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Kundenrezensionen

3,5 von 5 Sternen
82
3,5 von 5 Sternen
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am 1. Oktober 2006
Ilija Trojanow hat einen Roman über das aussergewöhnliche und abenteuerliche Leben eines Mannes geschrieben, der, so weit es ihm irgend möglich war, nach seinen eigenen Gesetzen lebte. Richard Francis Burton, die Hauptfigur des Romans, kam als junger Offizier nach Bombay und war innerhalb kürzester Zeit derart von der fremden Kultur eingenommen, dass er sich, zum maßlosen Befremden seiner eigenen Landsleute, völlig in sie versenkte. Nach nur einem Jahr sprach er fließend Hindustani und Gujarati und dabei sollte es keinesfalls bleiben. Der jahrelange Aufenthalt in Indien bildet den ersten Teil des Romans, der sich sehr deutlich in drei Teile gliedert. In Indien entwickelt Burton eine manische Leidenschaft für alles Fremdartige, die ihn sein Leben lang nie wieder loslässt. Er passt sich auch hinsichtlich seines äußeren Erscheinungsbildes so sehr den Einheimischen an, dass er schon sehr bald für einen der ihren gehalten wird. Die Entwicklung dieses Menschen wird immer auch aus der Perspektive eines Einheimischen geschildert, im ersten Teil des Buches ist dies sein indischer Diener. Dieser Perspektivenwechsel ist äußerst spannend und unterhaltsam zu lesen. Der zweite Teil handelt davon, wie Burton, der mittlerweile auch fließend Arabisch spricht, unerkannt an der Wallfahrt nach Mekka teilnimmt. Auch hier werden diese Ereignisse nicht nur erzählt, sondern auch rückblickend aus einheimischer Perspektive reflektiert, nun von hohen Würdenträgern des osmanischen Reiches, die im Nachhinein zu klären suchen, ob dieser Mann wirklich ein Muslim oder ein britischer Spion war. Dieser zweite "arabische" Teil des Buches erschien mir leider etwas langamtig, was vielleicht daran liegen mag, dass die Geschehnisse einfach zu vorhersehbar waren. Der dritte Teil handelt von Burtons Suche nach den Quellen des Nils in Ostafrika und er war für mich der Höhepunkt des Buches. Auch hier werden die Ereignisse nicht nur linear, sondern auch rückblickend aus der Sicht eines ehemaligen Sklaven erzählt, der Burton und seinen Kompagnon Speke bei ihrer Expedition begleitet hat. Was hier u.a. hinzukommt ist das spannungsgeladene Verhältnis zwischen Burton und seinem Begleiter John Hanning Speke, einem wohl recht typischen Vertreter des britischen Hochadels. Im Gegensatz zu Burton zeigt er kaum Interesse an einheimischer Kultur und Menschen und verbringt große Teile seiner Zeit damit die einheimische Fauna zu reduzieren. Gemeinsam haben beide letztlich nur ihren Drang übermenschliche Strapazen auszuhalten. Diese beiden Menschen, die an sich schon unterschiedlich genug sind, aus der einheimischen Perspektive zu betrachten, ist ungemein erheiternd und aufschlußreich. Die Motive der beiden Engländer bleiben nämlich selbst Sidi Mubarak Bombay, der sie so lange begleitete, weitgehend ein Buch mit sieben Siegeln.

Der Charakter Burtons bleibt nicht nur seinen Landsleuten, sondern auch den Menschen der ihn so faszinierenden fremden Kulturen letztlich ein Rätsel. Auch der Autor erhebt hier kaum den Anspruch den Menschen Burton "durchschaut" zu haben. Es bleibt der gelungene Versuch einer Annäherung an einen Menschen, der seine Träume lebte, statt sein Leben nur zu träumen.
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am 18. Juni 2006
In einer Rezension wurde es bereits angesprochen: das Buch ist in drei sehr unterschiedliche Teile gegliedert; zunächst werden Ereignisse in Indien, darauf die Teilnahme an einer Hadsch in Arabien, schließlich eine Expedition nach Afrika geschildert. Sehr schön ist dabei die Erzählweise des Autors, jeder Teil wird in zwei Sichtweisen dargestellt: zum Einen jeweils die Erzähler-Perspektive, zum Anderen Dialoge von Burtons Diener mit einem Schreiber, geheimdienstliche Ermittlungsgespräche und eine Darstellung des Geschehens in Afrika aus der Sicht eines ehemaligen Sklaven.

