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Kundenrezensionen

4,5 von 5 Sternen
76
4,5 von 5 Sternen
Format: Taschenbuch|Ändern
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am 6. November 2011
Dieses Buch hat mich umgehauen. Sehr viele Erwachsenen-Sätze habe ich in den 60er und 70ern auch noch genau so zu hören bekommen. Wunderbar, dass jemand die Worte gefunden hat, um dieses Lebensgefühl zu beschreiben.
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am 25. Oktober 2009
Hildegard "Heldejaad" Palm wächst im streng katholischen Arbeitermilieu in einem kleinen Dorf bei Köln in den 1950er Jahren auf.
Ulla Hahn gewährt dem Leser in ihrem Buch, strikt aus der Sicht eines Kindes, einen Einblick in die kleinbürgerliche Enge, in das Fühlen und Denken in dieser Zeit. Besonders der große Einfluss, den der katholische Glauben auf den Alltag ausübte, wird erschreckend deutlich. Gott, vor allem das von Hildegards Großmutter vermittelte Gottesbild, ist eine strenge und strafende Instanz.
Schon früh entflieht Hildegard vor der streng gläubigen Großmutter, dem gewalttätigen Vater und der alles ohnmächtig hinnehmenden Mutter in ihre reiche Fantasie. Nur ihr liebevoller Großvater, der mit ihr Spaziergänge am Rhein macht, mit ihr Buch-, Märchen- und Wutsteine sammelt, ihr Geschichten erzählt, gibt Hildegard Halt.
Mit Schuleintritt und dem Lesen lernen öffnet sich für Hildegard eine neue Welt. Buchstaben werden Laute, die Laute bekommen einen Sinn, die geformten Worte lassen Geschichten entstehen. Im Elternhaus ist der Wissensdurst der Tochter nicht gern gesehen und nur mit Unterstützung eines Lehrers wird der Weg zur Realschule frei.
Hildegard legt ein Buch für schöne Wörter und Sätze an, ihr Umfeld denkt abfällig, dass "sie sich für etwas besseres hält". Je mehr Widerstand Hildegard erfährt, umso wichtiger werden ihre Fluchten in die Welt der Bücher. Für Friedrich Schiller, den sie besonders verehrt, errichtet sie sogar einen kleinen Altar.
Nach dem Realschulabschluss zum Schulabgang gezwungen, beginnt Hildegard eine Lehre in der Papierfabrik, sich selbst dabei beinahe verlierend.

Ulla Hahns klare, lebendige und authentische Sprache macht es dem Leser leicht, sich in Hildegard hineinzuversetzen, mit ihr zu fühlen. Dazu gehört auch die Einbindung des rheinischen Dialekts. Auch wenn man sich als Nicht-Rheinländer erst einlesen muss, ist die Verwendung des Dondorfer Platt wichtig für die Geschichte. So werden die bedrückende Enge, die Auswüchse des Glaubens, die strikte Trennung der katholischen, "echten" Dondorfer von den "Anderen", den "Evangelischen" und den "Müppen" (Flüchtlinge und Gastarbeiter) unmittelbar greifbar.

Ulla Hahn ist mit diesem Roman eine eindringliche Milieuschilderung der 1950er Jahre Deutschlands gelungen. Im Ringen um Eigenständigkeit zeigt die Autorin die Entwicklung eines Mädchens zu einer selbstbewussten, jungen Frau. Trotz Zweifel und Rückschlägen vermittelt dieser Roman Hoffnung - Hoffnung auf eine selbst bestimmtes Leben.
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am 20. Oktober 2008
Mit der Geschichte von Hildegard, die nach dem 2. Weltkrieg in einer "bildungsfernen", erz-katholischen Familie irgendwo in einem Kaff im Rheinland aufwächst, ist der Autorin ein ganz großer Roman gelungen.
Mit ihrem Wissens- und Lesehunger sowie der Faszination für die Sprache (und was sich damit alles machen lässt) unterscheidet sich Hildegard vom Rest der Familie. Anstatt dass diese das aufgeweckte Mädchen fördert, wird es als Außenseiterin und stets mit Misstrauen behandelt. Hildegard selber schürt ihrerseits immer wieder Zwietracht, indem sie z.B. anfängt, in der Familie hochdeutsch zu sprechen, oder bei Tisch Messer und Gabel zu benutzen - so ein Verhalten kann unmöglich akzeptiert werden, zeugt es doch nur davon, dass Hildegard sich für "etwas besseres" hält.
Der Roman erzählt die Lebensgeschichte der Hauptdarstellerin im Alter von ca. 5 bis 18 Jahren in einer ungemein anschaulichen Art und Weise. Das piefig-miefig-katholisch-konservative Unterschichtsmilieu wird so authentisch beschrieben, dass man nahezu das abgestandene Weihwasser in der Kirche riechen kann. Auch dass die gesprochenen Dialoge in Originalsprache, also der rheinländischen Mundart, wiedergegeben werden, trägt ungeheuer dazu bei, in diese fremde Welt, die doch gar nicht so weit fort ist, einzutauchen.
Fazit: Ein leiser, aber extrem fesselnder Roman, der von mir aus ruhig noch länger hätte sein können.
Das verborgene Wort
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am 27. September 2005
sagt der Großvater immer, wenn er seine Enkeltochter mitnimmt zum Rhein-Spaziergang, wo er ihr Buch-, Märchen- und Wutsteine zeigt und damit ihre Fantasie beflügelt, ganz ohne PC und anderen modernen Schnickschnack, denn den gab es noch nicht im Nachkriegsdeutschland. Und selbst, wenn es ihn gegeben hätte, für eine arme Arbeiterfamilie wie die Palms in Dondorf bei Köln wäre er unerschwinglich und vor allem auch Teufelszeug gewesen, denn hier beherrscht noch der „wahre Glaube", der Katholizismus, den gesamten Alltag. Alle Andersgläubigen („Müppen") alles Fremde, Ungewohnte strikt ablehnend, versucht die Familie, ihr schwarzes Schaf, die bildungswütige Tochter Hildegard, teils mit brutaler Gewalt in die althergebrachten Normen zu zwingen, die da sind Glaube, Ehe, Kinder, Haushalt. Hilla, wie sie sich selbst nennt, um die Verschandelung ihres Namens ins Kölsche („Heldejaad") zu vermeiden, liebt schöne Wörter und Sätze, die sie in ihrem kleinen Kabüffchen der Literatur entnimmt und ehrfürchtig in einer Kladde sammelt. Dieses Abweichen von der Norm macht sie zur Ausgestoßenen in der eigenen Familie und in der Dorfgemeinschaft. Ein Mädchen, das lieber ein Lexikon als neue Kleider möchte, Hochdeutsch übt und dafür vom Vater eine Tracht Prügel kassiert, die ihrem heiß geliebten Schiller ein Altärchen baut - so was hat das Dorf noch nicht gesehen: Die hält sich für was Besseres! Und als wäre all dies nicht Unglück genug, gerät Hildegard in die Irrungen und Wirrungen der Pubertät und findet nirgendwo - nicht einmal in ihrer geliebten Literatur - die ersehnten Antworten. Gezwungen zum Schulabgang nach der Mittleren Reife, beginnt sie kreuzunglücklich eine kaufmännische Lehre „op der Papp", der Papierfabrik, die sie nur unter massivem Alkoholeinfluss erträgt. Die Familie glaubt sich endlich am Ziel, aber da kennt sie „et Heldejaad" schlecht...
Ulla Hahn hat ein wundervolles Buch geschrieben, ein stilles Buch, das aber den Leser mit unbezwingbarer Macht in seinen Bann schlägt, ihn nicht mehr loslässt mit seinem aus heutiger Sicht teils schockierenden, teils grotestk-erheiternden Sittengemälde vom dörflichen Leben im Rheinland der Nachkriegszeit. Ein Buch, das alle emotionalen Saiten erklingen lässt, ein Buch, das jede(r) gelesen haben sollte!
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am 12. Juli 2005
Hildegard ist anders als die Leute in dem kleinen, erzkatholischen und -konservativen Dorf im Rheinland, in dem sie aufwächst. Schon als Kind fällt sie durch ihre lebhafte Phantasie auf, mit dem Lesenlernen schließlich taucht sie in eine ganz neue Welt der Buchstaben, Wörter und Geschichten ein, die sie über alles fasziniert.
Für die Eltern ist das alles Firlefanz, "dat Kenk" (das Kind) soll was Anständiges lernen, schon die Realschule, die sie sie widerstrebend besuchen lassen, ist ihnen "zuviel", zu abgehoben. In den Ferien arbeitet sie in der Fabrik, erlebt die Komplikationen der ersten Liebe und stellt zwischendurch immer wieder sehr schön formulierte Betrachtungen über das Lesen an.
In dem Buch passiert eigentlich nichts, was man nicht schon mal gehört hat, wenn man aus einer kleineren Gemeinde stammt, wo jeder jeden kennt: Festgottesdienste, Skandälchen, Liebeleien, Prügelstrafe, Bigotterie, Alkoholsucht, uneheliche Kinder, Fabrikarbeit...
Aber Ulla Hahn schildert das alles in einer so eindringlichen, lebendigen, glaubhaften Sprache, dass man richtig in die Geschichte hineingezogen wird, mit Hildegard fühlt, leidet, sich freut, hofft, sie interessiert durch Kindheit und Jugend begleitet.
Ein sehr schönes, lebensechtes und trotz der alltäglichen Thematik fesselndes Buch mit vielen genau beobachteten und fein gezeichneten Szenen.
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am 24. Juni 2006
Die Kritiken zu diesem Roman sind unterschiedlich: Die einen loben die sprachliche Virtuosität dieses Entwicklungsroimans zwischen Kindergarten und Backfischzeit im muffigen Proletarierkatholizismus der deutschen Nachkriegszeig -- die anderen kritisieren das "biedere Strickmuster" dieser Emanzipation eines Kindes aus dem engen Korsett, das familiäres und soziales Umfeld ihr bestimmt haben.

