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Turlupin ist ein historischer Roman, der in Paris im Jahre 1642 spielt. Kardinal Richelieu plant einen Aufstand gegen den Adel. Doch seine Pläne werden von dem Perückenmacher Trancrède Turlupin durchkreuzt. Der Roman handelt davon, wie dieser sich Zugang zum Adel verschafft und einen Aufstand verhindert.

Auf einer zweiten Ebene beschreibt der Roman das Leben von Turlupin, einem einfältigen Findelkind, der sich, nachdem er aus einem brennenden Haus gerettet wurde, zu großen Dingen berufen fühlt. Er ist ein Träumer, zudem introvertiert und fatalistisch. Sein irrationales Verhalten wird besonders deutlich, wenn er Bettlern begegnet.

Auf einer dritten Ebene geht es um die Macht des Zufalls. Dieser beeinflusst maßgeblich das Leben von Turlupin und auch den weiteren Verlauf der Geschichte. Es gibt zahlreiche zufällige Begegnungen, die weitreichende Konsequenzen haben. Insofern thematisiert der Roman die Frage, wie offen letztlich Geschichte ist. Hätten viele Entwicklungen, aufgrund kleiner Zufälle, nicht auch völlig anders verlaufen können?

Auf einer vierten Ebene behandelt Leo Perutz ein Thema, welches auch schon in "Der schwedische Reiter" eine zentrale Bedeutung hatte, nämlich Identität. Diese hat gleich eine doppelte Bedeutung. Einerseits übernimmt Turlupin die Identität eines anderen Menschen und auf der anderen Seite hält er sich selbst für jemand anderen.

In der Summe konstruiert Perutz auf wenigen Seiten einen vielschichtigen und tiefsinnigen Roman, der sehr zu empfehlen ist. Das erste Kapitel, in dem der historische Hintergrund beschrieben wird, hat mich wegen der vielen Namen zunächst abgeschreckt. Es ist aber nicht mehr als ein Vorwort zur eigentlichen Geschichte, die im zweiten Kapitel beginnt.
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am 16. Februar 2007
Turlupin ist der Familienname eines französischen Perückenmachers (17. Jhd.), der - ähnlich wie Amélie Poulain (Film: "Die fabelhafte Welt der Amélie") - in einer ganz eigenen Welt lebt. Wie Jean-Baptiste Grenouille (Buch: "Das Parfüm") als Waisenkind aufgewachsen und in einem einfachen Handwerksberuf arbeitend fühlt sich Turlupin zu höherem berufen. Nach einem Zwischenfall mit einem Bettler (er haßt Bettler, gibt aber jedem ein Almosen, weil er angst hat, daß sie ihn sonst bei Gott verpetzen) gerät er versehentlich auf eine herzögliche Beerdigung und ist, als jemand ihm sein Medaillon mit seinem Bild stiehlt und die Herzoginwitwe ihn lange ansieht, plötzlich überzeugt davon, daß er der Sohn des gerade beerdigten Herzogs sein muß. Er fängt also an, die Herzogin (seine "Mutter") zu stalken. Da er auch sonst nicht ganz helle ist, fällt er dabei Helfershelfern Kardinal Richelieus in die Hände, die ihn benutzen wollen, um eine adlige Konspiration (die im Haus seiner "Mutter" stattfinden soll) zu unterwandern. Durch reines Glück übersteht Turlupin die Sitzungen der Adligen, zu denen er eingeschleust wurde, und stellt sich am Ende mit heldischer Gesinnung (und an der Seite seiner vermeintlichen Verwandten und deren Mitverschwörern) einem Mob von Pariser Bürgern, die von Richelieus Leuten angestachelt wurden, das Haus des Herzogs anzugreifen, da der Kardinal plant, den französischen Adel auszulöschen. Turlupin weiß zu keiner Zeit, was eigentlich los ist. Er reimt sich sein Weltbild aufgrund von für ihn bedeutungsvollen Zufällen zusammen - und stirbt schließlich in einem unfaßbaren Coup, der den französischen Adel rettet:

~~~~~SPOILER!!!~~~~~

In dem Mob, der das Haus des Herzogs angreift, erkennt Turlupin einen seiner Kunden aus seiner Zeit als Perückenmacher. Da er befürchtet, daß der Mann seiner neuen "Familie" erzählen könnte, mit welchen niederen Tätigkeiten der verlorene Sohn seinen Lebensunterhalt bislang verdient hat, springt Turlupin vor (während sowohl seine Seite, als auch der Mob noch auf ein Zeichen zum Angriff wartet) und tötet ihn, wobei er selbst lebensbedrohlich verwundet wird. Der Kunde ist allerdings der Rädelsführer des Mobs, Richelieus wichtigster Agent, und sobald er tot ist, zerstreut sich die Menge und der Adel kann aufatmen. Es bleiben noch 150 Jahre bis zur Französischen Revolution, die nach Perutz' Meinung durchaus auch schon 1642 hätte stattfinden können... hätte nicht ein Frisör unwillentlich Richelieus Pläne durchkreuzt. Spoiler 2: Am Ende stellt sich auch heraus, daß die Herzogin Turlupin bei der Beerdigung nicht angesehen hatte - sie ist lediglich blind und starrte in der Kirche blicklos in irgendeine Richtung (in der aber Turlupin zufällig stand).

~~~~~SPOILER ENDE~~~~~

Wie Grenouille wird Turlupin als nicht sonderlich attraktiv beschrieben - heldenhaft, durchsetzungsfähig oder clever ist er aber auch nicht. Was ihn bemerkenswert macht, sind seine abstrusen Ideen. Er stürzt von einem Fettnäpfchen ins nächste, versucht fieberhaft, mit widrigen Situationen und Menschen fertigzuwerden und erreicht damit eine nicht zu übertreffende Komik. Als unbeteiligter Leser kann man es uneingeschränkt genießen, wie Turlupin sich im Haus des Herzogs als angeblicher Provinzadliger durch seine Frechheit ein Duell bei Morgengrauen einhandelt und anschließend - aus Angst, weil er als Perückenmacher ja nicht fechten kann - versucht, mehrere der adligen Verschwörer dazu zu überreden, die Sache für ihn auszutragen. Er läuft durchs Haus und sät (auf äußerst durchschaubare und darum extrem lustige Art!) unter den teils schon ziemlich betrunkenen Herren von Stand Streit, damit ein anderer seinen Gegner umbringt, bevor er zum Duell antreten muß. Dieser Roman hat einfach historische Akkuratesse, Witz, gute Charaktere und einen ansprechenden Plot. Außerdem wartet er noch mit der äußerst interessanten Theorie der vorgezogenen Revolution auf. Wenn man sich - wie ich - am Ende vorstellt, was Kardinal Richelieu wohl für ein Gesicht zieht, wenn seine Spione ihm den Ausgang des Überfalls auf das herzögliche Haus berichten, wird man wahrscheinlich um ein "Oh mein Gooooooooooooooooooott!!!" und einen Lachkrampf nicht mehr herumkommen. Weiteres Plus: Wer einen irren Vorläufer von Amélie und Grenouille kennenlernen will, ist hier auch sehr gut beraten. Turlupin schlägt alles!
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TOP 500 REZENSENTam 5. April 2011
Geschwind über 167 Seiten führt uns dieser Roman in eine schon sehr zurückliegende Epoche: Im Jahr 1642 ist Louis XIII auf dem Thron von Frankreich, welches aber eigentlich unter der Hand immer noch von dem greisen Kanzler Richelieu beherrscht wird, der allgemein als Regent und mächtigster Mann im Staat gilt. Schon dem Ende entgegengehend, will der Fadenzieher noch eine große Tat vollbringen: Eine Revolution, die den Adel stürzen soll und das knapp 150 Jahre bevor es 1789 tatsächlich geschah. Nur eins steht dieser Sache im Weg: Das Schicksal in Gestalt des (Anti-)helden Turlupin, der unwissentlich zum Zünglein an der Waage wird.

