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Kundenrezensionen

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TOP 500 REZENSENTam 12. Juni 2017
Wer sich heute auf den Inseln des Mittelmeeres vergnügt, bedenkt nur selten, wie ärmlich und perspektivlos das Leben auf diesen Inseln noch vor verhältnismäßig kurzer Zeit gewesen ist. Das trifft in besonderer Weise für die große Insel Sardinien zu, auf der noch nach dem zweiten Weltkrieg Hunderttausende Menschen mit ihren Familien am Rande des Hungertodes dahinvegetieren mussten. Von einer solchen Familie, genauer gesagt von dem ältesten Sohn und dem Vater, dem Padre Padrone, handelt das vorliegende Buch. Der Sohn ist niemand anderes als der Autor, der sich mit diesem Buch die traumatischen Erfahrungen seiner Kindheit und Jugend von der Seele schrieb.
Das Buch beginnt mit einer für den kleinen Gavino einschneidenden Lebensentscheidung. Der ganze erst eingeschulte Gavino wird von seinem Vater wieder von der Schule genommen, weil seine Arbeitskraft zum Überleben der Familie benötigt wird. Zunächst muss er als Kleinkind im Alter von fünf oder sechs Jahren in eisiger Kälte die Schafe hüten und sie vor Banditen und wilden Tieren schützen. Viele seiner Altersgenossen, die genau wie Gavino zu diesen Diensten herangezogen werden, erfrieren in den eiskalten Nächten, auch Gavino überlebt den ersten Winter nur mit Mühe. Seine weiter Lehre umfasst die ganze Bandbreite landwirtschaftlicher Tätigkeiten: Säen, Ernten, Transportieren, Zuschneiden, Holzhacken, Erde umgraben, melken, und das in einer solchen Fülle, dass kaum noch Zeit zum Schlafen bleibt. Für den modernen Leser kaum noch nachvollziehbar ist die unmenschliche Härte, mit der der Vater auch den kleinesten Fehler Gavinos bestraft. Der Vater zeigt keinerlei elterliche Zuneigung, denn er gibt an Gewalt nur weiter, was er auch von seinem Vater erfahren hat. Noch feindseliger ist die Stimmung zwischen den einzelnen Hirtenfamilien des Dorfes. Keiner traut dem anderen, jeder stiehlt und lügt, wo er nur kann. Die Knechte werden so schlecht ernährt, dass sie Schafe stehlen müssen, um nicht zu verhungern. Menschenunwürdig sind die Äußerungsformen der Sexualität bei den jungen Männern, da bleibt kein Schaf und kein Huhn verschont, All das wird auf den ersten 175 Seiten des Buches mit schockierender Anschaulichkeit und so großer sprachlicher Kraft beschrieben, das man sich kaum von der Lektüre lösen kann. Eine brutal-realistische Saga des sardischen Hirtentums entfaltet sich vor den Augen des Lesers, weltenweit entfernt von dem idyllischen Schmus der sardischen Nobelpreisträgerin Grazia Deledda, die Sardinien als Kind verließ und ihr ganzes Leben von einer verlogenen ländlichen Idylle auf Sardinien fabulierte.
Am Ende gelingt Gavino Ledda gegen jede Wahrscheinlichkeit der Ausbruch aus diesem Teufelskreis – und zwar durch Bildung. Gegen den Willen des Vaters trat er in die Armee ein, erhielt eine elementare Schulbildung, die es ihm später erlauben sollte, weiter zu studieren und schließlich zu schreiben. Am Ende, Gavino ist 24, kommt es dann zur Emanzipation vom Vater, einfach, weil dieser aufgrund seines Alters nicht mehr in der Lage ist, den erwachsenen Sohn körperlich zu züchtigen. Froh und glücklich ist Gavino Ledda übrigens trotzdem nicht geworden. Ledda, der sich inzwischen als wohlhabender Mann in seinem in seinem Heimatdorf niedergelassen hat, ist von der Dorfgemeinschaft zur Unperson erklärt worden. Auch Schüsse wurden schon auf sein Haus abgegeben. Von diesem fortdauernden Atavismus merkt man nichts, wenn man heute durch das schöne Sardinien fährt.
