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Kundenrezensionen

4,7 von 5 Sternen
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4,7 von 5 Sternen

TOP 500 REZENSENTam 26. November 2013
Die Romane Graham Greenes weisen einen Vorzug auf, der sie über die meisten anderen Texte weit hinaushebt: bei ihrer Lektüre reist man nicht nur durch die Tiefen und Untiefen der menschlichen Psychologie sondern auch in den Weiten der Welt herum. Ich habe in Mexiko "Die Kraft und die Herrlichkeit" gelesen und vor Ort die merkwürdige Gemengelage von Katholizismus und Radikalreformismus verstanden, die die mexikanische Politik und Gesellschaft prägen. Und Vietnamreisenden empfehle ich den "stillen Amerikaner", jenes geniale Werk, das von heute aus betrachtet wie eine Prognose des amerikanischen Dramas in Vietnam wirkt.
Nun habe ich im Vorfeld einer Westafrikareise "Das Herz aller Dinge" gelesen, angeregt durch Peter Scholl Latours "Afrikanische Totenklage", die mit zwei literarischen Gestalten beginnt und endet: mit Conrads Major Kurtz und mit Graham Greenes Major Scobie.
Ein Mehrfaches hat mich am "Herz aller Dinge" fasziniert. Zunächst die eindringliche Beschreibung Westafrikas, genauer gesagt, der Stadt Freetown in Sierra Leone, der Regenzeit, des Klimas, der Vegetation und der morbiden Stimmung der Tropen, die auf Dauer auch den härtesten Europäer zermürbt. Ganz unabhängig von der Handlung lohnt die Lektüre des Buches schon wegen der atmosphärischen Dichte, mit der der Schauplatz der Handlung beschrieben wird.
Im Mittelpunkt dieser Handlung steht Major Scobie, der stellvertretender Polizeikommandant der britischen Kolonie, eine grundanständige aber schwache Natur, die gerade deswegen in der Kolonialgesellschaft nicht zu Recht kommt. Scobies Frau Louise ist kreuzunglücklich, nicht in erster Linie wegen der Lebensumstände in Westafrika, sondern weil sie das Unglück in sich trägt wie ein Gebrechen. Um ihr das Verlassen der Kolonie zu ermöglichen, lässt sich Scobie mit dem betrügerischen Syrer Yussuf ein, was einen ganzen Rattenschwanz weiterer Verfehlungen nach sich zieht, in die er sich am Ende rettungslos verstrickt. Während der Abwesenheit seiner Frau beginnt Scobie eine Liason mit der jungen Helen, einer unreifen Person, die für seine Gewissensbisse und Glaubenskrisen keinerlei Antenne besitzt und nur im Hier und Jetzt lebt. Viel Mühe verwendet Greene auf die Nachzeichnung der inneren Konflikte Scobies, der nicht nur stark unter seiner Unaufrichtigkeit leidet, sondern sich auch im Hinblick auf seinen katholischen Glauben, die Beichte und das Abendmal quält. Um beiden Frauen Leid zu ersparen, auch um nicht weiter ein religiös unwahres Leben zu führen, wählt er am Ende einen raffiniert eingefädelten