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am 14. Juni 2017
Faserland ist ein kurzweiliges Buch, das die höhere Gesellschaft sehr genau abbildet, die ihren Urlaub auf Sylt verbringt und von Yuppies umgeben ist, zu denen die meisten in diesen Kreisen selbst gehören. Sie tragen ihre Barbourjacken, Segelschuhe und Ralph Lauren Hemden, Frauen und Männer sehen aufgrund der Unisex-Klamotte alle gleich aus. Sie trinken, konsumieren Drogen, fahren Porsche und tingeln von der einen Privatparty zur nächsten. Auf Dauer etwas ermüdend, aber erfrischend ehrlich. Mittlerweile haben sich die Zeiten etwas geändert, das Werk bleibt dennoch zeitlos.
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am 19. März 2017
Nachdem ich Faserland gelesen hatte, hätte ich mich am liebsten in den nächsten Zug gesetzt und es dem namenlosen Protagonisten nachgemacht. Eine Reise durch Deutschland, von Norden nach Süden, von Sylt nach Zürich.
So wandelt man mit diesem Buch durch das Leben, wie es in Wahrheit bei vielen Leuten spielt: Freunde die so schnell kommen und gehen wie die Gläser leer sind, Geld das immer da ist und ewige Partys ziehen sich wie eine rote Linie durch dieses Buch.
Der Protagonist wandelt förmlich durch die Geschichte, umgeben von einem willenlosen und exzessiven Leben, auf der Suche nach Sinn und Substanz. Stets den Blick in die Vergangenheit gerichtet gibt es hier keine Visionen.
Vor Kracht hat es wohl niemand geschafft das Lebensgefühl der deutschen Wohlstandsgeneration so eindringlich auszudrücken. Komplett wiederfinden werden sich in diesem Buch nur eine ausgesuchte Zahl an Leuten.
Faserland ist mehr als die Geschichte eines verwöhnten Schnösels, der dekadent durch die Lande zieht, und stets betrunken hinter dem Steuer sitzt, es ist gleichzeitig ein Versuch zur Abkehr von der Oberfläche hin zur Freiheit.
Faserland trägt trotzdem zu recht die Bezeichnung "Reiseliteratur“. Jeder sollte bei diesem Buch etwas Wind in seinen Haaren spüren und wenigstens für eine kurze Zeit mit absoluter Bestimmtheit wissen wie es ist, ein Mädchen mit Champagnerlippen zu küssen!
Ich habe dieses Buch gelesen und es auf keinen Fall bereut.
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am 18. März 2017
Bereits zu Anfang hat mich Faserland beeindruckt. Der Sprachstil ist eine neue Richtung und Kracht versucht, einen guten Lesefluss entstehen zu lassen, was ihm auch gelingt. Durch den sehr umgangssprachlichen Sprachstil fühlt man sich als Leser mit dem namenlosen Protagonisten während seiner Deutschlandreise sehr verbunden. Was zunächst langweilig aussieht, entpuppt sich als geschickte Gesellschaftskritik, die auch heute und nicht nur während der 90er noch relevant ist. Der Roman ist kurz gehalten und besteht aus acht Kapiteln, nicht zu viel und nicht zu wenig meiner Meinung nach. Zum Ende stellt sich eine gewisse Müdigkeitserscheinung ein, welche aber durchaus gewollt ist und auch nicht lange anhält. Hätte Kracht sich kürzer gehalten, wäre diese wichtige Enderfahrung ausgeblieben und hätte das Buch meiner Meinung nach um einen wichtigen Aspekt erleichtert.
Alles in allem ist Faserland sicherlich einen Blick wert und auch schnell durchgelesen. Man nimmt definitiv etwas mit und fühlt sich im Nachhinein bereichert.
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am 8. September 2013
Ein Antiheld säuft (und kotzt) sich durch die Republik von Nord nach Süd. Der Erzähler ist begütert und muss nicht wirklich arbeiten. Wie der Autor Kracht selber ist er ein ehemaliger Schüler des Internats Salem am Bodensee und auch sonst viel rumgekommen und hat überall alte Bekannte. Diese trifft er zunächst in Sylt, betrinkt sich, reist ab nach Hamburg, betrinkt sich auf einer Party, verlässt Hamburg und zieht nach Frankfurt weiter, dann nach Heidelberg und München und dann zum Bodensee. Wieder einmal Party, viele Drinks und angekotzte Langeweile. Er klaut den Porsche seines Freundes und fährt nach Zürich, wo ihm einfällt, dass Thomas Mann dort begraben ist. Ansonsten spielen Barbourjacken eine Rolle, er trinkt grässliches Proleten-Wasser" - gibt gerade nichts Anderes im Bord-Treff" der Bahn und man erfährt, dass der Antiheld eigentlich überall und speziell bei älteren Mitbürgern, immer davon ausgeht, es mit Altnazis zu tun zu haben.
Gut zu lesen und zeitlose Lektüre für alle Baby Boomer.
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am 11. Juni 2017
Ich bin gerade etwa in der Mitte des Buches. Es passieren nicht wirklich spannende Sachen im Buch und hatte bisher auch weder Höhen noch Tiefen, doch kann ich sagen, dass die Geschichte und vor allem die Schreibweise sehr interessant und amüsant zu Lesen sind. Das Buch packt einen nicht wirklich, und man hat auch nicht so richtig einen Drang, den weiteren Verlauf der Geschichte zu erfahren. Trotzdem kann ich jedem empfehlen, zumindest in die Leseprobe (nicht von Amazon) reinzuschauen.
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am 12. August 2014
Es ist wirklich nicht erstaunlich, warum dieser Roman, „Faserland“, bei seinem Erscheinen 1995 auf ein geteiltes, in der Tendenz negatives Echo stieß. Da kommt dieser junge Christian Kracht, aus offenbar wohlhabendem Hause stammend und ist für den in Eindeutigkeit verliebten deutschen Literaturbetrieb eine einzige Irritation. Konventionelles Autorengehabe verweigert er ebenso wie konsistente und daher leicht verdauliche Selbstauskünfte in Interviews. Er provoziert. Und zwar zuallererst durch seinen Erstlingsroman, in dem er einen Endzwanziger durch ein wohlstandskaputtes, tatsächlich widerwärtiges Deutschland bis hinunter in die Schweiz reisen lässt. Hilflos attributierte man den Roman mit Oberflächlichkeiten wie „Schnöseltum“, „Markenfetischismus“ oder, allen Ernstes, „nicht gesellschaftskritisch“. Vor allem aber eins war der Roman angeblich, damals, 1995: „Pop-Literatur“.
Nun gibt es bei Christian Kracht keine Zufälle. So zupft er sich etwa für jeden Fernsehauftritt säuberlich den rechten Hemdkragen in Unordnung. Und wenn auf dem Klappenumschlag der gebundenen Ausgabe zu lesen ist „Als Geburt der Popliteratur in Deutschland wurde Krachts schnoddrig-verzweifeltes Debüt bezeichnet. Es war nicht ihre Geburt, es war ihre Hinrichtung“, dann nur, weil der Autor es so wünschte. Vielleicht wünschte er es, weil es wahr ist. Und vielleicht auch, weil es belegt, dass Christian Kracht den auf ihn folgenden Pop-Literaten intellektuell schon enteilt war, als diese gerade mal zur Startlinie schritten. Dass Kollegen wie Kritiker dies nicht bemerkten, hängt mit einer spezifischen Qualität aller Bücher Christian Krachts zusammen: An ihrer Oberfläche sind sie Unterhaltungsliteratur, und zwar im Wortsinne. Sie unterhalten. Doch je tiefer man gräbt und bohrt, desto brüchiger werden alle Gewissheiten, die man über Text und Autor zu haben meint.

Schulliteratur
„Faserland“ hat eine geradezu einmalige Rezeptionsgeschichte erfahren: Vom Totalverriss zur Abiturlektüre. Und das in wenigen Jahren. Vielleicht wurde die grandiose Rollenprosa von „Faserland“ erst registriert, als Christian Kracht mit „1979“ bewies, das vielleicht eleganteste Deutsch unserer Gegenwartsliteratur zu schreiben. Und vielleicht musste es eben Jahre dauern, bis die Rezeption dieses Buches – ganz so, als wäre es mit einem Zeitzünder versehen – nicht mehr dessen Oberflächlichkeit bemängelte, sondern sich an dessen, potenziell endloser, Vielschichtigkeit die Zähne ausbiss. Das beginnt schon beim Titel. Er enthält Anklänge an den Roman „Fatherland“. Ebenso kann man an die Fasern der distinguierenden Kleidungsstücke denken. Das Wort „faseln“ liegt nahe. Und was heißt das eigentlich, wenn eine ganze Gesellschaft „zerfasert“?
