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Kundenrezensionen

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Monsieur Perdu betreibt eine Buchhandlung in einem alten Lastkahn auf der Seine. Eine Bücherapotheke soll es sein, er verkauft nur Bücher, die seine Kunden heilen sollen. Einzunehmen bei Liebeskummer, Weltschmerz und zur Überwindung von Erwachsenenängsten.

Sich selbst kann er nicht heilen durch die Bücher. Im Gegenteil, er hat aus Büchern eine Mauer um sich herumgebaut, eine Mauer, die ihn vor dem Leben schützen soll. Besonders dick ist die Mauer vor dem Lavendelzimmer, dem Zimmer seiner großen Liebe, die ihn vor einundzwanzig Jahren verlassen hat. Jetzt zieht eine neue Frau in dem Mietshaus ein und Monsieur Perdu traut sich erstmals seine Büchermauer einzureißen und das Zimmer zu betreten. Denn er will der neuen Mieterin, die keine Möbel hat, einen Tisch und einen Stuhl schenken.

Mauern einzureißen, ist nicht ungefährlich, das gilt auch für Mauern aus Büchern. Schon gar nicht, wenn die Mauer auf "1984" aufgebaut wurde. Und mit dem Fall dieser Mauer fällt auch die Versteinerung seines Herzens. Erstmals nach über zwanzig Jahren löst er die Leinen seines Bücherschiffes und fährt los. Die Seine hinab, über die Kanäle Frankreichs in die Provence. Dorthin, wo er mit seiner großen Liebe glücklich war.

Ein junger, verstörter Autor springt in letzter Minute auf sein Schiff, einen Bestseller hat er geschrieben und jetzt ist er ratlos und sichert sich mit Ohrenschützern gegen das Leben ab. Hinzu kommt ein neapolitanischer Koch und eine Büchernärrin, die beide ...

Nein, das erzähle ich jetzt nicht. Das müssen Sie schon selbst lesen.

Das Lavendelzimmer hat alle Zutaten zu einem Kitschroman. Viel Liebe, viel Lebensweisheiten, sogar ein Happy-End, für viele deutsche Literaten sicheres Anzeichen für "Finger weg". Nur ist es kein Kitschroman. Sondern eine ruhige Fahrt durch den Sommer; Landschaften, die man riecht und sieht, wenn sie beim Lesen vorbeigleiten; vier Leben, die langsam zu sich selbst finden und vor dem Leser ihre Geheimnisse Stück für Stück preisgeben; viel sinnlicher Tango und Erotik und die Erkenntnis, dass man Erinnerungen und das Leben nicht einfach aussperren kann. "Erinnerungen sind wie Wölfe. Du kannst sie nicht wegsperren und hoffen, dass sie dich ignorieren."

Doch so einfach ist das alles nicht. Denn "Im Kopf stand er [Monsieur Perdu] immer noch im Flur seiner Wohnung, vor einer Bücherwand, die ihn einmauerte." Ihm steht noch einiges mehr bevor als eine gemütliche Wasserreise in einem alten Lastkahn.

Poetisch und herzzerreißend, traurig und tröstend, anregend und vor dem Schlafengehen einzunehmen ist dieses Buch selbst eine Herzmedizin. Eines der Bücher, die man nicht schnell liest, sondern langsam an sich vorbeigleiten lässt, Stückchen für Stückchen, immer wieder aus der Hand legt, weil man Atem holen, seinen eigenen Träumen nachhängen will. Ein Buch, das lange nachklingt.

Hans Peter Roentgen
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am 18. Juni 2013
Grundsätzlich bin ich kein eifriger Schreiber von Rezensionen. Wenn ich aber zu einem einzigen Buch eine Rezension schreiben müsste,ja, wenn ich in meinem Leben nur ein einziges Buch lesen dürfte - es wäre ganz sicher dieses!

Ich kann mich nicht erinnern, dass mich ein Buch jemals so fasziniert hat. Man möchte lachen, wenn man es liest, dann weinen, dann fühlt man sich traurig und im nächsten Moment derart erleichtert und hoffnungsvoll, dass man es kaum glauben kann.

