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Kundenrezensionen

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am 24. März 2010
Ich habe mir das Buch aufgrund der vorwiegend hervorragenden Rezensionen gekauft und bin jetzt doch etwas enttäuscht. Wo ich üblicherweise Bücher verschlinge, habe ich dieses immer wieder zur Seite gelegt. Warum? Ich fand es größtenteils einfach zu langatmig.

Über zig Seiten wird berichtet, wie das amerikanische Gesundheitssystem strukturiert ist. Gott sei Dank kamen später noch andere Themen wie Anleger oder Energiepolitik.

Was ich bis zum Ende vermißt habe, ist eine Zusammenfassung, wie Entscheidungen designed sein sollen. Zwar fiel das Wort des Entscheidungsarchitekten sehr oft, aber selten kam man auf den Punkt.

Bücher wie "Die Psychologie des Überzeugens" haben mir in erheblicher kürzerer Zeit mehr Wissen beschert.

Weil ich den Inhalt und die Methode an sich allerdings recht praktikabel halte, gebe ich noch 3 Sterne.
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Das wirkt natürlich anziehend, wenn in der FAZ steht, Nudge sei nicht mehr und nicht weniger ein Zauberschlüssel, um kluge Entscheidungen zu treffen. Aber ganz so wild ist es nicht. Leider. Nun möchte man natürlich wissen, was der geheimnisvolle Begriff "Nudge" bedeutet. Selbst wenn man im Englischunterricht noch mitbekommen hat, dass wir nudge mit anstossen, stupsen übersetzen. Was Barack Obama unter einem Stups versteht, wissen wir nicht. Aber von Cass Sunstein hält er offenbar so viel, dass er seinen ehemaligen Kollegen aus Chicago in den Beraterstab aufnahm, um bessere Entscheidungen treffen zu können. Präsidentenberater ist ein gutes Marketinglabel, aber noch keine Garantie, dass die Entwicklung von Zauberstäben und -schlüsseln gelingt. Bei aller Aufregung um dieses Buch, finde ich denn auch, dass in ihm nichts steht, was europäischen Heuristikern bisher verborgen blieb. "Libertärer Paternalismus" wird die Vorgehensweise genannt, die im Buch empfohlen wird. Gemeint ist damit, dass der Staat seine Bürger gewitzter und wirkungsvoller als bisher bevormunden, steuern und manipulieren soll. Mit kleinen Stupsern, die wohl ausgedacht sind und auf Erkenntnissen der Psychologie und modernen Hirnforschung beruhen. Motorradfahren in Staaten ohne Helmpflicht, sollen für ihre Freiluftvergnügen eine besondere Prüfung bestehen - Teenager, die bereits Mutter geworden sind, sollen jeden Tag einen Dollar bekommen, solange sie nicht zum zweiten Mal schwanger werden - Banken sollen eine spezielle Karte herausgeben, die nur von Wohltätigkeitsorganisationen akzeptiert wird und Ende Jahr alle Beträge so zusammenfasst, dass sie von der Steuerbehörde gleich als Belege für Abzüge anerkannt werden.

Interessante Beispiele für klügere Staatsinterventionen finden sich in diesem Buch auch dann noch genügend, wenn man die allzu auf Amerika zugeschnittenen von der Gesamtzahl abzieht. Ob Nudge auch bei uns eine Bewegung wird, die so hohe Wellen wie in Amerika wirft, bezweifle ich. Vor allem weil bei uns der Widerstand gegen alles, was nach Manipulation riecht, sehr viel größer ist. Die Skepsis gegen die Beeinflussung des Unbewussten hat natürlich auch historische Gründe. Aber irgendwann sollte sich die Erkenntnis durchsetzen, dass Beeinflussung menschlicher Wahlverhalten ohnehin stattfindet, egal wie wir diesen Vorgang nennen. Oder anders gesagt: Überlassen wir die Forschungsergebnisse der Heuristik, der Wissenschaft von der Entscheidungsfindung, nur den Unternehmen und politisch Verirrten, machen wir uns an gesellschaftlich unerwünschten Zuständen und Entwicklungen irgendwie mitschuldig.

