Hier klicken Sale Salew Salem Öle & Betriebsstoffe für Ihr Auto Jetzt informieren PR Launch Cloud Drive Photos Learn More TDZ Hier klicken Mehr dazu Mehr dazu Read for free AmazonMusicUnlimitedEcho longss17

Kundenrezensionen

4,7 von 5 Sternen
90
4,7 von 5 Sternen
Format: Gebundene Ausgabe|Ändern
Preis:19,99 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

Anfang der 1980er Jahre wurde in Deutschland heftig der Datenschutz im Zusammenhang mit der Volkszählung diskutiert und letztere teilweise auch boykottiert. Es gab zahlreiche Proteste. Zählungsverweigerer wurden zu Staatsfeinden hochstilisiert. Dabei waren die Fragen, die damals gestellt wurden, relativ harmlos. Die Daten dienten als Grundlage für u.a. Wohnraumplanungen und Bevölkerungsstatistiken.

Das, was von dem ehemaligen Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden aufgedeckt und durch Glenn Greenwald einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, hat eine ganz andere Qualität. Es geht um die totale Überwachung und die Abschaffung der Privatsphäre und zwar weltweit. Dennoch verursacht das Thema in der Öffentlichkeit weniger Aufregung als seinerzeit die Volkszählung. Wo ist der Aufschrei der Bevölkerung, der Medien und der Politiker?

In dem Buch beschreibt Autor Glenn Greenwald, ein Vertrauter von Edward Snowden, die Entwicklungsgeschichte kurz vor und nach der Veröffentlichung der geheimen NSA-Dokumente. Die Geschichte ist aufwühlend wie ein Thriller. Snowden bewegt sich im Spannungsfeld von Loyalität, Gewissen und Verantwortung für die Gesellschaft. Er hat sich dazu entschieden, die Bevölkerung über die Machenschaften der Geheimdienste aufzuklären. Für ihn selbst begann damit ein Versteckspiel.

Im Widerspruch zu den wiederholten Dementis amerikanischer Regierungsvertreter späht die NSA ständig die Kommunikation amerikanischer Staatsbürger aus. (185) Und dazu wurde sie lt. New York Times von der Bush-Regierung heimlich ermächtigt. (9) Aus den Dokumenten geht das Ausmaß der (weltweiten) Überwachung hervor. Die größten IT-Unternehmen der USA arbeiten mit dem Geheimdienst zusammen. (160) Der Nachrichtendienst hat direkten und dauerhaften Zugang auf die Daten der Firmenkunden. (161) Sendungen mit Netzwerktechnik (Server, Router etc.) werden abgefangen und präpariert. (215)

Durch das Buch wird nicht nur das Ausmaß der Überwachung deutlich, sondern auch das Versagen der Medien. Es mangelt den Medien heute an einer kritischen Haltung gegenüber den Machthabern. "Diese Funktion zu übernehmen scheuen sich die amerikanischen Medien jedoch oft, sie lassen sich lieber vor den Karren der Regierung spannen." (297)

In Deutschland reagieren Bundesregierung und Bundesverfassungsgericht nur verhalten und beschwichtigend auf die Veröffentlichungen. Das Schlimmste was passieren kann ist, dass gar nichts passiert. Das Buch ist eine Lehrstunde für Zivilcourage und sehr zu empfehlen. Snowden hat, für unser aller Recht auf Privatsphäre, seine eigene Freiheit aufs Spiel gesetzt.
0Kommentar| 3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Für mich ist es eines der wichtigsten Enthüllungsbücher überhaupt, das zudem auch noch spannend wie ein Agenten-Thriller geschrieben ist. Aber damit sich jeder selbst ein Urteil bilden kann, möchte ich den anderen Lesern zunächst Inhalt und die für mich wichtigsten Aussagen im Buch darstellen, und zwar Kapitel für Kapitel.

1) Kontaktaufnahme

Hier wird geschildert, wie Greenwald im Dezember 2012 die ersten E-Mails von Snowden erhielt, ohne zu ahnen, wer Snowden überhaupt war, weil dieser unter einem Synonym schrieb. Fast wäre es gar nicht zu dem weltweiten Enthüllungsskandal gekommen, da Greenwald anfangs erhebliche Zweifel an der Seriosität von Snowdens Angebot hatte. Zitat: "Es konnte jeder x - Beliebige sein. Jemand, der sich alles nur aus den Fingern gesogen hatte. Denkbar war auch, dass uns eine Regierungsbehörde eine Falle und uns zur Zusammenarbeit verleiten wollte."

2) Zehn Tage in Hongkong

Zum Glück siegte Greenwalds journalistischer Instinkt, an einer Riesensache dran zu sein, und so kam es dann zum ersten Treffen in einem Luxushotel in Hongkong. Dieses Kapitel liest sich schon wie ein Agententhriller - nur das diesmal alles echt war. Wie konspirativ alles ablief, das kann man sich als Unbeteiligter kaum vorstellen. Ich habe mal eine Stelle herausgesucht, um dies zu verdeutlichen: "Für das Treffen waren zwei Zeiten vereinbart: 10 Uhr und 10:20 Uhr. Falls Snowden nicht spätestens zwei Minuten nach der ersten vereinbarten Zeit erschien, sollten wir den Raum verlassen und zur zweiten vereinbarten Zeit wiederkommen."

3) Alles sammeln

In dem Kapitel versucht der Autor eine erste Auswertung der Unmengen an Daten, die Snowden ihm übergeben hatte. Um es ehrlich zu sagen: Ich konnte das als Laie kaum begreifen oder gar einordnen, weil es teilweise um Milliarden abgeschöpfter Daten überall auf der Welt geht. Es gibt zum Beispiel ein Diagramm, das zeigt, dass etwa in unserem Nachbarland Polen an manchen Tagen mehr als 3 Mio Telefongespräche überwacht worden! Im Kapitel wird deutlich, dass diese Sammelwut auch dem langjährigen Leiter der NSA geschuldet war. Der hatte nämlich die schlichte Parole ausgegeben: Alles sammeln! Am Anfang mag diese Sammelwut vielleicht noch wirklich hauptsächlich zur Terrorbekämpfung eingesetzt worden sein. Aber dann wurde sie auf alle amerikanischen Staatsbürger ausgeweitet - und schließlich auf die ganze Welt. Greenwald beschreibt die NSA als eine Krake, die immer weiter ausgreift.

4) Die Gefahr der Massenüberwachung

Hier geht es Greenwald um den Verlust der Privatsphäre, der uns allen droht. Er widerlegt das vorgeschobene Argument, dass Überwachung zum Nutzen der Bevölkerung wäre, weil sie die schlechten Bürger von den guten trennt. Greenwald schreibt: "Die Behauptung, dass eine in die Privatsphäre eindringende Überwachung auf ein Randgruppe beschränkt ist - eine Gruppe von Menschen, die sich etwas zuschulden kommen lassen und es deshalb nicht anders verdient haben - sorgt dafür, dass die Mehrheit den Machtmissbrauch stillschweigend billigt." Aber diese Aussicht ist naiv, meint der Autor. Zitat: "Sich etwas zu schulden kommen lassen, bedeutet für diese Institutionen viel mehr als illegale Aktivitäten, Gewalttätigkeiten. Es liegt im Wesen der Macht, jeglichen Widerstand mit Verbrechen gleichzusetzen oder zumindest eine Bedrohung darin zu sehen."

5) Die vierte Gewalt

In dem Kapitel wendet sich der Autor gegen die politischen Medien, die ja oft als vierte Gewalt im Staat bezeichnet werden. Er beschreibt, dass die Medien ihre Aufgabe, staatlichen Machtmissbrauch zu überwachen und einzudämmen, völlig unzureichend nachkommen. Stattdessen lassen sich die Medien lieber von den Karren der Regierung spannen. Zitat: "Anstatt ihre Äußerungen unter die Lupe zu nehmen, machen sie sich zu ihrem Sprachrohr und erledigen die Drecksarbeit für sie.

FAZIT
Greenwald stellt im Vorwort die Frage: "Wird das digitale Zeitalter die Befreiung des Individuums durch das Internet bringen, oder wird es ein System ominöser Überwachung und Kontrolle etablieren, dass sich nicht einmal die schlimmsten Tyrannen der Vergangenheit hätten träumen lassen?" Das Buch ist zumindest ein wertvoller Beitrag dafür, dass die zweite Möglichkeit doch noch abgewendet werden kann.
11 Kommentar| 46 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 3. Mai 2017
neuwertiger Zustand, schneller Versand, guter Preis, was will man mehr.
Das Buch selbst ist ein wenig geschwätzig, gibt aber einen guten Einblick in die allumfassenden Verflechtungen des DEEP STATE.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 14. Juni 2017
Ein Beweis, dass die Realität oft spannender ist als die Fiktion. Sehr gut geschrieben, sehr gut recherchiert, sehr persönlich.
Für mich ein Must-Read!
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 1000 REZENSENTam 17. Februar 2017
Leider hat Glenn Greenwald - seines Zeichens Jurist, Verfassungsrechtler, Journalist und seit einigen Jahren einer der einflussreichsten politischen Kommentatoren in den USA - mit DIE TOTALE ÜBERWACHUNG keinen Agentenhriller vorgelegt, sondern die reale Geschichte des Whistleblowers Edward Snowden. Dieser hat mit der Veröffentlichung Tausender streng geheimer Dokumente aus dem Archiv der National Security Agency (NSA) für eine der größten Enthüllungsstorys der jüngsten Vergangenheit gesorgt.
In fünf Kapitel beschreibt Greenwald kenntnisreich und spannend das ganze Ausmaß der Überwachung durch die NSA und andere amerikanische Geheimdienste:
1. Im Kapitel KONTAKTAUFNAHME schildet er (etwas zu langwierig) die ersten Kontaktversuche von Snowden zu ihm.
2. In ZEHN TAGE IN HONGKONG beschreibt Greenwald sein Treffen mit Snowden, die ersten Veröffentlichungen und die Reaktionen der Öffentlichkeit darauf.
3. In ALLES SAMMELN veranschaulicht er das Ausmaß der Überwachung im Rahmen der unterschiedlichsten Programme durch die NSA und die Unterstützung diverser Tech-Konzerne auf. Leider wird das ganze nur wenig kontextualisiert und erläutert, z.B. erfährt man erst nach knapp 200 Seiten was mit Selektoren (von Geheimdiensten definierte Suchmerkmale) oder Meta-Daten der Kommunikation im Detail gemeint ist.
4. In DIE GEFAHR DER MASSENÜBERWACHUNG zeigt Greenwald, welche Folgen die Überwachung für die Privatsphäre jedes einzelnen hat. Er wiederlegt auch die vorgeschobenen Behauptungen, dass nur Terroristen in das Visier der Überwacherer geraten würden und macht klar, dass Journalisten und alle, die der herrschenden Meinung der US-Regierung widersprechen (Opposition im weitesten Sinne) gefährdet sind.
5. In DIE VIERTE GEWALT thematisiert Greenwald die Aufgabe der Medien als politisches Korrektiv der Regierung und ihren Auftrag, staatlichen Machtmissbrauch öffentlich zu machen. Er zeigt auch, wie gehorsam weite Teile der amerikanischen Presse der Regierung (damals Obama) inzwischen geworden waren und sich teilweise sogar für eine Strafverfolgung der Beteiligten an den Snowden-Veröffentlichungen einsetzten.
Die Überwachung selbst ist dabei keine wirkliche Sensation, denn das ist schon lange bekannt (z.B. auch umfassend beschrieben in NSA. Die Anatomie des mächtigsten Geheimdienstes der Welt.). Erschreckend ist das Ausmaß der Überwachung durch die NSA, die Tag für Tag Milliarden Datensätze über alle Kommunikationskanäle sammelt, meist direkt unterstützt durch die weltweit führenden IT-Konzerne wie Google, Facebook, Microsoft, Apple. Vor allem das 3. Kapitel hätte aufgrund der Detailtiefe besser strukturiert und kontextualisiert sein müsssen. Kapitel 2 und teilweise auch 4 und 5 lesen sich über weite Teile wie ein realer Agententhriller. Unbedingt zu empfehlen!

Falls ihr die Rezension hilfreich findet, unterstützt mich doch bitte und bewertet diese auf dem Button unterhalb als "hilfreich".
0Kommentar| 5 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 24. Juni 2014
Tolles Buch von Gleen Greenwald spannend und fesselnd geschrieben. Heute bekommen drei Tage später gelesen. Sehe nun mein Umfeld mit etwas anderen Augen. Eigentlich dürfte ein normal denkender Erdenbürger in unserer heutigen Zeit nichts anderes von dem Aufpasser der Welt erwarten.
0Kommentar| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 22. Juni 2014
"Die globale Überwachung"
von Greenwald ist ein hervorragendes Informationsbuch. Es liest sich wie ein spannender Kriminalroman.
Man spürt die Beklemmung, den Mut des Herrn Snowden wie von Herrn Greenwald. Ein Anstoß, um sich das Weltgeschehen in der Zukunft auszudenken.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 1000 REZENSENTam 25. Oktober 2016
„...Aber die Massenüberwachung erstickt jedes abweichende Verhalten auch auf einer tieferen und noch entscheidenderen Eben: im Kopf. Der Einzelne richtet sich selbst dazu ab, nur noch in eine Richtung zu denken, die erwartet und verlangt wird...“

Der Autor Glenn Greenwald legt in dem Buch anfangs dar, wie seine Zusammenarbeit mit Edward Snowden zustande kam. Doch die Geschichte geht weit darüber hinaus.
Das Buch ist in 5 Kapitel gegliedert. Im ersten Kapitel geht es um die Kontaktaufnahme zwischen Snowden und dem Autor.
Das zweite Kapitel widmet sich den 10 Tagen in Hongkong.. Dort traf der Autor Snowden persönlich. Es wurde das weitere Vorgehen besprochen und Dokumente ausgetauscht.
Im dritten Kapitel beschreibt der Autor die Sammelwut des amerikanischen Geheimdienstes. Er zeigt an Beispielen auf, wie schon die Kontrolle der Megadaten tief in die Privatsphäre des Einzelnen eingreift. Außerdem geht es um die Zusammenarbeit der Geheimdienstes mit Internetfirmen und dem Ausland. Der Autor veröffentlicht dabei Originaldokumente, sowohl in Wort als auch in Bild. Sie werden eingerückt, in etwas kleinere Schriftgröße und fett wiedergegeben. Grafiken und Diagramme illustrieren die Ausführungen und belegen das Gesagte.
Im vierten Kapitel setzt sich der Autor mit den Gefahren der Massenüberwachung auseinander. Neben obigen Zitat sei mir hier ein Weiteres gestattet:

„...Die Geschichte lässt keinen Zweifel daran, dass Sinn und Zweck staatlicher Überwachung die Ausübung von Zwang und Kontrolle über die ganze Gesellschaft sind...“ (S. 253)

Der Autor geht auf die Dynamik der Selbstzensur ein und belegt, wie das Recht auf Privatheit immer mehr eingeschränkt wird.
Im 5. Kapitel schließlich wird der heutige Journalismus kritisch hinterfragt. Vorausschauende gehorsam wird genauso thematisiert wie die Doppelmoral bei der Veröffentlichung geheimer Informationen.
Das Buch lässt sich gut lesen. Der fachliche Hintergrund ist auch für Laien verständlich.
Politisch interessierten Lesern ist das Buch unbedingt zu empfehlen. Es lässt einen über sein eigenen Verhalten, auch im Umgang mit Medien, nachdenken.
0Kommentar| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 26. Mai 2014
Das dieses Buch ein Besteller werden muss, ist unbestreitbar. Jeder, wirklich jeder sollte es lesen und endlich kapieren, welch große Tat Edward Snowden gemacht hatte und wie viel wir ihm zu verdanken haben.

Das Buch ist in fünf große Kapitel aufgeteilt. Die ersten zwei Kapitel – „Kontaktaufnahme“ und „Zehn Tage in Hongkong“ – sind Stoff, aus dem Blockbuster gemacht sind. Nur handelt es sich hier um schonungslose Realität. Diese zwei Kapitel sind extrem spannend und lassen Edward Snowden nochmals in einem anderen Licht erscheinen, als man ihn bisher wahrgenommen hat.

Danach kommt das große Kapitel „Alles sammeln!“, welches sich wie folgt zusammenfassen lässt: Die NSA liest und hört alles. Vermutlich auch meine Rezension hier. Nach etwa vierzig Seiten wird dieses Kapitel leider ziemlich schnell langweilig. Ja, es ist unglaublich, was da alles abgeht – aber man hat es, wenn man die Nachrichten verfolgt, schon alles mal gehört. Das lässt dieses Kapitel irgendwann „langweilig“ werden, trotz der extrem wichtigen Informationen darin.

Im vierten Kapitel „Die Gefahren der Massenüberwachung“ wird noch mal genau darauf eingegangen, was der Kapitelname verspricht. Interessant, aber auch hier hat man die Informationen schon irgendwo mal gehört. In „Die vierte Gewalt“ geht es noch mal um die Medien, die in diesem „Spiel“ mitmischen.

Das Buch hat, was den Informationsgehalt angeht, definitiv fünf Sterne verdient. Da ich mich mit dem Thema allerdings immer wieder beschäftigt habe und dies nicht meine ersten Informationen dazu waren, habe ich es – bis auf die ersten zwei Kapitel – einfach nicht sehr spannend gefunden. Aus diesem Grund gibt es einen Stern Abzug, der die Wichtigkeit dieses Buches aber nicht schmälert.
0Kommentar| 17 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 500 REZENSENTam 31. Dezember 2014
Das Buch des Juristen und Journalisten Glenn Greenwald ist zwar auf amerikanische Leser zugeschnitten, aber auch für europäische aufschlußreich. Was der Autor über die Presse als der vierten Gewalt schreibt, dürfte für die europäischen Leitmedien mindestens in gleichem Maße gelten:
DIE VIERTE GEWALT
Greenwald: "Die großen amerikanischen Medien sind alles andere als eine unabhängige, von außen wirkende Kraft. Vielmehr sind sie ein integraler Bestandteil der vorherrschenden politischen Macht. In kultureller, emotionaler und sozioökonomischer Hinsicht handelt es sich um ein und dieselbe Clique. Reiche, berühmte Journalisten, die zum inneren Zirkel gehören, wollen den Status quo nicht aushebeln, der sie so großzügig entlohnt. Wie alle Höflinge verteidigen sie das System, das ihnen Privilegien verschafft, und verachten jeden, der es in Frage stellt. Von hier aus ist es nur ein kleiner Schritt zur vollständigen Identifikation mit den Bedürfnissen der politischen Amtsträger."

Glenn Greenwald redet Tacheles und nennt die Namen der Guten, der Bösen und der Häßlichen:

THE GOOD
• Es gibt (aufrechte) Journalisten wie Rachel Maddow. Aufgebracht brachte sie in ihrer MSN BC-Show die Sache auf den Punkt: »Journalismus ist kein Terrorismus«.

THE BAD
Und es gibt (rechte) Journalisten, die für ihren Kollegen Greenwald die strafrechtliche Verfolgung gefordert haben, die ihn in Gefahr brächte, der Spionage angeklagt und vor ein Bundesgericht gestellt zu werden, das sich in solchen Fällen immer schamlos unterwürfig gegenüber Washington gezeigt habe.
• Jeffrey Toobin habe im Fernsehen die britische Regierung gelobt und das Verhalten von Greenwalds Lebensgefährten David mit dem eines Drogenschmugglers verglichen.
• Marc Thiessen von der Washington Post, der ein Buch schrieb, das das US-Folterprogramm rechtfertigte, sei mit der Schlagzeile aufgetreten: "Ja. NSA—Geheimnisse zu veröffentlichen ist ein Verbrechen."
• Der rechte Jurist Alan Dershowitz stieß ins gleiche Horn.
• Walter Pincus von der Washington Post der in den l96Oer Jahren amerikanische Studenten im Ausland für die CIA ausspioniert hatte, habe die Ansicht vertreten, Snowden und Greenwald seien Mitglieder einer Julian-Assange-Verschwörung.

THE UGLY
• Der Export westlicher Überwachungstechnologie an totalitäre Staaten durch Firmen wie die französische Amesys oder die italienische Area SpA scheint dagegen im Westen kaum einen aufzuregen.

DIE DÄMONISIERUNG DER GUTEN
Jeden zu dämonisieren, der die politisch Mächtigen herausfordert, gehöre schon lange zur Taktik Washingtons und der Medien. Greenberg nennt als eines der ersten und augenfälligsten BeispieIe dafür den Umgang der Regierung Nixon mit dem Whistleblower Daniel Ellsherg, der die sogenannten Pentagon-Papiere an die Öffentlichkeit gebracht hatte. Damals hatte Nixon FBI-und CIA-Mitarbeiter in die Praxis von Ellsbergs Therapeuten einbrechen lassen, um seine Akten zu entwenden und in seinem Sexualleben herumzuschnüffeln. Ist das nicht unsinnig, warum sollte die Enthüllung persönlicher Peinlichkeiten die Beweise für die Täuschungspraxis der Regierung entkräften, fragt Greenwald. Ellsberg sei der Grund völlig klar gewesen: Niemand wolle mit einem Menschen in Verbindung gebracht werden, der in Verruf geraten ist oder öffentlich gedemütigt wurde.

DIE BÖSEN VOR SNOWDEN
Greenwald ruft seinen Lesern in Gedächtnis, daß es schon vor Snowdens Enthüllungen allen klar sein mußte, daß es naiv war zu glauben, in den Vereinigten Staaten gäbe es keine Überwachung. Bei einer Anhörung im Kongreß im Jahr 2006 unter dem Titel »Internet in China: Instrument der Freiheit oder der Unterdrückung?« klagte ein Redner nach dem anderen, daß es Amerikaner seien, die dem chinesischen Staat helfen würden, abweichende Meinungen im Internet zu unterdrücken. Der republikanische Abgeordnete des Repräsentantenhauses Christopher Smith (New Jersey), der das Hearing leitete, habe Yahoos Zusammenarbeit mit der chinesischen Geheimpolizei mit dem Verrat, der Anne Frank der Gestapo auslieferte, verglichen. Es sei eine Moralpredigt, wie immer, wenn amerikanische Politiker über ein Regime sprechen, das nicht auf der Linie der USA ist. Dabei habe, wie selbst den Teilnehmern nicht entgangen war, die New York Times erst zwei Monate zuvor über das umfassende illegale Abhörprogramm der Bush-Regierung im Land berichtet. Im Licht dieser Enthüllungen klinge die Anprangerung der Überwachungspraxis anderer Länder ziemlich hohl. Der demokratische Angeordnete Brad Sherman (Kalifornien), der im Anschluß sprach, meinte denn auch, daß die, die aufgefordert würden, sich dem chinesischen Regime zu widersetzen auch gegenüber der eigenen Regierung skeptisch sein sollten .

TENDENZ DER MEDIEN: PERSONEN -FIXIERUNG
Zum Schluß noch einmal zurück zu den Medien. Greenwald nennt es angesichts von Snowdens Weigerung, Interviews zu geben, zu Recht für herbeiphanatasiert, Snowden als "geltungssüchtigen Narzißten" darzustellen, was z.B.
• Jeffrey Toobin vom New Yorker ("Snowden ist ein großsprecherischer Narzißt") und
• Richard Cohen von der Washington ("Snowden ist narzißtisch")
getan haben.
Die NYT bezichtigt Greenwald der verleumderischen Spekulation in bezug auf den unterstellten chinesischen Zugriff auf die vier Laptops Snowdens und seine Ausreise aus Hongkong.

FAZIT
Schlimm, wenn der Staat seinen Bürgern mißtraut.
Noch schlimmer, wenn die Presse als "Vierte Gewalt" versagt.
Das Wort "Lügenpresse" hat der Journalist Greenwald in diesem Zusammenhang nicht gebraucht, aber alles gesagt, was es zu sagen gab. Deshalb sind Bücher (wie dieses) eben wichtiger als Zeitungen.
0Kommentar| 6 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden