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am 26. April 2013
Katja Wild, Hamburger Studienrätin, glaubt auf einem Foto der Wehrmachtsausstellung ihren Vater erkannt zu haben. Das Foto zeigt ihn bei der Erschießung russischer Zivilisten. Bei Hitlers Machtergreifung war Hans Musbach dreizehn, inzwischen ist er 82 Jahre alt und verbringt seinen Lebensabend in einer Senioren-Residenz mit Elbblick.
Als Oberstudienrat mit den Fächern Alte Geschichte, Griechisch und Latein galt er seiner Familie, den Kollegen und Schülern als Humanist des alten Schlages und Spezialist der Erinnerung. Seine Schüler schätzten ihn besonders dafür, daß er sie immer wieder auf die besondere geschichtliche Verantwortung der Deutschen hinwies. Ein Lehrer ohne Fehl und Tadel, ein vorbildlicher Vater.

58 Jahre nach Kriegsende aber glaubt Katja ihn auf diesem Foto erkannt zu haben. Sie weiß, daß sie ihn dazu befragen muß. Widerwillig beginnt er zu erzählen. Doch in ihm leben ganz andere Bilder ...

Eine schmerzliche, notwendige Reise in die Vergangenheit beginnt.

Ich finde, diese Zusammenfassung sagt bereits alles über den Inhalt dieses Buches aus. Was mich allerdings ein bisschen gestört hat, war die Unerbittlichkeit mit der Katja auf die Erzählungen reagiert hat. Erinnerungen sind niemals vollständig! Fragen sie mal einen Polizisten, der die Augenzeugen eines Unfalls befragt. Jeder erzählt ein bisschen etwas anderes. Und manche Dinge werden einfach vergessen. Außerdem ist es durchaus wichtig, manche Dinge zu vergessen. Sie könnten einen sonst zerstören.

Mein Opa war auch im Krieg. Er hat sogar beide Weltkriege mitgemacht. Auf meine Fragen nach dem Krieg hat er nie geantwortet. Es hieß immer nur, sei froh, dass du das nicht erleben musst. Dieses Buch hat mir etwas geholfen, ihn zu verstehen.
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am 19. September 2003
Der neue Roman von Ulla Hahn entstand vor dem Hintergrund der Debatte um die Kriegsverbrechen deutscher Soldaten der Wehrmacht an der Ostfront. Aufhänger der Geschichte ist denn auch der Umstand, dass eine Tochter in einer Ausstellung ein Foto einer Erschießung entdeckt, auf welchem sie ihren Vater zu erkennen glaubt. Dieser ist pensionierter Lehrer und lebt in einem Altersheim, wo er sich, geistig noch rege, vor allem mit seiner geliebten Alten Geschichte beschäftigt. Sein Alltag wird jäh unterbrochen, als seine Tochter ihn mit dem Ausstellungskatalog konfrontiert und ihm Erklärungen abfordert. Der alte Mann möchte sich dem zunächst verweigern, doch leben allmählich alle Erinnerungen an den Krieg wieder auf. Er erzählt seiner Tochter vom Krieg. Dabei erhält sie allerdings nicht die Antworten, die sie sich erhofft, sondern muss feststellen, dass auch ihr Vater Opfer und nicht nur (vermeintlicher) Täter war.
Das Buch ist flüssig geschrieben und fesselt insbesondere dann, wenn der Vater in seinen Erinnerungen versinkt. An manchen Stellen ist die Geschichte etwas pathetisch und mit Symbolhaftigkeit überladen, doch tut das der Spannung keinen Abbruch. Ulla Hahn zeigt die Grenzen eines schwarz - weiß -Denkens auf, ohne hierbei aufdringlich oder moralinsauer zu werden.
Insgesamt ist der Roman hervorragend gelungen und regt zum Nachdenken an. Eines der besten Bücher dieses Jahres.
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am 28. Oktober 2003
ulla hahn versteht es, eine geschichte zu erzählen und bis zur hälfte war ich wirklich sehr angetan. können die *nachgeborenen* wirklich wissen, wie es den eltern im krieg ergangen ist und vor allem auch über das verhalten richten? was wussten die eltern wirklich, was haben sie erst später erfahren? in dem dialog zwischen tochter und vater und somit auch dem leser wird diese frage immer wieder zur diskussion gestellt, ohne dass es eine eindeutige antwort gibt.
leider gewann dann irgendwann ein sehr oberlehrerhafte ton die oberhand. der dialog wurde für mich immer unglaubwürdiger und zum schluss war ich eigentlich froh, als ich das buch ausgelesen hatte. lässt einen aber nachdenklich zurück.
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am 30. März 2014
Eine Hamburger Lehrerin entdeckt auf einem alten, reichlich verschwommenen und unscharfen Foto, das Wehrmachtssoldaten bei der Erschießung von russischen Zivilisten zeigt, ihren Vater als einen der Schützen.