Man möchte auf viele Aspekte eingehen. Sei es die Konstruktion des unzuverlässigen, sich in Widersprüche verwickelnden Ich-Erzählers. Das verwinkelte Verwirrspiel aus Hoch- und Popkultur, das sich schon in den vorangestellten Zitaten spiegelt. Die Sexualität des Ich-Erzählers. Die verdrängte Nazi-Vergangenheit, die fortwährend in die Gegenwart sticht wie der Dolch Görings. Oder die bereits in diesem Buch versammelten Leitmotive der späteren Bücher Krachts: Die Reise; die Abstinenz von oder die Suche nach Autoritäten; das Motiv des Verschwindens, oder (und dazu gibt es bei „Faserland“ wahrlich Grund) um es mit Thomas Mann zu sagen: Das der Welt abhanden kommen.
Wichtiger aber erscheint mir, auf zwei Aspekete einzugehen, die für meinen bescheidenen Literaturverstand in „Faserland“ aufkommen und als Konstanten das Werk Christian Krachts durchziehen, weil er sie – und das will etwas heißen bei ihm – noch nicht relativiert hat: Die Ambivalenz als Prinzip und das Motiv der scheiternden Moderne.

Ambivalenz
Im Buch taucht Wim Wenders mit dem Film „Der Himmel über Berlin“ auf. Der Ich-Erzähler findet den Regisseur ziemlich unerträglich – und die Eröffnungsszene seiner filmischen Großtat erinnert ihn an Leni Riefenstahls „Triumph des Willens“. Und so fragt er den Maestro, ob er „sich das bei Riefenstahl abgeguckt hat, oder ob er das irgendwie ironisch meint.“ Es ist geradezu gespenstisch, dass im Zuge des Literaturskandals um „Imperium“ exakt diese Frage an Christian Kracht gestellt wurde: Wenn der Autor mit Deutschtum, Kolonialismus oder Nazi-Sekten kokettiert, meint er das dann ernst oder ironisch?
Und wie ist das, wenn er in „Faserland“ SPD-Nazis, Betriebsräte, politisch engagierte Frauen, Taxifahrer, Werbefuzzis, Rentner, Junkies oder eben Wim Wenders beschimpft? Ist das ästhetisch motivierter Amoralismus? Oder ein Spiel? Die für mich tauglichste Antwort: Beides zugleich.
Die meisten Leser werden die Anklagen des Ich-Erzählers teilweise verstehen. Die beigefarbenen Gewerkschaftersakkos, unerträgliche Weltverbesserer, Sprachkatastrophen wie „Bord-Treff“ oder „Eskalationsspirale“ – all das existiert bis heute fort. Und zugleich werden die meisten Leser die offensichtliche Amoralität des Ich-Erzählers – der ganz selbstverständlich klaut, säuft und „Freunde“ dem Tod überantwortet – nicht teilen, nicht ernst nehmen können. Das Buch entzieht sich also einer eindeutigen Aussage. Und zwar genauso, wie Christian Kracht sich jeder eindeutigen Aussage entzieht. Etwa, wenn er Interviews dann besonders gelungen findet, wenn sie „ein bestehendes Bild“ von ihm „zertrümmern“.

Scheiternde Moderne
Und dennoch sucht man bei aller Ambivalenz nach einer Kontinuität in Werk und Leben des Autors. Für mich liegt sie im zweiten Aspekt verborgen: Der unkonstruktiven Absage an die Moderne. Einer Absage, die sich bereits in „Faserland“ abzeichnet. Denn das Deutschland dieses Buches, das moderne Deutschland, ist von Grund auf kaputt – allen voran das geschilderte Milieu: Fortwährend wird geredet, aber nichts gesagt. Einmal heißt es: „Das ist das Gute an ihr, dass man hinhören kann oder nicht, und beides ist genau gleich viel wert, im Endeffekt.“ Folgerichtig werden uns die Nigels, Alexanders und Rollos dieses Buches zwar als „Freunde“ vorgestellt, aber keiner von ihnen bleibt es länger als ein Kapitel. Diese private Tristesse korrespondiert mit der gesellschaftlichen: ICE’s, Flughäfen, Taxis, Industrie, Marken, guter Geschmack, schlechter Geschmack – alles da. Und alles nichts.
Es wäre ganz einfach gewesen, den Ich-Erzähler vor diesem Hintergrund als Ästheten zu etablieren, der sich aus diesem Moloch mit Kunst, Kultur und Aufrichtigkeit befreit. Und zugleich wäre es vollkommen unglaubwürdig gewesen. Der Protagonist steht selbst in dem Sumpf, dessen Gestank ihm unerträglich ist. Wie wir alle. Es sei denn, wir klammern uns hilflos an Weltverbessererutopien wie die klägliche Romanfigur Varna.
