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Kundenrezensionen

4,1 von 5 Sternen
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Genazinos Roman besteht aus dem endlosen Monolog eines intellektuellen Stadtstreichers, der sich und seine Umwelt ständig beobachtet. Der Autor beschreibt haargenau Menschen, die sich im Alltag bewegen und lässt sich, genau wie im richtigen Leben, federleicht ablenken von Figuren, die wie Treibgut in sein Blickfeld schwimmen. Dabei fällt die ungeheure Kraft des Erzählers auf, den Leser nur durch Beobachtungen am Geschehen teilhaben zu lassen. Genazino verzichtet nahezu vollständig auf den Einsatz anderer Sinne, wie es den Teilnehmern jedes »Kreativ-Schreiben«-Kurs bereits in den ersten Lektionen ins Hirn gehämmert wird. Höchst selten findet ein Riechen, Schmecken, Hören oder Tasten statt, ein Geruch »fällt ihm auf«, aber dabei lässt er es auch schon bewenden.

Die lakonische Erzählweise Genazinos und das dabei entstehende Gemälde einer Persönlichkeit am Rande des Scheiterns sind eindrücklich. Der Autor arbeitet photographisch exakt, er belichtet ausgewählte Details und vergrößert sie für seine Prosacollage im »Gestrüpp, Geröll, Geraschel, Geschluppe, Geschlappe« des Lebens. Sein Roman über ein im Gleichmass verlaufendes «Ablenkungsleben» ist ein Buch für Leser, die zuweilen auch das Gefühl haben, dass ihr bisheriges Leben lediglich ein lang gezogener Regentag ist und «ihr Körper der Regenschirm für diesen Tag».

Meine ausführliche Rezension des Buches gibt es auf Literaturzeitschrift.de.
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am 4. August 2005
Wilhelm Genazino ist ein passionierter Flaneur der Großstadt. Und er weiß: die Exotik des Lebens liegt mitunter gleich hinter dem nächsten Häuserblock. Mit fotografischen Blick ergründet er die großen und die kleinen Verrücktheiten, Triumphe und Hereinfälle eines eigentlich doch eher mittelmäßigen Alltags. Alles ganz normal. Oder auch nicht. Genazino zumindest wundert sich schon, „daß nicht viele Personen endlich eingestehen, das ihre Normalität nur gespielt ist". Wilhelm Genazino stellt dabei stets die richtigen Fragen. Und er nimmt sich viel Zeit. Zum Schauen und Beobachten. In der Hektik des modernen Großstadtlebens wirkt das mitunter schon fast befremdlich. Er staunt trotzdem. Mit einem wissbegierigen Kinderblick, den er sich glücklicherweise hat bewahren können. Und so werden bei Genazino aus namenlosen Passanten markige Superhelden. Oder aus ganz banalen Ereignissen große Abenteuer.
Lange Jahre war Wilhelm Genazino nur bei einer kleinen Leserschaft bekannt. Mit der Empfehlung des Romans „Ein Regenschirm für diesen Tag" im „Literarischen Quartett" am 17. August 2001 begann der Aufstieg des 1943 in Mannheim geborenen Autors. Die Damen und Herren Kritiker überboten sich in der ZDF-Literatursendung auch tatsächlich mit euphorischen Lobeshymnen für Autor und Roman. So meinte etwa Iris Radisch: "... ein Zauberautor ,.. ein existenzielles, tragisches Buch mit leichtem Ton..." Und Marcel Reich-Ranicki formulierte begeistert: "... Ein hochbegabter, hochinteressanter Autor, ...Prosa mit Charme! ... eine leichte, klare, durchsichtige Prosa..."
Der namenlose Ich-Erzähler in Wilhelm Genazinos „Ein Regenschirm für diesen Tag" ist ein notorischer Stadtstreuner. Und wird dafür sogar noch entlohnt. Als Gutachter für feinstes Luxusschuhwerk läuft er kreuz und quer durch die Großstadt. Damit kann er finanziell einigermaßen „überleben". Auch wenn es bisher verbummelt hat, sich „einen festen soliden Hintergrund" zu schaffen. Immerhin: er ist ein Frauentyp, wie er meint. In der Stadt wimmelt es nur so von alten Freundinnen (Gunhild, Susanne, Doris, Lisa). Und diesen begegnet er auf Schritt und Tritt. Genazinos' intelligenter Taugenichts fühlt sich dabei eher in der Nähe von Obdachlosen und Verwirrten wohl. Eigentlich möchte er so sein wie sie. Unser melancholischer Lebenskünstler flaniert weiter durch die Stadt. Und übt sich in distanzierter Betrachtung seiner Mitmenschen. Das Gehen an sich ist für ihn ein Genuss. Denn beim Gehen kann er am allerbesten nachdenken (ein Schelm, der dabei nicht an Thomas Bernhard denkt). Er läuft und läuft und läuft. Und tritt trotzdem auf der Stelle. Ewig kann er nicht flanieren. Nach einer Blitzkarriere als Erlebnistherapeut für frustrierte Frauen wendet er sich letztlich doch einer bürgerlichen Berufskarriere zu. Er kommentiert es so: „Die Unruhe über mein fast gescheitertes Leben verwandelt sich in die Aufregung über den gerade noch gefundenen Ausweg".
Wilhelm Genazinos Anti-Held bringt uns zum Schmunzeln. Und zum Nachdenken. Wenn er beispielsweise von seinem Gefühl schwadroniert, „ohne seine innere Genehmigung auf der Welt" zu sein. Und lieber zeitlich definierte Sondergenehmigungen ausstellen möchte. Der Roman ist ein literarisch überaus gekonntes Buch über das Denken und Sehen. Dabei sieht „der Virtuose des schweifenden Blicks" (so die „Süddeutsche Zeitung" über Wilhelm Genazino am 4./5.08.2001) unsere Lebenswelt mit durchaus poetischen Augen. Oder mit dem Schalk im Nacken. Wir lachen gerne mit. Und sind manchmal auch berührt. Von den Sätzen des Ich-Erzählers ob der Banalität des täglichen Lebens: „Es werden schon lange keine Beweise mehr gebraucht, daß man es auf der Welt nicht aushalten kann, aber hier wird gerade wieder einer geliefert". Oder wie es der Flaneur an anderer Stelle bitter diagnostizieren muss: „Ich bin sicher, daß alle diese fröhlichen Leute bei der erstbesten Gelegenheit unbarmherzig werden, falls Unbarmherzigkeit plötzlich lohnend erscheint". Trotz der enthaltenen bitteren Wahrheiten: die Sätze zum Niederknien. Der Vorhang fällt. Alle Fragen offen. Und der Leser positiv betroffen.
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am 9. Mai 2016
Der 1943 geborene Wilhelm Genazino hat als Redakteur unter anderem für Pardon und Titanic gearbeitet. In den 70gern ist er mit seiner Abschaffel-Trilogie in Erscheinung getreten. Darin geht es um einen müden Helden mittleren Alters in mittlerer Position, der lustlos durchs Lebens schlurft, sich den Zumutungen des Alltags ausgesetzt sieht und dessen Devise ausweichen, sich verstecken und stillhalten ist. Diese resignativ-subdepressive Haltung eskaliert nie dramatisch und ist dennoch vereinbar mit einer durchaus ansehnlichen Grundgeilheit, die ihn eine ausreichende Zahl von sexuellen Kontakten knüpfen lässt und so seinem Leben eine gewisse Kontinuität gibt.
