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am 2. März 2010
Eric Hobsbawm: Das Zeitalter der Extreme. Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts. Aus dem Englischen von Yvonne Badal. München und Wien: Carl Hanser Verlag 1995
Das 20. Jahrhundert hat(te) es in sich, und zwar in jeder Hinsicht! Zahlreiche Versuche gab es, dieses Jahrhundert zu beschreiben und zu charakterisieren. Während die einen begeistert auf den unglaublichen wissenschaftlich-technologischen Fortschritt (Luft- und Raumfahrt, Kernspaltung, Doppelhelix, Computertechnologie) sich beziehen, weisen andere auf die Nachtseite dieses Jahrhunderts hin: Kriege und Völkermord bisher unbekannten Ausmaßes. Demgegenüber stellt sich der britische Historiker Eric Hobsbawm die anspruchsvolle Aufgabe, das kurze 20. Jahrhundert in umfassendem Sinne nachzuzeichnen und zu analysieren, Beziehungen zwischen den Entwicklungen in Wirtschaft, Gesellschaft, Wissenschaft, Kultur und Künsten herzustellen und Entwicklungslinien herauszuarbeiten, die für die Zukunft der Weltgesellschaft jenseits der - zuweilen als magisch imaginierten - Schwelle zur Jahrhundert- und Jahrtausendwende bedeutsam sein werden.
Für den Autor dauerte das 20. Jahrhundert von 1914 bis 1991. Die beiden Jahreszahlen markieren den Beginn des 1. Weltkriegs und den politischen Zusammenbruch der Sowjetunion. 1914 endete für Hobsbawm das lange 19. Jahrhundert, das mit der Französischen Revolution begonnen hatte und durch liberale Gesellschafts- und Rechtsstrukturen, bürgerliche Herrschaft, Aufschwung von Bildung, Wissenschaft und Moral und Europa als Zentrum der Welt bestimmt gewesen war. Mit dem Zivilisationsbruch des 1. Weltkriegs begann eine Epoche, die als 'Triptychon' - was man neudeutsch-verständlich als horizontales Sandwich übersetzen könnte - beschrieben werden kann: Dem Katastrophenzeitalter von 1914 bis zu den Nachwirkungen des 2. Weltkriegs folgten etwa 25 bis 30 Jahre eines außergewöhnlichen Transformationsprozesses, retrospektiv als Goldenes Zeitalter zu begreifen, das seit den 70er Jahren in eine Ära des Verfalls, einen Erdrutsch mündet. Dieses weitere Katastrophenzeitalter ist wesentlich bestimmt durch drei Entwicklunsprozesse: den Bedeutungsverlust Europas und der europäisch geprägten Weltpolititik und die damit verknüpfte Herstellung der Welt als primärer Funktionseinheit als Ergebnis der weitreichenden Entwicklungen der Kommunikationstechnologie - freilich ohne anerkannte, handlungsfähige und auf Ausgleich der Interessen bedachte Institutionen zur Ordnung und Regulierung der Weltgesellschaft. Die dritte Transformation sieht Hobsbawm in der Auflösung traditioneller Sozialstrukturen und religiöser und moralischer Bindungen, das Zerbersten der Bindeglieder zwischen den Generationen, zwischen Vergangenheit und Gegenwart und die Herausbildung eines absolut asozialen Individualismus. Hobsbawm ist kein pessimistischer Apokalyptiker, sondern ein skeptischer Realist, dem aber trotz aller Schrecklichkeiten unserer Zeit die Hoffnung auf eine bessere, gerechtere und lebenswertere Welt nicht abhanden gekommen ist. Sein voluminöses Buch ist ein im umfassenden Sinne anregendes und erhellendes Werk, dem größte Verbreitung zu wünschen ist.
