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am 22. November 2004
Amerikanische Schriftsteller haben die Fähigkeit, politische Traumata allgemeinverständlich und unterhaltsam auf zu bereiten und tragen so dazu bei, dass sich eine ganze Nation damit befasst und wenigstens darüber spricht. Das Dritte Reich war über eine Generation lang höchstens ein Thema im Geschichtsunterricht oder ein Thema für Gedenkreden im November. Birkefeld und Hachmeister ist es in einem sehr spannenden Krimi gelungen, das Thema Diktatur, Polizeistaat, Mitläufertum und Widerstand in den ganz normalen Alltag ganz normaler Menschen zu bringen. Und damit zwingen sie den Leser, sich mit diesen Themen ganz persönlich zu befassen. Raum für Selbstgerechtigkeit bleibt da nicht mehr.
Ich hoffe, dass man von diesem Autorenduo noch vieles lesen kann.
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am 23. Januar 2006
Kurzbewertung? Hervorragend.
Einen bessere Titel als das Brentano-Zitat: "wer übrig bleibt hat recht" gibt es nicht. Ohne vorgreifen zu wollen bestätigt sich nur, dass manche Menschen immer auf die Füsse fallen und das Selbstbetrug (Kalterer) das Leben doch recht angenehm macht. Sehr detailgenau zeigen die Autoren die Grauen des Bombenkrieges und dessen Folgen für die Zivilbevölkerung und auch die seelischen Krater die in den Bombenopfern entstehen die überlebten. Zwar nicht so schonungslos wie ein Gert Ledig in seinen Büchern, aber trotzdem atmosphärisch dicht. Bei den Protagonisten des Romans kann man sich auch nicht entscheiden wer von beiden mehr Verachtung verdient, bzw. an wen man gerade seine Gunst verschenkt. Haas der Mitläufer der durch eine unbedachte Äußerung im KZ landet oder Kalterer der Karrierist der sich auf den berühmt-berüchtigten Befehlsnotstand und seine "Etappen-Hengst"-Karriere berufen will und doch ganz genau weiß das er sich etwas vorlügt. Alles in allem - äußerst lesenswert, gerade in Zeiten wo in Demokratien wieder über die Zulässigkeit von Folterungen diskutiert wird und Lager für spezielle Menschen errichtet werden.
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VINE-PRODUKTTESTERam 31. Januar 2007
.... sagt eine der Nebenfiguren des Romans und trifft damit das Thema des Buches. Nichts ist so einfach, wie es scheint, immer wieder muss man als Leser seine Sympathien überdenken. Es gibt keine finsteren Schurken kontra reine Lichtgestalten - was gerade vor diesem Zeithintergrund eine große Verlockung wäre - sondern alles sind kleine Mitläufer, die eher zufällig zu Stützen oder Gegnern des Nationalsozialismus mutieren. Viele hatten anfangs Hitler zugejubelt, noch mehr ließen sich in den nächsten Jahren vom nationalen Pathos und der Volksgemeinschaftsideologie anstecken und bekamen erst kalte Füße, als sich das Ende dieses Reiches des Bösen abzeichnete, als die alliierten Bomber das nach Deutschland zurück trugen, was deutsche Flieger zuvor Coventry und Rotterdam angetan hatten.

In dieser Endphase des Dritten Reiches spielt die Handlung, ein klassischer Wettlauf zwischen Mörder und Ermittler, wobei schrittweise auch die Kulisse an bedrohlicher Intensität zunimmt. Der immer schlimmere Bombenterror gegen die Zivilbevölkerung, die Brutalität des untergehenden Regimes und zugleich seine innere Fäulnis (jeder versucht, noch schnell in die eigene Tasche zu wirtschaften) bilden einen gespenstischen Hintergrund, vor dem sich immer neue Aspekte menschlicher Schwäche und bornierten Eigennutzes der Figuren enthüllen. Doch selbst der ermittelnde Gestapo-Mann hat seine emotionale Bürde zu tragen, ist von seiner Frau verlassen worden, die klarer als er die Schecken des Regimes erkannte, und wünscht sich immer öfter, anders gehandelt zu haben, als es noch möglich war. Doch er hat ja nur Befehlen gehorcht...