Der Indien-Teil des Buches ist der mit Abstand beste, man spürt förmlich die exotischen Gerüche Indiens in der Nase. Auch das Thema Erotik ist unaufdringlich exotisch dargestellt.

Die Hadsch Burtons lässt einen Einblick nehmen in die arabische Welt und Mentalität, die Ereignisse überstürzen sich jedoch sehr und nicht immer sind die Emotionen Burtons nachvollziehbar. Habe ich als Europäer hier Zugangsschwierigkeiten?

Die Expedition nach Afrika schzließlich ist meines Erachtens der Schwachpunkt des Buches. Mir ist nicht so ganz klar geworden, was Burton auf diese unmenschliche Reise getrieben hat. Viele widerwärtige Dinge muss er erleben, doch sein zurückhaltendes Auftreten lässt den Leser zweifeln, da er in den Teilen zuvor einen anderen Burton erlebt hat, mit dem er sich vielleicht sogar identifizieren konnte.

Wie dem auch sei - das Buch ist insgesamt empfehlenswert. Die Geschichte Burtons würde einen wunderbaren Filmstoff abgeben...
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Der Autor, der den Preis der Leipziger Buchmesse erhalten hat, hat mit dem Romanhelden vieles gemeinsam. Er ist ein Weltensammler, im Sinne, dass er die Welt nicht nur bereist, sondern auch bewohnt hat. Er ist in Sofia geboren, ist nach Deutschland gekommen, hat schon als Kind Deutsch gelernt, hat in England und Indien gelebt und domiziliert zurzeit in Kapstadt. Es ist eine Reise in die Fremde die fremd war, etwas was heute nicht mehr möglich ist. Trojanow begleitet seinen Helden durch Indien, Arabien, Afrika. Er erzählt aus der Perspektive der andern. Man geht mit dem Autor über Kontinent, wird hinein gezogen in diesen bunten Bilderbogen. Und das ganze ist belegt mit einem „Hauch von Exotik“ der sehr spannend ist.

Er ist in einer Art Wahlverwandtschaft zu seinem Helden zu sehen, den er selbst erstmals als Kind in einem Bildband entdeckt hat. Es ist der englische Abenteurer Richard Burton. Er lebte im neunzehnten Jahrhundert und war Offizier der Kolonialmacht England. Anders wie seine Kollegen, die im Ausland die englischen Lebensgewohnheiten pflegten, lernte er die Sprachen. Am Ende waren es 29. Er erkannte, die Auseinandersetzung mit der Fremde läuft immer über die Sprache, sie ist das ultimative Instrument der Ermächtigung. Für ihn war es die Möglichkeit sich selber auch zu verändern, so wurde er nach einigen raffinierten kosmetischen Behandlungen nicht mehr als Engländer wahrgenommen. Nach der Verwandlung mit Turban und Walnussöl gelang es ihm die Geheimnisse der anderen Welt zu entdecken und konnte feststellen wie sich Europäer gegenüber Indern, Afrikanern, Arabern etc. verhielten.

Richard Burton war ein ausgesprochener Sonderling, hat angeblich in Indien auch eine Geliebte gehabt, die ihm sehr viel über Land und Leute erzählte. Für Frauen war er ein kolonialer Eindringling und Projektionsfläche ihrer eigenen Ängste und Sehnsüchte. und Zumindest hat die Romanfigur eine Geliebte, ob Burton wirklich eine hatte ist nicht bekannt, denn der Roman beginnt mit der Verbrennung seiner Tagebücher durch seine Frau.

