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Kundenrezensionen

4,8 von 5 Sternen
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4,8 von 5 Sternen
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am 9. Juni 2003
Die Handlung spielt in Saigon, bevor die Amerikaner in den Krieg eingetreten sind. Der alternde englische Journalist Thomas Fowler lebt mit einer viel jüngeren Einheimischen zusammen. Doch alles läuft zunehmend aus dem Ruder, als der amerikaner Pyle auftaucht. Er will Fowlers Geliebte heiraten und scheint noch einiges andere im Schilde zu führen. So scheint er es für nötig zu halten, dass eine dritte Kraft in den Krieg zwischen den Franzosen und den Vietnamesen eingreifen sollte.
Insgesamt gesehen ist dem Autor hier ein sehr gelungener Roman über das damalige Indochina gelungen. Greene gelingt es dem Buch eine athmosphärische Tiefe zu verleihen, die einen auf keinen Fall kalt läßt. Die Möglichkeit einer dritten Kraft im Krieg die der Autor einfließen läßt, verleiht der Geschichte einen visonären Touch. Der Autor konnte von der bevorstehenden Beteiligung der USA ja noch nicht all zu viel wissen.
Ebenfalls gelungen dargestellt ist die Figur des alten Journalisten Fowlers, der seine asiatische Freundin einfach nicht aufgeben will, weil er eine verständliche Angst hat, nämlich die einsam alt zu werden.
Ich denke Greene ist hier ein interessantes und spannendes Buch, über einen der meist diskutierten Kriege gelungen. Wobei er auch die Darstellung gegensätzlicher Menschen im damaligen Kriegsgebiet nicht vernachlässigt hat.
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am 30. Januar 2017
Graham Greenes erstmals 1955 veröffentlichtes Werk war geradezu visionär. Und wer wissen möchte, warum Greene anschließend bis zu seinem Tode von den US-amerikanischen Geheimdiensten überwacht wurde, kommt an diesem kurzweiligen Lesevergnügen nicht herum.

Greene erzählt im Kern eine klassische Rivalität zweier Männer um eine Frau. Dass der britische Ich-Erzähler Thomas Fowler dabei etwa doppelt so alt ist wie sein Kontrahent der amerikanische Alden Pyle, und dass die Vietnamesin Phuong, Ziel der unterschiedlichen Begierden, gerade einmal 20 Jahre alt ist, ist lediglich eine Variation unzähliger ähnlicher Geschichten. Auch die Kriminalerzählung, die sich durch den Roman zieht, ist aus heutiger Perspektive weder besonders innovativ noch besonders undurchsichtig. Selbst die Protagonisten sind häufig eher Stereotyp und Klischee, denn ausgereifte Persönlichkeiten. So ist die Vietnamesin still und kindlich. Der Amerikaner ist jung, naiv, draufgängerisch und emotional, während der ältere Brite ruhig, distanziert, abgeklärt aber zum Teil auch desinteressiert ist. Was macht dann den „stillen Amerikaner“ so besonders? Wodurch entsteht das kurzweilige Lesevergnügen?

Greenes Roman ist im Vietnam der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts angesiedelt. Es ist die Zeit des sogenannten Indochinakrieges. Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich kämpft gegen die Befreiungsbewegung der Việt Minh („Liga für die Unabhängigkeit Vietnams“), einem Bündnis aus nationalistischen und kommunistischen Gruppen. Es ist ein brutaler Kolonialkrieg bei dem nicht nur die Franzosen ihre Vorherrschaft verlieren können. Es ist vor allem auch ein vermeintlicher Kampf zweier Systeme. Es geht um die Herrschaft des (kolonialen) Kapitalismus gegen den Kommunismus. Es geht um Fremdbestimmung gegen Selbstbestimmung. Und damit ist der Krieg zu wichtig, als dass die US-Amerikaner ihn den Franzosen überlassen würden.

Greenes „Der stille Amerikaner“ wurde (und wird auch teilweise noch heute) als antiamerikanische Literatur gebrandmarkt. In Zeiten in denen die interventionistische Politik der USA in Vietnam der strengsten Geheimhaltung unterlag, wirkte der Roman wie ein Geheimnisverrat. Und es ist dieses Setting, dass sich im Hintergrund der erzählten Geschichte abspielt, dass den Roman so außergewöhnlich macht. Der Roman, dessen Rahmung weltgeschichtliche Relevanz hat, verbleibt immer beim Erleben des Ich-Erzählers. Das subjektive Erleben und nicht die Weltgeschichte strukturiert die Erzählung, die wie nebenbei im Hintergrund verbleibt und dabei doch der eigentliche Protagonist ist.

Die beeindruckende Leistung Greenes ist es einen Kriminal- und Beziehungsroman vorzulegen, der in den Empfindungen des Ich-Erzählers wie beiläufig eine der größten Tragödien der Menschheit (den Vietnamkrieg) ankündigt.

Zeitlos aktuell bleibt dabei auch immer die Frage nach der Positionierung in Konflikten. Auf welcher Seite greift man ein? Wer sind die Guten? Gibt es die überhaupt? Und was geschieht, wenn man interveniert?

Und wenn man „Der stille Amerikaner“ beendet hat, fällt einem plötzlich auf, dass die scheinbar stereotypen Figuren, eine Tiefe entwickelt haben, die so unaufdringlich herbeigeführt wurde, dass man sich wünscht, die Geschichte würde weitergehen. Greene at its best!
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am 28. Januar 2004
Streng genommen arbeitet Greene mit 3 Klischeefiguren (trinkender, zynischer, gealterter britischer Journalist - junger, naiver, aber kriegerischer Amerikaner und schöne, umschwärmte und undurchsichtige Vietnamesin), die sich in einer typischen Dreierkonstellation befinden. Das fällt aber überhaupt nicht negativ auf, denn der politische Hintergrund ist erstens extrem interessant und lässt zweitens die Figuren nicht so handeln, wie sie es wollen, sondern so, wie sie es für notwendig erachten. Der junge CIA-Agen Pyle und der gealterte Journalist Fowler kämpfen nicht nur um die junge Vietnamesin Phoung, sie kämpfen um das ganze Vietnam, ein Land, das seinerseits um Unabhängigkeit und Freiheit kämpft, ein Land, dessen Zukunft ungewiss und das am Ende 30 Jahre Krieg hinter sich haben wird.
Greenes Erzählstil ist dabei so souverän und gut, dass man den Roman förmlich verschlingt und am Ende etwas traurig feststellt, dass er viel zu kurz ist!
Definitiv eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe!
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In diesem wirklich sehr guten Buch wird der gerade erst aufkeimende Vietnamkrieg - und auch noch viele spätere Kriege - fast schon seherisch vorgezeichnet. Nicht umsonst wurde Greene aufgrund dieses Buches bis zu seinem Lebensende vom CIA verfolgt. Die Annahme lag nah, dass er damals Zugriff auf klassifiziertes Wissen hatte. Vielleicht war es so, vielleicht war Greene einfach nur ganz hervorragend visionär. Ich tendiere zu letzterem, denn das Buch ist aus meiner Sicht ein ganz ehrlich gemeintes Manifestt. Da wird nichts versteckt, angedeutet oder umschrieben.

Dabei wirken leider die Personen und ihre Emotionen leider etwas marionettenhaft bzw. gestelzt. Außerdem empfinde ich sie als literarische Figuren auch ein wenig zu stark Verkörperung eines Typs:

- Fowler, der beobachtende Engländer, der die Vietnamesen in ihrem Kampf um Selbstbestimmung gut versteht. Seine vietnamesische Geliebte betet er an, ohne sie eigentlich zu kennen. Als Personifizierung des Engländers ist er mir etwas zu innerlich neutral und bildhaft positiv geraten. Es ist ja nicht so, dass die Engländer im Weltgeschehen nur geschaut und vermittelt hätten.

- Phuong, die undurchsichtige Vietnamesin, die zunächst ihrem Geliebten treu bleibt, dann aber recht problemlos von dem einen zu, anderen wechselt. Und zwar ganz einfach zu dem, der ihr die bessere, sicherere Zukunft zu bieten scheint.

- Pyle, der Amerikaner, ist die eigentliche Überraschung im Buch. Denn 1955 hatten die Amerikaner ihr demokratisierenden Finger noch nicht im ganzen Weltgeschehen drin. Pyle also ist naiv, ein Gutmensch und hält ein heeres Ziel hoch: den Vietnamesen zur Demokratie zu verhelfen, mit allen Mitteln und fast willkürlichen Verbündeten.