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am 11. April 2017
spannend und realistisch geschrieben von der ersten bis zur letzten Seite - Gavinon nimmt sich kein Blatt vor den Mund und zeigt, wie hart und entbehrungsreich das Hirtenleben in den 50er-Jahren auf Sardinien war - absolut lesenswert - fasziniert hat mich sein Lebenslauf und gezeigt, dass es jeder schaffen kann, der nur den Willen hat, sein Ziel zu erreichen
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am 8. Juni 2017
Da wir in Sardinien waren, muste ich dieses Buch unbedingt lesen. super
- entspricht so wie wir es vom Reiseleiter gehört haben.
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am 4. März 2002
Padre Padrone ist ein autobiografischer Roman des sardischen Schriftstellers. Dieses Buch liest man langsman, um die rauhe Atmosphäre und die Sprache der Natur zu verstehen. Und je langsamer man es liest, desto schmerzhafter empfindet man die grausame Kindheit des kleinen Gavinos. Mich hat aber vor allem die Sprache dieses Buches fasziniert. In der Neuveröffentlichung finden wir immer wieder, mitten im Romantext die sardischen Begriffe - eine Bereicherung. Und irgendwann sitzen Sie nicht mehr auf Ihrem Sofa, sondern frieren und husten in der stinkenden Hirtenhütte in den Bergen von Sardinien.
Gavino Ledda schrieb auch einen zweiten Teil seiner Biografie. Leider kann man es in Deutschland nicht kaufen.
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am 26. Februar 2015
Ein klasse Buch, sehr empfehlenswert. Es entspricht der Wirklichkeit. Im Urlaub war in diesem Gebiet und habe mir alles angeschaut. Das Buch ist sehr nahe an der Wirklichkeit
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am 13. November 2002
Ein einmaliges Buch! Besonders wenn man schon einmal in Sardinien gewesen ist, kann einen diese reale Unfassbarkeit kaum unberührt lassen. Ledda weiß es so zu schreiben, dass man geradezu in seinem Buch und seinem Leben versinken könnte. Zu gerne würde ich auch den zweiten Teil seiner Biographie "Die Sprache der Sichel" lesen, leider ist dieser aber nicht mehr lieferbar.
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Gavino war es nur sehr kurz vergönnt, die Dorfschule im sardinischen Bergdorf Siligo besuchen zu können, zu kurz um Lesen oder Schreiben zu lernen. Sein Vater entschied, dass er ihm in der abgeschiedenen Einöde entfernt von seiner Mutter und Geschwistern als Arbeitskraft zu dienen habe, vor allem als Hüter der Schafherde. Gavino sträubt sich zuerst, doch sein Vater macht ihn durch brutale Gewalt gefügig.

In diesem autobiographischen Roman erzählt dieser Junge Jahre später von einer Kindheit als Arbeitsmaschine, mit vielen Entbehrungen und ganz ohne Ferien. Fast 2/3 des Buches widmet Ledda seiner Kindheit und Jugend, in einem weiteren Drittel seinen Weg der Loslösung von den alten Banden und seiner Emanzipation.

Was für ein Unterschied besteht zwischen der Kindheit der allermeisten mitteleuropäischen Kinder heutzutage und dem tristen im Buch beschriebenen kargen Leben als Hirtenjunge im Bergland von Sardinien. Was heute zum Reiseziel für gestresste Mitteleuropäer dient, war noch vor 60 Jahren karge und unwirkliche Ödnis, mit wenig Perspektive für die dort lebenden Menschen.
Doch selbst meine Elterngeneration, in ähnlichem Alter wie Ledda, berichtet von ihrer Kindheit auf dem Land in Baden bzw. Ostpreußen auch nicht gerade vom großen Zuckerschlecken. Kindheit hat sich gewandelt, zumindest in der westlichen Welt. Doch viele ähnliche Geschichten könnten sicherlich unzählige Kinder aus anderen Regionen der Erde auch heute noch erzählen, wenn sie jemals die Möglichkeit dazu bekommen würden.

Ledda konzentriert sich zunächst lange auf die Vater und Sohn-Ebene. Eigentlich geht es um eine Form der Versklavung. Nur selten wird so etwas wie Vaterliebe erkennbar. Gavino Ledda findet nach vielen leidvollen Jahren dann den Weg aus seiner Knechtschaft, sonst hätte er auch nie dieses Buch schreiben können. Für mich als Leser war es beeindruckend, so nahe an seinem Leid in seinem frühen Leben teilhaben zu dürfen, obgleich er mitunter sehr ereignislose Zeiten blieben. Er schreibt auch schonungslos über den Umgang mit dem sexuellen Trieb unter den Hirtenburschen. Eigentlich hat mir aber das letzte Drittel am besten gefallen, als er seinen Weg aus dem alten Leben heraus beschreibt, und wie viel Einsatz er an den Tage legt, um seine Schulabschlüsse nachzuholen. Ledda schreibt sehr nahe an seinen Gefühlen und inneren Vorgängen. So ist quasi ein Mitleiden und Mitfühlen gut möglich.