Hildegard Palm, von ihren Eltern nur "platt" Heldejaad genannt, ist quasi ein Ohrenmensch: Geräusche, Worte, Geschichten sind ihre Gegenwelt zu der muffigen Enge des Elternhauses, der feigen Gleichgültigkeit der Mutter und der hilflosen Gewalttätigkeit des Vaters. Wen wundert 's, daß sie mit den ersten Schultagen erkennt, welches Potenzial an aufgehobenen Geräuschen, Worten, Geschichten Bücher bieten.

Was ihre Eltern erbittert einzudämmen versuchen, wird von manchem Außenstehenden wohlwollend beobachtet, ja sogar gefördert. Und gerade weil diese nur gelegentliche Unterstützung stets aus der Distanz erfolgt und nicht immer glückt, ist und bleibt dieses Ringen Hildegards ureigene Leistung.

Die unterstellte "Geradlinigkeit" und "schiere() Ungebrochenheit einer Heldinnen-Perspektive", die "nicht ganz auf der Höhe der Zeit" sei, ist gerade das große Plus, dieses bei all seiner Breite sehr leisen Romans. Die beliebte "multipersonale Perspektive" mancher zeitgenössischer Romane (eigentlich eine Adaption des in den Köpfen aller seiner Figuren heimischen Erzählers im Trivialroman), hätte die Dichte zu postmoderner Beliebigkeit mit sozialkritischem Touch zerfasert.

Ulla Hahn ergeht sich nicht in postmoderner Larmoyanz, sie sucht auch nicht nach Schuldigen, sondern beschwört in geradezu klassischer Tradition die Macht des Geistes über die Dinge: Nicht das Sein beherrsche das Bewußtsein, sondern indem das Bewußtsein durch die Sprache die Macht über die Dinge erringt, gelingt der Aufbrauch aus der selbstgewählten Abhängigkeit, wie Kant die »Aufklärung« bestimmt.

Nicht umsonst ist der Titel eine Anspielung auf die neutestamentarische Apokalypse: »Wer überwindet, dem will ich zu essen geben von dem verborgenen Manna und will ihm geben einen weißen Stein und auf den Stein einen neuen Namen geschrieben, welchen niemand kennt, denn der ihn empfängt.« (Off.Joh. 2,17)

In seiner wundervollen sprachlichen Umsetzung und "unmodernen" Parteinahme für den Menschen als geistiges Wesen m.A.n. einer der besten Romane, die in den letzten Jahren veröffentlicht wurden.
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VINE-PRODUKTTESTERam 14. März 2010
"Schläft ein Lied in allen Dingen,/ die da träumen fort und fort,/ und die Welt fängt an zu singen/ triffst du nur das Zauberwort." Eichendorffs "Wünschelrute" ist die Formel mit der Ulla Hahn ihre Heldin Hildegard Palm auf die Reise nach den "verborgenen Worten" schickt.

