildung eines Knochengerüsts könnte ein Anstieg des O2-Gehalts der Atmosphäre sein. Dafür hatte die Photosynthese der Pflanzenwelt gesorgt. Auch die Ausbreitung evolutionärer Feinde, die ein schützendes Außenskelett nötig gemacht hätten, könne eine Rolle gespielt haben.

Aufschlussreich sei auch die spätere Entdeckung der fossilen Tierwelt der "Ediacara-Fauna" gewesen. Diese stamme aus 650-543 Mio. Jahre alten Schichten (Vendium - Übergang Präkambrium Kambrium). Eine Verwandtschaft mit der Tierwelt des Kambrium scheint gegeben. Die Annahme, dass es vielzellige Lebewesen erst seit dem Kambrium gäbe, war zu revidieren.

Mayr würdigt die Möglichkeiten, die sich mit der modernen Molekularbiologie eröffnen. Verwandtschaften von Lebewesen ließen sich so weit besser ermitteln als anhand der Morphologie. So hätte sich bspw. herausgestellt, dass die Pilze genetisch eigentlich den Tieren näher stehen als den Pflanzen. Entwicklungslinien lassen sich auf diesem Wege in größerer Unabhängigkeit vom Fossilbefund plausibilisieren. Auch zeigt sich, dass Genregulationsprozesse (Variationen beim "An- oder Ausschalten" bestimmter Gene) möglicherweise die entscheidenderen Mutationen auslösen als die strukturellen Kopierfehler. Das hieße auch, dass sprunghafte Evolutionsschritte möglich wären. Hier besteht jedoch noch viel Forschungsbedarf.

Insgesamt ergibt sich laut Mayr folgendes vorläufiges Bild :

Vor 3,8 Mrd. Jahren entsteht Leben, mind. 1 Mrd. Jahre lang nur Prokaryonten (zellulären Lebewesen - Bakterien und Archaeen - die noch keinen Zellkern besitzen, die DNA findet sich frei im Zytoplasma). Eukaryonten (Lebewesen mit Zellkern) entstanden vor 2,7 - 1,7 Mrd. Jahren im Proteozoikum. Anfangs gab es Leben nur im Wasser. Erste Landpflanzen entstehen vor 450 Mio. Jahren, erste Blütenpflanzen (Bedecktsamer) im Trias, vor über 200 Mio. Jahren. Die Entstehung von Insekten - die artenreichste Gruppe der höheren Lebewesen - liegt mind. 380 Mio. Jahre zurück, Cordatiere (Wirbeltiere, Manteltiere, Schädellose) tauchen vor 600 Mio. Jahren auf, Landtiere (Amphibien) vor 460 Mio. Jahren - aus ihnen gingen dann Reptilien hervor, aus Reptilien wiederum vor 200 Mio. Jahren Vögel und Säugetiere. Bei den Vögeln ist man sich bezüglich der Abstammung uneins - die verbreitete Ansicht, die Dinosaurier wären Vorfahren, teilt Mayr nicht. Er setzt aus verschiedenen Gründen auf die Archosaurier.

Der nächste tierische Verwandte des Menschen, so der Autor, sei der Schimpanse. Die Abspaltung der Homiden von Schimpansen vor 7-13 Mio. Jahren ist durch Fossilfunde nicht belegt. Insgesamt ist die Entwicklungslinie keineswegs so gesichert, wie in populärwissenschaftlichen Publikationen i.d.R. dargestellt. Mayr dazu: "Ferner sind auch noch die meisten Hominidenfossilien recht unvollständig. Sie bestehen häufig nur aus einem Teil eines Unterkiefers, dem oberen Abschnitt eines Schädels ohne Gesicht und Zähne oder aus einem Teil der Extremitäten. Die Rekonstruktion der fehlenden Teile ist zwangsläufig subjektiv." Es ginge bei allen Homidenfunden um ein Abwägen von Pro und Contra, "mehr oder weniger umstritten", so der Autor, sind praktisch alle!" (S. 292)

Die Evolution sei vermutlich über Australopithecus (3,8 Mio. Jahren, aufrechter Gang, früher ordnete man sie den Menschen zu, heute nicht mehr, kein großes Gehirn entwickelt, keine Werkzeuge hergestellt) und den Homo erectus verlaufen (1,8 Mio. Jahre alte Fossilien). Es folgt der Homo egaster; vor 0,2 Mio. Jahren taucht schließlich der Homo Sapiens auf.

An verschieden Stellen bezieht sich Mayr auch auf die Kontroverse zwischen Evolution und Kreationismus. Er selbst hat viele Jahre in trauter Gemeinschaft mit seinem tief gläubigen Kollegen Th. Dobzhansky geforscht. Dieser vertrat das Konzept einer Theistischen Evolution.

Mayr hat allerdings sehr simple Formen des Kreationismus vor Augen. Der Streitpunkt betrifft i.A. die Frage, ob es Makro-Evolution, d.h. eine evolutionäre Entwicklung völlig neuer Baupläne gibt. Ungeschönt gesteht Mayr ein, dass es hier tatsächlich das Problem fehlender Zwischenformen gäbe (S. 232): "Wo immer man auch die tatsächliche Lebenswelt betrachtet, ob auf der Ebene der systematischen Einheiten oder auf dem Niveau einzelner Arten, man findet eine überwältigende Fülle von Unterbrechungen. So gibt es in den heute lebenden Taxa keine Zwischenformen zwischen Walen und Landsäugetieren, und ebenso wenig zwischen den Reptilien auf der einen Seite und den Vögeln oder Säugetieren auf der anderen. Alle 30 Tierstämme sind durch große Lücken von einander getrennt. Auch zwischen den Blütenpflanzen (Bedecktsamern) und ihren nächsten Verwandten scheint eine große Kluft zu bestehen. Noch auffälliger sind solche Unterbrechungen in den Fossilfunden. Neue Arten tauchen in der Regel ganz plötzlich unter den Fossilien auf, ohne dass sie mit ihren Vorfahren durch eine Abfolge von Zwischenschritten verbunden wären. Tatsächlich kennt man nur in wenigen Fällen eine ununterbrochene Reihe von Arten, die sich allmählich weiterentwickelt haben."

Eine Erklärung dafür könnte sein, dass Evolution v.a. unter relativ stark veränderten Umweltbedingungen forciert auftritt. Dann sei der Anpassungsdruck jedoch so groß, dass die am besten entwickelten Exemplare schnell dominieren und Zwischenformen sehr schnell von der Bildfläche verschwinden.

Immerhin - die Anknüpfungspunkte für kreationistische Konzepte bleiben: Entstehung des Lebens, Kambrische Explosion, fehlende Übergangsformen. Mikroevolution, Entstehung neuer Arten - dgl. bestreiten auch qualifiziertere Kreationisten nicht. Wort+Wissen etwa, geht von Grundtypen aus, die Gegenstand der Schöpfung und Basis fortschreitender Evolution wären. Dies würde ein ursprüngliches Konzept denkbar machen, dass grundsätzlich ohne ein darwinistisches Fressen und Gefressenwerden" auskommt. Gegen die Fülle an Plausibilitäten, die die Evolutionsforschung trotz der großen fortbestehenden Fragezeichen vorzuweisen hat, haben es solche Ansätze jedoch schwer. Auch hat der Kreationismus - zumind. unter seinen deutschen Vertretern auch offen eingestanden - die Geologie gegen sich. Es gibt keinen plausiblen Erklärungsansatz dafür, wie sich die Schichtungen und Formationen, die gesamte Tektonik der Erde in relativ kurzen Zeitabschnitten entwickelt haben könnte. Gleiches gilt natürlich auch für das Universum insgesamt.
0Kommentar| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 7. Mai 2008
Das Buch erklärt Vorgänge wie allopatrische oder sympatrische Artbildung, Konvergenz, Koevolution, usw....und dies auf teilweise sehr leicht zu begreifende Weise, auch für Menschen, die sich mit dem Thema Evolution nie beschäftigt haben. Außerdem sind stellenweise Abbildungen eingefügt, die ein vertieftes Verständnis ermöglichen.

