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Kundenrezensionen

4,1 von 5 Sternen
96
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am 6. Februar 2007
Dieses Buch ist mindestens in dreierlei Hinsicht lesenswert:

Inhalt: Wir halten Buch in den Händen, das uns, angefangen in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts über drei Generationen am Schicksal einer deutsch-jüdischen Familie teilnehmen lässt.

Stil: Der Erzählstil ist außergewöhnlich, weil Irene Dische ihre eigene Großmutter diese Familiengeschichte (in der sie selber meist nicht besonders gut wegkommt) von Anfang bis Ende, ja sogar noch im Himmel, erzählen lässt.

Man möge mir den Vergleich verzeihen, aber ein wenig habe ich mich an manchen Stellen an den phantastischen Erzählstil von Gabriel García Márquez ("100 Jahre Einsamkeit") erinnert gefühlt.

Humor: Großmama verliert beim Erzählen der Geschichte der Familie Rother auf über 350 Seiten nie ihren Humor - immer nach dem Motto "Es ging auch, als es nicht ging". Dabei nimmt sie sich auch selber "auf die Schippe" (so proklamiert sie zum Beispiel nahezu jedes Jahr dramatisch als ihr Todesjahr, wird aber letztendlich 96 Jahre alt).

Gelungen ist dieses Buch vor allem auch deshalb, weil es weder die Wiederholung einer Vertreibungsgeschichte ist, noch je in larmoyanten, nostalgischen oder gar abrechnenden Gefühlen wühlt.

Fazit: Lesenswert für Leser, die sich für Zeitgeschichte auf Basis von autobiographischen Zeitzeugnissen interessieren.
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Irene Dische hat 1989 mit ihrem Erzählband Fromme Lügen für erhebliches Aufsehen gesorgt. es folgten Erzählungen, Romane, Kinderbücher. Und jetzt, in so jungen Jahren, versucht sie sich an ihrer Autobiografie. Ein riskantes Unterfangen, wenn sie sich nicht einen genialen Trick ausgedacht hätte, denn sie lässt ihre Großmutter aus dem Jenseits sprechen. Und das heißt, diese Großmutter muss niemals einen literarischen Satz sprechen, die Autorin kann sich hinter der Großmutter verstecken, die kann sagen was sie will, muss niemals politisch korrekt sein. Und Großmama tut das in einem rasanten, frechen, schnellen, amüsanten Schnodder Ton, mit einer unbedeckten Nüchternheit und gezielten Ungehörigkeit,
Zum Inhalt: Großmama, eine streng katholische Bürgerstochter, heiratet Ende der zwanziger Jahre einen jüdischen Arzt aus Oberschlesien. Er konvertiert, bleibt aber für die Nationalsozialisten Jude. Er operiert, sterilisiert Kleinkriminelle und geistig Behinderte. Als er einmal eine Scheinoperation vornimmt, denunziert ihn die assistierende Krankenschwester, die ausgerechnet die beste Freundin von seiner Frau ist. Er begreift eigentlich nicht recht, was um ihn herum alles passiert, was die Massenmörder in Berlin vorhaben. Immer das gleiche alte Thema, die Fassungslosigkeit der Verfolgten angesichts der Verfolger. Großmama drängt ihn resolut zur Emigration nach Amerika. Ihr Bruder, der als Reichsrichter Karriere bei den Nazis gemacht hat, will verhindern, dass sie ihrem Mann nach Amerika folgt. Doch dann gelingt es ihr schließlich doch ein Schiff zu besteigen und mit ihrer Tochter nach Amerika zu entfliehen. Es folgt die Geschichte der Assimilation in Amerika. Die Tochter wird Leichenbeschauerin in New York, heiratet drei Mal nacheinander einen Juden. Der Vater verdrängt seine Herkunft, verdrängt seine ermordete Familie, will seinen einzigen Bruder nicht sehen, sagt, ich habe einen amerikanischen rhetorischen Freund, ich brauche keinen Bruder. Dieses Verdrängen hat sich fortgesetzt in der Tochter und der Enkeltochter, die Reisen macht, sich Todesdrohungen aussetzt, weil sie in Wahrheit eigentlich selber erst leben kann, nachdem sie überlebt hat.
Die Haushälterin Liesel, die der Familie überall hin folgt, ist eigentlich die großartigste Figur in dem ganzen Buch. Es sind übrigens ganz starke Frauen und ganz schwache Männer. Wobei Großmama voller Vorurteile gegenüber den Nazis ist, voller Aversion gegenüber Sex. Sie ist eine hochnäsige, blasierte, dünkelhafte Person, aber doch auch sehr authentische Person, die bei aller Verzweiflung und Trauer nach links und rechts austeilen kann, dass einem die Luft wegbleibt. Sie ist aber trotz allem auch recht amüsant und komisch. Bemerkenswert wie der Autorin die Gradwanderung gelingt, denn dieses Amüsement findet ja schließlich vor dem Hintergrund von Auschwitz statt.
Das Buch ist ein Doppelporträt von Zeit und Frau, das uns einerseits den Nationalsozialismus facettenreich zeigt, andererseits zeigt wie all dies von Großmama verarbeitet wird.
Das Buch ist so unglaublich rasant geschrieben, wobei sicher der erste Teil, der unter der unmittelbaren Bedrohung geschrieben ist, der stärkste ist. Die Autorin lebt von einer Stofffülle die frappierend und faszinierend ist, und obwohl es ja vornehmlich um Trauer und Verzweiflung geht, wird dies bewusst recht bedeckt unter der Decke gehalten.
Ein grandioses Buch, weil es eine maliziös einfühlsame Liebeserklärung der Autorin sowohl an ihre Mutter wie auch an ihre Großmutter ist. Große Literatur, unverständlich für mich, dass die Kritik nicht ganz so lobenswert mit dem Buch umgegangen ist.
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am 24. August 2006
Was auch immer sich der Leser unter dem Titel "Großmama packt aus" vorstellen mag -- die Lektüre wird ihn doch überraschen! Denn Irene Dische ist ein ganz ungewöhnlicher autobiographischer Bericht gelungen, in dem sie ihre Großmutter literarisch wieder auferstehen lässt und die Familiengeschichte aus ihrer Sicht erzählt.

Diese Großmutter, aus dem rheinischen Niederadel stammend, hatte stets ihren eigenen Kopf! Sie schert sich nicht um gesellschaftliche Konventionen und heiratet ihre große Liebe, den jüdischen, ihr zuliebe konvertierten Chirurgen Carl Rother und folgt ihm in die schlesische Provinz. Dort freilich führt sie ihr distinguiertes Leben weiter, bis die Nazis ihrem Mann so zusetzen, das er schließlich in die Staaten auswandert. Sie selber folgt nach dem Abitur ihrer Tochter Renate und es gelingt der Familie, wieder eine neue Existenz aufzubauen. Renate hat den Dickschädel ihrer Mutter geerbt, heiratet ebenfalls unstandesgemäß und bekommt ihrerseits zwei Kinder, eines davon ist Irene. Die steht ihren weiblichen Vorfahren in Eigensinn nichts nach und macht es damit ihrer noch immer urkatholischen und preußisch korrekten Großmama schwer!

Irene Dische hat in diesem Buch sehr gut die Mentalität der heutigen Urgroßmutter-Generation, die das ganze zwanzigste Jahrhundert durchlebt und durchlitten hat, eingefangen. Sie paart Mutterwitz mit einem ganz eigenen Pragmatismus, der Durchhaltewillen und die Eigenschaft, aus nichts etwas zu machen verbindet. Getreu der Devise "Geheult wird, wenn der Kopf ab ist" geht die Oma in jeder Beziehung beherzt und wenig zimperlich mit den großen und kleinen Schwierigkeiten des Lebens um. Manchmal bleibt das Lachen wirklich im Halse stecken und doch ist diese Elisabeth Rother so eine starke literarische Figur, dass man sie beim Lesen nicht nur vor Augen hat sondern auch so schnell nicht vergessen wird!
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am 18. November 2005
Irene Dische Großmama packt aus Hoffmann & Campe
ISBN 3455014585
Irene Dische hat eine rasante und blitzgescheite Autobiographie über ihre Familie geschrieben.
Daß das Buch so unterhaltsam ist, verdankt der LeserIn einem Trick: in Gestalt der Großmutter von Irene Dische erscheint die Erzählung voller kritischer Brisanz, eigenbrötlerischer Distanz, mit der die Großmutter diese sehr skurrile jüdische Familie betrachtet, die in New York während der Hitlerzeit Unterkunft und Auskommen gefunden hat.
Daß die Nörgelei an der Tochter, auch dem eigenen eigensinnigen Ehemann, dem Schwiegersohn und den Enkelkindern, die ihr allesamt nicht geheuer sind, so unverhohlen zum Ausdruck kommt, macht die Geschichte einer Familie ehrlich und trotz aller Widrigkeiten ungemein sympathisch. Da wird wirklich rein gar nichts unter den Tisch gekehrt: die Tochter Renate, die mit einem nicht genehmen Schwiegersohn erscheint, die Enkelkinder, die nicht nur hässlich und absonderlich in ihren Eigenarten sind; Carl z. B. der mit fünf Jahren schon Dante liest und Irene, die außer Rand und Band und nur schwer zu erziehen ist,--das alles wird unverblümt, belustigt und von einem fast schwarzen Humor getragen erzählt.
Irene Dische hat sich dabei nicht ausgenommen: ein Wunder an Ehrlichkeit über das eigene Herkommen, das gerade darum so interessant und außerhalb der allgemeinen Norm erscheint.
Ein wirklich unterhaltsames und lesenswertes Buch im Stil der weit verbreiteten und wunderbaren jüdischen Erzählkunst.
Cl.B.
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am 7. Oktober 2007
Es ist ein großartig unterhaltender Roman, den Irene Dische unter dem Titel ,Großmama packt aus' hier vorstellt. Der Titel ist Programm. Was kann eine Großmutter nicht alles aus dem Nähkästchen plaudern über dunkle Familiengeheimnisse, Großvaters kleine Leidenschaften und der grenzenlosen Disziplinlosigkeit des Enkelkindes, das übrigens Irene Dische heißt, im Roman aber nur eine Nebenrolle einnimmt!
In einem drei Generationen überspannenden Roman erzählt die Großmutter frei von der Schnauze weg die Geschichte ihrer Familie. Es ist eine Familienchronik in dunklen Zeiten, aber mit Heiterkeit und Altfrauenweisheit erzählt. Es ist die Geschichte eines verschwundenen Europas, mit all seinen verstockten und liebenswerten Formen, all seinen Vorurteilen und seinem Gräuel, aber auch die Geschichte eines so vollkommen anderen und dabei so ähnlichen Amerikas. Es ist eine Familiengeschichte aus dem 20. Jahrhundert.
Sie beginnt in Deutschland zur Zeit des Nationalsozialismus. Die erzählende Großmutter, eine geborene Gierlich aus streng katholischem Hause, gutes gehobenes Bürgertum, ist mit dem Chirurgen Carl Rother, einem Juden, verheiratet. Mit latenter Ironie und Witz erzählt Großmama von den schrecklichen Jahren im Nazideutschland in einem großbürgerlichen Ton, der sich die althergebrachte Opferhaltung verbittet. Die Familie reist letztendlich mit ihrer einzigen Tochter Renate nach Amerika aus. Dort beginnt ein neues Leben, das weiterhin in der oberen Gesellschaftsschicht angesiedelt ist. Renate lernt den schrecklichen Dische kennen, heiratet ihn und zeugt mit ihm die völlig verzogene Enkeltochter Irene. Deren Geschichte wird bis in die 80er Jahre erzählt, wobei die wilden Zeiten der 60er-Revolte besonders lesenswert sind, beschreiben sie doch aus der Perspektive der Oma eine an den Wahnsinn grenzende Entgrenzung, in der alle Werte, die Familie, Tradition und Kultur ausmachen, aufgehoben scheinen.
Es ist eine vollkommen tragische Geschichte, die aber an Komik kaum zu überbieten ist. Es ist die ganz normale Familienkatastrophe, zu der die historischen Verwerfungen nur die Hintergrundsmusik spielen. Ein überaus lesenswerter Genuss.

