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Während die gemäßigten Aufklärer wie etwa Voltaire, Rousseau und Kant immer im Vordergrund der Rezeption der Aufklärung stehen, werden die Ideen der radikalen Aufklärer wie z. B. von Holbach und Diderot immer wieder zurückgedrängt, bzw. vergessen. So unternimmt es Blom das Andenken dieser Denker wieder einer breiteren Bevölkerungsschicht ins Gedächtnis zu rufen, indem er sein wunderbares Buch vorlegt. Mit viel Begeisterung erzählt er uns die Geschichte des berühmt-berüchtigten Salons von Holbach in Paris, der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts über mehrere Jahrzehnte zweimal in der Woche den progressivsten, subversivsten und geistreichsten Denkern seiner Zeit die damals unerhörte Möglichkeit zu wirklich freiem Meinungsaustausch über philosophische Themen bot, ein Kreis von begeisterten und brillanten Gelehrten, der es bald zu internationaler Berühmtheit brachte. Dort wurde ein Atheismus, evolutionistische Gedanken und eine Ethik vertreten, die für eine Humanität, Empathie und Eros eintritt, gerade weil es keinen Gott gibt, der der Welt Regeln vorgeben kann, und der Mensch so selbst Hand anlegen muss, um es sich „schön“ zu machen, indem er Leid vermeidet und sich nicht vor seinem eigenen Leib ekelt, im Grunde Ideen, die heute noch aktuell sind, in ihrer Radikalität aber auch heute noch schockieren können. Im Zentrum dieses Kreises stehen Diderot, der Herausgeber der epochalen, monumentalen „Encyclopédie“, von Blom treffend als ein „trojanisches Pferd“ für die Gedanken der Aufklärung bezeichnet, und der Gastgeber Holbach selbst, überzeugter Atheist und anonymer Autor mehrerer radikaler Schriften. Aber auch Rousseau gehörte, bevor es später zum Bruch kam, anfangs zu diesem Kreis, wie auch über Jahre hinweg der bedeutende britische Philosoph David Hume während seines Parisaufenthaltes. Blom erzählt immer wieder kurz die Lebensgeschichten der zentralen Figuren der radikalen Aufklärung und vergisst dabei bei aller Sympathie nicht, die jeweiligen Schattenseiten zu erwähnen, die Intrigen, die Brüche, die Eklats des Kreises. Und er stellt sich die Frage, warum es die Denker Rousseau, den er als zwanghaften, von Verfolgungswahn geplagten Lügner und Vertreter einer totalitären Philosophie vorstellt, und Voltaire ins Pantheon in Paris gebracht haben, während die Gräber von Holbach und Diderot ganz abseitig liegen.

Das Buch führt zurück in eine spannende Zeit, in der in kleinen Salons oft schon so frei gesprochen werden konnte, wie es bei uns heute überall selbstverständlich ist, in der aber Menschen, die gegen absolutistische Herrschaft, gegen Kirche und für Menschenrechte argumentierten, trotzdem sonst noch immer Gefängnis, Verbannung und Tod drohte, denn eine strenge Zensur war allgegenwärtig.

Durchweg ein spannendes Buch, dem man höchstens den Vorwurf machen kann, dass es bei all der Begeisterung für die radikalen Aufklärer nicht besonders ausgewogen ist.
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am 24. Juni 2011
Der Wiener Historikers Philipp Blom studierte Geschichte, Philosophie und Judaistik in Wien und Oxford und promovierte in Geschichte. In seinem Buch "Böse Philosophen" beschäftigt er sich mit den Vordenkern der Aufklärung - und kommt zu einem radikalen Schluss: Es wird systematisch verdrängt, dass wir unsere Werte nicht der Religion verdanken, sondern der Aufklärung - und zwar nicht der eines Jean Jaques Rousseau, sondern der des radikaleren Denis Diderot. Der Buchtitel ist ironisch zu verstehen, denn für den Autor sind diese Intellektuellen keineswegs böse, sondern die zukunftsweisenden Köpfe der Epoche.

Als die "radikalen Aufklärern" bezeichnet Blom die Clique von Freunden, die sich im Pariser Salon des Barons Holbach trafen und bei Essen und Trinken "philosophierten". Die besten Köpfe Englands, wie Adam Smith, Lawrence Sterne oder David Hume, drängten sich, zu diesem Kreis Zugang zu erhalten. In dieser lockeren Atmosphäre eines Pariser Salons entstand in der Mitte des 18. Jahrhunderts die Idee der "radikalen Aufklärung". Darunter versteht Blom die radikale Abwendung von dem leidenden und zu Tode gefolterten Gott des Christentums, sowie die radikale Zuwendung hin zum Leben "nach der Natur", hin zur Erforschung der Naturgesetze. Denn diese radikalen Aufklärer sahen in der Religion den Feind von Freiheit, Vernunft, Wahrheit, Lust und Ethik. Eine Gesellschaft, die sich aus der schuldbeladenen christlichen Moral ableitet, bedeutete für sie Versklavung.

Als Gegenpol zu dieser Gruppe um Diderot und Holbach baut der Historiker Blom zwei Figuren auf, die bis heute unser Bild von der Aufklärung prägten und zu Unrecht dominierten: Voltaire und Rousseau. Voltaire sei nur ein Financier von Fürsten gewesen, ohne eigenes philosophisches Werk, der vor Angst um sein Geld Gott als moralische Schutzmacht vor Dieben gebraucht hätte. Und auch Rousseau betrieb nach Blom das Gegenteil von Aufklärung. Nämlich die Verklärung seines eigenen Egos. Ein Schmerzensmann, der es liebte, von seiner Angebeteten gezüchtigt zu werden. Rousseau gründete seine eigene, private Religion: Den Glauben an die Unschuld der Natur und an die Schuld der Gesellschaft, an das schlechte Gewissen.

Dennoch hat Rousseau unser Bild der Aufklärung entscheidend geprägt. Er gilt als "guter" Philosoph - zu Unrecht, findet Blom. Für ihn waren seine Wegbegleiter Denis Diderot und Baron Paul Thiry d'Holbach die wahren Aufklärer. Doch sie wurden im Schatten von Rousseau marginalisiert und galten als "böse", weil sie den Frevel begingen, Gott zu leugnen.

Philipp Blom will die radikalen Aufklärer rehabilitieren, er ist überzeugt: Rousseau ebnete den Weg für die Unterdrückung des Menschen im Namen des "Guten", die Legitimierung des Stalinismus und anderer politischen Unterdrückungssysteme. Jean-Jaques Rousseau war kein Menschenfreund, sondern ein Feind der menschlichen Freiheit - und das alles im Namen der Aufklärung. Um die ideale Gesellschaft zu schaffen, dürfe der Staat auch Zwang anwenden, so Rousseau. Blom führt diese Haltung darauf zurück, dass Rousseau tiefreligiös war und ohnehin auf ein besseres Leben nach dem Tod hofft.

Mein Fazit:
Der Historiker Philipp Blom hat ein fesselndes Buch über gar nicht fromme Philosophen der Aufklärung geschrieben. Anekdotenreich und empathisch schildert er die Beziehungen der Besucher im Pariser Salon Holbach. Dabei bedient er sich einer brillanten Erzähltechnik, Leben und Lehre der geschilderten Personen fließen elegant ineinander. Das Buch ist für mich ein historisches Meisterstück und philosophisches Plädoyer zugleich. Es bringt die die radikale Variante der Aufklärung wieder in Erinnerung, die eine Idee von einer wirklich menschlichen Gesellschaft hatte.
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am 26. April 2011
Eine ausführliche Darstellung der radikalen Aufklärung, also des Denkens jener Philosophen, die im Salon des Barons Holbach versammelt waren. Eine sehr parteiische Darstellung, das muss man sagen, wer nicht zu den positiven Gestalten des Buches gehört, bekommt so einiges ab (Voltaire zum Beispiel, noch schlimmer ergeht es Rousseau), aber da immer rational nachvollziehbar argumentiert wird, ist es dem Leser auch leicht möglich, sich sein eigenes Urteil zu bilden, bzw. den Plan zu fassen, das noch beinmal nachzulesen. Die leidenschaftliche Zuneigung des Autors zu den radikalen Aufklärern berührt sehr sympathisch und macht die Lektüre zu einem höchst erfreulichen Erlebnis: Man lern eine Menge über das 18. Jahrhundert und Denkströmungen, die fast aus dem Bewusstsein gedrängt worden sind; man ist angehalten, die sich immer wieder durchsetzende Geringschätzung des Aufklärung zu überdenken und zu revidieren; man gewinnt vor allem viel Einblick in das Leben und das Werk von Diderot. Das alles erlebt man in einem Text, der einem das Gefühl gibt, direkt mit den großen Männern in Holbachs Salon zu verkehren, eingeführt von einem Kenner (Philipp Blom), der es versteht, auf sehr sympathische Weise über sehr komplexe Gegenstände zu reden und Lust macht, sich weiter damit zu befassen.

Auch literarisch ein Genuss, brillant geschrieben, gut lesbar, unterhaltsam und gelegentlich mit einer Prise Humor angemessen gewürzt. (Die wenigen sprachlichen Ungenauigkeiten sind zu verschmerzen. Mit der falschen Verwendung des Wortes »ultmativ«, die uns Marketing-Fuzzis mit ihren mangelnden Englischkenntnissen beschert haben, wird man sich in Zukunft wohl abfinden müssen. Nur schade, dass uns auf diese Weise das Wort »ultimativ«, für das es keinen Ersatz gibt, abhanden kam.)
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am 7. Dezember 2013
Anhand eingehender biografischer Beschreibungen zeigt Bloom in diesem höchst interessanten Buch, dass die radikale Aufklärung etwas ganz anderes ist als die rationalistische, gemäßigte Aufklärung. Der Inhalt dieses Buches lässt sich ganz gut an diesen zwei Textstellen aufzeigen:

„Beide (Diderot und Holbach) lehrten, dass die Welt aus nichts weiter bestehe als aus zahllosen Atomen, die auf unendlich komplexe Weise zueinander in Beziehung stünden. Darüber hinaus gebe es nichts: keinen inhärenten Sinn, keinen höheren Zweck des Lebens als das Überleben selbst. Während rationalistische und gemäßigte Aufklärer wie Voltaire glaubten, dass es einen Gott geben müsse, einen großen Uhrmacher, der den Mechanismus der Welt geschaffen haben, waren Holbachs Freunde (oder doch die meisten von ihnen) längst überzeugt, dass die Welt nicht geschaffen worden war, sondern sich durch Zufall und natürliche Auswahl entwickelt hatte, ohne die lenkende Hand einer höheren Intelligenz, eines höheren Wesens.“

„Während die Philosophie den Menschen lange als Vernunftwesen betrachtet hatte und die Vernunft selbst, als dem Göttlichen verwandt, als höchste Qualität des Menschen, argumentierten die radikalen Aufklärer, dass das menschliche Wesen ganz andere Prinzipien gehorche. Die Natur drücke sich durch starke und blinde Leidenschaften aus, die eigentlichen Antriebskräfte des Daseins. Sie könnten mittels Vernunft vielleicht gelenkt werden, so wie Segel ein Schiff durch die unwiderstehlichen Winde und Strömungen eines Ozeans steuern, aber die Vernunft stehe immer an zweiter Stelle, sei schwächer als die Passion.“

Das Leben und Denken der großen Aufklärer, allen voran Denis Diderot, Baron d’ Holbach, Jean Jacques Rousseau und Voltaire werden genau und doch für den Leser unterhaltsam und nachvollziehbar beschrieben. Die negative Kritik über dieses Buch, die meint, der Autor ließe seinen Präferenzen für d’Holbach zu ungunsten von Rousseau einen zu breiten Raum zu, stimmt nur zum Teil und kann durch die positive Kritik entkräftet werden, dass in der Philosophie, wenn bisher von Aufklärung die Rede war, ein wichtiger Teil ausgelassen wurde, eben der Teil, wo es nicht um jene Aufklärung geht, die dann im Romantizismus von Rousseau mündet, sondern um jene, die gerade heute in der Naturwissenschaft erhalten geblieben und zum Teil weiter geführt wird, jene radikale Aufklärung von Philosophen wie Baron Holbach, Diderot und einigen Naturwissenschaftlern wie Buffon und La Mettrie, welche die Welt nüchtern als das betrachten, was sie selbst darüber in Erfahrung bringen konnten, ohne spekulative Aussagen vonseiten religiöser Glaubensvorstellungen oder allzu subjektiv-gefühlsmäßig geprägte Vorstellungen hinein zu interpretieren. Die reine, nackte Naturwissenschaft sozusagen, wird von den radikalen Aufklärern propagiert und vorangetrieben, der einzige Unterschied zu heute besteht darin, dass heute der Begriff der „Leidenschaft“ nicht mit berücksichtigt wird. Rousseau wird ein großer Raum vorbehalten und es finden sich darin nicht nur negative Aussagen, im Gegenteil, die Gegenüberstellung von radikalen und gemäßigten Aufklärern ist dem Autor sehr gut gelungen, ohne dass ich eine Parteinahme bemerkt hätte. Natürlich sind in der Ideengeschichte d’Holbach und Diderot nicht so bekannt wie Rousseau und Voltaire bzw. spielen bei der Geschichtsschreibung eine geringere Rolle, deshalb denke ich, wollte der Autor einfach zeigen, dass diese zwei Denker mindestens genau so wichtig sind und übertrieb vielleicht etwas ihre Größe gegenüber den zwei anderen Denkern. Nichtsdestotrotz gibt es einige positive Bemerkungen über Voltaire und Rousseau:

„Eine mögliche Antwort ist, das Voltaire und Rousseau einfach die besseren Philosophen waren und diese Ehre mehr verdienen. Schließlich war Voltaire der große Verfechter der Menschenrechte und anderer aufgeklärter Ideale, die Verkörperung des Kampfes zwischen Vernunft und Aberglauben, und schließlich wird Rousseau noch heute als die Stimme der menschlichen Freiheit und der radikalen persönlichen Ehrlichkeit verehrt, als ein weiser Freund, der die ganze Gesellschaft in die Freiheit führen kann, als Pionier des Unbewussten und unermüdlicher Erforscher der emotionalen Untiefen unserer Psyche.“

Die Kirche, das Christentum und Fragen um die Theodizee spielen in diesem Buch eine große Rolle und der Autor zeigt auf, wie das Verhältnis und die Beziehung der genannten Philosophen zu theologischen Fragen war und wie sich christlich- religiöse Vorstellungen auf das Leben und Denken der Menschen auswirkte, insbesondere auf Themen wie Sexualität, Freiheit und Identität:

„Anstatt aber nach diesem einfachen und natürlichen Gesellschaftsvertrag zu leben, der es den Menschen möglich macht, ihren natürlichen Instinkten zum allgemeinen Wohl zu folgen, hat die Religion den Menschen eine Moral aufoktroyiert, welche die Triebe der Natur verformt oder zerquetscht. Holbach vergleicht die christliche Moral mit dem Brauch bestimmter peruanischer Inka-Stämme, Säuglingen die Stirn abzubinden, um ihren Schädel zu verlängern. „Man sagt, dass die Wilden den Kopf ihrer Kinder, um ihn abzuflachen, zwischen zwei Bretter einklemmen; auf diese Weise hindern sie ihn, die Form anzunehmen, die ihm von Natur aus bestimmt ist. Fast ebenso verhält es sich mit allen unseren Einrichtungen; sie wirken gewöhnlich der Natur entgegen und hemmen, verändern und töten die Antriebe, die sie uns gibt; sie setzen andere Antriebe, die die Ursache unseres Unglücks sind, an ihre Stelle.“ Solchermaßen infantilisiert und täglich mit Lügen gefüttert, lassen sich die Menschen von Chimären unterhalten und werden daran gehindert, gemäß ihrem eigentlichen Wesen zu leben.“

Einen breiten Raum nehmen auch die Biologie, Chemie und andere Naturwissenschaftliche Gebiete wie die Physik, ein, und beschäftigen sich mit der Frage nach dem Leben, nach dem Lebendigen:

„Leben ist Bewegung, während alles Tote erstarrt ist und nur von außen bewegt werden kann. Einzelne Partikel aber können die Kluft zwischen beiden überbrücken. Marmorstaub kann als Dünger verwendet werden und als Teil der Pflanze selbst zum Leben erwachen und sogar zur denkenden Materie werden, wenn die Pflanze von einem Menschen gegessen wird. Der Mensch ist deshalb nichts als eine vorläufige Organisation von Molekülen, Teil einer endlosen Kette des Daseins.
Das Leben ist ein materielles Phänomen, eine Eigenschaft der Materie, die sogar Persönlichkeit und Gedanken formt, argumentiert Bordeu und zitiert dabei zeitgenössische Fallstudien von Menschen, die aufgrund von Hirnverletzungen bestimmte Aspekte ihrer Persönlichkeit verloren hatten. Die unendlich kleinen Partikel, aus denen ein lebender Körper besteht, folgen einem Organisationsprinzip und ordnen sich selbst zu Organen und Individuen. Wie in einem Bienenschwarm, in dem einzelne Tiere weiterhin individuelle Wahrnehmungen haben, während sie einem allgemeinen willen folgen, verschmelzen sie zu einer Einheit aus vielen Einzelwesen.
Mit diesen Worten kommt Diderot einer natürlichen Grundlage für den inneren Konflikt zwischen rationaler Überzeugung und natürlicher Neigung sehr nahe. Der Geist gibt eine Richtung vor, aber der Körper, der nicht rationale Teil des Selbst, zieht in eine ganz andere Richtung. Mehr noch: Die einzelnen Teile des Körpers machen ständig ihre eigenen Bedürfnisse geltend, wie Julie Lespinasse begreift: „sagen Sie mir also, ob die Isolation verschiedener Teile nicht Menschen von verschiedenem Charakter ergibt? Hirn, Herz, Brust, Füße, Hände, Hoden … Oh, wie das die Moral vereinfacht!“ Wie würden der Hirn-Mann, der Bauch-Mann, der Hoden-Mann handeln? Nach dem Diktat des dominanten Organs. Weil aber alle in einem einzelnen Individuum miteinander bestehen müssen, unterliegt der Mensch zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedlichen Einflüssen nicht aus moralischer Schwäche, sondern aufgrund seiner Natur.“

Der schottische Philosoph der Aufklärung und Begründer des Empirismus David Hume wird auch näher betrachtet, denn er ist den radikalen Aufklärern näher als den gemäßigten, wenn er zum Beispiel schreibt: „Nur Erfahrung kann uns etwas über die Welt lehren“.
Als direkter Vorläufer der radikalen Aufklärung wird auch Lukrez benannt und seine Philosophie wird näher erläutert.

Cesare Beccaria (1738-1794), wird als „eine Art Wunderkind der Aufklärung“ im Zusammenhang mit dem neuen Strafrecht erwähnt, das er in seinem Werk zugunsten humanerer und wissenschaftlicher Prinzipien reformierte. Sein Werk „Dei delitti e delle pene“ (Von den Verbrechen und von den Strafen) übte großen Einfluss auf die verschiedenen Länder Europas aber auch auf die Vereinigten Staaten aus.

Neben diesen oben erwähnten Philosophen, kommen eine Menge anderer Denker hinzu wie zum Beispiel Kant, Spinoza und Descartes. Diese detaillierte Geschichte der Aufklärung bereichert insofern, als dass eine neue, breitere, aber auch nicht gewöhnliche Sicht auf das Phänomen der Aufklärung gesetzt wird, und das ist deshalb wichtig, weil die Aufklärung bin in unsere Tage hineinreicht und noch immer nicht zu einem Abschluss gelangen konnte wie Diderots Fragen hier bestätigen:

„Aber wie kann die Vernunft eine Perspektive erlangen, die frei vom Sog der Leidenschaften ist? Wie können wir objektiv abwägen? Wie und warum sind wir selbstkritische Wesen? Wie können wir die Gefühle anderer verstehen und eine theory of mind haben, die es uns erlaubt, die Gefühle und Gedanken von Mitmenschen zu verstehen? Und wenn unsere Vernunft nicht cartesianisch und objektiv ist, sondern Teil unserer individuellen körperlichen Beschaffenheit und wenn verschiedene Menschen zu unterschiedlichen Einschätzungen einer Situation kommen – wie ist es dann möglich, zu einer gemeinsamen Wahrheit zu finden?“

Hier noch einige Textstellen:

Begehren führt oft nicht zum ewigen Glück, sondern zu Verlust, Versagen und Enttäuschung. Wir erfahren unsere Grenzen und unsere Sterblichkeit erst durch das enttäuschte Verlangen, unser Verständnis wird dunkler und tiefer, von Tragödie gezeichnet, wir erkennen unser eigenes Leiden in anderen, die Empathie erwacht. Dadurch können wir uns für die Solidarität öffnen, wir brauchen Freunde und Helfer, bauen Gemeinschaften, erzählen Geschichten, um den Sinn für die Welt zu retten, ihn hineinzuerzählen in unser chaotisches Erleben. Wir erkennen, dass wir alle vor unserer persönlichen Auslöschung stehen, und finden Trost in Freundschaft und Sex, in Kunst und, wie Richard Rorty gesagt hätte, in Ironie.
Diese Prämisse ist es, die unsere postchristliche Welt transformiert und humaner macht. Sie beruht nicht auf Rousseaus Ekel und Schuld und der daraus erwachsenden Hoffnung auf ein besseres Jenseits, sondern auf erotischem Begehren, Empathie und Solidarität. Aus dieser Einsicht entsteht das, was schon Epikur im antiken Griechenland lehrte: der ständige Versuch, die eigenen Leidenschaften zu verfeinern und zu lenken, anstatt sie zu verleugnen, das eigene Glück in dieser Welt zu finden, der eigenen Umwelt so wenig wie möglich zu schaden und so viel Gutes wie möglich zu schaffen.

Der Mensch, schrieb Buffon, muss endlich seinen Platz einnehmen « in der Klasse der Tiere, denen er in jeder materiellen Hinsicht ähnlich ist ». Weit davon entfernt, die Krone der Schöpfung zu sein, seien die Menschen Teil der organischen Welt und unterschieden sich von anderen Tieren nur graduell, nicht aber prinzipiell. Trotz ihrer Errungenschaften seien sie nur ein paar Nuancen entfernt von Affen, Hunden, und Pferden. Schon La Mettrie hatte das behauptet, aber es war noch immer Ketzerei.

Es ist verlockend, menschliches Leiden als Gottes Willen zu interpretieren, aber jede Ungerechtigkeit, jede menschliche Tragödie stellt Gottes Güte, seine Allmacht und seine Allwissenheit in Frage.

„Wenige Menschen haben Zeit, sich selbst zu belehren. So kann zum Beispiel der Arme weder nachdenken noch forschen; er empfängt die Wahrheit wie den Irrtum nur durch Vorurteil.“ Menschen, die ignorant sind, handeln schlecht, weil sie unwissend sind, weil Aberglaube über wissenschaftliche Tatsachen regiert.

Jedes Urteil, das wir fällen, ist subjektiv, auch wenn es einer Notwendigkeit zu folgen scheint. Wie bei Künstlern sind die Produkte unseres Geistes kreative Interpretationen, die individuelle Horizonte und kulturelle Regeln miteinander verschmelzen.

Die Probleme der Menschheit resultierten aus der unglücklichen Tendenz zu ignorieren, was vor unseren Augen stattfindet, und stattdessen haltlosen Spekulationen zu folgen.

Man müsse die Wörter von Volksglauben, philosophischen Irrtümern und falschen Bedeutungen säubern, so wie man einen Schiffsrumpf von Muscheln freikratzt, bis das blanke Kupfer wieder leuchtet. Nur ein so geläutertes Idiom, in dem jedes Wort eine klare, empirische Realität bezeichnet, könne die „reiche und vielfältige Sprache eines zivilisierten Volkes“ werden.

„Törichte Menschen! Ihr glaubt es in eurer Macht zu haben, die Leidenschaften zu ersticken, die die Natur euch eingepflanzt hat! Nein, sie sind Gottes Werk! Ihr wollt diese Leidenschaften zerstören, sie in gewisse enge Grenzen bannen. Wahnsinnige. Ihr gebt euch also für neue Schöpfer aus, die mächtiger sein wollen als der alte?“

„Wir brauchen das Licht der Vernunft, argumentierte Diderot, und wir müssen es gegen jene verteidigen, die versuchen, es auszulöschen. Nur mithilfe der Vernunft können wir uns in dem Dickicht der moralischen Entscheidungen, die uns abverlangt werden, orientieren. In einer kleinen philosophischen Fabel beschreibt der Autor einen Mann, der nur beim Licht einer Fackel einen dunklen Wald durchwandert. Er trifft auf einen Fremden, der ihm rät, die Fackel zu löschen, um besser sehen zu können. „Der Fremde“, kommentiert Diderot trocken, „war ein Theologe.“

Verbrechen sind also das, was eine Gesellschaft an einem bestimmten historischen Moment dazu erklärt.
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am 14. Oktober 2012
Die Anzahl von Philosophiegeschichten ist beinahe unermesslich. Populärwissenschaftliche Darstellungen der abendländischen Ideengeschichte füllen die Regale von Bibliotheken und Buchläden. Aus dem Konvolut geistiger Strömungen des Okzidents pickt sich der Historiker Philipp Blom eine scheinbar vergessene Epoche der frankophonen Philosophie des 18. Jahrhunderts heraus: Gemeint ist die Hochzeit der französischen Radikalaufklärung. Zentral für seine Darstellung ist der Salon des deutschen Philosophen Paul Thiry d’Holbach (eigentlich Paul Heinrich Dietrich Holbach), der Treffpunkt der europäischen Philosophenelite wurde und zahllose Denker, wie Rousseau, Hume und Beccaria zu Wein und anregenden Diskussionen subversiven Gedankenguts einlud. Nicht fehlen darf dabei der Streit Rousseaus mit den Holbach-Kreis und dessen Sympathisanten, der im Briefstreit zwischen Hume und Rousseau kulminierte und für Monate die Philosophenwelt beschäftigte. Die offenbar paranoiden Anwandlungen eines Jean-Jacques Rousseau bilden ein Hauptaugenmerk innerhalb der Ausführungen Bloms.

Der Titel des Buches "Böse Philosophen" ist mit einem Augenzwinkern zu verstehen, denn die genannten Denker, vor allem Holbach und Denis Diderot, gelten zu Lebzeiten als ketzerische Intellektuelle, die tradierte Normen umwerfen wollen und durch ihre Forderungen nach einer Orientierung der Ethik am Hedonismus die Belange der seriösen Aufklärung ins Extrem führten und so zu einer existenziellen Bedrohung für Staat und Religion wurden.

Das Buch ist in drei Hauptkapitel untergliedert, die hauptsächlich die Protagonisten und einzelne Sympathisanten des Holbach-Kreises abhandeln. Komplettiert werden die Darstellungen durch die Rekonstruktion der philosophischen Kernideen und die Beziehung zum Salon. Abgerundet wird das Werk durch ein Prolog des Autors, in dem er seine grundlegenden Überzeugungen assoziativ darlegt, einen Epilog, in dem Blom das posthume Wirken der Radikalaufklärung französischer Couleur nachzeichnet und einigen weitergeführten Gedanken aus dem Prolog sowie einem Glossar der wichtigsten Personen und einigen Literaturempfehlungen.

Blom gelingt es durch lebendige Zeichnungen der damaligen politischen und geistigen Begebenheiten in eine Epoche einzuführen, die von umstürzlerischen Gedanken, die lange Gefängnis- oder sogar Todestrafen nach sich zogen, nur so überquoll. Irritierend dabei ist jedoch der von Blom gewählte Untertitel "Ein Salon in Paris und das vergessene Erbe der Aufklärung" und sein mehrmalig ausgedrücktes Bedauern, dass die Werke der Radikalaufklärer in Vergessenheit geraten sind. Tatsächlich sollte ihm bei seinen Recherchen aufgefallen sein, dass die Radikalaufklärung, insbesondere die französischsprachige, ein viel diskutiertes Thema innerhalb akademisch-philosophischer Auseinandersetzungen ist. Als prominente Beispiele sind hier u.a. Panajotis Kondylis, Winfried Schröder, Jonathan Israel und Ursula-Pia Jauch zu nennen. Zudem plant der Suhrkamp-Verlag für Anfang nächstes Jahres einen Sammelband zur Radikalaufklärung. Dass Diderot innerhalb der Forschung weniger Beachtung als Radikalaufklärer bekommt, liegt einfach daran, dass er kein genuin philosophisches Hauptwerk verfasste, sondern vor allem kurze Aufsätze und einzelne Bonmots, die jedoch wenig philosophische Rafinesse vorweisen können. Interessanter und ergiebiger sind dahingehend eher die Schriften eines La Mettries, der spätestens mit Friedrich Albert Langes "Geschichte des Materialismus" in Deutschland wiederentdeckt wurde.

Etwas reißerisch und platitüdenhaft ist die Einleitung gelungen. Hier wettert Blom nicht nur gegen das Vergessen der Radikalaufklärung, sondern insbesondere aus dem daraus folgenden unreflektierten Verharren in religiösen Traditionen. So beteten wir zwar keine Götter mehr an, deren Stellung im Raum des Heiligen nähmen nun aber angeblich Topmodels und andere Werbebilder ein. Dem Leser steigt die Schamesröte ins Gesicht angesichts folgender Äußerungen:

"Von der scheinbar ultrasäkularen Welt der schmierigen Verführung zu den flammenden Predigten, die von der Kanzel herab alle Sinnlichkeit mit Höllenfeuer bedrohen, ist es nur ein kurzer Weg, und auch unsere Selbstwahrnehmung hat sich noch nicht von dieser Logik befreit. Man könnte meinen, dass die Werbebilder, mit denen wir pausenlos bombardiert werden und die fast ausnahmslos junge, schlanke, reiche und ungeheuer glückliche Menschen zeigen, mehr mit der sinnlichen Philosophie eines Epikur gemeinsam haben als mit der lustfeindlichen Lehre der Ecclesia, aber tatsächlich macht ihre Unerreichbarkeit diese Bilder zu religiösen Ikonen. [...]Die Ikonen unserer Tage zeigen durchtrainierte und per Computer optimierte Modelle anstelle von Heiligen, aber ihre Funktion ist dieselbe geblieben: Sie unterminieren den Wert unseres eigenen Lebens, wecken Schuldgefühle, demütigen uns und fordern uns gleichzeitig auf, unser Leben einem unmöglichen Ideal zu widmen, einer lebensfernen Vision vom ewigen Glück und perfekter Gedundheit, von sonnengebräunter Jugend und inszenierter Eleganz, von Coolness und Reichtum statt kirchlichem Segen." (21f.)

Die einzige Rettung bestünde, laut Blom, in einem rigorosen Bekenntnis zum Atheismus und zum Materialismus, also zu den Überzeugungen seiner aufklärerischen Helden. Leider missversteht er aber einige Belange der französischen Radikalaufklärung. So schreibt er auf Seite 16: "Anders, als die Kritiker immer wieder warnten, führten die Lehren der radikalen Aufklärernicht zu wilden Orgien, ungezügelter Gier und haltlosem Hedonismus, sondern zu einer Gesellschaft, die von gegenseitigem Respekt getragen war" Dies ist jedoch nur teilweise wahr. Erinnert sei an die zahllosen Schmuddelkinder der Radikalaufklärung, wie La Mettrie oder Marquis d' Argens, ganz zu schweigen vom Meister der Monstrositäten: Marquis de Sade, der keine Abscheulichkeit als Möglichkeit zur Lustgewinnung ausließ.

Der Einleitung folgt eine anekdotenreiche und abwechslungsreiche Darstellung der Hochzeit der französischen Radikalaufklärung um Holbachs-Salon. Detail- und kenntnisreich erzählt Blom über das geistige Klima des mittleren 18. Jahrhunderts. Aufhänger hierfür sind zumeist bekannte und weniger prominente Philosophen, Politiker und Literaten aus ganz Europa, wie Beccaria, Benjamin Franklin, Hume, Sterne, Abbé Ferdinando Galiani und d'Alembert. Zudem werden einige geistige Paten behandelt, die zwar nicht zur Zeit des Holbach-Kreises lebten, dennoch als Impuls- und Ideengeber des Salons angesehen werden können, wie Spinoza und Pierre Bayle.

Selbstverständlich ist ein Kapitel der Encyclopédie von Diderot und d'Alembert gewidmet, in dem Blom über deren Zwecke und die damit einhergehenden Gefahren durch das lexikalische Monumentalwerk berichtet. Man bekommt zudem im Laufe der Lektüre einen Einblick in die alltäglichen und ganz weltlichen Sorgen der Protagonisten, die, von einem fast ungehemmten Idealismus getrieben, sich familiären und finanziellen Querelen und Widrigkeiten sowie der stetigen Bedrohung durch Gesetz und Kirche gegenübersahen. In diesem Rahmen taucht immer wieder der Name Jean-Jacques Rousseaus auf, der von Blom nonchalant nur "Jean-Jacques" genannt wird. Er kristallisiert sich als ein Abtrünniger heraus, der sich bereits in frühen Jahren zum Gegner und später auch zu einer großen Gefahr für Diderot und Holbach wandelte. Insbesondere der Veröffentlichung seiner autobiographischen "Bekenntnisse" wurde mit Bangen erwartet, denn hierin rechnete Rousseau mit seinen ehemaligen Freunden ab und ihr Ansehen und ihre Prominenz schien hierdurch gefährdet. Laut Blom ist genau dies eingetreten, weshalb er auch vom "vergessenen Erbe" Holbachs und Diderots spricht. Die Motive für Rousseaus Abkehr vom Salon führt Blom leider unreflektiert oftmals auf pathologische Ursachen zurück. Er verleiht Rousseau somit das Label eines einsamen Irren: U.a. "Die Schlussfolgerungen, zu denen Rousseau kam, waren allerdings schon paranoid verzerrt." (154). Durch diese Engführung verkommt Ideengeschichte zur Krankengeschichte und rückt philosophische Argumente zu sehr in den Hintergrund. Etwas mehr Fingerspitzengefühl und unvoreingenommene Lektüre der Rousseauschen Schriften wäre hierbei wünschenswert gewesen um haarsträubende Thesen, wie Rousseau sei Inspirationsquelle von Hitler und Stalin gewesen, zu vermeiden:

"Rousseaus pathetic fallacy hatte kosmisches Format, denn er ging instinktiv davon aus, dass die ganze Welt gegen ihn sei und ihn vernichten wolle, und aus dieser Furcht heraus formulierte er eine Philosophie, die auf den ersten Blick aussieht wie eine Verteidigung der menschlichen Freiheit und Würde, auf den zweiten Blick aber ein zutiefst pessimistisches Menschenbild und die Fundamente einer repressiven und äußerst brutalen Gesellschaftsordnung erkennen lässt. Auf Schuldgefühlen und Paranoia basierend, ebnete diese Philosophie der Unterdrückung im Namen hehrer Ideale den Weg für die totalitären Regime des 20. Jahrhunderts." (18)

Trotz der genannten Mängel ist Philipp Bloms "Böse Philosophen" eine lesenswerte, allerdings rein populärwissenschaftliche Einführung in die Geschichte der frankophonen Aufklärung. Sie besticht durch einen offenbar hohen Rechercheaufwand, der sich in zahllosen Anekdoten und Schilderungen zwischenmenschlicher Beziehungen niederschlägt. Es gelingt dem Autor so ein lebendiges Bild der Zeit um die Mitte des 18. Jahrhunderts in Frankreich zu zeichnen.
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am 4. Oktober 2011
Es tut gut dieses Buch zu lesen, in einer Zeit wo das Oberhaupt der katholischen Kirche ohne erheblichen Widerspruch zu ernten behaupten kann, dass der Atheismus Schuld sei an den Völkermorden des 20. Jahrhunderts. Wo beide Kirchen für sich reklamieren, dass unsere Leitkultur eine christliche ist und abstreiten, dass die Elemente dieser Leitkultur wie Freiheit, Demokratie und Menschenrechte gegen die christliche Ideologie erkämpft wurden. Und wo auch in einer evangelischen Predigt ohne Widerspruch gesagt werden kann, dass ein Werte- und Verantwortungs-bewußtes Leben nur in Verbindung mit einem Gottesglauben zu führen sei (welcher Gott auch immer: so liberal ist man ja inzwischen in manchen Kirchenkreisen). Für den, der dieser Überheblichkeit der Kirchen widerspricht, heißt dieses Buch "Gute Philosophen", denn der Widerspruch gegen diese Überheblichkeit ist mindestens so alt wie die französische Aufklärung. Von dieser handelt Philipp Bloms Buch.

Es ist ein bunter Bilderbogen der Zeit etwa von 1740 bis 1780 in Frankreich und zugleich ein philosophischer Exkurs über die Ideen, die von dem Salon des Barons Paul-Henri Thiry d'Holbach in Paris ausgingen. Er war ein Anziehungspunkt für europäische Intellektuelle. Dort wurden Gedanken in vertrautem Kreis ausgesprochen, die nicht ungefährlich waren und einen sogar den Kopf kosten konnten: dass es keinen Gott gibt, dass er eine Erfindung der Menschen sei. Man diskutierte darüber, dass Religion in der Funktion die Welt zu erklären gescheitert und in der Funktion der Gesellschaft Regeln zu geben entbehrlich sei.

Zentrale Persönlichkeit in diesem Kreise war, neben dem aus Deutschland stammenden Baron selbst, der Schriftsteller und Philosoph Denis Diderot, der einem im Laufe des Buches immer sympathischer wird. Dazu tragen bei seine Äußerungen über (Sexual-)Moral: "Alles was angenehm ist ohne jemandem weh zu tun, ist gut. Zölibat ist also schlecht, 'solitäre Akte' sind gut." Oder: "Nichts was mit beiderseitiger Zustimmung zwischen zwei Erwachsenen passiert, darf verboten sein". Oder auch seine frühe Kritik am Unrecht des Kolonialismus. Lange Zeit verdiente Diderot sein Geld durch die Herausgabe der berühmten "Encyclopédie", einem Mammutwerk der Aufklärung, das in 71818 Artikeln und auf 18000 Seiten das Wissen der Zeit zum Ausdruck brachte. Trotz starker Anfeindungen konnte es nicht zuletzt dank der Unterstützung des liberalen Oberzensors Malesherbes erscheinen.

Dies war nicht selbstverständlich. Die Ansichten des Holbach-Kreises unterhöhlten das Fundament des absolutistischen Staates: den christlichen Gottesglauben, repräsentiert durch die Kirche. Mißliebige Meinungen wurden brutal unterdrückt. Diderot mußte 1749 in Festungshaft, nachdem er in einer Schrift dargelegt hatte, dass Gott nicht wahrnehmbar sei und dass man das Rätsel der Welt nicht durch ein anderes Rätsel (Gott) erklären sollte. Helvétius - auch aus Holbachs Kreis - schrieb 1758 das Buch "De L'Esprit". Es ging durch die Zensur. Erst als er es wagte ein Exemplar dem König zu schicken, kam es zu einem Skandal. Nur durch Protektion blieb seine Strafe glimpflich: er verlor seine Stellung und mußte öffentlich widerrufen. Holbachs Schrift "Das entschleierte Christentum" wurde anonym in Amsterdam gedruckt und versteckt in Heringsfässern mit doppeltem Boden und in Strohballen nach Paris geschmuggelt. Ein Buchhändler der mit zwei Exemplaren festgenommen worden war, wurde an den Pranger gestellt, ausgepeitscht und gebrandmarkt und dann für mehrere Jahre auf die Galeere geschickt. 1766 wurde der gerade 19 Jahre alte Chevalier de la Barre wegen Blasphemie zum Tode durch Enthauptung nach vorherigem Durchstechen der Zunge verurteilt.

Das Buch lebt auch von der anschaulichen Darstellung der Vorläufer des materialistischen Denkens (des naturalistischen würde man heute sagen) wie: Epikur, Lukrez, Spinoza (Blom: "er hat Gott aus der Welt gepriesen"), la Mettrie, Bayle und der Dorfpfarrer Jean Meslier, der mit seinem 500-seitigen Testament eine Fundamentalattacke gegen Kirche und Religion führte. Ebenso interessant sind Schilderungen von Zeitgenossen, die dem Salon nahestanden, wie die Engländer David Hume und David Garrick, die Italiener Abbé Galiani und Cesare Beccaria und der Deutsche Friedrich Melchior Grimm. Voltaire wird als Intrigant und inkonsequenter Denker dargestellt. Z.B. wurde das Testament des Jean Meslier von ihm soweit verkürzt und entstellt, dass aus einem Werk des radikalen Atheismus nur noch ein Traktat gegen Aberglauben und Machtmißbrauch übrigblieb.

Besonders aber arbeitet sich Blom in langen Passagen an Jean Jacques Rousseau ab, der anfangs Diderots Freund war und auch in Holbachs Salon verkehrte. Blom stellt ihn als Paranoiker und schlechten Charakter dar. Seine fünf unehelichen Kinder mit seiner Mätresse übergab er dem Findelhaus und rühmte sich dessen auch noch. Gleichzeitig schrieb er in seinem Roman "Émile" über die ideale Kindererziehung. Seiner Gönnerin Louise d'Épinay, die ihm jahrelang ein Zuhause bot, schlug er die Bitte ab, mit ihr zu einer Pockenimpfung, die sie dringend benötigte, in seine Heimatstadt Genf zu fahren. David Hume, der gutmütige schottische Philosoph ("Le bon David"), der ihn, ohne auf alle Warnungen zu hören, nach England einlud und ihm dort eine neue Bleibe und Einkommen verschaffte, machte er sich durch falsche Anschuldigungen zum Feind. Rousseaus Denken war geprägt von einer starken Lustfeindschaft. Während die Lust für Diderot Motor des Lebens war (wir entstehen aus Lust), war sie für Rousseau eine Sünde, die zu Schmerzen und Leiden führt. Geprägt war er durch seine Herkunft: seine Mutter starb kurz nach seiner Geburt und sein Vater machte ihm dies zum Vorwurf. Im "Gesellschaftsvertrag" beschrieb Rousseau die ideale Gesellschaft, die für ihn wegen der Divergenz der Einzelinteressen nicht demokratisch sein konnte. Sein idealer Staat war ein Einparteienstaat mit Unterdrückung der Meinungsfreiheit und Unterordnung der unterschiedlichen Willensäußerungen unter den allgemeinen Willen. Originalton Rousseau: "Sobald sich jemand ... als Ungläubiger zu erkennen gibt, so verdient er die Todesstrafe". Der Menschenschlächter Pol Pot war begeisterter Leser Rousseaus.

Diderot wurde am 6. Januar 1770 eine besondere Ehre zuteil: weil in seinen Dreikönigskuchen eine trockene Bohne eingebacken war, wurde er in Holbachs Salon zum "Bohnenkönig" ausgerufen. Noch vor dem Dessert hatte er ein Gesetzbuch verfaßte, in dem stand, dass König Denis wolle, dass seine Untertanen über ihn herrschten und dass jeder nach seiner Facon glücklich (nicht selig!) sein sollte.

Wie kam es denn nun dazu, dass das Erbe der Aufklärung vergessen wurde, wie es im Untertitel heißt? Blom sieht die Ursache hierfür in der französischen Revolution. Der Staatsreligion eines Robespierre waren die atheistischen Aufklärer mit ihrer hedonistischen Ethik zu gefährlich. Roussaus "Gesellschaftsvertrag" lieferte den nötigen Überbau für den Terror der Revolutionäre. Der Romantik stand der Gefühlskult Rousseaus auch näher als die Betonung der Rationalität. Schließlich hatte das industrielle und koloniale 19. Jahrhundert auch keinen Bedarf an Denkern, die an der organisierten Religion rüttelten, einem stabilen Grundpfeiler der Gesellschaft.

Dies ist nun das zweite Buch von Philipp Blom, das ich mit Genuß und Gewinn gelesen habe. Man kann ihn mit Augenzwinkern einen "Vorabend-Autor" nennen. In "Böse Philosophen" schildert er das Denken und die Gesellschaft am Vorabend der französischen Revolution, in "Der taumelnde Kontinent" das Europa am Vorabend des 1. Weltkriegs. Was soll ich nun lesen ? Sein neues Buch "At Breaking Point" soll Leben und Kultur in Europa und USA am Vorabend des 2. Weltkriegs beschreiben. Aber es wird wohl noch auf sich warten lassen. Vielleicht beginne ich erstmal die Hume-Biografie von Gerhard Streminger. Beim Lesen von Philipp Blom bekommt man Lust, Dinge zu vertiefen.
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am 6. April 2014
Enlightenment, das englische Wort für Aufklärung, wörtlich übersetzt etwa mit Erhellung. Und selten noch hat ein Buch derart erhellend auf mich gewirkt wie Philipp Bloms kleine aber umso großartigere Philosophiegeschichte rund um die französischen Enzyklopädisten. Wie mit einem Scheinwerfer möchte man damit in die nebelverhangenen Theologie- und Esoterik-Abteilungen der Buchhandlungen vordringen und mit einer seit dreihundert Jahren anstehenden Entrümpelung beginnen.
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am 16. Juni 2011
Kein trockenes Philosphiebuch liegt vor uns, sondern eine tiefgründige, informative und noch dazu spannend geschriebene Beschreibung der Aufklärung in Paris. Selten wird man so faszinierend und lebendig Teil eines "Aufklärungssalons" in Paris, erfährt von den Nöten und Herausforderungen mutig denkender Geister, die gegen die herrschende Clique aus Adel und Kirche zu denken wagten. Und angesichts der Aufstände in den arabischen Ländern denkt man sich: das habe ich doch gerade gelesen, was die jetzt, 250 Jahre später, wollen.......
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am 16. August 2016
Dieses Buch sei jedem empfohlen, der sich mit der Philosophie der Aufklärung zu beschäftigen hat oder sich hierfür interessiert. Allerdings wird nicht die Aufklärung insgesamt thematisiert, sondern nur ein Bereich: ein Bereich, der in der Literatur/Rezeption bislang kaum Beachtung fand. Der Autor nennt diesen Aspekt der Aufklärung „radikal“ und bezeichnet ihre Vertreter als „böse“. Radikal und böse sind die im Buch ausführlich gewürdigten Aufklärer (der Zeit zwischen ca. 1720 und 1790) insofern, als sie evolutionistisch, antiklerikal, atheistisch und Lust bejahend eingestellt waren und (nicht nur) in ihren Schriften entsprechend „ketzerisch“ agierten.
Im Zentrum des Werks stehen der Pariser Salon des Barons Paul-Henri Thiry d’Holbach und all die Philosophen, die in diesem Salon verkehrten. Derjenige, der neben dem Gastgeber am detailliertesten sowohl persönlich als auch intellektuell dargestellt wird, ist Diderot. Dem Autor liegt insbesondere sehr am Herzen, Diderots Vielfalt und Genialität zu entfalten. In der Tat ist seine zeitgenössische wie auch problemgeschichtliche Bedeutung nicht zu erfassen, wenn er nur als Herausgeber und Mitautor der „Enzyklopädie“ gesehen wird.
Mit beleuchtet wird der Bezug der radikalen Aufklärer zu Rousseau und Voltaire, aber nur um deren Positionen mit denen der radikalen Aufklärer zu kontrastieren und die persönlichen Beziehungen zwischen ihnen (u.a. das Entstehen von Animositäten und Feindschaften) aufzuzeigen. Auch das Geschehen außerhalb von Paris und das europäische Umfeld werden nur eingezogen, sofern sich die radikalen Aufklärer aus Paris hinaus bewegten. Ein weiterer Negativpunkt der Darstellung ist die unzureichende Systematisierung. Die Abfolge der einzelnen Kapitel und die Bezüge zwischen ihnen sind wenig durchdacht. Es scheint, dass sich der Autor in der Fülle des Materials, das er vor dem Leser ausbreiten wollte und in der Tat höchst anregend entfaltet, verzettelte.
Trotz der inhaltlichen Begrenzung und der unzureichenden Systematik ist das Buch aber aufgrund seines fundierten Detailreichtums allen an „Aufklärung“ (über deren vergessenes Erbe) Interessierten sehr zu empfehlen.
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am 22. Mai 2014
Religion und Aufklärung - ein spannendes, ein hochaktuelles Thema. Islamistische Terroranschläge, der Einfluss fundamentalistischer Gruppen in den USA, aber auch der Hype um den aktuellen Papst zeigen, dass die Religion immer noch eine Macht ist, mit der man rechnen muss. Der Begriff "Religion" hat für die meisten Menschen einen guten Klang. Für den Begriff "Aufklärung" gilt das weniger. Wenn von Aufklärung überhaupt die Rede ist, dann meist als Kampfbegriff gegen den vermeintlich oder tatsächlich unaufgeklärten Islam. Natürlich ist es richtig, dass die islamische Welt (und ebenso die russisch-orthodoxe) im Gegensatz zum westlichen Abendland nie eine Aufklärung erlebt hat, was die Überlegenheit und Attraktivität des westlichen Gesellschaftsentwurfs gegenüber den autoritären Gesellschaften im islamischen Raum, aber auch in Putins Russland erklärt. Wenn aber "christliche" Politiker sich gegenüber dem bösen Islam auf die Werte der Aufklärung berufen, zu Hause jedoch für Kruzifixe im Klassenzimmer und Verschärfung des Gotteslästerungsparagraphen streiten, ist das in hohem Maße intellektuell unredlich. Höchste Zeit also, sich damit zu beschäftigen, was es mit Religion und Aufklärung eigentlich auf sich hat.

Das Buch "Böse Philosophen" nähert sich der Thematik "Religion und Aufklärung" aus einem originellen Blickwinkel. Es handelt von dem radikalen französischen Aufklärungsphilosophen Paul-Henri Thiry d`Holbach (1723-1789). Obwohl der deutschstämmige Baron auch selbst einige konsequent atheistische Bücher schrieb, liegt seine eigentliche Bedeutung darin, dass er über Jahrzehnte hinweg Gastgeber eines einflussreichen Salons in Paris war, in dem sich die gesamte intellektuelle Elite der Aufklärung traf. Die Geschichte dieses Salons, seine Gäste und insbesondere auch Holbachs Freund, der bekannte Philosoph und Herausgeber der Encyclopédie, Denis Diderot (1713-1784), sind die eigentlichen Themen des Buchs. Die Gespräche im Salon, aber auch die Werke von Holbachs Gästen kreisten immer wieder um das Thema "Religion und Aufklärung". Der Leser erhält ein faszinierendes, eine spannendes, ein höchst lebendiges Panorama des damaligen Denkens. Insbesondere die Philosophen Descartes, Spinoza, Hume und Rousseau werden eingehend vorgestellt. Dabei ist es geradezu atemberaubend, wie modern, wie radikal, wie progressiv und wie konsequent naturwissenschaftlich-atheistisch schon damals gedacht wurde! Vieles, was die damaligen Aufklärer dachten und formulierten, wirkt heute noch provozierend und aktuell. Wie klar, wie vorurteilsfrei, wie offen, wie freimütig und wie unerschrocken damals über Gott und die Welt nachgedacht wurde! Unerschrocken vor allem - jede Form von Religionskritik, schon der Besitz eines atheistischen Buchs, konnte damals in Frankreich mit grausamsten Strafen geahndet werden. (Das Buch bringt erschütternde Beispiele.) Hut ab vor Holbach und seinen radikalen Freunden! Alle, die heute für Demokratie, Freiheit, Aufklärung und Menschenrechte kämpfen (und diese Begriffe ernst meinen und sie nicht nur als Parteiparolen missbrauchen), sind ihre intellektuellen Erben.

Zugleich propagierten Holbach und seine Freunde auch Lust, Erotik und Lebensfreude - ein Frontalangriff auf die muffige Sexualmoral der Kirche. Es war, auch das darf man nicht vergessen, die Zeit des Rokkoko. Die "Tugendherrschaft" der Jakobiner war noch weit, in Holbachs Sinne wäre sie kaum gewesen. Mit dem religösen Menschen und Rousseau-Anhänger Robbespierre, der beim "Fest des höchsten Wesens" den Atheismus als Puppe symbolisch verbrennen ließ, hätte Holbach nichts anfangen können.

Das Buch, und deshalb liebe ich es so, ergreift klar Partei. Holbach, der radikalste aller Aufklärer, Anhänger eines mechanistisch-atheistischen Weltbildes, ist nicht nur Hauptperson des Buchs, sondern auch der erklärte Liebling des Autors. Das ganze Buch ist eine einzige Breitseite gegen die Religion, ein permanentes intellektuelles Feuerwerk atheistischer und aufklärerischer Gedanken. Die These des Autors ist: Holbach ist heute weitgehend vergessen, weil er radikaler war als die meisten anderen, radikaler als die gemäßigten, milden Aufklärer Voltaire und Kant, radikaler insbesondere als der Intimfeind des Autors, Jean Jaques Rousseau, dessen unglückliche Veranlagung ihn zu einem menschenfeindlichen, totalitären und letztlich wieder religiösen Weltbild führte. Nach der französischen Revolution war die hohe Zeit von Romantik und Idealismus, aus denen - so die These des Autors - ein bis heute wirksames im Grunde christlich-religiös geprägtes Weltbild entstand. Einem solchen Weltbild kamen die gemäßigten Aufklärer Voltaire und Kant ebenso zupass wie der Vordenker des Totalitarismus Rousseau, während die radikalen Aufklärer wie Holbach ihrer Wiederentdeckung harren.

Doch das Buch sollte man auch deshalb lesen, weil es einfach brillant geschrieben ist. Ich denke, der Stil des Buchs ist eine große Huldigung an die französischen Aufklärer, die ebenso dachten und schrieben: Intellektuell, elegant, witzig, nie trocken und belehrend, sondern immer spannend und fesselnd, dabei auch Klatsch und Tratsch nicht aussparend, nie vergessend, dass auch die größten Geisteshelden Menschen waren. Nimm und lies, es ist ein Genuss!
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