Und eben hierin liegt die werkimmanente Kontinuität: In „1979“ wird die westliche Moderne von der Theokratie im Iran und dem Kommunismus in China abgelöst. In „Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten“ wird die Entwicklung der Moderne in einer Parallelweltgeschichte kurzerhand abgebrochen. Genauso wie in „Imperium“, und zwar von August Engelhardt auf der Insel Kabakon.
Allein: All diese Versuche aus der westlichen Moderne auszusteigen, sind nicht nur zum Scheitern verurteilt – sie potenzieren die Schrecken der Moderne sogar noch weiter. Es ist daher kein Wunder, dass der Protagonist von „Faserland“ eine Gegenwelt nur mithilfe seiner Fantasie (etwa als Rückblick in die Kindheit oder mit Aussteigerfantasien wie einem Leben in den Bergen) imaginieren kann. Dass er sich nicht, wie ebenjene Varna, im Dienste einer scheiternden Utopie gegen die Moderne auflehnt. Kurzum: Dass er lieber auf den dunklen Zürichsee hinausrudert und aus der Moderne verschwindet. Ganz so wie Christian Kracht, wenn er sagt: „Ich persönlich habe mich immer eher bemüht, zu verschwinden, leise zu sein und zum Beispiel nicht Auto zu fahren, aus Protest.“

Fazit
„Faserland“ ist aus zwei Gründen zu empfehlen. Erstens, weil es ein durch und durch faszinierendes Buch ist, das zahllose Spuren auslegt, denen man nachgehen kann. Oder auch nicht – dann allerdings hat man jedenfalls einen äußerst kurzweiligen und gut geschriebenen Text gelesen.
Und zweitens, weil man mit einer Lektüre Christian Krachts als Zeitgenosse an der Entstehung eines Werks teilhaben kann, das womöglich einmal kanonischen Charakter annehmen wird. Christian Krachts literarische Bedeuting ist schon heute kaum zu überschätzen. Und wer sich persönlich von ihr überzeugen will, sollte„Faserland“ zum Ausgangspunkt nehmen. Denn die meisten Schlüsselmotive der folgenden, gleichfalls empfehlenswerten Romane sind hier bereits enthalten.
Im Übrigen sei noch auf den Film „Finsterworld“ verwiesen, den Christian Kracht mit seiner Frau Frauke Finsterwalder geschrieben hat. Er stellt in vielerlei Hinsicht eine Anknüpfung zu „Faserland“ dar und ist jedem zu empfehlen, der noch immer unsicher ist, ob er an den literarischen Reisen Christian Krachts teilnehmen soll. Es lohnt sich – und das nicht nur, weil all die anderen, „weil solche wie Wim Wenders eh nur große A*****säcke“ sind.
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am 5. März 2012
Wenn man dem Autor einen Vorwurf machen kann, dann sicher den, dass er sich doch sehr eng an Salinger orientiert hat. Wobei Orientierung vielleicht nicht das richtige Wort ist, geht es in beiden Romanen um die Suche nach Orientierung bzw. Orientierungslosigkeit, hier in den 90ern in Deutschland, dort in den 50ern in den USA. Planloser Typ fährt planlos durch Deutschland und findet alles Mist - Holden Caulfield findet ebenso ziemlich alles phony. Gut, das sind weite Themen, aber Kracht kopiert auch den Stil Salingers. Das macht er aber sehr gut, wie ich finde. Nur ist der See in der Schweiz nicht Central Park.

Trotzdem ein sehr lesenswertes Buch. Vielleicht mag ich das Buch auch nur, weil ich zur Zeit des Romans in etwa im Alter der Hauptperson war. (Zumindest kenne ich noch das Romantica und das Cafe Eckstein ...)
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am 19. Mai 2008
Dieser sehr kurze Roman um einen namenlosen, gut situierten jungen Mann, der von Nord nach Süd durch die Republik (und schließlich in die Schweiz) reist, saufend, rauchend und Drogen konsumierend, hat vor ein paar Jahren einen Meilenstein der so genannten "Popliteratur" markiert. Krachts unprätentiöse, genau beobachtende, lakonisch-distanzierte Erzählweise, diese Oberflächlichkeit, die in vielem an Ellis' "American Psycho" erinnert, ohne eine vergleichbare Brutalität aufzufahren, dieses Zurkenntnisnehmen, das Nichtdabeisein, all das markiert auf durchaus lesenswerte, manchmal erschreckende, häufig entlarvende, vor allem aber sehr nebensächliche Art den Zustand einer Gruppe und damit der Gesellschaft, in der sie sich befindet.