Nina George schreibt so poetisch, dass man "Das Lavendelzimmer" gar nicht schnell lesen kann, man wird förmlich dazu gezwungen, es zu genießen. Und das tut man, wenn vom Lavendel- oder Rosmarinduft aus der Provence derart detailliert geschrieben wird, dass man es selbst riecht. Oder die malerischen Sonnenuntergänge in Sanary-sur-mer - ich habe tatsächlich das Gefühl, selbst dort gewesen zu sein.
Jeder Satz ist derart durchdacht und teils so wunderschön, dass es einem beim Lesen die Tränen förmlich in die Augen treibt. Schon das an ihren kürzlich verstorbenen Vater gerichtete Vorwort von Frau George zeigt, wie poetisch sie schreiben kann.
"Das Lavendelzimmer" ist einfach ein kluges Buch, das dabei hilft, sich auf die wichtigen Dinge im Leben zu konzentrieren. Ähnlich wie die Kunden in der "Literarischen Apotheke" von Jean Perdu habe ich das Gefühl, dass ich dieses Buch lesen SOLLTE, weil es einfach hilft.

Fazit: Dieses Buch MUSS man lesen! Es ist nicht kitschig (wie es der ein oder andere eventuell vermuten mag) und durchaus nicht nur für Frauen gedacht. Wer sich gut fühlen möchte, ist hier absolut richtig! 5 Sterne!
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am 29. Mai 2014
"Das Lavendelzimmer" von Nina George ist kein Buch, das man "mal eben so runterliest", obwohl es angenehm leicht geschrieben ist. Es ist auch kein Buch, das man beendet, weglegt und sofort das nächste anfangen kann. Nein, es nimmt mit auf eine gedankliche Reise durch das schöne Frankreich, das als Hintergrund für die Geschichte - die überall hätte spielen können - nur zuträglich ist, weil es das Flair wunderschön unterstreicht.

Warum dann "nur" vier Sterne? Weil zum "gefällt mir sehr" trotz allem der letzte Funke gefehlt hat. Ich habe gelacht, ich habe geweint, ich habe geschmollt, nachgedacht und versucht zu verstehen. Eigentlich war alles dabei - und dennoch bleibt mir die weibliche Protagonistin, die niemals direkt auftaucht und höchstens in ihrem Tagebuch selbst spricht, ein Rätsel. Über weite Strecken des Buches erschien sie mir nicht sympathisch, einfach weil ich ihr Handeln nicht nachvollziehen konnte. Ebenso wenig passte dann die totale Abschottung des männlichen tatsächlich agierenden Protagonisten für mich (obwohl sie zum Buch passt). Das klingt mehr nach zwei bis drei Sternen? Ja, doch der Schluss hat mich mit der Dame versöhnt. Ihr selbstloses Handeln macht ihr doch relativ selbstsüchtiges Handeln zuvor wieder wett.

Mit Monsieur Perdu durch die Stadien der Trauer zu reisen, all die klugen Gedanken mitzunehmen - das war Balsam für die Seele. Wem "Das Lavendelzimmer" gefallen hat, dem könnte auch "Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry" von Rachel Joyce gefallen. Ähnliche Handlungsgrundlage, aber ganz andere Umsetzung und ebenso bezaubernd.
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Jean Perdu wurde vor 21 Jahren von Manon verlassen. Der Brief, den sie ihm geschrieben hat, hat er nie gelesen und bewahrt ihn im Lavendelzimmer auf. Ein grosser Fehler, wie sich nun herausstellt. Er verlässt Paris mitsamt seiner Schiffsbuchhandlung "literarische Apotheke" und dem Erfolgsautor Max Jordan, der gerade mit einer Schreibblockade kämpft. Auf ihrer Reise, auf Flüssen und Kanälen, in Richtung Provence kommen beide ihren Sehnsüchten näher.

Das Buch überrascht immer wieder mit Handlungen, neuen Figuren und vor allem mit einer wunderbar poetischen Sprache. Ein wunderschöner Roman über das Leben, die Liebe und Sehnsüchte. Faszinierend, teilweise traurig, aber immer bezaubernd.

Obwohl ich das Buch auf meinem Kindle gelesen habe, hab ich es mir als Papierbuch gekauft – dies ist eins der seltenen Bücher, von dem man sich die sprachlich wunderschönen Sätze nicht nur auf der Zunge zergehen lassen, sondern auch im Buch farbig anstreichen muss, damit man sie immer wieder lesen kann.
„Das Lavendelzimmer“ war mein erstes Buch von Nina George, und auf jeden Fall nicht das Letzte! 5 Punkte.
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Die vielen positiven Reaktionen auf dieses Buch haben mich neugierig gemacht. Es muss etwas dran sein an diesem Roman, so viele Leser können sich nicht irren. Ich konnte seinem Charme jedoch nicht erliegen, meinen Geschmack hat es nicht getroffen.

Der Charakter des Protagonisten, Monsieur Perdu (schöner, sprechender Name), überzeugt mich nicht. Dieser total nette Mann wirkt aus der Zeit gefallen. Ich halte es nicht für glaubwürdig, dass ein Mann nach einer enttäuschten Liebe über zwanzig Jahre keine Frau mehr ansieht und ein Zimmer seiner Wohnung nicht mehr benutzt. Letzteres ginge schon wegen der Mietpreise in Paris gar nicht... Die Idee mit der Literarischen Apotheke (in Anlehnung an Erich Kästners Lyrische Hausapotheke?) bzw. dem Bücherschiff ist toll. Allerdings kann kein Buchhändler es sich leisten, in dem Umfang Bücher zu verschenken und seine (wenigen?) Kunden zu bemuttern, wie M. Perdu das tut. Jedenfalls nicht, wenn er von seiner Buchhandlung leben muss. Das ist leider nur ein schöner Traum. Irritiert hat mich, dass der französische Buchhändler so häufig Erich Kästner und andere deutsche Autoren zitiert. Müssten es, den Nationalstolz der Franzosen berücksichtigend, nicht eher Camus, Sartre, Le Clezio oder Houellebecq sein?

Nicht nachvollziehen kann ich die Idealisierung des Dreiecksverhältnisses zwischen Jean Perdu, seiner geliebten Manon und deren Ehemann. Beide Männer akzeptieren die Doppelbeziehung ihrer Frau/Freundin. Das ist vielleicht Wunschdenken der Autorin, aber alles andere als realistisch.

Ich habe mehrfach gehört, das Buch sei voller Lebensweisheiten. Das kann ich für mich so nicht bestätigen. Ich habe diese vermeintlichen Lebensweisheiten eher als Binsenweisheiten empfunden.

Leider kann mich das Buch auch sprachlich nicht überzeugen. Sie Sprache ist so schlicht, dass ich kaum glauben kann, dass die Autorin im Hauptberuf Journalistin ist.

Ich habe nichts gegen Kitsch. Manchmal gefällt er mir sogar. Aber dieses Buch kann ich noch nicht mal als Kitsch ertragen.
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am 15. November 2013
“Ein Buch ist wie Mediziner & Medizin zugleich. Es stellt Diagnosen und ist Therapie.” Zitat, Seite 37

Die Geschichte um das Lavendelzimmer ist wie ein Traum, aus dem man nicht mehr aufwachen will. Es ist die Geschichte von Freundschaft und Liebe, von Verlust und Neuanfang und vom Leben selbst. Es ist die Reise durch ein facettenreiches Frankreich und die Reise ins Innere eines Menschen.

Sie hat mich verzaubert. Ja, Nina George's Geschichte hat mich unendlich berührt. Wie ein kleines Mäuschen bin ich durch sie gehuscht. Seite um Seite habe ich Zimmer und Landschaften erkundet, konnte Gedanken lauschen und liebevolle Gesten der Liebe und Freundschaft erfahren. Ich wurde zum stillen Beobachter. Genoss die liebevollen Zeilen, die sich wie eine sanfte Hand an meine Wange geschmiegt und mich umschmeichelt haben.

“Das Lavendelzimmer” erzählt die Geschichte von Jean Perdu, einem Buchhändler in Paris, der auf seinem Bücherschiff >pharmacie littéraire< Romane wie Medizin fürs Leben verkauft. Eine literarische Apotheke, die eine Gefühlsbibliothek beinhaltet und den Menschen helfen soll, ihre Leiden zu lindern. Und während Monsieur Perdu versucht, mit seinen Büchern anderen Menschen zu helfen, wieder Ordnung in ihr Leben zu bringen, wird dem Leser sehr schnell klar, dass es Perdus Leben selbst ist, dem Leidenschaft und Gefühl fehlt. Denn seitdem ihn die schöne lebenshungrige Manon eines Nachts verlassen hat, irrt er wie ein Blinder durch die Straßen des Lebens.

“Sie soff das Leben wie Champagner und begegnete ihm genauso: Sie wusste, dass das Leben etwas Besonderes ist.” Zitat, Seite 284

Doch eines Sommers soll sich alles ändern: Manons Brief, den Monsieur Perdu erst einundzwanzig Jahre später zu öffnen wagt, veranlasst ihn, sein Leben in der Rue Montagnard hinter sich zu lassen und sich auf eine Reise in das Herz der Provence zu begeben. Der Heimat von Manon und dem Ort, von dem er hofft, ihn wieder zurück ins Leben holen zu können.

“Du und ich, Jean – wer weiß -, sind vielleicht aus dem Staub ein und desselben Sterns, und wir haben uns an seinem Licht erkannt. Wir haben uns gesucht. Wir sind Sternensucher.” Zitat, Seite 140

“Wir bewahren alle die Zeit auf. Wir bewahren die alten Ausgaben jener Menschen auf, die uns verlassen haben. Und auch wir sind noch diese alten Ausgaben, unter unserer Haut, unter der Schicht aus Falten und Erfahrung und Lachen. Genau darunter sind noch die Ehemaligen. Das ehemalige Kind, der ehemalige Geliebte, die ehemalige Tochter.” Zitat, Seite 141

Als eine besonders schöne Idee empfand ich zudem Monsier Perdu's Gefühlsenzyklopädie. Ein Lexikon, das die Allerweltsgefühle der Menschen beschreibt und das ich furchtbar gerne eines Tages als alleiniges Werk von George im Buchhandel entdecken wollen würde.

“Saudade.

Die Sehnsucht nach der Zeit, als man ein Kind war, als die Tage ineinanderflossen und Vergänglichkeit keine Bedeutung hatte. Es ist das Geliebtwerden, das man nie wiederfindet. Es ist Hingabe, die man einmal erlebte. Es ist alles, was ein Mensch nicht in Worte fassen kann.”

Zitat, Seite 175

Als krönenden Abschluss findet man im Anschluss an die Geschichte ein paar Seiten voller Rezepte mit französischen Gerichten, denen man schon in der Geschichte begegnet ist; eine literarischen Notapotheke von Jean Perdu mit Dosierungsanweisung und eventuell auftretenden Nebenwirkungen und eine sehr ergreifende Danksagung der Autorin, durch die “Das Lavendelzimmer” zu meinem persönlichen Lesehighlight 2013 geworden ist. Danke, Nina George – es war mir ein außerordentliches Vergnügen!
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am 10. Oktober 2014
ein zauberhaftes, feinfühliges hörbuch, für romantiker geeignet. In unserer heutigen zeit ein kaum vorstellbares unterfangen, nach dem abrupten verschwinden der geliebten jahrzehntelang seine gefühle und gedanken in einem zimmer, dem lavendelzimmer, in seiner wohnung abzuschließen, um zu vergessen. Diese geschichte rührt den hörer an, zeigt, dass man seinen verletzten stolz auch einmal überwinden muß, um eine beendete liebesgeschichte vllt. im nachhinein zu begreifen.
zauberhaft erzählt, wie Jean Perdu, der Buchhändler mit seiner literarischen Apotheke, die er auf einem Schiff eingerichtet hat, vielen anderen menschen helfen kann, indem er ihnen die für sie passenden bücher empfiehlt. Nur sich selbst kann er nicht helfen, seine verlorene liebe überschattet sein ganzes leben, 21 jahre lang.
den von ihr zurück gelassenen brief hat er im verschlossenen lavendelzimmer ungeöffnet aufbewahrt bis zu dem tag, an dem eine neue nachbarin seine hilfe benötigt und durch zufall findet sie diesen brief und zwingt ihn, ihn endlich zu lesen.
schlagartig verändert er sein leben, mit seinem bücherschiff macht er sich auf die suche nach manon und seine erkenntnisse aus diesem brief treiben ihn an. mit vielen netten weggefährten führt ihn sein weg in die provence, wo er beginnt, sein herz und seinen verstand zu heilen.
sehr schön erzählt von nina george gehört dieses hörbuch zu meinen favoriten.
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am 1. März 2015
Gäbe es zehn Sterne oder mehr, ich würde sie diesem Buch geben. Schon um die meiner Meinung nach ungerechtfertigten Einsternkritiken, oder Zweisternkritiken auszugleichen. Ich bin fast 60, habe so viel gelesen in diesem Leben, habe mit Protagonisten gelebt und gelitten, aber noch nie!! habe ich so einen Schatz von Buch entdecken dürfen! Und so eine junge Autorin! Ich sehe eine alte Seele, ein tiefes Verstehen, Verzeihen und Leiden. Ich bin wirklich nicht kitschig veranlagt, aber dieses Buch ist auch nicht kitschig! Wer versucht, Hesse zu verstehen, wer seine "stufen" liebt, der kann dieses Buch nur staunend bewundern. Noch nie habe ich ein Buch zur Seite gelegt, weil ich eine Pause brauchte, um zu heulen, weil ich so berührt war, weil die Worte so passten, weil meine Seele mit reiste. Es geht hier nicht unbedingt um das Verstehen der Handelnden oder ihre Beweggründe... Dieses Buch geht so wesentlich tiefer, es geht einfach in die Seele. Es betrifft Leben, Sterben, Überleben. Und im Endeffekt: Sich selbst verzeihen können, um zu überleben. Nein - MEINE Worte reichen nicht aus, leider.
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am 25. August 2016
Ich kann die vielen sehr guten Bewertungen für diesen Roman leider überhaupt nicht nachvollziehen. Der Plot der Geschichte ist nicht stimmig: Ein französischer Buchhändler, der ständig Hesse und andere deutsche Autoren zitiert, nie aber französische, ist das glaubwürdig? Eine Sprache, die einmal schwülstig, blumig, poetisch im schlechten Sinn und dann wieder salopp umgangssprachlich daherkommt - auch innerhalb einer Romanfigur. Eine ganze Menge literarhistorischer Unsinn über die deutschen Flüchtlinge in Sanary-sur-mer. Das ärgert. Unendlich viele blumige Beschreibungen südfranzösischer Städte und Landschaften erwecken den Eindruck, als hätte die Autorin aus ihrem Reisetagebuch abgeschrieben. Ich kann mich nur der sehr treffenden Buchkritik von Dennis Scheck nur anschließen und möchte sie hier wiedergeben:

Die Handlung dieses Schmachtfetzens: Ein an seinen Liebesblessuren leidender 50-Jähriger betreibt seit 20 Jahren in Paris eine Schiffsbuchhandlung, wo er jedem geschundenen Seelchen ein literarisches Trostpflästerchen verschreibt. Eines Tages kappt er die Leinen und schippert los... Das ist in etwa so glaubhaft wie ein Roman über eine Ziegenhirtin auf dem Potsdamer Platz in Berlin. Viele so genannte "Frauenromane" sind albern, krude oder klischeebeladen. "Das Lavendelzimmer" ist alles drei, darüber hinaus aber auch noch dumm, und diese Dummheit versucht dieses Buch unter einer dicken Bildungstunke zu tarnen: ein Schaf im Wolfspelz.
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Es gibt Bücher, die möchte man einfach nicht loslassen - weil sie einen selbst nicht loslassen!
"Das Lavendelzimmer" von Nina George ist so ein Buch. Bevor ich aber näher auf dieses Buch eingehe, muss ich etwas weiter ausholen.
Nina George hat mich bereits 2010 mit "Die Mondspielerin" begeistert und ich habe dieses Buch nicht umsonst am "Welttag des Buches" verschenkt. Ich bin der Meinung, dass jeder es gelesen haben sollte. Es ist bis heute tief in meinem Herzen verwurzelt. Und ich bin mir sicher, dass es noch sehr viele begeisterte Leser/innen finden wird.