Die historische Figur Burton ist zunächst, nachdem er als Doppelspion unehrenhaft entlassen worden ist, nach England zurückgegangen. Er ist dann aber wider nach Afrika gegangen, im dritten Teil landet er in Sansibar.

Der Weltensammler hatte ein „Nomaden Gen“ in sich, es ging ihm, der Neugier weit über das normale Maß besaß und sich nicht mit Toleranz begnügte, darum, sich wirklich das Fremde einzuverleiben. Er entdeckte die Nilquellen und wollte schließlich die letzten weißen Flecken erschließen und das war seiner Meinung nach Zentralafrika.

Der Autor hat in einem Interview darauf aufmerksam gemacht, dass er für den Roman nicht nur intensiv in Archiven recherchiert hat, sondern den Weg Burtons zu Fuß angelaufen hat, in Indien, Mekka, Medina, Afrika, weil er sich nicht zugetraut hat, die Langsamkeit der damaligen Zeit literarisch zu simulieren. So erklärt sich auch die Tatsache, dass er sieben Jahre an dem Buch gearbeitet hat.

Das spannende an der Figur Burton und damit auch das spannende an dem Roman ist, das die Konflikte und Herausforderungen heute genau so vorherrschen, wie damals vor 150 Jahren.

Das Buch hält sich an die Daten und Fakten und ist doch viel mehr als eine Biographie. Es will Bilder und Sprache für das Fremde selbst finden. Verständnis dafür scheint heute nötiger denn je.

Ein großartiges Buch, das ich mit Nachdruck empfehlen kann, ein Buch das sich permanent im Zwischenraum des Mysteriösen und des Geheimnisses auf.
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am 9. April 2011
Orientiert an dem Leben des englischen Offiziers Richard Francis Burton erzählt Ilja Trojanow dessen Lebensstationen in Indien, auf der Pilgerreise nach Mekka und auf einer Entdeckungsreise in Afrika nach. In prächtigen Sprachbildern voller Fantasie entsteht ein exotisches Bild des Lebens eines ruhelosen und ewig suchenden Abenteurers. Mich als alten Indiana-Jones-Fan hat dieses Hörbuch völlig überzeugt. Nicht weil es genauso wäre, sondern weil die fremden Kulturkreise, die bei Indiana Jones nur Kulisse für Action-Spektakel waren, hier einmal die Hauptrolle spielen und zu ihrem Recht kommen. Richard Francis Burton lebt sich in die fremden Kulturen hinein, spricht die Sprachen, kleidet sich wie die Einheimischen, passt sich an wie ein Chamäleon, um die ganze Breite und Tiefe des Lebens zu ergründen.

Wer einen Großmeister der deutschen Sprache erleben möchte, sollte sich dieses Hörbuch gönnen. Keine Banalitäten, keine pedantische Wortklauberei, keine abgedroschenen Phrasen, bei denen man nach drei Worten schon ahnt, wie der Satz endet, aber auch keine verstiegene Wortakrobatik. Statt dessen der Griff ins volle Leben, immer wieder mit originellen und stimmigen Bildern, mit Sprachminiaturen, die in zwei Sätzen mehr sagen, als andere Autoren auf zwei Seiten hinbekommen, und sprachlichen Pinselstrichen, die der Fantasie die Sporen geben. Bestimmt keine leichte Kost, mitmachen muss man schon, aber dafür wird auch wirklich etwas geboten. Ich bin begeistert und kann dieses Hörbuch nur empfehlen. Fünf Sterne!
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TOP 500 REZENSENTam 2. Januar 2013
Mit Richard Burton verhält es sich ähnlich wie mit der Carmina Burana von Carl Orff. Während die meisten die Carmina Burana für die musikalische Untermalung der Nestle Werbung halten, denkt die Mehrheit der Menschen bei dem Namen Richard Burton an den trinkfreudigen Schauspieler und Liz-Taylor Gatten und nicht an Richard Francis Burton, einen der größten Entdecker des 19. Jahrhunderts.

Dieser wirkliche Richard Burton (1821-1890) ist Ilja Trojanos "Weltensammler", ein Wanderer zwischen den Kulturen und Sprachen, dessen abenteuerliches Leben sich formal anspruchsvoll und inhaltlich unterhaltsam in dem vorliegenden Buch auf weit über 500 Seiten entfaltet. Als Kolonialoffizier in Indien, als verkleideter Mekkapilger und als Entdeckungsreisender auf der Suche nach den Quellen des Nils bleibt sich der Weltensammler immer gleich: ein Getriebener und Neugieriger, ein Erkunder der Fremde und seiner Selbst, lebt er sein staunenswertes Reiseleben als ein marginal man zwischen den Epochen und Kulturen. Mehr noch: In jedem der drei Hauptteile wird dabei die auktorial erzählte Burton-Biographie durch Schilderungen von Einheimischen so kunstvoll kontrastiert, dass das Werk als Ganzes eine kulturübergreifende Perspektive gewinnt. In Indien treten Burtons Diener und ein Schreiber als Co-Erzähler auf, in Arabien sind es der türkische Gouverneur, ein Richter und ein Sharif, die die verbotene Hadj des rätselhaften Pilgers nachträglich untersuchen, und in Ostafrika ergänzen die Betrachtungen des Reiseführers Sidi Mubarak die auktorialen Erzählpassagen. Damit ermöglicht der Autor Ilja Trojanow dem Leser etwas, was jeder gute Roman erlauben sollte: die Entfaltung eines eigenen Urteils, das sich nur aus der Differenz zwischen dem, was Burton in einer seiner unterschiedlichen Verkleidungen räsonniert, zu den Blickwinkeln der Inder, Araber und Afrikaner ergibt. Es ist allerdings nicht nur ein Urteil über Richard Fancis Burton sondern auch ein Urteil über die Fremde und über das Reisen überhaupt.

Der erste, der indische Teil, beschreibt Burtons Jahre als britischer Kolonialoffizier im Gujarat und im Sindh, seine aufflammendes Interesse für Hinduismus und Islam, seine Liebe zur rätselhaften Kundalini und seine Tätigkeit als Spion im Dienste des indischen Vizekönigs Charles Napier. Dieser Teil umfasst fast die Hälfte des Buches und möglicherweise etwas zu lang geraten.
Erheblich interessanter und auch formal gelungener kommt mir der zweite Teil vor, in dem Burtons alias Sheikh Abdullah auf einem überladenen Pilgerschiff das Rote Meer bereist, um schließlich mit einer Karawane die heiligen Städte Mekka und Medina zu besuchen. Die Ankunft in Medina, die Umrundung der Kaaba in Mekka, die Reise zum Berg Ararat einschließlich der rituellen Steinigung des Satans lesen sich wie ein packender Reisebericht, der nur von jemanden geschrieben werden konnte, der wie der moslemische Autor die Hadj auch selbst durchgeführt hat. Schon allein diese einhundert Seiten lohnen den Kauf des ganzen Buches.

Das hohe Niveau des Werkes wird auch im dritten Teil gehalten. Burton und seinen Partner John Hennig Speke befinden sich nun im Innern Afrikas auf der Suche nach den Quellen des Nil, ein Unternehmen, dass sowohl dem kommentierenden Karawanenführer Sidi Mubarak wie auch den Einheimischen in seiner Nutzlosigkeit nur Kopfschütteln abnötigt. Für den Leser aber bilden die erzählerischen Passagen der Reise zu den großen ostafrikanischen Seen den Höhepunkt des Buches. "Die schwarze glitschige Erde unter dem dichten Gestrüpp schluckt jeden ihrer Schritte. Die Grasbüschel sind so scharf wie geschliffene Klingen, die Bäume von Epiphyten befallen, reptilienhaften Schmarotzern, die an den Gipfeln zu falschen Vogelnestern ausästen. Und es stinkt, als läge hinter jedem Baum die Leiche eines Unglücklichen. Wenn sie vom Himmel mehr sehen, als die Fetzen eines verschmutzten Leichentuches ist er dicht und grau und niedrig wie Rauch, der nicht abziehen kann. Die Luft überzieht ihre Haut mit einem Miasma, einem Schmutzfilm,der sich nicht abwaschen lässt, auch wenn sie Wasser fänden und sich eifrig abschrubben würden.(S.398/9) Am Ende bleibt Burton krank zurück, während es seinem glücklicheren Partner Hennig Speke gelingt, den Victoriasee zu entdecken und die Suche nach den Quellen des Nils ein entscheidendes Stück voranzubringen.

Alles in allem ein vorzügliches, sprachlich gelungenes Reisebuch, das Information, Unterhaltung und Reflexion auf hohem Niveau vereinigt. Das ideale Geschenk für alle Bonsai-Burtons unserer Tage, die sich die Sehnsucht nach der Fremde wie nach der Erkenntnis ihrer selbst gleichermaßen erhalten haben.
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am 17. September 2006
Für mich als Globetrotter, Indien-Liebhaber und Islamwissenschaftler stand fest: dieses Buch muss ich lesen. Aus der Perspektive unterschiedlicher Erzähler führt der Autor den Leser in die Gedankenwelt von Menschen mit unterschiedlicher kultureller Verwurzelung. Hierbei glänzt Ilija Trojanow mit scharfen Beobachtungen und geistreichen Aussagen, das Ganze in eine einprägsame, teils sehr bildsame Sprache gepackt. Mitunter hatte ich zwar den Eindruck, dass der Autor weniger die zwischen Faszination und kritischer Distanz pendelnden Gedanken seines Protagonisten Richard Francis Burton widergibt als seine eigenen, aber dennoch: im Hinblick auf die intellektuelle Auseinandersetzung eines Europäers mit Indien, Arabien und Ostafrika ist Trojanow ein starkes Buch gelungen.

Vielleicht liegt darin aber umgekehrt ein Problem des Romans: Er regt den Geist an, berührt aber nicht emotional. Das Leben Burtons kommt zwar als faszinierend herüber, als Person hat er mich aber kalt gelassen. Hierunter leidet nicht zuletzt die Spannung. So viele Unternehmungen und Abenteuer -- und doch habe ich nicht mitgefiebert, kommt keine wirkliche Spannung auf, fehlt der Höhepunkt.
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am 3. Februar 2008
Der Roman ist eine gelungene Mischung aus Fiktion und Geschichte. Erzählt werden drei Episoden aus dem Leben des Richard Francis Burton:
1) sein Aufenthalt Indien
2) sein Aufenthalt im Nahen Osten und die Pilgerreise nach Mekka
3) die Suche nach den Quellen des Nils in Ostafrika.
Die Erzählperspektive wechselt dauernd zwischen dem Ich-Erzähler Burton und einer Person die über das Leben des Burton Auskunft gibt (Diener (Indien), Reisebegleiter (Naher Osten) und Karawanenführer (Afrika).
Die ersten beiden Teile sind großartig, leider fällt der Afrikateil doch deutlich ab, deshalb auch nur vier Sterne.
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am 6. Januar 2014
Richard Francis Burton war ein Entdecker, ein Lehrling auf der Suche nach den vielen Wahrheiten unserer Erde, ein Gelehrter der Sprachen und Religionen und, das Kamasutra kannte er auch.

Der großartige Roman Ilija Trojanows folgt eindrücklich den Spuren Richard Burtons in Indien, einer Karawane folgend auf der Hadj nach Medina und Mekka und quer durch Ostafrika auf der Suche nach dem Ursprung des Nils. Doch nicht allein die bildgewaltige Erzählung Richard Burtons ist so überaus exotisch, es sind die anderen, die hier zu Wort kommen. Es ist Naukaram, Burtons Diener in Indien, der einen Schreiber engagiert, die Geschichte seine ungewöhnlichen Herren niederzuschreiben. Es sind der Gouverneur, Kadi und Sharif, die in unzähligen Verhören von Burtons Wegbegleitern versuchen, den Weltenbummler der Spionage gegen die britische Krone zu überführen. Und es ist Sidi Mubarak Bombay, ein freier Sklave und der Karawanenführer Burtons und seines Kollegen Speke auf dem Weg von Sansibar zum Ursprung des Nils, der als alter Mann seinen Freunden in Stone Town von dem großen, beschwerlichen Weg berichtet, nicht ohne dabei aufs Schmunzeln zu verzichten.

