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am 22. Oktober 2010
Das Chilenische Nachtstück ist ebenfalls einer der kürzeren Romane Bolanos und mit seinen knapp über 150 Seiten einen schöne Lektüre für einen verregneten Sonntag.

Sebastián Urrutia Lacroix, Priester, als Schriftsteller bedeutungslos als Literaturkritiker anerkannt, schildert in seinem chilenischen Nachtstück am Sterbebett in einem Text der sich in einem Absatz von Anfang bis zum Ende des Romans zieht, seinen Lebensweg. An der Oberfläche stets vom rechten Weg überzeugt in seinem bisherigen Tun und Handeln verliert er sich dabei aber stets in Selbstmitleid und Rechtfertigung.
Gerade in der Zeit des politischen Umschwung in Chile verliert er sich in seine Arbeit als Literaturkritiker, der Putsch geht an ihm vorbei als würde er auf einem anderen Kontinent sein, weit weg von all dem Übel das in seinem Land stattfindet.
Im Auftrag der Kirche reist er nun nach Europa um dort Kirchliche Bauwerke auf deren Verfall zu prüfen - im Prinzip stellte er fest dass alles voller Taubenscheiße ist.
Er verschließt wissentlich die Augen vor der Wahrheit ohne dies richtig zuzugeben - wie oben erwähnt - der ganze Roman ist die Rechtfertigung seiner Trägheit.
Er lässt unverblümt durchblicken, dass jeder von den Foltern wusste.
Vielleicht bezeichnend für das ganze Verhalten der dargestellten Figuren und den Roman, in dem die Augen stets vor der Wahrheit verschlossen werden, ist jene Szene in Europa als ein dort ansässiger Priester die Tauben schießt um sie von den Kirchengemäuern fern zu halten und aus versehen eine weiße Taube blutig vom Himmel holt die bei einer christlichen Veranstaltung ausgelassen wurde um den Heiligen Geist zu symbolisieren.

"Das chilenische Nachtstück" reiht sich ausgezeichnet neben "Stern in der Ferne" - zwar in einem anderen Ton und Rhythmus - aber meisterlich!!

Wie "Stern in der Ferne" nicht vollgepackt mit historischen Fakten, aber im Stile Bolanos ein weiteres Zeitdokument und ein stiller Vorwurf an die vielen Mitwisser - weltlich oder geistlich.
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Diesen Satz des englischen Schriftstellers Gilbert Keith Chesterton hat der 2003 mit nur 50 Jahren verstorbene, geniale und immer noch nicht angemessen gewürdigte Roberto Bolaño vor seinen Roman "Chilenisches Nachtstück" gesetzt. Ein Satz, der das Tor der Reflexionen gleich zu Beginn einen Spalt öffnet, um es mit den ersten Zeilen seines Textes vollends aufzustoßen: "Ich sterbe jetzt, aber vorher habe ich noch einiges zu sagen. Mein ganzes Leben lang war ich mit mir selbst im reinen. Ich habe geschwiegen, im reinen mit mir selbst. Aber dann, mir nichts, dir nichts, kamen Dinge zum Vorschein."

Der berühmte chilenische Literaturkritiker, Priester und Lyriker - bekennendes Opus Dei-Mitglied - Sebastián Urrutia Lacroix - Ich-Erzähler in Bolaños Werk - spricht diese Worte mit verstellter Stimme aus. In einem fiebrigen Monolog, den Tod bereits vor Augen, mäandert jener über 157 Seiten. In absatz- und scheinbar endlosen Satzungetümen fantasiert er in einer trüben Melange aus Ausflüchten und Geständnissen sein zu Ende gehendes Leben, das letztendlich auf die eine Frage hinausläuft: "Weiß der Mensch denn immer und zu jeder Zeit, was gut und was böse ist? (...) Gibt es für all das eine Lösung?"

Eine Lösung für was? Immer habe er "Verantwortungsbewusstsein gepredigt. Jeder Mensch hat die moralische Verpflichtung", behauptet er zu Beginn seiner schönredenden Selbstbetrachtung, "sich für seine Handlungen verantwortlich zu erklären, und für seine Worte ebenso, ja, sogar für das Schweigen, denn schließlich fährt auch das Schweigen zum Himmel empor, Gott hört es, Gott allein versteht es und richtet darüber. Vorsicht also beim Schweigen. Meines ist ohne Makel. Damit das klar ist. Vor allem Gott sollte das wissen. Alles andere ist unwichtig. Gott nicht".
Doch ganz so makellos ist er nicht, dieser bornierte und selbstgerechte literarische Priester. Letztendlich holt ihn sein eigenes Gewissen, sein AlterEgo, der provozierende "vergreiste Grünschnabel", der ihn in seinen Fantasmagorien immer wieder heimsucht, ein, um im letzten Satz und einzigen Absatz zu eruptieren: "Und dann bricht er los, der Orkan aus Scheiße."