Hildegard ist ein Teufelsbraten, sagt die Mutter. Ein ungeschickter Tölpel mit zwei linken Händen, findet die Großmutter. Der Vater sagt nichts, er prügelt. Allein der Großvater hat Verständnis für das aufgeweckte, phantasievolle Kind. Er nimmt Sie mit zu langen Spaziergängen an den Rhein. Einen unerschöpflichen Vorrat an Geschichten im Kopf. Begierig nimmt das Mädchen jedes Wort in sich auf. Zerlegt es, zerpflückt es, lässt es auf der Zunge zergehen, spürt dem Geschmack nach und setzt es wieder zusammen. Hat noch keinen Namen für dieses Vorgehen. Merkt nur, das ihre Art den Eltern suspekt ist. Anders sein wird argwöhnisch betrachtet im Deutschland der Nachkriegsjahre.
Als Hildegard Anfang der 1950er Jahre eingeschult wird eröffnet sich ihr eine neue Welt. Die Welt des Lesens. Fortan ist kein Buch vor ihr sicher, Hildegard jedoch in Sicherheit. Fortan kann sie zu jeder Zeit Zuflucht in ihrer literarischen Welt suchen. Das die Realität sich jedoch nicht ausschalten lässt, erfährt Hildegard oft auf schmerzliche Weise, wenn Sie die schützende Hülle ihrer Bücher verlässt.

Ulla Hahn hat in "Das verborgene Wort" die Biographie einer großen Leserin erzählt. Hat diese Biographie mit der Geschichte unseres Landes in den Nachkriegsjahren verknüpft. Mit den Alltäglichkeiten aus dem Leben der "kleinen Leute". Jahreszeiten, Wirtschaftswunder, Familienfeste, Krankheiten, Glaubensfragen, Essgewohnheiten. Abwechslungsreich und reichhaltig ist die Handlung. Vielfarbig gemalt. Zuweilen etwas schwer verständlich, wenn Hahn ihre Figuren seitenlang im "Dondorfer Platt" miteinander reden lässt.

Hildegard buchstabiert für uns die Welt. Das Leben besteht aus Worten die nur gefunden werden müssen. Ulla Hahn hat Sie gefunden. Das Leben hält Bücher für uns bereit, die gelesen werden dürfen. Ulla Hahn hat ein solches Buch für den geschrieben. Für den "geheimen Orden der Leser". Für alle "für die Lesen mehr ist als ein Vergnügen, mehr als ein Laster, einfach das Leben"!
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am 13. August 2004
Ich habe lange kein Buch mehr gelesen, welches mich auf eine solche Weise fasziniert und ergriffen hat. Es macht traurig, läßt den Leser lachen, stimmt nachdenklich und erweckt allerhand sonstige Emotionen beim Lesen. Anfangs habe ich lange gebraucht, um mich in die Handlung des Buches reinzufinden; sicher auch ein wenig wegen des geschriebenen rheinländischen Dialektes. Wenn man sich Zeit für diesen anspruchsvollen Roman nimmt und sich auf die Wortspielereien mit der deutschen Sprache einläßt, wird
man das Leben der kleinen Hildegard mit Neugier verfolgen, und das Buch schwerlich wieder aus der Hand legen.
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Falls Sie oder Ihre Eltern um die 60 Jahre alt sind und im Nachkriegsdeutschland der 50ger Jahre aufgewachsen sind, finden Sie hier ein Zeitfenster zu Ihrer (hoffentlich schöneren) Kindheit. Es ist die Zeit Adenauers, Deutschland wird gerade aufgebaut, die Technik ist auf dem Land noch rückständig - man geht noch aufs Plumsklo, badet im Bottich. Im Osten wird die Mauer gebaut, es strömen protestantische Flüchtlinge in den katho0lischen Westen, und angesichts der noch starken Position der Kirche und des Glaubens ist die Integration nicht leicht. Und wie auf dem Land wird auch im Buch ausgiebig Plattdeutsch gesprochen - wobei die extremsten Ausdrücke freundlicherweise in einer Fußnote übersetzt werden.
Erzählt wird die nicht ganz glückliche Kindheit von Hildegard 'Heldejaad' Palm, die in Döndorf im Rheinland zwischen Köln und Düsseldorf aufwächst. Sie gerät in Konflikt mit den starken Traditionen ihrer Eltern. Das betrifft nicht nur die bigotte Strenggläubigkeit, von deren Mitmenschlichkeit sie im täglichen Leben nicht viel spürt. Statt Argumente setzt es häufig Prügel, die Mutter droht ("Waat bes dä Papp kütt"). Hildegard ist anders, intelligenter, belesener. Sie zitiert gerne - Heine, Goethe, Lessing. Sie 'sammelt' schöne Wörter, kreiert Wortspiele, träumt von einem Brockhaus. Doch genau hierdurch entsteht der Konflikt mit ihren Eltern, die ihre Begabung nicht erkennen und für die ist die Leserei und Lernerei "Düvelskrom" bzw. Teufelszeug ist . Als Mädchen soll ihr die Mittelschule (heute: Realschule) vorenthalten werden, statt dessen soll sie arbeiten. An Gymnasium und Abitur ist gar nicht zu denken. Das war damals ein häufiges Schicksal: lange diskutiert sie mit ihren Eltern rebellisch um ihr Recht auf Bildung und letztlich um ihre Emanzipation. Heute mutet das grotesk an: welches Schulkind kämpft darum, zur Schule gehen zu dürfen? Hildegard zieht sich immer mehr in ihre Welt der Wörter zurück, sie vegleicht sogar ihre paar unglücklichen Liebschaften mit berühmten Autoren und ihrer großen Liebe Gottfried Lessing - Ansprüche, die die Jungs nicht erfüllen können.
Das "Verborgene Wort" ist ein wunderschönes, poetisches, aber auch ein sehr anspruchsvolles Buch, das viel Zeit benötigt und auf das Sie sich einlassen müssen. Der Leser sollte am besten einen persönlichen Bezug zu dieser Zeit und zum Rheinland haben, nicht zuletzt, weil man die größere Dosis Plattdeutsch verarbeiten muss. Und in Andenken an Hildegard habe ich zufällig ein tolles Fremdwort für unsere wundervolle kölsche/rheinische Mundart gefunden: man nennt es auch 'Ripuarisch' :-)
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am 8. Juli 2008
Leider bin ich erst durch die Verfilmung auf das Buch gestoßen, ich hätte es gerne schon früher gekannt.
Zugegeben, man muss sich Zeit nehmen für diese intensive Milieustudie. Aber man wird auch belohnt, denn gerade die Fähigkeit der Autorin, Sprache lyrisch zu verdichten, macht es dem Leser leicht, die Perspektive der Hauptfigur einzunehmen und mit ihr zu empfinden. Man schmeckt und riecht förmlich die kleinbürgerliche Enge des rheinischen Katholizismus.
Neben den Schilderungen von Familienfesten und alltäglichen Begebenheiten, die wirken, als wären sie der Realität abgefilmt, trägt dazu wesentlich der rheinische Dialekt bei, ohne den das Buch viel ärmer wäre und vor allem an Charakter verlöre. Im Gegensatz zur Hochsprache kann man in einer Mundart vor allem unerschiedlichste Gefühlsnuancen zum Ausdruck bringen - da kann man flapsig sein, ordinär, zärtlich zugleich, aber auch weise und gelassen - und die Dinge viel mehr auf den Punkt bringen. Abgesehen davon spielt die Auseinandersetzung mit dem Dialekt, der wie ein Brandzeichen ihrer Herkunft ist, für Hilla Palm eine ganz wichtige Rolle im Prozess ihres Erwachsenwerdens, den der Leser durch die Konfrontation mit dem Rheinischen erst authentisch durchleben kann.
Es beeindruckt zutiefst, wie dieses Mädchen dankbar noch den kleinsten Zuspruch wohlmeinender Mitmenschen aufnimmt und sich selbst treu bleibt. Und es rührt, mitanzusehen, wie es sich vergeblich zu verbiegen versucht und dabei fast in den Abgrund fällt.
Wer selbst Rheinländer ist, in den 50-er Jahren aufgewachsen bzw. sich aus kleinen Verhältnissen stammend gegen familiäre Widerstände den Zugang zu Bildung erkämpfen musste, wird ganz viele Déja-vu's erleben.
Wer Literatur liebt und die Kraft der Worte zu schätzen weiß, für den kann dieses Buch eines von denen werden, die man zwar immer wieder verschenkt, aber nie weggeben würde.
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