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Gute Produkte und Dienstleistungen bieten wir alle. Was macht den Unterschied zwischen dem Erfolg und dem Mißerfolg aus? Ist es der plumpe Mehreinsatz? Malcolm Gladwell verneint: Kleine Ursachen können große Wirkungen haben. Er erklärt dies mit den Abläufen von Epidemien.

Traditionell werden Kunden nach A-, B- und C-Kunden segmentiert - je nach Umsatzpotenzial. Die Tipping-Point-Philosophie würde danach segmentieren, welcher Kunde die meisten weiteren Kunden kennt oder bei diesen den höchsten Status hat.

Traditionell werden, um eine Botschaft stärker zu verankern, einfach mehr Mittel in die Hand genommen. Die Tipping-Point-Philosophie würde hier mit den Details der Präsentation spielen und genaue Messungen durchführen.

Malcolm Gladwell bringt eine Vielzahl von Beispielen aus den unterschiedlichsten Bereichen wie mit unbedeutenden Maßnahmen maximale Wirkungen erzielt werden können. Z.B. die Reduzierung der Gewaltverbrechen in der New Yorker U-Bahn auf ein Viertel in wenigen Jahren durch die Beseitigung der Graffitis. Oder der Erfolg der Sesamstraße durch permanente Detailverbesserung.

Nur wenige seiner Beispiele sind direkt aus der Wirtschaft. Es sind auch nur wenige wirklich einfache Faktoren, die Gladwell beschreibt. Eine Übertragung auf das eigene Unternehmen kann aber dennoch sehr fruchtbar sein.
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Ich bespreche dieses Buch, weil mich Autoren-Marketing interessiert: Wie kann ein Autor einen Beitrag dazu leisten, dass er über sein veröffentliches Buch wirklich bekannt wird. Genau darum geht es in dem Buch bei den Fallbeispiel der Autorin Rebecca Well, die den “Tipping Point” erreicht hat, und ihr Buch “Divine Secrets of the Ya-Ya Sisterhood” zu einem Weltbestseller mit einer Auflage von über 2,5 Millionen Exemplaren. Das Buch wurde auch ins Deutsche übersetzt und es gibt eine Verfilmung des Buches mit Sandra Bullok. Der Autor frag: “Warum erreichte Ya-Ya Sisterhood eine Aufmerksamkeit von epidemischen Ausmaßen? (S. 200)

Eine Verbreitung wie eine Epidemie:

"Der Tipping Point ist die Biographie einer Idee, und die Idee ist sehr einfach. Sie besagt, dass man die dramatische Wandlung von unbekannten Büchern in Bestseller oder den Anstieg des Rauchens unter Teenagern oder das Phänomen der Mundpropaganda oder eine ganze Anzahl von anderen geheimnisvollen Veränderungen im Alltagsleben am besten versteht, wenn man sie sich als Epidemien vorstellt. Ideen und Produkte und Botschaften und Verhaltensweisen verbreiten isch genauso wie ein Virus. (S. 13) "Diese drei Eigenschaften – zum einen die Ansteckung, zum zweiten die Tatsache, daß kleine Ursachen große Wirkungen haben können, und zum dritten, dass die Veränderung nicht allmählich, sondern in einem dramatischen Moment eintritt – … den dramatischen Moment in einer Epidemie … nennt man Tipping Piont” (S. 15) " Der Tipping Point ist der Moment der kritischen Masse, die Schwelle, der Hitzegrad, bei dem Wasser zu kochen beginnt. (S. 18) … Die drei Regeln des Tipping Points – das Gesetz der Wenigen, der Verankerungsfaktor, die Macht der Umstände – bietet eine Methode, Epidemien sinnvoll zu erklären. (S. 40)"

Zuammenfassung: "Letztlich sind Tipping Points eine Bestätigung eines Potenzials zur Veränderung und der Kraft des intelligenten Handelns. Sehen Sie sich die Welt um sich herum an. Sie mag unbeweglich und unnnachgiebig erscheinen. Sie ist es nicht. Mit dem kleinsten Anstoß kann man sie – wenn man den richtigen Punkt findet – kippen." (S. 297) Ich finde, das ist eine großartige Botschaft und macht den Wert des Buches aus – weit über “Marketiung-Methoden” hinaus, dem Auslösen von Quantensprüngen.