Dieses literarische Debüt geriet verständlicherweise in Vergessenheit. Genazino ist bis heute hoch produktiv. Auf das Grundmuster aus Abschaffel kann sich der Leser verlassen. Neue Ideen muss er nicht befürchten. Sein Fleiß hat sich ausgezahlt. Neben zahlreichen Preisen ( Büchner-Preis, Kleist-Preis, Goethe-Preis ) erhielt er 2001 die höheren Weihen im „Literarischen Quartett“. Hymnische Würdigungen seines Romans „Ein Regenschirm für diesen Tag“ durch Marcel Reich-Ranicki und Iris Radisch katapultierten ihn in die Liga der bundesdeutschen Topliteraten.
Was hat es mit dem „Regenschirm“ auf sich ? Es beginnt mit der Beobachtung von Spucke, die an einer Litfaßsäule herabrinnt. Dann begegnet er einer früheren Bekannten, assoziert sie mit einer anderen, die ihm einfällt. Beide sind nur Merkmalsträgerinnen. Dagmar zum Beispiel hat besonders dichte Augenbrauenbüschel und ihn nur deshalb angezogen. Als sie im Schwimmbad die mit einer Taucherbrille verdeckt, ist sie nicht mehr interessant für ihn. Einleuchtend. Ein Bogen wird geschlagen zu ersten sexuellen Empfindungen der Kindheit, auf dem Schlitten sitzend und an die vorn sitzende Spielkameradin geklammert. Einen breiten Raum im ersten Kapitel nimmt eine mit Hingabe geschilderte Szene ein, die als Comic „Pardon“ oder „Titanic“ entlehnt sein könnte. Am Rande eines kleinen Circus tritt eine junge Frau mit einem Pferd ins Freie und beginnt es zu striegeln. Der Hengst reagiert mit einer Erregung seines Geschlechtsteils. Es schiebt sich mächtig vor. Die junge Frau striegelt weiter und geht mit ihrem Kopf dicht an den Rücken des Tieres heran, ohne es zu bemerken. Ganz anders ein paar Männer, die in geringer Entfernung stehen. Die kichern längst und warten voll Bosheit darauf, dass es die Frau bemerkt und gleichzeitig bemerkt, dass sie Zuschauer hat, die es bemerkt haben.
Mit diesen und ähnlichen Szenarien, handwerklich sauber gearbeitet und mit nicht ermüdender Phantasie und Aufmerksamkeit gesammelt, ist Genazino jederzeit der Star des gymnasialen Pausenhofes. Es ist die Welt stets zum Ablachen bereiter postpubertärer Witzbolde, der Stoff von „Versteckte Kamera“.

Handlung kommt in „Ein Regenschirm für diesen Tag“ kaum vor. Es wird taxiert und gemustert. Die Welt als Zumutung. Alles ist irgendwie lachhaft, hohl, korrumpiert und eitel. Es gibt Menschen, die leben gut mit einer solchen Grundstimmung. Sie sind nicht gesund, wenn sie nicht krank sein können. Genazinos Stimmung ist die intellektuelle, reflektierte Spielart. Sein Protagonist entlarvt, parodiert, fasst mit spitzen Fingern an. Zugute halten muss man ihm, dass er diese Perspektive auch auf sich selber anwendet.
Genazino hat sich mit nicht ermüdender Häme in die Herzen seiner Fans geschrieben. Seine Freunde nennen ihn den „Anwalt kleinster Dinge“, einen „Flaneur im Alltäglichen und Normalen“ , einen „Meister des Gewöhnlichen“. Auf Fotos wirkt Genazino so strahlend und glücklich, so entspannt und mit sich im Reinen wie man selten jemanden sieht. Ganz offensichtlich sind seine Anhänger und er glücklich mit diesem Stoff. Meiner ist es nicht.

Als Rousseau seinen prämierten Aufsatz für die Akademie Voltaire zugeschickt hatte, bedankte der sich artig für „diese Schrift gegen die Menschheit“. „Man hat nie soviel Geist aufgewendet, um uns zurück zu den Tieren zu schicken und bekommt Lust, auf vier Pfoten zu laufen, wenn man ihr Werk liest. Jedoch, es sind 60 Jahre, dass ich dies Gewohnheit aufgegeben habe“ , antwortete er.
