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Kundenrezensionen

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am 21. Februar 2001
Dieses Buch ist eines der schönsten Werke, die ich in meinem Leben gelesen habe (und lesen werde). Es gibt nicht einen Brief an Augustinus im historischen Sinne wieder, sondern ein großes Ausmaß an Kritik und anderen vorstellbaren Auswegen, die sich auf ein Jahrhunderte zuvor abgespieltes Stück Geschichte beziehen und die gerade HEUTE ihren großen Wert finden. Denn heutzutage ist das, über das dort geschrieben wird, gängiger Diskussionsstoff, denn auch heute gibt es Staaten, die eben nicht zwischen Religion und Staat, aber -aus unfassbaren verleumdenden Gründen- zwischen Frau und Mensch unterscheiden. Dieses Buch kann nur geliebt werden, allenfalls Missverständnis kann Gegenteiliges bewirken und wenn auch kein Gefallen an ihm zu Tage kommt, so sollte man doch eine neutrale Haltung einnehmen. Nie zuvor wurde so schön vergangene Geschichte mit heutiger Realität in Einklang gebracht.
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am 1. Juli 2001
Jostein Gaarder legt den Brief der Floria ( die Geliebte des hl.Augustinus)ausgezeichnet dar. Es ist leicht zu lesen und durchs ganze Buch zieht sich eine gewisse Spannung. Man verschlingt es in einem Zuge. Egal , ob der Roman auf Tatsachen bassiert oder nicht , der Rückblick auf die antiken Schriftsteller Vergil und Platon (u.a.) , macht es lesenswert. Alles in allem eine gelungene Erzählung.
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am 24. Februar 2006
Jostein Gaarder überrascht mich immer wieder. Unterschiedlicher können seine Bücher kaum sein und dennoch vermitteln sie uns alle auf einfache und magische Weise Anregungen zum Philosophieren, zum Nachdenken und Recherchieren.
Die Idee, ein Buch über ein fast 1700 Jahre alten "fiktiven" Brief zu schreiben, der von der ehemaligen Geliebten vom Heiligen Augustinus geschrieben wurde, halte ich für sehr einfallsreich.
Die Geschichte des Augustinus(Rhetoriker, Theologe, Philosoph), die sehr interessant ist, andeutungsweise darzulegen (Stellen seines Buches werden zitiert), diese mit der Anklage und der Aufklärung seiner nordafrikanische Konkubine zu verschachteln ist genial.
Dadurch gelingt es Gaarder, uns einen Einblick in die Liebe zweier Menschen zu geben, die auf Grund von Religion, Lebensanschauung und Traditionen keine Chance hatte.
Ein Heiliger, eine Ehe, ein Kind...ein größerer Glaube...kein Platz für Liebe!!!
Egal ob dieser Brief nun echt oder fiktiv ist, egal ob die Schreibweise und das aufgeklärte Intellekt seine Frau, für einige, nicht ganz passend für die damalige Zeit erscheint, Fakt ist, das dieses Buch sehr anschaulich, eine interessante Thematik darstellt, die bis heute und in ferner Zukunft seine Gültigkeit behält und deutlich macht "Das Leben ist kurz!"
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am 29. Oktober 2004
Gaarder tut in diesem Roman so, als habe er auf einem Flohmarkt einen alten Brief gefunden, der an Augustinus geschrieben worden ist, und zwar von der Frau, mit der er zusammen lebte, bevor er Bischof wurde.
Dieser Brief ist sozusagen eine Antwort auf die "Bekenntnisse", und das ist eine ganz großartige Idee, meiner Meinung nach. Mit viel Gefühl und vielen Textbelegen stellt Gaarder das Zölibat und andere Ansichten der katholischen Kirche in Frage bzw. diskutiert sie.
Das ist wirklich gut gemacht. Das Einzige, das etwas zweifelhaft ist, sind die doch manchmal viel zu "neumodischen" Ansichten Floras. Diese entsprechen nicht immer unbedingt den Denkweisen der damaligen Zeit. Wir als Leser verstehen ihre Anmerkungen deswegen natürlich umso besser.
Also, eine wirklich beeindruckende Idee, die Gaarder hatte, und auch eine echt gelungene Umsetzung.
Lesen!
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Das Buch handelt von einem Brief, den Floria Aemilia an den großen Kirchenlehrer Augustinus geschrieben hat. Mit ihr hatte Augustinus, bevor er Bischof wurde, über mehr als 10 Jahre eine uneheliche Verbindung, aus der ein gemeinsamer Sohn hervorgegangen ist. Augustinus hat Floria aufgrund seiner religiösen Überzeugungen verlassen. Der Sohn blieb bei ihm.