Freitod, obwohl gerade der Selbstmord der katholischen Lehre diametral widerspricht. Ernüchternd und belehrend erscheint dann der Fortgang der Handlung. Die beiden Frauen, um die sich der gute Major Scobie so sorgte, halten sich mit der Trauer um den Verflossenen nicht sonderlich lange auf. Louise wendet sich dem Spion Wilson zu, der ihr schon vorher den Hof gemacht hatte, und Helen gibt sich dem Nächstbesten einfach hin, denn wozu soll sie sich aufsparen?
Die Ernsthaftigkeit und Breite, mit der Graham Greene die Verfehlungen seines Protagonisten auf in einer Art Selbstthematisierung vor dessen inneren Bühne ausbreitet hat mich beeindruckt. Auch wenn Scobies Psychologie voller Mitleid, Liebe und Schuld geradezu antiquiert wirkt, erscheint mir der dabei sichtbar werdende Umriss seiner Person würdevoller und wertvoller als die Allerweltscharaktere unserer modernen Literatur, in der die Sünder bedenkenlos sündigen und gar nicht auf die Idee kommen, dass ihnen irgendjemand vergeben müsste. Scharfe Beobachtungsgabe, glänzende Formulierungen und eine sichere Handlungsführung ergänzend den psychologischen Scharfblick, mit der Greene seine Figuren seziert. Eines der vielen Beispiele dafür, dass es oft lohnender ist zu Klassikern zu greifen als zur Dutzendware moderner Bonsaigenies.
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am 19. Dezember 2015
Es ging schnell, das Exemplar ist - obwohl es ja schon älter ist - supergepflegt und appetitlich. Was will man mehr! Also DANKE!
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am 30. Juli 2009
Nächstenliebe ist die christliche Tugend schlechthin - kann man es mit ihr auch übertreiben? Maßloses Mitgefühl ist es jedenfalls, was Graham Greenes Major Scobie ins Grab bringt. Weil er, der gläubige Katholik, keine der beiden Frauen verletzen will, die er vor allem aus Mitgefühl zu lieben meint, türmt er Todsünde auf Todsünde: Er geht fremd, entweiht Beichte und Abendmahl und glaubt am Ende, sich nur noch in den Selbstmord retten zu können. Kaum jemand hat die seelische Zerrissenheit eines gläubigen Menschen so spannend und lebensnah geschildert wie Greene. Das Buch fasziniert auch, wenn man selbst nicht mit religiösen Skrupeln kämpft. Das mag daran liegen, dass Greene - obwohl bekennender Katholik - selbst ein eher sündiges Leben führte und mit dessen Abgründen durchaus vertraut war. Ursprünglich wollte Greene seine Erfahrungen als Agent in Afrika literarisch aufarbeiten. Das Herz aller Dinge geht allerdings weit über diesen Erfahrungshorizont hinaus und rührt ans Allgemein-Menschliche.
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am 4. Oktober 2016
In der schwülen Luft eines Westafrikanischen Landes erzählt Greene von Liebe und der Suche nach Frieden.