Ich habe selten ein so spannendes, vielschichtiges und zugleich aufrüttelndes Buch über die Schlussphase des Dritten Reiches gelesen. Als Krimi ist es einfach Spitzenklasse, hat mehr Atmosphäre als jeder Wallander Krimi und vor allem vermittelt es einen Einblick in eine Zeit, die manche heute wieder schönbrüllen wollen...
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am 15. August 2002
Wie gings zu im letzten Weltkriegswinter. In der völlig zerstörten Stadt Berlin, wo täglich die Tommys mit ihren Bombern kamen? Wie lebten die Menschen unter derartigen Umständen. Was machten die Umstände aus den Menschen?
Eine schöne Aussicht haben Sie hier, sagt der Gestapo Mann Kalterer zu einem 70jährigen Sozi, den er in dessen Wohnung verhört. "Ja," sagt der alte Mann, "alle beneiden mich um diese Aussicht. Und das beste ist: Sie ändert sich fast täglich." Der Gestapo Mann Kalterer schlägt ihm danach den Kopf zweimal mit voller Wucht auf die Tischplatte. Routiniert, so wie er es in seiner Ausbildung bei renitenten Verdächtigen gelernt hat.
Haas, der Mann, den er jagt, marodiert einstweilen in einem Blutrausch durch die Stadt. Er hat alles verloren, was ihn aufrecht hielt und auf der Spurensuche nach dem Untergang seiner Familie kommt alles schlimmer und schlimmer.
Kalterer, der karrieregeile Gestapo Mann, hat noch Hoffnung. Hoffnung seine Frau wieder zu gewinnen. Seine Frau Merit, die die Nazis hasst und sich vor ihm ekelt.
Kalterer und Haas sind die beiden Haupt-Charaktere in diesem fantastischen Sittenbild, das seinen Detailreichtum wohl den Hauptberufen der beiden (!) Autoren verdankt. Sie sind Historiker und sie sind noch etwas: Begnadete Geschichtenerzähler, die es verstehen den Leser in einen Sog von Spannung zu ziehen, der gegen Ende hin immer noch mehr zunimmt. Ein unglaubliches Debüt!!
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am 9. August 2003
Das Buch hat zu recht den 3. Preis des Deutschen Krimipreises und den Glauser-Preis für den besten Debütroman 2003 erhalten. Selten ist spannender, nervenaufreibender und informativer über ein Stück deutscher Zeitgeschichte geschrieben worden, in dem die Bombenangriffe, die Untergangsstimmung des 3. Reiches, die Verstrickung des Einzelnen und das Mitmachen vieler Zeitgenossen mit dem Regime zu einem grandiosen Krimiplot verdichtet werden. Der Roman landete auf Platz 6 der zehn besten Krimis der Saison. Für mich steht das Buch auf Platz 1 der Liste, und ich freue mich auf ein weiteres Buch dieses Autorenduos.
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am 27. August 2003
Erst hatte ich mich dem Buch zögerlich genähert - zu außergewöhnlich, zu fremdartig, zu historisch belastend schien mir der Zeitraum zu sein, in dem sich der Roman abspielt doch bereits nach den ersten Seiten war ich so gefesselt, daß ich das Buch an einem Wochenende verschlungen habe. Whow! Endlich mal kein Skandinavien-Einheitsbrei, kein biederes Regional-Gesülze deutschsprachiger Krimi-Langeweiler, sondern ein Stück praller deutscher Wirklichkeit, ein lehrreiches und überdurchschnittlich spannendes Sittengemälde über eine Zeit, die einem das Fürchten lehrt und der eine Brutalität und Grausamkeit innewohnt, die der üblich konstruierten Krimi-Ästhetik einen authentischen Spiegel vorhält: Die Wirklichkeit ist immer schlimmer als die Fiktion. Die Fiktion ist nur dann schlimmer als die Wirklichkeit, wenn sie das Grauen für die Nachwelt konserviert und dramaturgisch aufarbeitet. Das ist Birkefeld/Hachmeister hervorragend gelungen. Ein Kult-Buch für alle, die nie geglaubt haben, was Papa und Mama,Opa und Oma, Onkel und Tante so alles beim sonntäglichen Kaffeetrinken über eine Zeit geschwafelt haben, die "ja gar nicht so schlecht gewesen wäre, hätte der Führer nicht ausgerechnet den Krieg angefangen und das mit den Juden gemacht..." Ich kann das Buch nur wärmstens empfehlen, und zwar für die Ewiggestrigenzur Auffrischung ihrer Gedächtnislücken für die Geschichtsinteressierten als eine Art kultiges Infotainment, das einem den Schlaf raubt und zwar in zweierlei Hinsicht.
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am 7. März 2005
Die Rollen scheinen klar verteilt - Kommissar und Mörder. Oder doch eher SS-Sturmbannführer und geflohener KZ-Insasse? Täter und Opfer oder doch umgekehrt? Obgleich die Fakten zu Anfang klar sind und man den beiden Hauptprotagonisten als wissender Leser somit nur zum unbekannten Ende ihrer Handlungen folgt, so beinhaltet die Erzählung doch auch überraschende Momente. Dies alles vor der Kulisse des sich auflösenden Berlins 1944/45, sowohl seiner baulichen als auch menschlichen Strukturen. Gerade bei den Schilderungen der Bombenangriffe baut sich vor dem inneren Auge ein beängstigendes Bild der menschlichen Ohnmacht in diesem Inferno auf. Grenzen von Schuld und Unschuld verblassen im Lauf der Handlung immer mehr, so scheint es zumindest. Alles in allem ein über einen Krimi hinausgehender gelungener historischer Roman, dem man vorhandene redaktionelle Schwächen schon mal nachsieht.
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am 27. Februar 2008
Zuerst war ich etwas skeptisch als ich den Klappentext las, ein KZ-Häftling der aus dem KZ entkommt und die Leute ermordet, die ihn denunziert haben könnten?! Das klang für mich irgendwie unrealistisch, doch nachdem ich das Buch in die Hand genommen hatte, konnte ich es nicht wieder weglegen. Es ist spannend und schlüssig aufgebaut, auffällig war für mich, dass man nie wirklich Partei ergreift, weder für den Jäger, noch für den Gejagten, der immer wieder deutlich macht, dass er auch kein Unschuldslamm ist, dass sich von Anfang an gegen die Nationalsozialisten eingesetzt hat. Auch mit dem SS-Mann Kalterer wird man nicht wirklich warm, er ist das typische Bild eines Mitläufers, der sich immer damit rechtfertigt doch nur Befehle befolgt zu haben und sein teilweise raues Vorgehen gegen Zeugen vermittelt ein Bild wie ein typischer SS-Mann damals gewesen sein könnte. Besonders gut an dem Buch fand ich, dass die Atmosphäre in einem Berlin, dass von Bombenangriffen zerrüttet und schon halb zerstört ist sehr einfühlbar dargestellt wurde. Noch kein Buch hat mir die Zustände in der Trümmerlandschaft Deutschland so nahe gebracht.

