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am 14. Januar 2007
Auch wenn er nicht so bekannt ist wie andere Romane von Leo Perutz -- "Der Marques de Bolibar" ist ein Perutz reinsten Wassers: Ein phantastischer Roman im Gewand eines historischen Romans -- oder umgekehrt: Ein historischer Roman, der virtuos mit dem Phantastischen spielt. Und wie alle Romane Perutz' ist "Der Marques de Bolibar" auch ganz einfach meisterhaft geschrieben und spannend zu lesen.

Der Erzähler von "Der Marques de Bolibar" ist ein Veteran aus Napoleons Spanien-Feldzügen: der nassauische Rittergutsbesitzer Eduard von Jochberg, dessen Aufzeichnungen aus jenen Feldzügen nach seinem Tod entdeckt werden. Es geht um das Schicksal des "Regiments Nassau", das unter nie geklärten Umständen während der Belagerung der asturischen Stadt La Bisbal nahezu vollständig aufgerieben worden war.

Jochbergs Erinnerungen beginnen mit dem Kampf gegen spanische Rebellen 1812; soeben hat sein Regiment einen Guerilla-Trupp unter der Führung des berüchtigten "Gerberbottich" besiegt und La Bisbal eingenommen; dass der "Gerberbottich" entkommen ist, scheint nur ein Schönheitsfehler.
Nun kann aber ein schwerverletzter Soldat belauschen, dass der Marques de Bolibar, ein hochangesehener Edelmann aus La Bisbal, einen außergewöhnlich klugen Plan ersonnen hat, wie die Rebellen die Stadt wieder einnehmen können: Er wird sich in zahllosen Verkleidungen unerkannt in der Stadt aufhalten und dort alles für deren Rückeroberung vorbereiten; drei Zeichen wird er den Rebellen geben, die daraufhin genau geplante Aktionen durchführen sollen.
Doch durch Zufall wird Bolibar doch entdeckt und hingerichtet. Das Regiment "Nassau" fühlt sich nun unbezwingbar und nimmt Bolibars "Vermächtnis" an sie nicht ernst; er prophezeit nämlich, dass die Besatzer an seiner Stelle im haargenau richtigen Moment die verabredeten Zeichen geben werden.
Das Verhängnis nimmt seinen Lauf, Bolibars Prophezeiungen erfüllen sich -- ob nun infolge eines Eifersuchtsdramas mehrerer deutscher Offiziere untereinander oder wegen deren Neid auf ihren Obersten und dessen schöne Geliebte, oder infolge des Auftauchens des Rittmeisters Salignac -- einem unheimlichen Gast, der schon überall gewesen zu sein scheint, der seinen Gefährten den Tod bringt und auf dessen Stirn ein Kainsmal zu erkennen ist -- wenn es denn erkannt wird.
In einer apokalyptisch anmutenden Schlacht um die Stadt La Bisbal entscheidet sich schließlich das Schicksal des Regiments, und nur Jochberg entkommt knapp dem Tod.

Leo Perutz erzählt diesen Abenteuerroman wie so oft perspektivisch gebrochen: Die Erinnerungen eines wunderlichen alten Mannes an außergewöhnliche Ereignisse seiner Jugend werden von einem Unbekannten ediert, sodass bereits der Aufbau dieses Romans wie ein besonders raffiniert geschliffener Vexierspiegel wirkt. Schließlich existieren keine historischen Quellen, mit denen Jochbergs Aufzeichnungen abgeglichen werden können.

"Der Marques de Bolibar" fasziniert aber nicht nur durch eine abenteuerliche Geschichte, nicht nur durch seinen raffinierten Aufbau, sondern auch von Perutz' meisterhafter Sprache. Er fängt hier das Lokalkolorit ein, lässt die mehr oder weniger nassforschen Soldaten in ihrem charakteristischen Sprachduktus plastisch vor des Lesers Augen erstehen, fügt viele detailreiche Genrebilder zu einem faszinierenden großen Ganzen zusammen, flicht historische Berichte und alte Mythen unlösbar ineinander, und lässt einen Leser zurück, der sich wieder einmal fragen muss, was denn nun die Wahrheit sein mag -- so es sie gibt: Ist das Plausible wirklich plausibel, und ein Eifersuchtsdrama löste die Katastrophe aus? Wieso geben die fünf Offiziere, die doch die Bedeutung von Bolibars Zeichen genau kennen, dennoch die verabredeten Signale an die Rebellen? Ist der Rittmeister Salignac der "ewige Jude" Ahasver, oder ist seine Biographie nur eine Verkettung unglücklicher Umstände? Und schließlich: War der hingerichtete Marques de Bolibar wirklich der Marques de Bolibar?

