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Kundenrezensionen

4,6 von 5 Sternen
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4,6 von 5 Sternen
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350 km (Luftlinie) trennen Wien von München; ebenfalls 350 km (Luftlinie) Wien von Kosice (Kaschau). Und doch sind die 350 km nach Osten eine Reise in eine andere, fast allen von uns unbekannte Welt.
Karl-Markus Gauß hat diese Reise in den Osten mehrmals gemacht; in diesem Buch berichtet er von seinen Reisen.
Er stellt uns eine Welt vor, die man bei uns geflissentlich verdrängt: die Welt der Roma (früher abwertend "Zigeuner"). Mit dem Eintritt der Slowakei in die EU kommen (und kamen ab 1. Mai 2004) einige hunderttausend Roma in die EU.
Ein paar Eckdaten: Arbeitslosigkeit in vielen Roma-Ghettos in der Slowakei an die 100%; Alkoholmissbrauch; Schulbesuch der Kinder (wenn überhaupt): meist Sonderschule; Niedergang der traditionellen väterlichen Autorität......
Gauß beschreibt auch die Geschichtslosigkeit, in die diese Gruppe von Menschen in den letzten Jahren bzw. Jahrzehnten gefallen ist, nachdem die Berufe, von denen sie mehr schlecht als recht lebten, meist verschwunden sind.
"Hundeesser" sind die Bewohner von Svinia, dem schlimmsten Ghetto, schon lange nicht mehr - sofern es die Älteren von ihnen je überhaupt (aus rituellen Gründen) waren; der Ruf, es zu sein, reicht, um am untersten Ende der sozialen Skala in der Slowakei zu stehen.
Ein unendlich wichtiges, sehr oft trauriges, aber doch manche Hoffnung keimen lassendes, in geschliffenstem Deutsch geschriebenes Buch - gerade richtig zum 1. Mai 2004. Die EU wird sich jedenfalls zu diesem Problem mehr als bisher einfallen lassen müssen...
11 Kommentar| 34 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 5. März 2004
In einem kleinen Ort im Osten der Slowakei, hat Karl-Markus Gauß Menschen kennen gelernt, die wie aus Zeit und Raum gefallen scheinen. Wie Verstoßene leben sie in bitterer Armut. Ohne fließend Wasser und Elektrizität. Sie werden von Nachbarn missachtet, wie Luft behandelt. Der Herausgeber der Zeitschrift "Literatur und Kritik" liefert mit "Die Hundeesser von Svinia" mehr als eine packende Studie der Roma-Gemeinschaft, mehr als eine Reiselektüre. Nachdenken über Toleranz ist die mindeste Folge - auch bei denjenigen, die den aktuellen Ereignissen in der Ostslowakei sonst weniger politische Bedeutung beigemessen hätten...
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am 11. August 2016
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Hinweis:
Nach Lektüre von Bauerdicks
Zigeuner: Begegnungen mit einem ungeliebten Volk
verwende ich im folgenden Review statt ROMA den Begriff ZIGEUNER.
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Laut Google-Maps benötigt man von Wien fünf Autostunden nach Svinia.
Wien ist mir vertraut.
Doch Svinia wirkt total fremd und irritierend auf mich.

Fakten:
Die Slowakei hat etwa 5,5 Millionen Einwohner.
Davon gehören etwa 600.000 der ethnischen Gruppe der Zigeuner an.
Dieser Minderheit gehören also insgesamt etwa zehn Prozent der slowakischen Gesamtbevölkerung an.

Das vorliegende Buch von Karl-Markus Gauß hat den Charakter einer Reportage.
Gauß besucht verschiedene Zigeunerghettos in der Ostslowakei - und er berichtet, was er erlebt.
Gauß versucht zu erklären, wie es durch die jüngere Geschichte Osteuropas zu Ausgrenzung und Ghettoisierung der Zigeuner in der Slowakei kommen konnte.