Es gibt ein Nachwort von Richard Schwaderer (informativ) und eine "Widerwiedergesungen" vom Autor selbst aus dem Jahr 2001 (da bleibt bei mir ein großes Fragezeichen über Sinn und Zweck).
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am 4. März 2006
Ein lesenswertes, trotziges Buch, das den Leser in seinen Bann zieht und erschüttert. Der Autor, Gavino Ledda, ist 1938 in eine kinderreiche, arme Hirten- und Bauernfamilie im Dorf Siligo im nordwestlichen Bergland Sardiniens, jener damals „fernen und vom Meer abgewandten Hirten- und Bauerninsel“, hineingeboren worden. In seinem schönen Italienbuch von 1954 verfällt der heute leider kaum mehr bekannte Schriftsteller Kasimir Edschmid mit Blick auf diese Insel ins Schwärmen: „Vieles in Sardinien, außerhalb der Städte, scheint noch der legendären Zeit vor der antiken Einwanderung anzugehören und zeigt sich besonders schön in den Gebärden der Hirten, die in der Einsamkeit der Steppen und Berge Millionen von Tieren behüten.“
Im autobiographischen Bericht Gavinos über seine harte Kindheit und die Zeit des Heranwachsens zum Mann, liest sich das ganz anders. Der Leser fühlt sich in vergangene Jahrhunderte und keineswegs in eine gute, alte Zeit zurückversetzt. Von unvorstellbarer Härte ist der unbändige Vater-Sohn-Konflikt zwischen Gavino und Abramo, dem rauhenVater. Der Kampf hat archaische Züge einer alten Kämpfersage. Die Kräfteverhältnisse verschieben sich erst mit dem Erwachsenwerden zugunsten Gavinos. Abgesehen von der Militärzeit durchzieht ein fast zwanzig Jahre dauernder Kampf zwischen Vater und Sohn das Buch. Daß die aufgezeichneten Begebenheiten 1944 einsetzen und 1962 enden, wird in dem Buch des sardischen Erzählers zwar erwähnt. Wir werden beim Lesen jedoch eigenartig berührt, weil es befremdet, daß die unerträglichen Vorkommnisse erst fünfzig bis sechzig Jahre zurückliegen sollen. Das Absonderliche, Fremdartige und extrem Rückständige, das Gavinos Jugend so böse in Mitleidenschaft gezogen hat, springt uns geradezu an, weil wir das in dieser extremen Art und Weise nicht kennen.
Das Gefühl, in eine längst vergangene Zeit zurückversetzt zu sein, wird im ursprünglich italienischen und selbst in der vorliegenden deutschen Übersetzung durch das Einfügen von Wörtern und Satzteilen in der heute gefährdeten sardischer Sprache verstärkt. Im deutschen Text wirkt das seltsam, weil der Vergleich zur italienischen Nationalsprache für deutsche Leser Italiens nicht nachzuvollziehen ist.
Vom fünften Lebensjahr an richtet der herrische und erbarmungslose Vater Abramo seinen Gavino erbarmungslos zum Hirten ab. Der väterliche Despot weiß nichts von Liebe zu seinen Kindern. Statt dessen setzt er bei der Erziehung des Sohnes auf physische Gewalt und schonungslose Schinderei. Gavino soll dem „Padrone“ wie einem Herrn untertänig dienen. Das Schulgesetz ausdrücklich mißachtend reißt der „Padrone“ seinen kleinen Gavino schon nach wenigen Wochen wieder aus der Dorfschule heraus. „Der Junge ist mein“, herrscht er die Lehrerin an. Der Vater sieht in ihm sein Eigentum.
Von jeglicher Geistesbildung ausgeschlossen muß der Junge die Schafe in der abgelegenen Bergeinsamkeit hüten, während sich der Vater im Dorf und auf dem Feld „um alles andere kümmert“, was in der sardischen Kleinbauern- und Hirtengesellschaft mit ihrer allgemein schwierigen wirtschaftlichen Lage schwer genug war. Der Preis, den der Sohn für dieses Hundeleben zahlen muß, ist sehr hoch. Der Vater behandelt Gavino schlimmer als sein Vieh. Die einsamen, entsagungsvollen Jahre haben Gavino indes reifer gemacht als seine Schulkameraden, die im Dorf blieben. Immer wieder verprügelt der strenge Tyrann, so wird das Wort „Padrone“ hier am besten sinngemäß übersetzt, den bedauernswerten Sohn auf widerwärtige Weise, um dessen Willen zu brechen. Wie eine Bestie geht er auf ihn los. Blindlings verletzen die Hiebe, Ohrfeigen, Stockschläge und Fußtritte des „Padrone“ den jungen Burschen. Außer Rand und Band schlägt er auf ihn ein: „Wie besessen von der Vorstellung, er könnte mich durch Prügel erziehen … er schlug einfach zu.“ Als Gavino Ledda 1974 nach einem langen Weg seinen autobiographischen Bericht über seine Jugend fertig geschrieben hat, zeigt folgender Satz, wie verwundet der jetzt 36jährige für immer war: „Es blieben einige Spuren an den Backenknochen, die heute noch zu sehen sind, und in mir die schmerzliche Erinnerung, die nicht vergehen will.“ Wer Ähnliches nicht selbst erlebt hat, kann diese Worte kaum verstehen. Erschwert war Gavinos Jugend dadurch, daß Frauen, ganz gleich ob Mutter, Schwester oder Freundinnen, in diesem Buch kaum eine Rolle spielen; das entspricht der Lebenswirklichkeit im damaligen Sardinien.
Charakter und Geist Gavinos waren stark genug, an dem Bedrücker seiner Jugend nicht zu zerbrechen. Das zeigen andere Teile seiner Selbsterlebensbeschreibung, die außerhalb der Vater-Sohn-Beziehung ablaufen. Er berichtet von den Hirten, von Jägern und Banditen, die er gelegentlich traf. Von Thiu Juanne, der gelegentlich im Pferch vorbeischaute, hörte er die stolzen Geschichten über seinen Vorfahren Giommaria Ledda, der bei den Bauern viel galt, bei den Reichen und Adeligen jedoch nichts. Letztere waren die eingebildeten, lasterhaften Löwen wie die Bauern und Hirten die Lämmer waren, wie Vater Ledda es ausdrückte. Wenn der mutige Giommara den Löwen nachstellt, mußten die dann und wann mit dem „Leben bezahlen. Und das war ganz recht so“, belehrte Juanne den Hirtenjungen.
Da die Leddas mit fast allen unmittelbaren Nachbarn draußen im Bauernland im Streit lagen, war die Lebenswelt Gavinos noch einmal eingeschränkter und erschwert. „Wespen“ nennt Gavino die benachbarten Hirten. Wenn sie nicht selbständig waren, waren Frauen für sie un-erreichbare Wesen. Die Befriedigung des Sexualtriebes dieser vereinsamten Jungen und Männer in der Abgeschiedenheit und Armut war nur ohne Frauen möglich. Ledda beschweigt die Einzelheiten nicht, um seine Erzählung noch glaubhafter zu machen. Er schämt sich für die Schilderungen. Aber das Eingehen auf die Umstände und Arten der Befriedigung soll zeigen, wie weit eine Verrohung Gavinos Leben bedrohte.
Ledda läßt nichts aus, wenn er vom dem Leben und der Landschaft auf seiner Insel erzählt, die sich so sehr vom übrigen Italien unterscheidet. Anders als die Nobelpreisträgerin Grazia Daledda aus Nuoro oder der andere große sardische Schriftsteller Giuseppe Dessì hat Gavino Ledda seine Erfahrungen nicht in lyrisch-nostalgischer Besinnlichkeit abzumildern versucht. Mit klarer Sprache hat er das Martyrium seiner Jugend und die harte, grausame Realität der sardischen Hirten und Bauern in seiner Heimat erzählt.
In den fünfziger Jahren begann diese enge Welt auseinanderzubrechen, und sein Freiheitsbedürfnis befahl ihm: „Ich geh von hier weg.“ Als Freiwilliger wird Ledda nach seiner Volljährigkeit Soldat, vor allem um aus dem Wirkungsbereich des Vaters zu entkommen: „Ich lieferte mich dem Staat aus.“ Er fand das militärische Leben unbefriedigend. Die Kaserne war ihm ein Gefängnis. Er nutzte jedoch seine Dienstzeit gut: Ledda eignete sich die italienische Sprache an, das er als Sarde nicht konnte, lernte das Lesen und Schreiben. Auf eigenen Antrag aus der Armee entlassen ging er nach Sardinien zurück, wo er seine schulische Bildung vom Vaterhaus aus im Selbststudium vervollständigte. In dieser Zeit kommt es zum endgültigen Bruch mit dem geizigen, raffgierigen und herrschsüchtigen Vater. „Ich bin der Herr! Ich bin dein Vater“, schreit der Alte und will Gavino zum Krüppel schlagen. Bei der körperlichen Auseinandersetzung, bei der er aber gegen seinen Vater die Hand nicht hebt, schleudert Gavino diesem ins Gesicht: „Du bist der Herr von gar nichts, und der Vater kann mir gestohlen bleiben.“
Der Sohn verläßt das Elternhaus, um seinen weiteren erfolgreichen Lebensweg zu gehen, von dem ein anderes Buch handelt.
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am 8. März 2004
Ledda beschreibt seine Kindheit als Sohn eines ehrgeizigen und gierigen Vaters, für den nur der falsche Bauernstolz und der materielle Gewinn aus seiner kleinen Landwirtschaft zählt. Damit der kleine Gavino die Schafe hüten kann, muss er die Schule nach ein, zwei Jahren verlassen. Tag und Nacht verbringt er mit seiner Herde allein und wünscht sich nicht nur Wärme und Spielkameraden, sondern später auch noch Anschluss an die Welt der Bildung. Da er nur Sardisch spricht, scheint er in seiner kleinen bäuerlichen Welt gefangen zu sein. Als Jugendlicher revoltiert er dann offen gegen seinen Vater und lernt schließlich beim Militär Italienisch, Lesen und Schreiben. Er schwindelt sich in eine Funkerausbildung, arbeitet sich nachts durch alle Bücher, die er in die Hände bekommt, und schafft dann noch die Aufnahme an eine Universität.
Was mich am meisten berührt: diese spannende Autobiographie beruht auf wahren Tatsachen, aber nicht aus dem 19. Jahrhundert, sondern aus den 1950er und 60er-Jahren!!!
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TOP 1000 REZENSENTam 29. September 2005
"Die Patriarchen wollen, dass die Dinge immer so bleiben, wie sie sind" - so lautet die Quintessenz des Ich-Erzählers Gavino, wenn er seinen Vater charakterisiert. Und außerdem erkennt er sehr bald, dass sein Vater bei all seinem Tun in erster Linie von der Sucht nach Reichtum getrieben wird.
Gavino Ledda, geboren 1938 auf Sardinien, wird nicht einmal eine Woche nach seinem Schuleintritt von seinem Vater wieder aus der Schule genommen. Als Erstgeborener hat er zu arbeiten und sich auf den Beruf des Hirten vorzubereiten.
Eine unendlich harte und brutale Zeit beginnt. Der Vater ist ein gewalttätiger Mensch, der den Sohn einmal mit seinen Schlägen beinahe um das Augenlicht bringt. Die jungen Olivenbäume sind die "Kinder" des Vaters - nur zu ihnen kann er zärtlich sein.
Und wie gelingt Galvino der Ausbruch aus diesem Leben? Ein dramatisches Schicksal nimmt seinen Verlauf...
Selbst 30 Jahre nach seinem Erscheinen hat der Roman nichts von seiner Kraft eingebüßt und wirkt frisch wie eh und je. Ledda beschreibt exakt, wie brutal, trostlos und deprimierend das Leben der Bauern und Hirten einerseits damals war, wie aber andererseits dieses Leben ebenso auf Instinkt und Besitzgier aufgebaut ist wie jenes der Reichen und Mächtigen.
Daneben spielt der Neid eine große Rolle: Wer sich aus seiner Klasse entfernen (= nicht mehr arm sein) will, wird von der eigenen Klasse verachtet- aber (natürlich) auch von jener, in die er vielleicht einmal hineinkommen könnte. Einzige Alternative für viele junge Männer aus Siligo damals: nach Belgien oder Amerika auswandern....
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