In manchen Gewässern gibt es Strudel, die den ahnungslosen Schwimmer langsam aber sicher immer weiter ins Blaue hinauszerren, bis es für einen Rückweg zu spät ist. So wird es dem Leser mit dem Buch „Das Herz aller Dinge“ von Graham Greene gehen.
Der Leser gleitet leicht in die Erzählung hinein, die irgendwo während des zweiten Weltkrieges in einem nicht genannten Land in Afrika spielt, Greene verbrachte etwa zwei Jahre in Westafrika, wo er für den Britischen Geheimdienst tätig war. Es ist schwül, die Sonne brennt. Major Scobie, der stellvertretende Polizeiinspektor, „Ist er nicht, der typische Stellvertreter? Der Mann, der stets die Arbeit macht?“ ist mit kleineren und größeren Kriminellen beschäftigt und vor allem mit seiner Frau. Beide sind katholisch und ihre Liebe zeigt sich nicht mehr in irgendwelchen Gesten, wie zärtliche Worte oder einer liebevollen Berührung. Es ist eine Liebe, die vergangen ist, vor Gott aber bestehen muss, hat er doch das Bündnis besiegelt und deshalb fühlt sich Scoby für seine Frau verantwortlich, immer bestrebt danch, dass sie keinen Grund zum Ärgern hat.
Der Krieg ist spürbar in der Geschichte, manchmal weit weg und doch allgegenwärtig. Scobies Frau fühlt sich nicht mehr wohl in der kleinen Wohnung und dem kleinen Gehalt des Mannes und setzt alle Hoffnung auf die bevorstehende Beförderung ihres Mannes. Doch im Leben verläuft meist alles nicht linear, die Beförderung zerschlägt sich und die Hoffnungslosigkeit des Ehepaares wird größer. Scobie benötigt Geld, um seine Frau eine Reise nach Südafrika zu ermöglichen. Schon ahnt man wohin die Geschichte hinlaufen wird und kann das Buch doch nicht aus der Hand legen. Mit einem Scotch in der Hand erträgt man die Hitze des Westafrikanischen Landes auch kaum und sieht den langsamen moralischen Verfall von Major Scobie zu. „Er fühlte, wie ein Krampf seine Brust einschnürte…“.
Die Geschichte, dir vor mehr als sechzig Jahren geschrieben wurde, ist wie ein alter schwarz-weiß-Film, voller Melancholie und düsteren Bildern mit mancher Längen, die aber bald wieder weichen, denn lösen kann man sich von der Geschichte nicht, die dann doch anders läuft, wie der Strudel, den man auch nicht erahnt hat.
Etwas hat bei mir den Lesefluss getrübt, zum einen ist da die Verwendung der herabsetzenden Bezeichnungen Boy und Neger für die Einheimischen, was zur damaligen Zeit üblich, aber schon damals falsch war. Man rutscht als Europäer leicht in eine Überlegenheitsgefühl ab, wenn die Afrikaner nur als Diener wahrgenommen werden. Der zweite Faktor ist die Probleme, die Major Scobie mit dem Katholizismus hat. Ängste und Sorgen, die nur jemand spüren kann, der sehr im Glauben lebt und die ich nicht ganz nachvollziehen konnte. Greene konvertierte mit 22 Jahren zum Katholizismus, um seine spätere Frau, die Katholikin war, heiraten zu können.
Graham Greene (1904-1991) arbeitete zunächst als Journalist bevor er sich der Schriftstelleier widmete. Etliche seiner Romane wurden verfilmt, am bekanntesten dürfte „Der dritte Mann“ mit Orson Welles sein.
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am 1. April 2008
Menschen fühlen sich oft der Welt entwurzelt, finden Halt im Glauben in festen Konventionen. Manchmal geraten sie in Versuchung und müssen mit ansehen, wie alles, an dem sie festgehalten haben, zu Bruch geht. Major Scobie hat eine Aufgabe, sein Alltag in einer westafrikanischen Stadt scheint geregelt, wenn auch nicht aufregend zu sein. Und wieder einmal ist es bei Graham Green die Liebe, die das Innerste nach außen kehrt. Es gibt wohl kaum einen Autor, der den Zwiespalt so zum Programm erwählt hat, wie Greene. Scobie ist nicht nur mit einer Katholikin verheiratet, er glaubt auch an die Kirche, wenn auch er weniger deren Rituale vollzieht. Als seine Frau ihn verläßt, er mit einer jungen Engländerin eine Affäre beginnt und seine Frau zu ihm zurückkehrt, findet er sich im Teufelskreis der Sünde wieder. Getäuscht, verzweifelt kann er trotzdem der Verführung nicht widerstehen und fällt einen schicksalsschweren Entschluss. Doch nicht einmal der wird ihn reinwaschen. Das Bild eines jeden, wird von denen geprägt, die ihn gekannt haben. Ein zutiefst moralischer, von Fragen des Glaubens durchzogener Roman: über das, was man ist, was man kann, was man am Ende bleibt.
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am 19. Oktober 2015
„Scobie sollte nie vergessen, wie man sie in sein Leben trug – auf einer Krankentrage, die Augen fest geschlossen und ein Briefmarkenalbum umklammernd.“ (S. 157)