Mein Fazit: Menschen, speziell Autoren können mit einfachen Mitteln Großes bewirken. Es gibt auch für einen Autoren ein eigenes “Guerilla-Marketing” um sein Buch in Besteller-Listen zu bringen. Der Autor hat diese Gesetzmäßigkeiten untersucht und – natürlich auch für andere Marketing-Bereiche – die Grundregeln erstellt, wie dieser “Umkipp-Punkt” als “magische Moment” auszulösen ist, der einen Verkaufserfolg “epidemischen Ausmaßes” bewirkt. Das Potenzial solcher Veränderungen liegt sicher nicht in der Technik, sondern in der Zeit, für die eine Idee reif ist. Doch es gibt dafür offensichtlich ein “Manifestationspunkt”.
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am 2. November 2006
Komplexe Systeme, ob es Gesellschaften sind, Lebewesen oder eine Zelle haben gemeinsame Eigenschaften. Unter anderem kann es ploetzlich zu starken Aenderungen kommen, die nur durch geringe Veraenderungen ausgeloest werden. Mit diesem Themenbereich beschaeftigt sich das Buch von Gladwell.

Das Thema ist also vielversprechend und koennte auf eine inzwischen reichhaltige Forschungsliteratur aufbauen. Gladwell zitiert auch einige interessante Untersuchungen von allerdings unterschiedlicher Qualitaet. Er vermittelt dem Leser ein Eindruck ueber das Gebiet. Das geschieht allerdings nicht sehr zusammenhaengend. Die Beispiele erscheinen teilweise zufaellig und die Argumentation ist nicht immer schluessig. Historische Beispiele werden als Beleg verwendet, obwohl sie hoechstens als Hypothese dienen koennte. Die Kindersendung "Sesamstrasse" wird in einem interessanten Beitrag gewuerdigt, hat aber mit dem Hauptthema nur mittelbar etwas zu tun. Die Zitierung von Einzelpersonen entspricht einer sehr "amerikanischen" Schreibweise.

Richtig enttaeuschend ist, dass dem Verfasser der Blick ueber den Tellerand fehlt. Bei weiten mehr wissenschaftliche Bereiche als nur Psychologie, Soziologie oder Oekonomie haben sich mit dem Sachverhalt beschaeftigt. Es fehlt der Verweis auf die bereits sehr fundierten Erfahrungen und Erkenntnisse aus der Mathematik und angewandten Physik, die diese Phaenomene untersucht und in Modellen beschrieben haben. Die Versprechung, zu zeigen wie Systeme beeinflusst koennen, wird nicht eingeloest. Das ist vielleicht auch zu frueh, aber dann sollte der Autor das nicht auf dem Klappentext akzeptieren. Warum der Verlag umbedingt einen englischen Ausdruck benutzen musste ("Tipping point") anstatt des gleichwertigen deutschen Ausdruckes ("Umschlagspunkt"), ist wohl sein Geheimnis.

Bilanz: Ganz nett, aber es gibt bessere Buecher.
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am 31. Oktober 2006
BUCHINHALT:

"Die Welt um uns herum mag unbeweglich und unnachgiebig erscheinen. Sie ist es nicht."Mit diesem Glaubenssatz eröffnet M. Gladwell einen neuen Blick auf unsere Umwelt: mit dem kleinsten Anstoß kann man sie "wenn man den Tipping Point trifft" kippen. Dem Konzept des Tipping Point liegt der Gedanke zu Grunde, dass es genügt, die Aufmerksamkeit auf einige wenige Stellschrauben zu richten, um zu erklären, warum bestimmte Ideen, Verhaltensweisen oder Produkte "Epidemien" auslösen und andere nicht. Diese Stellschrauben, die sukzessive im Buch erläutert werden, sind:

1.) das "Gesetz der Wenigen",

2.) die "Verankerung" und

3.) die "Macht der Umstände".