Obwohl ihr Vater schon sehr alt ist und mittlerweile in einem Seniorenheim lebt, beschließt sie, ihn zur Rede zu stellen und herauszufinden, ob er auf dem Bild zu sehen ist oder nicht. Sie stellt ihm also die berüchtigte Frage, was er denn im Krieg gemacht hätte. Eine Reise in eine finstere Zeit beginnt...

Das Buch – ca. 280 Seiten dick – ist sehr schnell zu lesen; ich hatte es nach zwei Tagen schon durch. Natürlich wird man als Leser sofort von der Frage gepackt, ob denn wirklich der Vater auf den Bildern zu sehen ist – die Auflösung auf den letzten Seiten ist verhältnismäßig verblüffend.

Der Weg dorthin führt über ein abwechslungsreich erzähltes Kaleidoskop eines Soldatenschicksals in den vierziger Jahren an der Ostfront, grausamsten Krieg, den die Menschheit jemals erleiden musste. Ulla Hahn findet sehr durchschlagende, effektvolle Formulierungen, die den Horror von damals gut in Worte fassen:

"Als wir uns raustrauen, ist das Gelände mit den Leichen russischer Soldaten übersät. Ein Panzer rollt darüber. Ein zweiter, dritter durch den blutigen Brei. Grausige Überreste in den Raupenketten. Von Menschen. Sogar unser Feldwebel bebt vor Entsetzen. Dazu die Schreie. Schreie von Verwundeten, Schreie von Wahnsinnigen..." (Seite 39 in meiner 2006 erschienenen, zweiten Auflage).

Der Stil des Buches ist unmittelbar und an Stellen wie der soeben zitierten ziemlich verstörend. Ich habe in Paul Carells Buch "Unternehmen Barbarossa im Bild. Der Russlandkrieg fotografiert von Soldaten (Berlin 1967)" eine Fotographie gesehen, die dem geschilderten Bild oben recht ähnlich sieht, woran man die Realitätsnähe und Wirklichkeitstreue von Ulla Hahns Buch doch gut sehen kann.

"Unscharfe Bilder" ist aber nicht nur ein grausiger Frontbericht, sondern auch eine unaufdringliche Lehrstunde über Schuld, Vergessen und Erinnerung. Ich habe das Buch nachdenklich und tief bewegt zur Seite gelegt, als ich es gelesen hatte.
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am 23. Januar 2009
Hans Musbach, ehemaliger Studienrat an einem Hamburger Gymnasium, lebt nach dem Tod seiner Frau seit ein paar Jahren in einem Seniorenheim. Seine Tochter Katja, ebenfalls Studienrätin, besucht ihn beinahe jeden Tag. Zu ihrem Vater hatte sie schon immer ein besseres Verhältnis als zur Mutter, doch es gab Themen, die sie nie ansprechen durfte.

Nachdem sie die umstrittene "Wehrmachtsausstellung" über die Taten deutscher Soldaten im 2. Weltkrieg besucht hat, drängt es Katja jedoch aus tiefster Seele, das Tabu zu brechen, erschüttert von den Bildern, die sie in der Ausstellung gesehen hat und vor allem davon, dass sie auf einem ihren Vater gesehen zu haben glaubt, der seinen Schülern stets gepredigt hat, wachsam zu sein, damit so etwas wie das Dritte Reich nie wieder geschehen kann.

Musbach beginnt zu erzählen, bei jedem Besuch Katjas ein wenig mehr, und es entsteht ein schonungsloses Bild der Grausamkeiten, die auf beiden Seiten verübt wurden, aber auch von hier und da aufblitzenden Momenten der Menschlichkeit - und von Hugo, seinem besten Freund, der den Krieg nicht überlebte.

Für beide, Vater wie Tochter, ist es gleichzeitig befreiend und belastend, so tief in die Vergangenheit einzutauchen. Katja ist hin- und hergerissen zwischen Verständnis für den damals noch sehr jungen Mann und dem Entsetzen, dass es niemand gelungen ist, Hitler und die Nazis rechtzeitig zu stoppen.