Hartmut Boger, vhs Wiesbaden
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am 1. Juni 2007
Historische Werke von angelsächsischen Vertretern der Zunft sind meistens besser zu lesen als vergleichbare Werke deutscher Kollegen des Faches. Woran liegt das? Es liegt daran, dass die wirklich namhaften Autoren in allgemeinverständlichen Werken dieses Kulturkreises oft weniger Wert auf die Zurschaustellung ihrer wissenschaftlichen Qualifikation in Form von Fußnoten legen. In dem Werk von Hobsbawn bekommt der interessierte Leser eine abwechslungsreich geschriebene Zusammenschau (interessant gegliedert) des gesamten 20. Jahrhunderts. Dabei beeindruckt immer wieder nicht nur die enorme Sachkenntnis des Autors, sondern vor allem sein Überblick über die großen Zusammenhänge und Vernetzungen internationaler Politik in einem Zeitalter, das er selbst über weite Strecken hinweg miterlebt hat. Von besonderem Interesse gerade für uns ist auch die Perspektive, aus der ein Engländer mit einer außergewöhnlichen Biographie das "Zeitalter der Extreme" analysiert, an dessen Verwerfungen und Abgründen wir Deutsche leider einen so großen Anteil haben. Einziger wirklicher Nachteil des Buches: Die deutsche Übersetzung beeinträchtigt aufgrund einiger Mängel an mehreren Stellen das Verständnis, weshalb für Leser, die des Englischen mächtig genug sind, die Lektüre der Originalausgabe eher zu empfehlen ist. Fazit: Ein historisches Standardwerk von ausgesprochener Geltung für alle, die mehr über "ihr Jahrhundert" wissen wollen.
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am 11. Mai 2009
"Das Zeitalter der Extreme." bildet gleichsam als Ergänzungsband einer dreibändigen Geschichte des Langen 19. Jahrhunderts, den vorläufigen Abschluß des Lebenswerks von Eric Hobsbawm (nach "Europäische Revolutionen. 1789 - 1848", "Blütezeit des Kapitals. 1848 - 1875", und "Das imperiale Zeitalter. 1875 - 1914") und führt dem Leser - gnadenlos - vor Augen, daß die Geschichte ständig lehrt, aber keine Schüler findet (frei nach I. Bachmann).

Als Gegenwartsgeschichte steht dies Buch zwischen den Zeiten, zwischen Vergangenheit und Zukunft, überbrückt es den Abgrund zwischen dem "hier und jetzt" seiner Abfassung, und der Gegenwart des Lesers mit seiner Erfahrung einer jüngsten Vergangenheit, welche dem Autor bei Niederschrift des Werks noch Zukunft war, sowie beider Vergangenheit (die des Autors in zeitgeschichtlicher Dimension), welche Ursprung sowohl dieses, als auch jenes, Gegenwart war.
So reflektiert jede Rezeption dieses Buchs auch die Perzeption einer Geschichte zwischen der Gegenwart der Niederschrift und der Gegenwart des Lesens.
Oder auch: Es ist wie der, von einer Norne zur nächsten, gerade in Übergabe begriffene Faden.

Verfaßt kurz nach der Epochenwende am Ende des "Kurzen 20. Jahrhunderts" (übrigens Untertitel der englischen Originalausgabe: "The short twentieth century, 1914-1991", veröffentlicht engl. 1994, 1995 dt.), entblättert sich dem Leser ein Panoptikum von Blut, Schuld, Schande und Ausbeutung, worin eine versagende Aufklärung und der frühe Nationalismus mündeten, von welchen diese Weltgeschichte Hobsbawms den Ausgang nahm, und welches keine besseren Aussichten im Neonationalismus ethnisch zerbrechender Staaten nach dem Ende des Endes der Geschichte (Fukuyama, 1992) verheißt, das weiß der Leser im zeitlichen Respektsabstand beider Werke: Der Humanismus hat mit den Schlachtfeldern des ersten Weltkriegs und dem Nationalsozialismus abgewirtschaftet, nachdem die "Déclaration des Droits de l'Homme et du Citoyen" zu den "Nürnberger Rassengesetzen" und der "Code Civil" zum "Volksgerichtshof" geführt haben, das teleologische Endstadium des politischen Liberalismus mit seiner geradezu chiliastischen Heilserwartung, war mit dem Jugoslawienkriegen ab 1991 und dem Vertrag von Maastricht 1992, dem Zerfall des Ostblocks und der Formung der "Festung Europa" durch ihre "ausschließende Identitätspolitik" (Hobsbawm-Terminus), beendet.