Thomas Reuter
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am 26. Januar 2007
Der eigentliche Aufhänger für das Buch ist das die Enkeltochter die Familienjuwelen verkauft und Großmama Dische sich so darüber aufregt das sie anhand der Familiengeschichte versucht aufzuzeigen warum die Tat so unmöglich war . Dafür muss sie sehr weit zurück gehen.

Die Familiengeschichte geht über mehrere Jahrzehnte von der Vor bzw Nachkriegszeit über die Hippie Zeit bis hin zu den späten 80ern.

Der Erzählstil ist humorvoll .

Sie springt schonmal gerne zeitlich hin und her ,besonders am anfang des Buches , oder vertröstet mit dem Satz : Davon später mehr.

Dadurch hat man das Gefühl ihr gegenüber zu sitzen und sie plaudert munter drauf los.

Wie das nunmal bei Großmüttern so ist, manchmal möchte man sie schütteln und dann auch wieder herzen.

Vorallem bei ihren Erziehungsmethoden hätte ich sie manchmal gerne angebrüllt : sowas tut man doch nicht .

Einsicht zeigt sie recht wenig aber gerade das macht ihren Charme aus .

Das Buch hat mich noch nachdem ich es aus hatte sehr beschäftigt,ich musste daran denken wie an einen Verwandten den man erst kürzlich besucht hat, und dafür muss es einfach 5 Sterne geben.
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am 10. Mai 2007
Wiedereinmal stand ich vor dem riesigen Bücherregal im Buchladen, als mir Irene Disches "Großmama packt aus" ins Auge fiel! Ich begann sofort ein paar Zeilen von der ersten Seite zu lesen und konnte mir ein Schmunzeln nicht verkneifen... eines war klar: Dieses Buch muß ich lesen! Gesagt getan...

Zunächst bin ich von einem eher kurzweiligen Vergnügen, bei einer Seitenanzahl von 268 Seiten, ausgegangen! Die ersten Seiten lassen sich perfekt lesen und man gerät mehrere Male ins Lachen, da die Art und Weise, wie Irene Dische ihre Großmama erzählen lässt, einfach herzallerliebst ist... Fast jeder kennt doch diese alten Herrschaften, die in ihrer ganz eigenen Erzählweise von "früher" erzählen! Ja es ist richtig, diese Geschichte ist zum einen tieftragisch, zum anderen hochkomisch. Dennoch, irgendwann entfaltete sich bei mir eine Art Langeweile, da die Geschichte ab ungefähr der Hälfte eine Monotomie annimmt, die mehr oder weniger an eine Aneinanderreihung von verschiedenen Begebenheiten erinnert und so kam es, dass ich Schwierigkeiten hatte, dieses Buch zu Ende zu lesen... Am Ende angekommen, stehe ich nun immer noch in einem Konflikt mit mir selbst, da mich das Buch einerseits amüsiert, andererseits gelangweilt hat! Da ich diesen Konflikt wohl vorerst nicht lösen kann, verbleibe ich mit 3 Sternen!
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am 4. Juni 2007
... angesichts dieses unglaublich lebendigen und bunten Familienpanoramas, das Autorin Irene Dische da ausgebreitet hat. Die abenteuerlichen Geschichten mit denen Irenes Großmama ihr Leben und das ihrer Tochter erzählt, spielen anfangs in den schrecklichsten Zeiten des vorigen Jahrhunderts, und später in Amerika. Sie sind persönlich eingefärbt und zeigen nicht nur den Charakter der Großmutter sondern auch den der Menschen, mit denen Sie im Laufe ihres langen und turbulenten Lebens zu tun hat. Diese Großmama war mir übrigens zunächst herzlich unsympathisch mit ihrem Materialismus und Familiendünkel; doch im Laufe des Romans wuchs sie mir ans Herz, denn sie ist mutig und ihre so persönlich eingefärbte und zunächst etwas enge Weltsicht entwickelt sich in Richtung Toleranz und Herzlichkeit.

Der Roman ist grandios geschrieben: intelligent, überraschend und gespickt mit schwarzem Humor. Er ist ein Leckerbissen für die Liebhaber von präzisen psychologisch genau erfaßten Detailbeschreibungen. Ein Schatzkästchen voll von bilderreichen Miniaturen in denen die kleinen und größeren menschlichen Schwächen aufs Korn genommen werden, aber fest zusammengehalten durch große Gedankenbögen, historischen Überblick und durchdrungen von unauffällig eingebauter Lebensweisheit. Ein großartiges Meisterwerk, das Querdenker erfreut und zugleich etwas für den Leserausch ist. Ein Buch für die beste Freundin, die Schwiegermutter und ganz besonders für die Großmama.

Ich fand den Roman so packend, daß zuhause erstmal die ganze Hausarbeit liegen blieb. Zum Glück war der Pfingsmontag ja sowas von verregnet; denn auch der schönste Sonnenschein hätte mich nicht von der Lektüre weggelockt. Zwischendurch mußte ich immer wieder auflachen und dabei hat dieses Buch Tiefgang und behandelt essentielle menschliche Probleme, die jeder Familie bekannt sind. Ganz besonders schön finde ich, daß in diesem Roman endlich einmal eine begründete positive Einstellung zum Älterwerden vermittelt wird. Großmama hat nämlich mit siebzig Jahren wieder genau soviel Spaß am Leben wie mit Zwanzig und genau darum ist das Buch ein wunderbares Geschenk zum siebzigsten Geburtstag. Ja, ich beneide sie, diese siebzigjährige Großmama. Wieso das so ist, das müssen Sie selbst nachlesen. Ich beneide übrigens auch Sie, weil Sie dieses herrliche Buch noch vor sich haben...
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am 29. Januar 2007
So richtig zum Reinfühlen und Erwarten, was da so alles aus Omas Nähkästchen quillt. Dabei kommt Oma schon mal vom Hundersten ins Einfache, vom Tausendsten ins Eingemachte. Schade nur, dass man Oma nicht mal in den Arm dabei nehmen kann, wenn es einen besonders anspringt, das Getan und Gesagte.

Frau Dische ist ein tolles Buch gelungen. Vom Stil her gut und selbstironisch. Sollten doch mehr Menschen aus dem Vergangenen so leichtfüßig plaudern und Verlage bereit sein dies zu veröffentlichen, ohne eine Schublade dazu zu haben. Es liegt dann auch gewiß auf dem Bestsellertisch und muss nicht einsortiert werden.

Ein kleines Minus ist die Oma aus dem Himmel, aber deren Ableben vergißt man, wenn man schon mal am Aufräumen der zu vollen Schubladen ist.
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am 30. Mai 2006
Herrlich hochmütig und hochherrschaftlich

... Zar Alexander war nämlich so dankbar, dass er meiner Großmutter eine ganze Schatulle mit Onyx- und Brillantschmuck schenkte. Große Stücke, die man wirklich als Familienjuwelen" bezeichnen kann. Das Wort - Juwelen - mag ich zwar nicht besonders, wegen der ersten Silbe."

