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Kundenrezensionen

3,2 von 5 Sternen
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3,2 von 5 Sternen
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Bestsellerautor, Psychotherapeut, Arzt, Theologe und Kenner der Philosophie. Das ist laut Klappentext der Autor dieses Buches. Falls er trotz der vielen Betätigungsfelder in finanzielle Nöte komme sollte, kann er auch bei einer Werbeagentur anheuern. Denn ganz ohne Zweifel ist Manfred Lütz auch in der Kunst der Verführung bewandert. Und sein Verlag gab mit dem genialen Cover noch eins obendrauf. Aber wie steht es mit der Substanz des schön verpackten Inhalts? Wie die bereits erschienenen Rezensionen zeigen, kann man bei dieser Frage verschiedenster Meinung sein. Ich gehöre zur Fraktion, die Manfred Lütz nicht zu begeistern vermochte.

Da ich kein Mitglied der Lützerschen Fangemeinde bin, kannte ich auch seine persönliche Einstellung zum Thema nicht. Vorwort, Einleitung und die ersten Seiten weckten große Erwartungen. Zu große, wie sich im Verlauf der Lektüre herausstellen sollte. Oder einfach falsche. Zu Beginn dachte ich noch, Manfred Lütz sei ein offener und abwägender Autor auf der Suche nach seinem persönlichen Glauben und Gottesbild. Doch am Schluss wurde ich das Gefühl nicht mehr los, er hätte mir eine Mogelpackung verkauft. Denn letztlich vertritt er einen Katholizismus, der auch in Rom auf Wohlwollen stoßen würde. Das ist natürlich sein gutes Recht. Aber wenn mir den Klappentexter verspricht, Manfred Lütz spreche Klartext, dann erwarte ich Klartext. Und zwar von Anfang an.

Die zweite Enttäuschung bescherte mir die wissenschaftliche Ebene, auf die sich der Autor beruft. Denn passt ihm eine Erkenntnis nicht in den Kram, putzt er sie mit wenigen, dafür umso flapsigeren Wort hinweg. Und damit stellt er sich selber in eine rhetorische Tradition, die er bei anderen Autoren ins Kreuzfeuer nimmt. Wortgewandt macht er widerspenstige Zweifler zu Befürwortern seines persönlichen Denk- und Glaubensgebäudes. Und wenn ihm sein eigenes Gewissen zu signalisieren scheint, er treibe es mit seiner Taktik allzu bunt, beschließt er den Abschnitt mit einer verbalen Beschwichtigung. Was Manfred Lütz etwa zum kindlichen Wahrnehmungs- und Urteilsvermögen sagt, treibt jedem Entwicklungspsychologen die Schamröte ins Gesicht. Oder wenn er sich zu hirnphysiologischen Vorgängen äußert, muss es Neurowissenschaftlern schaudern. Wieso bleibt er nicht einfach bei seinen persönlichen Bekenntnissen und Erlebnissen? Wieso muss er historische Persönlichkeiten, Wissenschaftler und Stars der Unterhaltungsbranche auf die Bühne locken, wenn diese mit dem gespielten Stück nichts zu tun haben? Wieso hat er sich dazu hinreißen lassen, mit altbekannten Techniken den x-ten Gottesbeweis vorzulegen?

Mein Fazit: Weshalb Manfred Lütz zu den Bestseller-Autoren gehört, wundert mich nach der Lektüre nicht mehr. Mich wundert nur, wieso er mit den Argumenten der Vernunft das Unvernünftige erklären will. Manfred Lütz ist ohne Zweifel ein begnadeter Rhetoriker. Aber das reicht nicht aus, um die Schwächen seiner Beweisführungen zu überdecken.
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TOP 1000 REZENSENTam 12. April 2016
Wenn es einen guten Verriß dieses Buches des bekannten Psychiaters, Theologen und Kabarettisten Manfred Lütz gibt, dann muß er doch bei den organisierten deutschen Atheisten der Giordano Bruno Stiftung zu finden sein. In der Tat stößt man auf den Seiten des hpd (Humanistischer Pressedienst) auf eine Rezension (hpd.de/node/4160), die mit bezug auf ein Freud-Zitat den interessanten Versuch unternimmt, Lütz der argumentativen Trickserei zu überführen und zehn seiner Kunstgriffe oder Tricks aufzudecken. Das Freud-Zitat, um das es geht, lautet: "Wenn es sich um Fragen der Religion handelt, machen sich die Menschen aller möglichen Unaufrichtigkeiten und intellektuellen Unarten schuldig."
Einer der Kunstgriffe, der Lütz vorgeworfen wird, soll darin bestehen, daß er die Bildungslücken seiner Leser ausnützt und schwerverständlichen naturwissenschaftlichen Theorien Implikationen unterstellt, die sie nicht haben. So behaupte Lütz, daß die Quantentheorie „die Ehe zwischen Atheismus und Wissenschaft argumentativ zerrüttet" habe. Nach Meinung von Lütz sei der Zweifel an Gott als "intellektuelle Option zusammengebrochen", weil die Quantentheorie zum "argumentativen Super-GAU des Atheismus" geführt habe. Natürlich sei nichts von alledem wahr.

