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VINE-PRODUKTTESTERam 20. November 2007
Auf Jasper Ffordes "Fall Jane Eyre" bin ich durch Zufall gestoßen - glücklicherweise. Ffordes Welt bereitet ein einziges Lesevergnügen, und das nicht nur (aber doch ein bisschen mehr) für den, der mit der klassischen englischen Literatur zumindest ansatzweise vertraut ist. Und es ist eine herrlich skurrile, aber mit heiterem Ernst vorgetragene und durchgehaltene Welt, die Fforde erstehen lässt - eine Welt, in der seit 150 Jahren der Krimkrieg zwischen Russland und England die Schlagzeilen beherrscht. Aber auch eine Welt, in der Literatur im Allgemeinen und Bücher im Speziellen von enormer kultureller Wichtigkeit sind (und wer würde nicht gerne in einer solchen Welt leben...?), so dass es eigens eine Unterabteilung für alle möglichen literarischen (Un-)Fälle gibt: die LitAgs, und eine von ihnen ist Agentin Thursday Next. Sie ist die Heldin dieser Geschichte, und die entspannt sich gemütlich und rasant zugleich unter den fähigen Händen des Literaturenthusiasten Fforde. Thursdays Antagonist ist der Erzschurke Acheron Hades, ein Obergauner, der in der Welt der Bücher Unheil anrichtet, indem er (mit Hilfe einer von Thursdays Onkel entwickelten Maschine) Protagonisten aus den literarischen Werken entführt und so Chaos anrichtet.

Ffordes Buch ist gespickt mit intelligenten und äußerst witzigen Einfällen, die mit fröhlichem Mutwillen präsentiert werden. Ein besonderer Clou ist mit Charlotte Brontes "Jane Eyre" verbunden; nicht nur interagieren Mr Rochester, seine irre Frau Bertha und schließlich Jane selbst auf höchst unterhaltsame Weise mit Thursday, die es irgendwann auch in den Roman verschlägt, sondern Fforde verbindet das Eingreifen der Agentin sehr pfiffig mit dem Entstehen von "Jane Eyre" selbst - zumindest dem Buch, wie wir es heute kennen...

Fürchterlich unernst ist Ffordes Buch aber nicht; auch Krisen, Tod, Beziehungskonflikte werden abgehandelt, was das Universum des Werks erst komplettiert. In erster Linie sind es aber die enorme Phantasie Ffordes und seine phantastisch schrägen und wunderbar beiläufigen Einfälle, die dieses Buch zu einem solchen Vergnügen machen. Warum keine fünf Sterne? Die hebe ich mir hoffentlich für die Forsetzung auf ;-)
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am 12. Oktober 2007
Die Romane von Jasper Fforde sind anzusiedeln irgendwo zwischen James Bond, "Per Anhalter durch die Galaxis" und Harry Potter. Ähnlich wie J.K. Rowling und Douglas Adams schafft es Fforde, in "Der Fall Jane Eyre" mit einer blühenden Fantasie, mit vielen kleinen Details und teils skurrilen Einfällen eine Welt zu erschaffen, die einerseits das England der 80er Jahre in manchen Teilen widerspiegelt, aber doch eine Parallelwelt ist mit Luftschiffen statt Flugzeugen, mit geklonten Dodos als Haustiere und einem schon 130 Jahre andauernden Krieg um die Krim gegen ein zaristisches Russland.

Literatur hat in diesem England einen derart hohen Stellenwert, das die Regierung sich sogar eine Art Literatur-Geheimdienst leistet. Für eben diesen arbeitet Thursday Next in Swindon als Literatec: die Agentin als eine Art weiblicher James Bond im Auftrag... Ihrer Majestät?? Wenn man das nur wüsste - die Fäden zieht jedenfalls die Goliath Corporation, ein Riesen-Konzern, der mit Jack Schitt (!) der Heldin einen würdigen Gegenspieler zur Seite stellt.

Den eigentlichen Kampf ficht Thursday indes mit Erzfeind Acheron Hades aus, der Romanfiguren kidnappt. In diesen Hauptplot verwebt Fforde gekonnt weitere Neben-Schauplätze: So wohnt der Leser einer Aufführung des Klassikers "Richard III." bei, mit aktiver Beteiligung des Publikums - gewissermaßen Shakespeare als "Rocky Horror Picture Show"... Zudem geht es in Thursdays Liebesleben turbulent zur Sache.

