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Kundenrezensionen

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am 30. April 2002
Die Reise Seumes von Leipzig nach Syrakus und zurück ist eine Art früher Reisejournalismus. Während Goethe sich auf seiner Italienreise als Künstler wiederentdeckt, interessiert sich Seume für die politische Realität Italiens und die Lebensverhältnisse seiner Bewohner. Er will Italien zwar auch als einen der geographischen Orte klassischer Bildung aufsuchen, aber weder als Reiseführer noch als Bildungslektüre ist das Buch gedacht. Ihn interessieren militärische, ökonomische, landwirtschaftliche und politische Belange. Er sucht Gründe für die Rückständigkeit Italiens und kritisiert sie, was er mit den verwandten Verhältnissen in Deutschland nicht hätte tun dürfen - der damalige Leser wusste das natürlich.
Italien ist in der Zeit der napoleonischen Kriege noch mehr als sonst ein unruhiger Ort; einer der Seume viele interessante, aber auch bedrohliche Begegnungen ermöglicht: Er trifft sich mit vielen bedeutenden Geistern der Zeit, kommt mit Maultiertreibern, Lohndienern und Mitreisenden Kontakt und wird einmal - mit dem Messer an der Kehle - ausgeraubt.
Seume geht die 3000 km nach Syrakus - mit einem Schlenker über Paris - zu Fuß, um einen näheren Bezug zum Land aufzubauen. Interessant sind aber nicht nur seine Darstellungen, sondern auch die Technik des Reisens: Wieviel Gepäck kann man mitnehmen? Wie sorgt man dafür auf dem ganzen Weg Bekannte zu treffen? Was ist damals ein Reispass? Der heutige Reisende erkennt erstaunlich viele Parallelen, gewinnt aber auch ein Gefühl für den Wandel des Reisens in den letzten 200 Jahren.
Als politischer Schriftsteller ist Seume interessant und - zumal durch seine spannende Lebensgeschichte - sympathisch, seine maßvoll über das Buch verteilten Verse sind dagegen schauerlich.
Die zahllosen, dem modernen Leser kaum verständlichen Anspielungen Seumes auf politische, mythologische und künstlerische Dinge werden in einem reichhaltigen Anhang erläutert.
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am 10. Februar 2014
Lange Reisebeschreibungen aus dem 18. oder 19. Jahrzehnt zu lesen, ist sicher nicht jedermanns Sache, wenn man einmal von den institutionalisierten Lesezwängen an der Uni oder am Gymnasium absieht. Einen schnellen Gebrauchswert, etwa in Form von Tipps für eine anstehende konkrete Reise, kann man sich nämlich davon nicht erwarten. Sie sind zu veraltet, zu weitschweifig und auch zu schwierig zu lesen. Wenn man dazu noch bedenkt, dass Platzhirsch Goethe mit seiner Italienischen Reise so laut röhrt, dass andere, leisere Stimmen übertönt werden, wird der Fanclub Johann Gottfried Seumes endgültig klein, aber fein bleiben müssen. Vorbei sind die Zeiten, als der Spaziergang nach Syrakus eine der großen literarischen Renner des 19. Jahrhunderts war. Zumindest im Ausland ist der Autor, selbst in Fachkreisen, heute wenig bekannt und nur etwas für ein Häuflein Feinschmecker. Man verwechselt ihn dort sogar leicht mit dem mittelalterlichen Mystiker Heinrich Seuse! Das ist eigentlich schade, denn Seumes Spaziergang nach Syrakus ist ein wichtiger, groß angelegter Alternativbericht zu Goethe mit ganz anderen Schwerpunkten. Dem Weimarer Dichter widerfuhr in seiner Grand Tour von 1786 bis 1788, bequem in Kutschen und Nobelherbergen logierend, eine Wiedergeburt als klassischer Dichter. Zu diesem Zweck ratterte Goethe in Italien die üblichen Stereotypen und Klischees eines nordeuropäischen Reisenden herunter: die natürliche Sinnlichkeit und Faulheit der Italiener, mediterranes Klima, exotische Fauna und Flora (die heutigen Vorurteile von Sonne, Meer und Pizza auf hohem, bildungsbürgerlichem Niveau!) und vor allem natürlich die Wiederentdeckung der römisch-griechischen Antike mit ihren ewigen Werten und ihrer unverwüstlichen