Hier klicken Sale Salew Salem Öle & Betriebsstoffe für Ihr Auto Sonderangebote Book Spring Store 2017 Cloud Drive Photos Learn More TDZ HI_PROJECT Hier klicken Mehr dazu Mehr dazu Shop Kindle AmazonMusicUnlimited longss17



Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 14. November 2011
Dieses Buch beschreibt das tragische Leben der jüdischen Ärztin Dr. med. Lilli Jahn
und deren Ermordung in einem Konzentrationslager der Nationalsozialisten.

Die junge Ärztin Dr. Lilli Schlüchterer heiratete 1926 den gleichaltrigen Arzt Ernst Jahn.
Sie eröffneten gemeinsam eine Hausarzt-Praxis und bekamen im Laufe der Jahre 5 gemeinsame Kinder.

Die beliebte, lebensfrohe und engagierte Hausärztin durfte nach der "Machergreifung" der National-
sozialisten nicht mehr als Ärztin arbeiten. Aufgrund ihres jüdischen Glaubens entzog man ihr die
Approbation (Zulassung) als Ärztin und die Promotion.

Bis 1943 blieb Lilli Jahn relativ unbehelligt. Die Ehe mit ihrem "arischen" Ehemann schützte sie
zunächst vor der Deportation in ein Konzentrationslager.
1942 nahm sich ihr Ehemann eine jüngere Geliebte, zeugte mit dieser ein Kind und forderte nun von
seiner Ehefrau die Ehe-Scheidung.
Nach der Scheidung mußte Lilli Jahn das gemeinsame Haus verlassen, zog nach Kassel und mußte nun
jederzeit mit ihrer Deportation rechnen.
1943 wurde sie schließlich verhaftet, in Gestapohaft schwer mißhandelt, als Zwangsarbeiterin in
einer Pharmafabrik eingesetzt und im Frühjahr 1944 nach Auschwitz deportiert.
Im September 1944 starb Lilli Jahn in Auschwitz.

Lilli Jahn gelang es irgendwie, über 250 Briefe ihrem Sohn Gerhard zukommen zu lassen.
Dieser Sohn -Dr. iur. Gerhard Jahn (1927-1998)- wurde später u.a. Bundesminister der Justiz.
Als dieser 1998 verstarb und sein Nachlass gesichtet wurde, wurden die Briefe seiner Mutter
entdeckt.
Gerhard Jahn hatte die Briefe seiner Mutter heimlich verwahrt, deren "Noch-Existenz" nur ihm
bekannt war.
Lilli Jahns Enkel, der Historiker und Spiegel-Redakteur Martin Doerry, sichtete diese Lebenszeug-
nisse seiner Großmutter und veröffentlichte diese 2002 unter dem Titel "MEIN VERWUNDETES HERZ".

FAZIT:

Ein bewegendes Buch über das tragische Leben der jüdischen Ärztin Dr. med. Lilli Jahn.
11 lange Jahre gelang es ihr, als Jüdin die nationalsozialistische Herrschaft zu überleben.
Erst als ihr Mann sie fallen ließ, war sie schutzlos, und starb schließlich nur 8 Monate vor dem
Kriegsende, das ihre Rettung bedeutet hätte.
Es ist gut, dass ihr Enkel den Wert dieser "Zeitdokumente" erkannte und schließlich den Mut fand,
diese zu veröffentlichten.
0Kommentar| 3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
HALL OF FAMEam 1. Juli 2003
wie martin doerry in seinem vorwort schon richtig sagt, durch "das schindler-modell"... "entsteht das bild einer schreckensherrschaft, der die meisten am ende doch entronnen sind." sie sind es natürlich nicht - aber vielleicht kann man einem breiten film-publikum immer noch nichts anderes zumuten, ohne eine traumatisierungswelle auszulösen. von einem lesepublikum kann man mehr erhoffen. nachdem gerade erst wladyslaw szpilman (der pianist), vor einiger zeit coco schumann (der ghetto-swinger) oder primo levi (schon klassiker) beispiele des wunderbaren (und dennoch sehr traurigen) überlebens schilderten, hat man vielleicht allmählich, 50 jahre später, die kraft, sich von der ungeschminktesten wahrheit in der briefe-sammlung der nachfahren lilli jahns treffen zu lassen. und wie manchmal filme länger sich in das gedächtnis bohren als texte, so erschütterte mich nachhaltig auch die kleine beigelegte bildsammlung (aus den geretteten überbleibseln der tochter johanna): 1931, hauseingang, links und rechts mit den jeweiligen arzt-schildern des ehepaares ernst und lilli jahn. 1936, das schild von lilli jahn ist abmontiert. mutter lilli, 1903 als fröhliches töchterchen betuchter eltern zur kölner karnevals-zeit, 1916, hoffnungsfroher backfisch mit fahrrad, 1924 im kreise kölner arztkollegen. 1944, sterbeurkunde mit dem vermerk: glaubenslos. da kann man wirklich jeden glauben verlieren. 1931 die kinder lilli jahns samt ehemann vor der praxistür. 1933, die kinder versehen mit trommel, trommelstöckchen, deutscher reichsfahne, im parademarsch, der bruder vorneweg, die schwestern hinterher - da wird einem schon mulmig...
0Kommentar| 2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 14. September 2004
Lilli Jahn kommt aus einer wohlhabenden Familie, sie studiert Medizin, heiratet und hat fünf Kinder. Aber: Es ist eine wohlhabende, jüdische Familie. Ihr Mann lässt sich scheiden und wendet sich einer anderen Frau zu. Lilli Jahn wird zunächst in ein Arbeitserziehungslager gebracht und stirbt 1944 in Auschwitz. Diese Geschichte - so sollte man jedenfalls denken - spricht für sich. Doch das möchte ich anzweifeln. Es bedurfte erst einer langwierigen handwerklichen und redaktionellen Arbeit, einer journalistischen Vorarbeit und Recherchen vor Ort - und sicherlich auch einer großen persönlichen Überwindung, die man heute gerne als „Trauerarbeit" bezeichnet (womit allerdings nicht viel erklärt ist). All diese Arbeiten, so mühevoll und belastend sie auch gewesen sein mögen, halten sich sehr zurück und bleiben ganz im Hintergrund. Wie bei perfekter Organisation, die nur aufgefallen wäre, wenn sie an irgend einer Stelle versagt hätte, so fallen auch hier die Anstrengungen von Martin Doerry nicht weiter auf; wie mit leichter Hand werden - mit nur wenigen Strichen - die Originale ausgeleuchtet und wirkungsvoll zur Geltung gebracht: Briefe, Fotos, Zitate, Dokumente - alles in flüssiger Prosa. Umso stärker ist die Wirkung, der wir schutzlos ausgesetzt sind. Hier kann man wirklich sagen: Es haut einen um!
0Kommentar| 12 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 17. September 2004
Nach dem „Erfolg" des Tagebuchs der Anne Frank kommt dieses Buch zu einer Zeit, da man die persönlichen Tragödien der Judenverfolgung im Dritten Reich mehr und mehr zur „Literaturgeschichte" werden ließ. Was hier (bereits in 5. Auflage!) als ein neuer Anstoß zur Vergegenwärtigung dieser Schicksale vorliegt, dürfte eines der ergreifendsten Dokumente aus dieser Zeit sein: die Lebens- und Leidensgeschichte einer Mutter, die man von ihren Kindern wegriß, in ein Arbeitslager steckte und schließlich nach Auschwitz brachte, wo sie 1944 umkam.
Das Buch besteht zum größten Teil aus Briefen, die von den 5 Kindern an ihre Mutter geschrieben wurden, und aus deren Antworten aus dem Lager: erschütternde Korrespondenz, die oft hinein- und herausgeschmuggelt wurde. Der Leser wird mit hineingenommen in die Spannung zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit und wird lange nachfühlen, was diese Mutter aushalten mußte.
Es drängen sich Gedanken auf, die gerade zur jetzigen Zeit relevant sind: die Grausamkeit der Nationalsozialisten, die Familien auseinander rissen, ohne Rücksicht auf das Schicksal der Kinder, auf die Würde von Frauen und menschliche Gefühle findet leider immer noch - und wieder --Fortsetzung, auch in unserer heutigen Gesellschaft.
Cordelia Edvardson schrieb in der WELT, daß sie „zum verzweifelten Weinen [gebracht wurde] durch dieses einzigartige und zutiefst erschütternde Buch". Man müßte es unseren Politikern zur Pflichtlektüre machen, daß sie erkennen, welch grausame Folgen die Menschenfeindlichkeit mancher ihrer Entscheidungen mit sich bringt. Es gibt die Arbeits- und Vernichtungslager Gott sei Dank bei uns nicht mehr, aber wieder viele verwundete Herzen!
Der Autor, ein Enkel der Lilly Jahn, stellte aus über hundert Briefen, die zum Glück erhalten blieben, dieses Zeitdokument zusammen. Es ist ein Monument, das mehr bewegt, als die hundert Betonklötze, die in Berlin an die Tragödie der Judenverfolgung erinnern sollen.
Prof.Dr. Hans Schieser September 2004
DePaul University Chicago
11 Kommentar| 13 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 2. Mai 2009
Das ist ein Buch mit absolutem Gänsehautfeeling. Unglaublich.
Und seeeehr interessant, wie Lilli in den zwanziger Jahren in Köln ihr Medizinstudium absolviert - nach einer wohlbehüteten Kindheit und Jugend in ihrem Elternhaus- , eine junge, zielstrebige Frau, intellektuell und an den Künsten interessiert, sie genießt ihr Leben, geht ins Theater.
Die Briefe, die sie an ihren schwermütigen Freund schreibt sind bezaubernd; Lilli war eine zarte feinfühlige Frau mit einem großen Herzen.
An manchen Stellen, an denen sie ihren Freund und späteren Mann (ihren Amadé), stärkt, obwohl er auch andere Frauen trifft, kann ich sie nicht verstehen.
Aus meiner heutigen Sicht.
Verglichen mit meinen eigenen Erfahrungen in Liebesdingen verstehe ich aber, dass sie mit all ihrer Liebe absolut und unbeirrt (ohne Wenn und Aber) hinter ihm stand und auch vor den Eltern dazu, dass sie ihn wollte, obwohl er kein Jude war. Nichts ahnend, dass diese Verbindung ihr späteres Verhängnis werden sollte.

Jedenfalls ist die Lebensgeschichte bis in die Zwanziger sehr interessant und es wird deutlich, dass Lilli für die damalige Zeit eine sehr selbstbewusste junge Frau war, die ihren Beruf liebte und diesen keineswegs aufgeben wollte und mit beiden Beinen in ihrem Leben stand.
Die Dreißiger Jahre sind geprägt von schweren Zeiten.
Im September 1943 wird Lilli im Arbeitserziehungslager Breitenau nahe Kassel interniert.
Was nun folgt ist schier unbegreiflich. Herzzerreißende Korrespondenz zwischen Lilli und ihren fünf Kindern! Fast alle Briefe sind vollständig erhalten. Für mich war das Lesen dieser erschütternden Zeitdokumente spannend und traurig zugleich. Die Kinder schrieben mit einer Hilflosigkeit und Liebe an die Mutter; die Mutter ihrerseits ließ die Kinder nicht zu viel von ihrem Leid merken...auch sie war hilflos, konnte sie ihren Kindern nicht beistehen.

Für mich wurde der Verfall Lillis in ihren Briefen (an liebe Freunde) immer deutlicher. Aus einer jungen, selbstbewussten Frau war ein eingeschüchterter Mensch geworden, der um seine zeitweise auf sich selbst gestellten Kinder bangte.

Selten hat mich ein Buch so sehr berührt. Für mich gehört es an die Seite des Zeitdokuments Anne Frank Tagebuch.
Sehr sehr berührt hat mich der letzte Brief von Lilli, aus dem hervorgeht, dass sie wusste, was sie in Auschwitz erwartete.

Ich bin Martin Doerry, einem Enkel Lilli Jahns, sehr dankbar, dass er es ermöglicht hat, dieses Buch heraus zu geben und dass er die Briefe hierfür verwenden durfte. Sehr wohltuend, dass er nicht wertet, sondern sachlich den Rahmen für die Briefe anhand seiner erklärenden Berichte bildet und dadurch einen zeitlichen Kontext erschafft.
Auch ganz bewegend: Viele Bilder, die Lilli mit ihren Kindern zeigen. Bilder aus glücklichen Tagen mit ihrem Ex-Mann und Bilder ihrer Eltern sind ebenfalls vorhanden.

Eine Freundin Lillis hat ein Buch geschrieben, welches ich auch gern lesen möchte: Unter einem fremden Stern von Lotte Paepcke.

Im Anhang ist eine Zeittafel Lilli Jahns, ein Namensverzeichnis über Lillis Familie, Freunde und Zeitgenossen, eine Danksagung von M. Doerry, eine Editorische Notiz und ein umfangreiches Literaturverzeichnis.

Ingesamt eine Lektüre, die ich nie vergessen werde ... !
0Kommentar| 3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 2. März 2016
In der Schulen sollte es Pflichtlektüre sein!

So etwas darf nie mehr passieren!

Die Liebe der Kinder zu ihrer Mutter und umgekehrt, fast unmenschlich!!
0Kommentar| 3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 15. November 2014
Ohne die Tragik des Schicksals dieser Ärztin relativieren zu wollen, muss man deutlich machen, dass ähnliche Schicksale leider nicht selten waren. Das Buch ist so geschrieben, dass man es von Seite zu Seite voller Hoffnung liest, wohl wissend, wie die Sache ausging. Die Auswahl der Briefe mag nicht immer geschickt sein, die Aussagen wiederholen sich, durch die strenge Zensur wirken die letzten Briefe auch wie diktiert. Aber auch dies ist ein Dokument. Es wird deutlich, von wieviel Zufällen oftmals das Überleben im Terrorstaat abhing, Das Verhalten des Ehemannes wird sachlich dargestellt, sodass man sich darüber sein eigenes Urteil bilden kann. War er Mitläufer, war er feige, war er ratlos? Warum hat sich der Sohn und spätere Justizminister Jahn nie über seine Mutter und über die Briefe geäußert? Alles Fragen, die das Buch offen lässt.
0Kommentar| 6 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 2. Juni 2014
Die jüdische Ärztin Lilli Schlüchterer heiratet ihren Arztkollegen Ernst Jahn noch vor dem Zweiten Weltkrieg. Sie bekommt mit ihm 4 Mädchen und einen Jungen. Die Familie lebt in Immenhausen und betreibt eine Arztpraxis, die fortan gut läuft, doch die mehr und mehr werdenden Diskriminierungen Lilli gegenüber und der eingefleischte Hass auf die jüdischen Mitbürger wird zunehmends unübersehbar. Lilli wird im Herbst 1943 wegen einer Kleinigkeit in ein Arbeitserziehungslager 7 Monate lang festgehalten und anschließend nach Auschwitz deportiert. Während ihrer Haftzeit korrespondiert sie mit ihren Kindern und versucht eine Freilassung anzustreben, die jedoch vergebens ist...

"Mein verwundetes Herz" ist ein wichtiges Buch einer Zeitzeugin des Zweiten Weltkriegs. Es sind nicht nur wertvolle Briefe, weil sie aus jener Zeit stammen, sie tragen auch die Besonderheit den Naziterror im Alltag einer Familie bis ins kleinste Detail zu beschreiben und zu beklagen. Vor allem konnte Lilli nicht offen in ihren Briefen zu ihren Kindern über die Verhältnisse im Lager Breitenau schreiben (aufgrund der Zensur), sie musste "offenere" Briefe herausschmuggeln und hat die Wahrheit über die Zustände im Lager auch nur an ihren Ex-Mann und einer Freundin geschrieben, ihren Kindern wollte sie so viel Wissen über das Elend nicht zumuten. Nebst dem Tagebuch der Anne Frank, welche auch das KZ nicht überlebte, bildet dieses literarische Dokument einen wertvollen Zusatz in der Geschichte über den 2. WK und ermöglicht einen Einblick in das (Familien)schicksal jüdischer Mitbürger. Man kann sich fragen, weswegen Lilli nicht nach Israel ausgewandert ist, wobei sie doch die zunehmenden Schandtaten der Nazis nicht blind umgehen konnte, die Antwort darauf wird man wohl nie genau wissen, doch man kann sagen, dass sie eine intelligente, lebenslustige, fürsorgliche Frau war, die immer und immer wieder an das Gute glaubte und bereit war viel zu verzeihen, auch als ihr Mann sie betrogen, verlassen und eine andere geheiratet hat, half Lilli sogar bei der Geburt von Ernsts Tochter mit seiner neuen Frau Rita als Hebamme mit. Lilli dachte wohl nicht, dass der Hass auf die Juden dermaßen ausarten würde und die Nazis eine systematisch, geplante Säuberungsaktion, eine Vernichtung einer ganzen Menschenrasse vorsah. Sie glaubte ja bis zuletzt sogar irgendwie an ihre Freilassung und hoffte auf die Güte der Gestapo hierbei, die jedoch niemals für sie Partei ergriffen hätte oder hat.

Es ist für den Leser allemal interessant solch eine starke Persönlichkeit wie Lilli kennen zu lernen, die, selbst wenn sie hungrig oder krank war, stets gute Miene ihren Kindern geboten hat, um jene nicht zu enttäuschen oder ihnen noch mehr Kummer und Sorgen zu bereiten. Unerträglich ist es aber für den Leser auch die Fröhlichkeit in Lillis Persönlichkeit zu sehen und zugleich die fatalen Umstände um sie herum und ihr scheinbares Verständnis und Hinnahme hiermit zu vereinbaren. Liest man die Haftbedingungen, welche Lilli sowohl in Breitenau und Auschwitz beschreibt, kann man kaum glauben an welch einer Perversion und Hohn diese Pläne der Nazis grenzen. Doch es lohnt sich dieses Buch gelesen zu haben und einem die Augen noch einmal für ein weiteres Schicksal zu öffnen, damit sich die Geschichte nicht wiederholt aber auch nicht in Vergessenheit gerät.

~Bücher-Liebhaberin~
0Kommentar| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 13. September 2012
Dieses Buch habe ich von meiner Mutter geschenkt bekommen. Sie selbst ist 1938 geboren und der zweite Weltkrieg ist für sie ein Thema, dass sie eben an ihre Kindheit erinnert. Als ihre Tochter ist es für mich genauso. Ich möchte etwas über die damalige Zeit erfahren, die so anders war als meine Kindheit, und zeitgleich ein tragisches Stück deutscher Geschichte lesen, um einfach nichts zu vergessen.

Viele werden nun sagen: Nicht noch ein so ein Buch. Es gibt 1000. und es kommen immer neue dazu, aber jedes oder fast jedes, ist auf seine Art und Weise wertvoll, da es an diese Zeit erinnert und auch heute noch aufklärt. Viele Bücher erzählen über das Glück, überlebt zu haben. Versteckt in Kellern, bei Freunden oder im Ausland. Dabei werden die Schicksale, die hier gestorben sind, oft vergessen. Einer der wenigen Belege ist das Tagebuch von Anne Frank oder das Leben der Geschwister Scholl. Und genau solch ein Buch ist auch dieses Exemplar. Abseits der Schindler-Liste geht es hier einmal nicht gut aus. Alleine aus diesem Grund finde ich das Buch schon wertvoll und unverzichtbar.

Und deswegen fällt es mir auch immer so schwer, auch mal etwas Negatives zu nennen. Doch zu 100% überzeugen konnte mich das Buch nicht. Nach einem guten Vorwort in dem der Leser die Hintergründe um die Briefe erklärt bekommt geht es in gut gegliederten Kapitel weiter. Es beginnt mit der Geburt von Lilli.
Martin Doerry gibt als Autor kleine Hilfestellungen in dem er die Situationen zwischen den Briefen, zu bestimmten Texten oder ähnliches in einer sachlichen, treffenden, authentischen, aber trotzdem feinfühligen Art und Weise beschreibt. Manche empfinden die Kommentare bzw. den erzählenden Stil schlecht oder störend, andere hätten lieber mehr davon. Ich finde die Mischung perfekt. Er lässt die Briefe oft für sich sprechen und dirigiert einfach nur leicht in die richtige Richtung.

Neben den Autorenkommentaren stehen die Briefe, die Lilli geschrieben oder erhalten hat, im Vordergrund. Über 500 Briefe wurden gefunden und einige davon gibt es hier zu lesen. Wie oben erwähnt lernt der Leser Lilli von ihrer Kindheit an kennen. Zwischen diesem Kennenlernen, das eben über den Autor stattfindet, werden immer wieder Briefe eingebaut. Mit einer anderen Schriftart gut abgegrenzt, verliert man nie den Überblick. Anfangs sind es Urlaubsgrüße oder Liebesbriefe an ihren Ernst. Und genau hier beginnt schon das erste Problem. Ich musste ganz oft den Kopf schütteln über so viel Naivität. Ich weiß, es ist eine andere Zeit, er war die große Liebe, aber schon nach wenigen Briefen und Worten ist klar: Ernst Jahn ist ein Mensch ohne Rückgrat. Wo die Liebe hinfällt, ich weiß aus Erfahrung das es viel Kraft kostet sich von einer Liebe loszusagen, wenn sie auf Grund einer Sache nicht voll und ganz hinter einem stehen kann. Da ist egal ob Religion, Kultur und Land. Das sie einen Mann geheiratet hat, der immer wieder andere Frauen, sie stehen gelassen und Probleme mit ihrer Religion hatte, ist aber etwas normales. Das ihr Mann sich dann, als auch andere Probleme mit dem Judentum haben, nämlich die Nazis, sich von ihr abwendet, wäre auch ohne Klappentext oder Vorkenntnisse klar gewesen. Gegen das Leben kann und will ich nichts sagen, auch wenn so was auffällt, aber was mich irgendwo stört ist Lillis Gleichgültigkeit. Ich habe 100. Bücher gelesen und es gab 1943 kaum einen Juden, wenn überhaupt einen Juden, der keine Angst hatte. Das Lilli wegen ihrem Mann noch anderes behandelt wurde, fand ich interessant, da ich bis dato noch nie so etwas erlebt habe. Doch auch sie spürte, dass es gefährlich wurde, sonst hätte sie nicht auswandern wollen, als es noch ging. Dementsprechend verstehe ich nicht, warum sie später, nicht einen Gang zurückgeschraubt hat. Im Grunde wurde sie doch nur verhaftet, weil auf dem Klingelschild, einer alten Visitenkarte ihr zweiter Name Sara nicht drauf stand und sie sich noch als Dr. bezeichnete, obwohl Juden alle Titel aberkannt wurden. Man kann nun sagen, sie wäre auch so verhaftet worden, zumal die Nazis damals nur nach Ausreden gesucht haben, aber ich denke, dass dies vielleicht erst viel später passiert wäre. Es sind aber alles Punkte, die ihr Leben betreffen und eigentlich kein Kritikpunkt darstellen. Lese ich mein Tagebuch, dann habe ich auch genügend Aufreger drin, wo ich mein Verhalten nicht nachvollziehen kann. Kurz, authentisches Leben.

Die Briefe sind ein weiterer Punkt. Die Briefe sind echt und ich liebe es alte Briefe zu lesen, aber die Auswahl ist schon nicht die Beste. Es ist bewegend die Veränderung in Deutschland mitzuverfolgen und später die Briefe zwischen Mutter und Kindern zu lesen. Zumal man einen guten Eindruck bekommt, wie es für die Kinder war plötzlich erwachsen sein und ohne Mutter auskommen zu müssen. Auf der anderen Seite ist die Mutter, die weiß, was auf sie zukommt, aber alles versucht ihre Kinder zu schützen und ihnen die Angst etwas zu nehmen. Das ist bewegend und ist ein guter Beleg für die damalige Zeit. ABER... Ich für meinen Teil will das echte Leben und kein Privileg. Anfangs habe ich mich gewundert. Wieso kann Lilli Pakete empfangen mit Essen, Kleidung und Co. Später wird es aufgeklärt, dass sie durch einige Kontakte Privilegien gegenüber all den anderen Mithäftlingen hatte. Und genau das ist das Problem. Die wirkliche Härte eines Arbeitserziehungslagers wird gar nicht festgehalten und ist dadurch nicht so nachvollziehbar. Dazu kommt, dass die Mädchen einzelne Briefe geschrieben haben. So bekommt man oft ähnliche Erlebnisse geschildert. Interessant, da aus man die Sichtweise von zwei unterschiedlich alten Kindern bekommt, aber irgendwo ist es auch gleich. Dazwischen fehlen oft Briefe, die vorhanden waren und von Interesse gewesen wären. Wenn begründet welche fehlten, wurde dies genannt und dann ist es okay gewesen.
An einigen Stellen hätte man sich gewünscht, das dann auf ein Kommentar verzichtet worden wäre, um dann doch einmal die Antwort lesen zu können. Aber wenn man dann die Belanglosigkeit immer wieder vor Augen geführt bekommen hat, dann wird man verstehen können, warum viele Leser einfach gelangweilt sind. Ja, die Briefe wurden zensiert, kontrolliert, sodass man nicht die Wahrheit hätte schreiben können und genauso ist mir auch klar, dass sie ihre Kinder schützen wollte, aber man erwartet doch ein paar echte Einblicke, die einfach fehlen, weil niemand erfährt, wie es in einem KZ oder Arbeitslager zuging.

Es ist ein anderes Buch und zeigt nicht die wahre Brutalität, sondern klärt auf seine Art und Weise auf. Genau deswegen bin ich dem Enkel von Lilli Jahn, dem Autoren, sehr dankbar, dass er die Veröffentlichung durchgesetzt hat, aber es beinhaltet wieder die Aufregen, die viele Leser eben stören. Privilegien und Naivität. Nichtsdestotrotz ein absolut wertvolles Buch, das auch ideal für die Schule ist, damit die Jugendlichen auch einen anderen Blickwinkel bekommen. Untermalt wird das Ganze von zahlreichen Fotos, die ihnen ebenfalls die damalige Zeit noch einmal visuell vors Auge führen. Lilli war zwar Jüdin und Ärztin, aber auch Mutter und wie man auf den Fotos sieht, eine ganz normale Frau, die man nur gerne haben kann.

Also wer etwas in einer ganz anderen Art und Weise lesen möchte und das von einer Frau, die gestorben ist, dann solltet ihr hier nicht zögern. Ich kann es trotz einiger Schwächen, die aber subjektiv sind, zu 100% empfehlen, da es wertvoller ist als andere. Vergleichbar oder auf einer Stufe mit Anne Frank, Martin Grey oder Schindlers Liste....
0Kommentar| 3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Dieses erschütternde Dokument mangelnder Nächstenliebe hinterlässt in erster Linie das Gefühl von Scham. Wie kann es möglich sein, dass ein Mensch seinen Nächsten so folgenschwer im Stich lässt?

Hinter Bigotterie versteckte kleinkrämerisch Egoismen und in deren Folge unerträgliche Feigheit machten nicht nur wenige zu willigen Helfern des perfiden Nazi-Systems!

Wie lebt ein Mensch mit solch'einer persönlichen Schuld weiter?

Wie zeigte sich, wenn überhaupt, die moralische Entwicklung Ernst Jahns nach 1945? Erging er sich in sophistischen Exkulpationsphrasen oder bereute er sein Unterlassen und trauerte aufrichtig?
Die Tatsache, dass Lillis Sohn Justizminister in einem demokratisch geführten Land werden konnte und diese Republik in der UN-Menschenrechtskommission vertrat, lässt einen Anflug von Hoffnung keimen und das ist nach diesem ungemein niederdrückenden Text zumindest ein wenig tröstlich.
0Kommentar| 2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden