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Kundenrezensionen

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VINE-PRODUKTTESTERam 11. August 2004
„...Leopold sammelt Informationen aus seiner Außenwelt und gibt sie an uns weiter zu beliebiger Verfügbarkeit." (S. 271 f.)
Ein Schlüsselsatz dieses Buches:
das Buch kann gelesen werden, einfach so weggelesen werden. Dann wird mancher sich an der Sprache oder dem Protagonisten stören, die beide so nicht in unsere schnellebige Welt zu passen scheinen. Aber gelesen werden kann es: zügig und ohne Anstrengung.
Es kann jedoch auch genau gelesen werden: aufmerksam und den gestellten Fragen nachsinnend:
Weshalb wirkt Henry Neff, der mit seiner beruflichen Zukunft im Reinen zu sein scheint, der nicht nach Aufstieg und mehr strebt, der seine Zufriedenheit in anderen Bereichen findet, so weltfremd.
Warum preist ein Unternehmen wie die Bahn laufend Sonderreisen mit Rabatten an und sieht sich gleichzeitig genötigt, Personalreformen durchzuführen, die in Arbeitslosigkeit enden. Und was bedeutet dies für Betroffene?
Wie kommt es, daß Worte verletzender als Gewalttaten sein können und doch die Worttäter an unseren Nachbartischen sitzen, während die Gewalttäter geächtet sind?
Das Buch stellt noch viel mehr Fragen, es stellt Fragen nach Werten, Verantwortung und Gleichgültigkeit. Es ist ein sehr aktuelles Buch und ein Buch, das keine Antworten liefert, sondern Anregungen zu beliebiger Verfügbarkeit stellt.
Und wer will, kann nachdenken bis zur Schwindligkeit: über den Zusammenhang zwischen „Geiz ist geil" und der Arbeitslosigkeit Ihres Nachbarn z.B..
Wie gesagt, es kann nachgedacht werden bis zur Schwindligkeit. Dies ist Schwäche und Stärke dieses Buches zugleich, denn es steht zu fürchten, daß in dieser geistfernen Zeit immer gleich die Lösung oder doch zumindest ein Lösungsvorschlag mitgeliefert werden muß - der Schleier fällt jedoch nur durch eigenes Nachdenken von unseren Augen.
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am 1. Januar 2006
Henry Neff beginnt seine Arbeit im Fundbüro und ist dort vollkommen zufrieden. Er will nicht etwas anstreben, denn ein Ziel ist für ihn wie ein Zielbahnhof mit der Durchsage "Endstation, bitte alles aussteigen". Für seine Mitmenschen ist er deshalb etwas suspekt, doch mit seiner guten Beobachtungsgabe und seinem Einfühlungsvermögen gewinnt er rasch die Sympathien seines Umfelds. Henry erkennt die zerbrechliche aber schöne Seele hinter der Maske der Menschen. Immer wieder dringt jedoch die grausame, harte und schnelllebige Welt der allgemeinen Gesellschaft in sein Leben und versucht ihn und seine Freunde aus der Ruhe zu bringen.
Dieser Roman ist ein sehr sanftes und leises Werk. Hier gibt es nicht die Superhelden oder Action-Handlungen, sondern die handelnden Personen sind Durchschnittsmenschen, ihr Leben unspektakulär. Nur eines wünschen sich alle: in Ruhe und ungestört ihr anspruchsloses Leben führen zu können. Diese unausgesprochene Sehnsucht ist das unsichtbare Band, das alle verbindet und an dem sie sich festhalten.
Das Werk ist angenehm und züzig lesbar, man lässt sich gern von der leichten Melancholität der Sprache treiben.
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am 16. August 2005
Henry Neff, Mitte 20, lebenslustig und fatalistisch, ohne inneren Zwang nach Erfolg und Ansehen zu streben, entscheidet sich, obwohl ihm viele andere Möglichkeiten zur Verfügung ständen, in einem Fundbüro eines Bahnhofes zu arbeiten. Skurrile, kriminelle, zu Herzen gehende Schicksale passieren in diesem Büro wegen der verlorenen Gegenstände, doch all diese Eigenschaften sammeln sich auch in den Figuren, denen Henry begegnet.
Da ist auf der einen Seite der russische Wissenschaftler, mit dem er Freundschaft schließt, nachdem er ihm die verlorene Aktentasche zurückgebracht hat. Oder eine verheiratete Kollegin, die den, anscheinend, naiven Annäherungsversuchen Henrys nur schwer widerstehen kann. Und guter letzt die eigene Schwester, die in der familieneigenen Porzellanmanufaktur arbeitet und einen Lebensstil verfolgt, der in krassen Gegensatz zu ihrem Bruder steht.
Lenz schafft eigenwillige Charaktere, Henrys Naivität und Lebenslust kontrastiert mit seinem Hobby dem Eishockeyspiel. Ebenso ist es bei den anderen Figuren, die in einer, jedoch liebenswerten Schizophrenie leben und eine breite Bandbreite an Charakter besitzen. Dabei wird jedoch tunlichst vermieden moralisch oder belehrend zu werden, obwohl zwischen den Zeilen viele Schatten unserer Gesellschaft lesbar sind. Somit hat Lenz ein eigenwilliges Werk geschaffen, dass sich schnell und leicht liest, jedoch viel unter der Oberfläche brodeln lässt.
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am 29. Juli 2003
Dieser Roman erreicht bei weitem nicht die Klasse seiner Vorgänger. Thema, Sprache, Charaktere, Aussage -- all das, was die "Klangprobe" oder die "Auflehnung" zu solch spannenden und berührenden Büchern machte, ist hier nur unzureichend ausgearbeitet oder fehlt völlig; von Lenz' Meisterwerken wie der "Deutschstunde" oder "Heimatmuseum" gar nicht zu reden.
Wann spielt die Geschichte, die Lenz erzählt? In den 60ern, den 70ern? Das ganze setting scheint ein wenig angestaubt, vielleicht ist das auch Absicht, aber dann wirken aktuelle "Schnipsel" wie ICE, Politiker, die Probleme der EU-Osterweiterung besprechen, oder der Personalabbau bei der Bahn nur aufgesetzt, irgendwie unglaubhaft. Verglichen mit Lenz' anderen Werken ist der literarische Wert der Sprache nicht vorhanden, vieles klingt einfach zu schlicht, banal und hat wenig Aussagekraft; die Sprachgewalt ist Lenz völlig abhanden gekommen.
Keiner der Charaktere hat mich überzeugt: sie sind einfach langweilig. Am besten gefiel mir noch der alte Vater von Bußmann, der, 90-jährig, von seiner Zeit als Lokomotivführer auf der Transsib träumt, und seltsamerweise ist die spannendste Stelle des Buches die Beschreibung eines irischen Filmes, den sich Henry und Paula im Kino anschauen. Aus DIESEN Charakteren hätte Lenz ein Buch machen sollen!
Schließlich die Aussage: Man kann nicht nur ein Leben ohne Antrieb führen, sich treiben lassen, ohne irgendwann einmal einzusehen, dass man sich für gewisse Dinge einsetzen muss. Schön. Aber es wirkt alles so konstruiert, bis Henry das einsieht, und richtig platt wirkt die Szene, als er den Briefträger verteidigt. Und derjenige, der Henry zu dieser Einsicht gebracht hat, verschwindet so mir nichts dir nichts wieder aus dem Erzählstrom. Da hätte man zum Thema Fremdenhass aber mehr draus machen können. Tut mir leid, aber um Lenz kennenzulernen taugt dieses Buch nicht. Man halte sich an die oben erwähnten Meisterwerke.
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am 27. Mai 2016
Siegfried Lenz war 1926 in Lyck, Ostpreußen geboren, zahlreiche sehr lesenswerte Erzählungen wie z.B. "So zärtlich war Suleyken" und Romane, z.B. auch "Deutschstunde" haben zu inzwischen sehr vielen Ehrungen und Preisen geführt. Er starb am 7. Oktober 2014 in Hamburg.

4 Jahre nach „Arnes Nachlass“ erscheint 2003 dieser 13. und letzte Roman zu Lebzeiten des Autors. Lenz erzählt von Henry Neff, einem erst 24-jährigen sympathischen Mann, der ausgerechnet im Fundbüro des Hauptbahnhofes (wahrscheinlich des Hamburger) sein weiteres Arbeitsleben fristen möchte, statt sich zu „Höherem“ berufen zu fühlen. Aber ihm macht die Arbeit dort einfach Freude: anderen Menschen, Verlierern, zu begegnen. Er bekennt: „Nie habe ich geglaubt, dass man Leute erst richtig kennenlernt, wenn sie hier erscheinen…; dies Jammern, dies Hadern, diese Selbstvorwürfe. Und diese Freude, wenn Hoffnung aufblitzt und ich sie trösten kann.“

Und so lernt er neben der von ihm angehimmelten ein paar Jahre älteren Kollegin Paula auch einen ausländischen Gast der Hochschule, den Physiker Fedor Lagutin hier im Fundbüro kennen, dem er zu wichtigen Aufzeichnungen verhilft, die er im Zug vergessen hatte. Die beiden werden Freunde, und seine Schwester Barbara verliebt sich sogar in ihn. Später muss Henry leider miterleben, wie Fremdenfeindlichkeit Fedor aus dem Land vertreibt. Und als eine Rockerbande den ausländischen Briefträger Joe bedrängt, kocht schließlich die Wut in ihm, der bisher immer meinte, alles mit Reden klären zu können, hoch: er verteidigt Joe gegen die Angreifer, wird zwar verletzt dabei, löst aber Solidarität bei den umstehenden Arbeitern aus, die gemeinsam der Rockerbande so stark zu Leibe rücken, dass sie in die Flucht geschlagen und von der Polizei verfolgt werden.