Ein gewisses Unbehagen hatte ich nach der Lektüre trotz der Befürwortung solcher Ansätze. Denn betrachte ich das politische Geschehen und den Eifer zahlreicher Weltverbesserer, so bin ich manchmal ganz froh, wenn Projekte zu Verhaltensänderungen so dilettantisch aufgegleist werden, wie das heute oft der Fall ist. Von missglückten Beispielen der Entscheidungsarchitekten ist in diesem Buch fairerweise auch die Rede. Aber wie es für Gurus oft üblich ist, müssen sich Vorreiter und Mitstreiter meist damit begnügen, im Literaturverzeichnis erwähnt zu werden. Und amerikanische Helden wissen oft gar nicht, auf welche europäischen Helfer sie bauen könnten. Daher wunderte es mich wenig, dass Gerd Gigerenzer und andere bekannte Namen fehlen.

Mein Fazit: Der Zauberschlüssel für kluge Entscheidungen wurde von Richard H. Thaler und Cass R. Sunstein nicht gefunden. Aber sie sorgen mit ihrem Bekanntheitsgrad dafür, dass sich auch Politiker für Erkenntnisse interessieren, die dazu dienen können, klügere Gesetze zu formulieren und wünschenswerte Verhaltensmuster zu knüpfen. Vieles von dem, was in diesem allzu dicken Buch steht, lässt sich auch mit dem gesunden Menschenverstand erklären. Aber eben nicht alles. Daher hätte ich mir gewünscht, dass die Autoren klarer hervorgehoben hätten, wo uns Bauchgefühle böse Streiche spielen.
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am 19. März 2013
In einem einleitenden Kapitel wird zunächst anhand eines Beispiels das Prinzip des "Nudge" beschrieben. Ein Nudge ist demnach ein kleiner unmerklicher Schubser in die richtige Richtung. Weiter stellen die Autoren ihr Konzept eines "libertären Paternalismus" vor, welches zum einen auf konsequenter Entscheidungsfreiheit beruht, andererseits versucht, das Verhalten der Menschen (Humans) bestmöglich zu beeinflussen.

Teil 1 des Buches handelt von den rationalen Econs und den Humans. Ein Begriffssystem, welches auch Nobelpreisträger Daniel Kahneman in seinem Buch Schnelles Denken, langsames Denken aufgegriffen hat. Die Autoren beschreiben zwei Arten des Denkens. Zum einen das intuitiv-automatische, als auch das reflektierend-rationale System. Anhand etlicher Beispiele (z. B. Verankerungen, Verfügbarkeit von Informationen, Trägheit und Framing-Effekte) werden die systematischen Verzerrungen verdeutlicht, mit denen das erste System behaftet ist. Jene Verzerrungen erlauben schließlich die Empfänglichkeit für Nudges. Weiter stellen die Autoren Methoden vor, wie der langfristige Planer den kurzfristigen Macher überlisten kann, beispielsweise durch die Einrichtung mentaler (oder tatsächlicher) Konten. Auch wird gezeigt, welchen Einfluss sozialer Druck auf die Entscheidungsfindung (angeblich rationaler) Individuen haben kann. Darauf aufbauend werden Möglichkeiten sozialer Einflussnahme aufgezeigt. Situationen in denen Menschen besonders empfänglich für Nudges sind wären beispielsweise Entscheidungen, die schwierig und selten zu treffen sind.

Der zweite Teil des Buches beschäftigt sich mit dem Themengebiet Geld und speziell mit dem Rentensystem, Investmententscheidungen sowie Krediten. Hier verdeutlichen die Autoren wie sinnvoll es ist, die Einzahlungen in Rentenversicherungen für neue und junge Angestellte zu automatisieren, damit sie früh genug für ihre Pension vorsorgen. Weiter verdeutlichen sie das Versagen von erzieherischen Maßnahmen wenn es um Sparen geht. Mit dem "Save more Tomorrow" System stellen sie ein Programm vor, das eine dynamische Beitragssteigerung enthält. Im Abschnitt über Investmententscheidungen geht es weniger um das Anstubsen an sich, sondern vielmehr um die grundsätzliche Frage, welche Asset Allocation, also Aufteilung in verschiedene Anlageklassen die Autoren für sinnvoll halten.Schließlich werden zwei (besonders für die USA) wichtige Kreditmärkte beleuchtet: Hypotheken sowie Kreditkarten.

