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am 1. September 1999
"Bau und Leben der Rhinogradentia" stellt eine der Fachwelt bisher unbekannte, höchst sonderbare Ordnung der Säuger vor: Die Naslinge, herrlich absurd erscheinende Lebensformen mit zu Fortbewegungsorganen evoluierten Nasen, aus Ohrmuscheln hervorgegangenen Flügeln und dergleichen mehr. Der Autor nimmt hier in aberwitziger Weise sein eigenes Metier - die zoologische Systematik - liebevoll aufs Korn. Trotz der sich selbst nicht ganz ernst nehmenden Grundidee, kuriose Fabelwesen in einer wissenschaftlichen Monographie abzuhandeln, wird das Buch in seiner Form dem strengen, trockenen Stil eines primärwissenschaftlichen Werkes durchaus gerecht - und gerade dies macht den Reiz dieser amüsanten Lektüre aus. Faszinierend ist, daß bei aller überspitzter, karikierender Darstellung dieser Tiergruppe keinerlei logische Fehler vorkommen: Der Leser, auch der fachlich erfahrene, wird dem Autor zugestehen müssen, daß die Existenz dieser Lebewesen tatsächlich möglich - wenn auch nicht gerade wahrscheinlich - wäre. Zudem werden auch nachvollziehbare und plausible Erklärungen geliefert, warum die Fachwelt ausgerechnet von den so sonderbaren und hochspezialisierten Rhinogradentia noch nie gehört hat und wohl nie mehr hören wird. Die Angaben zur Phylogenie, Morphologie und Ökologie der Naslinge enthalten eine Fülle von kurios-phantasievollen Details nebst wissenschaftlich fundierten Erklärungsansätzen. So sind beispielsweise die dominierenden Insekten des Hi-Iay-(gesprochen "Heieiei")Archipels sechsflügelige Hexapteren, die von der im Paläozoikum häufigen Ordnung Palaeodictyoptera abgeleitet werden, bei welchen es tatsächlich eine Tendenz zur Ausbildung flügelähnlicher Gebilde an der Vorderbrust (sogenannte Paranotallappen) gab. Gerade diese Detailtreue spricht auch erfahrene Spezialisten an und animiert dazu, spezielle Zoologie nicht nur mit dem allzu ernsten Auge der deskriptiven Wissenschaft zu betrachten. Die liebevollen zeichnerischen Darstellungen wirken wie eine Synthese aus wissenschaftlichen Tuschezeichnungen, wie sie in zoologischen Monographien üblich sind, und verniedlichendem Comic-Strip. Die Angaben zur Stammesgeschichte und Systematik der Rhinogradentia sind so anschaulich, daß sie als Modell zur Erstellung eines Kladogramms bei der Bearbeitung des Themas Evolution im Biologieunterricht an Schulen dienen können - wie dies verschiedentlich auch schon vorkommt. Darüber hinaus genießt dieses erfrischende Büchlein schon seit Jahrzehnten Kultstatus unter solchen Berufs- und Hobbyzoologen, die noch über das etwas erbsenzählerische Procedere in der Spezialliteratur schmunzeln können. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 6. November 2011
Schade erstens, dass diese legendäre und unübertreffliche wissenschaftliche Parodie doch noch so wenig verbreitet zu sein scheint: Die aktuelle Auflage umfasst erst das 56. bis 57. Tausend.
Schade zweitens, dass dieses wundervolle Werk den Verlag gewechselt hat. Denn ursprünglich erschien es im Gustav Fischer Verlag Stuttgart, dessen Programm ansonsten nur ernsthafte (und meist etwas trockenere) wissenschaftliche Werke umfasst, für die er, um die Parodie komplett zu machen, auf der letzten Seite der Rhinogradentia auch Werbung betreibt. Dieser Gag entfällt bei der Neuauflage. Das tiefergehende Problem des Verlagswechsels besteht aber darin, dass das Originaldruckwerk offenbar von einem Textscanner eingelesen wurde, der neben den üblichen Verwechslungen, wie m und ni, ausgerechnet die vielen wissenschaftlichen Namen gerne falsch liest und damit deren feinsinnigen Witz oft zerstört. Eine automatische Korrektur ist nicht möglich, weil kein Vergleichswortschatz Wörter wie Dulcicauda grisaurella oder Polyrhinidae umfasst. Gerade bei so einem Buch wäre es deshalb unerlässlich, einen fachkundigen Lektor korrekturlesen zu lassen. Dass sich der Verlag Elsevier dies gespart hat, ist ein unverzeihlicher Missgriff. Deshalb nur 3 Sterne.
Deshalb mein Tipp: Sichern Sie sich ein antiquarisches Exemplar vom Fischer Verlag, auch wenn die Bilder darin, dem Original entsprechend, nur schwarz-weiß erscheinen.
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am 16. Mai 2009
von seinem Kind begleitet.
Es steht noch nicht im Brehm.
Es steht noch nicht im Meyer.
Und auch im Brockhaus nicht.
Es trat aus meiner Leyer
zum erstenmal ans Licht.
Auf seinen Nasen schreitet
(wie schon gesagt) seitdem,
von seinem Kind begleitet,
einher das Nasobem.

Soweit Christian Morgenstern. Daraus hat nun der Biologe Gerolf Steiner
unter dem nom de plume 'Professor Dr.Harald Stümpke' einen wissenschaftlichen Scherz
nach allen Regeln der Kunst gemacht. Betonung auf Scherz. Er erfindet eine Gattung der
Nasobeme, 'bema', griech. heisst Schreiten, also Nasenschreitlinge, die auf abenteuerliche
Weise in der Gegend von Hawaii leben und untergehen. Viele Zeichnungen tragen zum Vergnügen
bei. Wer ein bisschen Latein kann hat noch mehr Spass daran.
'Mangelhaft' im Abschlusszeugnis reicht aber aus, wie ich aus eigener Erfahrung versichere.
(Mein Lateinlehrer: 'Meine Herren, die fünf ist eine positive Note, sie muss erarbeitet werden.')

Dass die Sache wirklich Hand und Fuß und Nase hat, zeigt ein Blick auf die Namen im Literatur-
verzeichnis:
Bitbrain, Bleedkoop, 'Das Nasobemproblem',
Combinatore, D' Epp, Deuterich, 'Ein hölzerner Suppenlöffel von Haidadaifi', Mayer-Meier, Naquedai, Spasman,..

Drei Textauszüge:

'In Gefangenschaft ist das Flugohr nicht zu halten, weil es stets schreckhaft bleibt und bei
seinen wilden Sprüngen und Flugversuchen sich den Steiß wundstößt und bald an sich daraus
ergebenden Infektionen eingeht.'

' Die Nasenrinne wächst von proximal nach distal zu'.

'Die Orchideennaslinge ( Orchidiopsidae) lassen sich auf hopssorrhine Vorfahren zurückführen,
welche das Bodenleben mit den Bäumen vertauscht haben, jedoch schon die Reduktionen der
Hopsorrhinen -vor allem das Verschwinden der Hinterextremitäten - aufwiesen. So konnten
sich keine gewandten Kletterer mehr herausbilden. Stattdessen muss wohl eine Entwicklung
eingesetzt haben, bei der die Tiere nicht mehr hüpfen, sondern mit Hilfe von Vorder-
extremitäten und Schwanz langsam kletterten.'

Ein akademisches Jux-Geschenk für Hals-Nasen-Ohrenärzte, die kriegen natürlich einen Schreck,
was die Nase jetzt auch noch aushalten soll, Biologielehrerinnen, Darwin-Anhänger , und alle
die im Beruf immer todernst und verantwortungsvoll sein müssen.
Jetzt mal ernsthaft: Sich selber darf man auch beschenken.

Achtung: Wenn Sie doch mal ein Exemplar treffen: Wenn es niest, hebt es ganz kurz vom Boden ab.
Das ist aber normal.
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am 20. November 2006
Was für ein absolut vergnügliches Buch. Für mich als Bio-Laien extrem glaubwürdig aufgemacht, liest es sich nach authentischer Fachliteratur. Die Naslinge sind so bemerkenswert, gründlichst beschrieben und liebevoll dargestellt, dass man keinerlei Schwierigkeiten hat, seinen Unglauben für die Dauer der Lektüre gaaanz weit in den Hinterkopf zu verbannen und das verlorene Pazifikparadies Heieiei vor dem inneren Auge neu entstehen zu lassen. Alleine bei Quellenangaben wie Bleedkoop, Miespott, Mayer-Meier, Jester, S.p. Assfugl oder Naquedai muss man sich dann allerdings schon fragen... :)

Obwohl sich Bau und Leben der Rhinogradentia wie ein Fachbuch liest und sich daher Begriffe wie "unterhaltsam" oder "spannend" nicht unbedingt aufdrängen, handelt es sich doch um ein sehr leicht verdauliches Buch: die Beschreibungen der erdachten Arten strotzen vor Einfallsreichtum, bleiben aber immer plausibel genug, um den Leser zu kleinen Gedankenexperimenten herauszufordern. Dazu kommen die 15 Farbtafeln, die den Geschöpfen Leben einhauchen und auch den größten Skeptiker im Handumdrehen zum überzeugten Naslingsfan werden lassen.

Einen großen Fehler hat das Buch allerdings: es ist zu kurz! Wenn man nach vielleicht zwei Stunden Lektüre beim Nachwort angekommen ist, wünscht man sich unweigerlich, mehr über die Bewohner von Heieiei zu erfahren.

Dazu kommen einige kleinere Mängel in der Ausgabe des Spektrum-Verlages; der Satz ist etwas unsorgfältig und für ein Buch mit so geringem Umfang -und relativ stolzem Preis- häufen sich doch die Tippfehler.
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am 13. Mai 2010
Im Reich der Deichschafe und Hangnager, Haggis, Steinläuse und anderer seltsamer Tiere behaupten die Rhinogradentia nach wie vor eine herausragende Stellung.
Auch nach Jahrzehnten gebührt Gerolf Steiner noch immer höchste Anerkennung für seine wissenschaftswürdige Darstellung dieser Tiergruppe, ebenso dem Gustav Fischer Verlag für die vollwwertige Tarnung in der klassischen Reihe wissenschaftlicher Bücher im orangefarbenen Umschlag.
Persönlich besitze ich das Büchlein seit 1972, habe es aber 2010 doppelt nachbeschafft als Geschenk für neugewonnene Freunde metaexotischer Tiere einerseits und für junge Biologiekollegen am Gymnasium zur Auflockerung des Gemüts anderseits.

Johannes Läubli MSc
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am 4. August 2014
Bau und Leben der Rhinogradentia - wie sehr hab ich dieses Buch während meines Studiums geliebt. Das Original ist aber so gut wie nicht mehr zu bekommen. Erstaunlich, dass die Neuausgabe tatsächlich einige Fehler enthält. Man wundert sich, denn der Spectrum Verlag ist ja an und für sich für Sorgfalt bekannt. Hier hat man anscheinend darauf vergessen, ordentlich zu vergleichen. Und trotzdem, es sind immer wieder schöne Momente, auch in der colorierten Neuausgabe zu blättern und zu schmunzeln.
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am 11. Februar 2011
Diese Arbeit sprüht vor intelligentem Humor und gehört in jedes naturwissenschaftliche Bücherregal - sozusagen als mentaler Pausensnack ... ein Dank an den Autor, der bereits Generationen von angehenden und gestandenen Naturwissenschaftlern köstlich unterhalten hat.
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