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am 23. November 2007
Antal Szerb war von Geburt Ungar, er studierte Germanistik und Anglistik und verdingte sich als Literaturprofessor, ehe ihn die Nazis aufgrund seiner jüdischen Abstammung ins KZ Balf steckten, wo er 1945 von einem Aufseher erschlagen wurde. Nicht nur ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, vor allem auch eines gegen die Schreibkunst. Für mich zählt Szerb zu den ganz großen Literaten des 20.Jh. Kaum einer verstand es so, Mythologisches und Romantisches mit tiefer Ironie und feinem Wortwitz als moderne Erzählungen wiederzubeleben. Man denke an die "Pendragon-Legende" oder "Reise im Mondlicht".

"In der Bibliothek" arbeitet Antal Szerb persönliche als auch historische Begebenheiten geschliffen und belesen auf. Die einzelnen Essays sind immer wieder aufs Neue amüsant. Jedes mal entdeckt man schmunzelnd zwischen den Wörtern verstreute Zwischentöne und staunt über den feinsinnigen Schreibstil.

Ein Highlight des Ungarn mit der Liebe zu England ist die Erzählung "In St. Cloud, auf einer Gartenparty". "Du bist so klug, dass sich die Frauen nie etwas aus dir machen werden", kommt es der begehrten Marcelle über die Lippen. "Marcelle saß nicht neben mir, sie war sehr intensiv nicht da", folgert der angesprochene Tamás zwei Seiten weiter. "Intensiv nicht da", eine geniale Formulierung! Oder: Haben Sie, liebe RezensionslerInnen, beim Schürzen der Lippen schon mal Folgendes bedacht?: "Der Kuss ist noch ein viel subtileres Mittel, sich auszudrücken als das Sonett und manchmal auch reicher an Wendungen."

Reich an Wendungen ist Szerb immer. Oscar Wilde bezeichnet er als "Parvenu in Worten", der mit der Sprache umgeht, wie ein Neureicher mit Geld. Und auch der edle Lancelot lernt bei Szerb seine Lektion. In "Die Liebe in der Phiole" klagt der Minneritter dem Zauberer Klingsor über seine unerfüllte Liebe zur Königin. Als dieser ihn davon heilt, ist der geharnischte Galan noch weniger zufrieden. Am Ende heißt es über Lancelot: "Der Schmerz schüttelte ihn so sehr, dass er kaum auf seinem Pferd sitzen konnte. Die Tränen rollten ihm übers Gesicht ... Er war glücklich." Das reine Glück im Unglück eben.

Glück gehabt haben Sie auf alle Fälle, wenn "In der Bibliothek" Ihre Wege kreuzt. Sofort festhalten und zu lesen beginnen! ;-)
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Nach der Lektüre auch dieses Buches weiß man, welchen Verlust die ungarische (und auch die europäische) Literatur durch den Tod Szerbs in einem KZ 1944 erlitten hat.

Die 14 Erzählungen von unterschiedlicher Länge, in der Zwischenkriegszeit entstanden, sind einerseits im Biographischen, andererseits in der Geschichte angesiedelt.

Ein paar Beispiele gefällig? In "Die Liebe in der Phiole" sperrt der Zauberer Klingsor die Liebe in eben diese Phiole. Damit vermiest er Lancelot seine sämtlichen Auftritte..

In "Der Mann, der nicht zu retten war" geht es um einen Dichter, der von einem Snob durch entsprechende Bezahlung dazu gebracht wird, nichts mehr zu schreiben. Wird er es durchhalten?

"In der Bibliothek" handelt von einem jungen Ungarn, der in Paris eine Landsmännin kennenlernt, die seit längerem in ihn verliebt ist. Als er die entscheidende Frage nicht stellt, ist alles vorbei.

"Ajandoks Brautkleid" spielt in Ungarn und handelt von einer Fünfzehnjährigen, die traurig ist, da ihre Schwester sich am Johannistag verlobt hat, sie selbst aber noch keinen Geliebten hat. Sie lernt zwar dann einen Studenten kennen; die Liebe zerbricht aber...

Alle diese Texte sind unheimlich elegant erzählt (man nennt Szerb auch den "großen Eleganten"). Dass Ironie und Humor ebenfalls ein wichtiger Punkt sind, weiß man aus Szerbs anderen Büchern.

Summa summarum: ein unheimlich intelligentes, äußerst vergnüglich zu lesendes Buch!
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