Das Gesetz der Wenigen besagt, dass "Kenner", "Vermittler" und "Verkäufer" dafür verantwortlich sind, dass Mund-zu-Mund Epidemien entstehen. Darauf aufbauend argumentiert das Gesetz der Verankerung, dass Ideen, Produkte oder Verhaltensweisen sich zusätzlich ausreichend einprägen und uns zum Handeln bringen müssen, wenn sie in der Lage sein sollen, Epidemien auszulösen. Neben den Leuten, die Epidemien verbreiten und den wesentlichen Zügen von erfolgreichen Epidemien, kommt ein dritter entscheidender Faktor hinzu: Epidemien hängen von den Bedingungen und Umständen der Zeit und des Ortes ihres Geschehens ab. Demnach kann sich eine Reihe relativ kleiner Veränderungen in unserer äußeren Umgebung dramatisch auf unser Verhalten auswirken.

BEWERTUNG:

M. Gladwell stellt sein Konzept der Tipping Points anhand einer Vielzahl interessanter Beispiele und Geschichten "von der Verbrechensbekämpfung in New York über die "Faszination Rauchen" bis hin zur Vermarktung von Schuhen und Kindersendungen überaus anschaulich, gut strukturiert und schlüssig dar. Wem die insbesondere im Kapital zum Verankerungsfaktor sehr detailliert geratenen Fallbeispiele zu langatmig erscheinen, dem sei gesagt, dass die wichtigsten Aussagen nochmals kurz am Ende eines Kapitals zusammen gefasst sind. Das dritte Kapitel zur Macht der Umstände sei aber ausdrücklich zur vollständigen Lektüre empfohlen.