SO EINFACH ...
… ist die Sache allerdings nicht. Die Quantentheorie den "argumentativen Super-GAU des Atheismus", zu nennen, ist sicher ein bißchen übertrieben, aber die atheistischen Kritiker unserer Tage vergessen, wie sehr seinerzeit die Heisenbergsche Unschärferelation von 1927 und die damit einhergehenden Zweifel an Kausalität und Determinismus die Materialisten im sowjetischen Machtbereich in helle Aufregung versetzt hatten. Heisenberg war dort jahrzehntelang als "physikalischer Idealist" und seine Anhänger als "Heisenbergisten" verpönt. Nach Lenin war ja der dialektische Materialismus eine "auf dem Determinismus aufgebaute Weltanschauung". Sie allein gestatte "eine strenge und richtige Bewertung" menschlichen Verhaltens und verhindere schließlich, "daß alles mögliche auf den freien Willen abgewälzt wird". Willensfreiheit war nach Lenin "eine unsinnige Fabel". Es verwundert daher nicht, daß der atheistische Philosoph Helmut Korch an der Universität Jena noch 1961 nachdrücklich feststellte: "Der Determinismus verkörpert" ein "notwendiges Prinzip" der materialistischen Weltauffassung.

POSITIV DENKEN
Unter Atheisten ist zunehmend die Haltung verbreitet, nicht das Negative, sondern das Positive zu fürchten: Nachdem sie sich einigermaßen sicher sind, daß Gott tot ist, treibt sie nun die Sorge um, ist, daß doch noch irgend etwas von ihm übrig ist. Sie bestreiten, daß es in einer deterministischen Welt so etwas wie einen freien menschlichen Willensentschluß geben könnte. Im "freien Willen" steckt - so befürchten sie - womöglich noch ein göttlicher Funke. Mittlerweile weiß aber auch die Wissenschaft, daß sich eine negative Weltsicht ihre eigenen Probleme schafft. Wer nämlich glaubt, daß er eine naturgesetzliche Marionette ist, verhält sich tendenziell auch wie eine. Gar nicht hoch genug einzuschätzen, daß der Autor mit der positiven und zuversichtlichen Haltung, die er ausstrahlt, hierzu ein performatives Gegengewicht bildet.

FAZIT
• Mit seinem bekannten Sahnetortenargument beweist Lütz wenig. Es illustriert aber einen wesentlichen Punkt: Geht es denn einzig um eine Frage des Glaubens und nicht noch mehr um eine Frage der Haltung, nämlich der zwischen positivem und negativen Denken?
• Lütz liefert keine durchwegs strenge Argumentation, aber eine kurzweilige. Andersgläubige wird er wohl nicht überzeugen, aber bei indifferent-säkularen Zeitgenossen könnte er etwas ausrichten, indem er die scheinbaren Gewißheiten einer modischen Theologiekritik in Zweifel zieht und sie auch ein bißchen auf den Arm nimmt.
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am 27. September 2015
Sehr positive und sehr negative Leserrezensionen dieses Buches halten sich in etwa die Waage. Bei einem solchen Thema war das nicht anders zu erwarten. Herrn Lütz wird u. a. vorgeworfen, er setze sich nicht ernsthaft mit seinem Thema auseinander. Das ist Unsinn. Ich finde das Buch sehr ernsthaft. Ich habe es mit großem Gewinn und auch mit großem Vergnügen gelesen (das Lesevergnügen spricht gerade nicht gegen die Ernsthaftigkeit des Themas und seiner Ausführung). Fußnoten habe ich nicht vermisst; es handelt sich ja nicht um eine wissenschaftliche Abhandlung im engeren Sinn, und Herr Lütz verweist im Nachwort selbst auf angelsächsische Autoren, die auch bei Fachbeiträgen deutlich aufgelockerter schreiben (oder sprechen) als ihre schwerblütigen deutschen Kollegen. Da, wo Manfred Lütz über die reine Beschreibung (des Gottes der Atheisten, der Philosophen, der Weltreligionen usw.) hinausgeht und zum Gott des christlichen Glaubens vorstößt, zu dem er sich mit Leidenschaft bekennt, schreibt er wirklich mitreißend - und manche Stelle habe ich mir markiert, um sie später noch einmal nachzulesen. Manche werfen ihm eine konservative und zu unkritische Einstellung zur katholischen Kirche vor. Das mag sein, hat mich aber nicht gestört (ich bin kath. Theologin, lebe und arbeite in der Kirche - leide aber oft auch an ihr); Herr Lütz hat das Recht dazu, die Dinge anders, positiver zu sehen als Kirchenmitglied X oder Nicht-Kirchenmitglied Y. Angenehm finde ich, dass er nicht in das (freilich naheliegende) Lamento über den Niedergang der Religiosität in unserer Zeit in Europa einstimmt, sondern auf hoffnungsvolle Aufbrüche hinweist. Darauf, dass die moderne Naturwissenschaft nicht in erster Linie die Religion, sondern vor allem den missionarischen Atheismus in Schwierigkeiten gebracht hat, muss man erst mal kommen! Ich hätte gern fünf Sterne "verliehen", aber beim Kapitel über die Weltreligionen war ich doch etwas befremdet, wie ihr Gottesbild (vor allem das des Hinduismus) praktisch mit einer Handbewegung abgetan wurde - das fand ich nicht angemessen. Doch davon abgesehen - ein beachtliches Buch, das hoffentlich bei einigen Lesern Nachdenklichkeit ausgelöst und einen neuen Blick eröffnet hat.
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am 4. Mai 2015
Dieses Buch ist wirklich gehaltvoll. Manfred Lütz, er schreibt das auch irgendwo im Buch, will hier mit dem Leser/der Leserin ins Gespräch kommen. Ins Gespräch über Glauben und ins Gespräch über Gott.
Es ist kein typisches Sachbuch, das einem die Fakten und Aspekte mundgerecht serviert, aufbereitet und präsentiert.
Manfred Lütz stellt im Buch eher seinen Glauben und seinen Zugang zum Glauben dar.
Er lässt die Leserin / den Leser daran teilhaben.
Damit ist das Buch an manchen Stellen ein wenig schwerfällig. Ich musste an einigen Stellen gut und länger knabbern, bis ich verstanden hatte, was er damit sagen will.
Die Gliederung des Buchs ist auch nicht so richtig glücklich. Also nicht so richtig glücklich, um das Buch und den Gehalt des Textes leicht und schnell aufzunehmen.
Mir hat an ein paar Stellen das ganz klare "Faktenwissen" gefehlt. Also was meine ich damit? Also das Wissen darüber, was die Position der katholischen Kirche oder des Katechismus nun so ganz genau ausmacht. Ich denke es ist auch eher ein Buch für katholische Christen.

Was hat mir gefehlt? Für mich hätten es noch ein paar mehr Quellenangaben bzw. eine bessere Einbindung der Quellenangaben in den laufenden Text sein können.

Auch wenn ich das Buch erst nach mehreren Anläufen gelesen hatte, gebe ich dem Buch 5 Sterne. Es war für mich nicht so locker und leicht zu lesen.
Wer ein Buch erwartet, das ihm / ihr immer klar und deutlich sagt, was hier und da "Sache" oder eine Position der Kirche ist, wird vom Buch enttäuscht sein. Wer sich auf diesen Dialog - eigentlich ist es ein Monolog - des Verfassers einläßt und diesen mitzudenken bereit ist, wird sicher großen Nutzen und Gewinn aus dem Buch ziehen. Ich habe auch viele neue - mir bisher unbekannte - Fakten erhalten. Als Beispiel will ich dafür nennen: Die Geschichte des Galileo Galilei wird sehr schön und sehr anschaulich dargestellt.

Es ist kein Buch bei dem man nachschlagen kann und dann auf Seite XXX oder UUU diese oder jene Position erläutert findet. Das sollte man wissen.
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am 25. Januar 2009
Ich hatte Dr.Lütz vor der Lektüre des Buches in einigen Fernsehsendungen gesehen, von daher machte mich der Titel des Buches neugierig...insgesamt sehe ich seine Ausführungen eher kritisch. An vielen Stellen liest sich sein Werk wie eine Werbeschrift für den Katholizismus. Bei aller persönlichen Sympathie für den Katholizismus muß ich hier doch einige seiner Positionen hinterfragen.
In einigen Rezensionen wurde schon auf den "flapsigen" Stil des Autors hingewiesen. Nach meinem Eindruck wird dieser Stil um so mehr deutlich, je mehr dem Autor die rationalen Argumente ausgehen. Insbesondere sein allzu sorgloser Umgang mit dem Phänomen der Inquisition lässt mich an manchen Stellen geradezu schaudern.Von dem Wort "Wer unter Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein" des Religionsstifters bis zum Schrecken der Hexenprozesse ist es ein weiter Weg. Der Mensch des 21.Jahrhunderts kann sich wohl kaum vorstellen, in welcher Atmosphäre der geistigen Unfreiheit die Menschen der damaligen Zeit lebten. Aber für die "Sonderlinge" dieser Epoche findet Lütz flugs seine eigenen Erklärungen: Galilei war ein Narzißt, der ohnehin keine bedeutenden wissenschaftlichen Leistungen vollbracht hat, Giordano Bruno war ein "Spinner"...kein Wunder also lt.Lütz, dass diese Leute Opfer der kirchlichen Gewalt wurden. Was Lütz hier gerne verschweigt, ist , dass die heute notwendige Trennung von Staat und Kirche und die heute damit verbundenen Segnungen ein Kind der Französischen Revolution als Kulminationspunkt der Aufklärung und der damit verbundenen Gedankenfreiheit waren. Auch die Reformation stellte eine notwendige Korrektur dar: durch die Übersetzung der Heiligen Schrift ins Deutsche durch Martin Luther wurde das christliche Gedankengut erstmals breiten Schichten der Bevölkerung zugänglich. Eine aufgeklärte Kirche war also nur möglich durch korrektive Elemente der Geschichte, im Falle der Aufklärung vor allem außerhalb der Kirche.Ohne diese Bewegungen hätte sich die Kirche nicht verändert. So ist auch ein 2.Vatikanisches Konzil nur möglich geworden, weil der Klerus , und hier im Besonderen Papst Johannes XXIII, sich diesen Strömungen öffnete. Auch eine kritische Exegese ist nur denkbar durch die Aufklärung. Im Islam, dem das Phänomen der Aufklärung bis heute nicht widerfahren ist, finden wir praktisch keine kritische Exegese. Auch am Konzept des islamischen "Gottesstaates" können wir das Fehlen dieses aufklärerischen Gedankengutes sehen. Der Glaube kann also nur ein Kind der Freiheit sein!
Lütz versucht außerdem, als Argumente für die Existenz Gottes die Quantenmechanik anzuführen. Es ist immer wieder interessant, wie Menschen, die von dieser Materie nichts verstehen (und ich schließe mich da ausdrücklich mit ein), sich diese zunutzemachen. Ich unterstelle Lütz als Arzt und Theologe jedenfalls, dass seine Kenntnisse in diesem Gebiet unzureichend sind.
Die Wissenschaft ist meiner Ansicht nach der falsche Bezugsrahmen für diese Frage. Die Wissenschaft beantwortet die Frage "Was ist?" streckenweise exzellent, bei der Frage "Warum ist?" muß sie allerdings passen. Wahr ist jedoch sicher, dass sich Menschen über die Beschäftigung mit der Wissenschaft der transzendenten Frage öffnen können: Heisenberg, Einstein, Bohr, auch C.F.von Weizsäcker wäre hier zu nennen. In den 70er Jahren finden wir das Phänomen bei F.Capra, der hier allerdings eher den geistigen Unterbau für die New Age Bewegung geliefert hat.
Fazit:Für meine Begriffe zu schlampig und tendentiell verfasst, ich hätte mir deutlich mehr erwartet.
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am 25. Oktober 2011
(Eine Bemerkung vorweg: Bücher mit religiösen Themen werden manchmal verrissen, weil der Rezensent grundsätzlich anderer Meinung als der Autor ist. Das ist hier nicht der Beweggrund der schlechten Bewertung. Ich bin Christ, und damit Theist.)