Leicht macht es Bolaño dem Leser nicht, sich durch die kindliche Ignoranz und naive Weltfremdheit seines Erzählers zu hangeln. "Welche Flut einander widersprechender Bilder sollte in den kommenden Nächten während der schlaflosen Stunden des Nachdenkens auf mich einstürmen.", fantasiert der Protagonist und umschreibt damit auch den Duktus des Romans. "Chilenisches Nachtstück" ist eine doppelbödige Erzählung über die Geschichte Chiles und - wie immer in Bolaños Werken - der Literatur. Der rechtslastige, homophile Großkritiker Farewell wird enttarnt, andere wie Neruda oder Jünger karikiert. Der Ich-Erzähler unterrichtet gar General Pinochet in den Grundlagen des Marxismus.

Kumulierend führt der Fiebertraum seinen "sauberen" Soutanenträger in einen viel frequentierten literarischen Salon der kulturellen Elite Chiles, zu dem eine mäßig begabte Schriftstellerin einlädt, während ihr Eheman - Michael Townly, ein CIA-Agent, den es wirklich gab - im Keller Regimegegner zu Tode foltert.
Das Fazit des Ich-Erzählers: "Was kann ein einzelner schon gegen die Geschichte ausrichten?"

Fazit:
Ein "dichterisches Werk für kommende Zeiten, ein Werk von geradezu kanonischem Anspruch, dazu gedacht, sich erst im Lauf der Jahre herauszukristallisieren." Bolaño war ein Realist, einer, der die Wirklichkeit hinter den Tatsachen suchte und beschrieb. Ihn zu lesen ist ein intellektuelles Vergnügen, ein Erlebnis, aber auch ein Experiment und ein Schauder.
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TOP 500 REZENSENTam 17. Juni 2013
Roberto Bolano, ein begnadeter Autor, hat ein vielfältiges Werk hinterlassen. Neben den beiden Kolossen in seinem Werk, dem virtuos-furiosen Opus Magnum 2666 und dem locker-unterhaltsamen Roman Die wilden Detektive, ist seinen Erzählungen, kurzen Romanen und Gedichten noch nicht ganz die Aufmerksamkeit zu Teil geworden, die sie verdienen. Gewiss, sie sind ungleich spezieller, haben nicht mehr so viel von der phantastischen oder zumindest literarisch universellen Art der beiden längeren Bücher, in denen das Fabulieren, die Poesie und das Erzählen zusammen einen genialen Kosmos erschaffen, wie er seines gleichen sucht. Aber auch in den kleineren Werken findet sich eine besondere literarische Qualität.

Es ist nur ratsam, sollte man direkt vorweg sagen, dieses Buch in einem Rutsch oder zumindest an einem, oder zwei Tagen zu lesen. Nicht nur wegen der Form (ein fast ohne Umbrüche gehaltener Monolog, ohne Kapiteleinteilungen oder Absätze), sondern auch, weil der gesamte Text einer Art Beschwörung gleicht (mal offensichtlicher, mal eingewoben) und ein zu häufiges Unterbrechen dem Buch seine hypnotische, eindringliche Komponente und, damit, eine seiner wesentlichen Erfahrungen nimmt.

Worum es in "Chilenisches Nachtstück" geht kann schnell und doch nur unzureichend dargelegt werden. Es geht um chilenische Geschichte, chilenische Literatur, um Reisen und um das, was getan werden muss, darf, soll, kann. Wie gesagt: Der Roman ist nicht unkompliziert in seinem Aufbau, er stößt den Leser nicht wirklich auf etwas. Er referiert, referiert die Lebensgeschichte eines Geistlichen, der sich literarisch hervortut und als Gelehrter und Intellektueller (aber eben auch als Geistlicher und Idealist) sein Leben in Chile zwischen widerstreitenden Interessen, politischem Zeitgeschehen und literarischen Realitäten verbringt. Dabei zeigt Bolano mit unterschwelliger Finesse die moralischen Dilemma, aber auch die unwillkürlichen Versuchungen, Ängste, etc. die die Menschen umtreibt, die Ambivalenz von Gut und Böse.

