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Kundenrezensionen

4,3 von 5 Sternen
4
4,3 von 5 Sternen
Der Feind im Spiegel: Thriller
Format: Taschenbuch|Ändern
Preis:8,95 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime

am 17. Juni 2006
Als der dänische Schriftsteller Leif Davidsen in seinem vorletzten, 2001 in Deutschland erschienenen Thrillers "Der Fluch der bösen Tat" am Ende den serbokroatischen Guerillakämpfer und späteren Berufskiller Vuk auf die Fähre nach Finnland fliehen ließ, dachte er nach eigenen Angaben im Nachwort des hier zu besprechenden neuen Buches nicht im Traum daran, diese brutale, gequälte und überaus komplizierte Romanfigur noch einmal wieder auferstehen zu lassen.

Als der amerikanische Justizminister John Ashcroft unmittelbar nach dem 11. September 2001, dem bisher zerstörerischsten Terroranschlag des islamistischen Netzwerks al-Qaida auf Ziele der westlichen Welt, allen Menschen freies Geleit und Immunität zusicherte, die den USA bei der Aufklärung dieses Anschlages und beim weiteren Kampf gegen den Terror helfen könnten, da wusste Davidsen plötzlich, wo seine ungeliebte Romanfigur sich aufhielt, und er hielt sofort den brisanten Stoff für seinen neuen Thriller "Der Feind im Spiegel" in Händen.

Als John Ericsson hat Vuk in den USA mit gefälschten Pässen eine neue Existenz gefunden. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Als er vom Terroranschlag gegen die Twin Towers hört, spürt er sofort, daß dies sein Alias-Leben verändern wird. Tatsächlich bekommt er wenige Wochen danach Besuch vom FBI. Er wird verhaftet und mehrere Monate lang in Hawaii in einem Safe-House des Geheimdienstes verhört. Das FBI will prüfen, ob er für dessen spezielle Tätigkeiten geeignet scheint. Den europäischen Verbündeten übermitteln sie indessen, Vuk sei tot.

Parallel dazu erzählt Leif Davidsen, wie in Kopenhagen um seine aus den anderen Büchern bekannte Hauptfigur Per Toftlund herum eine spezielle Einsatzgruppe gegründet wird mit dem Ziel, dänische Zellen von al-Qaida zu identifizieren und auszuheben. All das geschieht in enger Kooperation mit den USA und den anderen NATO-Ländern. Die Mannschaft erhält den geheimen Namen "Troja" und hat zunächst einige innere Konflikte zu lösen, die sich an der Person der einzigen Nicht-Polizistin im Team fest machen, Aischa Hussein. Sie ist 33, Palästinenserin, seit vier Jahren in Dänemark und hat nach ihrer Diplomarbeit über das Thema "Euroislam und Demokratie" zunächst im ehemaligen Landwirtschaftsministerium gearbeitet.

Sie gibt den Ermittlungen der Gruppe auch die ersten entscheidenden und weiterführenden Hinweise, als sie ein uraltes arabisches Handelssystem mit dem Namen "Hawala" als möglichen Deckmantel für die enormen und bisher unbekannten finanziellen Transaktionen der Terroristen identifiziert.

Ungefähr in dieser Phase der Ermittlungen erfährt Per Toftlund von seiner Chefin Vuldom, daß Vuk doch noch lebt. Sofort ist in seiner Seele die ganze Vorgeschichte präsent, als Vuk seinen besten Freund erschossen, zwei weitere Menschen kaltblütig umgebracht, seine Frau Lise entführt und seine eigene, Toftlunds, Karriere fast zerstört hätte. (vgl. "Der Fluch der bösen Tat")

Vuk seinerseits wird derweil in Hawaii vom FBI und CIA für einen Einsatz in Dänemark vorbereitet, seiner früheren Heimat. Denn eine wichtige Spur der internationalen Ermittlungen nach dem 11. September führt zu einem arabischen Mann in Kopenhagen mit einer Doppelexistenz in London. Er ist der sogenannte "Thronfolger".

Auch Per Toftlund und sein Team sind nach monatelanger Arbeit besonders durch den tatkräftigen und klugen Einsatz von Aischa Hussein auf die dänische al-Qaida Verbindung gestoßen, auf eben jenen Marko Cemal alias Mohammad Atlev.

Einer der stärksten Teile des Buches sind die Beschreibungen dieser Zusammenarbeit zwischen Toftlund und Aischa. Es wird deutlich, wie schwer es ist, eine andere Kultur wirklich zu verstehen. Davidsen wechselt in der Mitte des Buches zwischen Kopenhagen und Hawaii hin und her, wo Vuk auf seinen Einsatz vorbereitet wird. Auch dort liefern die geschilderten Dialoge auch dem informierten Leser sehr gut recherchierte Einblicke in die Arbeit der Geheimdienste nach dem 11.9. 2001 und in der Vorbereitung des zweiten Irakkrieges.