"Das Ende der Geschichte" als Zukunft hat sich (wie immer, wie bisher) als Fortschreibung der Vergangenheit erwiesen: "In den Jahren nach 1989 fanden mehr militärische Operationen in mehr Gebieten von Europa, Asien und Afrika statt, als irgend jemand erinnern konnte, wenngleich nicht alle von ihnen auch offiziell als Kriege eingestuft wurden: ['...] Außerdem gab es, wie sich in den frühen neunziger Jahren auf dem Balkan zeigte, keine scharfe Trennlinie zwischen regionalen Vernichtungskämpfen und einem nach alter Art spezifizierbaren Krieg, zu dem sich solche Kämpfe schnell entwickeln konnten. Kurzum, die weltweite Kriegsgefahr war nicht gebannt. Sie hatte sich einfach nur verändert." (Zitat).
Es antwortet Hobsbawm unmittelbar Fukuyama mit Hegels Blamage vor Klio: Schopenhauer bleibt en vogue.

Bezeichnend die Dreiteilung des Werks in: "Das Katastrophenzeitalter", "Das Goldene Zeitalter" und "Der Erdrutsch": Weltkriege, Diktaturen, Wirtschaftskrise, danach Nachkriegszeit, Demokratien, Prosperität, und zuletzt wieder das Ausschlagen des Pendels in die Gegenrichtung.
Faites vos jeux - Die Kugel rollt doch seit einiger Zeit (seit dem Erscheinen des Buchs) von neuem und die Richtung ist dem Gegenwartsmenschen, sofern wahrnehmbar oder von ihm wahrgenommen, beängstigend: Mit der Renaissance von Neokonservatismus, Neonationalismus, wirtschaftlichem Neoliberalismus, Rassismus (der ist nicht "Neo-", das ist immer derselbe kalte Kaffee geblieben), religiösem Fundamentalismus, Ökonomisierung politischer, kultureller, und sozialer Agenden, Beschränkung bürgerlicher Freiheiten aufgrund politischer und medialer Schürung irrationaler Ängste, nebulose Xenophobien bedienend, Ignoranz von unmittelbar notwendig zu treffenden Umweltschutzmaßnahmen, wie wider besseren Wissen fortgeführte Umweltzerstörung, steuert die Welt fröhlich zurück in's 19. Jahrhundert. Eine weitere Ära geht jetzt, unmittelbar und schmerzhaft anhand der jetzigen Weltwirtschaftskrise vorgeführt, eine Generation nach dem Sterben des Sowjetkommunismus, zu Ende, nachdem der Postkommunismus zu einem drastischen Rechtsruck in den demokratischen Systemen Europas geführt hatte, und der wirtschaftliche Wind europaweit von Sozialwirtschaft auf Neoliberalismus drehte. Marx und Engels sind tot (oder lebten quasi nie), Hajek und Friedman sind endlich (hoffentlich für immer) auch tot. Hobsbawm meinte bereits 1994: "Das Scheitern des sowjetischen Modells bestätigte die Anhänger des Kapitalismus in ihrem Glauben, daß eine Wirtschaft ohne Börse niemals funktionieren könne. Das Scheitern des ultraliberalen Modells bestätigte die Sozialisten in ihrem schon eher gerechtfertigten Glauben, daß die Belange des Menschen wie der Wirtschaft viel zu wichtig seien, um allein dem Markt überlassen zu werden." (Zitat).
Während Keynes heute (nicht nur nach damaliger Ansicht Hobsbawms) wieder im zuletzt immer tiefer gewordenem Grab zucken sollte: "Die Wirtschaftswunder des Goldenen Zeitalters hatten auf den steigenden Realeinkommen in den "entwickelten Marktwirtschaften" beruht, denn Massenkonsumwirtschaften brauchen Massenkonsumenten, deren Einkommen hoch genug ist, um die langlebigen High-Tech-Konsumgüter kaufen zu können." (Zitat).
Die Realität des allerdings nun gesuchten Auswegs aus der gegenwärtigen Krise: Nachdem die Gewinne privatisiert wurden, werden die Verluste sozialisiert. Die Zeit der Prosperität kam einzelnen, managenden, überdimensional, der eigentlich wirtschaftenden Menge höchstens durchschnittlich zugute, die Zeit der Krise finanziert dagegen eine Mehrheit, deren Existenz geschmälert wird, während die Portfolios angehäuften Kapitals stiftungsgeschützt dem staatlichen Krisenmanagement entzogen bleiben. Das Motto scheint gegenwärtig zu lauten: Back to the roots! Weg von der Konsumwirtschaft der Masse, zurück zur Subsistenzwirtschaft des Einzelnen.
Das Scheitern von Aufklärung und Humanismus auf ethischer Ebene, Kommunismus und Kapitalismus auf sozialer und wirtschaftlicher, wird von Hobsbawm mit detaillierten Funktionalismen angeführt, sein Stil ist dabei immer leicht lesbar, selten trocken: "Je näher die Jahrtausendwende rückte, um so deutlicher wurde, daß es wirklich angemessener wäre, wieder an die Defekte zu denken, die dem Kapitalismus zu eigen sind, als sich an der Leiche des sowjetischen Kommunismus zu weiden. Doch welcher Veränderungen bedürfte es, um diese Defekte zu überwinden? Und wäre es danach noch dasselbe System?" (Zitat).
Gestern stand die Menschheit vor einem Abgrund, heute, 15 Jahre später, ist sie schon einen großen Schritt weiter.

Aber nicht nur die Kritik der degenerierten Wirtschafts- und Sozialpolitik der "Ersten Welt", auch deren politische Auswirkung auf die "Zweite" bis zur kulturellen der "Dritten" sind Gegenstand der Darstellung Hobsbawms, immer aufgelockert mit vergessenen Konflikten, verdrängten (Polit-)Morden, ignorierten Massakern. Absolut keine "Ereignisgeschichte" schreibend, erweckt Hobsbawm (mir) den Eindruck, Gegenwarts- und Zeitgeschichte ist nichts als eine Abfolge mehr oder weniger in Erinnerung gebliebener mörderischer Ereignisse und Bluttaten. Angst machend: Keine Bluttaten, die irgendwann, in einer einstigen, fernen Vergangenheit, von Troglodyten an ihresgleichen, irgendwo, auf weit entfernten Inselchen, jenseits des (Erkenntnis-)Horizonts begangen wurden, sondern Bluttaten, die am Höhepunkt einer prosperierenden Zivilisation, stolz auf kulturelle und soziale Errungenschaften, nach Jahrhunderten des mühsamsten geistigen und technischen Fortschritts, an gleichen, meist nicht einmal anderen, Menschen, quasi vor der Haustür, begangen wurden und werden (notabene: In Europa, in Rückschau, bereits von und an der Elterngeneration, oder am Balkan der eigenen), eine Folge der Hirnpest des 19. Jahrhunderts: dem "Nationalismus", jede Gleichheit, jede Brüderlichkeit überwindend, nur sich die Freiheit herausnehmend, nach Gutdünken, nach Eigeninteressen zu schlachten, virulent in Gegenwart und Zukunft, das völlig irrationale Denken und Handeln der Massen, Medien, und Politik bestimmend. Es ist alles und alles wird sein wie es immer schon war: Das egozentrische Weltbild, projiziert auf, von verantwortungslos agierender Politik und skrupellos meinungsmachenden Medien quasiideologisch mobilisierten Menschenmengen, von Plebs und Mob bis selbsternannten oder mediengemachten Pseudoeliten, eingekesselt in geistigen, kulturellen, ethnischen und nationalen Grenzen, determiniert den geschichtlichen Prozeß. Der einzig feststellbare Fortschritt, die den unsäglichen Nationalismus überwindende, freie Wirtschaft, hat dagegen, im Zuge der Globalisierung, Völker gegeneinander verschachert, jede Ungleichheit zementierend (siehe die Kapitel über die Dritte Welt). Man ist also "Fortgeschritten" in den letzten soundso vielen Jahren nach 1789, man fragt sich bei der Lektüre (wie beim Erleben, Erfahren) dieser Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts, wohin: Fort von Idealen (zum Materialismus der Desillusion), von Humanität (zur egoethnischen Nabelschau), von Gemeinschaft (zur Gesellschaft), von sozialem Bewußtsein (zur Gewinnmaximierung), und von moralischer Kompetenz (zum Sendungsglauben und -willen von Seilschaften - wirtschaftlichen, politischen, gesellschaftlichen, medialen "Männerbünden").
Nestroy meinte in " Der Schützling", (1847 - auch nicht wirklich zufällig, dieses Entstehungsjahr): "Der Fortschritt ist halt wie ein neuentdecktes Land; ein blühendes Kolonialsystem an der Küste, das Innere noch Wildnis, Steppe, Prärie. Überhaupt hat der Fortschritt das an sich, daß er viel größer ausschaut, als er wirklich ist."
Die Welt wurde nicht besser, sie wurde nur moderner.

Aufgrund des hohen Alters und des an Erfahrungen und erlebter Geschichte reichen Historikerlebens, ist dieses Werk Hobsbawms persönlichstes und beinahe resignierendes: "Es wäre also töricht, dieses Buch mit Vorhersagen über die zukünftige Gestalt einer Landschaft zu beenden, die durch die tektonischen Erschütterungen des Kurzen 20. Jahrhunderts bereits zur Unkenntlichkeit verändert wurde und die von den zur Zeit stattfindenden Erschütterungen noch unkenntlicher gemacht werden wird. Es gibt weniger Anlaß, hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken, als Mitte der achtziger Jahre, als der Autor seine Trilogie der Geschichte des "Langen 19. Jahrhunderts (1789-1914)" mit den Worten schloß: "Die Anhaltspunkte dafür, daß die Welt im 21. Jahrhundert besser sein wird als heute, sind keineswegs gering. Wenn es der Welt gelingt, sich nicht selbst zu zerstören (durch einen Atomkrieg), ist die Wahrscheinlichkeit dafür sogar sehr hoch." Aber selbst der Historiker, dessen Alter dramatische Veränderungen zum Besseren während seiner verbleibenden Lebenszeit kaum erwarten läßt, kann vernünftigerweise nicht die Möglichkeit ausschließen, daß die Dinge in einem Viertel- oder halben Jahrhundert vielversprechender aussehen könnten." (Zitat).

Das sind also die Gedanken, welche Hobsbawm mit diesem gewaltigen Meisterwerk schönster Geschichtsschreibungsprosa und Panorama des Schreckens und Grauens hervorruft, - kein Buch für Optimisten.
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am 26. April 2011
Ein hochinteressantes Buch über die Zusammenhänge und Ursachen der historischen, soziologischen,wissenschaftlichen und kulturellen Erscheinungen des "kurzen" 20. Jahrhunderts von Beginn des 1. Weltkrieges an bis in die Anfänge der 90er Jahre. Obwohl der Blick des anerkannten britischen Historikers auf die ganze Welt gerichtet ist, liegen Europa, insbesondere Deutschland, und Nordamerika doch im Mittelpunkt seines Interesses.
Das Buch ist nicht an Leser gerichtet, die ein Lehrbuch über das Geschehene erwarten, sondern dieses Wissen wird beim Leser vorausgesetzt, der sich dann genussvoll in die stets spannenden und schlüssigen Darlegungen des wissensreichen Autors vertiefen kann.
Der Umstand, dass der Autor Mitglied der kommunistischen Partei war, kann man Wikipedia entnehmen, nicht aber der objektiven und Soviet-kritischen Darstellung der historischen Ereignisse, und eine schärfere Abrechnung mit dem "real existierenden Sozialismus" könnte man auch von einem rechtsideologischen Historiker nicht erwarten.
Das umfangreiche (über 700 Seiten), mit einer Fülle von Wissen ausgestattete Buch liest sich trotz seines spannenden Inhalts dennoch nicht leicht, was weniger dem Stoff als vielleicht der Übersetzung geschuldet ist.
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am 16. September 2012
Wenn ein anerkannter Historiker die "Weltgeschichte" der eigenen Epoche (im Untertitel) ankündigt, ist man gespannt. Für gewöhnlich zeichnet sich die historische Wissenschaft ja durch eine gewisse zeitliche Mindestdistanz zu ihrem Gegenstand aus. Um so reizvoller ist es, wenn ein berufener Interpret der Vergangenheit sich an seine miterlebte Gegenwart herantraut. Diese Erwartungshaltung wird allerdings bei der Lektüre schnell enttäuscht. Das Buch ist keine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem 20. Jahrhundert. Selbst da, wo der zeitliche Abstand zur Zeit der Niederschrift bereits groß genug war und auch an wissenschaftlicher Aufarbeitung kein Mangel herrschte, bleibt Hobsbawn im Beschreiben und Bewerten eigener Wahrnehmungen. Dass dies der Anspruch des Buches ist, macht Hobsbawm allerdings gleich zu Beginn deutlich. Nur, man muss erst anfangen zu lesen, um zu wissen, was einen erwartet. Lässt man sich aber darauf ein, es hier mit einer subjektiven Aufarbeitung der Zeit von 1917 bis 1989 zu tun zu haben (die unmittelbar vorangehenden und nachfolgenden Jahren dienen erkennbar nur der Kolorierung), bietet sich eine äußerst gewinnbringende Lektüre. Man muss dabei mit Hobsbawm nicht politisch übereinstimmen. Nicht zufällig fällt sein "kurzes 20. Jahrhundert" (im wesentlichen, m.E. sogar eigentlich) mit der Zeitspanne bolschewistischer Herrschaft in der Sowjetunion zusammen. Selbst wenn er den Blick stets wirklich global ausrichtet und auch die sogenannte "Dritte Welt" nicht vergisst, kreist sein Denken - besser Wahrnehmen - doch stark um Erfolg und Misserfolg der "Zweiten Welt". Eine wirkliche Alternative zu dem von ihm hart angegriffenen Kapitalismus (sowohl des real praktizierten der USA und später auch Großbritanniens unter Thatcher wie auch des theoretisch aus seiner Sicht vor allem von Hayek und Friedmann propagierten) zeigt Hobsbawm allerdings auch nicht auf. Trotz alledem, Hobsbawm hinterläßt mit diesem Buch eine großartige Bilanz, so wie er seine Epoche wahrgenommen und in einzelnen Aspekten auch selbst miterlebt hat. Es ist keine Autobiographie aber doch nahe daran. In so manchem Detail und aus der Sicht des Rezensenten auch im Grundsätzlichen kann man Hobsbawm oft widersprechen. Ob zurecht, kann nur die Zukunft zeigen. Trotz aller Festigkeit seiner Beurteilungen ist Hobsbawm selbstkritisch genug, die Bilanz mit dem Hinweis zu schliessen, ihr aktuell pessimistischer Ausblick widerspreche der noch wenige Jahre zuvor von ihm erwarteten "sehr hohen Wahrscheinlichkeit", "dass die Welt im 21. Jahrhundert besser sein wird." Wer das Buch als das liest, was es sein soll, nämlich die Bilanz eines wachen Zeitgenossen mit bewundernswerter Allgemeinbildung, wird hieraus ohne Zweifel großen Gewinn für die eigene Beurteilung der heutigen Welt ziehen können.
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am 26. November 2014
Eric Hobsbawm legt mit dieser Betrachtung und Analyse des kurzen 20. Jahrhunderts ein großartiges Werk vor. Beeindruckend die Betrachtung globaler Zusammenhänge der Geschichte , mit vielen Fakten und /aber mit überraschender Distanz zu gängigen analogen Betrachtungen einzelner Abschnitte der HIstorie. Beachtlich auch die umfangreiche Analyse des Einflusses der sowjetischen Sozialismus- Modells auf die Entwicklung der (dritten) Welt nach dem Ende des 2. Weltkrieges. Auch die Diffenrenzierung zwischen der Marxschen Lehre und der Entartung, dem politischen Pragmatismus des sowjetischen Modells sind erfrischend.
Ein Buch, das in die Bibliothek für unsere Kinder und Enkel gehört.
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am 10. Dezember 2003
Hobsbawm führt vor, wie Geschichte um die Jahrtausendwende(was für ein blödes Wort)geschrieben wird.
Er versteht es hervorragend die Zusammenhänge darzustellen und hat hier ein ungemein packendes Buch geschrieben, das ob der hohen Informationsdichte die vermittelt wird niemals langweilt.
Hätten sich nur einige seiner Vorgänger in derselben Art und Weise an ihre gewagten Unterfangen herangewagt. Dies ist ein Buch das man sogar absoluten Einsteigern im Bereich Zeitgeschichte, vor allem aber der Mehrzahl der amtierenden Politiker, unbedarft empfehlen kann.
Die Grundlagen wie die Details sowohl aus fachlicher als auch aus sprachlicher Sicht in exzellenter Art und Weise miteinander verbunden, dieser Umstand, und dazu die Kompetenz von Hobsbawm, machen das Buch eigentlich zu einer Pflichtlektüre für die Gymnasialschuloberstufen(auch wenn das schwerlich als ein Kompliment für ein Buch aufgefasst werden kann, es ist eines).
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am 5. März 2008
Hobsbawms Bezug auf ein Jahrhundert der Katastrophen und des (positiven) Wandels. Behandelt werden Entwicklungen und Erschütterungen, des einzelnen und von "Gesellschaft" als solches - durchaus "Weltgeschichte" im wahrsten Sinne des Wortes. "Das Zeitalter der Extreme" taucht ein in eine Welt, welche den Jazz ebenso hervorgebracht hat wie die Shoah, welche in ihm stattfand. Eine Welt voller Widersprüche und Menschen, des Kapitals, von kreativer Kraft und Verbrechen.
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am 17. August 1999
Der bekannte englische Historiker Eric Hobsbawm blickt in diesem Buch zurück auf das kurze 20. Jahrhundert, wie er es nennt. Hobsbawm, geboren 1917 in Alexandria, hat dieses Jahrhundert an den verschiedensten Plätzen miterlebt und so verschwimmen die Ansichten des Historikers mit denen des Privatmenschen. Er lebte in seiner Jugend in Österreich und Deutschland, 1933 emigrierte er nach London und lehrte seit 1947 an der University of London, später in New York. Das kurze 20. Jahrhundert beginnt bei Hobsbawm mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 und endet mit dem Zerfall der Sowjetunion 1991, der die Bipolarität der Weltpolitik beendete, die die Jahre seit 1945 wesentlich bestimmte. Doch seine Geschichte des Jahrhunderts bleibt nicht auf die hohe Politik beschränkt. Ein ebenso wichtiger Punkt, der bei Hobsbawm die gleiche Aufmerksamkeit erhält, ist die Weltwirtschaft. Stets blickt er auch auf die Entwicklungen und Fortschritte in Kunst, Kultur und Wissenschaft. In diesem Werk kommen besonders die Verbindungen und gegenseitigen Einflüsse der gesellschaftlichen Komponenten Politik, Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft zur Geltung. Der Leser erhält einen umfassenden Überblick über die wesentlichen Entwicklungen der vergangenen 90 Jahre, die unsere Welt zu dem machten, was sie heute ist. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 16. November 2011
Hobsbawms "Zeitalter der Extreme" ist ein unverzichtbarer Leitfaden für jeden, der sich ein Bild über den Kampf der Ideologien und die Auseinandersetzung mit den Totalitarismen im 20. Jahrhundert verschaffen möchte.
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