"Wahrlich, murmelte der alte Mann, kein Tag setzt sich dort hin, wo ein anderer schon gesessen hat." S355

Richard Burton wird von seinen Begleitern als cholerischer, extrovertierter und sehr begeisterungsfähiger Mensch beschrieben, immer auf der Suche nach Lehrern, die ihm solange eine Sprache oder den Islam näher bringen konnten, bis seine Verwandlung vollzogen war. Mit Turban, dunklem Haar und dunkler Haut!

"Der Lehrer aber war nicht gnädig. Du kannst dich verkleiden, soviel du willst, du wirst nie erfahren, wie es ist, einer von uns zu sein. Du kannst jederzeit deine Verkleidung ablegen, dir steht immer dieser letzte Ausweg offen. Wir aber sind in unserer Haut gefangen. Fasten is nicht dasselbe wie hungern." S212

Der Roman ist sehr anspruchsvoll und setzt durchaus Wissen über die britischen Kolonialpolitik, Indien, den Islam - vor allem der Hadj oder über die Hintergründe der Pfade der Sklavenkarawanen Ostafrikas, und der Rolle Sansibars in der Mitte des Neunzehnten Jahrhunderts voraus. Oder vielmehr: Je mehr man weiß, desto tiefer versinken wir Leser in diesem Abenteuerroman. Doch neben der beeindruckende Recherche und dem Wissen des Autors möchte ich auch seine wunderbar bildreiche Sprache hervorheben, die die Grausamkeit tropischer Hitze in einem unbarmherzigen Zeitalter mit feinem, subtilem Humor zu einem Leben Burtons verwebt.

"Mit der Landung wurde die Täuschung des Fernglases ruchbar. Der Kai war auf fauligem Fisch erbaut, überzogen von getrocknetem Urin und galligem Wasser. Ärmel wurden rasch über Nasen gezogen. Jahrhunderte von Fäulnis, barfüßig zu festem Boden gestampft, auf dem ein Uniformierter schreiend schwitzte. Die Ankömmlinge sahen sich zaghaft um. Überlassen Sie alles uns, wir nehmen Ihnen alle Arbeit ab! Richard Burton parierte das klebrige Englisch eines Agenten auf Hindustani mit stolzem Bedacht." S 22

Ein Wagnis, durchaus!
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am 22. Juli 2009
ein buch in drei spannenden abschnitten erzählt die "biografie" von richard burton aus verschiedenen erzählperspektiven. das macht die lektüre außerordentlich abwechslungsreich und kurzweilig. "biografie" in anführungszeichen - weil man nicht alles so historisch genau nehmen darf, aber gerade das macht das buch so hinreissend. und trotzdem regt es zum nachlesen der historischen wahrheit an, zum lesen über die erfoschung der nilquellen etc.

an dieser stelle kann ich auch den film "land der schwarzen sonne" von 1990 sehr empfehlen, der sich auf brutal, spannende und zugleich tiefsinnige weise mit dem 3. kapitel von trojanows buch auseinandersetzt, mit den forschungsreisen in ostafrika, die burton und speke unternahmen um die quellen des nils zu finden.

weiters gibt das buch interessante einblicke in verschiedene kulturen und zeichnet den charakter der hauptfigur burton sehr detailreich und feinsinnig.
die negative kritik, welche in manchen rezessionen über die blumige, ausschweifende sprache gemacht wird, kann ich nicht teilen. ich finde der autor schreibt in einer wunderschönen bildreichen sprache aber er schwafelt nicht übertrieben.
fazit: eine sehr empfehlenswerte lektüre!
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am 19. August 2006
Erzählt wird die Geschichte von Richard Francis Burton, der im 19. Jahrhundert in Indien, in Arabien und schliesslich in Ostafrika versuchte, sich selbst und der Welt zu nähern. Wer war Burton ? Ein Brite ? Ein Europäer ? Ein Entdecker ? Ein Reisender ? In wessen Sache ? Alles und nichts davon. Ilja Trojanow bezeichnet ihn im Buchtitel als Weltensammler. Am Schluss der Lektüre des Buches, das man ungern aus der Hand legt, bleiben indes, Reich-Ranicki bzw. Brecht zitierend, der Vorhang zu und alle Fragen offen. Burton ist am Ende seines reichen Lebens eingegangen in die Welt.

Im ersten Teil begegnen wir ihm als Kolonialoffizier in Indien, gesehen mit den Augen seines Dieners. Burton langweilt das Leben zwischen Exerzierplatz und Offiziersclub und so macht er sich auf die Suche nach der ihn umgebenden Welt, lernt mit grösstem Eifer die Sprachen, indem er sich von einem lokalen Guru unterweisen lässt, verliebt sich in eine einheimische Götterdienerin, beginnt sich in der Art der Inder zu kleiden, macht eigenständige Erkundungsausflüge und konvertiert endlich, zum Unwillen seines Dieners, scheinbar zum Islam.

Im zweiten "arabischen" Teil unternimmt er eine Reise nach Mekka (Hadj), schliesst sich einer Pilgerkarawane an und lernt in der näheren Umgebung einige Mitreisende kennen, die ihrerseits von einem Osmanischen Untersuchungsausschuss in Sachen Burton befragt werden.

Der Ausschuss verdächtigt Burton der Spionage zu Gunsten des sich stetig vergrössernden British Empire zu Lasten der Hohen Pforte. Burtons Sprach- und Verkleidungskünste sind inzwischen soweit verfeinert, dass ihn seine Begleiter für einen hindustanischen Pilger halten. So gelingt ihm schliesslich die angestrebte Umrundung der Kaaba.

Im dritten Teil macht sich Burton schliesslich zusammen mit John Hanning Speke, einem Landsmann, zu einer "konventionellen" Expedition ins Innere Ostafrika auf die damals aktuelle Suche nach der Quelle des Nils. Speke gibt das wenig erfreuliche Beispiel eines arroganten britischen "Entdeckers", der jegliches Getier, das ihm vor die Flinte kommt, zu Tode bringen muss und an jeder Land- und Seemarke reflexartig seine Duftnote in Form eines englischen Namens hinterlässt. Burton versteht sich eher als Reisender im Sinne Humboldts und vermag Spekes Arroganz wenig abzugewinnen. Erzählt wird hier aus der Sicht eines ehemaligen Sklaven, der als Kind mit einer arabischen Sklavenkarawane an die Ostküste Afrikas und von dort über Zanzibar nach Indien und zurück gelangte und nun sozusagen zum Assistenten der beiden Expeditionsführer aufgestiegen ist.

Die Struktur des Romans beruht einerseits auf der Aussenbetrachtung jener, die in Burtons Nähe waren und anderseits auf einer eigenartig unklar besetzten, scheinbar neutralen Off-Position. Die jeweiligen Erzähler befinden sich indessen ihrerseits im Dialog mit Zuhörern (in Indien ein Schreiber, in Arabien der Ausschuss, in Ostafrika eine Dorfgemeinschaft). Dies gibt dem Autor die Möglichkeit, seine sprachlichen und dramaturgischen Möglichkeiten voll auszukosten, was er nichts weniger als brillant und mit viel Liebe zum lokalkoloritischen Detail tut. Es entstehen dadurch Mehrfachbrechungen in der Sicht auf den Hauptprotagonisten, die das Leseerlebnis noch aufregender machen als es ohnehin schon ist, es sei denn, LeserInnen können bei der Lektüre auf Projektionsfolien nicht verzichten.

Da sich Trojanow oft der jeweils einheimischen Begriffe bedient, muss gelegentlich das Glossar helfen. Einige mag das stören, andere geniessen den Zugewinn bei dieser Reise, auf der man sich vom eigenen Diwan (->Glossar) in der guten Stube nicht erheben muss.
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