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Kundenrezensionen

3,7 von 5 Sternen
73
3,7 von 5 Sternen
Format: Taschenbuch|Ändern
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am 26. Mai 2017
Das Buch ist sehr interessant. Es befand sich in einwandfreiem Zustand und die Lieferung war nicht zu beanstanden. Ich werde wieder gebraucht kaufen.
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am 16. Februar 2013
Mitunter tue ich mich mit Günter Grass schwer, z.B. beim Butt. Ganz anders sieht das bei seiner Biografie aus, man liest sie in einem Rutsch und lernt dabei einiges aus der Zeit der dreißiger, vierziger und fünfziger Jahre. Grass steht auch zu seiner HJ-Vergangenheit (anstatt diese wenig schmeichelhafte Phase zu ignorieren!) und fragt sich, wieso er damals der Politik so kritiklos gegenüberstand, sich so leicht hat beirren lassen. Manche machen ihm heute sein Mitmachertum zum Vorwurf. Lächerlich! Es kommt darauf an, wie sich ein Mensch entwickelt. Das zeigt dieses Buch sehr gut.
Ein wenig nervig sind die laufenden Hinweise auf seine Romane und Gedichte. Person X ist die spätere Person Y in "Hundejahre" und so weiter ... Das erinnert an Basar-Mentalität, wenn möglicherweise auch ungewollt. Dass Grass das überhaupt nicht nötig hat versteht sich. Die Biografie ist jedenfalls lesenswert. Ähnlich der sortenreichen Kulturpflanze trifft sie beim Lesen viele Geschmacksnerven.
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am 17. September 2007
"... wie sein Paßfoto auf dem Studentenausweis" - "planschend in begrifflichen Ungefähr"...so karikiert sich der Autor beim Kramen in seiner Vergangenheit, zu der er den Leser überreden will.
Soll er doch bittschön erst einmal besser und konsequenter aufräumen, bevor er - und dann bitte nur auf max. 300 Seiten - seine Lebensreflexionen in vielerlei Krimskrams ausbreitet und beleuchtet.
So ist die Zwiebel" nur ansatzweise würzig, richtig scharf und in die Nase beißend eigentlich nie. Eher ausgelaugt und bis zum Erbrechen ausgeknautscht kommen die langweiligen Wiederholungen daher, ja belästigen schon: Papst Benedikt als der Kumpel Joseph, genauso wie seine pubertäre Sexversessenheit ödeten mich an.
Begeistern kann auch nicht, daß Nachdenklichkeit und emotionales Miterleben nicht recht aufkommen wollen. Der Leser wird auf Distanz gehalten und nicht wirklich berührt.
Der Autor fällt sich pausenlos selbst in Wort mit ständig eingeschobenen Gedanken- Sprüngen. Der sprachliche Ausdruck in einer (etwas zu) reichlichen Anzahl von Metaphern ist zwar einfallsreich, knäult sich aber oft in überlangen verschachtelten Sätzen. Wenn man sie aufdröselt, sind sie zwar korrekt durchkonstruiert, aber eben Konstrukt - mit gelegentlich etwas schief geratenen Bildern. Das Aufdröseln unterbricht den Lesefluß und mindert damit auch das Vergnügen an der zweifelsohne beeindruckenden Kreativität des Autors in Umgang mit der deutschen Sprache.
Wo feinsinniger und auch ein wenig warmherziger Humor aufkeimen könnte, tritt Grass schnell den Rückzug an und verschanzt sich hinter der Fassade unterkühlter Ironie, die frösteln macht.
Zum Thema des späten SS-Geständnisses:
Mir kommt der Verdacht, daß seine SS-Mitgliedschaft möglicherweise kurz vor der Entdeckung gewesen ist. ( Irgendeiner wühlt ja immer!) Also schnell das verschämte Geständnis in ein Buch verpacken - nach dem Motto: Angriff ist die beste Verteidigung.
Alle Moralpredigten, die Schriftsteller wie Grass gern als das Gewissen der Nation von sich geben, passen nun plötzlich überhaupt nicht mehr ins Bild.
Er wußte genau, daß er den Nobelpreis nie erhalten hätte, wäre er vorzeitig mit dieser Vergangenheit herausgerückt, ... und er weiß ebenso genau, daß es jetzt ein gutes Timing war, dem nicht so sonderlich toll geratenen Buch zur erfolgreichen Vermarktung zu verhelfen.
Das Geschrei der Medien war trotzdem übertrieben. Wie war das doch mit dem Splitter im eigenen Auge? ... mit dem ersten Stein ...? Pharisäerhaft erhobene Zeigefinger gehören meist Menschen, in denen schamhaft verschwiegene Konjunktive schlummern. Man ist nicht deshalb schon ein guter Mensch, weil einem die Gelegenheit zur Missetat gefehlt hat.
Verbrochen hat Grass ja nichts weiter - das glauben wir ihm einfach mal - aber moralisch unsauber taktiert.
Ich glaube nicht, daß man sich das Lesen dieses Buches wirklich antun muß, um nichts zu versäumen. Der Kauf lohnt nicht wirklich.
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am 18. Juni 2014
Was vor und was nach seiner Kindheit geschehen ist dränge sich fast unerträglich an die Oberfläche. Wenn er sich aber die Erinnerung an den Jungen in kurzen Hosen und Kniestrümpfen ins Gedächtnis rufen will, ergreifen dessen Gedanken die Flucht weil sie nicht gedacht werden wollen. Das war mal, jetzt ist alles ganz anders, und überhaupt würde man gerne beschönigen, was sich nicht beschönigen lässt. Schicht um Schicht gälte es auf die Ereignisse jener Zeit genau hinzuschauen und sie abzutragen, an die nur noch Gegensätnde zu erinnern vermöchten, wenn man willens wäre ihnen eine Sprache zu verleihen.