Insgesamt macht das Buch in eindrucksvoller Weise deutlich, dass die Linie zwischen Ablehnung und Akzeptanz oder zwischen einer Epidemie, die den Tipping Ppint erreicht und einer, die ins Leere läuft, oft sehr viel schmaler ist, als wir glauben. Durch gezieltes Drehen an den richtigen Stellschrauben können wir weitreichende Veränderungen in den verschiedensten Bereichen unserer Umwelt bewirken. Die hohe Kunst liegt darin, die Tipping Points ex-ante zu identifizieren und gezielt zu steuern. Eine konkrete Anleitung hierfür kann aber auch von diesem intelligenten Buch nicht erwartet werden.
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HALL OF FAMEam 16. November 2009
Ideen und Botschaften verbreiten sich innerhalb menschlicher Gemeinschaften genau so, wie Viren von Mensch zu Mensch und Gruppe zu Gruppe überspringen. Diese Prämisse, dass soziale Trends Bevölkerungen wie ansteckende Epidemien durchtränken, ist die interessante Basis für Malcolm Gladwells Untersuchung in seinem Buch, das zeitweise wirklich faszinierend zu lesen ist. Das Buch läuft zur Hochform auf, wenn es darum geht, die Theorie der Epidemie im Marketing anzuwenden. Man erkennt die Schlüsselfiguren, die einen Trend oder in diesem Fall eine Krankheit zu verbreiten helfen. Trotzdem gelingt es Gladwell nicht immer, diese Beobachtungen in einem stichhaltigen und schlüssigen Argument zusammenzufassen. Das Buch liest sich wie Notizen, von denen einige etwas abdriften. Aber auf Grund der Texte, die den Zyklus der Trendverbreitung wirklich durchleuchten, empfiehlt getAbstract.com dieses Buch Marketing- und Werbeleuten, aber auch anderen Trendinteressierten.
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am 13. September 2000
Einfach zu lesendes und spannend geschriebenes Buch über den tipping point und seine Rahmenbedingungen. Der tipping point ist der Moment, an dem ein kleiner Trend zu einer großen Welle wird, ein Produkt zum Renner reift, eine Epidemie größeres Ausmaß annimmt.
Gladwells Hypothesen zu den Bedingungen des tipping point lauten:
Das Gesetz der Wenigen - einige wenige, aber zentrale Charaktere haben Einfluss auf die Verbreitung, ohne sie wird der tipping point nicht erreicht (Gladwell unterscheidet drei Arten von Charakteren).
Der Verankerungsfaktor - wichtig ist es, die Botschaft bei den Empfängern (den Käufern, der Zielgruppe etc.) zu verankern, z.B. durch Wiederholung.
Die Macht der Umstände - der tipping point wird nur dann erreicht, wenn die Umstände es zulassen, die Ausweitung des Trendes also auf fruchtbaren Boden fällt.
Mit diesen Hypothesen verbindet Gladwell den Gedanken der Gestaltbarkeit. D.h., ausgesuchte wenige Menschen können, wenn sie die Botschaft angemessen verankern und die Umstände entsprechend gestaltet werden, den tipping point herbeiführen.
Um seine Hypothesen zu untermauern führt Gladwell Beispiele aus der soziologischen und psychologischen Forschung an, die seine Argumentation stützen und sich gegenseitig im Sinne seiner Ausführungen ergänzen.
Fazit: Das Buch ist insgesamt lesenswert, gerade auch, wenn man sich für die von Gladwell referierten wissenschaftlichen Untersuchungen interessiert - und davon gibt es eine ganze Reihe. Dabei sollte der Leser aber nicht unkritisch mit dem Inhalt umgehen, beispielsweise mit den Ergebnissen der New Yorker Polizei-Strategie der Null-Toleranz, die m.E. deutlich umstrittener ist, als Gladwell es darstellt. Schade ist, dass Gladwell es nicht wirklich schafft, seine Idee des tipping point und dessen Gestaltbarkeit überzeugend zu transportieren - dazu reicht das einfache Zitieren verschiedener Studien nicht aus. Trotzdem eine amüsante und kurzweilige Lektüre.
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am 19. Juli 2010
Leider hat mich dieses Buch schwer enttäuscht, denn die Beantwortung der zentralen Frage nach dem "Wie" bleibt leider aus. Theoretisch ist alles klar: Die Ausbreitung von Ideen innerhalb menschlicher Gemeinschaft entspricht der Ausbreitung einer Virenepidemie. Zuerst geht alles ganz langsam und verläuft relativ überschaubar, aber dann, mit dem Überschreiten einer bestimmten Schwelle, dem "Tipping Point", verläuft das Geschehen explosionsartig und nimmt epidemischen Charakter an. Wenn ich eine bestimmte Idee oder ein bestimmtes Produkt an den Mann bringen will, brauche ich nur diesen geheimnisvollen "Tipping Point" zu erreichen, und schon geht alles wie von selbst.

Gladwell liefert zum Teil wirklich unterhaltsame Beispiele, mit denen sich viele Seiten füllen lassen. Leider habe ich den Ausdruck, dass diese Beispiele wohl eher dem banalen Horizont des Durchschnittsamerikaners angepasst wurden. Trotzdem: 2 Sterne für das bisschen Unterhaltung.
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am 17. Juli 2009
Sparen Sie Zeit und Geld - der Inhalt ist so dünn, dass er auf einen Bierdeckel passt:

1. Ideen und Verhaltensweisen verbreiten sich wie Epidemien.
2. Daher können kleine Veränderungen (wie bei einem Grippevirus) dramatische Auswirkungen haben.
3. Es gibt Menschen, die sehr viele Bekannte haben und sehr überzeugend sind.
4. Wenn man diese Menschen überzeugt, so kommt eine Lawine in Gang.
5. Dafür ist es wichtig, dass die Ideen haften bleiben.
6. Es kommt auch auf die äußeren Umstände an.

Zitat aus dem Buch: "Das Gesetz der Wenigen sagt, dass es ein paar ungewöhnliche Leute da draußen gibt, die eine Epidemie auslösen können. Man muss sie nur finden. Die Lehre der Verankerung ist dieselbe. Es gibt Methoden, Informationen so zu verpacken, dass sie unwiderstehlich ist. Man muss sie nur finden."

Leider schweigt sich das Buch über das "Man muss sie nur finden" völlig aus. Wenn Sie sich dafür interessieren, wie man Informationen so verpackt, "dass sie unwiderstehlich sind", so lesen Sie besser das unwiderstehliche Buch "Made to stick" von Chip Heath und Dan Heath.

Fazit: sehr wenig Inhalt, viele Aussagen sind banal, Darstellung teilweise fehlerhaft. Interessant fand ich lediglich das dritte Kapitel über die Entstehung des Konzeptes für die Sendung "Sesamstrasse". Dafür insgesamt noch gerade 2 Sterne.
33 Kommentare| 74 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 29. Juni 2009
Darf man das? Ein Buch besprechen, das man nicht zu Ende gelesen hat? Sei's drum. Auf Seite 213 von 300 war meine Geduld mit 'The Tipping Point' von Malcolm Gladwell (gelesen habe ich die englischsprachige Taschenbuchausgabe) jedenfalls zu Ende und wenn ich es recht bedenke, verlor ich das Interesse an diesem US-Nationalen Nr. 1-Bestseller wohl schon in der Mitte des Buches. 'Wie kleine Dinge Großes bewirken können' lautet der Untertitel des Schmökers. Dies ist ein Thema, das mich interessiert und außerdem lag das Buch auf dem Tisch mit dem großen Schild 'buy 1, get 1 half price'. Jetzt aber genug der Entschuldigungen.

Der 'Tipping Point', das ist laut Buchdeckel jener 'magische Moment, an dem eine Idee, ein Trend oder ein soziales Verhalten eine Schwelle überschreitet, umkippt, und sich wie ein Flächenbrand ausbreitet.' Die Suche nach Gesetzmäßigkeiten, die erklären könnten, wie es zu diesem Umkippen kommt, beschäftigt den Autor Malcom Gladwell, der zehn Jahre lang als Reporter für die Washington Post gearbeitet hat, erst als Wissenschaftsjournalist, und dann als Leiter des New Yorker Büros. Als Business-Ratgeber sei das Buch großartig, lobte denn auch ein Kritiker, denn der 'Tipping Point' stecke voller neuer Theorien über die Wissenschaft der Manipulation.

Epidemien, behauptet Gladwell, gingen immer von einigen wenigen Leuten aus. Claro, würde ich entgegnen, denn sonst wären es ja keine Epidemien. Aber Gladwell hat noch mehr entdeckt: die Schlüsselpersonen, die eine Epidemie verbreiten, ließen sich anhand ihres speziellen Charakters und ihrer Talente in drei Gruppen unterscheiden: Die 'Connectors', das sind grob gesagt Leute, die sehr viele Leute kennen. Die 'Mavens' sind diejenigen mit Ahnung. Experten also, oder wandelnde Lexika, die noch dazu ein tiefes Bedürfnis haben, ihr Wissen anderen mitzuteilen. Und natürlich dürfen auch die 'Salesmen' nicht fehlen ' gute Verkäufer die eine Idee oder ein Produkt an den Mann bringen. Als Beispiel muss die Wiederentdeckung der Hush Puppies herhalten, einer Reihe von Schuhen, die jahrzehntelang immer weniger verkauft wurden und dann binnen weniger Jahre Bestseller wurden, nachdem ein paar New Yorker Jugendliche sie für cool befunden hatten. Auch die amerikanische Revolution, hätte Gladwells Logik zufolge nicht stattgefunden oder wäre anders verlaufen, wenn Paul Revere (er warnte die Kolonialisten vor den heran rückenden britischen Truppen) ein anderer Mann gewesen wäre.

Dann ist da noch die Feststellung 'Little things can make a big difference'. Natürlich kann man, wie Gladwell das tut, große Ereignisse so lange unter die Lupe nehmen, bis man einen scheinbaren Schlüsselfaktor entdeckt, ohne den das Ganze nicht statt gefunden hätte. Man kann aber auch den Standpunkt vertreten, dass irgendwann das Fass voll ist und dass der berühmte Tropfen, der zum Überlaufen führt, jede x-beliebige Kleinigkeit sein kann. Gladwell geht den ersten Weg und arbeitet nach dem Motto: "Was nicht passt, wird passend gemacht".