Teil 3 des Buches beinhaltet gesellschaftliche Entscheidungen, beginnend mit einer Betrachtung der Teilprivatisierung der schwedischen Sozialversicherungssysteme. Die schwedische Regierung als Entscheidungsarchitekt hätte unter Berücksichtigung der grundsätzlichen Schwächen der nicht immer rational handelnden Humans die Wahl durch einen Schubs in Richtung eines (deutlich besser abgeschnittenen) staatlichen Default-Fonds verbessern können. Ein weiterer Abschnitt geht auf Medicare ein - eine während der Bush-Ära eingeführte Reform des Gesundheitssystems, sowie auf die hier gemachten Fehler. Mögliche Nudges mit denen dieses System verbessert werden könnte z. B. mit einer intelligenten Zuteilung werden vorgestellt. Nachfolgend wird der Bereich Umweltschutz behandelt, sowie aufgezeigt wie geeignete Nudges dazu beitragen könnten, den Energieverbrauch zu senken und den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren. Ein letzter Abschnitt stellt einen Vorschlag zur Privatisierung der Ehe vor.

Im vierten und letzten Teil des Buches werden zunächst zwölf weitere Nudges vorgestellt, wie beispielsweise das Give more tomorrow-Programm, eine automatische Steuererklärung sowie Sperrlisten für Spielsüchtige. Weiter werden verschiedene Einwände gegen Nudges aufgeführt, wie jener, dass die Regierung beginnend mit einem Nudge immer stärkeren Einfluss nehmen könnte. Das Verfolgen von Eigeninteressen gewisser (politischer und privatwirtschaftlicher) Entscheidungsarchitekten könne durch höhere Transparenz im Sinne "Sonnenlicht ist das beste Desinfektionsmittel" vorgebeugt werden. Weiter werden die Grundsätze der Öffentlichkeit und Neutralität für Nudges behandelt. Im Nachwort wird auf die Frage eingegangen, inwieweit Nudges dabei helfen können, Situationen wie die Finanzkrise von 2008 zu verhindern.

Die Idee eines Nudges, also eines unmerklichen Anstoßens in die richtige Richtung welches die beiden Autoren in ihrem Buch behandeln ist sicherlich nicht neu. Vielmehr wurden jene Nudges auch vor ihrer 'Entdeckung' von jenen eingesetzt die Anstubser oder Anreize gezielt genutzt haben um Eigeninteressen zu befriedigen. Das Grundproblem eines am Gemeinwohl interessierten Entscheidungsarchitekten der Nudges in altruistischer Gesinnung einsetzt bleibt ungelöst. Als Individuum oder Konsument sollte man daher kritisch bleiben und sich vielmehr zusätzlich fragen: 'Welchen Anreiz hat der Entscheidungsarchitekt mir eben jenen Stubser zu geben?'
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am 1. September 2010
Amerikanische Sachbücher, auch wenn sie extrem erfolgreich sind, benötigen immer eine gewisse Zeit, bis sie ins Deutsche übersetzt werden. Die deutsche Version des folgenden Buches ist schon angekündigt und soll in den nächsten Wochen mit dem Titel Nudge: Wie man kluge Entscheidungen anstößt" erscheinen (mittlerweile ist das Buch erschienen - siehe den Amazon-Link unten). Damit hat sich der Verlag vor der Aufgabe gedrückt, das englische Wort nudge" ins Deutsche zu übertragen. Man könnte es vielleicht am besten mit Schupps" übersetzen - wenn man jemanden in seinen Verhalten beeinflussen will, ohne ihm etwas vorzuschreiben oder zu befehlen, gibt man ihm einen kleinen Schupps - damit lenkt man ihn ein kleines bisschen in die richtige Richtung. Das ist die Idee von Nudge".

Welche Bedeutung sie für viele Bereiche des täglichen Lebens hat, zeigen die Autoren, zwei gestandene Wirtschaftswissenschaftler, detailliert auf. Menschen handeln nicht immer vernünftig, selbst wenn es um so wichtige Dinge wie Altersvorsorge oder Geldanlage geht. Sie sind träge und wollen sich nicht immer mit unangenehmen Aufgaben beschäftigen.
Deshalb beeinflussen Voreinstellungen oft die finale Entscheidung, was sich am Beispiel Organspende-Bereitschaft zeigt: In Deutschland haben nur 12% der Bevölkerung einen Organspenderausweis, in Österreich sind es 99%. Der Grund ist ganz einfach: Jeder Österreicher ist automatisch Organspender, es sei denn, er füllt ein Formular aus, in dem er sich dagegen ausspricht. In Deutschland ist es umgekehrt: Man muss sich aktiv als Organspender registrieren lassen. Ist jetzt die Wahlfreiheit der Deutschen oder Österreicher eingeschränkt? Eigentlich nicht, denn jeder kann selbst die Entscheidung treffen. Doch der Gesetzgeber kann die Rate der Organspender beeinflussen, je nachdem, welche Voreinstellung er wählt und dabei die Trägheit der Menschen in Betracht zieht.

Die Autoren nennen eine solche Strategie Libertarian Paternalism" - der Staat oder Unternehmen beeinflussen die Entscheidungen, ohne dabei die Wahlfreiheit einzuschränken. Das geschieht einfach durch eine auf psychologischen Erkenntnissen basierende Entscheidungs-Architektur (choice architecture"). In dem Buch werden dazu zahlreiche Beispiele angeführt: Von der Schulkantine, die gesundes und weniger gesundes Essen in einer bestimmten Reihenfolge platziert, über Methoden zum Energiesparen, bis hin zu staatlichen Programmen zur Altersversorgung oder medizinischer Betreuung.
Die meisten dieser Beispiele sind sehr spezifisch für die Vereinigten Staaten - deutsche Leser müssen sich da in viele schwierige Bereiche hineindenken. Die entsprechenden Kapitel sind sehr detailreich, weshalb die Lektüre schon recht anstrengend ist. Viele der Beispiele drehen sich auch um staatliche Programme und Gesetze, das Buch ist alles andere als ein Marketing-Ratgeber. Aber trotzdem lohnt es sich, über die Idee des Libertarian Paternalism" nachzudenken. Denn immer mehr Verträge und Käufe geschehen heute über das Internet - und da ist die richtige choice architecture" eines Bestellformulars extrem wichtig, ganz zu Schweigen von Voreinstellungen und Default-Settings.

Wer Kunden und Käufer durch einen komplexen Prozess der Entscheidung führen muss, sollte sich mit den Ideen von Nudge" beschäftigen. Allerdings muss er aber die Arbeit auf sich nehmen, die relevanten Schlussfolgerungen für sein Geschäft aus der Fülle von spezifischen Beispielen und Details selbst zu ziehen. Hier wären ein paar Nudges" in der Struktur des Buches durchaus hilfreich gewesen...
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am 12. Februar 2017
Das Buch "Nudge" von Thaler und Sunstein kann sehr kontrovers betrachtet werden. In vier Teilen stellen die Autoren ihr Konzept eines "libertären Paternalismus" vor, der darauf basiert, Menschen zu "schubsen", die "richtigen Entscheidungen" zu treffen: Teil 1: Humans und Econs, Teil 2: Geld, Teil 3: Gesellschaft, Teil 4: Ausblicke und Einwände.

Im Nachwort gehen sie auf die Finanzkrise von 2008 ein, die vor allem durch falsche Entscheidungen sowohl der Nachfrager als auch der Anbieter und auch dem Staat entstanden ist. Es war staatlich gewünscht, dass sich auch ärmere Menschen ihren Traum von einem Eigenheim erfüllen sollen. In der Folge wurden Millionen von Menschen ohne Eigenkapital billigste Hypothekenkredite mit niedrigen Zinsen vergeben. Das Spiel ging solange gut, solange von immerwährenden Steigerungen der Immobilienwerte ausgegangen waren. Als dann erste Probleme auftauchten, die Immobilienwerte sanken und gleichzeitig die Zinsen stiegen, beendete die Finanzkrise die Party auf eine sehr unerfreuliche Art und Weise.