In Erinnerung daran ließe sich über Genazinos Werk sagen: Selten hat jemand soviel Beobachtungsgabe und Geistesschärfe aufgewendet, um zu zeigen, dass alles irgendwie Scheiße ist. Allein ich mag nicht mit ihm darin rühren, denn ich habe diese Gewohnheit mit 3 Jahren aufgegeben.
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am 21. März 2005
Nach den ersten Seiten dachte ich: "Oh je, wieder so eine als typisch deutsch zu bezeichnende Geschichte, bei der die Beschreibung kleinster Details vom Fehlen einer interessanten Handlung ablenken soll." Doch so nach zwanzig, dreißig Seiten freundete ich mich mit dem Ich-Erzähler an und ließ mich von ihm durch seine kleine, aber gar nicht so einsame Welt führen. Vielleicht muss man das eine oder andere auch selbst erlebt haben, um es verstehen zu können, aber dann ist es ein Buch der besonderen Art. Denn welcher Verlag traut sich noch so herrlich versponnene und eher leise erzählte Geschichten zu drucken. Dieses Buch zeigt auch sehr schön, was der Unterschied zu Film und Fernsehen bedeutet. Das Ineinanderfliessen von Gedanken, Eindrücken und Erlebnissen kann nur das geschriebene Wort. Genazino schreibt fast altmodisch in einem schönen, bilderreichen Deutsch. Ein Genuss, schon wegen der unaufgeregten Ruhe. Vier Sterne, weil fünf für mich nur Ausnahmebücher bekommen und mich die holzschnittartige Art der anderen beim Benoten etwas nervt.
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am 9. Juni 2016
Meine Inhaltsangabe:
Ein Mann denkt über die Absurditäten des Lebens nach. Gebeutelt vom Verlassen werden seiner Lebenspartnerin Lisa, trifft er immer wieder auf Dinge die ihm bedeutsames Denken abfordern. Obwohl er manchmal gern einfach seine Jacke in einen Busch, Geröll oder in die Fluten werfen würde. Nur um zu beobachten wie sich seine Jacke verhält und wie sie sich verändert. Das Leben ist verrückt und irgendwann wird aus dem vor sich hin leben und den Nachdenklichkeiten einfach ein Leben mit einer Arbeit und einer neuen Frau. Dazwischen liegen viele gedachte Gedanken und die Frage wie wäre es wenn…

Meine Meinung:
Nicht einfach war es sich diesem Buch zu nähern. Erst beim zweiten Anlauf hatte ich meinen Kopf soweit geleert, um mich diesen Gedankengängen zu öffnen. Bald stellte ich fest das auch solche Gedanken durch meine Gehirnwindungen ziehen. Manche Absonderlichkeit habe ich auch schon gedacht. Doch Wilhelm Genazino treibt es auf eine Höhe, die mir nicht zu eigen ist. Man muss den Worten folgen können, sich darauf einlassen. Die vielen Damen die in sein Blickfeld geraten und daraus wieder entschwinden lassen sich gut einordnen. Nur Lisa und Susanne tauchen immer wieder auf. Die zwei die sein Leben bestimmt haben (Lisa) und bald bestimmen werden (Susanne). Es ist ein Buch das manche an einem Nachmittag lesen, ich jedoch benötigte doch einige Zeit, weil ich den Sinn des Buches verstehen wollte.

Mein Fazit:
Absonderlichkeiten, Gedankengänge und Verrücktheiten!