Zugegeben: Gladwell schreibt angenehm flüssig, sei Stil ist lebendig und er ist leicht verständlich. Aber sein Bemühen - oder sollte ich sagen, seine Masche? - Gesetzmäßigkeiten herzuleiten, wo andere lediglich den Zufall am Werk sehen, wirkt streckenweise sehr ermüdend und vor allem sehr unwissenschaftlich. Spannend wird es dort, wo der Autor über die Verbreitung von Aids und Syphilis schreibt oder über das plötzliche Verebben eine Welle von Gewaltverbrechen in New York City, nachdem Bernie Goetz in der U-Bahn vier Schwarze nieder schoss und dadurch fast zum Volksheld wurde. Allerdings hat man diese Erzählungen anderswo auch schon gelesen und es beschleicht einen der Verdacht, dass hier Dinge in ein Schema gepresst werden, um eine vorgefasste Meinung zu untermauern. Eine saubere Recherche oder gar wissenschaftliche Arbeit, bei der auch andere Erklärungsmöglichkeiten überprüft würden, sieht jedenfalls anders aus.

Geradezu absurd wird es, wenn am Beispiel der Sesamstraße minutiös-langatmig erklärt wird, wie deren Macher durch fleißiges herum experimentieren zum Erfolg kamen oder wenn die religiöse Gemeinschaft der Hutterer, die Armee und die Firma Gore-Tex dafür herhalten müssen, die Zahl 150 zur magischen Obergrenze für erfolgreiche Gruppenarbeit zu erklären.

Nein, Herr Gladwell, so geht das nicht. Der Ansatz ist löblich, die Frage wichtig, doch in der Ausführung halte ich dieses Projekt für gescheitert. Abgesehen von einigen netten Anekdoten habe ich von dieser Lektüre nichts zurück behalten außer der Verwunderung darüber, wie ein Buch mit derart löchriger und angreifbarer Argumentation auf Platz 1 der (amerikanischen) Bestsellerliste klettern konnte.
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am 30. Juni 2005
Meine Beschäftigung mit Tipping Point hatte vier Phasen: Enttäuschung, Begeisterung - Ernüchterung - Weiterempfehlung.
1. Phase: Enttäuschung
Die Erkentnisse Gladwells erscheinen zunächst banal: Sein Tipping Point erscheint zunächst als nichts anderes, womit sich jeder Business-Plan für Web-Seiten beschäftigt: Wie kann ich die kritische Masse erreichen, damit mein Produkt sich von alleine multipliziert. Das war mir dann doch zu wenig für ein Buch, das so gehyped wurde.
2. Phase: Begeisterung
Gladwells wirklich mitreißende Art zu schreiben ließ mich weiterlesen. Wie er die Typen von Multiplikatoren (Vermittler, Verkäufer, Kenner) beschreibt, ist eine geniale Mischung aus Zusammenfassung von Studien sowie eigenen Erlebenissen und Abstraktionen. So etwas liest man nicht oft.
3. Phase: Ernüchterung
Zu einer Produktenttäuschung kam ich, da das Buch als Managementberatung verkauft wurde: Das gerade ist es nicht. Denn Gladwell gibt keinerlei konkrete Hinweise, wie man den eigenen Tipping Point für sein Unternehmen finden kann. Auch eine nachgeschobene zweiseitige Anleitung am Ende kommt über den Ruch - da hat der Lektor am Ende gesagt: Wir brauchen aber auch eine Handlungsanleitung - nicht hinaus.
4. Phase Weiterempfehlung
Hat man sich vom Klappentext-Versprechen gelöst, ist Gladwell nahezu ein Muss. Denn er gibt einem so viele Geschichten an die Hand in denen man seine Managementziele verdeutlichen kann, eigenes Vorgehen reflektieren kann oder einfach nur Spaß zum Überdenken der Gewichtung von Entscheidungen, dass er sich völlig lohnt.
Deswegen am Ende: Volle Punktzahl
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