Eines Tages entschied sich Manfred Lütz, ein Credo zu verfassen. So oder so ähnlich dürfte es zu diesem Buch gekommen sein. Recherchiert scheint Lütz dafür nicht zu haben. Nicht nur, dass fast allen Zitaten die Quelle fehlt - selbst der Verfasser/Urheber div. Aussprüche bleibt ungenannt und wird nonchalant durch "man" ersetzt. "Man sagt." Aha.

Doch auch dort, wo Lütz sich explizit auf Autoritäten bezieht, neigt er stark dazu, Standpunkte tendenziell darzustellen und sie beliebig bis zur Unkenntlichkeit zu verkürzen. Auch hinterfragt er die Weisheit der Masse oder eines Gelehrten nur dort, wo es ihm argumentatorisch in den Kram passt, und übernimmt andererseits selbst so öffentlichkeitswirksam entkräftete Aussagen wie die Pascal'sche Wette bedenklos bzw. ohne die Gegenseite zu Wort kommen zu lassen. Wer dem Mediziner und Theologen bis dato zugetraut hatte, mit wissenschaftlicher Integrität verschiedene Standpunkte fair gegeneinander abzuwägen, wird leider schon in diesem Punkt enttäuscht.

Andere Themen (wie beispielsweise Freuds mittlerweile ja zurecht umstrittene Psychoanalyse) scheint Lütz nur deshalb so ausführlich zu behandeln, um im nächsten Atemzug halbwegs verwandtes Gedankengut (hier Feuerbachs Projektionsthese) per Analogieschluss ("Freuds Psychoanalyse ist falsch, also auch die psychologische Erklärung der Entstehung eines Gottesbildes") zu widerlegen. Wie unsinnig dieses Vorgehen ist, wird in diesem Beispiel deutlich, führt man sich vor Augen, dass Feuerbachs "Wesen des Christentums" 15 Jahre vor Freuds Geburt erschien. Richtig ist, dass Feuerbachs Thesen nichts Definitives darüber aussagen können, ob es nun tatsächlich einen Gott gibt oder nicht - das kann Lütz' Buch aber ebensowenig.

Dazu kommt ein Nachwort, dass besser als Vorwort dem Werk vorangestellt worden wäre, da Lütz darin unumwunden zugibt, hier nicht nur rein subjektiv zu fabulieren (weckt doch der Untertitel mit seiner Andeutung von "Geschichte" die unterschwellige Erwartung nach Transsubjektivität und dem Abwägen aller beteiligten Seiten), sondern das Ganze eigentlich witzig zu meinen. Viele seiner Plattitüden und groben Ungenauigkeiten können ihm so ja nachgesehen werden - Fasching bspw. ist ebenfalls meine Sache nicht, vielleich also kein Wunder, dass ich beim Lesen diese "lustigen" Textes immer wieder die Hände über soviel Blödsinn vor den Kopf schlagen musste. Der Fremdschäm-Faktor war stellenweise auch wirklich ebenso hoch wie beim Ansehen der TV-Übertragung einer Karnevalssitzung.

Trotzdem gebe ich diesem Buch 2 Sterne. Warum? Weil es Lütz immerhin gelungen ist, mein kritisches Denken zu vielen seiner Thesen zu aktivieren. Das fing gleich auf der ersten Seite an, wo Lütz behauptet, Theisten und Atheisten würden natürlich vollkommen unterschiedlich leben. Wirklich? Wäre das so, müsste man beide Gruppen auf den ersten Blick auseinanderhalten können, was aber in der Regel nicht der Fall ist. Überhaupt ist überall dort Vorsicht geboten, wo Lütz behauptet, etwas sei "natürlich" so oder so. Diese skeptische Haltung hielt beim weiteren Lesen an, wobei ich lediglich beklagen möchte, dass Lütz es dem Kritiker wirklich oft zu einfach macht. So kann dieses Buch auch als mahnendes Denkmal dafür gelten, wie man heutzutage besser keine Religionsapologetik mehr betreibt.
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am 11. März 2015
Ich habe dieses Buch bisher zweimal gelesen. Einmal vor einigen jahren als Christ und jetzt nochmal als Atheist und kann aus heutiger Sicht sehr gut nachvollziehen, warum mich das Buch damals sehr ermutigt hat, ich aber heute immer wieder mit kopfschütteln davorsitze. Wer hier eine neutrale Auseinandersetzung erwartet bei der die besten Argumente und bohrensten Fragen der jeweiligen Seite beleuchtet werden, der wird ziemlich enttäuscht werden, obwohl Manfred Lütz diesen Anspruch im Vorwort erhebt. Zugegeben, ich glaube kaum das irgendjemand jemals neutral über diese Frage schreiben kann, von daher sei ihm da vergeben. Was mich in erster Linie gestört hat, ist eine Art christlich-katholischer Chauvinismus. Christen mag das nicht auffallen, aber mir hat noch keiner ein schlüssiges Argument genannt warum es ausgerechnet ihr Gott wahrscheinlicher ist, als alle anderen. Bei Lütz wird Polytheismus regelmäßig als abstoßend und chaotisch bezeichnet, aber kein Grund genannt, warum er sich so auf den christlichen Gott stürzt, außer das es nunmal sein "Heimatreligion" (was bei vielen auch der einzige Grund zu sein scheint). Ich halte zwar beides für gleich unwahrscheinlich, könnte aber alle Theisten, die keine Christen sind, verstehen, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlen.
Zweitens drängt er den Leser im Kapitel "Der Gott der Philosophen" zu einer Alles-oder-nichts-Entscheidung. Als einzige Option die einen Atheismus zulässt, sieht er die Philosophie Nietzsches, denn wenn es keinen Gott gibt, gibt es auch keine Moral und jedes moralische Handeln sei unvernünftig, man lebt letztendlich in einer sinnlosen Welt und geht zum Schluss ins Nichts. Alle konsequenten Atheisten müssten also nach ihm auch Nihilisten sein. Daran haben mich zwei Dinge gestört. Erstens, warum braucht man eine göttliche, absolute Moral überhaupt? Und wo soll die herkommen, aus der Bibel? Die ist zwar im NT stellenweise okay, was die Moral angeht,a ber alles in allem doch eher kein Buch, das man als die absolute Grundlage der Moral nehmen sollte. Vor allem weil sich so viele Leute darüber uneinig sind.
Zweitens stellt er das "ewige Nichts", für das sich die Atheisten entscheiden immer als extrem unangenehme Option dar, die man ja kaum ernsthaft wählen könne. Was daran so schlimm sein soll, erschließt sich mir nicht. Schließlich ist ja aus seiner Sicht nicht die Hölle, wie es im katholischen Kathechismus steht. Der Zustand nach dem Tod wird wahrscheinlich der selbe sein, wie vor der Geburt. Das ist weder angenehm noch unangenehm, sondern einfach neutral und aus meiner Sicht, auch ein wenig erleichternd.

Fazit: Als Christ findet man dieses Buch gewiss sehr erbaulich, aber es sei gesagt, dass es die harten Fragen des Glauben oder eben Nicht-Glaubens verpasst. Für Atheisten ist dieses Buch unterhaltsam zu lesen und auch ein geistige Herausforderung durch alle Gebiete hindurch, auch wenn es ein paar mal die ewig durchgekauten Vorurteile mit sich bringt.
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TOP 1000 REZENSENTam 5. September 2010
... so habe ich das Buch verstanden um das Zitat von Blaise Pascal nochmal wieder zu geben:

"Im Fall das Gott existiert, ist der Gewinn unendlich, im Falle er existierte nicht, der Verlust gering. Würde man jedoch darauf wetten, er... existiere nicht, dann wäre im Falle, er existierte wirklich nicht, der Gewinn gering. Falls es ihn aber aber in Wirklichkeit doch doch gibt, wäre der Verlust der ewigen Glückseligkeit eine selbst verschuldete unendliche Katastrophe".

Am Anfang des Buches hatte ich so meine Schwierigkeiten zu verstehen worauf der Autor eigentlich hinaus will. Von daher kann ich die Kritik verstehen, die sagt, das dieses Werk etwas zusammenhangslos scheint. Aber im Enddeffekt ist dem nach meiner Ansich nicht so. Etwas über den Tellerand hinaus, versucht er zu erklären, warum der Glaube im Endeffekt das richtige ist und warum alles andere eventuell (wenn man glaubt) scheitern muss. Die Rechnung des Blaise Pascal, gibt eigentlich in Kurzform den Inhalt des Buches wieder, das der Autor auf seine eigene Art und Weise wiedergibt.

Ich fand vieles plausibel und habe für mich durchweg gute Sachen herausgezogen, die für weitere Auseinandersetzung des Themas Gott, Atheismus von nutzen wären.
Was mir weniger gut gefallen hat ist die Tatsache, das der Autor übersieht, das die Kirche leider nicht so rein und makellos ist, wie von Ihm beschrieben. Ich habe lange Zeit hinter die Fassade geschaut und finde, da wäre mehr Objektivität da gewesen. Siehe das Buch von Kardinal Kasper: "Wo das Herz des Glaubens schlägt". Von daher ist am Ende des Buches viel ein Glaubensbekenntnis, das aber zu idealisiert wirkt, wenn man sich mit der Kirche intensiv also auseinandergesetzt hat, wird man schnell enttäuscht.
Aber davon einmal abgesehen, fand ich das Buch sehr anregend und kann es vorbehaltlos empfehlen für alle die sich mit der Thematik näher beschäftigen wollen.
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am 30. März 2010
Dieses Buch ist eine Streitschrift im doppelten Sinne: Man kann mit ihr streiten - eben für den Glauben - man kann aber auch über sie streiten. Denn der Autor macht aus seiner Überzeugung keinen Hehl und vertritt sie bis zur zugespitzten Polemik.

Doch Lütz schreibt elegant, manchmal ziemlich flappsig, aber auf alle Fälle lesenwert. Außerdem ist das Buch gespickt mit Zitaten und Querverweisen zu Relgion, Philosophie, Geschichte und Kunst, die Appetit machen, in das Thema "Gibt es Gott, und wenn ja, warum?" tiefer einzusteigen. Schließlich ist die eigene, ganz persönliche Antwort auf diese Frage vielleicht die wichtigste, die ein Mensch überhaupt finden kann. Ich habe dieses Buch sehr,sehr gerne gelesen, und es strotzt vor kleinen gelben Zettelchen und Randnotizen.
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am 25. April 2011
Dies ist ein leidenschaftliches Plädoyer fürs Christentum genauer für die Römisch Katholische Kirche (RKK). Die "Geschichten des Größten" in anderen Religionen werden kurz gehalten.
Lütz schreibt umgangssprachlich und in saloppem Ton, manchmal etwas zu bemüht salopp ("Elton John und die nackte Venus"). Im thematischen Mittelpunkt stehen Fragen zu Gott, Werten und das Verhältnis der RKK zu den Wissenschaften. Die apologetische Grundhaltung und das Bemühen locker zu schreiben sind nicht immer zum Vorteil der Verständlichkeit. So benennt Lütz wichtige Eigenschaften Gottes, wie "allmächtig, allgütig, allwissend etc." erst auf S. 195. Dem Titel und Anspruch nach erwartet man eine Abwägung von Pro und Contra zu bestimmten Fragen (die formuliert Lütz selten ausdrücklich) und wird enttäuscht.
Lütz argumentiert manchmal mit fairen und oft mit unfairen Tricks für sein Christentum. Die unfairen Tricks umfassen so ziemlich alle Suggestivtechniken und Fehlschlussarten.
- Schon im Inhaltsverzeichnis erkennt man massive Pauschalierungen ("Gott der Wissenschaftler").
- Wenn moralisch alles erlaubt wäre, ist "die Sau rauslassen" die scheinbar unabdingbare Grundhaltung des Autors (Fehlschluss!).
- Die anderen Religionen und ihre Begründer und Vertreter, auch manche Wissenschaftler werden abfällig beurteilt.
Inhaltlich leidet das Buch an faktischen Sorglosigkeiten bis Fehlern und Widersprüchen. Die Fragen werden kaum ausgesprochen. Je nachdem was man unterstellt werden sie beantwortet oder man vermisst überzeugende Antworten. Meine Lektüre brachte mich ins zweite Lager. Das Buch kann nur denjenigen empfohlen werden, die erfahren wollen, wie man mit fast 300 Seiten Reden über Gott in die Bestsellerlisten kommt und reichlich Kohle macht, entgegen der Behauptung des Autors mit Glaubensdingen könne man nicht wirklich Geld machen.
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