Die Schreiberin ist zweifelsohne eine sehr gebildete Frau. Ihr Brief ist ein intellektueller Hochgenuss. Sie klagt an, dass Augustinus die Welt der Sinnlichkeit verlassen hat zugunsten einer gegenstandslosen Ideologie. "Du erinnerst dich nur an Gedanken, aber kannst du nicht versuchen, dir auch eine wirklich sinnliche Erfahrung ins Gedächtnis zu rufen?" (61)

Die Trennung wurde maßgeblich von Augustinus' Mutter Monika bewirkt, die ihren Sohn entsprechend beeinflusst hat. "Aber die Einzige, die zwischen uns stand, war Monika." (54) Ihrem mächtigen Einfluss konnte sich Augustinus nicht entziehen. Und nach ihrem Tod übernahm Gott ihre Funktion. "Aber es dauerte nicht lange, da hattest du Gott an die Stelle deiner Mutter [Monika] gesetzt." (51)

"Das ist die Welt, Aurel, und sie ist hier und jetzt" (116), ist eine der prägnanten Aussagen aus dem Brief mit der Intention, sich für das Diesseits zu entscheiden. Der Glaube führt zu Widersprüchen. "Ihr verleugnet die Liebe zwischen Mann und Frau. ... Aber ihr verleugnet sie im Namen Gottes." (119)

Jostein Gaarder greift mit diesem Buch ein aktuelles Thema auf. Florias Argumentation ist modern und spiegelt die Situation der Kirche und insbesondere die Rolle der Frau in der Kirche wieder. Sie nimmt Dinge vorweg, die nach Augustinus Realität waren. "Ich fürchte mich davor, was die Kirchenmänner eines Tages vielleicht mit Frauen wie mir machen werden." (118)

Es ist hinsichtlich der Lehren, die aus diesem Buch gezogen werden können nicht entscheidend, wie hoch der reale Anteil ist. Der moralische Konflikt, der beschrieben wird, ist real. Auch wenn manche Stellen bezogen auf den historischen Kontext zu modern wirken, stellt sich die Frage: Sind Religionen es wert, auf menschliche Liebe zu verzichten?
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am 3. April 2011
"Sofies Welt", sein großer Bestseller aus den Neunziger Jahren, war das Buch, das Jostein Gaarder berühmt machte. Einige Jahre nach "Sofies Welt", es war schon in den anfänglichen Zweitausendern, da nahm ich mir das 1996 aufgelegte "Vita Brevis", das in Deutschland mit der Titelerweiterung "Das Leben ist kurz - Vita Brevis" erschien, vor.

Heute ist es der Stadtteil der täglichen Tangoshows: San Telmo im "Sur", dem Süden von Buenos Aires. (Ich weiß nicht, warum mich dies an die Vorleseszenen erinnert, in denen der junge Alberto Manguel dem bereits blinden Jorge Luis Borges zu Lesediensten war.) San Telmo, inzwischen touristisches Kleinod in Argentiniens Hauptstadt. Hier befindet sich auch die sonntägliche "Feria de San Pedro Telmo", der große Antiquitätenmarkt. Auf der Feria, oder in der Nähe - angeblich auf einem Flohmarkt -, könnte es gewesen sein, wo Jostein Gaarder, wie er uns in einer Art Einleitung weismachen will, nach Kunstschätzen stöberte und in einem Antiquariat fündig wurde: ein Kästchen auf der die Worte "Codex Floriae" verzeichnet waren. Handelt es sich tatsächlich um die Briefe einer gewissen Floria Aemilia an den Theologen Aurel Augustin, den Bischof von Hippo?, den wir Katholiken als den Heiligen Augustinus kennen, achten und verehren.

