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am 29. November 2008
Was sind eigentlich Manieren?

Warum stand Immanuel Kant noch als Todkranker auf, um seinen Arzt anständig zu empfangen?
Welche innere Haltung drückte die uralte, früher weit verbreitete Geste des Handkusses aus?
Warum sollen die kleinen Zwischenfälle des Lebens wie eine geplatzte Naht auf dezidierte Weise nicht wahrgenommen werden?

Dass die Frage nach dem Wesen der Manieren nicht ganz einfach zu beantworten ist, merkt der Leser zu seiner Verwunderung im Laufe der Lektüre.

Manieren haben heißt nach Asserate grundsätzlich, dass der Mensch sich von seinem angeborenen Verhalten durch Mäßigung und Glättung entfernen und einen Stil des zwischenmenschlichen Umgangs entwickeln soll, der ästhetisch als schön und moralisch als gut empfunden wird.

Manieren sind die äußere Repräsentation des jeweiligen Bildes vom idealen Menschen. Zu den Manieren gehören Sitten der Kleidung und der Sprache, Zeremonielle der Begrüßung, der Anreden, der Titel und vieles mehr. Dementsprechend ändern sich die Manieren in Abhängigkeit von den Epochen, den Nationen und den unmittelbar prägenden Institutionen.

In Europa die Manieren prägende Institutionen waren an erster Stelle die Familien, dann die Höfe des Adels, die römisch-katholische und die orthodoxe Kirche, der Jesuitenorden, das preußische Militär, die Universitäten Oxford und Cambridge und die diplomatischen Dienste.

Die gesellschaftliche Bedeutung der Manieren wechselt: Im vorindustriellen Zeitalter stellte der einzelne durch seine Manieren mehr dar als sich selbst. Er repräsentierte vielmehr in erster Linie seine Familie, seinen Stand, seinen König, sein Land, sein Geschlecht.

Heute sind die Stände abgeschafft, die Könige gestürzt, und in Deutschland herrscht eine klassenlose Gesellschaft ohne verbindliche Regeln.

Heute stellt der Einzelne durch Manieren (fast) nur noch sich selbst dar. Die Manieren sind Ausdruck seines Selbstanspruchs, seines Geschmacks, seines Respekts für andere, seiner Feinfühligkeit und seiner Vornehmheit des Herzens. Daher sind Manieren heute mehr denn je die Visitenkarte eines Menschen.

Die 37 Kapitel des Buches (380 Seiten) liefern glanzvolle Veranschaulichungen von Manieren aus der Geschichte, aus der Literatur und aus der eigenen Beobachtung. Der kulturhistorische Zusammenhang wird gleich mitgeliefert. Jedes Kapitel wurde zu einem in sich geschlossenen kleinen Kunstwerk gefertigt.

Ich habe mich zudem bei der Lektüre bestens unterhalten gefühlt, mich an der geschliffenen Sprache erfreut, und ich habe viel Wichtiges gelernt und Vergnügliches erfahren.

Der Stil dieses Buchs kann gut durch des Autors aus Afrika mitgebrachte Vorstellung von gesellschaftlicher Konversation in Europa charakterisiert werden: "..und nun sprachen sie, als ob sie sich goldene Kugeln zuwarfen, schnell sicher, immer exakt ...". Dies Buch ist wunderschön, leicht und formvollendet und zudem von großer Humanität getragen.

Kaum jemand wird dies Buch ohne inneren Gewinn und auch nicht ohne Schmunzeln aus der Hand legen.
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am 17. Mai 2007
Zur Zeit Friedrichs des Großen stritten sich zwei adlige Damen, welcher von ihnen bei Hofe der Vortritt gebühre. Die Randbemerkung des Alten Fritz, der sich ja um alles selbst kümmerte: Die größere Närrin gehe voran."

Den beiden Damen mangelte es vielleicht nicht an Standesdünkeln wohl aber an guten Manieren. Asfa-Wossen Asserate gibt in seinem Bestseller Manieren" eine ganz einfache Antwort auf die Frage der Rangfolge: Der Höhergestellte ist immer der andere. Denn gute Manieren haben laut Asserate weniger mit äußerer Etikette zu tun als vielmehr mit innerer Haltung. In einem Interview sagte er: Jemand, der alle Benimmregeln kennt, der aber keine Herzensbildung hat, ist für mich noch lange kein Mensch mit guten Manieren."

Gute Manieren, das sind für ihn eine Mischung aus Aufmerksamkeit und Nachlässigkeit. Die ganze Aufmerksamkeit müsse dem anderen gelten. Die eigene Person hingegen sei auf jeden Fall zu vernachlässigen. Außerdem sollen die Manieren beiläufig und ohne Angeberei daher kommen. Diese Mixtur aus Anmut und Demut saugten der Adel und die alten bürgerlichen Eliten quasi mit der Muttermilch auf.

Manieren lernen, das wollten traditionell immer nur die Aufsteiger. Prinz Asfa-Wossen bezweifelt, dass das Pauken von Anstandsregeln auf dem Weg nach oben hilfreich ist - und die 68er scheinen ihm Recht zu geben. Sie sind zwar durch die Institutionen marschiert, haben dabei aber bewusst die Manieren als bourgeois auf der Strecke gelassen.

Die Kinder und Enkel der Revoluzzer aber scheinen sich wieder nach verbindlichen Regeln zu sehnen. Davon zeugt unter anderem eine fast schon groteske Fülle so genannter neuer Knigges für alle Lebenslagen.

In der Flut aktueller Titel findet man den Ess- und Tischknigge, den Japan-Knigge, den Campusknigge, den Business-Knigge, den Sex-Knigge, den Krawattenknigge - und, wen wundert's bei so viel Knigge, auch die Knigge-Fallen". Soviel Knigge in der Optik" trübt den Blick auf das, was Manieren wirklich ausmacht. Denn der unfreiwillige Namenspate all dieser Benimm-Büchlein, Adolph Freiherr von Knigge, hat als einziger in dieser Liste gar keinen Knigge geschrieben, sondern ein Buch mit dem Titel: Über den Umgang mit Menschen." Asserate teilt diese Fehleinschätzung als Manieren-Papst mit Knigge, den er als großen Mann der deutschen Aufklärung bewundert. Auch Asserate hat keine Aufzählung von Anstandsregeln verfasst. Viel eher geht es ihm bei seiner brillant geschriebenen Untersuchung der europäischen Manieren um das Herausbilden eines bestimmten Menschentypus."

Und schon gar nicht lehrt ein äthiopischer Prinz den Deutschen Mores", wie das etliche Journalisten formulierten. Erstens würde er sich das nie anmaßen, denn er hat gute Manieren. Zweitens ist er seit vielen Jahren selbst Deutscher.

Er lebt seit 1968 in Deutschland und arbeitet heute in Frankfurt als Unternehmensberater für Afrika und den Mittleren Osten. Prinz Asfa-Wossen kennt seine deutschen Landsleute so gut wie kaum ein Zweiter. Hinzu kommt bei ihm freilich der Blick eines Menschen, der in zwei Welten zuhause ist. Eine Journalistin nennt Asserate den Ethnologen mit dem klaren Blick." Tatsächlich hat er in Tübingen, Cambridge und Frankfurt neben Jura und Volkswirtschaft auch Geschichte und Ethnologie studiert. Doch anders als ein Völkerkundler betrachtet Asserate seine Studienobjekte nicht nur wissenschaftlich kühl von außen sondern auch mit Herzenswärme von innen.

