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Kundenrezensionen

4,4 von 5 Sternen
47
4,4 von 5 Sternen
Erklärt Pereira: Eine Zeugenaussage Roman
Format: Taschenbuch|Ändern
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am 7. August 2017
Der italienische Schriftsteller Antonio Tabucchi (1943 – 2012) feierte mit seinem Roman „Erklärt Pereira“, erstmals 1994 im Verlag Feltrinelli in Mailand erschienen, einen sensationellen Erfolg. Das Buch rief bei seinen italienischen Landsleuten große Begeisterung hervor und wurde hierzulande von den Kritikern hochgepriesen. Der Roman wurde 1995 von Roberto Faenza mit Marcello Mastroianni in der Hauptrolle verfilmt. Im Zentrum des politisch höchst engagierten historischen Romans steht der melancholische und träge Feuilletonredakteur Pereira. In der portugiesischen Diktatur des António de Oliveira Salazar der 1930er-Jahre flieht der kopflastige Mann, ein Held ist er nun wirklich nicht, in die alten Schriften der französischen Realisten des 19. Jahrhunderts. Die zufällige Bekanntschaft mit einem jungen energischen Mann und dessen heißblütigen Freundin beenden seine Weltflucht. Eher willenlos wird Pereira in den Widerstand getrieben. Er erlebt einen zweiten Frühling und macht sich daran, ein Held zu werden. Der tiefsinnige Roman ist als Protokoll einer Zeugenaussage angelegt, Pereira erklärt. Tabucchi schreibt eindringlich über Unterdrückung und Folter, über Schrecken und polizeilicher Willkür in einem totalitären Staat. Der Roman, der Autor ist ein brillanter Stilist, ist große Literatur. Die Lektüre, sie lohnt sich.
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am 30. April 1999
Diese "Zeugenaussage" des Lissaboner Journalisten Pereira ist mehr als seine Geschichte, sie fängt die Atmosphäre der Zeit ein, sie zeichnet das Bild eines ganz normalen Menschen, der sich aus seinem Alltagstrott herausreißen läßt, als er die Grausamkeit des Regimes erkennt. Dabei wird er nicht zum Heros, der sich mit seinem Leben für seine Ideale opfert, nein er bleibt der Journalist und wirkt als Journalist dieser Regierung entgegen. Seine Entwicklung wird in "Erklärt Pereira" geschildert, so daß der Titel eine Doppeldeutigkeit gewinnt, er ist Ausdruck der Zeugenaussage Pereiras und gleichzeitig erklärt das Buch Pereiras allmählichen Sinneswandel von dem lethargischen, ängstlichen Kulturredakteur, der keine Artikel abdrucken lassen will, die sich gegen das Regime wenden, zu einem Redakteur, der nun die mit seinen Waffen das Regime bekämpft. Ich habe dieses Buch sehr genossen und spürte eine Faszination, die schon vom Titel ausging.
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TOP 500 REZENSENTam 4. Mai 2010
Der Tod eines Journalisten, der zur Zeit der Salazar-Diktatur in Portugal einen kritischen Artikel gegen die Regierung veröffentlichte und danach ins Exil nach Frankreich gehen musste, inspirierte Tabucchi, diesen Roman zu schreiben. Die Geschichte spielt in Lissabon im Jahr 1938. Sie beschreibt einen Ausschnitt aus dem Leben des portugiesischen Journalisten Pereira, der den Kulturteil einer Lissaboner Zeitung redigiert. Pereira ist ein gebildeter älterer Herr. Er übersetzt mit Vorliebe Bücher französischer Autoren ins Portugiesische. Die aktuelle Politik interessiert ihn nicht. Seine Zeitung ist ein regimetreues Blatt, aber das nimmt er nicht wahr. Eines Tages lernt er den jungen Monteiro Rossi kennen, der dringend Geld benötigt und Arbeit sucht. Pereira stellt ihn als Praktikanten ein. Rossi schreibt ein paar Artikel, die Pereira allesamt für zu revolutionär hält und daher nicht veröffentlicht. Statt sich von ihm zu trennen, entwickelt er eine gewisse Sympathie für den jungen Mann und gibt ihm immer wieder eine neue Chance. Im Laufe der Zeit wird Pereira allmählich klar, dass Rossi ein Regimegegner ist, der ihn in Schwierigkeiten bringen kann. Aber Pereira hilft ihm und seiner Freundin und macht dabei einen persönlichen Wandel durch. Seine inneren Konflikte diskutiert er mit Doktor Cardoso, einem Arzt der Klinik, in der er sich zeitweilig aufhält und Pater Antonio, einem Franziskaner, den er manchmal aufsucht. Eines Tages muss Rossi sich bei Pereira verstecken. Er bekommt Besuch von der Geheimpolizei. Die Situation spitzt sich zu.