Graham Greene (1904 – 1991) war ein literarischer Giftmischer, dessen Gift zwar langsam, aber sicher wirkt. Nein, natürlich NICHT im klassischen Sinne einer (tödlichen) Vergiftung. Obwohl, vergiftet worden bin ich *g*. Jedoch eher ähnlich, wie es mir mit Gabriel Garcia Marquez ging und geht: je mehr ich von ihm lese, umso höher steigt er in meiner Gunst.

Graham Greene hat definitiv keine Bücher für „eben mal so zwischendurch“ geschrieben. Davon zeugt schon „Das Herz aller Dinge“, einem Roman, dem ich durch Zufall begegnet bin. Als ich noch jung und unerfahren war *hust* und ich in der hiesigen Buchhandlung gearbeitet habe, war ich schon einmal über Graham Greene und sein „Schlachtfeld des Lebens“ gestolpert. Damals konnten wir jedoch keine Freunde werden. Aber so ist das mit dem Alter und der Weisheit bla bla bla *g*

So, nun aber zurück zu „Das Herz aller Dinge“: es braucht so ziemlich genau bis zur Hälfte des Buches, um das zentrale Ereignis, nämlich, dass sich der „Held der Story“ neu verliebt und so seinem (selbstverschuldetem?) Untergang entgegen geht, stattfinden zu lassen. Deswegen sind die vorhergehenden 156 und die nachfolgenden Seiten nicht minder spannend. Man lernt die verschiedenen Charaktere relativ genau kennen, fühlt mal mit der einen, dann mit der anderen Figur mit, denkt sich an mancher Stelle vielleicht auch „Mh, wann beginnt die Story denn richtig?“ und merkt erst am Schluss, dass man die ganze Zeit mittendrin war. Denn alle Puzzleteile, mögen sie auch noch so unbedeutend, langatmig und langweilig erscheinen, ergeben beim „Grand Finale“, dass es einem übrigens unmöglich macht, das Buch aus der Hand zu legen, ein faszinierendes Bild einer Gesellschaft kranker Seelen, die mit sich, ihrem Leben und ihrem Glauben hadern und genau an dieser Mixtur scheitern.

Dieser Roman ist ein literarischer Giftpfeil, der sein Ziel (das Herz des Lesers) langsam, aber zielgenau trifft und es so zu einem weiteren literarischen Highlight in einem schon nicht gerade Highlight-armen Jahr macht.
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am 6. Februar 2000
Die Neuübersetzung von Edith Walter ist nicht 1990, sondern 1995 erschienen. Sie ist hervorragend und in der Literaturbeilage der FAZ hochgelobt worden. Graham Greene schildert hier sehr dramatisch den Konflikt, in den der katholische, verheiratete Major Scobie gerät, als er sich in eine junge Frau verliebt. Graham Greene at his best.
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am 27. Mai 2011
Dichte, intensive Geschichte um einen ehrlichen, katholischen Polizisten, der in Gewissensnöte gerät und keinen Ausweg mehr weiß. Gut konstruiert - oder schon zu ausgedacht? -, und ein paar sehr trockene, coole Dialoge dazu. Der katholische Aspekt wird mir gegen Ende zu stark; möglicherweise gibt es nicht viele Menschen, die die Rituale so ernst nehmen. Greene hielt das Religiöse später wohl selbst für übertrieben.

Das Buch spielt in Sierra Leone, Westafrika. Die Schwüle trieft aus allen Zeilen, Ratten und Geier belagern die Hauptakteure; das drückende Klima korrespondiert mit Gewissensnöten und drängenden Problemen. Letztlich könnte die Geschichte aber auch in London spielen, die tropische Hafenstadt bleibt exotische Kulisse, fast alle Hauptakteure sind Engländer.

Die englische Originalfassung ließ sich leicht lesen. Die Verfilmung von 1953 mit Trevor Howard hat mich nicht beeindruckt (s. m. sep. Besprechung).
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am 1. Oktober 2014
Altes Buch in ordentlicher Verfassung, wie angekündigt. - Was soll ich denn noch schreiben wegen diesem Quatsch der notwendigen Wortanzahl?
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