Natürlich könnte man "Faserland" auch anders lesen. Da ist jemand, für den Geld keine Rolle spielt, der Trends mitnimmt, ohne ihnen groß Bedeutung beizumessen, der keine Freundschaften kennt und Sozialverhalten irgendwie auch nicht, der sich zudröhnt und das Vergessen schon mit einplant, wenn Erlebnisse anstehen. Auf Bekannte ist leichter verzichtet, als auf die Zigarette danach, aber auch die verglimmt irgendwann. So ist das Leben. Ist so das Leben? Das Leben ist so.
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am 7. November 2012
Der sogenannte "Roman" von Christian Kracht, der den nichtssagenden Titel "Faserland" trägt, ist doch eher eine Kurzgeschichte. Die Geschichte beginnt einfach so, und dann -nach 158 Seiten- ist sie wieder zuende.
Der namens- und alterslose Protagonist "labert", anders kann man es nicht sagen, den Leser mit seinem sinnbefreiten Leben voll. In einer umgangssprachlichen Alltagssprache, als würde der Leser selbst am Geschehen teilhaben. Dies ist der einzig poitive Aspekt, der mir persönlich dazu einfällt.
Das Leben des Mannes dreht sich um hemmunglosen Alkohol- und Nikotinkonsum, dazu ab und zu Drogenmissbrauch. Seine scheinbare Suche nach Sinn oder Halt im Leben zieht sich dabei durch die Bars, Diskos und Partys in ganz Deutschland. Im Norden auf Sylt, an der Nordsee, fängt sie an und die Geschichte endet im Süden, an einem unbenannten See in der Schweiz.
Dem Leser wird während dieser Reise vor Augen geführt, welche Leere im Leben des Protagonisten vorherrscht.
Geld hat er wenigstens, das steht fest. Er gibt es mit vollen Händen aus, wobei nicht klar wird, wie er überhaupt zu diesem Reichtum gelangt ist. Da er durch Deutschland reisen kann, wie er will, und sich dabei ohne Ende volllaufen lassen kann, ist klar, dass er keinen Beruf hat. Über familiäre Hintergründe wird wenig bis gar nichts bekannt. Freunde, zumindest echte, scheint er auch nicht zu haben. Die Figur des Protagonisten kann in Frage gestellt und kritisiert werden, in seinem gesamten Verhalten und Handeln regt er den Leser dazu an. Ein weiterer wichtiger Aspekt dieses Buches ist der besonders betonte Markenkult. Der Protagonist definiert sich über die Markenprodukte, die er konsumiert und die Markenkleidung, die er trägt. Die Frage dabei bleibt, ob Christian Kracht damit etwas aussagen wollte. Und wenn ja, was. Soll die Oberflächlichkeit und die scheinbar trostlose Leere unserer heutigen Gesellschaft betont werden?
Diese Frage bleibt nach dem Lesen genau so offen wie das Ende der Geschichte. Begeht der Protagonist Selbstmord? Oder nicht?
Wenn jemand also ein Buch benötigt, womit man sich die Zeit im Zug o.Ä. vertreiben muss, ist "Faserland" dazu durchaus geeignet. Es liefert außerdem vielleicht einen neuen Blick auf das Leben und die Konsumsucht Einzelner.
Andernfalls würde ich persönlich das Lesen dieses "Romans" in der Freizeit als eine Art der Zeitverschwendung bezeichnen.
Wer "Faserland" nicht gelesen hat, hat nichts verpasst.
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am 19. März 2017
Die Lektüre des Romans “Faserland” von Christian Kracht handelt von einem Icherzähler, welcher sich auf eine Identitätssuche in Form von Reise durch Deutschland begibt und in monolog-Form davon erzählt.
Die Art, wie der Roman verfasst wurde war anfangs schwer zugänglich, entwickelte sich allerdings mit der Zeit zu einer durch und durch interessanten Perspektive der Erzählung. Die sprachliche Gestaltung des Romans hat beim Lesen einen positiven teils amüsierenden Eindruck hinterlassen.
Inhaltlich konnte Ich die Einstellungen und Entscheidungen des Protagonisten zum Großteil nicht nachvollziehen, was ein interessantes Leseerlebnis erzeugte.
Die Lektüre hat meinen intellektuellen Horizont erweitert, indem mir der Roman ein erweitertes Sichtfeld im Bezug auf Markenbewusstsein und unsere Konsumgesellschaft allgemein gewährte. Ein Lesetip für jeden Literatur-interessierten Leser.
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