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am 1. Juni 2013
Der 70-jährige englische Biologe, Forscher und naturwissenschaftlicher Schriftsteller, hat uns mit diesem Buch sein erstes Alterswerk vorgelegt. In die weitere wissenschaftliche Öffentlichkeit ist Sheldrake, mit seinem ersten Buch Das schöpferische Universum" (A New Science of Life: The Hypothesis of Formative Causation) 1981, getreten. Seit 2009 liegt eine erweiterte und überarbeite Neuauflage vor, welche die hitzigen und zum Teil gehässigen Diskussionen über sein Werk, sowie die vielen empirischen Untersuchungen zu seinen naturwissenschaftlichen Annahmen, beinhalten. Er ist ein Nach- und Vordenker über die Erkenntniswissenschaftlichen Annahmen sowie ein nach Grunderkenntnissen suchender Wissenschafts-Philosoph. Mit diesem gleichzeitig in verschiedenen Sprachen erscheinenden Alterswerk hat Rupert Sheldrake eine beachtliche und überzeugende Zusammenfassung seiner forschenden Erfahrungen mit dem für ihn enorm wichtigen, ganzheitlichen Weltbild, geschaffen. Sein Buch ist eine direkte und erfrischende Antwort auf die Thesen des materialistischen wissenschaftlichen Glaubenssystems. Momentan haben wir, so die Wissenschaftshistorikerin, Patricia Fara, weltweit über sieben Millionen wissenschaftliche Forscher, die pro Jahr in etwa 1,58 Millionen Publikationen produzieren.
Einer der wissenschaftlichen Diener des englischen Materialismus, Richard Dawkins, Professor in Oxford für das öffentliche Verstehen der Naturwissenschaft, hat 2007, in seinem Buch, Der Gotteswahn (The God Delusion) versucht, mit rationalen und skeptischen Argumenten dem alten Weltbild des Gottesglaubens den Garaus zu machen. Er plädiert als materialistischer Empiriker für die Falsifizierbarkeit faktischer Grundlagen des jeweiligen, sich rivalisierenden Weltbildes. Neue Fakten und daraus resultierenden Argumente sollen bewiesen werden können. Wenn nicht, sind diese Hypothesen als Glaubenswahn zu diskreditieren. Dawkins hat des Öfteren den gläubigen Anglikaner Sheldrake angegriffen, ihm vorgeworfen, er praktiziere in einem Wissenschaftsfeld, in dem die Befunde nicht empirisch nachgewiesen werden könnten. Dabei blickt Dawkins in den leeren Spiegel der eigenen Nichtrealisierung, selber mit seinen Glaubenssätzen systemisch verfangen zu sein. Sheldrake nun spiegelt, mit seinem Reflektieren über die wichtigsten zehn Dogmen der modernen Naturwissenschaft, indirekt frisches Licht in die Dunkelkammern der vergehenden, jedoch immer noch finanziell, technisch und institutionell machtvollen materialistischen Naturwissenschaft. Sheldrake sorgt sich um mehr als nur eine wissenschaftliche Revolution im Paradigma-Wechsel, wie von Thomas Kuhn in seinen Thesen von 1962 dargelegt, zu propagieren. Er back nicht anderen Kuchen oder will ihn anders verteilen, sondern er öffnet eine neue Bäckerei. Jochen Lehner, sein Übersetzer aus dem Englischen hat elegant, flüssig und genaue Arbeit geleistet.
Seit über 30 Jahren propagiert Sheldrake die Hypothese der morphogenetischen Formenbildung, der morphischen Resonanz und des Entstehens eines morphogenetischen Feldes. Er nimmt an, dass es morphogenetische Felder gibt, die ähnlich wirken wie elektromagnetische Felder. Wenn lebendige Organismen von dieser Art von Feldern gebildet oder aufgebaut werden können, müssen die Felder selbst eine Struktur oder Ordnung besitzen, die ihrerseits erklärungsbedürftig ist. Diese Felder beziehen ihre Struktur von der tatsächlichen Struktur ähnlicher Organismen aus der Vergangenheit. Sie beziehen sie über eine Raum und Zeit übergreifende Verbindung, sodass die Felder eine Art kumulatives Gedächtnis der betreffenden Art darstellen. Seine Hypothese(n) sind empirisch leicht überprüfbar, da sie Voraussagen postuliert, die sich experimentell testen lassen. Verschiedene Natur und Human-Wissenschaftler(innen) haben es getan. In dem Buch Rupert Sheldrake in der Diskussion (Dürr, 1997) wurden einige Resultate kritisch besprochen und publiziert. In der Ausgabe vom Juni 2005 des Journal of Consciousness Studies, einem Heft mit dem Thema Sheldrake and His Critics: The Sense of Being Glared At" (Freeman 2005), wurde die Kontroverse zu Sheldrakes Wissenschaftsverständnis und die ihm von radikalen Skeptiker zugeschriebene Position als Häretiker von 14 Kritiker neu debattiert. Es gelang diesen nicht seine Hypothese und Forschungsresultate zu falsifizieren. Im Gegenteil, mehrere Resultate seiner Untersuchungen wurden in experimentellen Wiederholungen bestätigt. Wie können wir uns frei machen von Ideologien, Theorien und Lehrmeinungen?
Die zehn Dogmen, welche Sheldrake befragt sind: Ist die Natur mechanisch? Ist die Gesamtmenge der Materie und Energie immer gleich? Stehen die Naturgesetze ein für alle Mal fest? Ist Materie ohne Bewusstsein? Ist die Natur ohne Zweck und Absichten? Ist biologische Vererbung ausschliesslich materieller Natur? Werden Erinnerungen als materielle Spuren gespeichert? Gibt es Geist nur im Gehirn? Sind unerklärliche Phänomene reine Einbildung? Ist mechanische Medizin die einzig wirksame Medizin?
Jedes Kapitel bekommt eine ausführliche Zusammenfassung und einen erweiterten Fragebogen direkt an Materialisten gerichtet. So gestaltet Sheldrake sein spannendes Lesebuch als Einladung die eigenen Annahmen zu überprüfen, die Illusion der subjektiven Objektivität anzuerkennen und einer erfrischenden Zukunft der Geistes-und Naturwissenschaften Glauben zu schenken. Wir glauben zu wissen, und wir wissen, dass wir glauben zu wissen was wir glauben. Die eigene subjektive Seite der Erfahrung der Wirklichkeit in ihrer Vielseitigkeit der Erkenntnismöglichkeiten ist und bleibt wissenschaftlich relevant. Sheldrakes Wissenschaftsverständnis basiert auf seiner erfolgreichen Erforschung der komplexen Wechselwirkungen von Geist und seiner Verkörperung. Sein Buch bietet für Forschungsfreudige viele mögliche Forschungsansätze, wie zum Beispiel Experimente zu Experimenten, ...um zu ermitteln, wie weitgehend die Experimentator - Erwartungen die Ergebnisse in den harten" Wissenschaften beeinflusst." In seinem wissenschaftlichen Diskurs möchte er, dass wir zu einem eigenen Sagen kommen, damit die, welche freie und unabhängige Forschung betreiben, wie er es uns drei Jahrzehnte lang vorlebte, im Wissenschaftsbetrieb unsere Erfahrungen gehört, respektiert und angenommen werden. Die tiefe Subjektivität des Verstehens im grösseren Gesamt-Bewandtnis-Zusammenhang ist ein objektiver Teil unserer Lebensgeschichte. Sheldrake plädiert für einen neuen Dialog mit den Religionen, als Traditionen und der spirituellen Realität unserer Wesenheit, damit wir, schlussendlich, die Seele als Natur erkennen mögen. Wir mögen Seite an Seite forschen, ist sein Tipp. Sich so gegenseitig und zusammenwirkend bereichern mit dem, was wir in und durch die kosmische Evolution erahnen können. Vielleicht ist menschliche Forschung implizit ein selbstorganisierendes System das sich in der Zeit ausbreitet und von den sinngebenden Attraktoren der Zukunft angezogen wird, wie die Motte vom Licht. Was könnte daraus folgen? Sie hat als Raupe was gelernt, nämlich, dass eine vollständige Metamorphose in sich Erinnerungsspuren bewahrt, welche weitere Entwicklungen ermöglichen. Das gibt Mut, nicht länger an Vorstellungen und wissenschaftlichen Dogmen fest zu halten, die längst überholt sind.
Theodor Itten Sankt Gallen
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am 10. Dezember 2012
Die Naturwissenschaften, die einst die Aufklärung und die Emanzipation vom dogmatischen Glauben der Kirche ermöglichten, sind mittlerweile selbst zur Religion geworden, die Wissenschaftler Priestern gleich. Die "Heilige Inquisition" dieser Priesterkaste verbrennt zwar keine Ketzer und Andersgläubigen mehr, dafür strafen sie sie mit Nichtachtung, Ignoranz und übler Verleumdung. Paradoxerweise hat dieses Vorgehen seitens des wissenschaftlichen Establishments gegenüber Rupert Sheldrake dazu geführt, dass dieser frei denkende Geist weltweite Forschung, demokratische Forschung!, auf Feldern betrieben hat, die das tatsächliche tägliche (Er-)Leben der Menschen ernst nimmt und den sich hier zeigenden Phänomenen wie der Telepathie nachgeht. In seinem Buch zeigt er auf unterschiedlichsten Forschungsfeldern auf, wie der materialistische Ansatz in der Naturwissenschaft das (Er-)Leben von Menschen ignoriert und immer wieder reduziert!
Aber nicht nur das, die Reduktion auf physikalisch messbare Größen lässt Wissenschaftler immer öfter zu Betrügern werden, wenn ihre Rohdaten z.B. aufgrund von nicht-physikalischen Einflüssen nicht die erwünschten Ergebnisse zeigen. Sheldrake überführt - im Ton immer sachlich und zum Dialog einladend - den materialistischen Ansatz immer wieder aufs Neue der Unaufrichtigkeit und Scheinheiligkeit in ihrer Argumentation: Wenn die Gene "egoistisch" sein sollen, dann setzt das ein Bewusstsein voraus, wenn von "Programmen" gesprochen wird, einen, der das Programm entwirft und schreibt. Jahrzehntelange Forschungen am menschlichen Gehirn haben immer wieder ergeben, dass sich keinerlei physikalische Spuren von Gedächtnisinhalten finden lassen und dennoch wird Sheldrakes These der "Morphischen Resonanz", die die Speicherung von Erinnerungen nicht-physikalischen Feldern zuschreibt, als Scharlatanerie verleumdet - eben weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