Greene nimmt uns mit in Napalm zerbombte Dörfer, in Bordelle, in Edelhotels, an Massengräber. Er nimmt uns mit in Verzweiflung, Angst und auch Kriegsjunkietum. Er zieht uns in eine spannende Geschichte, die heute, 60 Jahre später, nichts an Aktualität verloren hat.
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am 13. August 2003
Graham Greens Buch spielt in Indochina, Vietnam während der Zeit des französischen Kolonialkrieges. Die Amerikaner sind noch nicht involviert, aber bereits präsent. Anhand einer Dreiecks-Geschichte zwischen einer jungen Vietnamesin, einem alternden englischen Journalisten und einem jungen Amerikaner wird, neben den Schicksalen der Charaktere, die damalige politische Situation geschildert und ein beeindruckendes Bild der vietnamesischen Gesellschaft geliefert. "Der Stille Amerikaner" ist eines der besten Bücher, das ich in letzter Zeit gelesen habe. Wiederaufgelegt, geschrieben in den Fünfzigern, ist es erstaunlich aktuell - speziell was die europäisch/amerikanischen Spannungen betrifft. Schlicht, klar, mit Aussage und trockenem, abgeklärtem Humor schreibt hier ein Schriftsteller am Höhepunkt seiner Kraft. Die Schilderung einer unfreiwilligen Nacht der Protagonisten auf einem Wachturm im Kriegsgebiet ist von unglaublicher Spannung und Qualität. Ein hervorragendes, lesenswertes Buch.
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am 25. März 2016
Zugegeben, dieses denkwürdige Zitat (der Urheber ist leider unbekannt) stammt nicht aus Graham Greenes „Der stille Amerikaner“. Dennoch erinnerten mich die einprägsamen Worte beim Lesen des Buches mehrmals an die Romanfigur Aldon Pyle, den Professorensohn aus Massachusetts, der mit dem hehren Ziel, den American way of life zu exportieren, ins implodierende Indochina auszieht. Dort trifft der junge Handelsattaché Pyle auf den alternden britischen Auslandskorrespondenten Thomas Fowler, aus dessen Sicht das Buch geschrieben ist. Zwischen beiden entsteht eine ungleiche Freundschaft, die dadurch erschwert wird, dass sich Pyle in Fowlers vietnamesische Geliebte Phuong verliebt.

Für den Leser manifestiert sich eine vielschichtige Gemengelange zwischen Freundschaft, Rivialität, Kolonialismus und dem omnipräsenten Krieg in einem geschundenen Land. Weder der melancholische Journalist, der für niemanden Partei ergreifen will, noch der idealistische Neuling mit seinen demokratischen Theorien taugen als Sympathieträger. Als in Saigon Bomben explodieren und Unschuldige sterben, verdichtet sich Fowlers Verdacht einer amerikanischen Subversion und er beginnt, seine Beziehung zu Pyle in völlig neuem Licht zu sehen.

Greenes Schreibstil schafft eine Atmosphäre, in der es keinen Platz für Gewinner zu geben scheint. Kühl und distanziert, bisweilen gar an der Grenze des Zynismus, erzählt Fowler den Kampf der französischen Besatzer gegen die kommunistische Việt-Minh, dem mehr als hunderttausend Zivilisten zum Opfer fielen:

„Aus der Bordkanone kam ein einziger, kurzer Feuerstoß von Leuchtspurmunition, und das Wohnboot stob in einem Funkenregen auseinander: Wir warteten nicht einmal so lange, um zu sehen, ob unsere Opfer ums Überleben kämpften, sondern stiegen auf und machten uns auf den Heimweg. Wieder dachte ich: Ich hasse den Krieg. Unsere plötzliche, vom Zufall gelenkte Wahl einer Beute hatte etwas so Erschütterndes an sich. Wir waren wie von ungefähr vorbeigekommen, ein einziger Feuerstoß hatte genügt, niemand hatte unser Feuer erwidert, wir verschwanden wieder, unser bescheidener Beitrag zu den Toten dieser Welt war geleistet.“ (S. 188)

Greenes Geschichte spielt in einem Konflikt, den wir angesichts des späteren, gnadenlosen Vietnamkrieges schnell vergessen. Das ist schade, denn dieser „Urkonflikt“ in Indochina steht am Anfang jener psychosozialen Kausalkette, die die Verbissenheit der französischen Militärelite, den Krieg in Algerien um jeden Preis zu gewinnen, erklären kann. Auch erweist sich Greene als weitsichtiger Hellseher, dessen Lehrstück wider koloniale Überheblichkeit dem land of the brave and the free zeigte, welche fatalen Folgen ignorantes Engagement haben kann und was seine Soldaten ein Jahrzehnt später anrichten würden.
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TOP 500 REZENSENTam 5. November 2012
Graham Greene, gebr. 1904, gest. 1991, war einer der unscheinbarsten und doch einer der größten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Von den einen als Spionage- und Agentenautor verspottet und an dieses Genre abgeschrieben, von den anderen als untergründig religiös inspirierter Schriftsteller bezeichnet, schrieb Greene sein Leben lang genau das, was er konnte, nicht mehr und nicht weniger und nur so konnte diese unglaubliche, schlichte Ehrlichkeit und Unverfänglichkeit entstehen, die beinahe jedes seines Bücher von den Figuren, bis zu den Inhalten und den Handlungsverlauf ausmacht.

Es sind Bücher, in denen es mehr darum geht, die Figuren zu konfrontieren (mit anderen Figuren und mit dem, was um sie herum geschieht), als wirklich Spannung oder eine große Geschichte aufzubauen. Eine große Geschichte braucht Greene auch nicht - seine Figuren haben ihre Geschichten, sich selbst, dass was sie glauben, wollen, denken - und das langt, das macht jedes seiner Bücher einzigartig gut.

"Der stille Amerikaner" (eines seiner besten Bücher, neben Unser Mann in Havanna und natürlich Die Stunde der Komödianten) ist ein sehr unscheinbares Buch, in etwas (aber nur was diesen Aspekt betrifft) mit Der Fremde zu vergleichen, auch so ein Buch, dass sich so langsam anschleicht und einen doch mit seiner ganzen literarischen Einzigartigkeit fesselt, die man nicht an irgendwelchen Metren, Stich- oder Fixpunkten festmachen kann. Normalerweise würde man wohl einfach sagen: Es ist ein richtig gutes Buch, es hat mich gefesselt, man muss es lesen, es kann da nicht nur so im Regal stehen. Ein Buch, das man eigentlich nicht aus der Hand legen möchte, auch wenn man es gerade ausgelesen hat.

Greene wird oft dem frz. Schriftsteller Georges Benanos nahegestellt oder auch Francois Mauriac. Eine Parallele, die meines Wissens nach nicht genug betont wurde, möchte ich hier noch anhängen: die zu Somerset Maugham, dem großen englischen Autor, mit ähnlichem Hintergrund wie Greene, als ehemaliger Agent. Genau wie dieser war Greene ein ausgesprochen ambivalenter/differenzierter Kritiker und Durchleuchter des Kolonialismus; wie auch bei Maugham, spielen seine Romane oft an kolonialen Orten (wie dieser hier in Vietnam) und genauso wie bei Maugham, geht es auch Greene um zentrale menschliche Themen wie Schuld, Glaube und Beziehungen zwischen Menschen. Beiden ist gleich, dass ihre Romane unvergleichliche Literatur sind und doch im Kern immer ein ewiges Werk fortschreiben, einen einzigen großen, spannenden Roman voller authentischer Figuren.
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am 9. Januar 2013
"The Quiet American" ist ein Roman über die politischen Verwicklungen während des Ersten Indochinakriegs, als nur Frankreich aktiv an den Kämpfen beteiligt war, und Amerika seine Beteiligung langsam vorbereitete. Erzählt wird die Geschichte von politischer und menschlicher Verwicklung aus der Sicht des Ich-Erzählers Thomas Fowler, einem britischen Reporter. Ein Mann in reifen Jahren, hauptberuflich Zyniker und "not engaged" in die kriegerischen Auseinandersetzungen, über die er als Neutraler nur berichtet, keinesfalls jedoch eingebunden ist. Die Figur Fowler trägt autobiographische Züge von Graham Greene selbst, der, als Angehoeriger der britischen Upper Class und Balliol Absolvent (Oxford), sein Aristokratendasein, gepraegt durch "the tranquil consciousness of an effortless superiority", hinter sich gelassen hat, um als Reporter und Schrifsteller auf Reisen zu gehen. Dabei hat er dann offenbar auch Kontakt zu diversen Geheimdiensten, was in seinen Werken - wie auch hier - immer wieder zum Ausdruck kommt.

Er begegnet nun Alden Pyle, einem jungen (naiven) amerikanischen Aktivisten, der im Auftrag einer amerikanischen Hilfsorganisation ein Entwicklungsprojekt initiieren und begleiten soll. Beide Männer entwickeln eine Art Freundschaft, die genauso eigenartig wie unverständlich erscheint. Der Roman beginnt mit dem Auffinden des ermordeten Pyle und den beginnenden Ermittlungen, in deren Verlauf uns Fowler die Geschehnisse aus seiner Perspektive erzählt.

Graham Greene macht in "The Quiet American" keinen Hehl aus seiner impliziten Geringschätzung für amerikanische Politik, die im, aus seiner Sicht, moralinsauren Gewand der "Humanität", nichts weiter darstellt als völlige Unwissenheit, die vorzugsweise und bestenfalls als Unschuld daherkommt, jedoch regelmässig nichts als Opfer auf der Seite der Anderen hervorbringt, die dann jedoch als notwendig, hoechstens bedauerlich, in jedem Fall jedoch unbeabsichtigt und zufällig dargestellt werden "(...) it was coincidence that the sacrifices were all paid by others (...)".

So entfaltet sich die Geschichte an der politischen Auseinandersetzung zwischen Fowler und Pyle um die amerikanische Vietnampolitik zu der Zeit, die ebenfalls die allzu menschliche Ebene erreicht, da beide um dieselbe Frau werben. Beide Themen beginnen sich zu vermischen und die Auseinandersetzungen - persönlich wie politisch - werden dabei von beiden Protagonisten in den selben Verhaltensmustern geführt: der alte britische Zyniker und Egoist (verkleidet als neutraler Reporter) auf der einen, und der junge unschuldige amerikanische Karrierist (verkleidet als altruistischer Gutmensch) auf der anderen Seite. Beide repräsentieren dabei ihre jeweiligen politischen Traditionen (und die ihrer Länder), mit einer gehörigen Portion von persönlichem Eigeninteresse, und Greene lässt keinen Zweifel daran, wem seine Sympathien zunächst gehören: "He'll (Pyle) always be innocent, you can't blame the innocent, they are always guiltless, all you can do is control them or eliminate them. Innocence is a kind of insanity".

Im weiteren Verlauf der Geschichte, und gezwungen/initiiert durch die Ereignisse, verlieren jedoch beide, mit der Realität auf beiden Ebenen konfrontiert, zunehmend die Eindeutigkeit ihrer Linien und die Reine ihrer Lehren: der Eine verliert seine Position als selbstloser Helfer ("they were only war casualties (...) they died for democracy"), und der Andere seine wie eine Fackel zur Schau getragene Neutralität ("one has to take sides, if one is to remain human").

Der Roman ist erstklassig erzählt, durchwegs unterhaltsam und hochpolitisch. Dabei voller Ironie und Sarkasmus, über die wohl nur Europaer schmunzeln können, insbesondere über die posthume Adelung des Alden Pyle, als "quiet American" und "very quiet American", wobei Robert Stone zu Beginn seiner Einführung zur Penguin Classic Graham Greene Centennial Ausgabe süffisant bemerkt, "(...) to illustrate the joke's unspoken punch line: The only quiet American is a dead American."

Ein absolutes Lesevergnügen mit Tiefgang über menschliche und politische Verstrickung, und eine klare Leseempfehlung mit 5 Sternen.
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am 21. Juli 2016
Sofern man an Geschichte interessiert ist, ist dieser Roman von Graham Greene eine Analogie der Veränderungen in Indochina. Der Roman ist aber auch ein Krimi, der uns Leser in die Zeit der Zeit der Wirren und Taten in Indochina - Vietnam - kurz nach dem zweiten Weltkrieg versetzt. Ich habe das Buch an einem Wochenende "inhaliert" und die Stimmung der damaligen Zeit war für mich absolut präsent. Für mich einer der besten Romane von Graham Greene...Sagt auch Peter Scholl- Latour in seinem Buch "Der Tod im Reisfeld".. Derstille Amerikaner gehört damit in meine Bibliothek....
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am 16. Mai 2016
Sehr guter Hintergrundroman, er dient auch zum besseren Verständnis der Indochina-Kriege und wie die USA schon vor 60 Jahren begannen, noch Unterricht französischer Besatzung Unruheherde zu stiften. Graham Greene hatte direkt prophetische Gaben, deshalb wurde sein Buch auch eine Zeitlang in den Staaten als antiamerikanisch verboten.
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