Auffallend ist der stilistische Aufbau des Romans. Passend zum faschistischen Umfeld im Portugal unter Salazar hat Antonio Tabucchi seinen Roman in Form einer Erklärung, wie sie für ein Verhör typisch wäre, abgefasst. Eindrucksvoll, wie die Atmosphäre zunehmend beklemmender wird. Als Erkenntnis aus diesem Roman kann der Leser mitnehmen, dass ein totalitäres Regime erst dann spürbar wird, wenn man seine freie Meinung zum Ausdruck bringen will. Unkritische Zeitgenossen, so auch anfänglich Pereira, sind sich dieser Situation nicht bewusst. Von diesem Roman, dessen Spannungskurve langsam wächst, geht eine gewisse Faszination aus.
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am 2. April 2013
Antonio Tabucchi führt den Leser zurück ins Jahr 1938. Dort, während eines heißen Sommers in Portugal, trifft man auf Doktor Pereira, einen schon älteren, herzkranken Journalisten, der die letzten Jahre komplett weltabgewandt verbracht hat. Sein einziges Interesse gilt der Literatur. In einer neugegründeten regimefreundlichen Abendzeitung betreut er die Kulturseite. Von den politischen Vorgängen in Portugal, dem spanischen Bürgerkrieg und den drohenden Gewitterwolken, die sich über den europäischen Staaten zusammenbrauen, hat er kaum eine Ahnung.
Als er den jungen Philosophen Monteiro Rossi kennenlernt, wird Schritt für Schritt sein Leben in eine neue Richtung gelenkt. Obwohl er sich hartnäckig weiterhin als unpolitisch erklärt, sehen das der Herausgeber der Zeitung und diverse Spitzel anders.
Pereira, der so zurückgezogen und unscheinbar lebte, dass sogar sein Freund, Pater Antonio, keinen Anlass für eine Beichte bei ihm sieht, stellt sich der Realität in Portugal. Er unterstützt Monteiro Rossi und seine Freunde und entwickelt wieder Interesse an den Vorgängen in Europa. Nicht lange und Pereira steht an einem Wendepunkt seines Lebens. Er trifft eine Entscheidung, die ihn über sich selbst hinauswachsen lässt.

Der gesamte Text ist von den schon beinahe hypnotischen Worten "Erklärt Pereira" durchzogen. Sie stehen gleichermaßen als Rechtfertigung wie auch als Erklärung. Mehr als einmal stellt sich einfach nur die Frage, warum jemand, der ein erfahrener Journalist ist, so blind für die Geschehnisse rund um ihn sein kann.
Ich finde es besonders gelungen wie Antonio Tabucchi die Verhältnisse auf der iberischen Halbinsel unmittelbar vor dem Zweiten Weltkrieg schildert. Er erweckt definitiv auch Interesse an Salazar und seiner Herrschaft in Portugal.
Offen bleibt die Frage, wem Pereira die Ereignisse des Sommers 1938 erklärt. Ich denke, Pereira rechtfertigt sich für seine Handlungen jedem gegenüber, der seine Geschichte hören möchte.
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am 20. Oktober 2004
Einfach nur genial, dieses Werk. Und ich gestehe: ich hasse eigentlich solch extreme Behauptungen, zumal sie ja fast keinen Spielraum einer Verbesserung zulassen - aber nach Gault Millau-Art mal mindestens 19 Punkte.
Warum? Es ist eben diese Gesamtkomposition aus Erzählstil, wundervoll Alltäglichem vor dem Hintergrund eines hässlichen menschenverachtenden Antlitzes der Gesellschaft, dieser liebevoll-skurillen Gestalt des alten Journalisten, der unspektakulären Auseinandersetzung mit der eigenen Überzeugung und der Courage, einer gelungenen Verneigung vor der Unbekümmertheit der Jugend, und dieser tränenrührenden Tat, den Nachruf des ermordeten Studenten in die Zeitung zu setzen. Diese Tat am Ende ist im Grunde auch nicht spektakulär, sehr wohl aber mutig und kämpferisch. Spätestens jetzt sollten wir uns fragen, ob wir so handeln könnten... Überaus leise erzählt, besser berichtet, aber welch eine Nähe wird bei uns Lesern erzeugt, die uns in den Bann zieht ...
Die Szenerie: Portugal in den 30ern in faschistischen Klauen, eine rebellierende Gruppe jugendlich-Unschuldiger, und einer amorphen Masse der Mitschwimmer. Und unser Journalist, der sich bereits lieber mit einer Schein- und Totenwelt beschäftigt als mit der Realität, der muss sich entscheiden!
Leicht zu lesen, spannend erzählt und eigentlich am wichtigsten: es gibt Kraft für den Glauben an die Menschheit!
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am 26. Juli 2007
Kann man sich der Politik entziehen, unter einer Diktatur zumal? Ja. Es gibt genug Nischen, in denen man es sich bequem machen kann. Wie ein gewisser Pereira in Lissabon. Man muß die Augen nicht unbedingt verschließen, man darf nur den Mund nicht öffnen und schon wehen die politischen Zustände über einen hinweg. Trotzdem läßt er sich um seine Beschaulichkeit bringen, als Monteiro Rossi und seine Freundin Marta in sein Leben treten. Ein Leben, daß unter der eigenen Vergangenheit wie begraben da liegt. Daß Tabucchi seinen Helden daraus erwachen läßt, liegt in seinem Glauben daran, daß es nur eines Anstoßes braucht, um einen inneren Umsturz zu erzielen.

Zur richtigen Zeit, von den richtigen Personen und man bewegt sich doch. Einher geht diese Veränderung in Pereira mit dem Gefühl, daß das Leben zu ihm zurückkehrt. Die Angst, wie der Mut, wie die Zweifel, unter Umständen sogar den Tod. Doch ein Leben, ohne all das, was einen Menschen ausmacht, erzählt uns Tabucchi in seinem klugen Roman, ist kein Leben, das sich zu leben lohnt.
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am 31. Oktober 2014
"Und weil der menschliche Geist von Natur aus dazu neigt,
Kritik zu üben, weil er fühlt und nicht, weil er denkt, ..."
(Fernando Pessoa)

Selbst wenn man weiß, daß ein nicht zustande kommendes Werk schlecht sein wird, ein nie begonnenes ist noch schlechter. Mit dieser Pessoa Maxime läßt sich der Wandel des Pereira in dieser Tabucchi Erzählung bestens wahrnehmen. In einer Zeit der Diktatur und der politischen Willkür sich nur der Kultur zu widmen, ist der anfängliche Fokus von Pereira, der den Kulturteil einer wachsenden Zeitung verantwortet. Von seinem Verleger mit größtmöglicher Freiheit bedacht, genießt er seinen Verantwortungs- und Lebensraum in Lissabon.

Mit dem jungen Rossi, einem vermeintlichen Philosoph, plant er die Zukunft möglicher Tode berühmter Schriftsteller und Literaten für den schnellen Nachruf in seiner Zeitung. So liegt es nahe, vorab die Nachrufe zu verfassen und gerade dort schreibt Rossi nicht aus dem Abstand einer rationalen Betrachtung, sondern aus dem Gefühl einer revolutionären Zeit und Notwendigkeit. Zu all dem kann Pereira keinen Zugang gewinnen, so daß er keinen Nachruf veröffentlicht und dennoch alle aufbewahrt und den nun angestellten Rossi auch bezahlt.

Die Wirren im diktaturbelebten Nachkriegseuropa nehmen zu, die Salazar Zeit in Portugal verändert die politische Landschaft und die Menschen in ihr. Antonio Tabucchi (1943 - 2012) beschreibt in einer völlig unaufgeregten Weise diese Zeit, die Veränderung im Denken, von Geheimnissen und Gerüchten und berichtet von den Auswirkungen auf die Menschen. Auch Pereira nimmt diese Veränderung wahr, will aber nicht von seiner Leidenschaft des Schreibens und vor allem nicht von seiner in die Vergangenheit blickenden Denkweise abweichen. Je mehr jedoch das Dubiose rund um Rossi zunimmt, um so mehr wird er gefangen von dieser neuen Bewegung und gleichzeitig wächst sein Widerstand aus moralischen Gründen.

Alles was hier zu lesen ist, ist eine leichte Erzählung. Doch in dem Wechsel der Betrachtung kommt ohne moralische Keule eine sanfte Botschaft, wie Widerstand und Moral sich zeigen können im Kontext nicht konformer politischer Macht. Es ist die Geschichte eines Sommers des Jahres 1938. Und Pereira erklärt eben, wie es ihm ergangen ist und wieso er so handeln musste. Mit den Zeilen seines Mitarbeiters Rossi verliert er seine Unbewußtheit dem politischen Leben gegenüber. Er erwacht aus dem Traum der Literatur und verfängt sich in der Wirklichkeit, um am Ende selbst in einem besonderen Nachruf darüber zu schreiben, was Wirklichkeit ist.
Ein lesenswertes Buch eines leider zu früh gestorbenen Antonio Tabucchi.
~~
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am 21. Juli 1999
Können Sie erklären, was ein Lieblingsbuch ist? Vielleicht ein Buch, das man immer wieder lesen kann, vielleicht eines, das man auf eine einsame Insel mitnehmen würde, oder vielleicht ein Buch, das man nacheinander seinem gesamten Freundeskreis schenkt - vielleicht aber auch ein Buch, das gleichzeitig unterhält und wachrüttelt. Letzteres trifft auf "Erklärt Pereira" zu und deshalb würde ich es durchaus als eines meiner Lieblingsbücher bezeichnen. Es ist die Geschichte des Lissaboner Journalisten Pereira. Anfangs (oder vielleicht auch immer wieder) kommt es einen vielleicht komisch vor, daß dieser Journalist ganz allein in einem Büro sitzt und dort die Kulturredaktion einer Zeitung vertritt. Denn die Geschichte wird langsam erzählt und beginnt erst allmählich ihre Dynamik zu entfalten. Es ist ein alter Mann, der seine Augen verschliessen möchte vor dem, was politisch vor seiner Tür passiert und sich allein seiner Kulturredaktion widmet. Er begibt sich immer mehr in dieses Refugium und lebt dort in seiner eigenen Welt. Dies wird noch unterstützt durch sein gleichzeitiges Hinwenden auf die Vergangenheit, - er führt sein gegenwärtiges Leben mit seiner verstorbenen Frau weiter, in dem er vor ihrem Bild sein tagtägliches Tun bespricht. Und dann tritt in diese beschauliche Welt die Gegenwert durch zwei junge Menschen, die als Regimekritiker im Jetzt leben. Und die Geschichte beginnt spannend zu werden. Der Prozeß der Dynamik, der das Innenleben des Kulturredakteurs erfaßt, spiegelt sich auch im Außen wider. Aber das alles (wie die brillante Sprache, der geschickte Aufbau der Spannungskurve bis zum Ende, die Symbolik und die auf sie verweisenden Nebenhandlungen) sind eigentlich nicht so wichtig: Viel wichtiger ist, daß dieses Buch, liest man es als Parabel für alle Kulturschaffenden, die im Elfenbeinturm vergraben sind und die Realitätsbezogenheit verloren haben, so gewinnt es eine immense Gegenwartsbedeutung. Und es kann so nicht nur eine Beschreibung der Krise der Wissenschaften, vornehmlich der Geisteswissenschaften, sondern auch eine der eigenen Situationsbeschreibung sein. In diesem Sinne ein phantastisches Buch. Aber noch eins: Wem diese Zeilen eher abschrecken als einladen, der sei ermunternd: Denn man kann dieses Buch auch ohne all diese - hier kurz skizzierten Gedanken im Hinterkopf - lesen, nämlich einfach als spannende, unterhltsame Lektüre!! Und noch eins: Bevor man die brillante Verfilmung sich ansieht (worauf das Cover verweist), zuerst lesen und man sichert sich gewiß einen doppelten Genuß! (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 16. August 1999
Portugal 1938, die Salazar-Diktatur beginnt sich zu etablieren. Durch einen seltsamen Zufall erfährt Pereira, ein schon in die Jahre gekommene Redakteur einer Lissaboner Abendzeitung, von dem jungen Studenten Monteiro Rossi. Er versucht ihn für die Zeitung zu gewinnen und läßt ihn Nachrufe auf große, lebende Schriftsteller schreiben, um diese im Falle ihres Todes schnell zur Hand zu haben. Doch Rossi ist sehr unzuverlässig, nie bringt er zufriedenstellende Artikel, oft ist er nicht erreichbar. Das Geheimnis: Rossi ist ein Widerstandskämpfer, der gefährdete Menschen über die Grenze schmuggelt. Pereira, der sich übehaupt nicht für Politik interessiert und damit überhaupt nichts u tun haben will, wird immer mehr in die Aktivitäten Rossis hineingezogen. Als Rossi schließlich in Gefahr gerät, muß Pereira sich entscheiden ... Diese Erzählung des Italieners und Portgalkenners Tabucchi fällt durch ihre unaufdringliche Art auf. Die Geschichte von einer tiefen Moral wird erzählt ohne einen erhobenen Zeigefinger. Ohne eine anklagende Moral zu formulieren wird beschrieben, was auch für den kleinen Mann von der Straße möglich ist, wenn er sich erst einmal entschieden hat, wofür es sich zu leben lohnt. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 17. November 2015
Antonio Tabucchi - Erklärt Pereira