Aus unscharfen Fotografien werden die gestochen scharfen Erinnerungen und Berichte des Vaters, die Ulla Hahn ohne zu urteilen neben die typischen Reaktionen der Nachkriegsgeneration stellt. Der Leser muss sich selbst eine Meinung bilden, wie Musbachs Erfahrungen einzuordnen sind. Ein echter Nazi war dieser nie, zum Kriegsdienst wurde er eingezogen und hatte sich nicht freiwillig gemeldet.

Sprachlich ist das Buch ein Genuss, die Erinnerungen des Vaters sind allerdings zu geschliffen und gewählt ausgedrückt, um als wörtliche Rede wirklich glaubwürdig zu sein, doch das nur am Rande. (Und die mehrmalige Verwendung von "er erinnerte das" statt "er erinnerte sich daran" störte mich.)

Eine realistische Darstellung der Auseinandersetzung der Kriegs- und der Nachkriegsgeneration mit den furchtbaren Geschehnissen im 2. Weltkrieg, die bei allen Beteiligten tiefe Spuren hinterließen.
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am 28. November 2010
Ulla Hahns Auseinandersetzung mit der deutschen Kriegsvergangenheit wird in einen interessanten, auch persönlichen Konflikt zwischen den Generationen der "Zeitzeugen" und der "Nachgeborenen" eingebunden. Doch ist mein Fazit zur von ihr gewählten Behandlung dieses - zugegebenermaßen schwierigen Themas - zwiegespalten. Die Figur des Vaters überzeugt in ihrer psychologischen Entwicklung und in ihren Berichten über die Vergangenheit auf ganzer Länge. Doch ist die Figur der Tochter leider nicht stringent durchgeführt. So kam es in ihrer Entwicklung zu teils nicht nachvollziehbare Sprüngen, bei aller sie bewegenden Hin- und Hergerissenheit zwischen Liebe und Unverständnis für den Vater. An einer Stelle habe ich gar nachgeschlagen, ob ich nicht eine Seite überlesen hätte, weil ich die Reaktionen der Tochter nicht mehr verstehen konnte. Das hat das Lesevergügen und den ansonsten "runden" Eindruck, den die Geschichte machte, doch teils sehr beeinträchtigt. Die das gesamte Buch überspannende Frage nach dem, was (bewußte oder unbewußte) Lüge und was (objektive?) Wahrheit ist, kann, oder besser gesagt: will die Autorin letzten Endes gar nicht lösen. Somit erspart sie dem Leser auch ein(e) vorweggenommene (Ver)Urteil(ung); dies muß, so er denn will, der Leser selbst leisten. Hahn entwickelt auf feinfühlige Art ein Plädoyer für gegenseitige Rücksichtnahme und Verständnis, die nur durch Kommunikation entstehen kann. Diesen roten Faden hält sie in den Dialogen der Protagonisten konsequent durch, was mich im Endeffekt doch mit dem Buch versöhnt hat.
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am 14. August 2009
In Christa Wolfs "Kindheitsmuster" heißt es: "Der Krieg ist trotz allem bis heute etwas nicht Aufgeklärtes oder nicht genügend Besprochenes." Das muss auch die Kollegin Ulla Hahn empfunden haben. Unscharfe Bilder waren und sind es, die immer wieder zu einem genaueren Hinsehen zwingen.

"Unscharfe Bilder" ist die Geschichte zweier Menschen, die als Vater und Tochter sehr nah miteinander verbunden sind. Und plötzlich trennen sie die Bilder - die Bilder einer Wehrmachtsausstellung. Auf einem der Bilder glaubt die Studienrätin Katja ihren Vater als Soldaten in Russland entdeckt zu haben - als Teilnehmer eines Erschießungskommandos. Hans Mussbach lebt als pensionierter Oberstudienrat in einer vornehmen hamburger Altersresidenz, regelmäßig besucht von der geliebten Tochter. Dieser Idylle machen der Katalog der Wehrtmachtsausstellung und die bohrenden Fragen der Tochter nach Schuld und Versagen ein Ende.

Das Thema ist so alt wie der Krieg, Der daraus resultierende Generationskonflikt zwischen Vätern und Söhnen/Töchtern ist - wie auch die Diskussion um die reale Austellung und die neueste Literatur gezeigt hat - immer noch nicht endgültig beigelegt. Und aus diesem emotionellen und intellektuellen Konflikt bezieht Ulla Hahns Roman seine Spannung.