Mein Hauptproblem mit Gauß:
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Gauß' Buch wirkt wie eine Reportage, ist aber dann eine politische Betrachtung.
Gauß klagt an.
Bei Gauß sind alle Zigeuner Opfer der Slowaken/der EU.
Bei Gauß sind alle Zigeuner harmlose, etwas apathische, aber sympathische Zeitgenossen.

Rolf Bauerdicks "Zigeuner - Begegnungen..." finde ich lesenswerter, lebendiger und fairer.
Während bei Gauß alle Zigeuner Opfer sind, löst Bauerdick das anders:
Bei Bauerdick gibt's
böse Menschen (Zigeuner; beispielsweise Zuhälter),
liebenswerte Menschen (Zigeuner),
witzige Menschen (Zigeuner),
kreative Menschen (Zigeuner),
apathische Menschen (Zigeuner),
Opfer (Zigeuner),
Täter (Zigeuner)
und ganz normale Leute (Zigeuner) - also eine Streuung wie in jeder anderen ethnischen Gruppe auch.

Zigeuner: Begegnungen mit einem ungeliebten Volk

Außerdem:
Gauß schweift in dem vorliegenden Kurzbericht zu oft ab und berichtet über das Schicksal der Ruthener und der Juden in der Ostslowakei, was bei dem geringen Umfang des Büchleins keinen Sinn ergibt.
Leider ist der Kern des Buchs - über die Zigeuner in Svinia - sehr kurz.
Man würde sich hier einen längeren Bericht wünschen.
Man merkt, dass Gauß eher akademisch wirkt:
Sein Schreibstil ist trocken.
Daher nur 3 Sterne für ein dennoch außergewöhnliches, kleines Buch.
XXX
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am 27. Juni 2010
Ein Buch von dem ich mir gewünscht hätte, dass es drei Mal so dick ist. Ich hätte noch Stunden weiterlesen können.
Es ist schwer zu realisieren, dass solche Dinge unweit von uns geschehen, aber Karl-Markus Gauß ruft es denen, die es bisher noch nicht wussten, nochmals ins Gedächtnis. Ich selbst habe schon ähnliche Zustände hautnah miterlebt und kann dadurch auch beurteilen, inwiefern die Ausführungen Gauß' realistisch sind oder nicht. Und sie sind es.
Das Buch ist ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Informieren, Aufsehen erregen und Menschen dazu bringen, sich damit auseinander zu setzen, sind die Wege, die es zu gehen gilt um solche Probleme in Zukunft hoffentlich nicht mehr kommentieren zu müssen.
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am 28. April 2009
Die Hundeesser von Svinia ... wie Menschen aus einer anderen Welt ... das wird uns irgendwann einholen, wenn sich in ein paar Jahren die Population der Zigeuner aufgrund der bestehenden Verhältnisse in den ehemaligen Ostblockstaaten allen voran Rumänien und Slowakei verdoppelt haben wird.
Als Nachfahre einer deutschen Familie, die wie so viele aus der Slowakei vertrieben wurde, hab ich mir die Dörfer meiner Vorfahren angesehen. Die durch Deutsche gegründeten Dörfer sind teilweise zu mehr als 90% von Zigeunern bewohnt. Das wurde nach dem Krieg von der kommunistischen Tschecheslowakei bewusst so beschlossen, um zum einen die Deutschen abzustrafen und zum anderen die Zigeuner aus den Städten in die Dörfer zu vertreiben.
Eines ist damals wie heute klar: bei den Slowaken sind die sogenannten Schwarzen mehr als unbeliebt.
Sie sind als Bettler, Diebe, Nichtsnutze verschrien. Man sieht ihnen äusserlich sofort an, dass sie nicht dazugehören.
Die Zigeuner, vor allem die Kinder, machen einen verarmten aber auch sehr fröhlichen Eindruck.
Das Buch ist für Interessierte eine absolute Empfehlung. Wer es kauft, hat sicher Interesse, die Menschen kennenzulernen. Zu finden sind die Zigeunerdörfer im Atlas oder google map entweder als "romska osada" (Zigeunerdorf) oder man sucht nach ehemals deutschen Dörfern in der Slowakei (google).
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am 18. Januar 2010
Dieses Sachbuch schildert eine bittere Wirklichkeit aber in einer so feinen und wohlformulierten Sprache dass man es wie eine spannende und facinierende Geschichte bis zum Ende weiter lesen muss. Der Autor drängt sich nicht auf, er führt uns als engagierten aber objektiven Beobachter mit Feingefühl in die Welt der Roma ein. Zwei Gedanken bleiben beim Leser: man möchte diese Welt weiter kennenlernen und Stellung nehmen können; und: Man möchte baldigst ein weiteres Buch dieses Autors lesen.
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am 30. Juli 2011
Mit bürgerlicher Distanz werden Eindrücke beschrieben von Reisen in die Ostslovakei und Gesprächen mit Slovaken, Roma und Hilfsorganisatoren, das ganze mit viel Sympathie für die Roma, nicht belehrend, ohne Lösungsansätze und nur ein klein wenig moralisierend. Wahrscheinlich erfährt man mehr über den Autor als über die Roma. Trotzdem ein kleines, leicht zu lesendes, informatives Buch, das sich wohltuend von der deutschen sarrazinistischen Diskussion über Minderheiten abhebt.
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TOP 50 REZENSENTam 4. August 2013
Inhalt und mein Eindruck:
Karl-Markus Gauß hat eine Reportage über slowakische Slums geschrieben, allen voran die Vorhölle Svinia, wo 700 Roma leben, die sogar von anderen Roma ausgegrenzt und verachtet werden, da sie als Hundeesser gelten.

Neben der Beschreibung der Zustände in den slowakischen Slums erzählt Gauß von der Geschichte der Roma von 1945 bis heute, von der Eingliederung in die tschechoslowakische Gesellschaft zu Zeiten des Sozialismus über reihenweise Sterilisierungen in den letzten Jahren vor Beendigung des Kalten Krieges bis zum EU-Beitritt der Slowakei und der Vertreibung der Roma aus ihren Häusern und ihrem bisherigen Leben.

Mir hat 'Die Hundeesser von Svinia' sehr gut gefallen, obgleich ich recht bestürzt war über die geschilderten Zustände. Begriffe wie Ghetto, Apartheid, Slums und bitterste Armut assoziiert man für gewöhnlich nicht mit dem Europa des späten 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts. Der Autor berichtet aber genau von diesen Missständen, die man in einem EU-Land nicht vermutet und die das Weltbild des Lesers demnach ein wenig gerade rücken.

Mein Resümee:
Eine beeindruckende und spannende Reportage.
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am 11. März 2012
L.-M. Gauß ist ein Chronist der Randgruppen. In diesem Buch sind es die Roma im Osten des EU Landes Slowakei. In Svinia leben die Ärmsten von ihnen. Sie müssen unter Bedingungen leben, die man sich hierzulande nicht vorstellen kann: Vertrieben, verstoßen, verachtet und ausgegrenzt.
Der Schriftsteller bietet keine Lösungen an, er ist nur Berichterstatter.
Mit viel Einfühlungsvermögen berichtet er über Kinder, die im Dreck hausen (müssen) und das Leben der Menschen ohne Zukunftsperspektive.
Mich hat das kleine Buch (ca. 120 Seiten) sehr berüht, und ich würde es jedem raten zu lesen, bevor er sich in eine Diskussion über "Zigeuner" begibt.
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am 24. Juni 2009
Karl Markus Gauß ist ein Reiseschriftsteller und Essayist, der nicht tausende Kilometer hinter sich legen muss, um etwas zum Erzählen zu haben. Er geht an die vergessenen Orte, die oftmals nur wenige Kilometer von den Stadtzentren entfernt liegen, und sucht die blinden Flecken auf: in diesem Fall ein Roma-Dorf.
Gut recherchiert, gut geschrieben. Gelungener Bericht.
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