Der Roman spielt in Lissabon im glühend-heißen Sommer des Jahres 1938. Während zu diesem Zeitpunkt in Spanien noch der Bürgerkrieg tobt, bekennt sich Salazar offen zu Franco und leitet nun gleichzeitig auch in Portugal eine faschistoide Politik ein.
Die Hauptperson dieses Werkes ist Dr. Pereira, ein verwitweter alternder Journalist mit phlegmatischem Verhalten, der obsessiv über den Tod sinniert und in der literarischen Welt des vergangenen Jahrhunderts lebt. Von Politik versteht er wenig, die tagespolitischen Ereignisse durchschaut er nicht. Seine Ambition gilt den großen französischen Schriftstellern des 19. Jahrhunderts, von denen er einige eigenhändig übersetzt hat und die er nun auf der von ihm gestalteten Kulturseite der Tageszeitung "Lisboa" vorstellt.

Sein Blick ist so in die Vergangenheit gerichtet, dass auch sein privates Leben davon bestimmt wird. So führt er während des Tages wiederholt vertrauliche Gespräche mit dem Bild seiner verstorbenen Gattin, denn es mangelt ihm an Dialogpartnern. Als einziger Freund ist ihm nur sein Beichtvater Pater Antonio geblieben. Darüber hinaus spielt sich sein Leben zwischen einem altertümlichen Redaktionsraum, einer für den Geheimdienst spitzelnden Portiersfrau und den Essenspausen im "Café Orquidea" ab, wo er aus Gewohnheit süße Limonade und fette Omeletts zu sich nimmt.

Ohne dass Pereira selbst in der Lage wäre, sich die Ursachen und Zusammenhänge zu erklären, nimmt sein Leben plötzlich eine Wendung in die Gegenwart. Diese wird dadurch ausgelöst, dass er beschließt, einen Praktikanten einzustellen, dessen Aufgabe es ist, prophylaktisch Nachrufe auf bekannte Autoren der Gegenwart zu verfassen, falls diese unerwartet sterben sollten.
Doch dieser junge Universitätsabsolvent Monteiro Rossi, der das Leben und die hübsche junge Marta liebt, leistet durch unüberlegte Aktionen Widerstand gegen die sich immer stärker ausbreitende Diktatur. So verwandelt sich unter seiner Feder jeder Nachruf auf Dichter wie Garcia Lorca, Marinetti oder D'Annunzio zu einem temperamentvollen antifaschistischen Manifest.

Die politischen Zensoren entdecken mit einem Mal nun auch in Pereiras eigenen Übersetzungen aus dem 19. Jahrhundert angeblich verschlüsselte Aufrufe zum Widerstand gegen das Nazi-Deutschland. Das führt wiederum zu Entrüstungsstürmen innerhalb des Verlages, ungeachtet der Beteuerungen des Kulturredakteurs Pereira, er habe nichts mit der gegenwärtigen Politik in Verbindung gebracht.
Die massiven Angriffe und Verdächtigungen schwächen seinen verbrauchten Körper, so dass er eine Kur nimmt und, vom jungen unorthodoxen Arzt Doktor Cardoso angeleitet, mit seiner Ernährung auch sein Denken verändert.
Vorausgegangen ist ein brutaler Übergriff auf den Praktikanten in Pereiras Wohnung durch die faschistische Geheimpolizei, der so gewaltsam war, dass dieser an den Verletzungen stirbt.

"Erkläre Pereira" ist die Chronik der inneren Wandlung eines Menschen, der sich bereits auf den Tod vorbereitet, bis er durch ein grausames Geschehen unversehens wieder die Gegenwart entdeckt und einen realistisch-kritischen Blick auf das tatsächliche Leben um ihn herum erhält.

Trotz eines subtilen Humors, der wiederholt aufscheint, liegt über dem gesamten Roman ein Schatten, der auf die geschilderten politischen Vorkommnisse zurückzuführen ist. In der Person Pereiras gibt der Autor diesen Ereignissen ein privates Gesicht, wodurch das Historische für den Leser lebendiger und fassbarer wird.
Vor dem Hintergrund der gewaltsamen Veränderungen und der sich ankündigenden Katastrophe wird der persönliche Alltag eines sich zurückziehenden Journalisten einfühlsam beschrieben, was zur Glaubwürdigkeit der psychologischen Komponente des Roman von Tabucchi führt.
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