So surreal bis absurd das alles klingen mag: Fforde gelingt es mühelos, den Leser in seine Welt zu ziehen und ihn in der Geschichte gefangen zu nehmen. "The Eyre Affair" (2001) war in Großbritannien ein großer Erfolg - zu Recht. Fforde bereitet einem ein ganz besonderes Lesevergnügen, insbesondere dem, der ein bisschen in der englischen Literatur zu Hause ist. Denn der Roman ist mit seinen zahlreichen Anspielungen und Zitaten eine Hommage an große Klassiker von Christopher Marlowe bis "Mansfield Park", zugleich aber auch eine parodistische Hommage an James Bond. "Der Fall Jane Eyre": ein grandioser Lesespaß, der das Zeug zum Kult hat.
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am 11. Juni 2008
Thursday Next wacht als Literaturagentin über das Wohl der englischen Literatur und wer glaubt, das wäre ein ruhiger Schreibtischjob, der hat noch nie etwas vom drittgrößten Bösewicht Archeron Hades gehört.
Während in einem parallelen England im Jahre 1985 die Uhren im wahrsten Sinne des Wortes anders ticken, Zeppeline die Luft und der Dauer-Krimkrieg die Nachrichten beherrscht, liefern sich die Anhänger verschiedener englischer Dichter unerbittliche Straßenschlachten. Und die zentrale Frage wer der Ghostwriter von Shakespeare war, erhitzt das Gemüt des Volkes.
In dieser Welt kommt es einer Katastrophe gleich, als der gewissen- und moralfreie Erzverbrecher Hades zuerst ein Originalmanuskript von Charles Dickens und dann sogar die arme Jane Eyre aus Brontes Roman entführt. (Zumal es den großen Extraktions-Experten von SpecOps bisher noch nicht mal gelungen war, mehr als einen Cheddar aus einem Käselexikon zu locken). Zum Glück ist Thursday Next als Krimkrieg-Veteranin unerschrocken und pfiffig, und sie nimmt den Kampf mit dem unbesiegbaren Hades auf.
Dass sie da ganz nebenbei ein paar erschütternde Erkenntnisse über Shakespeares Ghostwriter gewinnt, das Ende von "Jane Eyre" umschreibt und sich selbst in ihrer Zukunft und Vergangenheit nützliche Ratschläge gibt, ist eher ein Nebeneffekt ihrer Arbeit.

Trotz Dystopie (immerhin ist Wales eine kommunistische Volksrepublik ;o)) ist dies das witzigste und erfrischendste Science Fiction-Fantasy Gemisch das mir bisher untergekommen ist.
Entweder man kann mit diesem Buch und seinem Stil nichts anfangen und schüttelt verständnislos den Kopf oder man liebt es von der ersten Zeile an und ist fürderhin ein unverbrüchlicher Thursday-Next-Jünger. Ich gehöre eindeutig zu der letzteren Kategorie. Auf dem Klapptentext wird Jasper Fforde mit Douglas Adams verglichen. Aber dieser Vergleich, so schmeichelhaft er sein mag, sollte nicht sein. Der Stil von Fforde und seine Geschichte kann sher gut für sich selbst stehen. Geistreich, spannend, überbordend von Ideen und schrägen Einfällen ist das schlicht und ergreifend ein neuer Kult, mit vielen Lachern, Aha-Effekten und einer inbrünstigen Liebeserklärung an die englischen Literaten wie Shakespeare, Milton, Bronte oder Dickens.

Bücherwürmer, die nur noch Präpositionen ausspucken, nachdem sie sich über ein Wörterbuch hergemacht haben, ein Publikum das Aufführungen von Richard III feiert wie die Rocky Horror Picture Show und Dodos, die aus einem Do-it-your-self-Klon-Paket gezüchtet wurden, ein freimaurerartiger Geheimbund der sich auf das Fangen von Meteoriten spezialisiert hat...
Sie finden, das hört sich zu abgefahren an? Ist es auch.
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am 24. Mai 2009
Selten habe ich so etwas abgründiges, skurilles und fantasievolles gelesen wie dieses Buch. Es steckt so voller genialer Ideen, dass man dem Autor den einen oder anderen Schnitzer verzeiht. Zum Beispiel, dass das Buch bis zum Ende wirr bleibt und der Leser das Gefühl hat, nicht alles verstanden zu haben. Oder das der Ober-Bösewicht (ganz klischeehaft) am Ende doch so einfach zu eliminieren ist.
Fforde schafft eine wunderbare Parallelwelt, die der unsrigen so ähnlich ist und doch Unterschiede aufweist, die vorstellbar sind, im Gegensatz zu Douglas Adams. Die Figuren im Buch sind alle wunderbar durchgeknallt, ohne verrückt zu wirken. Ähnlich wie bei Pratchett schafft es der Autor, selbst den Bösewichten Struktur zu geben, dass sie trotz ihrer Taten weniger grauenhaft wirken.
Mein Fazit:
Fforde ist kein Adams oder Pratchett, aber er ist auf dem Weg dahin, in ihre Fußstapfen zu treten, wenn auch mit kleinen Schritten.
Wer auf skurille Bücher steht, gerne in fremde Welten abtaucht, die immer noch einen Bezug zu unserer Realität haben und am Ende nicht traurig ist, nicht alles verstanden zu haben, dem ist dieses Buch zu empfehlen.

PS: Im zweiten Band ist vieles einleuchtender, was in diesem Buch noch Grauzone ist!
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am 9. August 2007
Amazon-Rezensionen wie im Grunde alle Rezensionen haben es an sich, dass sie Erwartungen produzieren und aus diesem Grund hatte ich allerlei Erwartungen vor der Lektüre von "Der Fall Jane Eyre". Vorweggenommen: sie wurden nicht nur erfüllt, sondern übertroffen.
Fforde gelingt es, ein Buch zu schreiben, in das der Leser genauso eintauchen kann, wie die Hauptfiguren in den Klassiker "Jane Eyre". Es ist aber überhaupt nicht so, dass man in englischen Literaturgeschichte beheimatet sein muss, um sich von der Geschichte amüsieren zu lassen. Aber das Entführen der kleinen literarischen Figur Mr. Quaverley aus einem Charles Dickens-Roman durch DEN Bösewicht in Ffordes Roman ist schon sehr sehr witzig beschrieben ohne dass man das Dickens-Buch kennen muss. Und das ist erst der Anfang...
Die literaturfanatischen Bewohner des anderen England gehen sogar soweit, dass sie sich Künstlernamen aussuchen, natürlich von Literaten:

"Nach einem Zwischenfall in einem Pub, bei dem sowohl der Angreifer, das Opfer, der Zeuge, der Wirt, der festnehmende Polizist als auch der Richter Alfred Tennyson hießen, war ein Gesetz verabschiedet worden, das sämtliche Namensvettern und -schwestern verpflichtete, sich eine Kennnummer hinters Ohr tätowieren zu lassen."

Solche und viele weitere skurrile Einfälle lassen die Lektüre zu einem Vergnügen werden. Und der Vergleich mit den Monty Pythons auf dem Klappentext (Klappentexte sind ja bekanntlich ganz schlimme Schwindler :-) find ich korrekt, ich hatte beim Lesen einige Male das berühmte "Ministry of Silly Walk" vor Augen.
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Tja nun... einer meiner Vorredner hat es ja schon angesprochen:

Jane Eyre kommt ein bisschen zu kurz, wie ich finde. Und damit meine ich nicht die Person, sondern ganz allgemein das Buch. Mr. Rochester taucht öfter auf und Mrs. Fairfax auch, aber halt fast am Ende! Erst ab Seite 299 kommt die Handlung um Jane Eyre wirklich in Schwung und dafür das das Buch "Der Fall Jane Eyre" heißt, ist das ein bissel wenig. Das Buch hat nur 375 Seiten. Es liegt auch nicht an der Übersetzung, der englische Titel ist in der Hinsicht identisch. Deswegen von mir 1 Punkt abzug, weil ich mich sehr auf Jane Eyre gefreut habe, aber das Ganze zu kurz kommt.

Ansonsten ein sehr toller Lesespaß! Lustig, absurd, spannend. Eine ganz eigene Welt wurde da geschaffen und ich finde, sie macht auch Spaß, wenn man in der Englischen Literaturgeschichte nicht so bewandert ist. Natürlich sind ein paar Grundkenntnisse nicht verkehrt. Ich freue mich schon auf die anderen Teile und bin sehr gespannt!

