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Kundenrezensionen

4,0 von 5 Sternen
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Die Geschichte geht auf eine Sage im alten Prag zurück. Das Prager Ghetto stellt eine Traumwelt dar, sie ist der einzige Ort, an dem der Golem auftritt. Der Traumheld dringt in das innere Zimmer ein, das für eine zugemauerte Krankheit steht, und setzt sich mit seiner Vergangenheit auseinander.

„Ich schlafe nicht und wache nicht, und im Halbtraum vermischt sich in meiner Seele Erlebtes mit Gelesenem und Gehörtem, wie Ströme von verschiedener Farbe und Klarheit zusammenfließen.“ So beginnt der Roman „Der Golem“ bei Gustav Meyrink.

Der namenlose Ich-Erzähler befindet sich in einem Hotelzimmer in Prag. Nach der Lektüre über das Leben des Buddha Gotama verfällt er in einen quälenden, unruhigen halluzinierenden Dämmerschlaf und kann nicht mehr unterscheiden, ob er wirklich wach ist oder träumt. Der anonyme Ich-Erzähler schlüpft im Traum in die Identität des Gemmenschneiders und Ausbesserers von Antiquitäten Athanasius Pernath, dieser lebte ca. dreißig Jahre früher im alten jüdische Ghetto von Prag. Dabei erzählt dieser ebenfalls in der ICH-Form. So wirken die erlebten Erfahrungen intensiver, existenzieller. Der Golem übergibt Athanasius Pernath ein geheimnisvolles hebräisches Buch. Er bekommt den Auftrag, das beschädigte Initial „I“ des Kapitel „Ibbur“ (Die Seelenschwängerung) auszubessern. Ab da gerät sein Leben aus den Fugen. Der Golem steht in der jüdischen Kultur für etwas „Ungestaltetes“. Der jüdischen Legende nach hat der Wunderrabbi Löw aus Prag eine Menschenfigur aus Lehm geschaffen, den Golem, und diesen zum Leben erweckt, der durch die Magie des kabbalistischen Zaubers zum Leben aktiviert und deaktiviert werden kann.

Der jüdische Archivar Schemajah Hillel erklärt, was es mit dem Golem auf sich hat: „Der Golem ist einerseits Ausdruck der kollektiven Ghetto-Seele, andererseits ist es ein schattenhafter Doppelgänger Pernaths und repräsentiert einen Teil von dessen Selbst, das ihm bisher fremd war.“

Die Begegnung mit dem Golem zwingt ihn zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich. Er wird mit seltsamen Erinnerungen konfrontiert, hat Visionen und leidet unter Halluzinationen. Um einen Zugang zu diesem verschlossenen Raum der Psyche zu erlangen steigt er in das „Zimmer ohne Zugang“ hinab: „Mit dem Überstreifen der Kleider des Golem integriert Pernath Nicht-Bewusstes in sein bewusstes Ich und überwindet so diesen Doppelgänger.“

Er fällt den perfiden Intrigen des Studenten Charousek und des Trödlers Aaron Wassertrum zum Opfer. Gerät unter Mordverdacht und findet sich im Gefängnis wieder. An diesem trostlosen Ort verlässt ihn die letzte Zuversicht und der emotionale Abwärtsstrudel dreht sich unaufhaltsam nach unten. Überraschend wird er entlassen und erlebt, wie das Ghetto abgerissen wird und seine alten Freunde vergangen und verschwunden sind. Die Identitätssuche und der Selbstfindungsprozess sind das zentrale Thema des Romans. Der Ich-Erzähler erwacht und fragt sich, ob das Erlebte real oder nur ein Traum war, denn er stellt fest, dass keine Stunde verstrichen ist. „Ich muß diesen Athanasius Pernath auffinden, und wenn ich drei Tage und drei Nächte herumlaufen sollte, nehme ich mir vor.“ Bei seinen Nachforschungen begegnet der Ich-Erzähler sich selbst, d. h. seinem geträumten Ich, als Doppelgänger und setzt sich mit der Frage nach der Identität des Menschen, Mystik, okkulte Ansichten und die Gratwanderung zwischen Wahnsinn und klarem Verstand, Traum und Realität auseinander. Wem der Golem erscheint, blickt in seine eigene Seele, er ist sozusagen sein Doppelgänger.