Leo Perutz ist wahrlich das, was man einen zu Unrecht verkannten und vergessenen Schriftsteller nennt; er reiht sich ein neben Namen wie Robert Walser,Hans H. Jahnn und Arno Schmidt - alles zu Unrecht in Vergessenheit geratenen deutsche Schriftsteller, die ansonsten nicht viel verbinden mag.

Perutz ist ein Romancier par excellence, in jedem seiner Bücher findet sich eine eigene Dichte und ein ganz eigener Charme, auch wenn er ansonsten eine große Bandbreite an Themen vorlegt. Gekonnt gelingt es ihm, Historisches mit eigener Erfindungskunst zu verweben und "eine Konstruktion zu schaffen", die, so sein Herausgeber Hans-Harald Müller, "sich selbst trägt."

Lehnen sie sich also freudig zurück und genießen sie einen kleinen Roman der alle Kleinigkeiten aufbietet, die ein kurzweiliges Leseabenteuer braucht: Ein interessantes, historisches Panorama, ein unkomplizierter, heiterer Stil, ein eigenwilliger Protagonist und eine gute, lineare Geschichte.
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am 24. Juni 2013
"Vielleicht hat Gott nach Art der großen Herren sich einen guten Tag aus einem einfältigen Menschen gemacht", sagt einer der Protagonisten über die Hauptperson Turlupin (im früheren französischen Theater bedeutete der Name so etwas wie Hanswurst oder Narr). Kennzeichnend sind diesmal nicht - wie oft bei Perutz - mehrere mögliche Lesarten. Stattdessen 'liest' sich Turlupin selbst auf zwei verschiedene Weisen: einmal als den Barbier und Perückenmacher, der er ist; zum anderen als jemanden, der als 11jähriger aus einem brennenden Haus gerettet worden ist und als Findelkind möglicherweise von einer edleren Herkunft sein könnte. Darum "fühlte er die Gewißheit in sich, daß er zu großen Dingen ausersehen sei". Auch den Erzähler sehen wir in zwei Rollen: zuerst in der des Historikers und danach in der des Geschichtenerfinders. Es macht uns begreiflich, daß die französische Revolution schon 1642 statt 1789 hätte stattfinden können - hätte es nicht Turlupin gegeben, um dies zu verhindern. Dieser gerät - verkleidet in der von ihm erträumten Rolle als Edelmann - in eine Gruppe von königstreuen Adeligen und ist entsetzt, dass sie einen Anschlag auf den Kardinal Richelieu planen. Er möchte als einfacher Perückenmacher lieber mit einem Dienstmädchen durchbrennen als sich daran zu beteiligen - ein plötzlicher Perspektivenwechsel jedoch überzeugt ihn eine Minute später auf wundersame Weise davon, dass er als der erstgeborene Sohn eines Herzogs sich seiner Rolle als Edelmann würdig erweisen muss. Das geplante Massaker am Adel Frankreichs verhindert er, indem er sich in tollkühner Weise auf den Anführer der Aufrührer (aus dem Umkreis Richelieus) stürzt und ihn ermordet. Eine "Heldentat" allerdings aus den niedrigsten Beweggründen: Er hat Angst, dass seine Identität als Barbier offenbart wird ...
Von größter Komik sind ohnehin immer wieder die Motive für die Handlungen Turlupins. Perutz zeigt uns, dass der Mensch einfach aus seinem Bedürfnis heraus seine Geschichte wie auch seine Welt völlig einseitig interpretiert, weil er für sein Selbstwertgefühl Illusionen benötigt. Überhaupt bringt den "Helden" insbesondere sein Auftreten als Edelmann in die peinlichsten Situationen - er ist in dieser Rolle hoffnungslos überfordert. Die illusionäre Welt des Menschen zeigt sich hier in all seiner grotesken Komik - denn Turlupin sind wir alle! - Ein sehr witziges Buch, in dem Perutz nicht nur die Entstehung von Heldenverehrung und die Motive sogenannter Helden, sondern auch die Geschichtsschreibung als solche ironisiert - die Geschichte seiner Glorie entkleidet.