Übrigens möchte ich auch gerne einen Dodo haben!

Empfehlenswerte lustige, intelligente Fantasy! Wer Bücher über Bücher mag, ist hier genau richtig!
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am 3. Juni 2011
Thursday Next heißt die Heldin Jasper Ffordes' Mehrteiler. Der Fall Jane Eyre" (dtv 2004) ist der erste Band um die Literaturagentin. Die Grenzen zwischen Realität und Buchinhalt sind brüchig geworden. Besonders sensible Menschen (natürlich auch Thursday) haben den Schritt in eines der geliebten Bücher bereits gemacht. Aber das ruft auch Bösewichte auf den Plan, wie sollte es anders sein. Und Acheron Hades ist ein böser Superheld. Er ist den Agenten der Regierung weit überlegen, nicht nur der Abteilung 27 sondern allen. Hoffentlich hat er seine Rechnung ohne Thursday gemacht... Mit diesem Buch konnte Jasper Fforder einen großen Erfolg landen. Das Vergnügen, wenigstens einige der vielen Anspielungen zu erkennen, die humorvolle Schilderung des Beamtenalltages und der Liebeswirren haben Tausende Leser begeistert und weitere Bände folgen lassen. Das Thema der Veränderung literarischer Werke durch Eindringen in dieselben ist interessanterweise nicht das Hauptmotiv des Romans sondern nur eine der burlesken Facetten. Unbedingt lesenswert!
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am 7. Juni 2008
...ist diese Geschichte allemal - man wird in fremde Welten entführt, in denen Luftschiffe Flugzeuge ersetzen und Personen mit Hilfe von Bücherwürmern und einer Maschine aus Büchern entführt werden können. Ein Gesicht wird mehrfach benutzt, und ein Bösewicht ist nur mit geheimnisvollen Mitteln zu schlagen...

Zuerst hatte ich ein wenig Schwierigkeiten, mich in die Geschichte zu finden. Teilweise fand ich Handlungs- bzw. Erinnerungserzählungen unpassend; sie fügten sich erst nach und nach in die Geschichte ein, und irgendwann begann dann auch das Lesevergnügen. Insgesamt hat es Spaß gemacht, dass Buch zu lesen, und jetzt muss ich doch mal schauen, wie die Geschichte der Jane Eyre im Originalbuch ausgeht...
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am 23. Januar 2012
"'Wer zu den SpecOps will', so eine Redensart, "muß schon ein paar Schrauben locker haben...'".

Genau das ist es, was "Der Fall Jane Eyre" so unglaublich faszinierend für mich gemacht hat. Jasper Fforde entwirft eine Welt, in der einfach alles anders läuft, in der die Grenzen zwischen Realität und Fiktion durchlässig sind und an der man nur Gefallen finden kann, wenn man sich auf eine Skurrilität dieser Art einlassen kann und möchte.

Aber erstmal zum Inhalt:
Die Hauptfigur Thursday Next arbeitet als Literaturagentin, zum Wohle einer Gesellschaft, in der sich nahezu alles ausschließlich um Literatur zu drehen scheint. Dennoch hat auch sie Sorgen, die sie dem Leser sympathisch machen und der Geschichte einen Rahmen bieten, damit sie nicht zu abgehoben wird: Beziehungsprobleme, Familienklüngeleien, Probleme am Arbeitsplatz.
Die Haupthandlung dreht sich um Thursdays Kampf gegen den Schurken Acheron Hades, der mit Hilfe spezieller Eigenschaften und Maschinen versucht, literarische Figuren aus den jeweiligen Werken zu entführen, um dann ein Lösegeld zu erpressen oder Schlimmeres. Beginnt er zunächst bei "entbehrlicheren" Figuren der Klassiker, so wagt er sich schließlich an Jane Eyre, womit die Misere der Regierung perfekt ist. Wie praktisch, dass die charakterstarke Thursday Next da ist, um den Karren vielleicht doch noch aus dem Dreck zu ziehen...

Wow, dieser Roman hat mich wirklich begeistert!! Wie schon erwähnt, lebt Agentin Next in einer herrlich verrückten Welt. Obwohl ich den Einstieg anfänglich etwas holperig fand, habe ich die zweite Hälfte des Buches nur so verschlungen. Für Leser, die sich mit den Klassikern, die im Buch genannt und diskutiert werden, auskennen bzw. über etwas Hintergrundwissen verfügen, stellt sich ein weiterer interessanter Aspekt ein. Die Shakespeare-Debatten z.B. haben mir persönlich jedes einzelne Mal ein Grinsen aufs Gesicht gezaubert.
Respekt für dieses Werk, das Jasper Fforde geschaffen hat. Dieser Autor hat nicht nur eine blühende Fantasie, sondern ist auch in der Lage eine Kulisse zu erschaffen, um die der Leser die Protagonisten unter Umständen beneiden könnte. Kurztripps in literarische Werke...das wär doch mal was, oder? :)
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am 4. Januar 2012
Thursday Next ist Agentin, und zwar der hinterletzten Special Operations-Einheit, den Literaturagenten (SpecOp-27). Normalerweise drücken diese meist nur den Drehstuhl, um Originalfälschungen zu überprüfen, was, bei aller Liebe zur Literatur, doch gewaltig an das gähnend-langweilige, deutsche Beamtentum erinnert. In den höheren Rängen steppt jedoch der Bär und genau in einen solchen (SpecOp-5) verschlägt es unsere Heldin, als sie zu hochbrisanten Ermittlungen hinzugezogen wird.

Der Grund: Sie ist die einzige Person, die den grundlos Bösen Archeros Hades jemals zu Gesicht bekommen hat, der zur Zeit sein Unwesen im Britischen Königreich treibt. Um ihn identifizieren zu können, wird sie nun bei den Überwachungseinsätzen mitgeschleppt und prompt läuft ihnen der Schuft über den Weg, der gerade erst das Originalmanuskript von Dickens Martin Chuzzlewit entwendet hat und damit die Regierung selbst erpresst.

Und Klappe! würde J.J. Abrams schreien, denn jetzt geht es richtig los. Der heißblütigen Thursday sind Vorschriften nämlich reichlich egal, anstatt Verstärtkung abzuwarten, ergreift sie die Gelegenheit und will den Oberschurken stellen. Doch Literaturfeind Nummer 1 macht es ihr alles andere als leicht und ehe sie sich versieht, hat sie zwei tote Kollegen und von Hades keine Spur.

So alt wie das geschriebene Wort, ist schließlich auch die Vorstellung eines gottgleichen Autors, dessen Werk tatsächlich so eine schöpferische Kraft besitzt, dass die Figuren in unserer Welt auftauchen. Oder wir in ihrer.

Deshalb verwundert es wenig, dass Hades sich die Helden aus der literarischen Klassik zur Geisel nimmt und damit das beste Druckmittel in dieser Gesellschaft hat. Natürlich vergreift er sich an keiner Geringeren als Jane Eyre.

Jasper greift gekonnt eine tatsächlich seltsam anmutende Stelle aus Brontës Werk heraus und nutzt sie, um dem Plot eine neue Wendung zu geben (so wie wir sie nun kennen).
So fragt man sich tatsächlich einen kleinen Moment, ob die ganze, irrwitzige Geschichte nicht tatsächlich wahr sein könnte. Für diese Meisterleistung verneige ich mich um ganze 42 Grad, mein lieber Herr Fforde!

Ich wurde nicht gerade von Lachkrämpfen geschüttelt wie bei Douglas Adams, wenn die dussligen Vogonen poetisch werden oder der manisch-depressive Roboter Marvin mal wieder in eine Sinnkrise stürzt. Trotzdem musste ich immer häufiger schmunzeln und auch meine Augenbrauen hatten einen amüsierten Wellengang.

Zeitsprünge, schwarze Löcher und Laserguns vollenden das Raum-Zeit-Kontinuum des absurd-komödiantischen Science-Fiction-Romans.

Wer Bücher mag, wird dieses Buch lieben. Schließlich sind sie hier das hehre Gut, um das sich ganze Generationen prügeln. So entstehen z.B. bibliophile Sekten, die sich ausschließlich mit der Streitfrage um die wahre Autorenschraft der Shakespeare-Werke beschäftigen (hier gibt es übrigens zum Schluss eine süffisant-komische Erklärung).
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