Es war eine Folge seiner "Confessiones", Grundsätze seines Glaubens, die Augustinus um das Jahr 400 verfasste, nach denen er sich völlig seiner religiösen Inbrunst verschrieb und in absoluter Freiheit von jeglicher menschlichen Bindung seine Erfüllung sah, dass er sich von seinem bisher Teuersten, das ihm Wert war, distanzierte und trennte: von Floria, seiner Liebe.

Die Neugierde entbrennt, bei Jostein Gaarder nicht minder wie beim Leser, dem Rezensenten dieser Zeilen. Gaarder ersteht das Kästchen der Floria, der Rezensent erwirbt das Buch des Gaarder. Doch, so der norwegische Schriftsteller, kam ihm der "Codex Floriae" wieder abhanden, so dass er die ganze Geschichte der Floria, ihre Anklagen gegenüber dem Augustinus, aus dem Gedächtnis nacherzählen musste. Diese Nacherzählung ist der Hauptteil des Buches. Es ist ein wunderschönes Buch der Liebe, der Liebe einer Frau zu einem Philosophen. - Alles in allem: Ich glaube dem Jostein Gaarder kein Wort bezüglich seiner Vorgeschichte zu diesem Buch.

"... wir schauten uns tief in die Augen, so tief, wie das unseren Blicken nur möglich war. Und kamen wir uns dabei nicht vor wie eine einzige lebendige Seele, die sich in sich selbst zu spiegeln schien?"

Floria erhebt Klage. Was soll diese unmenschliche Frömmigkeit? Eine Gottergebenheit, welche die Liebe negiert? Eine Ergebenheit, die nicht zuletzt auch eine Trennung von Mutter und Kind, die Wegnahme ihres einzigen Sohnes, zur Folge hatte? Wie kann es geschehen, dass ein gebildeter Mensch, ein kultivierter Römer, sie schlagen konnte, nur wegen Küssen, Kosen und anderer Zärtlichkeiten? Bei dieser Ausgangslage wird es Floria Angst und Bange, was die glückliche Zukunft der damals noch jungen christlichen Religion betrifft.

"Du musst essen, Aurel, und du darfst dir das Essen schmecken lassen. ... Wenn du eine schöne Blume siehst, dann darfst du daran riechen. Obwohl du das ja heute als 'körperliches Begehren' bezeichnest. ... Wir sind als Menschen erschaffen, Aurel. Und wir sind als Mann und Frau erschaffen. Wir sollen nicht versuchen, als etwas anderes zu leben denn als das, was wir sind. Wäre das nicht Gotteslästerung? Wir sind Menschen, Aurel. Zuerst müssen wir leben, und dann - ja, dann können wir philosophieren!"

Was denkt sich Jostein Gaarder, wenn er in den angeblichen Briefen der Augustinus-Geliebten Floria Wissen und Aufklärung, Emanzipation und Fortschritt in die Worte legt, die für das 4. Jahrhundert in dieser Tiefe wohl wahrlich nur schwer zu unterstellen sind. Die Antwort: Nicht viel denkt er sich dabei. Ihm geht es um das Ergebnis eines Gegenwartromans, in dem er all die - großteils noch immer ungelösten - Probleme der katholischen Kirche im Umgang mit Frauen in dieser Parabel versucht zu verarbeiten. Von Hexenverbrennungen im Mittelalter soll dabei gar nicht erst die Rede sein. Die männliche Machtausübung der innerkirchlichen Strukturen, die männlich gefärbte Auslegung der christlichen Botschaften, sind für Autor (Gaarder) und Autorin (Floria) Grund genug zur Klage.

"... ist es nicht gerade eine verschärfte Form von Untreue, die Geliebte um des eigenen Seelenheils willen zu verlassen? Könnte es eine Frau nicht eher ertragen, von ihrem Mann verlassen zu werden, weil dieser heiraten wollte - oder weil er ganz einfach eine andere vorzog? Aber in deinem Leben gab es keine andere Frau, es gab nur deine eigene Seele. Die dir lieber war als ich. Deine eigene Seele wolltest du retten, diese Seele, die einst bei mir Ruhe gefunden hatte."

Und in Folge und Reihe spielt uns Jostein Gaarder weitere Recherche vor. Da die Briefe, wie festgestellt, erst im 16. Jahrhundert entstanden, muss es sich um Abschriften der viel älteren Originale handeln. Wo sind diese Originale? Im Vatikan streitet man ab, im Besitz von Briefen der Floria zu sein.

"Ich fröstle, denn ich fürchte, es wird eine Zeit geben, in der die Kirchenmänner Frauen wie mir das Leben nehmen werden. ... Weil sie euch daran erinnern, dass ihr eure eigene Seele und euren Leib verleugnet. ... Ihr verleugnet die Liebe zwischen Mann und Frau. Vielleicht kann das verziehen werden. Aber ihr verleugnet sie im Namen Gottes."

Vielleicht ist alles doch ganz anders. Jostein Gaarder sagt (schreibt!) uns die Wahrheit. Er war in Buenos Aires (woran ich überhaupt nicht zweifle) und später auch in Rom, im Vatikan. Er fand die erwähnten Aufzeichnungen. Und diese sind auch noch echt und authentisch. Wenn all das zutrifft, warum - in Gottes Namen - listet "Vita brevis" dann in der literarischen Kategorie des Romans (auch wenn die beteiligten Verlagshäuser sich anschickten, dies geflissentlich zu verschweigen)?
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am 1. November 2002
Der Autor Jostein Gaarder wandelt in seinen Büchern wie kein zweiter durch zahlreiche von ihm fiktiv geschaffene Welten. So einfach ist es nicht in diesem Werk. Es schafft ein Umfeld, dass man ihm gerne glauben möchte, wäre er halt nicht Jostein Gaarder, der Meister der Fiktion.
Eine Kassette mit beschriebenen alten Bögen wird in einem Antiquariat in Buenos Aires entdeckt. Wahr oder nicht, echt oder Fälschung? Es handelt sich um eine Art Klageschrift, der Brief einer Frau an den Mann, der sie verlassen hat. Kein gewöhnlicher Mann, sondern der heilige Augustinus, der in der Zeit 354 nach Christus lebte. Es ist auch kein gewöhnlicher Brief, sondern eher ein flammender Pfeil, der in seinem Fluge immer wieder neue Seiten einer nicht mehr bestehenden Beziehung zeigt und die Entscheidung des Mannes mit guten Argumenten in Frage stellt. Der Aufruf und sogleich Titel des Buches „Das Leben ist kurz" knallt oft wie ein Peitschenschlag dazwischen, wenn eine Aussage entsprechendes Gehör finden soll.
Der Brief ist eingebettet in mehrere Geschichtshüllen, die seine Echtheit verschleiern und zugleich bestärken sollen. Der Leser soll zweifeln. Aber die Echtheit ist gar nicht so wichtig, tritt in den Hintergrund vor diesem kraftvoll geschriebenen Brief mit seinem aktuell wirkenden inhaltlichen Anspruch, seinem Plädoyer fürs Leben.
Fazit: Ein Hochgenus für jeden Leser, der diese Art von Werken schätzt.
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am 1. August 2015
Die fiktiven Briefe Florias, einer Frau aus Karthago, an ihren Ex-Geliebten Augustinus, den späteren großen Kirchenlehrer aus dem 4./5. Jahrhundert, sind eine (heutige)Antwort auf dessen Bekenntnisse an Gott (Confessiones). Es ist eine vergnügliche, wenn auch eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dessen bis heute in der katholischen Kirche wirksamen Lehren und Ansichten. Ein grundgescheites, leicht lesbares philosophisches Werk übe Gott und die Liebe, dessen Themen heute noch so modern sind wie ehedem. Ein Buch zum Nachdenken über Gott und dessen Wirken in der Welt.
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Aurel Augustinus war ein großer Kirchenlehrer und Bischof in Hippo, der von 354 bis 430 lebte, und der auf Ehe, Geschlechtsverkehr, irdische Genüsse und einen bürgerlichen Beruf verzichtete, um ein der Theologie und Philosophie gewidmetes kontemplatives Leben zu führen. Dieser Mann hatte jedoch eine bewegte Vergangenheit, von der er sich radikal abwendet und von der er in seinem Buch "Bekenntnisse" erzählt. Zu dieser Vergangenheit gehörte eine Frau. Sie hieß Floria und war die langjährige unverheiratete Frau an seiner Seite und Mutter eines gemeinsamen Kindes.
Es ist ein gelungenes Grundmotiv des Buches von Gaarder, das Floria nun viele Jahre später an den inzwischen berühmten Asketen und Bischof von Hippo schreibt und diese Trennungsgeschichte aus ihrer Sicht schildert. Dadurch kommt eine ganz andere Wahrheit ans Tageslicht. Dies erinnert mich an das Buch "Marias Testament" von Colm Toibin, in dem die mütterlichen Gefühle der Jesusmutter nach dem Kreuzestod des Sohnes ihr Recht erhalten.