Als Jazz-Trio für Unterhaltungsmusik sichern sich drei Musiker ihre Existenzgrundlage. Ein Gitarist, ein Banjospieler, und Grass am Waschbrett. Sie treten im "Zwiebelkeller" auf, wo innerlich erstarrte Gäste auf Hackbrettern Zwiebeln zerkleinern. Haut um Haut freigelegt bahnen sich Erinnerungen ihren Weg in die Gegenwart und die Leute heulen dazu Rotz und Wasser im Dämmerlicht der Petroleum-Lampen.

Nicht nur schildert der Autor auszugsweise fragmentarisch sein Leben, er verquickt Wahrheit und Fiktion, entlarvt so manches als Lüge und geht schonungslos gegen ungenaue Erinnerungen an.

Ich erachte das Buch als sehr lesenswert weil es auch in unserer Zeit einen nicht zu unterschätzenden Stellenwert hat. Es spiegelt u.A. unsere Geschichte die wir nicht einfach abstreifen können. Möge es viele Leser finden.
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am 21. Oktober 2014
Mir ist dieses Buch neulich erst in die Hände gefallen und ich habe es in einer Phase der Langeweile gelesen. Natürlich schreibt Grass gelegentlich ein wenig sperrig, mich hat seine Lebensgeschichte dennoch sehr gefesselt und auch beeindruckt. Eigentlich ist er mir immer eher unsympathisch gewesen, nun kann ich ihn aber ein wenig besser verstehen.
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am 5. März 2014
Über Günter Grass' Erinnerungsbuch "Beim Häuten der Zwiebel" ist im Gegensatz zu seinem darin zu findenden Bekenntnis, Mitglied der Waffen-SS gewesen zu sein, vergleichsweise wenig gesprochen worden, was ich angesichts der Qualitäten des Buchs recht schade finde. Wenngleich sich für Grass hiermit - im Buch deutlich erkennbar - auch einiger Rechtfergtigungsdruck breit macht, so schlägt Grass einen alles andere als rechthaberischen Ton an. Grass zeichnet ein sehr persönliches Bild seiner familiären Verhältnisse und sowohl seiner künstlerischen als auch literarischen Entwicklung. Er beschreibt hierbei einen zeitlichen Bogen von der Vorkriegszeit bis in die 2000er Jahre und versucht sich aus der zeitlichen Distanz seinem früheren Ich zu nähern. "Beim Häuten der Zwiebel" ist über weite Strecken eine Hommage an seine durch den Weltkrieg sehr in Mitleidenschaft gezogene Familie und seine ostpreußische Heimat, die Stadt Danzig, die Ostsee und ihre Strände, vor allem aber setzt Grass seiner kunstaffinen Mutter ein literarisches Denkmal. Das Besondere an Grass` Erinnerungsbuch und zugleich thematischer Aufhänger ist, dass die Erinnerung, gewollt oder ungewollt, hin und wieder streikt, und Grass für das Ausloten der sich dann und wann mürrisch der Erkenntnis verschließenden Vergangenheit das Bild einer Zwiebel kreiert, deren Schichten nach und nach freigelegt werden oder das eines Bernsteins, dessen wie zu Eis erstarrter Inhalt zum Geschehenen befragt werden will. Das Bild dieser Zwiebel und dieses Bernsteins wird zwar recht häufig bemüht, ohne aber sperrig zu wirken. Neben der "Blechtrommel" und "Im Krebsgang" ist "Beim Häuten der Zwiebel" meines Erachtens eines der besten Bücher von Grass.