Wie immer sprachlich auf allerhöchstem Niveau, gibt es in den neueren Ausgaben wieder ein gutes Nachwort von Hans-Harald Müller. - Die Wirkung dieses 1924 erschienenen kürzesten Romans von Perutz beruht z. T. auf einer überraschenden Pointe, die am Ende des vorletzten Kapitels Licht auf einige der vorherigen Szenen wirft. Spannend bei der ersten oder zweiten (falls man die Pointe inzwischen wieder vergessen hat) Lektüre, - aber wie das bei überraschenden Schlüssen oft ist - bei öfterem Lesen nutzt sich die Spannung ab. Es ist also nicht zum häufigen Lesen zu empfehlen, obwohl die besondere Komik dieses Werkes erhalten bleibt.
Bei der Auswahl der Edition der Perutz'schen Werke empfiehlt sich äußerste Vorsicht. Ausgaben bis zu den 80'er- (oder bei Taschenbüchern bis zu den 90'er-) Jahren entsprechen oft nicht den Erstausgaben! Spätere dtv-Ausgaben dagegen können ein stark gekürztes Nachwort haben (im Vergleich zu den neuen Zsolnay-Editionen der 80'er und 90'er)!
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am 22. Dezember 2004
Dieses Buch gehört sicher zu den phantasievollsten und aufregendsten history-fiction Werken, die jemals in diesem Land geschrieben wurden. Leo Perutz verfügt über eine brillante Art, Mikro- und Makrokosmos der Geschichte virtuos ineinander zu verflechten, um den Leser bis zum Schluss in seine Welt zu verhaften. Die wesentlichen Kennzeichen seines Stils sind Spannung, Witz, Satire und elegante Groteske. Das Bild der französischen Adelsgesellschaft im 17. Jahrhundert ist am Ende eine Skizze jeder Gesellschaftsform. Und vor allem: Große Geschichte hängt oftmals an kleinen Zufälligkeiten privater Schicksale.
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am 14. Februar 2003
Die Geschichten von Leo Perutz sind einfach wunderbar; ein Meisterstück ist auch diese; mit noch dazu sehr interessantem historischen kontext.
Wie immer spielt der Zufall eine große Rolle; wie auch bei seinem bekanntesten Werk "Wohin rollst du Äpfelchen" bleibt die Handlung bis zuletzt offen, und daher spannend; der Leser kann sich immer gut in die Welt des Schriftstellers einfühlen, da
auch das reale Leben immer von kleinen Zufällen bestimmt wird.
Meine empfehlung zu diesem Buch und zu Leo Perutz generell lautet: lesen, lesen, lesen.
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VINE-PRODUKTTESTERam 4. November 2007
Turlupin ist ein Perückenmacher, der im Paris 1642, zur Zeit von Kardinal Richelieu lebt. Turlupin hat sein Auskommen in der Barbierstube der Witwe Sabot und eigentlich ein angenehmes Leben. Jedoch ist ihm sein Vater nicht bekannt und er pflegt einige eigenwillige Marotten, so gibt er z. B. jedem Bettler ein Almosen. Eines Tages jedoch geht Turlupin wegen eines Missverständnisses zu der Beerdigung des Herzogs von Lavan und meint in der Herzogin seine Mutter zu erkennen. Kurz entschlossen lässt er sein kleines Glück zurück, da er sich zu Höherem berufen fühlt und macht sich zum Schloß der Lavans auf. Dort wird er zuerst mit Schlägen abgewiesen, jedoch macht er die Bekanntschaft einer zwielichtigen Gestalt, die ihn herrschaftlich herausputzt und einige Ratschläge für sein Auftreten im Schloß gibt. Als sich Turlupin in der Verkleidung eines Edelmannes wieder zum Schloß begibt, wird er dort mit offenen Armen empfangen.

Mit seinen 180 Seiten bietet das Buch eine humorvolle, kurzweilige Unterhaltung mit viel Wortwitz und hat mir überraschend gut gefallen. Turlupin der Protagonist, ist ein Narr der durch sein idiotisches Verhalten am Ende eine Heldentat vollbringt. Die Rezension von 1925 und das Nachwort (Insgesamt 24 Seiten) kann man sich sparen, da sie heutzutage nur noch langatmig und langweilig sind.
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