Floria hadert mit dem Schicksal, sie liebt wohl immer noch und sie versucht verzweifelt zu verstehen, wie es zu dem Bruch kam. Sie wirft Augustinus seine Ablehnung der Sinneslust und des Genusses, ja die Ablehnung von Gefühlen wie Trauer und Humor vor. Dies macht sie durchaus in einem teilweise sarkastischen Unterton: ißt du denn ohne Genuß, fragt sie, und müsstest du dir nicht wie Ödipus die Augen ausstechen, um die Schönheit der Welt nicht mehr sehen zu müssen? Sie erinnert sich und ihn aber auch an die schönen Momente voller Liebesbeweise. Können die gemeinsamen Stunden der Liebe Sünde gewesen sein?

Floria glaubt an keine Religion, in dem der Körper gegen die Seele, ein Leben nach dem Tod gegen das Hier und Jetzt ausgespielt wird. Nein, Gott will den Menschen so wie er ist. Wir sind nun einmal als Menschen, als Mann und Frau erschaffen.

Wiederholt wirft sie in ihrem Brief Augustinus vor, dass er die gemeinsame Liebe verraten und die Einheit ihrer Seelen zerstört, dass er sie von sich gestoßen hat, weil er nur an seinem eigenen Seelenheil interessiert war. Hat Gott diese tiefe Verletzung bei ihr, aber auch die auf Seiten Augustinus wirklich gewollt? Floria scheint die menschlichere Philosophie zu vertreten, wenn sie schreibt, dass wir andere Menschen nicht schlecht oder als Werkzeug behandeln dürfen, um unseren Seelenfrieden zu erreichen.

Was für Augustinus der einzige Weg zu Gott ist, nämlich die Askese und die Entsagung von aller irdischen Sinnenlust, ist für sie die Tragödie des Aurel Augustinus und die Tragik des europäischen Christentums - und es ist die Tragik ihres eigenen Lebens.

Natürlich kann man Gaarder nun vorwerfen, dass er Augustinus völlig stumm lässt, so dass es zu keinem wirklichen Gespräch kommt. Augustinus hatte für sein Verhalten aus seiner Sicht ja durchaus ernsthafte Gründe. Und man kann Gaarder auch vorwerfen, dass er spätestens seit Nietzsches Kritik am Christentum offene Türen einrennt. Ist das, was Floria schreibt, für uns heute nicht ganz und gar selbstverständlich bzw. können wir heute wirklich noch die Hingabe an Gott und das Verlangen nach einem christlichen Leben verstehen?

Das Buch sollte jedenfalls Anlaß sein nachzudenken, ob unsere heutige sinnenfrohe und lustbetonte Zeit nicht jeden Sinn aus dem Leben getrieben hat. Einen Sinn, den jedenfalls gläubige Christen in der Vergangenheit in ihrem Leben finden konnten.
Aber man kann auch gar nicht oft genug den Ideologen, Fanatikern oder Weltverbesserern den Schmerz, den sie in Wahrheit anderen Menschen zufügen, das Unglück, das sie anderen antun, vor Augen halten.
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am 12. Juni 2005
Jostein Gaarder nimmt hier Stellung zu den Bekenntnissen des Augustinus......in Form eines Briefes,den Flora (wie wirklich existiert hat), die ehemalige Geliebte des Kirchenvaters ihm einen Brief schreibt, in dem sie ihm die Dinge aus ihrer Sicht schildert. Spannend und flüssig geschrieben ist das Buch zudem-und macht es so zu einem meiner Lieblingsbücher.
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