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am 29. August 2005
Dem Himmel sei Dank für diesen Autor, den auch ich leider erst über den Medienhype um das Buch "Die Liebesblödigkeit" kennenlernen durfte. "Ein Regenschirm für diesen Tag" war mein erster Genazino, und regelmäßig hätte ich beim Lesen dem Autor aus Dankbarkeit um den Hals fallen können dafür, daß er so bescheiden, unaufgeregt und mit vornehm zurückhaltender Eleganz die Besonderheit des Alltäglichen darstellt und mich in meinem Verdacht bestätigt, daß die wirklich bedeutsamen Dinge des Lebens sich oft im scheinbar Nebensächlichen abspielen. Ein Nebensächliches, das nun mit Genazinos Büchern - endlich! - literaturfähig zu werden scheint. Ich gönne dem Autor den momentanen Erfolg von ganzem Herzen.
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am 23. Februar 2004
Er ist ein Flaneur der Großstadt, der Ich-Erzähler des mit leichter Feder geschriebenen Romans "Ein Regenschirm für diesen Tag" von Wilhelm Genazino. Ja, er verdient sogar seinen Lebensunterhalt damit, als Tester für Luxusschuhe durch die Straßen zu wandern, immer den Blick offen für die Merkwürdigkeiten des Lebens, in dem er sich fremd fühlt, befangen in der Vorstellung, ohne innere Genehmigung auf dieser Welt zu sein, gleichsam als blinder Passagier des eigenen Lebens.
Den Kopf voller Flausen scheint er nicht recht zu passen in die tüchtige Welt der anderen Menschen. Immer wieder denkt er Gedanken, die niemanden beeindrucken als ihn selbst, ja die er nicht einmal jemandem mitteilen kann, ausgenommen Lisa. Doch deren Verständnis für den Sonderling, das er für ewig hielt, hat sich im Lauf der Zeit aufgebraucht, bis sie ihn vor einigen Tagen verlassen hat. Und nun ist er allein und fürchtet seine staubkorngleiche Verflusung, sein schleichendes und allmähliches Verrücktwerden, mit dem er immer wieder kokettiert.
In den Beobachtungen eines dem Leben Fremden gelingen Genazino ganz neue, eigene Beschreibungen des eigentlich doch so gewöhnlichen Alltags einer Großstadt. Und bald schon beschleicht einen das Gefühl, nicht der Erzähler sei ein Sonderling, sondern all die ihn umgebenden Menschen, die ihrem Leben so leichthin eine Genehmigung ausgestellt haben oder sich gar dieser Frage nie gestellt haben, und man wundert sich mit ihm, "daß nicht viele Personen endlich eingestehen, das ihre Normaliät nur gespielt ist".
P.S. wenn es in einer Rezension hier heißt, dieses Buch sei nur etwas für hoffnungslose Romantiker, dann bin ich das doch gerne. ;o)
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am 19. Februar 2009
Ich muss zugeben, dass ich das Buch schon während des Lesens des ersten Kapitels abgehakt habe. Und der Erste Satz des zweiten Kapitels hat mir dann den Rest gegeben. Ich dachte mir, dass dieser Roman zu den wenigen gehören wird, die ich nicht auslesen werde, weil ich mit dem Stil einfach nicht zurechkomme. Ich bin froh, dass ich mich getäuscht habe.

"Ein Regenschirm für diesen Tag" ist das beste Buch, an das ich mich je gewöhnen musste. Selbst wenn man nicht nur Fastfood-Belletristik konsumiert, sondern auch tiefergehende Literatur liest, kann es sein, dass man durch den Stil etwas befremdet ist.
Die Ich-Perspektive ist ohnehin nicht jedermanns Geschmack und in Kombintation mit der Schilderung der Gedanken und Beobachtungen in Echtzeit zunächst sehr eigenartig. Wenn man aber die anfängliche Skepsis überwunden hat und die "innere Genehmigung" erteilt, eröffnet sich einem ein Mikrokosmos, in dem man sich tausendfach wiederentdecken kann.
Noch kein Buch wurde von mir mit sovielen Eselsohren und Unterstreichungen malträtiert, wie dieses. Und das auf gerade mal 180 Seiten.