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am 10. September 2008
Diese Autobiographie ist wie so viele andere (insbesondere Auto-) Biografien zum Teilen Rechtfertigung, Prallerei und Anekdote. Mit diesem Vorwissen gewappnet kann man sich Grasses unbändigem Sexumtrieb und seiner hängenden Unterlippe stellen.

Für wen ist dieses Buch interessant? Vor allem für Grass-Fans und Menschen die einen verschwommenen Blick auf das Leben des Autoren, Dichters, Kochs und pubertierenden SS-"Mannes" Grass werfen möchte. Viele Erlebnisse sind wie die papierdünne "braune" Haut einer Zwiebel bereits abgeplatzt und verloren. Insbesondere sind die Fakten der Kriegswirren kaum auf oder nachspürbar. Man fragt sich, wie man selbst gehandelt hätte, fragt sich ob der gut Mensch Grass nicht vielleicht das Eierklauen, das Plündern besetzter Wohnungen, Keller, Hinterhöfe vergessen hat. Ob die Rückzugsgefechte ohne einen Schuss aus seiner Maschinenpistole zu Ende gegangen sind. Zumindest an die Zeit als Arbeitsdienstler und Prisoner of War (POW) kann er sich besser erinnern.

Naja, vieles auch peinliche Details greift Grass aus seiner Jugend auf.
Immer wieder schwenkt dabei auf das heute zurück und versucht sich selbst damals zu erkennen und sich so eine Meinung, ja ein Urteil fällen zu können.

Der Titel beim Häuten der Zwiebel ist sehr passend gewählt, denn wie nichts anderes treibt das melacholische Wühlen im eigenen Leben, das Resümieren verpasster Gelegenheiten, verlieren von Liebschaften, Freunden und Verwandten, zumindest dem Autor selber beständig Tränen in die Augen.

Für Grass selber ist dieses Buch sicher eines seiner wichtigsten Werke, ob es aber für den Grass-Neuling oder den Leser brownscher Trivialliteratur von Interesse ist, das bezweifele ich. Wie Eingangs gesagt muss der Leser Interesse an Autobiographien mitbringen und das ein oder andere Werk des letzte öffentlichen Pfeiferauchers bereits genossen haben.

Ich kann und will mich nicht den Klagen über die Ausdrucksweise oder das Sprachgefühl von Hrn. Grass anschließen. Ich finde den besonderen, etwas altbackenen Stil z.B. wie er in dem Grass-Roman "Im Krebsgang" besondere Ausprägung fand, sehr genehm. Viele Grass-typische Stilelemente finden auch "Beim Häuten der Zwiebel" mein Gefallen.
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am 16. November 2016
Na gut, bei mir steht da eh alles von Günter Grass, von daher bin ich ganz bestimmt befangen.