Nur widerwillig beginnt Hans Mussbach auf die teilweise recht agressiven Fragen seiner Tochter zu antworten. Und dabei bekommen die Bilder - längst verdrängt oder unscharf - eine neue Schärfe. So erzählt er vom Leben und Sterben seiner Kameraden, von Freundschaft und Liebe in den Zeiten des Krieges, von bewegenden Begegnungen mit dem Feind. Katja ist teilweise gefesselt von den Erzählungen des Vaters. Doch längst ist sie nicht zufrieden. Vieles bleibt in Vaters Erzählungen einfach ausgeblendet. Da war, da muss doch noch etwas gewesen sein? Katja beharrt auf der vermeintlichen Wahrheit über das, was sie auf dem Bild gesehen haben will. Der Vater gerät in immer größere Erklärungsnöte - und unter psychischen und physischen Druck bis hin zu einer Herzattacke. Erst am Ende können sie feststellen, dass sie der Wahrheit so nah wie möglich gekommen sind. "Das Reden würde nicht enden."

Ist so ein solcher Roman noch zeitgemäß? Er ist es. Auch wenn man Ulla Hahn vorwerfen kann, dass manches zu einfach daherkommt. So die Geschichte um die Erschießung, die zwar stattgefunden hat, bei der aber der gute Mussbach zur rechten Zeit in Ohnmacht gefallen ist. Oder die bittersüße Liebesgeschichte zwischen dem deutschen Soldaten und der russischen Partisanin. Manches ist der Autorin zu kleischeehaft geraten - unscharf eben! Ihr ist dennoch ein lesenswertes Buch gelungen. Und auch das: Bei vielen Lesern, die mehr oder minder intensiv diesen Generationskonflikt zum Thema Krieg und Wehrmacht selbst aushalten mussten, stellen sich erneut ganz persönlich bisher unbeantwortete Fragen. Denn auch hier wird das Reden nicht enden (dürfen).
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am 8. Januar 2012
Katja und ihr Vater stehen sich sehr nahe. Ihr ganzes Leben war sie für ihn ein Vorbild, das der distinguierte Oberstudienrat Musbach ihr auch im Alter bleibt. Die Wehrmachtsausstellung ist für Katja jedoch ein Schock. Sie beginnt den Vater nach der eigenen Vergangenheit als Wehrmachtsoldat zu befragen. Anfangs widerwillig wird Musbach immer tiefer in seine traumatischen Erinnerungen hineigezogen. Doch Musbach erzählt eine andere Geschichte als die von seiner Tochter erhoffte oder erwartete. Es geht ihm um die eigenen Leidenserfahrungen, die eigene Position als Opfer des Krieges, für die die Tochter wenig Verständnis hat. Und so wird das Gespräch der beiden zunehmend zur Anklage. Katja erwartet ein Schuldeingeständnis, dass der Vater ihr jedoch beharrlich verweigert.
Hahns Roman greift die ganz großen Themen aus, Erinnerung, Schuld, Vergebung. Die Grenzen von Opferschaft und Tätersein verwischt sie, was ihr immer wieder auch zum Vorwurf gemacht wurde. Der Schluss des Romans driftet leider ins Sentimentale ab und bittet allzu einfache Lösung für schwerwiegende Konflikte an.
Ulla Hahns Roman "Unscharfe Bilder" hat die Konzentration eines Kammerspiels, ein Großteil des Buches wird von den Gesprächen zwischen Tochter und Vater gefüllt. Nebenfiguren bleiben hingegen ziemlich blass. Dabei kontrastiert die relative Idylle, in der beide leben, permanent mit der Brutalität de Kriegsszenen, die sie anschaulich beschreibt.
Sprachlich hält sich die Lyrikerin Hahn sehr zurück. Ganz gezielt wählt sie eine Sprache des Alltäglichen, die dennoch nicht banal ist.
"Unscharfe Bilder" ist sicherlich nicht das beste Buch von Ulla Hahn. Lesenswert fand ich es allemal.
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am 13. Februar 2004
Das Positive dieses Romans zuerst: die Idee, dass jemand den eigenen Vater auf einem „unscharfen Bild" als Beteiligten an Wehrmachtsverbrechen zu erkennen vermeint, ist wirklich gut, und verpackt in einen interessanten Titel verspricht sie eine erkenntnisfördernde Lektüre.
Doch welche Enttäuschung ! Nicht nur bleiben die meisten Figuren blass und weitgehend unglaubwürdig, auch die Sprache, deren sie sich befleissigen, ist in ihrem Durcheinander von Rührseligkeit, austauschbaren Zitaten, Alltagsplattitüden und hohler Pathetik nahezu unerträglich. Fast mehr noch als für die Hauptfiguren Musbach, Katja gilt dies für das restliche Romanpersonal, das die Autorin immer dann auftreten lässt, wenn es mal wieder was zu beweisen oder zu untermauern gilt. Da wäre einmal Katja's Freundin Reni, die uns ihre Erlebnisse bei den verwandtschaftlichen Kaffeekränzchen zum Besten gibt, bei denen Frauen und Kinder am Tisch der harten Männer aber schon mal gar nichts zu suchen hatten; dann die Lehrerkollegen, die sich über die Wehrmachtsausstellung streiten, der eine alt, der andere jung. Muss wirklich noch erwähnt werden, wer da im Streit welche Position vertritt ? Der aus Amerika E-Mail schickende Jan ist zuständig für den unvermeidlichen Zeitbezug, und der unverwüstliche „Crocodile Dundee"-Verschnitt namens Jerry Malone dafür, den Deutschen endlich klar zu machen, dass mit jedem Sonnenaufgang ein neuer Tag beginnt. Mit dergleichen Seichtigkeiten schafft er es immerhin spielend, seiner Friedel ordentlich den Kopf zu verdrehen. Der Beispiele gäbe es noch viele. (Schön die in rot-grünen „Sneakers" (!?) auf einem Stuhl stehende und aus dem „Tell" zitierende, feministische Schülerin Bettina, natürlich die kleinste, jüngste, aber unerschrockenste der ganzen Klasse. Die Szene wäre wirklich witzig, käme sie nicht in dieser oberlehrerhaften Sprache mit fünfundzwanzig Ausrufezeichen daher).
Musbach ein Altphilologe ? Nein, allenfalls das Klischee davon. Der alte Mann wird von seiner Tochter Katja mit dem Katalog der Wehrmachtsausstellung konfrontiert und erinnert sich an seine Zeit als Soldat im Russlandfeldzug. Je länger dieser Prozess dauert, desto mehr reduziert ihn die Autorin zum „Erinnerungsautomaten", der loslegt, sobald nur irgendein „Auslöser" betätigt wird. (Nicht umsonst melden bei ihm die medizinischen Geräte, an die er vorübergehend angeschlossen ist: „Error !" - und der Leser sieht sich beinahe genötigt, das sprichwörtliche „in the system" zu ergänzen). Als Auslöser seiner Erinnerungen genügt ihm meist die Anwesenheit der Tochter. Die Schilderungen seiner Fronterfahrungen lesen sich oft genug wie abgeschrieben aus Feldpostbriefen oder einschlägiger Kriegsbewältigungsliteratur. Von Authentizität jedenfalls keine Spur. Nicht mal von der Variante: Musbach und die edle Partisanin bleibt der Leser verschont !. Und selbst die letzten Grausamkeiten um den SS-Mann Katsch klingen noch wie nacherzählt, ganz abgesehen davon, dass das Motiv des Sadisten, der sich für zumeist nur eingebildete Demütigungen früherer Jahre endlich rächen will, einfach zu abgegriffen ist.
Vollkommen nervtötend aber ist der moralisch erhobene Zeigefinger, der dem Leser vom Gutmenschen Katja aus jeder Seite entgegengehalten wird. Dabei wirkt die Beharrlichkeit, mit der sie den Vater zu Schuldeingeständnissen (oder wozu eigentlich ?) zwingen will, wie aufgesetzt. Ob ihrer oft genug die Peinlichkeit streifenden Naivität nimmt man sie ihr nicht ab. Und wer von Brecht als „Dichter neunmalklug" faselt, der hat sich auch als Deutschlehrerin disqualifiziert.
Fazit: Auf zweihundertfünfzig Seiten null Erkenntnisgewinn - wenn da mal nicht das Thema verfehlt ist. Bewundernswert, wer es bei dieser permanenten Aneinanderreihung von Stereotypen bis zur letzten Seite schafft Aber bitte: dieses Buch, trotz der darin geschilderten Schrecknisse, kitschig zu finden, heisst nicht, die Verbrechen der Wehrmacht im Osten zu leugnen, heisst nicht, aus Tätern Opfer machen zu wollen und heisst v.a. nicht, den berüchtigten Schlussstrich unter die Geschichte des „Dritten Reiches" einzufordern. Es heisst einfach: ich persönlich halte dies für ein ziemlich misslungenes Buch.
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am 19. Januar 2014
Wunderbar – darfkannsoll man das von einem Roman über Kriegserlebnisse sagen?
Ja – denn Ulla Hahns „Unscharfe Bilder“ ist herausragend in Eindringlichkeit und Wirkung.
Exzellent der Stil, berührend die Vater-Tochter-Beziehung, spannend der Fortlauf der Ereignisse.
Sind Soldaten Mörder? Darfkannsoll man diese Frage stellen?
Mich interessieren dazu sehr die Meinungen anderer Leser/innen.
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