Hannelore Hoger liest nicht Großmama packt aus", sondern sie IST Oma Elisabeth Rother, die Ich-Erzählerin in Irene Disches Roman. Sie kann ihre Herkunft, dem so genannten rheinischen Hochadel, nicht verleugnen. Hochherrschaftlich wächst sie auf, behütet im Schoss der Familie, umhegt von zahlreichen dienstbaren Geistern, die katholische Kirche Stütze und zweite Heimat. Doch dann der Eklat: während des Ersten Weltkrieges leistet Elisabeth ihren vaterländischen Dienst im heimatlichen Lazarett. Während einer Beinamputation assistiert sie Carl. Und als dieser das amputierte Glied fein säuberlich neben den Patienten und seine Gesichtsmaske abgelegt hat, bemerkt dieser Irene zum ersten Mal. Er wirbt hartnäckig um sie und sie gibt seinem Drängen schließlich nach. Doch als sie ihrer Familie die frohe Kunde überbringt, schlägt ihr eisiges Schweigen entgegen - denn Carl ist Jude. Doch obwohl er zum katholischen Glauben konvertiert, bleibt diese Ehe eine Schmach in den Augen der Familie.

Jeder, der schon einmal das Vergnügen hatte, einem Kränzchen betagter Damen im ortsansässigen stilvollen Café, freiwillig oder unfreiwillig, zu lauschen, wird mühelos sowohl den Erzähl- als auch den Sprachduktus wieder erkennen. Man lässt das Leben Revue passieren, widerspricht sich in Details, pflichtet bei oder weist weit von sich und dies alles im festen Brustton der Überzeugung. Die abwesenden Männer, Kinder, Schwiegertöchter kommen nur in den seltensten Fällen gut weg und im Gegensatz zum landläufigen Bild ist auch nichts von Prüderie zu spüren.

Reduzieren sie nun dieses Kränzchen auf eine monologisierende Matriarchin, die neben ihrer Meinung keine andere zulässt, und sie können sich eine ungefähre Vorstellung davon machen, was sie erwartet. Genug erlebt für drei hat ja nun Oma auch. Antisemitismus und Judenverfolgung - Flucht ins Exil - Integration in der Fremde. Geschichte reiht sich an Geschichte, wird kommentiert und beurteilt oder mit einem aber davon später" vertagt. Hinter dem Offensichtlichen versteckt sind zahllose ironische Seitenhiebe, der typisch rheinländisch-trockene Mutterwitz, die respektlose Sicht auf Tabu-Themen und generell der Trend zu politisch-unkorrekten Darstellungen. So spricht Großmama von der afroamerikanischen Bevölkerung als Darkies und bemängelt, dass die Gegend, in welcher ihre Tochter lebt, jüdisch sei. Im Brustton der rechten Überzeugung verurteilt sie sie dafür, dass sie nach dem katholischen Religionsunterricht der Enkelin erstmal, sozusagen als Ausgleich, beim Metzger im Viertel koschere Hotdogs essen geht.

Mühelos bringt Hannelore Hoger dem Hörer all diese Facetten zu Gehör. Mal säuselt sie wie ein Täubchen oder unschuldig wie ein Lämmlein nur um im nächsten Augenblick in Entrüstung und Ärger umzuschlagen. Dann wieder abschätzig-abfällig oder gewollt-ungewollt witzig und ironisch. Keine Nuance des Textes ist der Sprecherin verborgen geblieben und man merkt ihr förmlich die Freude an, dem Hörer all dies zu Gehör zu bringen und den ohnehin schon extrem unterhaltsamen Text als Hörbuch noch einen Tick amüsanter, rasanter, intensiver und kurzweiliger zu machen.
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