Fazit: „Der Golem“ wurde eines der Erfolgsbücher seiner Zeit und gehört noch heute zu den Steadysellern. Es ist einer der bekanntesten Prag-Romane. Im Nachwort erklärt die Herausgeberin Ulrike Ehmann den Erfolg dieser düsteren Geschichte: „Die Faszination des Romans lag wohl vor allem darin begründet, dass er in dieser Zeit der politischen und sozialen Ungewissheit vermochte, die Identitätsängste seiner Leser hervorzurufen, dass er den Lesern gleichzeitig zur Beruhigung aber einen bequemen Fluchtweg wies: den ekstatischen, Erlösung verheißenden Weg der Innerlichkeit, den Weg des Menschen zu sich selbst.“ 1915, als die Buchausgabe im Kurt Wolff Verlag Leipzig erschien, waren die „alten“ Ordnungsmächte untergegangen und es gab einen starken Wunsch nach Heilsbotschaften und Erlösungsversprechen. Heute, 100 Jahre nach seinem Erscheinen, scheint mir die besondere Stärke dieses Romans die intensive Beschreibungen des jüdischen Ghettos in Prag zu sein, als auch die Konstruktion einer geschlossenen fantastischen Welt.
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am 4. März 2017
Die Geschichte des Rabbi Löw und des von ihm erschaffenen Menschen aus Lehm, dem Golem, kennen sicher viele. Doch davon erzählt der Roman nicht, auch wenn der Titel einem das glauben lässt. Die Golemlegende ist nur die Basis für diesen Roman (und sollte dem Leser bekannt sein): Alle 33 Jahre bricht in Prags „Judenstadt“ eine geistige Epidemie aus und der Golem wird gesichtet …

Klassiker können unterhaltend sein, oder Sie können einem das Leben schwer machen, weil sie anstrengend zu lesen sind und interpretiert werden wollen. Wobei ich nichts dagegen habe, eine Botschaft in einer Geschichte finden zu sollen, wenn sich aber der Sinn versteckt, dann macht es mir keinen Spaß, da nützt dann auch die schönste, bildreiche Sprache nichts mehr. Leider fällt Meyrinks „Golem“ in letztere Kategorie.

Dass ich Meyrink Werk dennoch zu Ende gelesen habe, liegt vor allem daran, dass es mich tatsächlich stellenweise nach Prag entführt hat. Dort habe ich das Buch auch gekauft, in einer Buchhandlung im Goldenen Gässchen. Meine Ausgabe ist, auf Deutsch, im Prager Verlag Vitalis erschienen und sehr schön ausgestattet, mit einem passenden Cover, acht Illustrationen Hugo Steiner-Prags und einem sehr angenehmen Schriftbild. Im Anhang enthält es einen Brief des Illustrators an den Autor aus dem Jahr 1931, die beiden kannten sich aus Meyrinks Prager Zeit. Das Buch war also auch ein Mitbringsel aus einem schönen Urlaub, das ich nicht einfach beiseite legen konnte.

Das Lesen war ein einziges Auf und Ab, immer wieder fesselte mich die Geschichte, besonders, wenn Geschichten und Legenden erzählt wurden, dann wieder kamen Passagen, die ich nur querlesen konnte und wollte, da sich mir ihr Sinn nicht erschloss. Sehr gut gefallen hat mir Meyrinks bildgewaltige Sprache, die mir Bilder ins Gehirn malte und Erinnerungen an Prag weckte. Wunderschön z. B. der Beginn des Kapitels „Not“, in dem der Autor das Fallen von Schneeflocken beschreibt. Einige Elemente der Erzählung machten mich neugierig auf den historischen Hintergrund und ließen mich einen bisschen recherchieren. Wegen letztgenannter Punkte vergebe ich doch noch 3 Sterne.
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am 3. März 2017
Gustav Meyrink wurde 1868 als unehelicher Sohn eines württembergischen Ministers und einer bayrischen Hofschauspielerin in einem Wiener Hotel geboren. Der Beruf der Mutter brachte es mit sich, dass der Junge in verschiedenen Städten lebte. Als junger Mann gründete er in Prag ein Bankhaus, das jedoch schon wenige Jahr später Bankrott ging.

Für Meyrink, der sich schon in frühen Jahren für Okkultismus und Spiritualismus interessierte, bot das Prager Milieu mit seinem vielsprachigen Völkergemisch den idealen Nährboden für seine unheimlichen und bedrohlichen Geschichten. Die bekannteste unter ihnen ist der Roman ‚Der Golem‘, der im Jahre 1913/14 als Fortsetzungsroman erschienen.

Der Golem ist die legendenumwobene Kreatur, die der Prager Rabbi Löw im sechzehnten Jahrhundert aus Lehm erschuf. Nach dem Vorbild der göttlichen Erschaffung des Menschen hauchte er ihm Leben ein. Doch dem Rabbi glitt sein Werk aus den Händen – eine Parallele zu Goethes ‚Zauberlehrling‘. Der Golem verbreitete Angst und Schrecken in der Moldaumetropole. Erst im letzten Moment gelang es Rabbi Löw, das Monster zu bändigen und wieder in Staub zu verwandeln. Der Legende nach soll der Golem alle 33 Jahre zurückkehren und durch die Stadt geistern. Vielleicht begegnet Ihnen, lieber Leser, beim Besuch der engen Altstadt Gassen oder der Gasse der Goldmacher und Alchemisten auf dem Hradschin der Golem.