Bin Jhgg. 1960 und für mich bedeutet Günter Grass halt sehr, sehr viel, sowohl in Bezug auf sein künstlerisches Schaffen, das ja nicht nur aus Prosa und Poesie besteht, sondern eben auch aus bildender Kunst (wenn das mal nicht im schönsten Sinne des Wortes doppeldeutig ist!)!

Nein, auch sein politisches Engagement und sein politischer Standpunkt hat mich immer für ihn eingenommen, bis heute.
Von daher kommt dem Roman in Bezug auf Grass' eigene Biographie und die Entwicklung seiner politischen Persönlichkeit hier auch eine besondere Bedeutung zu (Prägung als Soldat im III. Reich und die Konsequenzen, die er für sich daraus gezogen hat).

Daher, nochmals:
Gehört meiner Meinung nach in jedes Bücherregal!
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am 17. Mai 2015
Heute bin ich mit dem Buch fertig geworden. Es ist sicher nicht zügig zu lesen und ich mußte auch manche Sätze 2 mal lesen, aber es hat sich, wie ich finde, gelohnt. Da es mein erstes Buch von Günter Grass ist, hat es mich sehr gut mit seinem Schaffen bekannt gemacht. Ich fand es z.B. sehr aufschlußreich zu erfahren, an welchen Stellen im Leben ihm die Ideen zu seinen Bücher gekommen sind bzw. welche realen Personen er wo eingebaut hat. Das würden einen sicher bei vielen Autoren manchmal interessieren, aber das sagen die Wenigsten so eindeutig. Auch die Tatsache, daß er als Bildhauer angefangen hat, fand ich sehr interessant. Auf jeden Fall empfehle ich das Buch weiter!
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Die Autobiographie des Nobelpreisträgers Günter Grass, "Beim Häuten der Zwiebel", ist ein Buch das in aller Munde ist. Günter Grass bekennt darin zum ersten Mal, dass er als siebzehnjähriger bei einer SS Waffeneinheit gekämpft hat. Er konnte angeblich seine Einberufung nicht verhindern, wurde ungewollt in die Kämpfe hineingezogen.

Was macht Grass in diesem Buch? Er beschreibt zunächst einmal nicht sein ganzes Leben, sondern nur einen kleinen Ausschnitt, nämlich die Jahre von Kriegsbeginn 1939 bis 1959,also bis zu der Zeit, wo er nach Paris geht und die "Blechtrommel" schreibt. Bei dieser Lebensbeschreibung erfahren wir, dass vieles was bei ihm Literatur geworden ist, in seiner Biografie seinen Ursprung hatte. Der Werdegang zum Künstler ist quasi der rote Faden dieses Buches. Alles was er erlebt hat, bewahrte er in sich auf, bearbeitete es, ließ es zu Kunst werden.

Die erste Hälfte dieses Buches ist eine hinreißende Lebensbeichte, eine Suche nach der eigenen Schuld und nach dem Verständnis für diese Schuld. Er erzählt in einem wunderbar menschlichen, warmen, sympathischen, wehmütigen und zum Teil demütigen Ton, getragen von großer Bescheidenheit. Dieser ruhige, großväterliche Erzählton kennzeichnet sein Alterswerk. Er ist sehr gründlich, erzählt von seiner Kindheit in ärmlichen Verhältnissen in Danzig, von seinen Eltern, dem frühen Tod seiner Mutter, dem kleinen Laden und der Zwei Zimmerwohnung die ihn so einengte und bedrückte. Er schildert seine Verblendetheit in Sachen Nationalsozialismus, seinen Eintritt in die Wehrmacht, die Monate an der Front, sein Überleben, das Hungerleiden nach dem Krieg und schließlich das Kunststudium. Er ist dabei sehr ehrlich und auch sehr skeptisch. Das ist die eine Seite dieses Buches.