Ich habe das Buch genutzt, um für eine Bioklausur zu lernen und dies erfolgreich. Danach habe ich das Buch nicht weggelegt, sondern interessiert weitergelesen; kurzum klarer Kauftipp!
0Kommentar| 5 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 2. Januar 2014
Mäßige Informationsdichte, Wiederholungen und sachliche Fehler wie andere schon geschrieben haben. Dafür leicht lesbar. Das einzige relevante was ich nicht wusste ist dass die Eukarioten ein Symbiosewesen aus den beiden Bakterienhauptstämmen sein sollen und die Bakterien horizontalen Genaustausch betreiben. Vieles ist spekulativ (das kann auch eine Offenbarung sein) und unbewiesen wie z.B. die Behauptung, es gäbe bei Säugetieren und Vögeln Artbildung nur durch geografische Trennung. Ich hätte mir mehr Uratmosphären-Infos gewünscht über die ersten möglichen lebenden Zellen.
0Kommentar| 2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 25. Mai 2007
Zur fachlichen Autorität Ernst Mayrs muß wohl nichts mehr gesagt werden. Der Text ist für ein populärwissenschaftliches Buch inhaltlich durchaus anspruchsvoll, aber aufgrund der guten Struktur und der klaren, prägnanten Sprache auch für interessierte Laien verständlich. Es werden nicht nur eine Fülle biologischer Fakten und Konzepte, sondern ganz nebenbei auch die Grundprinzipien der naturwissenschaftlichen Denkweise vermittelt.
Das Buch ist äußerst empfehlenswert für jeden, der sich für Biologie oder Philosophie interessiert, und gehört meiner Meinung nach zu einer zeitgemäßen Allgemeinbildung.
0Kommentar| 4 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 18. Juni 2013
Ich bin jetzt etwa auf der Hälfte des Buches angekommen und muss sagen, ich bin wenigstens etwas enttäuscht.

Zum einen liest sich das Buch nicht sehr schön, da die Sätze teilweise recht holprig formuliert sind und zudem stört mich die Kraft-Eigener-Arroganz dahingestellten Aussagen ohne Belege. Aufgefallen ist mir das zuerst bei dem Beispiel mit dem Archaeopteryx, der hier ganz klar als Vogel betitelt wird. Allerdings ist es keineswegs klar, ob Archaeopteryx ein Vogel war, sich auf dem Weg zu den Vögeln befand oder einfach irgendein Seitenzweig von gefiederten Dinosauriern. Desweiteren wird die Epigenetik einfach totgeschwiegen und behauptet, dass die DNA "hart" wäre. In einem so modernen Buch hätte ich zumindest eine Erwähnung erwartet. Das nicht alles bekannt und vor allem nicht alles so einfach ist, sich Ansichten und Theorien ändern, das alles macht die Biologie als Wissenschaft doch so spannend.

Ich harre der Dinge, die da noch kommen werden in der zweiten Hälfte des Buches. Trotzdem möchte ich noch sagen, dass der Inhalt zu würdigen ist, gerade bei einem so komplexem Thema wie Evolution, wo so viele Fachrichtungen zusammenlaufen.
0Kommentar| 2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 1. Februar 2009
Ich geb dem Buch 5 Sterne mit kleinen Einschränkungen. Inhaltlich scheint es mir einwandfrei zu sein, was gültig ist aus der Sicht eines Evolutionsbiologen ist hier klar verständlich niedergeschrieben, und was unklar ist oder wo zum Zeitpunkt der Niederschrift gleichberechtigte Meinungen nebeneinanderstehen, ist dies auch so benannt. Auch Spekulationen werden als solche klar kenntlich gemacht - sowas zeichnet einen guten Wissenschaftelr meines Erachtens nach aus.
Ich persönlich fand das Buch vor allem spannend und das, obwohl sich der Autor nicht sonderlich um eine populärwissenschaftliche Sprache bemüht, warum sollte er auch, schließlich ist/war er kein Wissenschaftsjournalist, sondern aktiver Wissenschaftler, der nur über das schreibt, zu dem er sich auch ein Urteil zutraut - und das gemäß seinem eigenen Stil.
Leider wirkte der Gesamtaufbau des Buches mitunter nicht völlig gelungen, es gibt wie ich meine etliche Wiederholungen und Überlappungen, das hilft allerdings auch dem Verständnis. Anderes wird ohne weitere Einleitung besprochen, wo ein bischen (Nach-)Hilfe dem Leser vielleicht das Verstehen erleichtert hätte. Ich erklär mir das damit, dass man nach 80 Jahren intensiver Beschäftigung mit einem Thema vielleicht nicht mehr so ganz den Blick dafür hat, was ein Normalsterblicher an Vorraussetzungen mitbringt. Das sollte aber nicht abschrecken, wenn man seine Schul-Biologiekenntnisse parat hat, kommt man leicht durch das Buch durch.
Für mich das wichtigste: Das Buch beinhaltet das, was wir über die Entstehung des Lebens faktisch wissen und damit ist es fast schon Pflichtlektüre. Und - auch weil es sogar als Thema ins Buch aufgenommen wurde - es ist m.E. eine klare Enttarnung christlich fundamentalistischer Ansichten zu diesem Thema als vor- und unwissenschaftlich, denen aus rational denkerischer Sicht keine weitere Beachtung geschenkt werden sollte.
0Kommentar| 3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden