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am 9. September 2011
Die Autoren beleuchten in ihrer Streitschrift die freiheitliche und informationelle Ausbeutung des Bürgers. Hierzu beschreiben sie zunächst den steinigen Weg hin zum Grundrechtsstandard, wie er in Deutschland zumindest bis in die siebziger Jahre hinein existent war. In diesem Zusammenhang erinnern die Autoren an die Tatsache, dass Freiheit der Normalzustand ist und gerade kein Geschenk der Obrigkeit. Der Naturzustand ist eben nicht, dass der Bürger seine Freiheitsrechte vom Staat erhält, sondern im Gegenteil, dass er gegebenenfalls einen Teil seiner Rechte an den Staat abtritt. Insoweit sollten die Grundrechte Ordnungsprinzipien sein, die eine Organisation der Gesellschaft in demokratischen Verfahren ermöglichen und sicherstellen. Anschließend erläutern die Autoren minutiös, wie und warum diese Errungenschaft des Grundrechtsstandards sukzessive als Sicherheitslücke angesehen und durch freiheitseinschränkende Maßnahmen ausgehöhlt wird. Schließlich wird auch noch auch noch auf den Goldrausch der Wirtschaft eingegangen, die natürlich auch Kapital aus der Ressource Information schlagen will und dementsprechend versucht, ihren Einfluss permanent auszubauen.

Fazit: Das Buch ist auf jeden Fall sehr lesenswert, da es Thesen anspricht, die in der aktuellen politischen Diskussion leider unpopulär geworden sind, wie beispielsweise: Entsteht Sicherheit nicht eher durch Kooperation, als durch Konfrontation? Sollte der Kampf gegen freiheitsfeindliches Denken nicht durch geistigen und kulturellen Austausch, statt durch den Aufbau von Feindbildern und Waffen betrieben werden?

Auch wenn es nicht die Intention einer solchen Streitschrift sein sollte: Leider wird die im Alltag für jeden von uns wichtige Fragestellung, wie der Schutz der persönlichen Freiheit im Kommunikationszeitalter verwirklicht werden kann, nicht mit konkreten Lösungsansätzen diskutiert. Dabei kann man als Einzelner, gerade bei der Nutzung von PC und Internet, eine Vielzahl seiner Freiheits- und Informationsrechte selbst regulieren. Zur Ergänzung im Alltag empfehle ich deshalb einen Praxisratgeber wie Ist Google böse? Was die Suchmaschine über Sie weiß und wie Sie sich wehren können.
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am 13. Januar 2013
Das Buch ist äußerst informativ. Man hat es ja schon immer geahnt. Aber in dieser Ballung sind die Fakten ziemlich schockerend. Leider erscheinen Trojanow und Zeh wie Rufer in der Wüste. Die LINKE wird übrigens ganz falsch eingeschätzt.
Kleiner Kotau vor dem Mainstream!
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am 28. September 2009
"Nine-eleven" hat die Welt verändert wie kaum ein anderes Ereignis der vergangenen zehn Jahre. In einer Zeit, die aus Sicht des einzelnen Bürgers, aber auch aus Sicht des Staates so sicher ist wie keine andere je war, haben sich Bestrebungen durchgesetzt, deren Ziel darin besteht, Überwachung und Kontrolle flächendeckend zu etablieren, Bürger- und Menschenrechte fallweise außer Kraft zu setzen und die freiheitlichen Komponenten des Rechtsstaates nach und nach zu demontieren. Wenn man so will, haben die Terroristen ihr Ziel erreicht, nämlich die (teilweise) Beseitigung der westlichen Demokratien bzw. ihrer Prinzipien. Diese Demokratien waren und sind selbst Beihelfer dieser Tat. So lautet, kurz zusammengefasst, die Botschaft des Buches.

Vorratsdatenspeicherung, intensive Sicherheitskontrollen an Flughäfen, Videoüberwachung, Bundestrojaner, ePass, Fingerabdrucksspeicherung, zentralisierte Datenbanken, Lauschangriff, Mailfilter, verschärfte Waffengesetze, Internetzensur und vieles andere mehr - der Staat hat während der letzten neun Jahre ein ganzes Arsenal von Maßnahmen installiert, die mehr oder weniger mit dem "Kampf" oder "Krieg" gegen "den Terror" begründet werden, der allerdings Deutschland mitnichten erreicht hat. Ein einziger Terroranschlag war geplant, der übrigens auch nicht mit Hilfe dieser Maßnahmen vereitelt oder aufgeklärt worden ist; er scheiterte an der technischen Ausstattung der Terroristen. Die Täter sind schließlich mit Hilfe ganz "normaler" Untersuchungsmethoden festgesetzt worden.

Sicherheit und Prävention sind die Schlagworte, die als Begründung für diverse Methoden immer wieder angeführt werden. Mithin sind sich selbst honorige Rechtswissenschaftler nicht zu schade, auch Folter als präventive Maßnahme zu favorisieren; sie argumentieren damit im Fahrwasser von Propagandaunterhaltung wie der Fernsehserie "24". Gefoltert wird längst, Menschen werden festgenommen, verschleppt und monatelang drangsaliert, auch Deutsche - es genügt, "Terrorverdächtiger" zu sein, eine sehr diffuse Kategorisierung, unter die viele fallen können; Begründungen sind zumeist nicht erforderlich. An Flughäfen werden Bürger mit "ausländischem" Aussehen oder orientalisch klingenden Namen intensiver durchsucht als andere Staatsbürger. Feindbilder sind entstanden, eine neue Zwei-Klassen-Gesellschaft hat sich etabliert: Der unbescholtene (unverdächtige) Bürger steht dem "Terrorverdächtigen" gegenüber. Letzterer genießt seine Rechte bestenfalls eingeschränkt; in vielen Fällen aber überhaupt nicht mehr. Der Schritt vom einen zum anderen aber wird immer kürzer.

Gleichzeitig wird ein ganzes Volk unter Generalverdacht genommen. Die Unschuldsvermutung ist ausgehebelt, und während sich Gutmenschen die Verfahrensweise schönreden, indem sie den idiotischen Satz "Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten" kolportieren, dringt der Staat mit Videokameras, Abhörmaßnahmen und Internetkontrolle in die Privatsphäre auch Unverdächtiger ein. Der nützliche Idiot liefert willfährig seine Fingerabdrücke ab, ohne einer Straftat verdächtig zu sein, lässt seine biometrischen Daten in Pässe einschweißen (obwohl es keinen einzigen Fall von Terroristen gab, die mit gefälschten Pässen unterwegs waren), nimmt die Speicherung seiner Kommunikationsdaten "auf Vorrat" hin und grinst unentwegt in omnipräsente Minikameras, die mit gewaltigen Datenbanken und hochintelligenter Software verknüpft sind. Okay, dieser nützliche Idiot breitet auch sein Privatleben flächig im Internet aus, präsentiert peinliche Fotos auf MySpace, veröffentlicht private Vorlieben auf Xing und liefert nicht nur demoskopische Daten über Facebook oder Payback-Karten.

Während die vergleichsweise harmlose Volkszählung in den Achtzigern noch eine Protestwelle auslöste, scheint Angst als Verkaufsargument für haltlose Maßnahmen durchaus zu funktionieren. Obwohl sehr viel mehr Menschen durch Grippe, Verkehrsunfälle und am Rauchen sterben, nimmt der Bürger hin, dass seine Privatsphäre beschnitten wird, um einem Szenario zuvorzukommen, das es weder gab, noch außerhalb der Köpfe von Schäuble und Co. jemals geben wird. Die meisten Terroranschläge finden in jenen Staaten statt, die von den USA aufgrund unhaltbarer Annahmen angegriffen wurden - Massenvernichtungswaffen wurden jedenfalls nicht im Irak gefunden. Das totalitäre Saudi-Arabien erlebt exorbitant mehr Terror als Deutschland und alle anderen westeuropäischen Staaten zusammen - und zeigt damit eindrucksvoll, dass flächendeckende Überwachung keine Prävention gegen Taten sein kann, bei denen die Täter alles zu riskieren bereit sind.

Die Entwicklung ist auch längst noch nicht beendet. Großbritannien demonstriert, was uns erwartet. Ganz nebenbei dient dort die flächendeckende Videoüberwachung auch noch dazu, "sozialschädliches" Verhalten zu ahnden. Der Verzicht auf Privatsphäre ist aber ein zu hoher Preis für die Aufklärung von Bagatelldelikten. Freiheit ist ein Wert, der nur im extremen Ausnahmefall zur Disposition stehen darf. Menschen dürften und sollen Geheimnisse haben, das ist ein Bestandteil des Menschseins. Der ver-öffentlichte und generalüberwachte Mensch aber ist nicht mehr frei.

Die wütende, aber keineswegs überemotionale, recht kurze Streitschrift zeigt in elf Kapiteln und ausführlich dokumentierenden Anhängen, wo sich die westlichen Demokratien befinden und wohin sie sich bewegen. Einzig der Versuch, die Motivation der Staatstäter zu erläutern, fällt etwas schmal aus. Davon abgesehen liefern Zeh und Trojanow ein eindringliches, bewegendes und kluges Büchlein über den Ausnahmezustand, der seit fast neun Jahren herrscht und zur manifestierten Normalität zu werden droht - langfristig, denn der "Krieg gegen den Terror" wird, wie auch die Protagonisten gebetsmühlenartig wiederholen, niemals ein Ende haben. Ein Muss für jeden Bürger, der mehr Angst vor dem Verlust der eigenen Freiheit als vor diffusen Angriffsszenarien hat, die an den grünen Tischen der Schreibtischtäter erdacht werden.
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Trojanow und Zeh setzen sich mit der Argumentation der Regierungen und der Mehrheit der Presse auseinander, zugunsten "unserer Sicherheit" und für den "Kampf gegen den Terror" müssten wir demokratische Rechte aufgeben.

Diese Kritik der staatlichen Politik ist überzeugend und schlüssig. Die Autoren stellen viele gute Fragen, etwa, was "Sicherheit" und "Terrorverdächtige" eigentlich sein sollen und ob die vorgeschlagenen Maßnahmen überhaupt ihren Zweck erfüllen können. Dabei wird klar, dass mehr staatliche Kontrollen uns nicht unbedingt sicherer leben lassen.

Dennoch fehlen in dem Buch einige entscheidende Aspekte:
1.
Die Autoren gehen unhistorisch vor und vergleichen die heutigen Kontrollmethoden nicht mit der Unterdrückung früherer Zeiten. Wenn sie dies getan hätten, dann hätte sich gezeigt, dass die Vergangenheit auch nicht so viel besser war als sie manchen vielleicht erscheint. Wie hat sich denn die Überwachung in den verschiedenen Gesellschaften entwickelt, wann gab es mehr, wann weniger Freiheit und wovon hing dies ab?
2.
Es gibt auch keine Gesellschaftsanalyse. Leben wir einer funktionierenden Demokratie? Wenn ja, dann könnte Überwachung kein Problem sein, weil die Bürger sich freiwillig für mehr Sicherheit entscheiden. Oder hat die Demokratie entscheidende Mängel? Wenn ja, welche und was könnten wir tun, um etwas daran zu ändern?
3.
Dass die moderne Technik mehr elektronische Überwachung ermöglicht, ist klar. Weniger klar ist, dass Internet und Öffentlichkeit auch den entgegengesetzten Effekt haben und Ausschreitungen der Herrschenden öffentlich machen. Schließlich sind viele Informationen über Politiker und Verwaltungsvorgänge heute transparent und nachvollziehbar, was die Kräfteverhältnisse auch verschiebt.

Für eine Gegenstrategie haben die Autoren beinahe nichts anzubieten. Dass sie von den Regierungsparteien nichts erwarten, ist ja verständlich, aber auch die Oppositionsparteien Grüne und Linke werden von ihnen als unglaubwürdig dargestellt. Piratenpartei und Bürgerrechtsorganisationen bleiben unberücksichtigt. So bleibt den Autoren nur die Empfehlung an die Leser, wachsam zu sein und mit persönlichen Daten zurückhaltend umzugehen. Diese Art von individuellem, passivem Widerstand kann kaum Erfolg haben und führt in die Frustration.

Wer keine politische Strategie erwartet, sondern sich im Wehklagen über die Regierungspolitik bestätigt sehen will, ist mit diesem Buch gut bedient.
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am 18. Oktober 2009
Dieses Buch soll sensibilisieren. Es versucht zu vermitteln, dass Bürgerrechte kein zusätzlicher Luxus sind, auf den man zugunsten der Sicherheit auch mal gerne verzichtet, sondern während Jahrhunderten entstanden sind und für welche Leute gekämpft haben und zum Teil sogar gestorben sind.
Es werden Fakten dafür genannt, inwieweit die westliche Welt und die Bundesrepublik Deutschland dabei sind ein Überwachungsstaat zu werden. Dabei bringt zusätzliche Überwachung nicht zwangsläufig mehr Sicherheit. Die Kriminalität sinkt entgegen der manchmal auftretenden Vermutung Jahr für Jahr, wofür also braucht man eine höhere Überwachung? Hier passt die Panikmache vor dem Terrorismus recht gut, dabei ist die Chance an einem Terroranschlag zu sterben schwindend gering, so ziemlich jede andere Todesart ist wahrscheinlicher. Der Terrorismus kann uns so gut wie nichts anhaben und dient den Politikern nur dazu den Bürgern Angst und sie somit gefügig zu machen. Menschen bewerten die Wahrscheinlichkeiten von schlimmen Vofällen, die selten auftreten oft über (Terrorismus, Amoklauf etc), während sie weniger eindrucksvolle Unfälle mit höheren Wahrscheinlichkeiten unterschätzen (einen Autounfall erleiden oder sich beim Heimwerken schlimm oder sogar tödlich zu verletzen).
Eine Folge sollte auf keinen Fall sein, dass Bürgerrechte aufgehoben werden, Bürger ausspioniert werden oder gar so etwas wie Folter erlaubt wird. Wenn man meint, man hätte nichts zu verbergen und deshalb könnte jeder überall bei ihm einsehen lebt schon an der engen Leine oder weiß nicht so genau worum es geht. Man möchte nicht festgenommen oder ausspioniert und entrechtet werden, nur weil man nach den falschen Begriffen gegoogelt hat und deshalb als verdächtig gilt. Das Wort Terrorverdächtiger beinhaltet sogar, dass jemand nur verdächtig ist, d.h. auch unschuldig sein könnte. Im Kopf hat man allerdings ein anderes Bild.
Jeder Mensch hat ein gutes Recht auf Privatleben. Es ist keine schöne Vorstellung draußen bei jedem Schritt von Kameras überwacht zu werden, dass E-Mails von Dritten gelesen, sowie Handy- und Telefongespräche abgehört werden und sämtliche Internetseiten die man besucht hat abgespeichert werden und das auch, wenn man nichts zu verbergen hat. Fingerabdrücke und DNS-Proben werden gespeichert. Wozu? Sieht der Staat alle Bürger potenziell als Feinde, die man am laufenden Band überwachen muss? Gerade mit der deutschen Vergangenheit des zweiten Weltkrieges und der Überwachung in der DDR sollten gerade die Deutschen ihre Bürgerrechte und ihr Privatleben sehr zu schätzen wissen. Vor ein paar Jahrzehnten ist man bei einer Volkszählung schon protestieren gegangen, jetzt ist man damit einverstanden, dass der Staat über alles was man macht Bescheid weiß. Bei der Einschränkung der Rechte zugunsten der Sicherheit kann es leicht zu einem Mißbrauch kommen.
Heutzutage schmeißt jeder mit seinen privaten Daten nur so um sich. An der Kasse werden für einen Rabatt auf ein Geschirrhandtuch oder ähnliches sämtliche persönliche Daten herausgegeben, bei Facebook, StudiVZ, Xing und Internetforen werden intimste Details und Fotos preisgegeben. Daran, dass dies auch negative Folgen haben könnte denkt kaum jemand (mittlerweile ist es ja bekannt, dass Arbeitgeber nach den Profilen von Bewerbern im Internet suchen und wenn dann private Urlaubsbilder vom letzten Mallorcaurlaub dabei sind während man gerade aus einem Eimer Sangria trinkt können sich die Chancen schon einmal verschlechtern).
In diesem Buch wird umfassend erläutert, in welchen Bereichen der Staat uns überwacht und wie es in England und den USA zugeht. Hierbei werden Fakten genannt, von denen man kaum glauben mag, dass sie wahr sind, welche aber im Anhang ausführlich belegt worden sind. Es wird ausführlich erläutert welche Folgen diese Entwicklung haben könnte und warum es wichtig ist wachsam zu sein und auf seine Rechte zu bestehen. Es ist wirklich jedem zu empfehlen, da dieses Thema jeden etwas angeht. Leider werden es wahrscheinlich nur die Leute lesen, die in diesem Bereich schon etwas sensibilisiert sind, da die Einschränkung der Rechte recht verdeckt verläuft und die Entwicklung kaum wahrgenommen wird.
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am 30. August 2010
Klar, dieses Buch will sensibilisieren. Wie aber schon drinnen steht, wer es kauft und auch liest, der ist schon sensibilisiert. So war für mich der Wissensgewinn nicht von hohem Niveau. Auch die dauernde Wiederholung von Phrasen und Darlegungen machten das Buch nicht besser.

Empfehlungen sind nur schwer an andere zu geben. Das Maß einer gewissen Indoktrination ist leider nicht zu verleugnen und so ist es für Neulinge leider eher unsympathisch zu lesen.

Schade, denn das Thema hat Potential und wird von Minute zu Minute wichtiger.
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am 5. Oktober 2013
Zehs und Trojanows Buch nach den Snowden-Enthüllungen über die NSA zu lesen, bringt ein Aha-Erlebnis mit sich, da alles, was bereits 2009 so fundiert und präzise über unsere Gesellschaft beschrieben wurde, sich mittlerweile als unaufhaltbar darstellt. Die Entwicklungen, die die Autoren nicht voraussehen konnten, bestätigen beide in ihren Warnungen, scheinen sie jedoch in ihrem am Schluss formulierten Optimismus fast zu widerlegen. Nichts scheint sich getan zu haben seitdem, kein Aufschrei, keine öffentliche Diskussion, die die Politiker zum Umdenken hätte bewegen können, stattdessen eine Ausweitung der Überwachung ins Totale und die fraglose Übernahme von Terrorangstmache und Sicherheitswahn in den Medien.
Die Grundannahme aus "Angriff auf die Freiheit" lautet: Die westlichen Staaten bedienen sich, da sie selber keinen Terror ausüben dürfen, des Terrors anderer zu Zwecken der Machtausübung.
Zeh und Trojanow beschreiben Ursachen und Ausmaße von Kontrollphantasien der Exekutive und der Konzerne. Sie legen dar, dass die Demokratie kein naturgegebener und von nun an ewig herrschender Zustand ist, sondern ein fragiles System, das stets in großer Gefahr schwebt, abgeschafft zu werden. Dass Politiker sich Einstellungen und Äußerungen erlauben, die eines Demokraten mehr als unwürdig sind und offenbaren, wes Geistes Kind sie sind. Dass mit der Terrorangst Umbaumaßnahmen an Staat und Gesellschaft vorgenommen werden, die ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr umkehrbar sind.
Dieser Zeitpunkt scheint erreicht zu sein. Was als Warnruf 2009 noch sinnvoll schien, scheint nunmehr seines Zwecks zu entbehren, da sich Öffentlichkeit, Wirtschaft und Politik als in ihrer Tiefe unbeeinflussbar zeigen.
Eine Frage wird von den Autoren weder gestellt noch beantwortet, vielleicht weil sie zu weit vom Thema Sicherheitswahn wegführen würde: Welche Ursachen haben die Terroristen eigentlich für ihr Handeln? Ist es wirklich der pure Hass auf die Weltanschauungen anderer Gesellschaften? Oder steckt ein nicht zu Unrecht empfundenes Gefühl dahinter, vom "Westen" ungerecht behandelt zu werden?
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Wie weit der Staat sich in das persönliche Glück oder Unglück des einzelnen Individuums einmischen darf, ist auch das Thema von "Corpus Delicti: Ein Prozess" von Juli Zeh. Nur konnte mich dieses Werk auch deshalb weniger begeistern, weil mir die Form zwischen Roman und Theaterstück nicht gefiel. Gerade weil das Thema so wichtig ist fand ich das schade. Umso mehr freut mich dieses Buch, das ein klares Plädoyer für Bürgerrechte ist und mich auch formal überzeugt.

Juli Zeh und Ilija Trojanow wählen aus Überzeugung einen kämpferischen Ton. Und ich teile die Meinung der beiden, dass wir freiwillig immer mehr Rechte aufgeben, die hart erkämpft werden mussten. Seit der medialen Massenverbreitung der Terrorismusängste scheinen Einschränkungen der persönlichen Freiheiten wieder ganz normal. Niemand schreit auf, nur wenige beschweren sich. Politiker, denen die Zusammenhänge in modernen Informationsgesellschaften völlig egal sind und von denen sie meisten auch nichts verstehen, schreiben eine Gesetzesvorlage nach der anderen. Seitdem die Medien dem Teufel das Gewand eines Terroristen überstülpten, scheint jedes Mittel zu seiner Bekämpfung per definitionem legal. Und wahrscheinlich hat dieser moderne Teufel sogar illegale Verbindungen zu den Gegnern totaler Rauchverbote.

Natürlich sind es letztlich die Menschen selber, die sich in ihr Schicksal fügen. Aber es gibt auch starke Mächte, die der menschlichen Trägheit etwas nachhelfen, um ihre eigenen Interessen besser verfolgen zu können. Und wer die Datensammelwut kritisiert, wird mit dem Standardsatz "Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten" kalt gestellt. Den Menschen täglich einzureden, die Welt sei so unsicher wie noch nie, hat System. Und die meisten, die sich vor dieses System stellen, profitieren von ihrem Einsatz weniger, als sie glauben.

Juli Zeh und Ilija Trojanow belegen mit Fakten, dass wir bereits in einem Überwachungsstaat leben, wie er vor wenigen Jahren noch unvorstellbar schien. Und sie warten auch mit Daten auf, wenn sie den Mythos entlarven, die Gesellschaft werde immer krimineller. Das mag zwar zutreffen, wenn es um Vermögensdelikte geht und die nicht verfolgte Wirtschaftskriminalität mitgezählt wird. Aber so wild geht es auch in Deutschland nicht zu, dass man uns jeden Tag Angst einjagen muss. Die menschliche Lust am Unglück und Skandalösem wird gekonnt missbraucht. Aber solange man nicht selber Opfer der gläsernen Gesellschaft ist, findet man sogar die seltsamsten Auswüchse der Entprivatisierung cool. Vordergründig kümmern sich inzwischen alle um die Psyche, um sie mit dem Verlust der Intimität wieder nachhaltig zu schwächen. Eine seltsame Entwicklung, über die man in lautes Gelächter ausbrechen kann, weil sie Angst mit Angst bekämpfen will. Und reicht der Terrorismus nicht aus, um unsere DNS-Probe freiwillig zu erhalten, wird mit der Volksgesundheit argumentiert. Wer ein Lehrstück für fast perfekte Manipulation sucht, sollte sich näher mit den Hintergründen der Schweinegrippe-Phobie beschäftigen.

Mein Fazit: Ein wichtiges Buch, dem selbstverständlich noch weitere folgen müssen, um die Figuren eines Spiels zu bewegen, bei dem die Zuschauer sicher mehr verlieren als die Verantwortlichen für die Regeln. Es ist nun auch an den Psychologen, sich mit den Folgen eine Gesellschaft zu beschäftigen, in der das Individuum zunehmend seine Privatsphäre verliert.
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am 26. Oktober 2012
Dieses Buch zu lesen, macht keinen Spaß. Es ist nur erschreckend.
Von Unternehmen, aber vor allem von staatlichen Stellen werden wir überwacht und bespitzelt, angeblich zu unserer eigenen Sicherheit. Das Buch schildert, welches Ausmaß die Überwachung mittlerweile angenommen hat, und es beschreibt die Mechanismen, mit denen Bürgern die "Sicherheitsmaßnahmen" schmackhaft gemacht oder zumindest als notwendig verkauft werden.

Die ersten 10 Kapitel beschreiben, wer uns wann und wie ausspäht (und enthalten so einige ermüdende Wiederholungen). Die These des Buches kommt erst im 11. und letzten Kapitel: Nicht der Terror ist der wirkliche Grund für den Angriff auf die Freiheit, sondern der gesellschaftliche Wandel hin zur Informationsgesellschaft. Sie bedeutet mehr Freiheit und Selbstbestimmung für die Menschen, für staatliche Organe dagegen Kontrollverlust. Und dem will der Staat entgegenwirken, durch eine immer stärkere Ausweitung seiner Kontrollbefugnisse, bis in die privatesten Lebensbereiche.

Stellenweise war mir das Buch zu abstrakt, blass, wenig greifbar. Dabei führen die Autoren durchaus konkrete Beispiele an - nur leider erst im Anhang, und die entsprechenden Stellen sind im Text noch nicht einmal durch entsprechende Verweise gekennzeichnet. Das Buch wäre anschaulicher geworden, hätten die Autoren diese Beispiele direkt in den Text eingearbeitet.
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am 23. Oktober 2009
Das Buch, welches sich auf knapp 130 Seiten mit Informationen dem geneigten Leser darstellt, lässt sich leicht und gut lesen.

Die aufgeführten Informationen stellen zwar den Kenner nicht vor neue Herausforderungen, bieten dem Laien, der sich bisher mit der Materie nicht auseinander gesetzt hat, einen guten Einstieg.

Die Autoren verstehen es, durch eine geschickte Verlinkung von Fakten und Fragen, den Leser zum "selbstständigen" Nachdenken anzuregen.

Sehr gut ist zu bewerten, das anliegende Quellenverzeichnis, welches hervorragend für weitere, eigene Recherchen genutzt werden kann.

In Summe ein empfehlenswertes Buch, um sich einen Groüberblick über "Big Brother" zu verschaffen.
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