Und dann ist es so schnell vorbei. Ich glaube ich muss es gleich noch einmal lesen.
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am 20. Januar 2015
Da ich selbst gerne durch die Stadt streife und mir schriftliche Notizen zu Beobachtungen mache, las ich mit Begeisterung Genazinos Buch. Es ist fantastisch, mit welcher Genauigkeit und welchem Gespür er Menschen, Dinge und Situationen in den Blick nimmt. Da ist das Mädchen, das der Protagonist durchs Schaufenster beobachtet, dessen Eltern gerade mit der Reinigung des Verkaufsraums beschäftigt sind und dabei mit ihren Staubsaugern zu verschmelzen scheinen, während das Kind allein gelassen da steht und sich über die Zuwendung des Beobachters an der Scheibe glücklich zeigt. Da ist der hinkende Mann, dem der Protagonist folgt, indem er ihn imitiert, was dazu führt, dass er sich endlich für einen Moment von seinen kreisenden Gedanken lösen und zu sich finden kann. Es ist dieser Protagonist, der ständig grübelnd durch die Stadt zieht, der an sich zweifelt, der nicht weiß, ob er überhaupt eine Berechtigung hat, sein Leben zu leben und doch ständig nach Möglichkeiten sucht, sich seiner selbst zu versichern, indem er etwa darüber nachdenkt, seine Jacke ins Gebüsch zu werfen und zu betrachten. Bei all seinen seltsamen Vorstellungen ist er jedoch kein versponnener Einzelgänger. Zahlreiche Bekanntschaften und Begegnungen geben ihm Anlass, das Erlebte zu überprüfen und zu hinterfragen und neue philosophische Erkenntnisse zu gewinnen. So ist der Roman tiefsinnig, aber auch unglaublich witzig, denn die Situationen, in die sich der Umherschweifende, Unangepasste begibt, führen ihn aufgrund seiner Denkweise oft zu außergewöhnlichen und mehr als originellen Lösungen. So geht der wenig gesellschaftsfähige Protagonist letztlich nicht in seinen Eigenbrötlereien unter, sondern findet einen schmalen aber gangbaren Weg, seine Existenz zu akzeptieren und ein Stück weit zu sichern.

Angerührt hat mich das letzte Bild, das Genazino in seinem Text zeichnet. Der Protagonist beobachtet einen Jungen, der sich auf dem Balkon aus Wolldecken einen Unterschlupf baut, um aus einem Schlitz das Geschehen und die Festivitäten auf dem Stadtplatz unter ihm zu beobachten. So wird diese Bild zu einem Sinnbild für den ganzen Roman, der nichts als ein verstecktes aber doch auch genüssliches Betrachten der sich manchmal verrückt gebärdenden Welt ist.

Es war mein erster Roman dieses Autors und ich habe unbedingt Lust auf mehr bekommen. Diese detaillfreudige und lebensnahe, humorvolle und zugleich hinterfagende Art des Schreibens, diese Möglichkeit gewitzter, tiefgreifender Gedankenexperimente war mir bislang nicht bekannt. Ich habe beim Lesen geschmunzelt und laut gelacht, bin ins Grübeln geraten, habe ehrlich gesagt nicht alles verstanden, aber gerade das hat mich angeregt weiter zu lesen und meine eigenen Gefühle und Empfindungen für mich zu entschlüsseln.
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am 25. August 2005
Eigenartig, schön, ruhig und vor allem so spannend (falls es die richtige Bezeichnung ist), dass ich das Buch erst nach der letzten Seite weggelegt habe. Den Schriftsteller Genazino zu beschreiben ist schwer, der Regenschirm für einen Tag klingt noch in mir nach und weitere Genazinos sind bestellt. Der Regenschirm hat etwas fast zauberhaftes an sich, schwer zu beschreiben, einfach lesen !
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