Doch dann gibt es eine Stelle auf Seite 219, am Ende des Krieges, wo Grass Kriegsgefangener ist, in die Küche abkommandiert wird, ab dieser Stelle kippt das Buch. Dort begegnet der Autor seiner Gruppe von überlebenden Kindern eines Konzentrationslagers und er will einfach nicht wissen, was die hinter sich haben. Er setzt diese "Überlebenden des Holocaust" und diese "Wehrmacht Überlebenden" irgendwie gleich, als wäre dieses "Traumatisiert werden" ein Ähnliches. Ab hier fallen alle Fragestellungen weg. Im ersten Drittel des Buches hat er sich immer gefragt, warum habe ich nicht gemerkt, das ein Lehrer verschwunden ist, ein Mitschüler nicht mehr im Unterricht erschienen ist? Das finde ich schon recht eigenartig, dass er seine eigene Fühllosigkeit nicht thematisiert.Ich finde, dieses Moment an "nicht wissen wollen", und dann sein Leben prall weiterleben, zu schildern, was für ein toller Hecht dieser Grass doch war, welche Eroberungen er in der Damenwelt gemacht hat, die Schilderung seiner Begegnungen mit Louis Armstrong, dem Würfelspiel mit seinem Kumpel "Joseph", dem heutigen Papst Benedikt, bedrückend. Diese Vorgehensweise zeugt von einer unerträglichen Eitelkeit. Vielleicht hat der Fabulierer Grass mit seiner reichen Phantasie da erheblich hinzugedichtet, um des Effektes willen "nachkoloriert".

Die Wahrheit liegt nicht nur bei Günter Grass, es liegt nur an ihm was er uns sagt, es liegt auch an uns Leser, was wir ihm glauben.

Diese Vorgehensweise erweckt in mir den Verdacht, dass den Autor all die äußeren Schalen der Zwiebel die er schält, gar nicht wirklich interessieren. Die Zwiebel wird nur geschält, damit mittendrin, zwischen der Wahrheit der Erfindung und der historischen Wahrheit, diese Waffen SS Geschichte plaziert werden kann. Er wollte das platzieren, wollte es selber sagen. Da er diese Vorkommnisse über fünfzig Jahre verschwiegen hat, besagt aber vielleicht auch, dass Herr Grass sie nach wie vor als Nebensächlichkeit betrachtet. Immer noch scheint er die Angelegenheit als Formalie zu betrachten.

Die fehlenden, selbstquälerischen Fragenkaskaden entfallen,als er im zweiten Teil des Buches den "Gestus des Beichtens" wegnimmt. Er streicht den Beichtgestus als er den Kern der Zwiebel frei gelegt hat, beginnt mit diesem überwältigenden Mitteilungsdrang. Da sind alle literarischen Fabulierungen verschwunden, die Welt um ihn scheint ihn wenig zu beeindrucken, er nimmt Abschied von seinem ästhetischen Konzept.

Wie er das lange Schweigen über seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS in dem Buch kommentiert, das finde ich schauderlich. Er sagt u. a. auf den gut 1 1/2Seiten lediglich, "aus nachwachsender Schuld, aus nachwachsendem Scham habe ich das nicht untersucht". Nicht nur der späte Zeitpunkt der Enthüllung, steht im krassen Widerspruch zu seinen sonstigen in der Öffentlichkeit vorgebrachten moralischen Ansprüchen anderen gegenüber.

Wir sollten aber Autor und Werk voneinander trennen. Es soll an dieser Stelle ja nicht das Leben von Herrn Grass rezensiert werden. Und das ganze ständige Nachdenken über die "Erinnerung", taucht dann doch jetzt diese große Diskussion über seine Waffen SS Zeit in ein ganz anders Licht. Es ist ein sehr redliches Buch, weil es dieses Thema variiert und beim Häuten der Zwiebeln, auf dieser "Messerebene" reflektiert. Gewiss werden in diesen Memoiren Zeiten und Räume durcheinander gewirbelt und es wird viel über das biographische Schreiben reflektiert, aber es ist bei allen Einwänden ein sehr lesenswertes, feinfühliges Buch, was jedoch von dem Leser Empathie erfordert, etwas was der Autor für die Opfer, die ihm da begegnen, nicht aufzubringen vermag.
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