Schönheit. Italien war für Goethe weniger ein konkretes Land als eine abstrakte Idee, die er auch in der Wirklichkeit bestätigt sehen wollte. Die Italienische Reise Goethes hätte deshalb ohne weiteres auch eine Spanische, Türkische oder Griechische Reise sein können. Seume, der seine Reise von Grimma bei Leipzig bis Syrakus und zurück 1801 und 1802 selbst finanzierte, zu Fuß bestritt und seine Erfahrungen dann in einer seltsamen Mischung aus Erlebtem und Erfundenem nachträglich niederschrieb und 1805 veröffentlichte, ist ein ganz anderer Bildungsreisender als Goethe. Seume ist nicht interessiert an der Antike und an hehren Schönheitsidealen von anno dunnemal, er beschreibt (natürlich in einer damals üblichen Brieffiktion) ein Italien zu Beginn des 19. Jahrhunderts, das er als Fußgänger, persönlich und von unten, mit fünf Sinnen erwandert, wobei der Leser Seumes unverhohlene Vorliebe für die von Napoleon längst ausgehebelten Ideale der französischen Revolution spürt. Gar nicht witzig zu lesen ist seine idyllische Beschreibung des Gebiets im Norden von Neapel (terra dei fuochi=Feuerland), das heute eine traurige Berühmtheit als größte illegale Giftmülldeponie der Welt erlangt hat. Ansonsten kommen die Italiener wahrscheinlich sogar zu gut weg. Wörtlich: „denn ich halte die Neapolitaner für eine der bravsten und besten Nationen, so wie überhaupt die Italiener“. Seumes Reisebeschreibung ist nicht idealisierend, sondern objektiv und begründet eine Tradition des literarischen Journalismus, die dann Heinrich Heine und Ludwig Börne weiterführten und die bis zu Rolf Dieter Brinckmanns Rom Blicke reicht.
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am 24. September 2015
Nicht ganz einfach zu lesen, weil Latein und Französisch in den Zwischentexten eben heute nicht mehr automatisch präsent und übersetzbar sind. Vor 200 Jahren sprach der Gebildete eben beides. Dafür ist der deutsche Textteil wirklich attraktiv. Seume hat eine sehr aktuelle Sicht auf Politik, Religion und Freiheit des Menschen, seine zum Teil lapidare, nüchterne, fast schon ironische Art dere Beschreibung macht Spass beim Lesen. Daneben ist die Beschreibung der durchwanderten Länder nicht ohne Reiz, wenn man sie mit der Gegenwart vergleicht. Wien, Rom, Neapel, Sizilien haben sich kaum wirklich verändert, könnte ich boshaft(?) oder ehrlich ergänzen. Die Rückständigkeit des italienischen Südens ist immer noch vorhanden, die Segnungen der französischen Revolution haben diese Landstriche auch heute nicht erreicht. Und der Kirchenstaat verharrt im Stupor des Glaubens und des Nichtwissens. Sächsische Wanderstiefel müssen zwar zweimal neu besohlt werden bei dieser Tour, sie halten aber durch!
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am 9. Dezember 2014
Inhaltlich ein gelungenes Werk, welches ungerechterweise nicht so populär ist wie Goethes Reiseerzählungen! Zum einen ein Stück Zeitgeschichte, durch die alte Stilsprache aber leider auch anstrengend zu lesen.
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am 16. Januar 2016
Kann mir gut vorstellen, dass Zeitgenossen die Nase rümpften über diese Ansammlung von Betten-, Essen- und Gasthausbeurteilungen. Vieles, was man auch an Kunst und Landschaft kennt in den einzelnen Reiseetappen, wird nicht mal gestreift. Der Reisende legt wenig Wert auf nähere Kontakte zu Einheimischen mit etwas mehr Überblick als Pferdeknechte und Wirte, die Beurteilungen der aktuellen Lage hätten geben können. Er läuft und läuft. Als Reiseratgeber ungeeignet aber trotzdem unterhaltsam zu lesen.
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am 30. April 2014
Unbedingt lesen vor einer Sizilienreise im Jahr 2014 oder später. Oder-noch besser- es mitnehmen. Seume bringt uns Sizilien nahe, in der Art, wie es damals war, sodass wir es heute besser verstehen können als es uns ohne Seumes "Spaziergang" möglich wäre.
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am 1. Februar 2013
Das Buch bietet eine objektive Sicht von Seume auf seine Erlebnisse während seiner Reise. Teilweise hat man das Gefühl selbst mit unterwegs gewesen zu sein ;-) und gewinnt so einen Einblick in die damalige Zeit. Seume ist bestrebt seine Eindrücke so zu beschreiben, wie er sie wahrgenommen hat - teilweise sogar mit Spitzen auf die damalige politische Situation. Mir gefällt das Buch sehr gut und ich kann es uneingeschränkt empfehlen.
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am 17. Juli 2015
Sämtliche Italien-Literatur von Italienreisenden nach Goethe bringt immer einzelne glänzend hervor.
Eines davon ist das zu besprechende Buch von Gottfried Seume.
In der Zeit des "Sight-Seeing" ist es ja keine Schwierigkeit mehr nach Italien zu kommen, auch nicht nach Süd-Italien.
Ohne auf Genaueres einzugehen, wird natürlich jeder Leser, der das Buch zum ersten Mal in der Hand hat, stutzig,
weil Seume ja (fast) ausschliesslich zu Fuß gereist ist (außer dem Seeweg von Neapel nach Palermo).
Man sagt aus der heutigen Sicht, "kann doch gar nicht sein!", da vertut man sich allerdings und weiss nicht, was alles möglich ist.
Mich hat das Buch (neben der anderen Italien-Literatur von Fanny Lewald, Goethe, Charles Dickens, H. Taine, Karl Philipp Moritz, F.Gregorowius, Stendal etc.) wahrscheinlich so begeistert, weil ich selbst große Wanderungen mache und da Italien mein Lieblingsland
ist, auch dort einige Strecken, die Seume gemacht hat, zu Fuss zurückgelegt habe.
Da kommt man natürlich nicht um dieses Buch herum.
Wie hier schon vielfach erwähnt, schildert Seume ja nicht in so großer Euphorie die Kunstschätze und Landschaften Italien,
sondern er geht auch auf Misstände, Armut, Bedrohungen durch Räuber, Schwierigkeiten bei der Passkontrolle, schlechte Gasthäuser etc.
ein, was man in vielen Reiseführern der damaligen und der heutigen Zeit sicher noch nicht einmal am Rande zu lesen bekommt.
Wenn man Italien (nicht nur zu Fuss) durchquert, ist es natürlich gut, beides zu sehen, sowohl das Schöne (was es ja zur Genüge in Italien gibt), als auch die Misstände, man sollte sich natürlich nicht die Reise durch die Misstände verderben lassen.
Genauso ist es falsch, Seumes Buch nur unter dem Aspekt der Misstände zu sehen - es soll ja auch die Entwicklung (die überall und in
jedem Land immer voranschreitet) von allem aufzeigen, ob zum Guten oder zum Schlechten hin.
Ein gutes Beispiel ist seine (Seumes) Anekdote mit dem Blick auf Syrakus, was ja einst eine blühende
Metropole war mit dem Kommentar: "...das waren wir, das sind wir!".
Dieses kann man ja auch auf die heutige Zeit (ohne politisch zu werden) auf vieles übertragen.
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am 8. August 2015
Seume war ein Multitalent, polyglott, kenntnisreich und belesen. Im Unterschied zur fast gleichzeitig erschienenen Italienreise Goethes, der mehr das in seinem Kopf spukende Italien reflektiert, analysiert und in seinen Wertungen generalisiert, ist Seume ein scharfer Beobachter seiner Gegenwart. Mit großer Freundlichkeit begegnet er seinen Mitmenschen und Weggenossen, und voller Wißbegierde erkundet er das Italien des napoleonischen Zeitalters - im wahrsten Wortsinn ein bewanderter Mann. Immer wohlmeinend, nie beschönigend nimmt er die politischen, die sozialen und Rechtsverhältnisse seiner Zeit wahr. Ein wunderbar unterhaltsames Lern- und Lesebuch!
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am 14. September 2013
Seume verfügt über eine umfassende klassische Bildung, die ihn in Italien auf Schritt und Tritt begleitet. Für den halbgebildeten Leser ist deshalb (in der unkommentierten Ausgabe für 0 €) manches nicht unmittelbar verständlich. Andererseits führt die Wanderung unmittelbar hinein in die rauhe italienische Wirklichkeit um 1800. Hier zeigt sich, dass Seume ein Mann aus dem Volke ist, der schon sehr viel erlebt hat und sich vor fast nichts fürchtet. Er ist ein sympathischer-lässiger Weltbürger und plastischer Schilderer. Die politisch-religiösen Zustände beschreibt er gnadenlos aus einer aufklärerischen Perspektive.
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