Literatur und Film haben den Stoff dankbar aufgegriffen. Im Roman ‚Frankenstein‘ der englischen Schriftstellerin Mary Shelley erschafft der gleichnamige Forscher ein Monster von Menschenhand. In Deutschland war es Goethe, der in seinem ‚Faust II‘ einen Homunculus erzeugte. Paul Wegener brachte im Jahre 1915 den Golem auf die Leinwand und übernahm selbst die Titelrolle.

Im Roman schildert der Ich-Erzähler Athanasius Pernath eine abenteuerliche Geschichte aus der Prager Judenstadt während der K&K Monarchie. Der Autor war Protestant der wenige Jahre vor seinem Tod zum Buddhismus überwechselte. Der Erfolg seines Werkes beruht auch darauf, dass es ihm gelang, sich in die jüdische Seele hineinzudenken und jüdische Mystik zu vermitteln. Traumwelt und Wirklichkeit verwischen zuweilen und oft vermag der Leser nicht zwischen Fiktion und Realität zu unterscheiden. Auch wenn der Roman nach den Worten Günter Kunerts nicht an seiner sprachlichen Kunstfertigkeit gemessen werden darf, baut er eine geheimnisvolle Spannung auf und ist mit einer Prise Sex & Crime gewürzt. Die verschiedenen Handlungsstränge des Romans laufen fächerartig auseinander und finden wie durch Zauberhand immer wieder zusammen. Am Ende wird der Leser von einem kuriosen Ende überrascht.
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Prag um 1914. Der anonyme Erzähler träumt von Athanasius Pernath, dessen Hut er in der Kirche versehentlich mit seinem eigenen verwechselt hat.
Um 1890 lebt der ca. vierzigjährige Pernath als Gemmenschneider und Restaurator von Antiquitäten im Judenviertel der Stadt. Athanasius Pernath hat psychische Probleme. Er kann sich an seinen Vergangenheit nicht erinnern, hat immer wieder Gedächtnislücken, Krampfanfälle und Wahnvorstellungen, die sich noch verstärken, als ein Unbekannter ihm einen alten Folianten zur Restaurierung bringt, das Buch Ibbur. Pernath vermutet, dass der mysteriöse Auftraggeber, an dessen Gesicht er sich nicht erinnern kann, der Golem gewesen sei, der alle 33 Jahre in Prag umhergehe.
Durch dieses Ereignis gerät Pernaths ohnehin bereits angeknackste Psyche noch weiter aus den Fugen. Erschwerend kommt hinzu, dass er in den Rachefeldzug des Medizinstudent Charousek gegen gegen den Trödler Aaron Wassertrum verwickelt wird, in den auch eine alte Bekannte aus Pernaths früherem Leben verwickelt ist, in die er wohl mal verliebt war, woran er sich aber nur schemenhaft erinnert, außerdem ist sie verheiratet und liebt einen anderen, mit dem sie eine Affäre hat. Was Pernath zusammenhält ist seine Liebe, für die ebenfalls etwas verrückte, schöne Jüdin Mirjam, die Tochter des Archivars Hillel, der sein Nachbar ist. Mirjam glaubt an Wunder, will Wunder erleben, erwartet Wunder und ist selber dabei ziemlich wunderlich.

Gustav Meyrink dürfte heutzutage vor allem als Übersetzer von Dickens bekannt sein. Weniger bekannt ist, dass Meyrink selber Schriftsteller war um mit "Der Golem" 1913/14 selber einen Bestseller landete. Das Buch erinnert an die albtraumhaften Welten einiger Geschichten Lovecrafts, in denen sich Wahn und Realität mischen, das war damals in der phantastischen Literatur wohl gerade in. Meyrinks Schreibstil ist dabei blumig poetisch "Mit erschreckender Deutlichkeit hörte man plötzlich wie die eisernen Gasstäbe fauchend die flachen herzförmigen Flammen aus ihren Mündern in die Luft bliesen ' ' dann fiel die Musik über das Geräusch her und verschlang es."
Die Geschichte ist ein abgedreht, da der Erzähler diese Erlebnisse durch die Augen eines verrückten erlebt und diese auch so wiedergibt. Eine Geschichte wie im Opiumrausch. Die Erlebnisse stehen dabei für sich, werden nicht hinterfragt oder mit Belegen untermauert. Die Geschichte gibt die subjektiven Wahnvorstellungen des Pernath oder den Traum des Erzählers wieder. So gesehen eine klassische, psychodelische Schauergeschichte um 1900. Unterhaltsam, teils ein wenig langatmig, weil über lange Strecken einfach gar nichts passiert, aber ein hübsches Portrait des Prager Ghettos vor seiner Sanierung, in welchem Juden und Christen gemischt und friedlich in sie vereinender Armut mehr schlecht als Recht über die Runden kamen.

Alternativer, kostenloser Download dieses gemeinfreien Buches: Der Golem
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am 26. Oktober 2014
Ein wunderbarer Klassiker des fantastischen Romans - heute so großartig wie damals! Meyrink ist einer der ganz großen deutschsprachigen Pioniere!
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