Wirklich sehr spannend und zu empfehlen! Eine ganz neue Art der Geschichtsschreibung, die für die meisten sicher um einiges interessanter als ein trockenes Geschichtsbuch ist. Nicht Jahreszahlen oder Fakten stehen im Vordergrund, sondern Gedanken und Gefühle der Menschen.
Hat mir sehr sehr gut gefallen!
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am 24. September 2014
Man konnte es lesen,der Inhalt war allerdings wohl Utopie.Vieleicht eine Art Geschichtskrimi der in den 2. Weltkrieg eingebunden war OK
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am 26. September 2010
Im Winter 1944/1945, das Deutsche Reich liegt schon größtenteils in Trümmern, treffen im zerbombten Berlin zwei Männer aufeinander - Täter und Opfer.
Der offensichtliche Täter: SS-Hauptsturmführer Kalterer, der während des Zweiten Weltkriegs an Judendeportationen und Massenerschießungen der polnischen Zivilbevölkerung aktiv teilnahm und nun in Berlin die Spur eines Mörders verfolgt, der einen hochrangigen SS-Mann ermordet hat.

Das offensichtliche Opfer: Der ehemalige Kaufmann Haas, der durch Denunziation im KZ Buchenwald war, dort aber durch ein Wunder flüchten konnte und nun in Berlin die Verantwortlichen für seine Verhaftung und den Tod seiner Familie sucht.

Doch inmitten des alltäglichen Chaos mit Bombenalarmen, Zerstörung und Tod verschieben sich die Grenzen und jeder der Protagonisten ist zugleich Täter und Opfer, beide auf der Jagd nach den Mördern...

Die Autoren beschreiben mitunter sehr detailliert die letzten Kriegstage und man bekommt als Leser einen guten Einblick, in den Wahnsinn des Alltags im zerstörten Berlin. Geschichte und Krimi werden hier gut vermischt - empfehlenswert!
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