Dies alles kann einem europäischen Leser in seiner Umsetzung ein wenig "spanisch" vorkommen. Das Buch ist eben nicht gerade heraus. Auf jeden Fall ist es eine fesselnde Lektüre, voller Augenblicke in denen Witz, aber auch das Funkeln der ewigen Problematiken aufblitzt. Also: eine recht atemlose, zeitweise geniale Lektüre.
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am 20. August 2012
Wer Bolaño noch nicht kennt, hat hier eine gute Gelegenheit zum Einstieg in sein Werk. Der Leser wird in diesem Buch nicht Bolaños typischem Stil begegnen - wenn es denn den bei ihm überhaupt gibt. Es ein ein Buch auf den Punkt, konzise, aus einem Guss. Die Erzählung wurde - im besten Sinne des Wortes - in einem Zug geschrieben und das Finale sucht seinesgleichen. Bolaño gibt Zeugnis von einer Zeit und von einer Konstellation, wie sie immer noch sehr häufig auf der Welt anzutreffen ist. Wie Macht ergriffen - de facto verliehen - und praktiziert wird, wird eindrücklich beschrieben. Insofern ist dieses Buch Brand-aktuell. Man wird die Lektüre noch lange nacherleben.
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TOP 500 REZENSENTam 17. Juni 2013
Roberto Bolano, ein begnadeter Autor, hat ein vielfältiges Werk hinterlassen. Neben den beiden Kolossen in seinem Werk, dem virtuos-furiosen Opus Magnum 2666 und dem locker-unterhaltsamen Roman Die wilden Detektive, ist seinen Erzählungen, kurzen Romanen und Gedichten noch nicht ganz die Aufmerksamkeit zu Teil geworden, die sie verdienen. Gewiss, sie sind ungleich spezieller, haben nicht mehr so viel von der phantastischen oder zumindest literarisch universellen Art der beiden längeren Bücher, in denen das Fabulieren, die Poesie und das Erzählen zusammen einen genialen Kosmos erschaffen, wie er seines gleichen sucht. Aber auch in den kleineren Werken findet sich eine besondere literarische Qualität.

Es ist nur ratsam, sollte man direkt vorweg sagen, dieses Buch in einem Rutsch oder zumindest an einem, oder zwei Tagen zu lesen. Nicht nur wegen der Form (ein fast ohne Umbrüche gehaltener Monolog, ohne Kapiteleinteilungen oder Absätze), sondern auch, weil der gesamte Text einer Art Beschwörung gleicht (mal offensichtlicher, mal eingewoben) und ein zu häufiges Unterbrechen dem Buch seine hypnotische, eindringliche Komponente und, damit, eine seiner wesentlichen Erfahrungen nimmt.

Worum es in "Chilenisches Nachtstück" geht kann schnell und doch nur unzureichend dargelegt werden. Es geht um chilenische Geschichte, chilenische Literatur, um Reisen und um das, was getan werden muss, darf, soll, kann. Wie gesagt: Der Roman ist nicht unkompliziert in seinem Aufbau, er stößt den Leser nicht wirklich auf etwas. Er referiert, referiert die Lebensgeschichte eines Geistlichen, der sich literarisch hervortut und als Gelehrter und Intellektueller (aber eben auch als Geistlicher und Idealist) sein Leben in Chile zwischen widerstreitenden Interessen, politischem Zeitgeschehen und literarischen Realitäten verbringt. Dabei zeigt Bolano mit unterschwelliger Finesse die moralischen Dilemma, aber auch die unwillkürlichen Versuchungen, Ängste, etc. die die Menschen umtreibt, die Ambivalenz von Gut und Böse.

Dies alles kann einem europäischen Leser in seiner Umsetzung ein wenig Spanisch vorkommen. Das Buch ist eben nicht gerade heraus. Auf jeden Fall ist es eine fesselnde Lektüre, voller Augenblicke in denen Witz, aber auch das Funkeln der ewigen Problematiken aufblitzt. Also: eine recht atemlose, zeitweise geniale Lektüre.
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am 27. März 2008
Es geht ans Sterben für den mäßig talentierten Dichter, aber umso erfolgreichen Literaturkritiker und Priester(!) Sebastián Urrutia Lacroix und so ist es Zeit, mit sich ins Reine zu kommen.
Seien es fleischliche Gelüste, politische Wirrungen oder die permanente Flucht vor Verantwortung, der Mann muß sich diesem fiebrigen Alptraum aus Erinnerungen stellen, aus nicht wieder gut zu machenden Fehlern, aus endlos quälenden Ängsten und nicht zu entwirrendem Gefühlschaos.
Besonders pervers erscheint die permanente Konfrontation zwischen politischer Verantwortungslosigkeit zugunsten ästhetischem Frönen und Sich Entziehen in den "Elfenbeinturm.

Ein zugleich politischer als auch kunst- und literaturbezogenenr Roman, bei dem am Ende einmal das Menschliche an sich die Hauptrolle spielt.
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