Schliesslich bittet Harms, sein Fundbüro-Chef, Henry sogar, sein Stellvertreter zu werden, weil Henry mit seiner mitmenschlichen Art inzwischen zu einer echten Größe im Fundbüro geworden ist.

Insgesamt ist „Fundbüro“ sicher kein großer Roman, aber doch ein Lob der Mitmenschlichkeit. (27.05.16)
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am 16. Mai 2003
Das neue Buch von Siegfried Lenz, dem wir Klassiker wie "Deutschstunde" zu verdanken haben, wird gerade in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorabgedruckt. Nach sieben Teilen bin ich absolut überzeugt von "Fundbüro".
Der Held der Geschichte ist Henry Neff. Das Buch beginnt mit seinem Einstellungsgespräch. Henry nimmt einen neuen Job in einem Bahnhofsfundbüro an. Er hat sich versetzen lassen, vorher war er Zugbegleiter und kam nicht damit zu Recht, dass ihn Fahrgäste für Dinge beschuldigten, die er nicht verantworten konnte, sprich Verspätungen. Im Fundbüro fühlt er sich schnell wohl und setzt die Empfehlung seines Chefs, bei jeder Rückgabe ausreichend Beweise zu verlangen prompt in die Tat um. Er lässt sich von einem Messerwerfer demonstrieren, dass er wirklich werfen kann, indem er sich als Zielscheibe an die Tür stellt.
Lenz scheint ein gutes Buch gelungen zu sein, dass vor allem durch die genauen und interessant gezeichneten Charaktere und ihr zusammenwirken gekennzeichnet ist. Schnell verliebt sich Henry in seine Kollegin Paula und das Fundbüro hat auch sonst einige interessante Fundstücke und dazu passende Geheimnisse und Geschichten parat.
Die 250 Seiten sind von der Sorte, die man ohne Probleme und mit viel Freude am Lesen innerhalb kurzer Zeit ließt und hinterher traurig ist, dass es schon zu Ende ist.
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am 15. Dezember 2010
Siegfried Lenz, Jahrgang 1926, kann man guten Gewissens als eine der großen deutschen Stimmen der Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur bezeichnen, wobei seine Bedeutung für die Gegenwart im neuen Jahrtausend nachgelassen zu haben scheint. So verwundert auch das späte Erscheinen seines aktuellsten Romans "Fundbüro" in 2003; der erste Roman nach "Arnes Nachlass" von 1999.

Inhalt:
Henry Neff ist ein orientierungsloser Mitt-Zwanziger mit allen Chancen, die gekonnt ungenutzt bleiben. Als er seinen neuen Job im Fundbüro der Bahn antritt scheint er auch ein Stück weit sich selbst zu finden, entwickelt Gefühle für eine verheiratete Kollegin und Freundschaft zu Dr. Lagutin, einen Mathematiker aus Baschkirien. Doch kann Henry den Kurs halten...?

Meinung:
Der Roman dümpelt ein wenig vor sich hin, wird von seiner altmodischen Erzählstruktur und einem Mangel an Spannung ausgebremst, besticht jedoch durch sympathische, verlorene Figuren, die sich im Altagskosmos finden und nicht zu verlieren suchen. Daneben reflektiert die Geschichte auch über Zukunftsängste, den Verlust des Arbeitsplatzes und Ausländerfeindlichkeit. All dies geschieht sehr gelungen ohne erhobenen Zeigefinger und Holzhammermoral.

Ein großes Problem ist die zeitliche Einordnung, denn viele Elemente wirken geradezu anachronistisch (Ortsbeschreibungen, Schreibmaschinen-Einsatz usw.), während an anderer Stelle demonstrativ unterstrichen wird, dass die Geschichte mindestens in den späten 90er Jahren spielt. Möglich, dass Lenz die Geschichte schon in den 50er Jahren entwickelte und erst heute zur Romanreife brachte. Ebenso wäre denkbar, dass man bewusst die Gegensätzlichkeit wählte um die universelle Gültigkeit der Themen zu unterstreichen.

Fazit:
Der Roman wurde in ungekürzter Fassung auf sechs CDs von Autor Lenz selbst eingesprochen. Die ruhige Erzählstimme Lenz' passt gut zum betulichen und um Effekthascherei verlegenen Inhalt. Für eine heutige Leserschaft hätte es dennoch etwas lustiger, spannender und/oder dramatischer sein dürfen. Wer sich aber auf eine nette Geschichte über Verlierer, Finder und Menschlichkeit einlassen kann und möchte, der wird zufrieden sein. In jedem Fall ein Roman der polarisiert.
3,5 Punkte.
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1951 erschien der erste Roman von Siegfried Lenz ("Es waren Habichte in der Luft"); 2003 der neueste - "Fundbüro". Mehr als 50 Jahre und viele, viele Bücher liegen dazwischen.
Und das "Fundbüro"? Es ist, wie sollte es anders sein, ein "typischer Lenz". Wieder - wie eigentlich in allen seinen Werken - ergreift er Partei für die Schwachen, in diesem Falle für diejenigen, die mit der Hektik der modernen Zeit/Arbeitswelt nicht mehr mitkommen können (wollen).
Hauptperson ist Henry Neff, der sich als Vierundzwanzigjähriger in ein Fundbüro auf einem großen Bahnhof "zurückzieht". Er flieht vor der modernen Welt. Wird er das durchhalten können?
Eigentlich ist dieses Fundbüro ein Synonym für das menschliche Leben: es passiert nichts bis wenig - und trotzdem sehr viel.
Was letztlich doch in diesem Roman geschieht (es ist gar nicht so wenig), wird den Leser nicht so schnell loslassen.
Fazit: Ein schönes und weises Alterswerk in einer klaren Sprache - ein "typischer Lenz" eben!
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am 7. Januar 2015
In diesem Roman fehlt mir was, es ist einfach keine runde Sache, vieles angerissen, aber leider nur angerissen.

Zum Weiterlesen habe ich mich zwingen müssen, da wir diesen Roman im Lesekreis besprechen (bin gespannt auf die Diskussion).

Tja, der Schlüsselsatz ist für mich auf Seite 185 „Tu nicht so, du weißt genau, was ich meine: die Position, auf die man hinarbeitet, die einem entspricht und in der man am meisten bewirken kann, oder doch glaubt, es tun zu können.“ Hendry dachte einen Augenblick nach, dann sagte er heiter: „Wenn ich das Wort Ziel höre, dann denke ich gleich an Zielbahnhof und höre die Durchsage: Endstation, hier Endstation, alle aussteigen.“

Für mich die schönste Stelle: Seite 166 „Und plötzlich las er übergangslos die Aufschrift auf einem zweiten dänischen Kühlwagen, den Barbara überholte: Lebende Forellen. „Die wissen nicht, daß sie unterwegs sind“, sagte Henry. „Vermutlich halten sie den Kühlwagen für die Welt“, sagte Fedor.

Natürlich wäre es schön, wenn jeder gemütlich in „seinem Fundbüro“ leben und arbeiten könnte, aber es gibt doch wirklich und wahrhaftig das reale Leben und in diesem gibt es größere Probleme als die bei der Bahn und natürlich sind Worte verletzend, aber daran verhungert man nicht oder stirbt sogar.

Keine Leseempfehlung!
Allerdings ist das Bild auf dem Einband schön (,was aber auch eigentlich nicht zur Geschichte passt.)
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am 11. Juni 2012
Wann spielt die Geschichte? "Fundbüro" erscheint erstmals 2003. Noch gibt es die Deutsche Mark, in der Politik spricht man über die Osterweiterung der EU. Laptops finden Erwähnung. Spricht für Ende der 90er Jahre. Alles andere in diesem Buch spricht dagegen.

Im Fundbüro geht es zu wie in einer Behörde in den 50er Jahren. Bei Studentenfeiern wird Glen Miller gespielt, abgelöst von Bill Haley. Eine Motorradgang erinnert eher an halbstarke Peter-Kraus-Imitate als an neuzeitliche Hells Angels.

Diese Widersprüche irritieren. Wäre der Roman in den 50er oder 60er Jahren erschienen, würde ich ihn als Manifest der Menschlichkeit, als Kampf gegen die Rationalisierung und Kälte der kapitalistischen Gesellschaft, gegen Ausländerhass und als Plädoyer für mehr Zivilcourage loben. Aber so?

Siegfried Lenz, dieser großartige Schriftsteller mit seiner wunderbaren Sprache, scheint in der Neuzeit nicht angekommen zu sein. Sein Szenario wirkt miefig, provinziell, sine Protagonisten spießig, konservativ, oder positiv ausgedrückt altbacken, naiv. Lenz liefert nicht mehr die Antworten auf die Fragen unserer Zeit. Damit ist "Fundbüro" keine Leseempfehlung.

(Aber auch der aktuelle Lenz bleibt lesenswert, wenn man sich auf die kurzen Geschichten einlässt, z.B. auf "Die Maske" oder "Schweigeminute". Hier gelingen ihm zeitlose Erzählungen).
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