Ich habe jahrelang selbst für Rupert Sheldrake Telepathie-Experimente durchgeführt und dabei seine Ernsthaftigkeit gegenüber den Daten - eben auch solchen, die keine Signifikanz aufwiesen, erfahren. Den Phänomenen nachzugehen, wie Menschen sie in ihrem Leben erfahren - wie etwa die Wirkung von Homöopathie, Spontanheilung, Telepathie oder Vorahnungen - wäre derart spannend und viele Menschen könnten sich an den Forschungen beteiligen. Der derzeitige Wissenschaftsbetrieb aber und die Hunderte Milliarden Dollar Forschungsgelder weltweit gehen im Rahmen der sogenannten "Drittmittelforschung" in jene Bereiche, die der Wirtschaft unmittelbare Erträge versprechen (auch wenn das oft ein 'Versprecher' ist, wie an der geplatzten Biotechnologie-Blase abzulesen ist) und nicht in das Entdecken von echtem wissenschaftlichem NEULAND.
Aus Sheldrakes Sicht ist eine "Aufklärung der Aufklärung" notwendig, ja überfällig, damit der forschende Geist des Menschen von den dogmatischen Glaubenssätzen und Tabus der herrschenden Naturwissenschaft - die Quantenphysik einmal ausgenommen - befreit wird. Nicht nur Studenten würden ihrem tiefsten Wunsch nach echten Entdeckungen (statt Bestätigung des erwarteten Ergebnisses) erfüllen können, ja es würde das ganze Feuer des Entdecker-Potenzial der Jugend an den Schulen entfachen - und Freude in den Alltag bringen. Aus meiner langjährigen Arbeit mit schulmüden Jugendlichen weiß ich, wie unbeschreiblich groß dieses Entdecker-Potenzial ist. Sheldrakes Buch ist ein Aufruf an die Emanzipation des freien Geistes und dafür danke ich ihm und kann es jedem freien Geist ans Herz legen!
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am 29. September 2012
Rupert Sheldrake gibt sich jedenfalls Mühe!
Gerne würde ich 5 Sterne vergeben, aber der Preis für das Buch, vor allem als Kindle Ausgabe, ist abschreckend hoch.
Das dicke Buch liest sich gut, nur ganz wenige etwas langatmige Stellen. Ist auch für Nichtwissenschaftler lesbar.
(Wissenschaflter lesen es nur heimlich)

Inhaltlich gewinnt nach meiner Meinung Sheldrake auf ganzer Linie.
Ich finde seine Beispiele und Argumentationen einwandfrei und nachvollziehbar, sowie gut belegt.

Die Anzahl derjenigen denen er in die Parade fährt ist beachtlich:
-Den Religionen, weil sie dogmatisch und nicht wissenschaftlich sind.
-Dawkins, weil er auch unsachlich argumentiert und vieles ignoriert, was nicht in seine Thesen passt
-die Vertreter des mechanistischen Weltbildes im allgemeinen
-Die Vertreter von feststehenden physikalischen Grundkonstanten
-Den Wissenschaftler-Kollegen, denen er implizit Manipulation und unwissenschaftliches Vorgehen vorwirft:
Experimentator Einfluss, Auswahl nur geeigneter Ergebnisse, fehlende Blindversuche.... das hört man nicht gerne

Sheldrake als Scharlatan?

Sein Ansatz mit Morphischen Feldern ist wohl gewagt, aber hätten Sie zu Keplers Zeiten ein Handy vorgeführt wären Sie auf dem Scheiterhaufen gelandet.
Gibt es heute jemanden der ernsthaft anzweifelt, daß man mit Funkwellen Information und Energie übertragen kann?
Giordano Bruno ist so ein Beispiel für jemanden der vor etwa 400 Jahren auf dem Scheiterhafen endete und der damals schon ähnliche Ansätze und Gedanken wie Rupert Sheldrake entwickelt hat.

Rupert Sheldrake hat dem Effekt oder den Beobachtungen einen Namen gegeben und daran allein entzündet sich schon Kritik, Verurteilung oder Ignoranz.

Insofern sind die vorn Rupert Sheldrake aufgezeigten Thesen nicht neu, aber Sie sind mit aktuellen Belegen sehr gut argumentiert und logisch aufgebaut.

Die 1% Idee einer "Volksstiftung" für alternative und ungewöhnliche Forschungsthemen finde ich klasse.
Vielleicht fällt Chinesisch lernen jetzt wirklich leichter wie früher ;-)

Urteil: Unbedingt Lesen! Eigene Meinung bilden.
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am 27. März 2016
Der Untertitel des Buches ist Programm: "Warum der Materialismus ausgedient hat." Rupert Sheldrakes Fundamentalkritik an der modernen Wissenschaft hat begeisterte Anhänger ebenso wie scharfe Kontrahenten gefunden. Sie ist insofern interessant, als sie von einem Denker kommt, der nicht nur als Kulturkritiker argumentiert, sondern als aktiver Forscher den Wissenschaftsbetrieb von innen her erlebt hat. So versteht sich Sheldrake ausdrücklich nicht als Gegner, sondern als Erneuerer der Wissenschaft. Ihm geht es darum, ihre verschüttete spirituelle und menschliche Dimension wieder zu beleben.

Mir scheint seine Kritik indes wenig überzeugend, auch wenn er in Detailfragen bedenkenswerte Argumente vorbringt. Ich will das im Folgenden begründen.

Der Autor beginnt mit der Auflistung von zehn "Dogmen" der Naturwissenschaft. In diesen unhinterfragten Grundüberzeugungen habe sich die "Priesterschaft der Wissenschaftler" festgefahren, müsse sich nun endlich von "einengenden Dogmen" frei machen und die "Tabus des Materialismus" überwinden. Das klingt aufgeschlossen und visionär. Es fällt aber auf, dass Sheldrake bei der Formulierung dieser "Glaubenssätze" keinerlei Quellen nennt. Er behauptet, selber ziemlich dogmatisch, das seien eben die Dogmen der Wissenschaft. Ich hätte mir an dieser Stelle ein wenig "Originalton" gewünscht, Zitate bedeutender (vor allem heutiger) Naturwissenschaftler, die solche Thesen vertreten, vielleicht auch ein paar Erwägungen zur Wissenschaftstheorie (Beweisbarkeit, Falsifizierbarkeit, Experiment). Aber Sheldrake hat Differenzierung oder gar Belege nicht nötig.

Wer ein wenig von der heutigen Forschungssituation weiß, merkt schnell, dass fast alle seine zehn Punkte unhaltbar sind:
(Punkt 1) "Alles ist mechanischer Natur." Das ist angesichts der Quantenphysik Unsinn. Das mechanische Weltbild ist seit 100 Jahren überholt.
(Punkt 2) "Auch menschliches Bewusstsein ist pure Täuschung." Ein solch krasser "epiphänomenalistischer" Standpunkt wird in der Hirnforschung kaum noch vertreten.
(Punkt 4) "Die Naturgesetze stehen ein für allemal fest." Nein. Die Frage nach der möglichen Veränderlichkeit beispielsweise der Gravitationskonstante ist seit langem Thema der Kosmologie und wird ergebnisoffen diskutiert (nach bisherigen Indizien ist sie konstant, aber keiner macht daraus ein Dogma.)
(Punkt 9) "Unerklärliche Phänomene wie Telepathie sind reine Einbildung." Seit hundert Jahren untersucht die Parapsychologie akribisch derartige Psi-Phänomene (leider mit magerem Ergebnis).
(Punkt 10) "Mechanistische Medizin ist die einzig wirksame Medizin." Nein. Alternative Heilverfahren werden in großem Umfang erforscht und auf den Prüfstand gestellt (wobei wirtschaftliche Interessen von Pharmakonzerne ebenso wie die von Verfechtern der Alternativmedizin eher hinderlich sind).

Im Kernteil des Buches stellt Sheldrake in zehn Kapiteln diesen angeblichen Dogmen jeweils seine eigene Weltsicht entgegen. Hier unterlaufen ihm zahlreiche sachliche Irrtümer und Denkfehler, für die er von fundierten Kritikern - wie ich finde zu Recht - attackiert wurde. Einige der Rezensionen bei amazon thematisieren das; im Internet findet man ebenfalls umfangreiches Material dazu. Lesenswert beispielsweise Max Rauners Rezension "Der mit dem siebten Sinn" bei zeit-online. Ich stelle ein paar übergeordnete Überlegungen an.

Es läuft bei Sheldrake eigentlich immer darauf hinaus, von allen denkbaren Erklärungsmodellen dasjenige zu bevorzugen, das ihm irgendwie am wenigsten materialistisch, am geistigsten, am spirituellsten vorkommt. Weisen Forschungsergebnisse in die gewünschte Richtung, sind in Sheldrakes Augen Forscher am Werk, die "ihrer Zeit weit voraus sind". Was seiner Vision widerspricht, ist ihm dagegen Beweis für eine engstirnige Denkweise, die es in einem (sich glücklicherweise bereits abzeichnenden) "Paradigmenwechsel" zu überwinden gilt: Dabei liebäugelt der Autor mit "alternativen" Themen und Thesen aller Art. Er plädiert für Forschungen über Freie Energie, über Geistheilung, Perpetuum Mobile, Telepathie zwischen Mensch und Tier, Paraphänomene von Präkognition bis Telekinese, teleleologische Mechanismen der Evolution (immerhin ist er nicht für den Kreationismus), selbstverständlich Reinkarnation und Lichtnahrung. Kein Thema der Esoterikszene, das er auslässt. Wäre er wenigstens bemüht, die Spreu vom Weizen zu trennen, könnte ich ihm eher abnehmen, dass das eine oder andere Außenseiterthema neue Forschungsbemühungen rechtfertigt.

Auf manchen Gebieten wird es geradezu haarsträubend. Der Gedanke, dass das inzwischen gefundene Higgs-Teilchen in Wirklichkeit gar nicht existiert, sonder nur über telekinetische Effekte durch die Erwartungshaltung der Forschergemeinschaft erzeugt wurde, ist - sagen wir: - gewöhnungsbedürftig. Und rechtfertigt kaum den vom Autor geforderten Einsatz millionenschwerer Forschungsmittel, solange nicht gute Indizien für solche Psi-Effekte in der Physik vorliegen. Alte mythologische, religiöse, philosophische Weltsichten haben es Sheldrake angetan. So erklärt er uns im Rückgriff auf den Panpsychismus von Leibniz und Spinoza, dass Atome Bewusstsein haben, aber keine bewussten Entscheidungen treffen. Er plädiert für Koestlers Holontheorie und für Whiteheads Ansicht, Naturgesetze seien nur "zeitweilige Gewohnheiten der Natur". Er neigt zur Emissionstheorie des Sehens (das Auge sendet Sehstrahlen aus). Über weite Strecken bietet er Begriffe, die ich beim besten Willen nur als Worthülsen empfinden kann - von denen man sich nicht einschüchtern lassen sollte: "Wahrnehmungsfelder", "neurales Projektionshologramm", "schwingende Aktivitätsmuster", "geschachtelte Hierarchien". "Mein Kopf ist größer als der Himmel." Was soll man damit anfangen?

Nun muss man einräumen: Sheldrake behauptet das alles ja nicht. Aber das ist ein durchschaubarer rhetorischer Trick. Er legt sich nicht fest. Seine Masche ist das beharrlich raunende Fragen. "Könnte es nicht sein, dass . . . ?" Fatal ist, dass jeder redlich denkende Naturwissenschaftler diese Frage aus prinzipiellen Gründen bejahen muss. Es könnte in der Tat sein, dass Rupert Sheldrake mit all seinen gewagten Thesen goldrichtig liegt und dass Generationen nachdenklicher Naturwissenschaftler an der Wahrheit vorbei geforscht haben. Ja, das könnte sein. Mehr aber auch nicht.

Der Knackpunkt scheint mir zu sein: Sheldrake missversteht die naturwissenschaftliche Methode. Die nämlich ist unerbittlich. Sie stellt alles auf den Prüfstand von Empirie und kritischer Vernunft. Sie verlangt von ihren Adepten, nötigenfalls auch liebgewordene Hypothesen über Bord zu werfen. Seltsam, dass Sheldrake, der als ausgebildeter Biologe die Spielregeln seines Fachs kennen muss, das nicht sehen kann.

Charmant ist die Idee, am Ende jedes der zehn Kapitel "Fragen an den Materialisten" zu stellen. Sie sollen, so wird dem Leser suggeriert, den eingefleischten Materialisten, Sheldrakes Erzfeind, aus dem Konzept bringen, ihn mit unlösbaren Widersprüchen konfrontieren und in seinem selbstgefälligen Denken erschüttern. Dummerweise sind viele der Fragen trivial und leicht zu beantworten. Manche erfordern ein bisschen zergliederndes Nachdenken, manche sind schief gestellt, etliche rundweg unverständlich. Inspirierend fand ich keine:
- "Sind Sie auf den materialistischen Glauben programmiert worden?"
- "Glauben Sie, dass dunkle Materie erhalten bleibt?"
- "Wenn es die Naturgesetze schon vor dem Urknall gab, wo befanden sie sich?"
- "Reicht Ihre Schädeldecke weiter als der Himmel?"

Interessant wird das Buch noch einmal in den beiden Schlusskapiteln zur "Illusion der Objektivität" und "Zukunft der Wissenschaft". Da stellt der Autor berechtigte kritische Fragen an den Wissenschaftsbetrieb, prangert die interessengeleitete Vergabe von Forschungsmitteln an, Fälschungsfälle, Veröffentlichungs-Bias, Experimentatoreffekt, Mangel an Transparenz und Demokratie. Schade, dass allzu deutlich der Wunsch durchklingt, durch Hinweis auf Fragwürdiges seine eigenen Hypothesen zu stärken. Fair wäre außerdem gewesen, auch solche Fälle zu diskutieren, in denen sich die Naturwissenschaft überzeugend und elegant von Fehlern befreien konnte (z.B. die vermeintliche Entdeckung überlichtschneller Neutrinos beim CERN). Dass Objektivität nur eine Illusion sei, ist billiger Relativismus. Und die "Zukunft der Wissenschaft", wie sie Sheldrake vorschwebt, lockt mich nicht.

Drei Sterne vergebe ich nun doch, weil das Buch flott und unterhaltsam geschrieben ist und manches Wissenswerte aus Forschung und Wissenschaftsgeschichte zusammenträgt. (Dass "der weltliche Humanismus" ein "umgedeutetes Christentum" sei, hat mich allerdings geärgert.) Und es lohnt sich unbedingt, einem der profiliertesten Vertreter naturwissenschaftlicher Fundamentalkritik zuzuhören. Denn er artikuliert ein weit verbreitetes Unbehagen an einer als kalt und seelenlos empfundenen Wissenschaft, die den Menschen aus dem Blick zu verlieren droht. Und er bietet Alternativen. Eigentlich schade, dass die so dürr und haltlos sind.

Eine Schlussbemerkung kann ich mir nicht verkneifen. Ich wurde den Verdacht nicht los, dass da ein Forscher, dessen Lieblingshypothese, die "morphische Resonanz", in der Wissenschaftswelt zwar mit wachem Interesse rezipiert wurde, aber bis heute wenig Zuspruch findet, in seiner verständlichen Enttäuschung darüber den Grund für die Ablehnung in der Voreingenommenheit seiner Kollegen sucht. Er gefällt sich in der Rolle des armen Opfers. "Es könnte ja sein . . ." möchte ich Sheldrake mit seinen eigenen Worten zu bedenken geben: Es könnte ja sein, dass die hübsche Hypothese der morphischen Resonanz einfach nur schwach ist. Oder gar falsch. Auch diese Erkenntnis wäre Wissenschaft.
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am 2. Juni 2015
.....wird an den Büchern von Rupert Sheldrake nicht vorbeikommen. Einem Wissenschaftler, dessen Veröffentlichungen man als "Dieses ärgerliche Traktat ... ist ein Spitzenkandidat für eine Bücherverbrennung" bezeichnet erregt meine Neugier. Ich habe seine drei zusammenhängenden Bücher "Das schöpferische Universum", "Das Gedächtnis der Natur" und "Der Wissenschaftswahn" gelesen und konnte das, was er dort nieder geschrieben hat, nachvollziehen. Man braucht keine großartige Ausbildung oder gar ein Studium, um das nachzuvollziehen was er in seinen Bücher darlegt, was man tun sollte ist relativ einfach, mit offenen Augen und Ohren durch das Leben und die Natur zu schreiten. Ich kann diese Bücher nur empfehlen.
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TOP 500 REZENSENTam 3. September 2012
Rupert Sheldrake, britischer Entwicklungsbiologe, ist bekannt für seine Theorie der morphischen Felder. Diese seien für die Formgebung von Organismen und für die Informationsübertragung zwischen ihnen verantwortlich und so eine Art Gedächtnis der Natur. Der Begriff "morphogenetisches Feld" wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts kreiert, um die wissenschaftlich nicht erklärbare Formgebung von Organismen zu beschreiben. Sheldrake hat diese Überlegungen vor ca. 30 Jahren weiter ausgebaut und den Oberbegriff "morphische Felder" geschaffen. Eine präzise Theorie mit falsifizierbaren Aussagen hat er bis heute nicht vorgelegt. Es bleibt unklar, was genau im physikalischen bzw. biologischen Sinne ein morphisches bzw. morphogenetisches Feld sein soll. Dies dürfte einer der wesentlichen Gründe dafür sein, dass seine Thesen vom Mainstream der Naturwissenschaften nicht anerkannt werden.

Im vorliegenden Buch hinterfragt Sheldrake den Materialismus. Im Fokus stehen zehn Glaubenssätze, die sich Wissenschaftler ungeprüft zu eigen machen. "Zusammen bilden diese Glaubenssätze die Philosophie oder besser Ideologie des Materialismus ...", so Sheldrake. Er hält die Naturwissenschaften für dogmatisch, ein Vorwurf, der gewöhnlich gegenüber Religionen erhoben wird. Ist dieser Vorwurf gerechtfertigt?

Bereits die erste Frage "Ist die Natur mechanisch?" irritiert. Sie lässt den Schluss zu, dass Sheldrake nicht hinreichend zwischen Natur und Naturwissenschaft, zwischen Wirklichkeit und Modell bzw. zwischen Untersuchungsgegenstand und Methode unterscheidet. Wie die Natur funktioniert, wissen wir nicht, wir können nur Theorien entwickeln und diese empirisch überprüfen. Die Naturwissenschaften basieren auf dem methodischen Atheismus. Das impliziert, dass keine übernatürlichen Ursachen zugelassen werden. Damit ist der Rahmen für Untersuchungen abgesteckt. Der Raum außerhalb dieses Rahmens ist der Raum außerhalb des naturwissenschaftlichen Paradigmas. Das bedeutet nicht, dass unsere Welt auf das reduziert werden kann, was mit naturwissenschaftlichen Methoden beobachtet, gemessen oder gewogen werden kann. Zum Beispiel kann die Schönheit einer Blume naturwissenschaftlich nicht erklärt werden.

Beim Thema Bewusstsein stellt Sheldrake die Schwächen des Materialismus und auch des Dualismus heraus. Während der Materialismus am Bewusstsein scheitert (Epiphänomen?), kann der Dualismus nicht die Verbindung zwischen Körper und Geist erklären und scheitert an Kausalität und Energieerhaltung. Sheldrake kritisiert, dass sich der Materialismus in den Naturwissenschaften durchgesetzt hat. Er moniert, dass ungeachtet dessen auch honorige Wissenschaftler nicht ihren eigenen unabhängigen Geist leugnen. Im Hinblick darauf, dass es sich beim Materialismus um den Rahmen handelt, in dem Untersuchungen stattfinden (und nicht um die Wirklichkeit im ontologischen Sinne), verliert dieser Widerspruch an Kraft. Hat Sheldrake den Weltknoten gelöst? Er beruft sich auf die schwer verständlichen Theorien von Whitehead und postuliert eine geistige Kausalität, die von der Zukunft aus in die Vergangenheit wirkt. Eine solche These hilft nicht weiter.

Auch andere Fragen, die Sheldrake stellt, betreffen den Rahmen und können mit naturwissenschaftlichen Mitteln nicht beantwortet werden. "Ist die Natur ohne Zwecke und Absichten?", ist so eine Frage. Die Naturwissenschaften erklären maximal das "wie" der Erscheinungswelt. Zum "warum" bzw. zum "Ding an sich" im Sinne von Kant können sie keine Aussagen treffen. Der Grad unserer Erkenntnisfähigkeit ist durch die Evolution vorgegeben und wird in der evolutionären Erkenntnistheorie beschrieben. Die "Welt als Ganzes" kann nicht naturwissenschaftlich erklärt werden. Der weltweit anerkannte Biologe Ernst Mayr spricht in "Die Entwicklung der biologischen Gedankenwelt" von in der Natur vorhandenen scheinbar zielgerichteten Prozessen, die nicht im Widerspruch zu einer physikalisch-chemischen Erklärung stehen. Damit ist alles gesagt. Wer der Evolution Ziele und Zwecke unterstellt, muss sich fragen lassen, worin diese bestehen und insbesondere "wer" diese Ziele hat.

Sheldrake thematisiert, dass das Genomprojekt trotz milliardenschwerer Investitionen seine vielen Versprechen nicht erfüllt hat. Formen und Verhaltensweisen können molekular nicht erklärt werden. Er weist zu recht auf Lücken in den Theorien hin und bietet morphische Resonanz auch als Medium für die kulturelle Vererbung an. Feldtheorien gibt es in der Physik (Magnetfeld, Gravitationsfeld), warum nicht auch in der Biologie? Die etablierte Wissenschaft sträubt sich, dieses Thema ernsthaft anzugehen. Sie würde es aufgreifen, wenn morphische Resonanz physikalisch greifbar wäre. Letztlich winkt im Falle empirischer Bestätigung der Nobelpreis.

Nicht nur die Vererbung, sondern auch das Gedächtnis beruht laut Sheldrake auf morphischer Resonanz. Experimente mit Ratten bestätigen, dass der Lernerfolg steigt, wenn andere Ratten die gleichen Aufgaben bereits gelöst haben. Morphische Resonanz bzw. ein kollektives Gedächtnis ist Sheldrakes Erklärung für diesen Effekt. Die These mit dem steigenden Lernerfolg hat aber ihre Tücken. Sheldrake beruft sich auf den Flynn-Effekt. Dieser kann auch als Gegenthese verwendet werden, denn tatsächlich nimmt der IQ seit einigen Jahren ab. Wie verträgt sich das mit der morphischen Resonanz? Müsste Chinesisch, bei 1,3 Milliarden Chinesen, nicht die einfachste Sprache der Welt sein?

Gibt es Geist nur im Gehirn? Mit dieser Frage hat sich schon Hoimar von Ditfurth vor 30 Jahren u.a. in "Im Anfang war der Wasserstoff" beschäftigt hat. "Die Natur", so von Ditfurth, "hat ... Gehirne und zuletzt menschliches Bewusstsein hervorbringen können, weil es Geist, Phantasie und Zielstrebigkeit in dieser Welt immer gegeben hat, vom ersten Augenblick ihres Bestehens an." Während von Ditfurth die Thesen Materialismus und Dualismus gegenübergestellt und die Lösung letztlich offen gelassen hat, bietet Sheldrake mit der Feldtheorie des Geistes einen Ausweg an. Damit wäre das Paradoxon beseitigt, welches entsteht, wenn man die Außenwelt (einschließlich sich selbst !) für eine Simulation hält. Hirnforscher Gerhard Roth bietet in "Das Gehirn und seine Wirklichkeit" für dieses Problem eine Lösung auf Basis eines nicht-reduktionistischen Physikalismus an.

Sheldrake ist ein Freund der Parapsychologie. "Obwohl immer mehr Anhaltspunkte dafür sprechen, dass es Telepathie, Präkognition und andere Phänomene dieser Art tatsächlich gibt, bleiben die Materialisten bei ihrer Einschätzung, dergleichen sei unmöglich ...". Er führt zur Untermauerung seiner Thesen verschiedene Experimente auf. Fakt ist, es wurden von verschiedenen Organisationen und Personen Preise ausgesetzt, wenn ein parapsychologisches Phänomen unter echten wissenschaftlichen Bedingungen reproduziert wird. Bislang brauchte noch kein Preis ausbezahlt werden. Ein statistisches Rauschen mit geringfügiger Abweichung vom Zufall, was m.W. nach auch schon mehrfach nachgewiesen wurde, reicht dafür nicht aus, macht aber deutlich, dass unsere etablierten Naturwissenschaften nicht abgeschlossen sind und noch erweitert bzw. verfeinert werden müssen.

Im vorletzten Kapitel entlarvt Sheldrake objektive Wissenschaft als Illusion. Akteure sind Menschen und die sind fehlbar bzw. werden von ihren eigenen Glaubenssätzen geleitet. Der Erwartungs-Effekt ist in der psychologischen und medizinischen Forschung bekannt und wird dort auch berücksichtigt. Sheldrake bemängelt, dass andere Disziplinen diesen Effekt ignorieren, obwohl in der Quantenphysik der Beobachtungsvorgang eine große Rolle spielt. Dort kennt man seltsame Phänomene wie z.B. die Verschränkung (Verbindung von entfernt liegenden Objekten). So interessant die Quantenphysik auch ist, spielen sich die Effekte im Mikrokosmos ab und nicht erkennbar in unserem Mesokosmos.

Dem Reduktionismus sind Grenzen gesetzt. "Das Verhalten komplexer Systeme ist nicht aus den Eigenschaften ihrer Bestandteile abzuleiten, weshalb man eigene Sprachen braucht, um sie wissenschaftlich beschreiben zu können." Diese Gedanken Sheldrakes sind nicht neu. Bereits Ernst Mayr schrieb in "Die Entwicklung der biologischen Gedankenwelt" zum Reduktionismus: "... dass die Versuche einer "Reduktion" rein biologischer Phänomene oder Begriffe auf Gesetze der Physik und verwandter Naturwissenschaften jedoch selten, wenn überhaupt jemals, zu irgendwelchen Fortschritten unseres Verständnisses geführt haben." Wissenschaft impliziert, sich den eigenen Erkenntnissen und Methoden gegenüber kritisch zu verhalten. Dazu bedarf es keiner Proklamation einer "Aufklärung der Aufklärung".

Es mangelt in dem Buch an wirklich neuen Erkenntnissen. Es ist eine Zusammenfassung seiner Kritik an den Naturwissenschaften und dem Wissenschaftsbetrieb. Kritik ist grundsätzlich zu begrüßen, denn wo Menschen arbeiten, passieren Fehler. Sheldrake muss aber damit leben, dass auch seine Thesen kritisiert werden, solange er keine überprüfbaren Hypothesen aufstellt, die seine Fachkollegen überzeugen. Gestört haben mich pauschale Aussagen wie "Dass die Wissenschaft alle grundlegenden Fragen bereits beantwortet habe, ist ein Wahn, der den Geist des Forschers geradezu erstickt", ohne Angabe, wer so etwas denn behauptet hat.

Sheldrake vermischt naturwissenschaftliche Methodik (empirische Forschung) und Weltbilder (Glaubenssysteme) bzw. erkenntnistheoretische Fragen mit ontologischen Fragen. Naturwissenschaft beruht auf Axiomen (Naturpostulat, Strukturpostulat), die unmittelbar einsichtig sind und ist im wesentlichen ein Prozess der Selbstkorrektur. Die intersubjektive Wirklichkeit wird erforscht im Hinblick auf kausale Zusammenhänge. Die Naturwissenschaften begründen ein methodisches Vorgehen, aber kein Weltbild. Ein Weltbild beinhaltet eine Welterklärung. Religionen beruhen auf Offenbarungen und damit persönlichen Erfahrungen. Den Prozess der Selbstkorrektur gibt es bei Religionen nicht, aber bei den Naturwissenschaften. Erstere sind daher dogmatisch. Der Vorwurf, Naturwissenschaften seien dogmatisch, ist dagegen nicht gerechtfertigt.
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am 27. April 2015
Als ich dieses Buch in den Händen hielt, hat es mir erstmal sehr gut gefallen. Es ist ja spannend geschrieben und enthält eine Menge Anregungen dazu, welche Alternativen zur etablierten Naturwissenschaft es geben könnte. Aus demselben Grund habe ich auch z.B. Werke von Paul Feyerabend und Bruno Latour gelesen.
Bei einem Buch dieser Art interessiert mich aber nicht bloß, ob es spannend und anregend ist. Ich möchte wissen, ob es seriös ist. Immerhin steht hier die traditionelle Naturwissenschaft in der Kritik, das ist schon ein hoher Anspruch!
Ich habe Physik studiert, da liegt es nah zu schauen, was der Autor denn wohl über mein Fach zu sagen hat. Und da lese ich ab Seite 106: Der Energie-Erhaltungssatz gilt nicht! jedenfalls nicht immer: Sheldrake zitiert hierzu Versuche mit Lebewesen in einem Respirationskalorimeter. Angeblich hätten die Versuchs-Lebewesen mehr Energie verbraucht, als ihnen zugeführt worden war. Diese zusätzliche Energie müssten sie demnach aus Nichts erzeugt haben; vielleicht auch aus einer noch unerforschten Quelle - über diese Unterscheidung macht der Autor in diesem Kapitel keine klaren Aussagen.
Ich bin kein dogmatischer Wissenschaftler, der an seinen Schulmeinungen klebt. Wenn da jemand eine tragende Säule meines Fachs umgehauen hat, dann finde ich das einer näheren Betrachtung würdig. Die erste Frage, die sich mir stellt, lautet: Wieso haben nach diesen Versuchen nicht die Forschungseinrichtungen sämtlicher Industrienationen Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um herauszufinden, wie die Lebewesen das machen: Energie aus Nichts erzeugen? Schließlich ist die Energieerzeugung doch ein Riesenproblem unserer Zeit!
Shedrakes Antwort lässt sich einer Aussage auf Seite 107 entnehmen: "Die Wissenschaftler [...] akzeptieren eben Resultate, die ihre Annahmen bestätigen, bereitwilliger als solche, die ihnen widersprechen." Fassen wir also zusammen: wir Physiker glauben den Resultaten dieser Experimente nicht, weil sie unseren Schulmeinungen widersprechen, und deshalb hat sich nie in einem Forschungsinstitut eine Initiative gebildet, um die beschriebene Art der Energie-Erzeugung aus Nichts zu erforschen.
Ich wäre kein kritischer Wissenschaftler, wenn ich dem Autor jetzt Scharlatanerie vorwerfen wollte, nur weil er die gängigen Schulmeinungen der Physik in Frage stellt. Aber ich will natürlich wissen, ob er diese Schulmeinungen überhaupt kennt - unabhängig davon, ob wer ihnen glaubt oder nicht. Dazu lese ich auf Seite 108, die beschriebenen Versuche „schienen niemanden sonderlich zu beunruhigen“, und weiter: "Der Erhaltungssatz der Energie bedurfte keiner Beweise, sondern war ein Glaubenssatz".
Sheldrake meint also, dass wir Physiker unseren Schulmeinungen deshalb Glauben schenken, weil wir sie für bewiesen halten! Weiter hält er uns für inkonsequent, weil wir hier beim Energie-Erhaltungssatz eine Ausnahme machen - der wäre für uns eben nur ein Glaubenssatz!
Das ist ein Fehler, den ich dem Autor nicht nachsehen kann. Wir Physiker (genau wie alle anderen Naturwissenschaftler) gehen nämlich keinesfalls von "bewiesenen" Sätzen aus, sondern unsere Lehren sind immer und zu allen Zeiten nur Hypothesen, die so lange Bestand haben, bis sie experimentell widerlegt werden. Das ist Unterrichtsstoff aus der Schule! Sheldrake müsste das eigentlich wissen.
Wir Naturwissenschaftler "glauben" nicht an den Energie-Erhaltungssatz. Wir haben bloß - nach vielen Jahrzehnten, in denen Erfinder vergeblich versucht haben, ihn zu widerlegen, kaum noch die Bereitschaft, uns mit diesen Dingen zu beschäftigen! Mit seiner Unterstellung, wir hingen bloß an unseren Dogmen, reiht Sheldrake sich ein in die wachsende Menge der Wissensgaukler und Verschwörungstheoretiker. Unfassbar, wie Viele in diesem Forum ihm Glauben schenken!
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TOP 500 REZENSENTam 11. August 2013
Im Gegensatz zum insgesamt positiv klingenden englischen Originaltitel "The Science Delusion. Freeing the Spirit of Inquiry" wirkt der deutsche wie die Ankündigung eines anti-wissenschaftlichen Pamphletes aus dem Esoterik-Regal. Dieser Eindruck läßt sich aber weitgehend entkräften. Der Biologe Rupert Sheldrake ist zwar als Wissenschaftler ein enfant terrible. Er steht aber fest auf dem Boden der wissenschaftlichen Methodik, hält die Evolutionstheorie für erwiesen und distanziert sich vom Kreationismus. Allerdings verlangt er von der Wissenschaft als gesellschaftlicher Institution etwas, das mit dem Selbstverständnis der meisten Wissenschaftler nur schwer vereinbar ist.

WISSENSCHAFT OHNE TABUISIERTE THEMEN
Sheldrake fordert, daß sich die Wissenschaft auch
a) grenzwissenschaftlichen Fragestellungen widmet und
b) die Objektivität der Wissenschaft selbst mit wissenschaftlichen Methoden untersucht.
Für Wissenschaftler, die das für überflüssig halten, ist die Sache sofort erledigt. Für diejenigen von ihnen, die diese
Fragen aber interessieren, entsteht ein Dilemma. Ihre Reputation ist die notwendige Bedingung dafür, weiterhin Forschungsgelder zu erhalten. Sie haben ihren wissenschaftlichen Ruf erworben, indem sie sich u.a. an alle Spielregeln des Wissenschaftsbetriebs gehalten haben. Dazu gehört auch Forschungsthemen zu meiden, die das Potential haben, ein Karrierekiller zu sein. Jede Zeit hat ihre tabuisierten Forschungsthemen. Auch das heutzutage akzeptierte Forschungsthema "Bewußtsein" war (außerhalb der Philosophie) früher einmal verpönt. Ein Wissenschaftler, der sich etwa mit dem Phänomen der sog. Hungerkünstler befaßt, also Menschen, die lange ohne Nahrung auskommen, würde auf kurz oder lang keine Forschungsgelder mehr erhalten, da die dafür notwendigen unabhängigen Begutachtungen von Fachkollegen erstellt werden, die naturgemäß nur erfolgversprechende Ansätze, die sie selber verstehen und wertschätzen, positiv bewerten.

Sheldrake wirft eine Reihe interessanter Fragestellungen auf, und zwar zu strittigen Phänomen bzw. zu akzeptierten Phänomen, deren konventionelle Erklärung er für unzureichend hält. Das sind u.a.:
- Fragen der Epigenetik
- Energieerhaltungssatz im Hinblick auf Hungerkünstler, dunkle Energie und Materie
- Experimentator-Erwartungseffekt
- Morphogenetische Felder
- Morphische Resonanz (der Flynn-Effekt bei der IQ-Messung als Beispiel)
- Störung von elektrischen Apparaturen durch menschliche Präsenz (der Physiker Wolfgang Pauli als prominentes Beispiel)
- PSI, Telepathie, Tsunami- und Bomberflotten-Vorwarnung durch Tiere

Sheldrake verfolgt schon seit vielen Jahren das Ziel, umstrittene Phänomene in Versuchsreihen als statistisch signifikant festzustellen. Die größte Enttäuschung für die Leser seiner Bücher Sieben Experimente, die die Welt verändern könnten oder Sieben Experimente, die die Welt verändern könnten: Anstiftung zur Revolutionierung des wissenschaftlichen Denkens dürfte sein, daß in all den Jahren kein Phänomen durch eine Kausalerklärung dingfest gemacht werden konnte. Diese Experimente haben die Welt noch kein bißchen verändert. Andererseits sieht Sheldrake nun ein, daß er mit den gutgemeinten, aber eher anekdotischen Berichterstattungen unzähliger Laien nicht weiterkommt, sondern Forschungsgelder braucht, um zu statistisch signifikanten Daten zu kommen.

FORSCHUNGSGELDER
Worin besteht die Wissenschaftsgläubigkeit vieler Laien? Sie gehen davon aus, daß die Wissenschaftler
1. methodisch richtig forschen und
2. daß sie das Richtige erforschen.
Kurzum, sie gehen davon aus, daß die Wissenschaften von alleine alles richtig machen, weil ja die wissenschaftliche Methode des Erkenntnisgewinns über jeden Zweifel erhaben ist. Das ist natürlich naiv. Es ist tatsächlich möglich, daß sogar eine Paradewissenschaft wie die Physik jahrzehntelang auf dem Holzweg läuft, wie die Kritik aus den eigenen Reihen mit Büchern wie Not Even Wrong: The Failure of String Theory and the Continuing Challenge to Unify the Laws of Physics und The Trouble with Physics: The Rise of String Theory, The Fall of a Science and What Comes Next zeigen.
Wenn die Stringtheorie ein solcher Holzweg wäre, muß sich der Wissenschaftsgläubige ja einmal fragen lassen, warum die theoretische Physik davon nicht herunterkommt. Ist es aber wirklich so schwer zu verstehen, daß die Vergabe der Forschungsmittel, maßgeblich die Stoßrichtung der Forschung und folglich den Ausbildungsschwerpunkt der nächsten Forschergeneration bestimmt und es so passieren kann, daß sich das System auf einem Holzweg stabilisiert? Die crux für die möglicherweise überlegenen alternativen Forschungsrichtungen ist, daß in den Gutachtergremien mehrheitlich die Professoren der etablierten Positionen sitzen, die auch den Karriereweg der Jungforscher steuern. Thomas Kuhn The Structure of Scientific Revolutions: 50th Anniversary Edition) läßt grüßen.

FAZIT
Das Buch hat gute und schlechte Seiten, zuerst die negativen:

N e g a t i v
□ Das Bild, das sich der Autor vom Materialismus macht, ist zu eng gefaßt und philosophisch ein bißchen fragwürdig. Er orientiert sich u.a. an dem nicht besonders elaborierten Materialismus des Biologen Richard Dawkins.

□ Sheldrakes Buch ist weitgehend programmatisch. Er beschreibt, was man untersuchen und erforschen müßte, also ein unfinanziertes Forschungsprogramm. Sheldrakes spekulative Erklärungsmodelle vermitteln zwar kurzzeitig das beunruhigende Gefühl, daß unser gegenwärtiges Bild der Welt von der Physik bis zur Biologie ein viel zu einfaches sein könnte, er kann aber noch keines der Phänomene in einen wirklich zwingenden Zusammenhang mit einem seiner spekulativen Erklärungsansätze bringen.

P o s i t i v
■ Sheldrake hat sein Dilemma richtig erkannt, daß er einerseits ohne Forschungsgelder noch nicht einmal einen verläßlichen Existenznachweis der von ihm behaupteten Phänomene liefern kann, andererseits die etablierten Forscher kein Interesse daran haben können, mit ihm Forschungsgelder zu teilen. Wenn die großen behäbigen Forschungstanker immer wieder die meisten Ressourcen bekommen, kommen alternative agile Forschungsboote erst gar nicht dazu, sich zu beweisen. Diese grundsätzliche Kritik am Wissenschaftsbetrieb (nicht an der Wissenschaft an sich), die auch nicht nur von Sheldrake allein vorgebracht wird, muß jede Gesellschaft ernstnehmen, zumal wenn sie sich als Demokratie versteht.

■ Sheldrake sieht klugerweise seine einzige Chance darin, daß einmal ein gewisses Quantum von Forschungsmitteln per demokratischer Entscheidung zugeteilt werden würde. Es erscheint mir plausibel, daß wenn eine europäische Öffentlichkeit bei einem Teil ihrer Steuergelder per Mehrheitsbeschluß entscheiden könnte, ob die Stringtheorie, die manche Physiker selber als pseudowissenschaftlich bezeichnen, noch eine weitere Finanzspritze bekommen, oder ob Sheldrakes obiger Katalog rätselhafter Phänomene ein für allemal untersucht werden soll, Sheldrake gewönne.

■ Genau deshalb muß Sheldrake in Büchern wie diesem versuchen, in der Öffentlichkeit für die Demokatisierung der Forschungsmittelvergabe zu werben. Man muß Sheldrake unbedingt Erfolg wünschen, denn sogar Atheisten und Materialisten vom Schlage eines Richard Dawkins könnten unbesorgt sein. Wenn sie denn damit recht hätten, daß Sheldrakes Hypothesen falsch sind, geschweige denn, daß seine Phänomene überhaupt existieren, würde Sheldrakes Forschungsprogramm gnadenlos seine eigene Falsifizierung nach sich ziehen :-).
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Der Biologe Rupert Sheldrake ist meiner Meinung nach ein hervorragender Wissenschaftler, ist er doch in der Lage ÜBER den Tellerrand zu schauen und uns eine neue wissenschaftliche Seite zu zeigen, von der viele seiner Kollegen überhaupt nichts wissen möchten. Für reine Kopfmenschen ist dieses Buch eher nichts und provokativ. Mir persönlich zeigt es, dass immer mehr Menschen in den Genuss von Erklärungen kommen, wie das Leben tatsächlich funktioniert. Wobei es für mich keine Rolle spielt, welchen Zugang man dazu hnutzt.
Bei Sheldrake ist es die Wissenschaft. Seiner Meinung nach hat das materialistische Weltbild ausgedient und er plädiert für mehr Offenheit und Neugierde in den Naturwissenschaften. Seine These: Die Wissenschaften werden durch ihr eigenen jahrhundertalten und inzwischen zu Dogmen verhärteter Annahmen ausgebremst. Klar ist das so. Alles wandelt sich und auch die Wissenschaft darf immer im Fluss sein.
Seit 200 Jahren wollen Forscher beweisen, daß Lebewesen komplexe Maschinen sind, daß es eben nur (auschließlich!) Materie gibt. Sonst nichts! Der Geist ist ein Nebenprodukt der physischen Hirntätigkeit.....
Wem sich bei solchen Äußerungen die Nackenhaare aufstellen - dem empfehle ich dieses Buch!

Trotz aller wissenschaftlich - technischen Errungenschaften, die das Leben im 21. Jahrhundert bereichern, in dem die Wissenschaft den Gipfel ihrer Macht erreicht hat, steht der Materialsimus heute vor einer Glaubenskrise. Alles kommt halt auf den Prüfstand.

Mir gefällt Sheldrakes Theorie und daher liegt mir das Buch am Herzen. Es ist ein sehr lesenswertes Buch für JEDERMANN und erweitert in jedem Fall den Horizont!
Anna Ulrich
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am 18. Juli 2013
Länger schon wissen wir, dass die Erde keine Scheibe ist. Doch ehe wir das erkannt haben, wussten wir genau, dass sie eine Scheibe ist. Fazit: Wissenschaft beruht auf Voraussetzungen. Ändern sich Erkenntnisse, ändert sich die Wissenschaft. In diesem Buch räumt Autor Rupert Sheldrake mit der Wissenschaft wie sie ist auf und macht uns nachdenklich, was Phänomene betrifft, die es "nicht gibt"...
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