Die beiden Protagonisten, Vuk und Toftlund bewegen sich nun aufeinander zu. Dies liest sich spannend und immer informativ zugleich bis zum überraschenden Ende des Buches.

Leif Davidsen hat extrem gut recherchiert. Er beschreibt sein Milieu so, als wäre man selbst dort. Man spürt die Hitze der Wüste, fühlt regelrecht die hohen Brecherwellen auf Hawaii, man riecht das brackige Wasser in den Kanälen von Venedig, wo Toftlund und Aischa einen wichtigen Kenner der Materie besuchen.

Davidsen besitzt ein großes Wissen über außenpolitische Vorgänge und hat außergewöhnlich gute Kenntnisse über die internen Abläufe des dänischen polizeilichen Geheimdienstes. Und so ist die Geschichte, die er in "Der Feind im Spiegel" aufrollt, zwar nicht die Wahrheit über den 11. September und den al-Qaida-Terrorismus, aber er liefert extrem wahrscheinliche Erklärungen für viele Vorgänge, die noch vor zwei bis drei Jahren uns allen etliche Rätsel aufgaben: zum Beispiel, wie die US-Regierung mit Hilfe des CIA eine plausible Erklärung und einen Vorwand für einen zweiten Krieg gegen den Irak fand.

Und so ist ein außergewöhnlicher Thriller entstanden, spannend bis zur letzten Seite, dabei informativ und aufklärerisch wie ein guter politischer Essay. Durch seine, so selten gelesenen, Schilderungen des biographischen und religiös-kulturellen Hintergrundes von Aischa Hussein liefert er außerdem einen nicht hoch genug einzuschätzenden Beitrag für das für einen Westeuropäer fast unmögliche Verständnis des Lebensgefühls gebildeter Araber in der westlichen Welt und ihre Zerrissenheit zwischen den Kulturen und Identitäten.

Leif Davidsen ist ein Schriftsteller, dessen bisher vier in Deutschland veröffentlichten Bücher mehr Beachtung verdient haben.
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am 17. September 2009
Leif Davidsen hat mit seinem Roman ein tagespolitisches Thema aufgegriffen, dessen Aktualität man kaum übertreffen kann. Sein Buch widmet sich den Themenbereichen des globalisierten islamistischen Terrorismus sowie der Arbeit der Nachrichtendienste in diesem Umfeld. Dabei gelingt es ihm geradezu perfekt, zwei - zunächst unabhängig voneinander agierende - Handlungsstränge aufzubauen, die sich zum Ende hin zielgerichtet aufeinander zu bewegen. Während der erste Handlungsstrang sich um die Person des serbischen Ex-Guerillas und durch die CIA angeworbenen Auftragsmörders Vuk bewegt, spielt sich der zweite Handlungsstrang im Umfeld des dänischen Kriminaldirektors Per Toftlund ab, der dem polizeilichen Nachrichtendienst angehört. Der "Showdown" dieser Hauptdarsteller auf der Brücke in Cuenca/Spanien ist geradezu ein "Klassiker". Demgegenüber ist das Ende des Romans etwas zu kurz geraten und abrupt.
Fazit: Ein durchaus gelungener und abschnittsweise spannender Thriller, der durch seine teilweise langatmigen Erklärungs- und Beschreibungsversuche den Leser unnötig ablenkt und fordert meint
Ralf Klewin-von Fintel
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am 13. April 2013
Letzter Teil um den Auftragskiller Yuk und den Kopenhagener Polizisten Per. Eine spannende Hatz, insofern bemerkenswert, da man mit beiden sympathisiert. Ich konnte mich nicht recht entscheiden, wer das Spiel gewinnen sollte. Kein Überflieger, aber ein gutes Buch.
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am 28. Juni 2006
Ein Buch, das mich mit seinem spannenden und sehr aktuellen Plot, stilistischer Brillianz und vielschichtigen Charaktären fast bis zur letzten Seite fasziniert hat. Fast - denn das Ende gefiel mir nicht. War es wirklich nötig, Vuk, der vielen Lesern vor allem durch seine hier geschilderte positive Metamorphose zum liebenden und gefühlvollen Familienvater, besonders ans Herz gewachsen ist, so ein Schicksal ereilen zu lassen?

Dieser Ausgang hat mir ein wenig die Lust am Lesen verdorben, doch im Großen und Ganzen steht Davidsens neuestes Werk seinen Vorgängern an Spannung in nichts nach.
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