Solchen Fehlentwicklungen könne man durch "Nudges" entgegnen, behaupten die Autoren. Sie sind der Meinung, dass in vielen Bereichen "Schubser" (Nudges) in bestimmte Richtungen durchaus Sinn machen. Sie zeigen eindrücklich, dass sie bei vielen angeführten Beispielen recht haben. Allerdings sind die Beispiele ziemlich offensichtlich. Niemand bezweifelt die Sinnhaftigkeit, wenn Straßenübergänge in Großbritannien mit der Schrift "look right" Touristen davor schützen sollen, nicht von einem Doppeldeckerbus überfahren zu werden, der auf der linken Straßenseite daher kommt.

Das Problem des "Schubsens" besteht aus der Gratwanderung, wo angefangen und wo aufgehört werden soll. Politiker neigen eher dazu den Menschen zuviel an Bevormundung zuzumuten als zuwenig. Und genau darin liegt das Problem des libertären Paternalismus. Wenn die ethischen Grenzen so gesetzt werden wie das die Autoren vorschlagen, kann man dem Ansatz durchaus etwas Positives abgewinnen. Wehe aber, wir haben es bei den Schubsern mit totalitären Politikern zu tun, dann ist die Freiheit dahin und wir werden nur noch geschubst.
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am 25. August 2015
Das erste Kapitel ist fantastisch. Nicht nur wird das Thema in seiner Relevanz erklärt, mit guten Beispielen verdeutlicht und von allen wichtigen Seiten beleuchtet – es ist auch durch und durch mit solidem psychologischem Grundlagenwissen unterfüttert.
Leider sind der zweite und dritte Teil, die beispielsweise Schwächen im amerikanischen Sozialsystem thematisieren und Lösungen vorschlagen, nur bedingt auf andere Länder anwendbar. So bleibt das Buch für den europäischen Leser unter dem Strich bei einem Mehrwert-Niveau, das mit einem TED-Talk und zwei Change.org-Kanpagnen auch erreicht worden wäre.
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am 29. Juni 2012
Bei dem Buch geht es um die Beeinflussung von Entscheidungen von Konsumenten und Bürgern mit Hilfe sogenannter "Nudges", also Anstößen durch geeignete Präsentation und Kommunikation der Wahl-Varianten. Die angeführten Beispiele stützen sich auf Ergebnisse verschiedener sekundärer Studien aus dem Bereich Politik und Ökonomie von der privatisierten schwedischen Sozialversicherung über zur Zielsicherheit anregende Pissoirs bis zum internationalen Emissionshandel.

"Nudges" werden offensichtlich weitgehend dort vorgeschlagen, wo der Bürger bzw. Konsument durch seine Trägheit bzw. Unvermögen, rational zu Handeln hilflos einem durch das vielfältige Angebot gar nicht so transparenten Markt gegenübersteht. Meine Kritik bezieht sich darauf, dass als Lösung nicht etwa vorgeschlagen wird, der Staat solle für erhöhte Transparenz des Marktes sorgen, sondern er solle dem Bürger durch kleine Entscheidungshilfen unterbewusst unter die Arme greifen.

Diese - aus meiner europäischen Sicht - Mischung aus wirtschaftsliberaler Ideologie und dem aufkeimenden Verständnis für sozialen Ausgleich nennen die Autoren "libertären Paternalismus". Offen bleibt meiner Meinung nach, wer dem Bürger, Konsumenten diesen wohlwollenden Paternalismus in welchem Interesse und unter welchen Kontrollmechanismen zuteil werden lassen soll.

Immerhin kommen die Autoren, wenn auch etwas beiläufig zu dem Schluss: "Wenn Märkte komplizierter werden, dann sind unerfahrene und ungebildete Verbraucher besonders im Nachteil" (S185). Die Erstausgabe wurde vor der Finanzkrise des Jahres 2008 geschrieben. Es stellt sich die Frage, ob die aufkeimenden Probleme unserer schönen, neuen Wirtschafts-Welt mit Nudges" in den Griff zu bekommen sind.
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Sunstein und Thaler geben überzeugende Beispiele dafür, wie eine intelligente Umgebungsgestaltung Menschen zu vernünftigen Entscheidungen bringen kann - und dies unter Verzicht auf komplizierte Anleitungen oder pädagogische Bemühungen. Wirksamer als eine Fortbildung zur gesunden Ernährung ist demnach die simple Umorganisation der Essenstheke: Werden gesunde Produkte in den Vordergrund gerückt, nimmt die Zahl der Schüler/innen, die sie auswählen, um bis zu 25% zu. Ob es sich um die Auswahl von Finanzprodukten, die Förderung von Umweltverhalten oder die Bereitschaft zur Organspende handelt: Stets sorgt eine durchdachte "Entscheidungsarchitektur" für den nötigen "nudge", d.h. den Anstoß oder Schubser, dafür, dass die Personen - auch ohne differenzierte Information - zu vernünftigen Entscheidungen finden. "Libertären Paternalismus" nennen die Autoren ihr Konzept, das sie auch als Instrument einer "good governance" der Politik empfehlen.
Mit der Kreation des Begriffs "Nudge" fokussieren Thaler und Sunstein auf die zentrale Bedeutung von intelligent gestalteten Umgebungen bzw. "Kreativen Feldern" für die Förderung von klugen Entscheidungen. Diese Idee ist für Pädagogen von besonderem Interesse, spricht man doch hier seit langem vom "Raum, als drittem Pädagogen". Sie bestätigen damit eine in der Pädagogik bislang unterschätzte Perspektive: Anstelle aufwändiger und wenig effektiver pädagogischer Bemühungen ließen sich viele Erziehungs- und Bildungsziele leichter und effektiver erreichen, würde man die Gestaltung der Lehr-/Lernumgebungen und der sich daraus ableitenden Entscheidungsarchitekturen gezielter berücksichtigen.
Diesen Gedanken herausgearbeitet und begründet zu haben, ist die besondere Leistung der Autoren, die allerdings durch langatmige Ausführungen zu Detailproblemen beeinträchtigt wird.
Interessanter wäre es gewesen, den Kerngedanken, den man in einem Satz zusammenfassen kann, ("Eine intelligente Umgebungsgestaltung ist wirksamer als aufwändige pädagogische Bemühungen!") auf unterschiedlichste Gebiete anzuwenden und hierfür den Großteil des Textes zu verwenden. Wenn die Leser/innen tatsächlich dazu angeregt werden, solche "nudges" in ihren Arbeitsfeldern zu entwickeln und die Idee des Ansatzes zu verbreiten, dann ist es ein anregendes Buch. Immerhin bietet die Autoren hierzu ein Onlineforum an.

Prof.Dr. Olaf-Axel Burow Universität Kassel
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am 5. April 2016
Die beiden Autoren tragen viel zusammen, insbesondere über Psychologie, auch wenn sie keine Psychologen sind (ein Wirtschaftswissenschaftler, ein Jurist). Die zitierten Studien sind "brillant" und vieles ist interessant für Leser, die in den verschiedenen Themen nicht drinnen sind.
Im Grunde geht es um eine Reihe von Büchern in einem Buch (man könnte von „Puppe in der Puppe" sprechen, wenn das Buch entsprechend strukturiert wäre). Es geht je nach Sicht darum, wie der Staat bzw. die Wirtschaft die Menschen bei deren Entscheidungsfindungen manipulieren oder aber unterstützen. Manchmal fühle ich mich an die Themen erinnert: "Wie schreibt man gute Bedienungsanleitungen?" bzw. „Bürgernahe Verwaltung".
Es geht darum, welche Fehler Menschen machen, sei es beim Denken (Herr Kahnemann lässt grüßen) oder beim Entscheiden, und wie sie ihre Entscheidungsprozesse verbessern können.
Eingebettet ist das Ganze in das politikphilosophische Konzept, dass der Staat möglichst nicht mit Verboten arbeiten solle, sondern mit Schubsern, zur Not mit finanziellen Anreizen, möglichst mit positiven.
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am 4. Januar 2010
Das Buch hat mich überhaupt nicht überzeugt. Ich habe mich ziemlich gelangweilt und fand auch kaum neue Ansätze für Alltagsprobleme oder Problemlösungen.
Aus europäischer Sicht sind viele Themen eher langweilig zu lesen, so zB. über verbessertes Rentensparen, etc. Mit der europäischen Wirklichkeit decken sich hier die amerikanischen Probleme meist nicht und/oder Europa ist mit seinen Lösungsansätzen z.T. schon weiter (zB. 3. Säule in der Schweiz, steuerfrei..hey, ein klassicher Nudge, hurra!).

Aus meiner Sicht nicht sehr empfehlenswert.
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