Ist es also ein Wunder, dass ich "Das Lavendelzimmer" mit ganz besonderen Erwartungen zu lesen begann? Nein. Ganz sicher nicht.
Dieses Mal hat Nina George einem Mann die Hauptrolle in ihrem Buch gegeben.
Jean Perdu, ein verkorkster Buchhändlerin, der vor genau 21 Jahren von seiner großen Liebe Manon verlassen wurde nimmt uns mit auf sein Bücherschiff. Seine "Literarische Apotheke" ist alles was er noch hat, wenn man einmal von seiner Leidenschaft für Puzzles - groß wie Zimmerböden - und der Suche nach einem ganz bestimmten Schriftsteller absieht.
Jeden Tag spenden seine Bücher Trost, Freude und ein kleines bisschen Hoffnung. Doch Jean selbst hat allem was die Seele streichelt schon lange abgeschworen. Er hört keine Musik mehr, weil sie ihn an Manon erinnern könnte und Trost findet er nur in "Südlichter", dem Buch dessen Autor sich hinter einem geschlossenen Pseudonym verbirgt. Oder ist es gar eine Autorin? Seit zwanzig Jahren analysiert Jean verschiedene Schreibstile, doch bisher ohne Erfolg. Wer das Buch geschrieben hat, ist ihm immer noch ein Rätsel.

Rätselhaft erscheint ihm auch der junge Erfolgsautor Max Jordan, der vor seinen Fans in die Rue Montagnard geflohen ist.
Und Catherine. Die ihn zum Essen einlädt, obwohl sie gar nicht kochen kann und ihm gleichfalls befiehlt Teller und Besteck mitzubringen, weil ihr Mann ihr nichts gelassen hat. Jean kommt ihrer Aufforderung nach.
Und für Catherine betritt Jean Perdu auch "Das Lavendelzimmer" in dem der Schlüssel zu ihm selbst verborgen ist ...

Die Botschaft des Buches ist für mich Trauer anzunehmen, aber ihr auch etwas entgegenzusetzen. Und nicht wie Jean Perdu 21 Jahre lang sein Leben zu verschwenden, denn davon kommt niemand zurück. Sei es eine große Liebe oder jemand, der viel zu früh aus dem Leben scheiden musste. Trauer ist wichtig, aber auch das Leben, das bleibt. Und manchmal braucht es ein paar Anstöße um sich aufzumachen sein altes Ich wieder zu entdecken.

Nina George hat diese Botschaft mit viel Herzblut in viele wunderschöne Zeilen verpackt und ich bereue es ein bisschen, dass ich den Postit-Block erst ab der Hälfte des Buches neben mir liegen hatte, um die Seiten mit den kleinen Zetteln zu füllen. Es finden sich Zeilen für Buchliebhaber (Seite 38, erster Absatz!!), Wortliebhaber (Seite 203, Mitte) und für kleine Augenblicke des Innehaltens.

Dieses Buch braucht auf jeden Fall seine Zeit gelesen zu werden. Ich musste es zwischendurch immer wieder zur Seite legen, um den Worten nachzulauschen, mir Tränchen wegzuwischen oder um der Geschichte noch ein bisschen mehr Raum zu lassen, denn sie lebt nicht nur durch den mitreißenden Schreibstil, sondern auch durch seine vielschichtigen Charaktere.

Und sie lebt von der Atmosphäre die sie verströmt. Wer sich nach der Lektüre dieses Buches nicht nach Lavendel, Provence und französischem Wein sehnt, für den hat auch die "Literarische Apotheke" keine Medizin mehr.
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