Die Lektüre dieses Buches bereitet von der ersten bis zur letzen Seite reinstes Vergnügen, ist darüber hinaus ein aufklärerisches Werk im besten Wortsinn und gehört in jeden Bücherschrank.
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am 8. September 2004
Zugegeben, der Autor stammt aus der Gesellschaftsschicht des Hochadels und dies färbt natürlich ein wenig auf seine Darstellung und deren Themenschwerpunkte (z.B. korrekte Durchführung des Handkusses, Begrüßungsrituale unter dem Hochadel) ab - ein ungewohnter Standpunkt für deutsche Leser, aber warum nicht? Ein bißchen mehr Kultur und Manieren täte unserer täglichen Miteinander ausgesprochen gut. Der Autor versteht unter "Manieren" weniger die korrekte Ausübungen äußerlicher Verhaltensweisen, sondern mehr eine innere Kultiviertheit, die sich dann auf das Benehmen überträgt. Der Schreibstil ist sehr interessant, geistreich, sehr belesen, oft ausgesprochen amüsant. Übrigens, Volapük(kommt im Buch vor) ist eine Kunstspreche (ähnlich wie Esperanto)
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am 21. April 2006
Asfa-Wossen Asserate entstammt dem äthiopischen Hochadel und lebt seit Jahren in Deutschland, wo er als Unternehmensberater tätig ist. Sein scharfer Blick für die Besonderheiten deutscher Sitten und Unsitten - aus seiner Perspektive gesehen und im Vergleich zu anderen Ländern liest sich ausgesprochen amüsant.

Der Autor ist Kosmopolit, hat eine erstklassige Ausbildung genossen und schreibt ein wunderschönes Deutsch. Die einzelnen Kapitel des Buches hat er mit großartigen Beispielen aus der Weltliteratur gespickt und er zieht bisweilen erstaunliche Schlußfolgerungen, die das Ganze zu einem geistreichen Querdenkerbuch machen. Besonders schön fand ich auch die herrlichen eingestreuten Geschichten aus Asserates Kindheit am äthiopischen Königshof. Mein Lieblingskapitel ist allerdings "Vulgarität". Dieses Phänomen hat der Autor exakt beschrieben und genau auf den Punkt getroffen. JA!!!!

Das Buch ist ein ideales Geschenk für Manager - nur vielleicht nicht gerade für den direkten Vorgesetzten - insbesondere wenn dieser einen eher geringeren IQ hat. Auch empfehle ich "Manieren" für die Hausbibliothek: einmal als Nachschlagewerk in Benimmfragen und zum anderen als erhaltenswertes Zeitdokument.
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Mal ehrlich: Irgendwie hat das schon was. Die Welt unter funkelnden Kristalllüstern, wo der Handkuss noch zelebriert wird, wo formvollendete Höflichkeit herrscht und man an der festlichen Tafel diniert. Ach ja ... Aber dazu nötig: Manieren. Feine Leute soupieren, während die große Masse nur isst.

Anders als es der Titel des Buches vermuten lässt, hat Asserate jedoch kein Regelwerk des Verhaltens verfasst. Also nichts für Neureiche, die einen Schnellkurs in gesellschaftlichem Verhalten brauchen. Dafür ist das Buch geistig viel zu fordernd. Dem Autor geht es vor allem um eines: um das "Herausbilden eines bestimmten Menschentypus", um den "menschlichen Charakter".

Asserates Manierenstudie ist eine Reise durch die Geschichte Europas, die er mit vielen Anekdoten von selbst erlebten Situationen würzt. Er macht sich darüber auch lustig. Viele Verhaltensweisen von heute leitet er aus Mythologien der Antike und des Mittelalters her. Seine Interpretationen sind interessant, wenn auch nicht wissenschaftlich fundiert.

Die Lektüre der 370 Seiten gestaltet sich größtenteils leicht und lehrreich zugleich.

Er hat eine Hilfe zur Persönlichkeitsbildung geschrieben. Wo andere mit modernen Personality-Floskeln um sich werfen, setzt er den verstaubten Begriff der "Ehre" dagegen - und füllt ihn mit neuem Leben. Außerdem ist es angenehm, dass er sich bemüht, niemals oberlehrerhaft oder moralisierend zu wirken.
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am 27. August 2014
es ist gut geschrieben, jedoch eher allgemein betrachtet und etwas veraltetes Inhalt. Es ist also kein Katalog dessen was sich gehört und was nicht. Interessant ist der Blickwinckel des Verfassers.
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am 1. Juni 2014
... und stilistisch souverän vorgetragen, daher über weite Strecken ein Vergnügen. Aber dann stolpert man wieder über Plumpheit und Ignoranz: "Kellner und Musikmacher" dürfen sich also zu bestimmten Tageszeiten nicht in bestimmten Gewändern blicken lassen? Mag sein. Aber wer sich als Autor eines Buches zum Thema Manieren so respektlos über Musiker äußert, hat seinen Gegenstand wohl doch nicht so ganz verinnerlicht.

Ganz gleich, ob die Berliner Philharmoniker oder die Mitglieder einer Tanzkapelle gemeint sind: sie kurzerhand als Musikmacher zu bezeichnen und den Kellnern gleichzustellen, lässt sich nach den Kriterien, die der Autor an anderer Stelle aufstellt, als sicheres Zeichen für Vulgarität deuten: es ist eine abwertende und absprechende Haltung gegenüber dem Rang des Anderen.

Eine gewisse Herablassung gegenüber künstlerischen Existenzen zieht sich durch den ganzen Text. Offenbar kommen diese Daseinsformen für den Autor gesellschaftlich nicht in Betracht. Vielleicht ist solch ein demonstratives Banausentum ein Standesmerkmal des Adels (s. Kapitel "Grobianismus"). Dies hätte er dann mit dem Kleinbürgertum gemeinsam. Immerhin eine interessante Parallele, die mir sonst nicht aufgefallen wäre.
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am 22. September 2010
Möglicherweise ist es unmanierlich, den vielen klugen Rezensionen hier noch eine weitere hinzuzufügen - aber ein paar Aspekte sind doch noch nicht genannt worden. Asfa-Wossen Asserates "Manieren" ist natürlich am Allerwenigsten ein Etiketteratgeber, sondern vor allem ein Schwanengesang auf untergegangene oder vom Untergang bedrohte Umgangsformen, denen der Autor in einer Art unglücklichen Liebe nachtrauert und die er minutiös und fast rituell nachbuchstabiert. Altmodische Begriffe wie "Ehre", "Aufmerksamkeit", "Diskretion" oder "Contenance" werden liebevoll abgehandelt und dem Leser, wie vergeblich auch immer, ans Herz gelegt. Dabei schwingt ein zarter Ton von Melancholie, von Trauer über das Entschwindende mit, der diesem Text eine ganz eigene, deutlich literarische Note gibt und ihn zugleich von unserer zeitgenössischen Realität (die, wie jeder weiß, keine des Handkusses mehr ist) entkoppelt. Sechs Jahre nach seinem Erscheinen wirkt diese Arbeit noch zeitferner als wahrscheinlich schon 2004, aber das spricht nicht unbedingt gegen dieses Buch, sondern zeigt vielmehr den Grad der Beschleunigung, was die Erosion unserer Umgangsformen betrifft. Man hat Asfa-Wossen Asserate Snobismus und eine undemokratische Neigung zum Elitären vorgeworfen. Wer dieses Buch aufmerksam liest, begreift bald, dass es seinem Autor nicht um Rehabilation feudaler Strukturen geht, sondern in erster Linie um Kulturgeschichte, um präzise Nachzeichnung des Gewesenen. Dies gelingt ihm virtuos, und man folgt ihm genussvoll auch in die entlegensten Winkel der korrekten klerischen Anrede. Wo er sich freilich zum Ratgeber für das Heutige, das Zeitgenössische aufschwingt, ist ein (auch ästhetischer) Bruch zu spüren, der die Glaubwürdigkeit dieser Arbeit schwächt. Was ist es eigentlich, was Asfa-Wossen Asserate an den Manieren, also den äußeren Formen des menschlichen Zusammenlebens, so beschäftigt? Nein, nur um Kulturgeschichte geht es ihm doch nicht, er will - ohne dies geradewegs zuzugeben - doch auch Erzieher sein, Pädagog. Aus einem bezeichnenden Grund gelingt ihm das nicht: Er hat kein Zutrauen zum Menschen, sein Menschenbild ist zutiefst pessimistisch. Manieren dienen ihm nur dazu, den Egoismus und die Niedertracht ästhetisch zu verschleiern, die Reibungen des Zusammenlebens möglichst gering zu halten. Manierlich, so zitiert er einen großen Dichter, kann sich schließlich sogar der Betrüger aufführen. Dieser Ansatz aber führt die Idee, Manieren einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, von Anfang an ad absurdum, denn wenn das Ganze ohnehin nur Zynismus und Berechnung ist, dann kann man es ja auch gleich lassen! Asserates Skeptizismus, was den moralischen Gehalt von Manieren betrifft, zeigt ihn zwar auf der Höhe der Zeit, aber letztlich auch geprägt durch jenen westlichen Modernismus und Relativismus, den er selbst ablehnt. Diese Ambivalenz macht sein Buch spannend und tiefgründig und öffnet dem, der ernsthaft auf der Suche nach "guten Manieren" ist, so viele Horizonte, dass die Lektüre allemal lohnen dürfte.
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am 19. Januar 2011
Ein "Knigge" ist dieses Buch gewiß nicht, aber es ist ein pointiert geschriebener, unterhaltsamer und lehrreicher Denkanstoß für unseren alltäglichen zwischenmenschlichen Umgang miteinander. Der Autor versucht, aus der reichhaltigen europäischen Kulturtradition einen Kanon von Umgangsformen für den Menschen von heute zu destillieren und tut dies auf der Basis eines sehr fundierten Wissens über die Geschichte dieses Kontinents. Melancholie und Bedauern über verloren gegangene Werte und Traditionen sind dabei unvermeidlich, ebenso wie häufige Bezüge auf adelige oder großbürgerliche Eigenschaften, Traditionen und Eigenheiten vergangener Jahrhunderte. Dieses Buch ist aber mitnichten - hier möchte ich einigen anderen Rezensenten widersprechen - ein Lob auf den Ständestaat, Ausdruck des Bedauerns über die verloren gegangenen Privilegien des Adels oder gar eine Lektüre nur für jene (ab)gehobenen Kreise der Gesellschaft, welche ewig Gestriges kultivieren möchten. Der Autor lebt sehr wohl im Hier und Jetzt; er begegnet dem Heute mit respektvoller Kritik und ohne sich über seine Mitmenschen zu erheben (Beispielhaft hierfür seine Anmerkungen zum Thema Kleidung, insbesondere zum "Jogginganzug"). Ich habe aus diesem Buch viele Anregungen und Denkanstöße mitgenommen. Fazit: Den richtigen Gebrauch eines Fischmessers oder die Auswahl der zum Anlaß passenden Schuhe lernt man hier zum Glück nicht. Dafür sehr viel über die Tradition guter Umgangsformen und daß es sich lohnt, einige davon zu kultivieren und anzuwenden, auch wenn das gegen den "Zeitgeist" zu sein scheint. Denn schon kleine Nebensächlichkeiten und vermeintlich "überholte" und "altmodische" Gesten und Rituale können viel dazu beitragen, das alltägliche Zusammenleben angenehmer, einfacher und auch schöner zu machen.
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am 12. Mai 2005
In Zeiten, wo es keine festgeschriebenen Regeln für den allgemeinen gesellschaftlichen Umgang mehr gibt, ist so ein Buch ein hilfreiches Angebot, zumal es über weite Strecken in einem locker, interessanten Stil verfasst ist. Dabei ist es weniger ein Katalog von Beschreibungen exakter Verhaltensweisen, sondern mehr eine kulturkritische Betrachtung von gesellschaftlichen Umgangsformen. Dem Autor ist wohl wichtig zu vermitteln, dass man Manieren nicht um ihrer selbst Willen einhalten sollte, sondern das ein respektvoller Umgang den Menschen selbst eine innere Befriedigung geben kann.
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