"Der Marques de Bolibar" ist eines von Leo Perutz' zahlreichen Meisterwerken, die nach seiner Ächtung durch die Nationalsozialisten und seiner Emigration nach Palästina lange Zeit zu Unrecht vergessen waren. Hier ist ein wortgewaltiger Großmeister der Literatur zu entdecken und zu genießen.
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am 24. Juni 2013
Dieser Roman entstand in der Zeit vor und nach dem Ende des I. Weltkrieges und erschien (nach Vorabdruck in Zeitungen) 1920 als Buch. Direkt nach dem Krieg hat Perutz sich publizistisch auch mit den Kriegsverbrechen des österreichischen Militärs befasst. Er lässt seine Hauptfigur den Kommentar zum beendeten Krieg abgeben: "Ich verachte den Krieg, der uns zwingt, immer das Schlechte zu tun. Und ein armer Bauernknecht, der in Einfalt seinen Acker pflügt, hat mehr Ruhm als die Feldherren und Generäle [...] Denn er dient mit seinen armen Händen der Erde, die wir anderen alle in diesem Krieg verdorben und geschändet haben." Im Roman wird der Spanienfeldzug Napoleons von 1812 geschildert, dem sich ein Regiment der Rheinbundtruppen angeschlossen hat. Dem Gegner, den spanischen Guerillas, dient der Marques, der einen dreistufigen Plan entwirft, um das mit den Franzosen verbündete deutsche Regiment in der Stadt La Bisbal vernichtend zu schlagen.
Bevor die Hauptfigur des Romans überraschend früh stirbt, versprechen ihm 5 deutsche Offiziere vor Gott, die von ihm noch zu verrichtende Arbeit in der Stadt zu erledigen. Zu diesem Zeitpunkt wissen sie noch nicht, dass sie mit dem Marques ihren Gegner vor sich haben und die Arbeit darin besteht, die 3 Signale zu den 3 Stufen des geplanten Aufruhrs zu geben. Und die Offiziere sorgen später wirklich dafür, dass die Signale gegeben werden - die Signale für den Untergang ihres eigenen Regimentes ...
Obwohl der Leser schon am Anfang vom späteren Untergang des Regimentes erfährt, bleibt der Roman sehr spannend. Geschichtliche Überlieferung wird hier von Perutz zu einem phantastischem Mythos verwoben. Warum sorgen die Deutschen für ihren eigenen Untergang? Weil göttliche Vorsehung eingreift (sie haben die Verrichtung der Arbeit des Marques im Angesicht Gottes versprochen)? Weil sie sich (vielleicht unbewusst) an ihr Wort als Offiziere gebunden fühlen? Oder einfach nur aus profanen Gründen? Die ersten beiden Signale werden nämlich gegeben, weil die Offiziere von übermäßiger sexueller Gier und Eifersucht beherrscht werden - und das dritte Signal wird dadurch ermöglicht, dass sie genau dies vertuschen wollen. - In einem Vorwort teilt uns ein fiktiver Herausgeber mit, dass die Vernichtung des Regimentes "mit vollem Bewußtsein, ja beinahe planmäßig herbeigeführt worden" ist. Es handelt sich wohl eher um einen Fall einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung: Die Offiziere können den Plan erfüllen, WEIL sie ihn kennen - bei den ersten beiden Signalen nutzen sie ihn als Mittel, um ihre extreme Eifersucht auszuleben, das dritte Signal ermöglichen sie fahrlässig, weil ihre Konzentration vom Kampf ihres Regimentes abgelenkt ist (sie sind mit der Vertuschung ihrer Obsessionen beschäftigt).
Der Leser wird sowohl mit einem unzuverlässigen Herausgeber (der das katalanische La Bisbal nach Asturien versetzt) als auch mit einem unzuverlässigen Erzähler konfontiert (einer der 5 Offiziere), der 1812 eine Arie der erfolgreichen Oper von 1835 eines 1801 geborenen Komponisten singen lässt. Perutz kann dies nicht übersehen haben. - Und wir erleben als Nebenfigur einen deutschen Offizier, dem ausgerechnet von einem der 5 Offiziere, die wirklich die Vernichtung des Regimentes mit herbeigeführt haben, vorgeworfen wird, die "Avantgarde der Vernichtung" zu sein und "Unheil und Verderben" zu bringen, wohin er kommt. Später wird er der "Ewige Jude" genannt (die Parallelen zum vor und nach 1920 populären antisemitischen Spruch "Die Juden sind unser Unglück" sind auffallend; die Parallelen zum Antisemitismus deutscher Offiziere 1920 auch - siehe unten zum Stichwort Hindenburg). Als das Verderben über die Deutschen kommt, ist der "Ewige Jude" aber gar nicht mehr anwesend. Der Erzähler (der selbst den Marques erschossen hat) überlebt, weil er für den toten Marques gehalten wird - und hält sich offenbar nun selbst dafür. Als Marques kann er sich nämlich als Sieger des Krieges fühlen, während er als profaner Mensch den Untergang der Deutschen durch seine Obsessionen und Nachlässigkeiten erst ermöglicht hat. Genau genommen erklärt sich hier einer, der durch seine Schuld die Niederlage mit verschuldet hat, zum Sieger. Genau zu der Zeit, als die ersten Fortsetzungen des Buches in der Zeitung erschienen, erklärte auch einer der Haupt-Verursacher der Niederlage im I. Weltkrieg, nämlich Hindenburg, sich nachträglich mithilfe der Formulierung der Dolchstoßlegende zum eigentlichen Sieger - die Schuld an der Niederlage wurde dem 'internationalen Judentum', das die kämpfende Truppe von hinten erdolcht habe, angelastet. Wie genau Perutz damit wieder das damalige Zeitkolorit getroffen hat, ist geradezu unheimlich.
Auf Seiten des Erzählers ist die von ihm dargebotene "Geschichte ein für das Leben der Menschen notwendiger Mythos" (Theodor Lessing), sozusagen eine "Geschichte als Sinngebung des Sinnlosen" (Titel eines sehr lesenswerten Buches von demselben Lessing, das ebenfalls im Kriege entstanden und 1919 erschienen ist). Der Verrat Einzelner aus profanen Gründen wird vom Erzähler zum Wirken eines Menschen über seinen Tod hinaus verklärt - in der Fiktion wird hier ein geschichtlich-phantastischer Mythos geboren.
Als einziger von Perutz' durchweg hervorragenden Romanen wurde dieser in Kindlers Literaturlexikon von 1974 besprochen. "Dieses und die anderen Bücher des Autors bewegen sich auf dem Niveau der gehobenen Unterhaltungsliteratur", hieß es. Hätte die "gehobene Unterhaltungsliteratur" immer das Niveau wie bei Perutz, könnte ich persönlich auf den Großteil der "ernsthaften" Literatur verzichten - aber das ist eine Frage des individuellen Geschmacks. Wie sagte Perutz' Vorbild Karl Kraus: "Man überschätzt das Publikum, wenn man glaubt, es nehme die Vorzüglichkeit der Darstellung übel. Es beachtet die Darstellung überhaupt nicht und nimmt getrost auch Wertvolles in Kauf, wenn nur der Gegenstand zufällig einem gemeinen Interesse entspricht."
Wie immer sprachlich auf allerhöchstem Niveau, ist der Roman sehr tiefschichtig und verlangt geradezu das wiederholte Lesen. Auch um die sehr vielfältigen Aspekte dieses Buches würdigen zu können, kommt dem Leser bei den neueren Zsolnay-Ausgaben wieder das kenntnisreiche Nachwort von Hans-Harald Müller (33 S., bei dtv möglicherweise deutlich weniger - jedenfalls so bei "Zwischen 9 und 9"!) sehr zu Hilfe!
Bei der Auswahl der Edition der Perutz'schen Werke empfiehlt sich äußerste Vorsicht. Ausgaben bis zu den 80'er- (oder bei Taschenbüchern bis zu den 90'er-) Jahren entsprechen oft nicht den Erstausgaben! Spätere dtv-Ausgaben dagegen können ein stark gekürztes Nachwort haben (im Vergleich zu den neuen Zsolnay-Editionen der 80'er und 90'er)!
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am 26. Dezember 2012
Ein Interessanter Roman, der neue Horizonte und Sichtweisen eröffnet und darstellt.Ein südmaerikanisches Leben dargestellt wie man es sich kaum vorstellen kann.
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